liebes Forum,
nachdem unser Schulteich nach 10 Jahren der biologischen "Erforschung" und "Nutzung" als Party-Schwimmbad bzw. Müllhalde nicht mehr zu gebrauchen war, ist nun ein neues Feuchtbiotop gebaut worden, das jetzt in die erste Tümpelsaison geht. Erste Untersuchungen zeigen, dass den allgegenwärtigen Nauplius-Larven und Rädertieren zur Zeit ein eingeschränktes Nahrungsangebot aus Dinobryon und Synura-Algen zur Verfügung steht. Daneben finden sich aber auch vereinzelt einige Goldalgen-Arten, die sich teilweise durch geringe Größe auszeichnen.
Die größte der 3 Arten ist Mallomonas caudata:
Kennzeichnend ist die in einen "Schwanz" auslaufende Zelle, die mit Schuppen bedeckt ist. Der Organismus rechts im Bild könnte evtl. das Eisenbakterium Siderocapsa sein http://www.mikroskopie.de/mikforum/read.php?2,50152,50152#msg-50152
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/59387_1881457.jpg)
Die Schuppen überlappen sich und haben eine rhombisch-abgerundete Fläche, auf der die Nadeln stehen.
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/59387_10030889.jpg)
Die Nadeln weisen am Ende eine Zähnung auf:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/59387_8613292.jpg)
Ebenfalls momentan zu finden ist die kleine Goldalge Mallomonas akrokomos (eine Winter bzw. Frühjahrsform), welche nur an einem Ende Nadeln trägt. Mit ca 20 µ leicht zu übersehen.
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/59387_17600675.jpg)
Die letzte Goldalge war nicht so leicht zu bestimmen, da mit ca. 10µ nicht besonders groß. Zunächst konnte ich aufgrund der Nadeln selbst ein Heliozoon nicht ausschließen, dagegen sprachen aber die deutlich sichtbaren Chromatophoren. In einer neuen Probe von heute konnte ich dann die Geißel (gelber Pfeil; grüner Pfeil: eine einzelne Nadel) fotografieren. Es handelt sich vermutlich um einen Vertreter der Gattung Spiniferomonas (vormals Mallomonas globosa):
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/59387_50539038.jpg)
Hier noch ein Bild von den Schuppen und Nadeln:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/59387_58834646.jpg)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/59387_63410286.jpg)
weitere Bilder zu dem Trio unter folgendem link: http://www.plingfactory.de/Science/GruKlaOeko/Teichleben/Algen/WeitereAlgen/WeitereAlgen.html
viel Spaß beim Anschauen & beste Grüße Michael Plewka
wow - tolle und interessante Fotos!
Bzgl. Arten und Bestimmung kann ich leider gar nichts beitragen. Lerne aber hier sicher einiges dazu...
Liebe Grüße,
Caroline
Hallo Michael,
Wieder Superfotos. Ich erinnere mich noch im Fott(?) gelesen zu haben, dass die Schuppen der Goldalgen kaum im Lichtmikroskop zu erkennen sind. Deine Fotos zeigen eindrucksvoll das Gegenteil.
Besten Dank
Martin
hallo zusammen,
@ Caroline: Deine Einstands-Bilder aus der Kristallwelt haben mich schwer beeindruckt. Umso mehr freue ich mich nun über Dein Interesse auch an der belebten Mikro-Natur! Ich bin gespannt auf Deine weiteren Mikro-Entdeckungen!
@ Martin: wörtlich heißt es bei FOTT (S.74) : "Einzelheiten der Schuppenstruktur sind im Lichtmikroskop schwer erkennbar,...." Also: auf die "Alten" lasse ich nichts kommen! Zu hervorragend sind die mikroskopischen Beobachtungen aller Art, die selbst schon im19.Jahrhundert durch die meisterhaften Zeichnungen dokumentiert worden sind. Selbst im FOTT sind lichtmikroskopische Zeichnungen der Synura-Arten in einer Detailfülle zu sehen, die meine Fotos weit in den Schatten stellen. Aber ich arbeite daran...
Davon abgesehen finde ich es bemerkenswert, dass Du diese Schuppen-Aufnahmen erwähnst. Das bringt mich zum eigentlichen Punkt: Nur durch Zufall habe ich nämlich gestern erst entdeckt, dass man in eingetrockneten Wassertropfen-Präparaten die KieselSchuppen wesentlich deutlicher erkennen kann als im DIK (zumindest in meinem) bei lebenden Zellen. Insofern also ein einfaches Verfahren zur Diagnose einiger Goldalgenarten. Möglicherweise lässt sich im Phasenkontrast die Schuppenstruktur noch besser erkennen (habe leider (noch) kein geeignetes 100x Objektiv).
beste Grüße Michael Plewka