Sind Streptokokken auch in Teichwasser anzutreffen?
Ich habe einen Auszug meiner Tümpelprobe mit etwas Zuckerwasser angereichert.. etwa im Verhältnis 1:1.
Jetzt zwei Tage später sieht man in der Probe unter dem Mikroskop eine über die ganze Mikroskopierfläche verteilte große Kolonie an Bakterien. Einige zappeln und bewegen sich noch, die meisten "liegen nur so da". Neben den Bakterien sind noch andere Mikroorganismen vorhanden die etwa dieselbe Größe haben.
Die Sichelalten zB haben sich aufgelöst, zumindest haben sie innerlich keine Struktur mehr. Gleiches gilt für andere Stabalgen und Goldalgenkugeln.
Welche Bakterien sind es die ich da in Massen sehe ? Mir ist nur der Streptokokkus Mutans bekannt der sich von kurzkettigen Kohlehydraten ernährt. Meines Wissens produziert er dabei Säure - man müsste also einen sinkenden PH-Wert feststellen können. Habe leider noch keine Teststreifen vorliegen.
Ich habe noch keine Fotogafiemöglichkeit am Mikroskop - daher kann ich sie nur beschreiben. Die Form ist etwa stabförmig in zwei Teilen.
Hallo,
Schön wäre es, wenn man Bakterien nur alleine aufgrund ihrer Morphologie bestimmen könnte! Dann hätte ich mir wohl 1.5 Jahre Laborarbeit erspart...
ZitatWelche Bakterien sind es die ich da in Massen sehe ?
Es gibt so viele verschiedene Arten, die meisten sind noch gar nicht beschrieben worden. Aufgrund von mikroskopischen Untersuchungen alleine kann keine Bakterienbestimmung durchgeführt werden.
Angeblich sind nur 0.1%-15% aller Bakterien überhaupt im Labor anzüchtbar, das bedeutet aber nicht, dass diese auch schon tatsächlich charakterisiert worden sind (durch PCR an der Originalprobe kann die Gesamtmenge der Bakterien abgeschätzt werden, deshalb die grosse Unsicherheit in den %).
Die Bestimmung von unbekannten Bakterien ist zeitlich aufwendig: zuerst Reinkultur erstellen, die Zellen mit flüssigem Stickstoff aufbrechen, abzentrifugieren. Den Überstand nehmen und dann eine PCR der 16s rDNA machen und diese sequenzieren. Die DNA Sequenz kann man dann mit den Datenbanksequenzen vergleichen, und erhält dann die nächeste Gattung oder Art. Es ist unwahrscheinlich, dass man auf eine schon vorher beschriebene Art stösst (aufgrund der grossen Vielzahl der Bakterienarten). Mit Mikroskopie alleine geht da nix...
Auf die langwirige Thematik, wie eine Bakterienart definiert is, möchte ich gar nicht eingehen.
ZitatStreptokokkus Mutans ... Die Form ist etwa stabförmig in zwei Teilen.
Das geht nicht. Kokken sind keine Stäbchen... Ausserdem produzieren sehr viele Bakterien eine Säure, deshalb auf S. mutans zu schliessen ist nicht möglich.
Alles gute,
Oliver.
Hallo!
Oliver hat es ja schon ziemlich umfassend beschrieben. Wenngleich man Bakterien zwangsläufig mit dem "Mikroskop" verbindet ( schließlich wurden sie so entdeckt, und wer kennt nicht Robert Koch über dem Mikroskop, gerade den Tuberkel erblickend ;) ), so hat das (Licht)-Mikroskop in der medizinisch-mikrobiologischen Diagnostik praktisch keine Bedeutung. Es mag also durchaus mikrobiologische Laboratorien geben, in denen man kein Mikroskop findet.
Man kann einige wenige Bakterien grob einordnen, zum Beispiel kann man im Dunkelfeld Spirochäten sehen, ebenfalls nach Anfärbung Gonokokken ( grampositive Diplokokken ) oder säurefeste Stäbchen nach Anfärbung mit Ziehl-Neelsen-Lösung. Das sind aber Randerscheinungen der Mikrobiologie, die meisten Bakterien kann man eben morphologisch nicht einmal grob identifizieren, geschweige denn genauer klassifizieren. Das funktioniert nur durch Anzüchtung und Untrsuchung auf bestimmte Stoffwechseleigenschaften ( Stichwort: Bunte Reihe ) oder per genetischer Analyse ( PCR ).
Deshalb ist es auch völlig abstrus, wenn hier gelegentlich Fragesteller auftauchen, die sich ein Mikroskop zulegen wollen, um bestimmte Bakterien zu sehen ( so wie letztens jemand, der sich nicht davon abbringen ließ, lichtmikroskopisch Wasser auf Legionellen untersuchen zu wollen ).
Zudem stellen die in der Medizin bekannten pathogenen Bakterien nur einen geringen Bruchteil der gigantischen Bakterienflora dar, zum Glück sind die meisten ( den Medizinern völlig unbekannten, da eben nicht bedeutasamen ) Bakterien apathogen.
Es gibt ja unendliche Arten seltsamster Bakterien in allen möglichen extremen Lebensräumen.
Kurzum: Unter dem Lichtmikroskop kamm man einige Bakterien "sehen" - mehr aber auch nicht!
Herzliche Grüße
Peter
Nur zur Klarstellung: die Bakterienform ermöglicht keine Bestimmung, es ist aber möglich gewisse Bakteriengruppen/andere Mikroorganismen aufgrund des mikroskopischen Erscheinungsbildes auszuschliessen. Als Beispiel: Wenn ich mit E. coli arbeite (Stäbchen) und ich dann unterm Mikroskop Kokken finde, dann habe ich es wohl mit einer Kontamination zu tun, und nicht mit E. coli. Wir haben daher Mikroskope zur Qualitätssicherung eingesetzt.
Es gab bei uns im Labor Schauergeschichten (als Warnung sozusagen): Angeblich hat jemand Monate lang aufwendige Experimente mit E. coli gemacht, ohne Ergebnis. Am Ende der Diplomarbeit hat sich dann herausgestellt, dass der betreffende Student/Studentin mit einem Hefepilz (!) gearbeitet hat, und nicht mit E. coli. Irgendwann hat er/sie versehentlich mit einer Kontaminante weiter gearbeitet. Ein Blick unter das Mikroskop hätte das verhindern können.....
Oliver.
Hallo Zusammen,
weil es gerade um Teichwasser geht: Cyanobakterien, also "Blaualgen" sind schon durch Mikroskopie zu unterscheiden - jedenfalls oft bis zur Gattung. Klar, nach denen war in diesem Fall nicht gefragt, es sei aber der Vollständigkeit halber doch erwähnt. Vielleicht lässt sich dann der leise Frust bei der Erkenntnis, dass Bestimmung von Bakterien mit dem Mikroskop nicht wirklich möglich ist, etwas mildern.
Interessant ist ja schon, dass die Cyanos bei den "echten" Bakterien nicht so richtig als solche "anerkannt" sind, aber andererseits genau so wenig bei den echten Algen. Sie sitzen irgendwie zwischen allen Stühlen.
Hier ein kleines Beispiel für Bakterien, die man schon mit dem 10er Objektiv recht gut sehen kann: Microcystis aeruginosa
http://1.bp.blogspot.com/_31EfOCktsTA/SsFBP1Caz8I/AAAAAAAABHU/GsPwbTXQjD4/s1600-h/Microcystis_100-fach_DF.jpg
Hallo zusammen,
hier mal ein laienhafter Kommentar dazu: Bakterien sehe ich insbesondere in abgestandenen Proben sehr häufig. Manchmal sind sie schlangenförmig (Spirillum sp.), meist sind es kurze Stäbchen, die mitunter auch Ketten bilden (Flavobacterium), teils sind sie kugelig (Methylomonas sp.) oder bilden blaualgenartige Bänder (Beggiatoa sp.).
Anders sieht es aus, wenn man z.B. eine eitrige Haut-/Schleimhautinfektion hat und die Sekrete nach Bebrütung mikroskopiert. Hier kann man dann doch - falls die Probe nicht steril ist - unterscheiden. Staphylococcus aureus scheint auf der menschlichen Haut eh allumfassend präsent zu sein. St. aureus ist kugelförmig. Streptokokken sind ebenfalls kugelig, die sich i.d.R. wie eine Perlenkette anordnen, was ich bei Staphylokokken noch nicht gesehen habe. Im Wasser habe ich beides noch nie entdeckt, was aber nichts heißen will.
Liebe Grüße
Angie
Hallo Angie,
nur mal am Rande: Streptokokken heißen so, weil die Individuen wie an einer Perlschnur aufgereiht aneinander hängen, Staphylokokken, weil sie ungeordnet in Haufen zusammenliegen.
Beste Grüße !
JB
Eben! ;)
Liebe Grüße
Angie
Hallo,
Ich hoffe ihr erlaubt mir etwas in die Theorie abzugleiten.
ZitatInteressant ist ja schon, dass die Cyanos bei den "echten" Bakterien nicht so richtig als solche "anerkannt" sind, aber andererseits genau so wenig bei den echten Algen. Sie sitzen irgendwie zwischen allen Stühlen.
Naja, da sind wir bei der Frage was stärker zu gewichten ist, die phylogenetische (=Stammesgeschichtliche Verwandtschaft) oder die "künstliche Systematik". Genetisch gesehen ist die Frage schon sehr eindeutig. Cyanobakterien sind Prokaryonten und gehören zu den Eubacteria (Bacteria) und nicht zu den Eukaryonten (Eukarya) oder Archaea (Archaebacteria).
Die echten Algen sind Eukaryonten und stammesgeschichtlich später angesiedelt. Die Fähigkeit Photosynthese zu betreiben wird nicht als ausreichend betrachtet die Cyanobakterien (phylogentetisch) zu den Algen zu zählen. bei künstlichen Klassifikationssystemen ist das natürlich anders. Die Photosynthese ist nur ein Merkmal von vielen. Nur weil zwei Autos grün sind bedeutet das nicht, dass diese auch zur gleichen Automarke gehören. Andere Merkmale sind schon Aussagekräftiger (zB die Anwesenheit eines Mercedessterns). Früher wurde die morphologische Ähnlichkeit zu den echten Algen als ausschlaggebendes Kriterium angesehen.
Oliver.