Hallo.
Ich habe vor Urzeiten einmal angefangen Querschnitte mit Hand zu machen. Die Holundermark-Methode lag mir nicht also hatte ich mich für die Methode mit zwei Objektträgern entschieden. Das klappte damals auch ganz gut. Viele Jahre lang war ich dann durch einen Profi-Mikrotom auf der Arbeit regelrecht verwöhnt. So das ich mittlerweile das Schneiden mit Objektträgern verlernt habe. Entweder das oder mein Alter. Die Finger wollen nicht mehr so. Nun habe ich mich im Internet schlau gemacht. Hier gibt es einige Methoden: Holundermark, Objektträger, chemische Substanzen für Trockenschnitte und sogar günstige Handmikrotome. Wie gut lässt sich mit den Handmikrotomen denn arbeiten bzw wie dünn werden die Schnitte wirklich? 100 € wären bei einem fein schneidenden Modell sicherlich gut angelegt. Da gibt es Modelle unterschiedlicher Hersteller die alle sehr ähnlich aussehen. Mal kann man lesen das funktioniert sehr gut, an anderer Stelle das das nur herausgeworfenes Geld ist. Unbedingt suche ich eine Lösung die man am Tisch befestigen kann und nicht festzuhalten braucht.
Welche Erfahrungen habt ihr denn mit solchen gemacht? Oder sollte ich besser meine alten Finger trainieren?
Viele Grüße von Mayuka aus (ursprünglich) Okinawa.
Liebe Mayuka,
bei einem Handzylindermikrotom solltest Du darauf achten, dass es eine Klemme und nicht nur einen einfachen Stempel hat. Letzterer eignet sich nur für Paraffinschnitte. Mit der Klemme lässt sich in Holundermark (Achtung, trocken schneiden) oder in Möhre eingebettetes Material (http://www.mikroskopie-bonn.de/bibliothek/botanische_mikrotechnik/index.html#a419) verarbeiten. Stabile Proben können auch frei stehend geschnitten werden.
Ich mache zur Zeit alle meine Schnitte auf einem solchen Handzylindermikrotom. Da die mitgelieferten Messer in aller Regel nichts taugen, nutze ich Einmalklingen von Leica in einem Klingenhalter von Detlef Kramer. Der Halter kostet so um die 40 Euro, ein Päckchen mit 50 Klingen zwischen 70 und 80 Euro.
Meistens schneide ich mit einer Dicke von 50 µm. Bei "gutem" Material sind 30 µm kein Problem, bei schwierigen Proben können es auch schon mal 100 µm werden.
Wenn Du Beispiele sehen möchtest, schaue im Unterforum Mikrofotos nach meinen Beiträgen - oder guck' mal auf der Webseite des MKB (http://www.mikroskopie-bonn.de/index.html) vorbei.
Herzliche Grüße
Jörg
Guten Abend
Auch ich habe unter anderem ein Handmikrotom, neben den Tipps von Joerg, ich habe darauf geachtet, dass die Platte unter dem Glaseinsatz aus Metall ist. Dann habe ich aus einer Messingpatte eine U-Form ausgeschnitten und eine diese mit Zweikomponentenkleber fix mit dem Mikrotom verbunden. Damit kann ich das Handmikrotom mit einer Zwinge am Tisch anschrauben. Die Loesung ist weit stabieler wie die Spielzeugklemmen die als Zubehoer angeboten werden.
Damit hast Du zwei Haende fuer den ziehenden Schnitt frei und das Mikrotom ist nicht zu erschuettern da mit 20kg Tisch verbunden!
Den von Joerg empfohlenen Messerhalter wuerde ich auf jeden Fall empfehlen, ich habe auch 3 Stueck im Einsatz.
:-)
Gerhard
Das sind wirklich glasklare Schnitte und tolle Anfärbungen. Doch bis ich dahin gelange benötige ich noch ein wenig Zeit und die richtige Technik als Voraussetzung. Ich möchte erst einmal weiter zur Technik fragen. Welche Handmikrotome setzt ihr denn ein. Habt ihr da zufällig einen Link parat? Es gibt im Internet ein großes Angebot. Die sehen alle sehr ähnlich aus, kosten aber schon zu 50% Preisdifferenz. Oft steht kaum etwas in der Beschreibung. Dann werde ich mir einen hoffentlich geeigneten Handmikrotom zulegen und danach Schritt für Schritt modifizieren so das er auch richtig arbeitet.
Der Messerhalter ist eine gute Idee, auch wenn der recht teuer mit Klingen ist. Funktionieren damit denn auch die "billigen" 1x-Rasierklingen aus dem Handel oder muss man unbedingt die teuren von Leica benutzen?
Auf der verlinkten Seite wurde auch eine Methode zum Anfertigen von Torfmoosblattquerschnitten gezeigt. Ich habe auch mal welche angefertigt an einem Profi-Gefrier-Mikrotom. Daher weiß ich das die Schnitte sehr dünn sein müssen damit der Querschnitt auf der richtigen Seite auf dem Objektträger liegt. Meint ihr so ein Handmikrotom produziert Schnitte die dünn genug für z.B. Torfmoose sind? Für Pflanzenstängelquerschnitte reicht so ein Handmikrotom sicherlich aus. Aber wie schaut es da bei anderen Dingen aus?
Liebe Mayuka,
Torfmoose würde ich nicht mit dem Handzylindermikrotom schneiden. Da sind die bekannten Methoden und die auf unserer Seite dargestellte sicher besser geeignet.
Mit Baumarktklingen habe ich noch nicht geschnitten und die normalen Rasierklingen sind zu kurz. Für gute Ergebnisse kann ich nur die Kombination aus Detlefs Halter und Mikrotom-Einmalklingen empfehlen. Die müssen nicht unbedingt von Leica sein, aber ich denke, die nehmen sich preislich alle nichts.
Ich selbst nutze ein geliehenes altes Handzylindermikrotom, das einwandfrei funktioniert. Eine Herstellerangabe ist leider nicht darauf. Ich denke, so lange das Mikrotom eine Klemme hat, kannst Du so um die 80 bis 100 Euro nichts falsch machen. Vielelicht meldet sich ja noch jemand, der mit einem der aktuell angebotenen Geräte Erfahrung hat.
Danke übrigens für Dein Lob - es ist wirklich nicht schwer, solche Schnitte mit der von mir beschriebenen Zusammenstellung zu erhalten. Bei schwierigen Proben (ich habe mich die Tage an Lungenkraut versucht, das so gut wie kein verholztes Gewebe im Spross hat ...) geht das aber auch schon mal schief. Da hilft nur Üben, Härten und/oder frisch Schneiden. ;D
Herzliche Grüße
Jörg
Ich darf vielleicht einmal zusammenfassen. Ein normaler Handmikrotom schafft Schnitte die ausreichend dünn für z.B. Pflanzenstängel sind wie ich bereits hier bewundern durfte. Aber was ist mit sehr labilem Gewebe oder dünne Moosblättchen. Reicht dafür ein normaler Handmikrotom denn überhaupt noch aus? Ein Problem bei der Handmethode ist z.B. das es mir immer unmöglich war Schnitte anfertigen die nicht an einer Seite dicker sind als an der anderen. Sowas sieht dann natürlich nicht sehr fotogen aus. Oder gibt es Schnitt-Techniken mit denen man dieses Problem des "schrägen Schnitts" umgehen kann? Über jegliche Tips bin ich sehr dankbar.
Liebe Mayuka,
ja, Pflanzenmaterial kann man gut mit dem Handzylindermikrotom schneiden. Bei schwierigem Material ist es oft weniger die Technik, sondern die Übung. Normalerweise sind von 10 Schnitten 7 bis 8 brauchbar. Manchmal halt nur 2 bis 3 oder auch mal keiner. Das geht mir genau so. Dann muss ich noch mal rann und vielleicht eine andere Einbettung wählen.
Herzliche Grüße
Jörg
Hallo "Okinawa",
Um Moosblättchen u.ä. zu schneiden, würde ich eine andere Technik bevorzugen. Sie ist von "Moos-Leuten" hier schon öfters beschrieben worden: Blättchen oder Pflänzchen mit dem Finger auf einem Objektträger anpressen und dann mit Rasierklinge Schnitte anfertigen, indem man diese immer etwas fester gegen den Finger drückt. Mit einiger Übung geht das ganz gut. Um fotogene Schnitte zu erhalten, empfiehlt sich eine Einbettung in PEG, wurde hier schon öfters beschrieben.
In den sog. SHK-Klingenhalter kann man auch Rasierklingen klemmen. Ich selbst habe damit aber keine Erfahrungen. Problematisch ist auf jeden Fall die kurze Klingenlänge. Ausprobieren!
In Kürze werde ich wieder Halter liefern können.
Detlef Kramer
Hallo Okinawa,
ZitatBlättchen oder Pflänzchen mit dem Finger auf einem Objektträger anpressen und dann mit Rasierklinge Schnitte anfertigen, indem man diese immer etwas fester gegen den Finger drückt.
ergänzend möchte ich noch anfügen:
nehmen Sie
trockene Moosästchen/pflanzen. Sie haben dann Stengel-und Blattquerschnitte zusammen.
Bei dieser Methode sind viele Schnitte unbrauchbar, aber einige sind in Ordnung. Wichtig ist, daß die Moospflanzen lufttrocken sind.
Freundliche Grüße
Bernhard Kaiser
Vielen Dank für die vielen Antworten.
Soweit ich mich erinnere habe ich früher Moosblättchen feucht geschnitten. Später dann am Gefrier-Mikrotom. Aber das ist ja eine ganz andere Geschichte. Also sind meine Befürchtungen bestätigt das ein Handmikrotom für Spezialfälle wie Moosblättchen nicht fein genug sind? Das ich mehrere Anläufe beim Schneiden brauche weiß ich aus eigener Erfahrung. Das war selbst bei dem Gefrier-Mikrotom auf diese Weise so wenn auch nicht so viel schlechte Schnitte darunter waren.
Ist es einfacher mit dem sog. SHK-Klingenhalter zu schneiden als mit einer einzelnen Rasierklinge? Bisher hatte ich das so gemacht entlang eines zweiten Objektträgers. Das funktioniert bei sehr dünnen Material ganz gut (z.B. Moosblättchen oder Grasblättern von Festuca) aber natürlich nicht für Stängelquerschnitten von Pflanzen. Da befinde ich mich sozusagen gerade in einem Dilemma. ???
Hallo Mayuka,
ZitatDa befinde ich mich sozusagen gerade in einem Dilemma.
dann lösen wir das jetzt salomonisch:
Moos schneidet man nach
Moos-Kaiser ;)
Sonstiges botanisches Material frisch oder fixiert mit dem SHK-Halter und Einmalklingen und einem Handmikrotom entweder aufgeklebt, oder zwischen Mohrrübe, Zuckerrübe, Steckrübe...eingeklemmt oder in Holundermark; Styrodur. Oder in PEG eingebettet.
Leicht keilförmige Schnitte erhält man mit Freihandschnitt und einer Rasierklinge (billigste Methode). Schlitten -Mikrotom geht zur Not auch! ;D
Nicht weiter fragen, sondern machen! :D
Klaus,
dem ist wirklich nichts mehr hinzuzufügen.
Grüße vom
Moos-Kaiser
Okay. Jetzt ist es klar. Moosschnitte mache ich sehr selten. Also werde ich mir erst einmal den Handmikrotom zulegen und damit probieren. So ein Messerhalter kommt dann auch noch. Danke für eure schnellen Ratschläge!