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Foren => Mikroskopie-Forum => Thema gestartet von: Safari in Juni 02, 2011, 00:03:00 VORMITTAG

Titel: Kann man den Ehec Erreger selber nachweisen?
Beitrag von: Safari in Juni 02, 2011, 00:03:00 VORMITTAG
Escherichia coli sollte ja mit einen normalem Mikroskop gut sichtbar sein. Ich habe vor über 30 Jahren, zu meiner Zeit in Afrika ein bisschen mit Coli Bakterien herum experimentiert und mit einer recht einfachen Ausrüstung die Bakterien gut sichtbar machen können.

Nur, wie unterscheide ich normale Escherichia coli von der Enterohämorrhagische Escherichia coli? Das ich dabei feststellen kann ob es sich um den Serotyp O104:H4 handelt glaube ich nicht. Aber mir würde es schon reichen festzustellen ob mein Gemüse, oder der Jogurt, oder der Rohmilchkäse, oder sonst etwas mit fäkale Verunreinigungen kontaminiert ist.


Titel: Re: Kann man den Ehec Erreger selber nachweisen?
Beitrag von: Denis in Juni 02, 2011, 07:40:12 VORMITTAG
Hallo Safari,

ohne eine Zellkultur mit einem speziell für diesen Erreger entwickelten Nährboden wird daraus leider nichts werden.

Gruss
Denis
Titel: Re: Kann man den Ehec Erreger selber nachweisen?
Beitrag von: Stefan_O in Juni 02, 2011, 08:26:31 VORMITTAG
@Denis: nicht mal das ist möglich. Serotypen sind nicht mit Nährmedien zu differenzieren (für E. coli O157:H7 gibt es einen Nährboden, ob dieser tatsächlich für einen Serotyp spezifisch ist, bezweifele ich). Die Bestimmung läuft entweder über Reaktionen mit spezifischen Antikörpern oder mit Methoden, die die Antigene der Serotypen direkt bestimmen z.B. per Maldi-MS. Allein E. coli hat 50000-100000 Serotypen (http://aem.asm.org/cgi/content/abstract/77/3/896). Eine Bestimmung zu Hause wird erst möglich sein, wenn ein Testkit dazu herausgebracht wird. Für den oben erwähnten E. coli O157:H7 gibt es diverse Test, die auf spezifischen Antikörpern beruhen.

@Safari: wenn es nur um die reine E. coli Kontamination geht, gibt es natürlich fertige Nährböden spezifisch für die Darmflora. Die Platten kann man fertig gegossen kaufen, Du müsstest sie nur in sauberer Umgebung animpfen und einen Brutschrank zum inkubieren haben. Das ist zu Hause durchaus machbar. Allerdings sollten die Platten hinterher fachgerecht entsorgt werden, d.h. totautoklaviert, um eine Verbreitung von eventuell pathogenen Erregern zu verhindern. Und Du musst bedenken, das Du mit der Kultur eben Bakterien anreicherst, mit denen Du eigentlich nicht in Kontakt kommen möchtest. Ich würde davon abraten.

Bei E. coli gibt es noch einen gesetzlichen Aspekt, der die Isolation und Kultur pathogener Stämme regelt. Ich konnte die Einstufung in die Risikoklassen für O157 und O104 auf die Schnelle nicht finden, aber sie wird 2 oder 3 sein. Für Klasse 3 sind die Labore genehmigungspflichtig, Arbeiten mit Klasse 2 sind meldepflichtig.

Gruss,
Stefan
Titel: Re: Kann man den Ehec Erreger selber nachweisen?
Beitrag von: Dr. Jekyll in Juni 02, 2011, 09:26:28 VORMITTAG
Hallo Safari,

Serotypen werden anhand ihrer unterschiedlichen Antigen-Strukturen auf ihrer Oberfläche differenziert, also durch immunologische Methoden. Diese sind für den Hausgebrauch nicht geeignet. Sie sind teuer und man muß sie erlernt haben.
Das Gemüse also lieber waschen, waschen, waschen und nochmals waschen. Dann sind Nachweise auf Krankheitserreger
überflüssig :-)

Viele Grüße
                  Harald
Titel: Re: Kann man den Ehec Erreger selber nachweisen?
Beitrag von: Denis in Juni 02, 2011, 10:30:26 VORMITTAG
Hallo safari,

Milchprodukte werden generell pasteurisiert, d.h. erhitzt. Falls da Bakterien dabei sein sollten, werden die durch die Erhitzung abgetötet. Da brauchst du dir keine Sorgen machen.

Gruss
Denis
Titel: Re: Kann man den Ehec Erreger selber nachweisen?
Beitrag von: Detlef Kramer in Juni 02, 2011, 11:16:26 VORMITTAG
ZitatJa, aber Verunreinigungen können auch nachträglich dazu kommen. Da traue ich gerade den Bio Bauern nicht über den Weg.

Wie das? Die Sterilisation ist doch der letzte Schritt vor dem Abfüllen/Abpacken. Das unterstellte Misstrauen gegenüber Bio-Bauern ist absurd!

Detlef
Titel: Re: Kann man den Ehec Erreger selber nachweisen?
Beitrag von: Peter V. in Juni 02, 2011, 11:31:10 VORMITTAG
ZitatDas unterstellte Misstrauen gegenüber Bio-Bauern ist absurd!

Lieber Detlef,

soooo ganz unrecht hat Safari nicht.
Sicherlich sind Bioprodukte - wenn sie ordnungsgemäß hergestellt werden - ärmer an Schadstoffen ( Pestizide, Hormon- und Antbiotikarückstände etc. ).
Was allerdings die Hygiene betrifft, schneiden industrielle Großbetriebe mit hochstandardisierten Abläufen schon manchmal etwas besser ab als kleine Biobauern ( womit ich letztere keineswegs diskreditieren möchte ).
Nicht selten zeigte sich in Tests, dass Bioprodukte in in vielen anderen Qualitätskriterien ( insbedondere eben Keimbelastung ) schlechter abschnitten als konventionelle Produkte.


http://www.focus.de/gesundheit/ernaehrung/news/bioprodukte_aid_134104.html#

Herzliche Grüße
Peter
Titel: Re: Kann man den Ehec Erreger selber nachweisen?
Beitrag von: Detlef Kramer in Juni 02, 2011, 11:39:59 VORMITTAG
Lieber Peter,

langsam wird es ziemlich OT. Aber, da ich selbst da eingestiegen bin, darf ich nicht mit Steinen schmeißen.
ZitatWas allerdings die Hygiene betrifft, schneiden industrielle Großbetriebe mit hochstandardisierten Abläufen schon manchmal etwas besser ab als kleine Biobauern ( womit ich letztere keineswegs diskreditieren möchte ).

Was hat die Frage der Konfektionierung mit Bio oder Nicht-Bio zu tun? Es gibt konventionelle, kleine Selbstvermarkter und es gibt Bio-Betriebe, die in industriellen Maßstäben produzieren.

Aber, bitte, das hat alles mit der ursprünglichen Frage nichts mehr zu tun.

Detlef
Titel: Re: Kann man den Ehec Erreger selber nachweisen?
Beitrag von: Guy Marson in Juni 02, 2011, 13:13:05 NACHMITTAGS
Hallo Safari,

Zitatum festzustellen ob Lebensmittel belastet sind

Lebensmittel sind immer belastet. Jeder Fliegenschiss ist Belastung. Und solange der Mensch die permanent anstehende Gülle aus der Massentierhaltung auch in Zeiten großer Dürre entsorgen muss und das dann auch noch in Form von (Kopf-) Düngung tut, sind solche Dramen vorprogrammiert. Und: Was für einen durchschnittlichen Afrikaner oder Asiaten noch "Normal" ist, ist oftmals für eine verwöhnte "Langnase" letal.
Die Lichtmikroskopie ist jedenfalls nicht nicht geeignet um bei E. coli irgendwelche Unterschiede zu *sehen*.
Ciao,
Guy
Titel: Re: Kann man den Ehec Erreger selber nachweisen?
Beitrag von: Hyperion in Juni 02, 2011, 14:17:21 NACHMITTAGS
Spontan fallen mir da mehrere Verfahren ein die ein entsprechend Ausgebildeter Biologe auch zuhause durchführen kann, wenn er entsprechend ausgestattet ist.

Man müsste nichtmal den Weg über die Antigene gehen.

Die Informationen dafür befinden sich im E. coli Genom.

Man könnte also die Pathogenitätsfaktoren molekularbiologisch nachweisen (PCR + Sequenzieren [macht ne externe Firma], DNA Hybridisierungstechniken)

Dann gäbe es noch die schon angesprochenen Sachen wie Elisa, Western Blot...

Für einen Laiennachweis sehe ich allerdings schwarz.
Titel: Re: Kann man den Ehec Erreger selber nachweisen?
Beitrag von: Klaus Schloter in Juni 02, 2011, 14:40:31 NACHMITTAGS
Hallo,
nach einer Veröffentlichung der "Ärzte Zeitung" vom gestrigen Tage soll in der kommen Woche ein Schnelltest (immunologisch?) für EHEC auf den Markt kommen.
Preis? Sicher nicht ganz billig!javascript:void(0).