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Foren => Mikroskopie-Forum => Thema gestartet von: Pommbaer in Mai 16, 2011, 17:04:48 NACHMITTAGS

Titel: Objektivauswahl
Beitrag von: Pommbaer in Mai 16, 2011, 17:04:48 NACHMITTAGS
Kann man zu einem Zeiss Standard eigentlich alle Objektive verwenden ?

Ich habe derzeit ein Standard 14 mit drei Objektiven von 2.5, 10, und 40x

Ich würde gerne "ausbauen" auf 100x oder wenigstens auf 63x um bei der Mikrobiellen Beobachtung mehr sehen zu können.

Einzelne Objektive von Zeiss West finde ich relativ teuer. Wäre es ohne Probleme möglich, das Mikroskop mit Objektiven von Zeiss Jena auszustatten oder andere günstige Objektiv-Sets ?

Gibt es verschiedene Gewinde-Durchmesser und -längen und was ist bei der Tubuslänge zu beachten? Momentan habe ich 160mm.

Grüße

Philipp
Titel: Re: Objektivauswahl
Beitrag von: Peter V. in Mai 16, 2011, 17:35:18 NACHMITTAGS
Hallo!

Ja, Du kannst ( mit Abstrichen ) alle 160mm-Optiken verwenden, also auch Zeiss Jena.
Allerdings ist ein 100er Achromat bei ebay in der Regel nicht soooo teuer, wenn er angeboten wird.
63er sind allerdings extrem rar.


Herzliche Grüße
Peter


Titel: Re: Objektivauswahl
Beitrag von: Herne in Mai 16, 2011, 18:12:15 NACHMITTAGS
Hallo Philipp,
prinzipiell hat Peter recht. Wenn man die Abstriche klein halten will, empfiehlt es sich Objektive und Okulare vom gleichen Hersteller zu verwenden. Die Lage des  Zwischenbildes im Tubus unterscheidet sich nämlich, je nach Hersteller, ein wenig. Ich verwende an meinen Standards sortenrein entweder Zeiss-Jena-Optiken oder solche von Leitz und natürlich auch noch Zeiss-West-Systeme - alle für Tubuslänge 160 mm ausgelegt .
Die Abstriche einer Mischbestückung werden vor allem dann deutlich sichtbar, wenn man fotografieren will.

m.f.G.
Herbert
Titel: Re: Objektivauswahl
Beitrag von: Pommbaer in Mai 16, 2011, 18:36:14 NACHMITTAGS
Sind die Zeiss Jena-Objektive denn automatisch mit einem passenden Gewinde für meinen Zeiss-West-Revolver ausgestattet ?

und wie verhält es sich bei Leitz ?

Habe bei Gewinden immer die Befürchtung, dass irgendwer ein Spezialmaß eingeführt hat was dann bei mir nicht passt. Für solche Fehlkäufe ist mein Budget leider zu knapp =)

gerade das Budget ist der Knackpunkt. Das Zeiss Standard ist ein Super Mikroskop und ich bin damit bis hierhin auch voll zufrieden. Teile gibt es dafür "an jeder Ecke" Allerdings merkt man an den Preisen, dass die Teile für dieses Mikroskop noch sehr gefragt sind.

Gibt es denn irgendwo Listen wo man bezüglich der Leitz und CJ-Objektive nachschauen kann ob diese wirklich für 160mm sind ?

Und was würde passieren wenn ich ein Objektiv für 170mm an das Mikroskop schraube ?

Eine geringe Abstufung in der Bildqualität ist m.E. verschmerzbar, da ich noch nicht viel mit Foto mache.
Und wenn ich damit anfange, dann erstmal in den niedrigeren Auflösungen unter 1MP.

Philipp
Titel: Re: Objektivauswahl
Beitrag von: Hugo Halfmann in Mai 16, 2011, 18:45:12 NACHMITTAGS
Hallo Phillip,

ich habe einen 63er (Trocken-) EF - Planachromaten von Leitz (Leitz hat auch 160mm Objektive gebaut ! ).

Ganz ehrlich: Mich reißt der nicht vom Hocker !

- Die Schärfentiefe ist gleich null
- Das Deckglas muss auf die korrekte Dicke überprüft werden - sonst gibt´s recht flott einen Crash !
- Das Präparat sollte potteben sein
- rein subjektiv ist das Bild des 40er besser, kontrastreicher, nicht so "flau"

Alles in allem ist für meinen Geschmack ein 40er Objektiv wesentlich "bedienerfreundlicher".

Versteh´mich bitte nicht falsch, ich will´s Dir nicht ausreden, aber hohe Vergrößerungen haben nicht nur Vorteile... ::)

Mein 63er fristet ein echtes Schubladendasein....
Titel: Re: Objektivauswahl
Beitrag von: reblaus in Mai 16, 2011, 19:35:22 NACHMITTAGS
Hallo Philipp -

nachdem ich 2 Trockenobjektive 63x (mit Deckglasdickenkorrektur) von Zeiss besitze und (selten) benütze kann ich die Ausführungen von H.H. allesamt unterstreichen. Es erfordert sehr viel Übung, damit ein gutes, kontrastreiches Bild hinzukriegen.

Für dich kommen für stärkere Vergrößerungen (speziell bei Mikroben) nur 63x Öl und 100x Öl in Frage. Erstere sind relativ seltener und daher teuer, ein 100x Öl als Achromat sollte hingegen auch für dich erschwinglich sein, mit etwas Geduld und 30.-€ solltest du dabei sein. Die sind relativ häufig, weil sie wegen der "Ölpanscherei" von vielen ungern eingesetzt werden.

Dein Kondensor sollte dafür aber wenigstens eine Apertur (Frontlinse) von 0,9 haben, sonst verschenkst du Auflösung oder du kannst das Bildfeld nicht anständig ausleuchten!

Bei diesen Vergrößerungen ist es aber auch für die Fehlerkompensation wichtig, dass die/das Okular/e und Objektive von der gleichen Firma. Wenn du also schon mit Zeiss-Okular(en) ausgerüstet bist und ein Leitz 100x als Schnäppchen irgendwo her kriegst, müsstest du tunlichst auch das entsprechende Leitz-Okular erwerben.

Optisch wäre das mit der 160/170 Tubuslänge gar nicht sooo kritisch, aber wenn du das Objekt deiner Untersuchungsbegierde mit einem Zeiss 40x erfasst hast, dann einen Öltropfen auf das Deckglas tust und möchtest nun dein 100x Öl anderer Provenienz/Tubuslänge einschwenken, dann siehst du vermutlich erst mal gar nichts, weil die Parkfokalität nicht stimmt, d.h. du bist zu hoch und musst erst neu einstellen  oder du bist zu tief und schleifst mit der Frontlinse auf dem Deckglas, denn bei diesen starken Objektiven ist die Frontlinse (wenn alles stimmt) meist weniger als 0,1 mm über dem Deckglas.

Selbst wenn fast alle neueren Objektive theoretisch eine Abgleichlänge von 45 mm haben - man kann sich nur bei den Objektiven einer Firma auf Parfokalität wirklich verlassen und wenn das Objektiv für eine andere Tubuslänge gerechnet ist, stimmt gar nichts - dann müsstest du alle Objektive austauschen!

Viele Grüße

Rolf
Titel: Re: Objektivauswahl
Beitrag von: Nomarski in Mai 16, 2011, 20:54:47 NACHMITTAGS
Hallo Pommberger,

ZitatGibt es denn irgendwo Listen wo man bezüglich der Leitz und CJ-Objektive nachschauen kann ob diese wirklich für 160mm sind ?

Mikrofibel Seite 55.

Auch die ganze Thematik über Abgleichlänge, RMS-Gewinde, Tubuslänge usw. ist dort ausführlich behandelt.

Ob du mit den CJ-Objektiven auf Dauer glücklich werden wirst, kann ich von hieraus schlecht einschätzen.
Vielleicht reichen sie dir aus oder du kaufst dir irgendwann doch die Objektive, die an das Mikroskop drangehören.

Wenn man mit dem 63er weniger sieht als mit dem 40er, ist es entweder falsch eingestellt in der Deckglaskorrektur. Sollte es eins ohne Deckglaskorrektur sein, ist das Objekt vom Deckglas zu weit weg.

VG
Bernd
Titel: Re: Objektivauswahl
Beitrag von: Pommbaer in Mai 16, 2011, 21:25:29 NACHMITTAGS
Ich habe ein 100er zum Kauf angeboten bekommen.

Jetzt stellt sich mir aber die Frage:

Die Vergrößerung wird ja aus Okular und Objektiv berechnet.

Wenn ich jetzt also etwas "größer" sehen möchte, empfiehlt es sich da eher ein gutes 40er Objektiv mit meinentwegen 18x Okularen zu verwenden oder ist es sinniger bei meinem 12,5er Okularen zu bleiben und mit einem "höheren" Objektiv zu arbeiten?

Was hätte im Endeffekt das bessere Bild ? Abgesehen davon, dass ich die Okulare wahrscheinlich nicht so "günstig" bekomme wie das Objektiv.

Philipp

PS: Auf dem Kondensor bei mir steht übrigens 0.9, da bin ich dann ja schon entsprechend gerüstet korrekt?
Titel: Re: Objektivauswahl
Beitrag von: Nomarski in Mai 16, 2011, 21:35:28 NACHMITTAGS
Ein gutes 40er hat bestenfalls die Apertur 0,95,

das reicht für eine förderliche Vergrößerung von 950-Fach.

Ein 100er hat die Apertur von 1,25 oder manchmal auch mehr, also förderliche Vergrößerung von 1250-fach.

Mit deinem 0,9er Kondensor wirst du diese aber nicht ausnutzen können, da damit nur eine förderliche Vergrößerung von 900-fach möglich sein wird. Also bräuchtest du noch einen Immersionskondensor.

Bleiben wir mal bei deinem 40er-Objektiv, das die numerische Apertur von 0,65 haben wird. Mit deinen 12,5er Okularen wirst du also gerade die förderliche Vergrößerung erreichen. Na ja, fast.  Desgleichen mit einem 100er Objektiv, vorausgesetzt, du immergierst auch den Kondensor.
Mit 18x-Okularen, die es für das Zeiss Standard nicht gibt, siehst du dann also zwar alles größer, aber du siehst nicht mehr, da du schon in der Leervergrößerung bist.
Ein 100er Objektiv wirst du als Achromat oder als Planachromat jedenfalls günstig auftreiben können, da jeder, der was auf sich hält, mindestens ein Neofluar haben muß.
Titel: Re: Objektivauswahl
Beitrag von: Eckhard F. H. in Mai 16, 2011, 22:41:52 NACHMITTAGS
Hallo Phillip,
das Verhältnis von Kosten/Sehen bezüglich Objektive war für mich lange Zeit verschwommen. Prof. Nachtigall hatte etwas zur groben Orientierung verholfen. Er berichtete von einem Testsehen, wo deutsche Spitzenobjektive und solche von Lomo bewertet wurden und zwar ohne deren Herkunft zu kennen. Fazit: Nur eine kleine Elite lag richtig. Das nur zur groben Orientierung.
Gruß - EFH
Titel: Re: Objektivauswahl
Beitrag von: Hugo Halfmann in Mai 16, 2011, 23:39:29 NACHMITTAGS
Guten Abend zusammen,

bei den Lomos ist aber unbedingt darauf zu achten, daß man nicht die "kurzen" mit 33mm Abgleichlänge, sondern die mit 45mm kauft. Mein GFL hatte jedenfalls nicht genügend Verfahrweg, um die Differenz beim "kurzen" Wasserimmersionsobjektiv auszugleichen - und diese Distanzringe heben die Bildqualität sicher nicht.