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Foren => Mikroskopie-Forum => Thema gestartet von: Strudelwurm in April 03, 2011, 14:16:37 NACHMITTAGS

Titel: Mikroskop für Labor-/Klinikroutine?
Beitrag von: Strudelwurm in April 03, 2011, 14:16:37 NACHMITTAGS
Hallo,

ich wüsste gerne, welche Mikroskope häufig in der klinischen Praxis (Reihenuntersuchungen von Gewebeproben, Blut etc.) Verwendung finden. Welche Marken/Modelle werden dafür bevorzugt? Welche Ausstattung ist unverzichtbar, welche ist wünschenswert, und welche ist überflüssig? In welcher Preisklasse bewegt man sich da in etwa? Wo kann man solche Mikroskope (evtl. auch gebraucht) günstig erwerben?

Es würde mich sehr freuen, wenn jemand konkrete Informationen dazu hätte.

Vielen Dank!

Strudelwurm
Titel: Re: Mikroskop für Labor-/Klinikroutine?
Beitrag von: Werner Jülich in April 03, 2011, 14:48:47 NACHMITTAGS
Die typischen Routinemikroskope werden von allen bekannten Herstellern angeboten. Am Beispiel von Zeiss findet man als Stativ die Axioskop XX, Axilolab und die modernen Nachfolger Axio Scope.A1 und Axio Lab.A1.
Die Ausstattung ist individuell, man findet in der Regel die kleinst mögliche Beleuchtung als Standard, also 30-50W Halogen, Achroplane oder Neofluare als Objektive, nicht immer Trinotuben, selten AFL und wenn dann mit der typischen HBO 50 oder 100.
Die älteren Modelle werden ab und zu gebraucht angeboten.
Werner Jülich
Titel: Re: Mikroskop für Labor-/Klinikroutine?
Beitrag von: Strudelwurm in April 03, 2011, 16:59:51 NACHMITTAGS
Danke für die Antwort!

Ich sollte vielleicht betonen, dass in diesem Fall das Kriterium günstig eine nicht unerhebliche Rolle spielt. Von daher erübrigt es sich wohl, nach einem Zeiss-Mikroskop (selbst nach einem gebrauchten) zu schauen.

Also - ich suche sozusagen nach der "günstigstmöglichen" Wahl, ohne dass dabei wirklich essenzielle Ausstattung fehlen würde. Die Qualität und Verarbeitung sollte natürlich so sein, dass längerfristig vernünftiges Arbeiten damit möglich ist. Wenn man dadurch nicht sehen kann, was man sehen müsste, oder es nach wenigen Wochen in sämtliche Einzelteile zerfällt, nützt einem ja der günstigste Preis nichts.

Ich versuche es mal andersherum. Ich habe ein wenig im Internet herumgesucht und bin z.B. auf das "BMS E1-220 e-PLAN" (binokular) von Breukhoven, und das "Science TRM 301" (trinokular) von Bresser gestoßen. Wie sieht es mit diesen beiden aus? Wären die geeignet? Und falls nicht, was daran ist nicht ausreichend? Was wäre stattdessen zu empfehlen?

Völlig klar, dass solche Mikroskope nicht den Ansprüchen an höchste Qualität genügen. Aber wie gesagt, das Budget ist beschränkt...
Titel: Re: Mikroskop für Labor-/Klinikroutine?
Beitrag von: Klaus Herrmann in April 03, 2011, 17:08:14 NACHMITTAGS
Hallo Heike,

ZitatEs würde mich sehr freuen, wenn jemand konkrete Informationen dazu hätte.

Dann solltest Du aber auch etwas konkreter fragen! :D

Soll auch fotografiert werden oder nur mikroskopiert? Ist Auflichtfluoreszenz auch wichtig?
Wenn nur gefärbte Präparate angeschaut werden sollen und das auch nur hobbymäßig, dann reicht eigentlich Hellfeld und es muss nicht mal Planoptik sein.

Dann bist Du z. B. mit einem Carl Zeiss Standard 14 schon ausreichend ausgerüstet. 2,5,  10,  40,  100 ÖL; Okulare CPL 10/18
10W Halogenlampe, einfacher Klappkondensor 0,9.

Sowas gibt es schon als ordentliches Gebrauchtes für  10-15x Pizza für 2 plus 2 Gläser Chianti!
Titel: Re: Mikroskop für Labor-/Klinikroutine?
Beitrag von: Werner Jülich in April 03, 2011, 17:09:20 NACHMITTAGS
Bitte entschuldigen sie meinen Beitrag, ich hatte Ihre Frage ernst genommen.
Wenn Sie vielleicht jetzt noch mitteilen könnten, was Sie mit dem Mikroskop anfangen möchten, dann werde ich mich um eine Antwort bemühen.

Werner Jülich
Titel: Re: Mikroskop für Labor-/Klinikroutine?
Beitrag von: beamish in April 03, 2011, 17:32:22 NACHMITTAGS
Hallo Heike,

wie Klaus schon angedeutet hat, liegt ein gebrauchtes Zeiss Standard mit etwas Geschick und Geduld preislich unter Deinen Vorschlägen. Man darf beim Namen "Zeiss" nicht gleich erschrecken.... Und denke vor allem auch an die Ausbaufähigkeit über den Gebrauchtmarkt, der bei Zeiss riesig ist! Und wenn Du "trinokular" sagst, bedenke, daß da ein Rattenschwanz an Folgekosten (Kamera, Adaption) auf Dich zukommen können. Vorhandene Kamera einfach draufstecken is nich...

Herzlich

Martin
Titel: Re: Mikroskop für Labor-/Klinikroutine?
Beitrag von: reblaus in April 03, 2011, 17:47:27 NACHMITTAGS
Hallo Heike -

vielleicht noch einige ergänzende Hinweise: In der Tat würden auch neuere "gebrauchte" von Zeiss, Leitz, Olympus etc. den Etat wahrscheinlich weit sprengen.

Aber: Neue "preiswerte" Mikroskope entsprechen nicht nur in ihrer Optik (Stichwort "Endlichoptik") sondern auch im Preis den älteren ( über 30 J.) Mikroskopen dieser Firmen in Basisausstattung. Die Bildqualität beider wäre auf jeden Fall ausreichend

Was ist nun der Vorteil eines alten Markenmikroskops, wenn man doch um das gleiche Geld ein neues kriegen kann?

Die - fast - unendliche Ausbaufähigkeit mit gebrauchten aber qualitativ hochwertigen Zusatzteilen!
Vor allem wenn du noch nicht genau weißt was später alles damit gemacht werden soll.  Und wenn ein Teil durch was "edleres" ersetzt werden soll, bekommst du es bei eBay oder im Mikromarkt in der Regel zum Einkaufspreis wieder los.

Das Ergänzen preiswerter Neumikroskope ist hingegen meist nur eingeschränkt möglich.

Um Klaus Herrmann zu zitieren: Wenn du z.B. ein Gerät ähnlich dem dort empfohlenen erwirbst und es fällt dir nach einem Jahr ein, dass du eigentlich gerne eine Auflichtfluoreszenz oder eine Phasenkontrasteinrichtung hättest, brauchst du deshalb das Mikroskop nicht zu wechseln, sondern kannst das neuerworbene Teil einfach drauf oder dran setzen.

Bei eBay gehen solche Mikroskope regelmäßig für 200 - 400 (je nach Ausstattung und Laune) über den Tisch. Neulingen wäre allerdings eher zu empfehlen eine Suchanfrage in den Mikromarkt des Forums zu setzen. Man kann dort keine Schnäppchen machen, weil die Leute wissen was sie verkaufen, aber man bekommt dort in der Regel Rückgaberecht eingeräumt und kann sich auch dezent nach der Seriosität des Anbieters erkundigen.

Viele Grüße

Rolf




Titel: Re: Mikroskop für Labor-/Klinikroutine?
Beitrag von: Strudelwurm in April 03, 2011, 18:47:48 NACHMITTAGS
Zitat von: Werner Jülich in April 03, 2011, 17:09:20 NACHMITTAGS
Bitte entschuldigen sie meinen Beitrag, ich hatte Ihre Frage ernst genommen.
So war sie auch durchaus gemeint :D !

Sorry, ich möchte hier keinen Glaubenskrieg entfachen... ;)

Tja, was soll ich sagen. Ich werde bestimmt über kurz oder lang auch mal hobbymäßig für mich nach einem Mikroskop suchen, und dann vermutlich eher zu einem gebrauchten Markenmikroskop tendieren. Allerdings müsste ich mich, um dabei ein gutes Gefühl zu haben, wirklich erstmal sehr gut informieren, und eine Vorstellung davon bekommen, was ich - auch in Zukunft - eigentlich brauche bzw. will.

Das Mikroskop, das ich jetzt gerade suche, soll aber nicht hobbymäßig eingesetzt werden, sondern in der Tat in der Laborroutine. Allerdings nicht in Deutschland, sondern im, nunja, weniger technisierten Ausland - um mal den Ausdruck "Entwicklungsland" zu vermeiden.

Daher wollte ich mich mal umhören, was denn hierzulande gemeinhin in Kliniken und Laboren verwendet wird, und welche Voraussetzungen ein solches Mikroskop mindestens erfüllen muss. Wäre das angesprochene Zeiss Standard dafür zu gebrauchen?

Vielleicht gibt es ja jemanden hier, der in diesem Berufsfeld tätig ist?

Martin und Reblaus, ja ihr habt Recht, das mit dem späteren Ausbau ist normalerweise natürlich bedenkenswert... aber in diesem Fall wahrscheinlich eher zu vernachlässigen, oder? Ich nehme doch an, dass die Arbeit, die mit solch einem Mikroskop verrichtet wird, über Jahre hinweg standardmäßig dieselbe sein wird. Sehr vielseitig müsste es also wohl nicht sein - denke ich mir.

Ich selbst habe früher mal beruflich mit einem tollen, großen Olympus-Mikroskop gearbeitet, das keine Wünsche offen ließ. Im Gegenteil - für das, wofür es benutzt wurde, war es deutlich überdimensioniert, und wir haben auch nicht annähernd die Möglichkeiten dieses Mikroskops ausgeschöpft. Aber... meinem Arbeitgeber kam es damals bei der Anschaffung eben nicht auf's Geld an.

Ist natürlich großartig, wenn solche Voraussetzungen vorliegen... aber das hat man leider nicht immer!
Titel: Re: Mikroskop für Labor-/Klinikroutine?
Beitrag von: Werner Jülich in April 03, 2011, 19:09:22 NACHMITTAGS
Dann werden wir mal konkret.
In die Entwicklungsländer werden jedes Jahr viele Tausend Zeiss Primo Star zu Sonderkonditionen geliefert. Die Mikroskope können vom Zeiss-Service in den Entwicklungsländern betreut werden, sodaß ein Rücktransport nach Europa in der Regel nicht notwendig ist.
Die Mikroskope können als Hellfeld, Phasenkontrast 20-100x, LED-Auflichtfluoreszenz geliefert werden und auch mit Objektiven für ungedeckte Präparate.
Sollten Sie die Bedingungen für die Sonderkonditionen erfüllen, dann setzen Sie sich direkt mit Zeiss oder mit uns in Verbindung, damit wir Ihnen ein konkretes Angebot unterbreiten.

Unterhalb vom Primo Star wäre das Hund Medicus attraktiv. Auch hier kann man Hellfeld, Phasenkontrast und LED-AFL ausrüsten. Das Medicus ist ausgesprochen robust, wir haben es in diverse Entwicklungsländer geliefert. Ein Service besteht nicht, im Extremfall muß das Mikroskop zum Service nach Deutschland zurück. Dies ist jedoch bisher noch nie notwendig gewesen, wer in der dritten Welt arbeitet kann auch Mikroskopkomponenten auswechseln und Mikroskope reinigen.
Auch hier gibt es Sonderkonditionen, die wir nach Prüfung der Unterlagen einräumen dürfen.
Zur Qualität des Medicus kann sich Dr. Haus äußern, er ist der Produktmanager und im Forum angemeldet.

Sie erreichen uns: www.juelich-bonn.com

Werner Jülich
Titel: Re: Mikroskop für Labor-/Klinikroutine?
Beitrag von: Ortholuxianer in April 03, 2011, 21:57:59 NACHMITTAGS
Hi Strudelwurm,

in der täglichen Laborroutine sind sehr häufig noch Systeme mit 160mm Optik im Einsatz - bei mir im Labor macht das sicher 90% aller Mikroskope aus - die neueren Unendlich Systeme sind praktisch nur bei den Forschungsmikroskopen mit Kameraadaptation im Einsatz.
Empfehlen kann ich Dir - da extrem langlebig - die alten Leitz 160 mm Mikroskope (und auch die 170er), z.B. das Laborlux aus den 80ern, oder das Dialux 20 EB. Die benutzen wir tagtäglich im rauen Routinebetrieb und sie lassen einen nie im Stich. Gebraucht bekommt man sie häufig recht günstig, i.d.R. billiger als gleichalte Zeiss-Modelle.

Das Zeiss Primostar und Hund Medicus kenne ich auch - wobei das Zeiss die bessere Bildqualität und Beleuchtung liefert. Wie robust es im Langzeiteinsatz ist, kann ich noch nicht beurteilen. Möglicherweise hat das Hund hier Vorteile.

Beim Einsatz in Entwicklungsländern unbedingt an ausreichende Zahl von Ersatzbirnen denken bzw. einen Spannungsglätter... - und evtl. das Fett in den Revolvern vorher wechseln lassen!

Viel Erfolg,

Axel
Titel: Re: Mikroskop für Labor-/Klinikroutine?
Beitrag von: Strudelwurm in April 04, 2011, 23:29:28 NACHMITTAGS
Ja prima! Das hört sich doch schon ganz gut an.

Werner Jülich, Zeiss Primo Star oder Hund Medicus wären sicherlich ideal. Allerdings handelt es sich hier ja um einen Privatkauf, und nicht um eine größere Abnahmemenge - von daher liegen wohl kaum die Voraussetzungen für Sonderkonditionen vor.

Ich werde mich jedenfalls demnächst mal nach gebrauchten Exemplaren der empfohlenen Modelle umsehen.

Danke an alle für die Tipps!
Titel: Re: Mikroskop für Labor-/Klinikroutine?
Beitrag von: Strudelwurm in April 13, 2011, 16:35:56 NACHMITTAGS
Hallo nochmal...

Ich kämpfe mich nun seit einigen Tagen durch den Mikroskopie-Dschungel...  :-\

Ein bisschen vorwärtsgekommen bin ich zwar. Aber leider musste ich feststellen, dass regelmäßig bei einer gefundenen Antwort wiederum zwei neue Fragen auftauchen...!!!

Deshalb nochmal ein Versuch, von euch erfahrenen Mikroskopierern ein paar Infos zu bekommen.

Bei den bisherigen Tipps habe ich ein wenig das Problem, dass die empfohlenen Geräte nahezu beliebig ausrüstbar sind. Und um genau die benötigte Ausrüstung geht es mir ja vor allem... da ich mich damit bisher einfach zu wenig auskenne.

Also - optimal fände ich es, mal eine Einschätzung aus Anwendersicht zu hören. Vielleicht ist ja doch jemand unter euch, der praktische Erfahrung mit der mikroskopischen Arbeit in medizinischen Laboratorien und in Kliniken hat (Ortholuxianer?)?

Denn dass es jede Menge ganz toller Mikroskope gibt, die alles mögliche können, ist die eine Seite. Aber was davon letztendlich in der Praxis wirklich standardmäßig benötigt wird, ist ja vielleicht nochmal wieder etwas ganz anderes! Wenn ich z.B. nach der Anwendungsmatrix von Hund (http://www.hund.de/content/Anwendungsmatrix_Mikroskope_Helmut_Hund_GmbH_06_2009.pdf) gehe - ja, du lieber Himmel. Hämatologie, Urologie, Gynäkologie, Dermatologie, Pathologie, Bakteriologie, Parasitologie, Immunologie, lebende Präparate, Fertilitätsuntersuchungen... für jeden Bereich ist ein anderes Mikroskop ideal, bzw. werden jede Menge Zusatzkomponenten angeboten. Braucht man die denn in der Praxis wirklich alle?

Und umgekehrt - in dem Bereich beispielsweise, in dem ich gearbeitet habe und mich ein wenig besser auskenne, kam eigentlich nur Hellfeld zur Anwendung, und hat auch völlig ausgereicht. Das mag ja aber bei medizinischen/diagnostischen Fragestellungen wieder ganz anders sein - vielleicht ist ja dort eine andere Beleuchtung bzw. Technik, die ich nach meinen Erfahrungen für sehr speziell und unwichtig halten würde, die Methode der Wahl.

Weiß jemand Näheres darüber? Und ich meine natürlich nicht Labore in Spezialkliniken, sondern ich beziehe mich ausdrücklich auf den gängigen Routinebetrieb.

Im Einzelnen:




Über Berichte aus der Praxis würde ich mich sehr freuen! Oder über Hinweise, wen man mal fragen könnte...

Vielen Dank :) !
Titel: Re: Mikroskop für Labor-/Klinikroutine?
Beitrag von: Haus@Hund in April 13, 2011, 17:05:54 NACHMITTAGS
Hallo Strudelwurm,

nach unseren Erfahrungen ist Routine ein weites Feld: Die einen färben und brauchen nur Hellfeld, die anderen schauen sich Urinsedimente an und brauchen Phasenkontrast, wieder andere suchen Syphilis-Erreger und müssen Dunkelfeld haben, noch ganz andere suchen nach Pilzen aller Art und hätten gerne Auflicht-Fluoreszenz. Manche hätten gerne alles auf einmal  :o . Selbst die Leute, die sich das Leben in Tümpeln anschauen wollen, haben die Qual der Wahl: HF, DF, Ph, AFL, aufrecht oder invers?

Wer also eine Empfehlung haben möchte, muß erstmal sagen was er denn nun angucken will - DAS Routine-Mikroskop gibt es nicht...

Grüße,

Jörg Haus

Titel: Re: Mikroskop für Labor-/Klinikroutine?
Beitrag von: Peter V. in April 13, 2011, 19:52:20 NACHMITTAGS
Hallo!

Ich bin erst jetzt auf diese Diskussion gestossen und wundere mich, dass bereits so viele Worte gefallen sind und hier letztlich weiterhin wild im Nebel herumgestochert wird.

Meines Erachtens fehlen schlichtweg die WICHTIGSTEN Informationen: Was genau soll untersucht werden???

Ein Beispiel: Sollen nur Differentialblutbilder untersucht werden, reicht ein einfaches Durchlichtmikroskop mit einem 100er-Ölobjektiv, es sind noch nicht einmal weitere niedriger vergrößernde Objektive erforderlich.
Sollen aber z.B. Erreger wie Spirochäten diagnostiziert werden, ist zumindest Dunkelfeld erforderlich.

Zitatlieber Himmel. Hämatologie, Urologie, Gynäkologie, Dermatologie, Pathologie, Bakteriologie, Parasitologie, Immunologie, lebende Präparate, Fertilitätsuntersuchungen... für jeden Bereich ist ein anderes Mikroskop ideal, bzw. werden jede Menge Zusatzkomponenten angeboten. Braucht man die denn in der Praxis wirklich alle?

Nein so schlimm ist es gar nicht. Beispiel: Der Hämatologe braucht im Prinzip als Grundhandwerkzeug ein 100er-Ölobjektiv, sonst fast nichts. Urologen und Gynäkologen evtl ein niedrig vergrößerndes Objektiv und ein 40er mit Phasenkontrast, evtl. noch Dunkelfeld.

Ein früheres Wilozyt von Hund ( ich weiss nicht, wie die entsprechenden aktuellen Modelle von Hund heißen ) deckt z.B. ALLE Ansprüche von durchschnittlichen Urologen und Gynäkologen sowie sämtlicher Allgemeinmediziner ab.
Auflicht wird in der Medizin nie benötigt, Fluoreszenz nur in ganz speziellen Anwendungsfällen und DIK nur in hochspezialisierten Laboratorien der Forschung der z.B. IVF-Zentren ( künstliche Befruchtung ).

Aber nichts desto trotz muss man schon den genauen Anwendungszweck und den maximalen Preis kennen, um kompetent zu beraten.
Ebenso wären die Anwendungsbedingungen interessant, denn im tropischen Regenwald oder in der Sahara werden andere Anforderungen an ein Mikroskop gestellt als in unseren Gefilden.

Ein Neugerät der "Hobbyklasse" ( BMS, Bresser und Co. )  halte ich da für eher ungeeignet. Und weit davon entfernt, nun für mein Angebot im Mikromarkt Werbung machen zu wollen, würde ich sagen, dass z.B. ein solches Standard GFL - einmal durchgesehen und gewartet - noch mehr Lebensjahre unter harten Bedingungen vor sich haben wird als jedes Br...... oder Mü......

Insofern sollten Du ruhig ein gut Gebrauchtgerät mit 160 mm-Optik von Zeiss, Leitz etc. in Erwägung ziehen.

Vielleicht könnest Du doch den konkreten Zweck mal etwas genauer beschreiben. Soll es eine Spende von Dir für ein Urwaldhospital etc. werden? ( Die Frage ist ernst gemeint! )

Herzliche Grüße
Peter
Titel: Re: Mikroskop für Labor-/Klinikroutine?
Beitrag von: Ortholuxianer in April 13, 2011, 21:05:19 NACHMITTAGS
Hallo,

ich kann Peter V. völlig zustimmen - es kommt auf den Einsatzzweck an.

Bedenkt man aber die Angaben Laborroutine und Zitat "weniger technisiertes Ausland" so gibt das schon etwas einen Rahmen vor.
Die typischen Anwendungen können i.d.R. mit einem Standard-Durchlichtmikroskop mit 10er, 40er und 100er Ölimmersion bewältigt werden.
Typische Aufgaben in den Tropen/kleineren Krankenhäusern sind manuelle Blutbilder (100er Öl), dicker Tropfen für Malariadiagnostik (100er), Blutausstrich nach Giemsa für Malaria oder Trypanosomen (100er), Stuhl auf Parasiten (40er/100er), evtl. bakteriologische (100er) oder mykologische Proben (10er, 40er und 100er). Hierfür ist kein Phasenkontrast oder Dunkelfeld erforderlich. Das gleiche gilt auch für zytologische Untersuchungen.

Histo-pathologische Untersuchungen findet man sehr selten in o.g. Labors, diese Fragestellungen wären eher in Schwerpunktkrankenhäusern/Universitäten zu finden und sind i.d.R. auch mit o.g. Ausstattung lösbar, wenn es keine Fluoreszenzfärbungen sind.
Spirochätendiagnostik per Dunkelfeld ist sehr schön anzuschauen, wird aber in der Routine kaum betrieben (selbst hier nur in darauf spezialisierten mikrobiologischen oder dermatologischen Labors, die einen entsprechenden Forschungsschwerpunkt haben).

Für Urinsediment ist Phasenkontrast nett, wird aber in den üblicherweise kleinen Labors sehr selten betrieben (meist Streifentests/dipsticks, wenn überhaupt Harndiagnostik betrieben wird).

Vielleicht hilft das bei der Eingrenzung. Wenn Strudelwurm aber an ein sehr spezialisiertes Labor etwas spenden möchte, sollte er am besten dort vorher nachfragen, was gebraucht wird.

Viele Grüße,

Axel
Titel: Re: Mikroskop für Labor-/Klinikroutine?
Beitrag von: Dr. Jekyll in April 13, 2011, 22:08:25 NACHMITTAGS
Hallo Strudelwurm,

wenn es sich nur um Routineuntersuchungen im Hellfeld handelt, die Kosten ein Ausschlag gebender Faktor darstellt und die Aufrüstung eine untergeordnete Rolle spielt, dann wäre ein Steindorff-Mikroskop eine Option. Diese sind noch immer sehr weit in Arztpraxen verbreitet, da es sich um recht robuste Geräte handelt und die Optik zufriedenstellend ist.
Sie werden oft bei Ebay angeboten und sind schon unter 100€ zu haben. Erfüllen sie nicht die gestellten Anforderungen kann man sie ohne Verlust wieder verkaufen.
Mit etwas Glück findet man sogar noch Phasenkontrast-Ausstattung dafür (sehr, sehr selten!).

Viele Grüße
                Harald
Titel: Re: Mikroskop für Labor-/Klinikroutine?
Beitrag von: Strudelwurm in April 13, 2011, 23:44:34 NACHMITTAGS
Vielen Dank, Leute!

Das bringt mich doch schon erheblich weiter.

Dass ich bisher keine konkreten Angaben über den Verwendungszweck machen kann, liegt halt daran, dass ich diesen Verwendungszweck selbst nicht kenne. Die Vermutung mit der Spende trifft es schon ganz gut, Peter :) ! Und meine Kontaktleute sind leider selbst keine Anwender... von denen kam bisher die Information Es wird ein Mikroskop für's Labor gebraucht. Na klasse  :-\ ;)...

Deshalb wollte ich mich hier ja zunächst mal schlau machen, was in Laboren "hierzulande" denn überhaupt verwendet wird. So wie Axel schreibt, hatte ich es mir in etwa vorgestellt - manche Diagnostik könnte man vielleicht mit dem Mikroskop machen, tut das aber in der Praxis nicht, sondern wendet ganz andere Analysemethoden an... und manche Darstellungsarten oder besonders ausgefeilte Optiken liefern vielleicht besonders brilliante Bilder, sind aber für die eigentliche Diagnose in der Regel gar nicht notwendig.

Ja, und sicherlich - in einem tropischen Land (tropisch-feucht übrigens...) sind wohl parasitologische Untersuchungen etc. von größerer Bedeutung als in Deutschland.

Na, nun bin ich jedenfalls erfreut zu hören, dass anscheinend für viele Anwendungen ein normales Hellfeld-Mikroskop durchaus ausreicht. Und "unter 100  €" hört sich ja paradiesisch an :) ! Ob's wirklich so preiswert geht... mal schauen. Aber jedenfalls liegt mein ursprünglich angedachtes Preislimit in etwa bei 500 Euro. Und das wäre mit erweiterter Austattung wie z.B. Phasenkontrast ja wirklich etwas knapp...

Also, die bisherigen Vorschläge finde ich äußerst interessant. Jetzt muss ich mich noch im Einzelnen damit befassen. Ich habe auch heute erst einige PNs in meinem Postfach entdeckt, und bitte um Entschuldigung für's bisherige Nicht-Beantworten! Ich werde das ganz sicher noch nachholen. Allerdings komme ich manchmal tagelang nicht dazu, mich näher mit diesem Thema zu befassen, also bitte nicht böse sein, wenn ich noch etwas länger brauche...

Über jegliche Berichte und Tipps aus der Praxis oder sonstige Anregungen bin ich natürlich weiterhin dankbar! Die Frage zur Köhler'schen Beleuchtung z.B. ist für mich noch offen. Ich habe so im Hinterkopf, dass das "früher" einfach ein MUSS für ein Qualitätsmikroskop war. Aber ich habe nun auch schon durchaus etliche Top-Marken-Mikroskope ohne Köhler-Ausstattung gesehen. Gibt es da mittlerweile eine Entwicklung in der Technik, die das Köhlern entbehrlich macht?

Danke und viele Grüße!

Heike
Titel: Re: Mikroskop für Labor-/Klinikroutine?
Beitrag von: Peter V. in April 14, 2011, 08:12:14 VORMITTAG
Hallo!

Ohne eine langatmige Diskussion anfachen zu wollen: Vergiss Köhler komplett!!! Köhlern ist für Routinemikroskopie parktsich unbedeutend und 90% der Mikroskopverwender sind eh nicht in der Lage, die Köhlersche Beleuchtung korrekt einzustellen. Und haben dafür auch gar keine Zeit im Alltag! Denn genau genommen muss für jedes Objektiv neu geköhlert werden. Und dr "gewinn" durch Köhlern ist für die Routinemikroskope völlig irrelevant!

Vermultich reicht wirklich ein ganz normales Hellfeldmikroskop mit einem 10- oder 20er, einem 40er und einem 100er Objektiv. In der Luxusvariante mit Phasenkontrast.
Jedenfalls dürfte das gebraucht mit etwas Glück auch um 500 EUR zu realisieren sein, ohne Phako sicher!

Und wenn Du den tatsächlichen "guten Zweck" nachweisen kannst, vielleicht findet sich ja sogar ein Händler, der bereit ist, ein solches Gebrauchtgerät einmal kostenlos durchzusehen? Denn natürlich sollte man ein z.B. bei ebay oder sonstwo gebrauchtes Mikroskop einmal überpüfen lassen, bevor es sich mit einer "Bald-Bruchstelle" auf die lange Reise in die Tropen macht.

Herzliche Grüße
Peter
Titel: Re: Mikroskop für Labor-/Klinikroutine?
Beitrag von: Herbert Dietrich in April 14, 2011, 16:50:22 NACHMITTAGS
Hallo Heike,

wie ich der Diskusion entnehme, kommt in erster Linie ein robustes, solides Mikroskop in Betracht.
In meiner Sammlung habe ich zwei , drei Mikroskope von denen ich mich trennen könnte. Für Ihre Zwecke
halte ich davon das Leitz SM - LUX als besonders geeignet. Ausstattung Objektive alles original Leitz:
4/0.12 170/-, 10/0.25 170/-, 25/0.50 170/0.17, 40/0.65 170/0.17, 100/1.25 Oel 170/0.17
Tubus entweder Leitz Binokulartubus (beidseitige Dioprieneinstellung) mit Okularpaar Leitz Periplan NF 10x oder
Monokulartubus Leitz Okular Periplan GF 16x und Periplan 8xB
Tisch mit Objektführer mit tiefliegendem Trieb, höhenverstellbarer Kondensor mit Klapplinse, stufenlos dimmbare
Niedervoltlampe mit eingebautem Netzteil, Leuchtfeldblende.
Meine Preisvorstellung so um EURO 350.--  incl. 1000 Deckgläser und 500 Objektträger (mit Monotubus Euro 280.--)

Alternativ hätte ich noch ein Zeiss Standard RA mit Zeiss Lucigen Beleuchtung oder ein Zeiss Standard 14 mit
eingebauter dimmbarer Niedervoltleuchte. Bei beiden allerdings nur drei Zeiss-Objektive 3,2x, 10x und 40x.

Viele Gruße
Herbert Dietrich
Titel: Re: Mikroskop für Labor-/Klinikroutine?
Beitrag von: Werner Jülich in April 14, 2011, 17:08:41 NACHMITTAGS
Ein Mikroskop für die dritte Welt sollte so ausgestattet sein, dass es über ausreichend Leuchtmittel und ein robustes Netzteil verfügt.
Der Spannungskonstanter sollte nicht immer vorausgesetzt werden.
Wenn Sie also quasi historische Mikroskope für diesen Einsatzbereich anbieten möchten, liefern Sie einen Spiegel mit.
Werner Jülich
Titel: Re: Mikroskop für Labor-/Klinikroutine?
Beitrag von: Herbert Dietrich in April 14, 2011, 18:31:43 NACHMITTAGS
Hallo Herr Jülich,

ist das mit dem Spiegel ernst gemeint?
Wo es doch heute LED mit Batteriebetrieb gibt.

Gruß
Herbert
Titel: Re: Mikroskop für Labor-/Klinikroutine?
Beitrag von: Werner Jülich in April 14, 2011, 20:02:21 NACHMITTAGS
Wir schicken in diesem Jahr voraussichtlich zwei Techniker für 3 Wochen zum Serviceeinsatz in der dritten Welt. Voraussichtlich, denn die Randbedingungen müssen einen Einsatz rechtfertigen.
Wenn ich die Schadensmeldungen überfliege, dann sind ca. 50 Prozent defekte Beleuchtungen.
Leuchtmittel kann man tauschen, aber was ist mit den Steuerungen?
Wer ein uraltes Mikroskop verschenken möchte, der geht ja davon aus, dass dieses für eine längere Zeit funktionieren soll. Ich sehe da sowohl bei Leitz als auch bei Steindorff oder Zeiss Standard erhebliche Probleme, es sei denn, die Ersatzteilkits wären entsprechend voluminös.

Werner Jülich
Titel: Re: Mikroskop für Labor-/Klinikroutine?
Beitrag von: Peter V. in April 14, 2011, 20:42:25 NACHMITTAGS
Hallo Herr Jülich,

Hmmmm.....an eine Spannungsquelle, die 6 V liefert, zu kommen, um ein Standard mit Leuchtrohr mit "Saft" zu versorgen, dürfte auch in der Ditten Welt kein absolutes Ding der Unmöglichkeit sein.
Anders sieht es natürlich bei den Standards mit eingebauter Halogenlampe aus.
100%ige Ausfallsicherheit gibt es zudem auch bei Primostars vermutlich nicht. Vermutlich ist der Spiegel ansonsten tatsächlich sogar unter vielen Umständen nicht die schlechteste Lösung!
Da die Spenderin nun aber ein Maximum von 500 EUR hat, können wir noch so lange diskutieren...ein Primostar werden auch Sie und Zeiss selbst ihr dafür vermutlich nicht verschaffen  ;)
Und ein vielleicht nicht 100% "optimales" Gerät ist immer noch besser als gar keines!
Ich bin auf jeden Fall  überzeugt, dass man für diesen Preis ein in jeder Hinsicht ( auch bezgl. Wartungsfreundlichkeit ) zumindest sinnvoll ausgestattetes Gerät für die Dritte Welt bekommt.
Die Frage ist ja auch tatsächlich, wohin genau so ein Mikroskop geliefert wird. Man sollte die Reparaturmöglichkeiten und die dazu notwendigen Fähigkeiten dortiger findiger Bastler gerade in solchen Ländern nicht unterschätzen - "reparieren" heißt dort bekanntlich nicht nur "Platine raus und wieder rein" wie leider zumeist in unserer Überflüß- und Wegwerfgesellschaft.
Ich glaube, dass z.B. kubanische KFZ-Mechaniker manchen deutschen Meister alt aussehen lassen würden.  

Herzliche Grüße
Peter

Titel: Re: Mikroskop für Labor-/Klinikroutine?
Beitrag von: Herbert Dietrich in April 14, 2011, 21:56:49 NACHMITTAGS
Lieber Peter V.

Sie sprechen mir aus der Seele, so oder im gleichen Tenor wollte ich Herrn Jülich auch antworten.
Ich entnehme seinen Ausführungen mit der Entsendung von Technikern, dass es mit den modernen Geräten
doch auch Probleme gibt. Ob die historischen Mikroskope da nicht robuster sind sei dahingestellt.
Sonst wäre z.B. ein GFL mit Spiegel die vernünftigste Lösung oder LED mit Batteriebetrib.

Grüße

Herbert Dietrich
Titel: Re: Mikroskop für Labor-/Klinikroutine?
Beitrag von: Werner Jülich in April 14, 2011, 22:29:35 NACHMITTAGS
Ich möchte keine Kontroverse, ich wollte lediglich die Aussage Spiegel erläutern. Der geplante Serviceeinsatz betrifft überwiegend ältere Mikroskope, da sollte man sich nicht täuschen lassen.
Werner Jülich