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Foren => Mikroskopie-Forum => Thema gestartet von: rekuwi in Mai 31, 2011, 10:12:32 VORMITTAG

Titel: Ortholux, viele Fragen, lohnt sich der Kauf?
Beitrag von: rekuwi in Mai 31, 2011, 10:12:32 VORMITTAG
Liebe Kenner/innen der Materie,

probeweise steht mir ein altes Ortholux-Schätzchen zur Verfügung. Mit vielem Zubehör, aber leider nur drei Objektiven. (5x + 10x oo, 63x vermutlich 37mm Abgl.länge)

Zu den Objektiven meine 1. Frage: Abgleichlänge?
(der Anbieten meinte ich könne meine 45mm Objektive verwenden - die passen nicht wie ich feststellen mußte!)

Mich interessiert das Mikroskop weil auch ein Heine-Kondensor dabei ist. Ich möchte gerne Phasenkontrast machen, gibt es solche Objektive noch zu kaufen?

Es sind die alten Lampenhäuser mit Glühbirnen und ein Trafo dabei. Ist eine Umrüstung auf Kaltlichtquellen möglich, einfach und auch kostengünstig?

Brauche ich für Auflichtmikroskopie spezielle Objektive?

Ist ein passender Objektführer zu bekommen.(Für den beiliegenden fehlt die Führungsschiene).

Das ganze Mikroskop ist sehr eingestaubt, die Triebe gehen aber noch gut. Wer bietet eine professionelle Reinigung an? (Falls ich es selbst nicht sauber genug bekomme).

Lohnt sich der ganze Aufwand überhaupt?

Liebe Grüße
Regi
Titel: Re: Ortholux, viele Fragen, lohnt sich der Kauf?
Beitrag von: Herne in Mai 31, 2011, 10:47:41 VORMITTAG
Hallo Regi,
mein Ortholux verdaut Optiken mit AGL 45 mm klaglos. Man kann z.B. den Tisch in seiner Schwalbe schieben bis es passt. Für den Mischbetrieb mit solchen von 37 mm AGL gibt es die "Plezy"-Ringe, man kann mit ihnen munter durcheinander bestücken, nur von Leitz muß es sein. Für die Abstimmung der Tubuslänge (160 oder 170) gibt´s Tubuslinsen, die auf den Objektivrevolver gesteckt werden.
Der Heinekontrast ist ´ne feine Sache und der Grund, warum ich das Mikroskop häufig nutze. Objektive gibt´s natürlich nur noch antiquarisch. Die beiden APOs 40- und 63-fach sind lecker. Die Einstellerei des Kondensors ist Übungssache. Die Optiken zu finden ist manchmal ein Geduldsspiel.
Für´s Auflicht braucht man spezielle Objektive; der Strahlengang der Lampe ist ein Eigenständiger, daher ist mit zwei Funzeln ist auch Mischbetrieb machbar.
Fehlende Kleinteile sind ein Fall für die "Suche"-Rubrik; neu geht hier nix mehr. Eine prima Website zu diesem Thema ist:
http://www.leitz-ortholux.de/
Dort wird das System umfassend vorgestellt.
Ob sich eine Aufarbeitung lohnt? Ja! Alleine schon wegen des Heinekontrastes. Vergleichbares gibt es sonst nirgends. (Fliessender Übergang von Hellfeld über Phasenkontrast nach Dunkelfeld.)
Beim Fotografieren kommt man mit dem absoluten Minimum an Glas im Strahlengang aus : Je weniger Glasflächen, desto weniger Staubfänger, desto weniger Ausfleck-arbeit.
Die Haptik des Mikroskops ist hervorragend; man geht nix suchen; alles ist da, wo es sein soll. :)

Mit freundlichem Gruß
Herbert.
Titel: Re: Ortholux, viele Fragen, lohnt sich der Kauf?
Beitrag von: rhamvossen in Mai 31, 2011, 12:33:18 NACHMITTAGS
Hallo Regi,

Um Phasenkontrast zu machen mit der Heine Kondensor kan grundsätzlich jedes Phasenkontrast Objektiv verwendet werden, das ist das Vorteil von der Heine. Also, Du bist nicht beschränkt auf die älteren Leitz Pv Objektive. Beste Grüsse,

Rolf
Titel: Re: Ortholux, viele Fragen, lohnt sich der Kauf?
Beitrag von: Peter V. in Mai 31, 2011, 13:17:27 NACHMITTAGS
Hallo!

Das Ortholux ist meines Erachtens ein weithin unterschätztes Mikroskop. Seltsamerweise ruht es offenbar mehr als Sammlungsstück auf/in diversen Tisches resp. Vitrinen als es tatsächlich als Arbeitsmikroskop verwendet wird. Warum, ist mir nicht ganz klar, denn es ist - ähnlich wie das Standard - ein grundsolides, sehr weit ausbaubares Systemmikroskop mit ausserordentlich gutem Gebrauchtteile-/Zubehörmarkt. Es übetrifft sicherlich in vielen Punkten sogar die normalen Standards und ist - was die "Schnittstellen" und die Solidität betrifft - allenfalls mit dem Standard WL vergleichbar. Manipulationen z.B. an der Beleuchtungseinrichtung mit dem großzügigen Lampenhaus ( auch Aufrüstung auf LED etc. ) sind kontruktiv bedingt sehr einfach zu bwerkstelligen. Dabei ist das Ortholux insgesamt robust, "einfach" und "logisch" konstruiert wie ein russicher Traktor.
Viele Dinge, die man bei anderen Systemen für viel Geld nach langer Suche zukaufen muss, sind bei den meisten Orthulxen bereit vorhanden, insbesondere der Trinotubus.
Der getrennte Grob- und Feintrieb sind so konstruiert, dass man sie intuitiv bedient und sich kaum umstellen muss oder es gar als lästig empfindet. Das Mikroskop ist in der Tat "in die Hand konstruiert". Herbert hat es bereits sehr gut ausgedrückt:

ZitatDie Haptik des Mikroskops ist hervorragend; man geht nix suchen; alles ist da, wo es sein soll.

Selten sind Orttholuxe richtig "abgerödelt", selten verharzt ( Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel ). Ich habe schon mehrere Ortholuxe erwroben und die Quote "schlechter" Geräte war deutlich geringer als z.B. bei den Standards.
Sie werden zudem wirklich nahezu immer sehr moderat gehandelt, erfreulicherweise.
Auflicht- und Phasenkontrastteile sind auf dem Gebrauchtmarkt gut erhältlich, man kann auch 160mm-Optik ohne ernsthafte Probleme verwenden.

Ich halte das Ortholux für ein hervorragendes Systemmikroskop, gegen dessen Erwerb nichts spricht.
Das sie aber vergleichsweise günstig gehandelt werden, ist es natürlich immer überlegenswert, wieviel Geld man in ein solches Gerät steckt, wenn es relativ "nieder" ist. Das hängt dann auch vom Kaufpreis ab, ob es sich lohnt.

Ws man bei "Heine" bedenken sollte, ist, dass dafür eine sehr leistungsstarke Lichtquelle erfofrderlich ist, sonst wird es arg funzelig.
Man sollte aber ohnehin beim Ortholux die originale Glühfadenlampe ( die für den Privatmann kaum noch erhältlich ist ) auf lange Sicht gegen eine LED tauschen.

Herzliche Grüße
Peter
Titel: Re: Ortholux, viele Fragen, lohnt sich der Kauf?
Beitrag von: rekuwi in Mai 31, 2011, 14:48:13 NACHMITTAGS
Lieber Herbert, Rolf, Peter,

herzlichen Dank für Euere aufmunternden Antworten. Speziell Danke für die ortholux-Seite. Die werde ich gut studieren!

Jetzt habe ich auch herausgefunden wie der Tisch verstellbar ist. Bin gespannt ob die 45mm Objektive funktionieren.  ;)

Liebe Grüße
Regi
Titel: Re: Ortholux, viele Fragen, lohnt sich der Kauf?
Beitrag von: Peter V. in Mai 31, 2011, 14:49:56 NACHMITTAGS
Hallo Regi,

ähhh.....wieso sollten die 45-mm-Objektive nicht funktionieren? Selbstverständlich funktionieren sie!
Man kann am Ortholux alle Objektive mit RMS-Gewinde betreiben.

Herzliche Grüße
Peter
Titel: Re: Ortholux, viele Fragen, lohnt sich der Kauf?
Beitrag von: rekuwi in Mai 31, 2011, 14:55:24 NACHMITTAGS
Lieber Peter,

ich wußte nicht daß der Tisch in der Schwalbenschwanzführung verstellbar ist. So wie ich ihn gestern hingestellt bekam stieß ich mit den 45er Objektiven auf das Präparat.
Herbert hat den richtigen Tipp dafür gegeben.

Grüßle
Regi
Titel: Re: Ortholux, viele Fragen, lohnt sich der Kauf?
Beitrag von: Jürg Braun in Mai 31, 2011, 15:14:30 NACHMITTAGS
Guten Tag

Hier eine Erklärung, weshalb 45mm Zeiss Objektive irgendwie doch am Leitz funktionieren. Natürlich rollen sich da die Fingernägel der Orthodoxen und achtung, sobald die Objektive besser korrigiert sind, benötigt man die passenden Okulare, dann ist fertig mit mischen. Nicht die Rohrlänge ist ausschlaggebend, sondern die Lage des Zwischenbildes. Die ist bei Leitz 152mm und Zeiss 150mm. Das mach einen Unterschied von gerade mal 2mm

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures007/65850_50218949.jpg)

Gruss in die Runde

Jürg