liebes Forum,
einen weiteren seltsamen Gast in der Kahmhaut konnte ich in der letzten Woche einmal kennenlernen: einen Strudelwurm mit "Stacheln" und "Dornen", möglicherweise Macrostomum rostratum. Sowas hatte ich vorher noch nie gesehen. Leider ließ sich das Viech nur unzureichend aus dem umgebenden Kahmhautmaterial befreien, welches im übrigen -zumindest teilweise- aus einer gelatinösen Masse besteht, deren Ursprung und Zusammensetzung mir noch unklar ist. Wie bei Strudelwürmern üblich, kontrahieren sie immer dann, wenn sie durch Deckglasdruck auf eine für die Fotografie und Beobachtung optimale Schichtdicke gepresst werden. Insofern sind diese Viecher wirklich sehr schwer zu fotografieren. Es kommt mir aber sowieso eher auf die Biologie an; mir war es wie gesagt unbekannt, dass Strudelwürmer so ausgestattet sein können.
Hier also ein paar Bilder: M. rostratum, Ventralansicht mit Fokus auf die Rhabdoide und den schlitzförmigen Mund (leicht kontrahiert):
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/57640_38406899.jpg)
Vorderkörper in Dorsalansicht mit Fokus auf die Augen:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/57640_31179011.jpg)
Vorderkörper mit zwei Augen, Tastcilien und Rhabdoiden:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/57640_3271049.jpg)
weitere Bilder hier: http://www.plingfactory.de/Science/Atlas/KennkartenTiere/Turbellaria/source/Macrostomum%20sp.1.html
viel Spaß beim Anschauen und beste Grüße Michael Plewka
Lieber Michael
Ich bin beeindruckt, wie hast Du die Qualitaet hinbekommen :-)
Kannst Du bitte zur Aunahmetechnik ein paar Worte verlieren, schaut nach DIK aus, aber wie hast Du die Layer zustande bekommen? Hat sich das gute Stueck nicht bewegt ...
Gruesse aus Wien
Gerhard
hallo Gerhard,
alle Aufnahmen sind im DIK entstanden; da hast du richtig vermutet.
Bild 1: Planachromat 20x. Dieses musste ich nehmen, um einen angemessenen Arbeitsabstand hinzukriegen, da das Präparat sehr dick war (s.o.).
Bild 2 ist mit einem Planapo 25x aufgenommen, der Vorderteil ist stärker gepresst, deshalb erscheint das Viech auch breiter. Der Arbeitabstand bei diesem Objektiv beträgt bereits weniger als 0,17 mm(was ich dadurch gemerkt habe, dass bei der versehentlichen Verwendung zweier zusammenhängender Deckgläser kein scharfes Bild mehr entstand). Auch das ist eigentlich ein wichtiges Kriterium zur Objektivauswahl: der Arbeitsabstand.....
Das letzte Bild ist mit einem 40x Planapo aufgenommen.
Alle Aufnahmen geblitzt mit Stahlschmidt Doppelkollektor.
Aufnahme mit Canon 450. Über meine Bildbearbeitung habe ich mich seinerzeit in diesem Beitrag ausgelassen:
http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=6428.0
Zitataber wie hast Du die Layer zustande bekommen?
Diese Frage verstehe ich nicht. Was für Layer? Meinst du die eingeblendeten Maßstäbe? Das habe ich hier mal beschrieben:
http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=7102.0
soweit erst mal, beste Grüße Michael Plewka
Zitat von: Michael Plewka in Januar 31, 2011, 23:16:25 NACHMITTAGS
...Der Arbeitabstand bei diesem Objektiv beträgt bereits weniger als 0,17 mm(was ich dadurch gemerkt habe, dass bei der versehentlichen Verwendung zweier zusammenhängender Deckgläser kein scharfes Bild mehr entstand). Auch das ist eigentlich ein wichtiges Kriterium zur Objektivauswahl: der Arbeitsabstand.....
...
Lieber Michael,
auch ich finde Deine Bilder wie immer phantastisch!
Der Grund meines Beitrags ist aber ein anderer. Ich habe mich schön öfter gefragt, was für ein Kriterium der Arbeitsabstand ist.
Kann man da sagen je großer desto besser? Oder gibt es ein Optimum?
Gruß, Oliver
Hallo Michael
Danke, ich meine Fokusschichten fuer das Fokusstacking. Da mir die Schaerfebtiefe nach mehr wie einer Schicht aussieht ...
:-)
Gerhard
Hallo zusammen,
danke nochmals für die Blumen...
@ Gerhard: die Bilder sind nicht gestackt. Es sind einzelne Aufnahmen. Bei beweglichen Organismen funktioniert Stacking meines Erachtens nicht.
@ Oliver: meine Bemerkung zielte ein wenig auf die Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis ab. In der Theorie (und damit in einigen Diskussionen hier im Forum) geht es eigentlich fast immer um das (theoretische) Auflösungsvermögen. Da bieten die Planapos von der Theorie her das Maximum . Der Arbeitsabstand ist dagegen ein ganz pragmatischer Wert. In einem typischen Tümpler-Präparat können sich die Organismen -je nach Probe- zwischen kleinen Blättern oder Sandkörnchen befinden, oder aber man hat vielleicht einige Plankton-Organismen, die etwas mehr Schichtdicke benötigen, um sich überhaupt bewegen zu können. Dann nützt einem ein Planapo wegen des geringen Arbeitsabstands recht wenig. Möchte ich dann vielleicht auf die Schnelle mehr Details erkennen um ein Viech zu identifizieren, müsste ich ein Objektiv 20x oder 40x verwenden. In einer solchen Situation taucht das Planapo- Objektiv in die Pfütze auf dem Objektträger oder in das Wasser, das am Deckglasrand hervorquillt.
Deshalb ist für meine Praxis ein großer Arbeitsabstand häufig sehr wichtig.
Ein weiterer Aspekt kommt hinzu: Die Objektive, insbesondere Planapos der Unendlich-Objektive sind sehr klobig gebaut. Es wird genügend Experten hier im Forum geben, die mit technischen/optischen Argumenten begründen können, warum das so sein muss. Unpraktisch ist es allemal. Ist ein Revolver mit solchen Objektiven bestückt, wird beispielsweise das Absaugen von Wasser unter dem Deckglas zu einem akrobatischen Akt. Das ging bei den alten Planapos (160er Optik) noch wesentlich leichter, da schlanker und mehr konisch zulaufend.
Selbstverständlich hat eine Firma wie beispielsweise Zeiss für solche Fälle auch entsprechende (Spezial-) Objektive im Programm. Diese sind aber für uns Amateure schwer erhältlich (gebraucht) oder aber recht teuer.
Fazit: für Tümpler sind die "Standard"Planapos nur begrenzt einsetzbar, auch wenn ihre optische Qualität bei entsprechender Präparation das derzeit machbare darstellt.
beste Grüße Michael Plewka