Liebes Forum,
im Oktober hatte ich in einer Moosprobe das Rädertier Bryceella stylata gefunden. Die Probe wurde aufbewahrt, verdunstetes Wasser durch Regenwasser und Schnee ersetzt. Auch wurden andere Moosproben in dieses Gefäß "entsorgt".
Mittlerweile hat sich eine Kahmhaut gebildet, in der sich sehr viel interessante Organismen tummeln. Schon Ende Dezember traten dort eine große Anzahl Bryceella- Rädertiere auf, von denen jedoch einige anders aussahen als "normal", sie waren von Parasiten befallen (gelbe Pfeile; Obj. 40x)):
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/56401_29572065.jpg)
Im Anfangsstadium noch relativ klein und m.o.w. rund, waren diese Parasiten nach ca. 5 Tagen in einigen Exemplaren als längliche Gebilde an der großen Anzahl stark lichtbrechender Körperchen zu erkennen (gelbe Pfeilspitzen; Co: Corona; dS: distale Enden des Kauapparats (Subunci); Obj. 100x):
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/56401_4495117.jpg)
in diesem Exemplar waren insgesamt mindestens 11 Parasiten zu sehen (Obj. 100x):
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/56401_50082089.jpg)
Insofern unterscheiden sie sich von anderen Parasiten, die ich bisher in Rädertieren gefunden habe. Zum Vergleich hier nochmals ein Foto eines Parasiten in Synchaeta pectinata vom Mai 2010:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/56401_40099750.jpg)
In der aktuellen Kahmhaut befindet sich noch ein weiteres Rädertier, das ich als Cephalodella bryophila bestimmt habe. Dieses recht kleine Rädertier (ca. 120µ) wurde ebenfalls von diesem Parasiten befallen Obj. 100x:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/56401_33477020.jpg)
Ob es sich bei diesem -für mich neuen- Parasiten auch um einen Vertreter der Microsporiden handelt (wie bei Synchaeta) weiß ich nicht. Wie immer freue ich mich über jeden Literaturhinweis...
weitere Bilder:
zu Bryceella stylata: http://www.plingfactory.de/Science/Atlas/KennkartenTiere/Rotifers/source/Bryceella%20stylata.html
zu Cephalodella bryophila: http://www.plingfactory.de/Science/Atlas/KennkartenTiere/Rotifers/source/Cephalodella%20bryophila.html
viel Spaß beim Anschauen & beste Grüße Michael Plewka
Hallo Michael,
ein sehr informativer und schöner Beitrag zeigst Du uns hier.
Danke fürs Zeigen.
Hast Du hierbei DIC oder "Schiefe Beleuchtung" angewandt?
Herzliche Grüße
Frank Fox
Hallo Michael,
sehr interessanter Beitrag! Sowas habe ich noch nie gesehen, werde demnächst bei der Beobachtung von Rädertieren auf solche möglichen Infektionen achten. Konntest Du von den Parasiten unterschiedliche Entwicklungstadien erkennen?
Das sind erstklassische DIK Aufnahmen!
viele Grüße
Steffen
hallo Frank, hallo Steffen,
vielen Dank für die Blumen...
@ Steffen: leider habe ich keine weiteren Entwicklungsstadien finden können. Der Grund dafür liegt darin, dass sich in dieser Kahmhaut zu viele unterschiedliche Sporen/ Cysten von Protisten befinden, die ich nicht zuordnen kann. Fakt ist nur, dass ich auch einige tote Rädertiere mit diesen Parasiten gefunden habe. Hier mal ein Bild einer Leiche :
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/56691_14881559.jpg)
Im Frühjahr sollten bei den planktischen Rädertieren auf jeden Fall auch welche mit Parasiten zu finden sein.
beste Grüße Michael Plewka
Hallo Michael,
sehr interessanter Beitrag ! Vielen Dank dafuer.
Waere interessant, herauszufinden ob die Ueberalterung der Kultur die Anfaelligkeit der Raedertiere fuer Parasiten erhoeht?
Herzliche Gruesse
Holger
hallo Holger,
deine Ideen bezüglich weiterer Experimente sind fürwahr inspirierend! Im konkreten Fall würde ich erst mal vermuten, dass eine überalterte Kultur die Infektionsrate bzw. -wahrscheinlichkeit erhöht. Ob das eine Folge der größeren Dichte der Parasiten bzw. ihrer Wirte in der Kahmhaut im Vergleich zum "natürlichen" Lebensraum ist oder aber der größeren Anfälligkeit der potentiellen Wirte zu schulden ist, vermag ich nicht zu sagen. Selbst die stark infizierten Tiere wirkten in ihrer Aktivität (Bewegung) nicht im geringsten eingeschränkt. Auch die von mir schon einmal in diesem Forum gestellte Frage, wie die Infektion erfolgt (oral?), ist bis heute nicht beantwortet. Es ist aber nicht vorstellbar, dass selbst die kleinsten der von mir beobachteten Parasiten den Kauapparat unverletzt passieren könnten (Bakterienfresser- die Angabe, dass B.stylata kleine Diatomeen frisst, konnte ich nicht beobachten).
Aber ich bleibe weiter am Ball!
beste Grüße Michael Plewka