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Foren => Mikrofoto-Forum => Thema gestartet von: Fahrenheit am August 22, 2011, 21:42:40 Nachmittag

Titel: Botanik: Ein Mittbringsel aus Römö - der Rainfarn (Tanacetum vulgare) *
Beitrag von: Fahrenheit am August 22, 2011, 21:42:40 Nachmittag
Liebe Pflanzenfreunde,

auf dem Zuweg zu unserem Ferienhaus auf der Insel Römö zeigt der Rainfarn im Sommer seine schönen gelben Blüten und da ich diesesmal eine kleine Ausrüstung zum Pflanzenschnibbeln und Mikroskopieren mitnehmen durfte, habe ich ihn mir einmal näher angesehen. Die Ergebnisse stelle ich hier gerne vor.

Der Rainfarn oder das Wurmkraut (Tanacetum vulgare, Syn.: Chrysanthemum vulgare (L.) Bernh.) ist ein Korbblütler(Familie Asteraceae), dessen Blütenstände nur aus zwitterigen Röhrenblüten bestehen. Diese erblühen von außen nach innen und dabei wölbt sich der zunächst flache Boden des Blütenstandes etwas auf,so dass er zunächst wie ein flacher gelber Teller aussieht - später aber einem halbrunden Knopf gleicht.
Er gehört zu den sogenannten Kompasspflanzen, die ihre Blätter bei vollem Sonneneinfall genau senkrecht nach Süden ausrichten. Heimisch ist der Rainfarn in ganz Europa, als Neophyt findet er sich aber auch in den gemäßigten Zonen anderer Erdteile. Er liebt sonnige, nicht zu trockene Standorte mit nährstoffreichen humosen Böden.  

Bild 1: Rainfarn am Wegesrand
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/71409_63227041.jpg) (http://www.fotos-hochladen.net)

Tanacetum vulgare ist eine ausdauernde, krautige Pflanze, die sich über ihr Rhizom stark ausbreitet und an geeigneten Standorten in großen Gruppen steht. Die wechselständigen, stark gefiederten Laubblätter verströmen einen charakteristischen Duft. Dabei sind die unteren Blätter gestielt, während die oberen am Stängel ansitzen.
Von Juni bis September blüht er in großen goldgelben doldenförmigen Blütenständen, wobei jede einzelne der Korbblüten eine gut dreistellige Anzahl kleiner Röhrenblüten trägt. Die glatten Hüllblätter der etwa einen Zentimeter durchmessenden Korbblüte sind um 4 mm lang und 2 mm breit, Spreublätter sind nicht vorhanden.
Die Samen des Rainfarn sind ca. 1 mm lange Archänen. Diese sind fünfrippig und glatt und tragen in der Regel keinen ausgeprägten Pappus sondern einen krönchenförmigen Saum, wie er auch auf der Illustration (Bild 3) gut zu erkennen ist.

Bild 2: Korbblüten des Rainfarns aus der Nähe
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/71409_42171881.jpg) (http://www.fotos-hochladen.net)

Der starke Duft weist auf eine Reihe von ätherischen Ölen hin, die in den Pflanzenteilen des Rainfarns (hauptsächlich in den Blättern) enthalten sind. Neben einigen Bitterstoffen kommen z.B. Kampfer, Borneol und Thujon vor.

Der Name Wurmkraut weist auf die Verwendung als Heilmittel bei Wurmbefall hin. Allerdings besteht bei der innerlichen Anwendung bereits bei relativ kleinen Mengen - je nach Konstitution schon ab einem Gramm Frischmaterial - Vergiftungsgefahr, so dass die Pflanze heute nicht mehr arzeneilich genutzt wird. Weiterhin dienten Waschungen mit dem Sud der Rainfarnblätter dazu, Ungeziefer wie z.B. Kopfläuse zu vertreiben.

Mit einer Alaunbeize ergeben die Blütenstände des Rainfarns eine dunkelgelbe Farbe. Etwas aufwändiger ist die Grünfärbung, die nach einer Vorbeize mit Alaun und dem eigentlichen Färbebad noch einer Nachbeize mit Eisensulfat und einer Entwicklung mit Ammoniak bedarf.

Bild 3: wie immer darf auch hier eine der schönen Illustrationen von Prof. Dr. Otto Wilhelm Thomés "Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz" (1885, Gera, Quelle http://www.biolib.de, Public Domain) nicht fehlen.
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures007/71409_22859295.jpg) (http://www.fotos-hochladen.net)


Zur Präparation

Eine erste Charge Sprossstücke habe ich direkt "vor Ort" mit dem Rasierklingenmikrotom geschnitten (Eine Anleitung gibt es hier (http://www.mikroskopie-bonn.de/bibliothek/botanische_mikrotechnik/index.html#a756)) und die Schnitte in AFE fixiert. Dabei fehlt mir wohl noch ein wenig Übung, da nur jeder 2. oder 3. Schnitt brauchbar war und die Schnittdicke ziemlich variert (um 40 µm).

Die Färbung erfolgte mit Etzold Grün nach Brügmann (Einwirkdauer der unverdünnten Lösung ca. 7 Minuten mit einem einmaligen Erwärmen auf etwa 70°C).

Die Schnitte habe ich dann direkt nach der letzten Spülung in Aqua dest. mit meinem kleinen Leitz HM betrachtet und auch fotografiert. Wohl wegen der Spiegelbeleuchtung ergibt sich - wie unten zu sehen ist - eine ganz eigene Farbwirkung.

Bild 4: das Leitz HM mit aufgesetzter Kamera
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/71409_51325549.jpg) (http://www.fotos-hochladen.net)
Im Urlaub darf man bei der Standortwahl nicht all zu zimperlich sein ....  ;D

Die so gefärbten Schnitte wurden in Isopropanol entwässert und in einer entsprechend großen Menge reinem Isopropanol aufbewahrt, um sie anschließend zu hause in Euparal einzudecken.

Weitere Schnitte habe ich mit dem Zylindermikrotom und Leica Einmalklingen im Halter erstellt, hier waren beim Schneiden des Frischmaterials Schnittdicken von 30 µm erreichbar. Nach der Fixierung in AFE habe ich die Schnitte in eine 1:1 Mischung von AFE und Ethanol 70% überführt und nach dem Urlaub zu hause nach Wacker W3A (serielle Dreifachfärbung, ein Arbeitsblatt kann hier heruntergeladen werden (http://www.mikroskopie-bonn.de/downloads/index.html#a15)) gefärbt und in Euparal eingeschlossen.

Somit stehen im Folgenden neben einer Aufnahme des fixierten, aber ungefärbten Materials Bilder von zwei Färbungen an zwei Mikroskopen zur Verfügung.    

Die Bilder

Zunächst der ungefärbte (aber bereits fixierte) Schnitt:

Bild 5a/b: Querschnitt durch eines der Hauptleitbündel des Rainfarnsprosses und der angrenzenden Gewebe, Bild 5b mit Beschriftung. Vergrößerung 200x, Stapel aus 12 Bildern.
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/71409_23972733.jpg) (http://www.fotos-hochladen.net)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/71409_43357971.jpg) (http://www.fotos-hochladen.net)
Cu   : Cuticula
EP   : Epidermis
KKol : Kantenkollenchym
RP   : Rindenparenchym
SKL : Sklerenchym (-kappe)
Pl    : Phloem
Ca   : Cambium
Xl    : Xylem
T     : Trachee
PXl  : Protoxylem
MP   : Markparenchym
Die Zelllage direkt außerhalb (links) der Sklerenchymkappe unterscheidet sich deutlich von den Zellen des darauffolgenden Grundgewebes, hier könnte eine Stärkescheide vorliegen. Wohl durch die lange Lagerung der Schnitte finden sich jedoch kaum noch Amyloplasten darin - somit bin ich mir meiner Deutung nicht sicher.

Nun die Aufnahmen der frisch gefärbten Schnitt ein Wasser mit dem Leitz HM. Da das kleine Gerät nur über einfache Achromate verfügt und nur Einzelaufnahmen vorliegen, fällt die Schärfe zum Rand hin prinzipbedingt ab. Die Aufnahmen wurden mit Spiegelbeleuchtung und Tageslicht gemacht.

Bild 6: Ausschnitt aus dem Spross mit Leitbündeln, Färbung Etzold grün, Vergrößerung 100x, Einzelaufnahme
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/71409_32846351.jpg) (http://www.fotos-hochladen.net)

Bild 7: Xylem, Protoxylem und Sklerenchym, Färbung Etzold grün, Vergrößerung 450x, Einzelaufnahme
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/71409_4523131.jpg) (http://www.fotos-hochladen.net)
 
Während der Lagerung im Isopropanol ist das Fuchsin ein wenig ausgeblutet, die Schnitte waren aber noch gut brauchbar. Interessant ist die völlig andere Farbwirkung der Etzold-Färbung nach Einschluss in Euparal und natürlich auch auf dem "großen" DME mit Halogenbeleuchtung.

Bild 8: Ein ähnlicher Ausschnitt wie Bild 6, allerdings bei nur 50-facher Vergrößerung. Stapel aus 11 Bildern.
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/71409_51230664.jpg) (http://www.fotos-hochladen.net)

Bild 9a/b: Querschnitt durch eines der Hauptleitbündel des Rainfarnsprosses und der angrenzenden Gewebe, Bild 9b mit Beschriftung. Vergrößerung 100x, Stapel aus 8 Bildern
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/71409_20082446.jpg) (http://www.fotos-hochladen.net)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/71409_18073935.jpg) (http://www.fotos-hochladen.net)
Bezeichnungen wie bei der Aufnahme 5b.

Bild 10: Ein ähnlicher Ausschnitt wie Bild 7, Vergrößerung 400x, Stapel aus 5 Bildern.
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/71409_2833843.jpg) (http://www.fotos-hochladen.net)

Zum Schluss nun die nach Wacker W3A gefärbten Schnitte. Im direkten Vergleich zeigt sich wieder, dass Robin Wackers Farbkombination viele Details doch etwas differenzierter darstellen kann, als das Etzold Grün.

Bild 11a/b: Wieder die Übersicht, Bild 11b mit Beschriftung. Vergrößerung 50x, Stapel aus 11 Bildern
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/71409_49078732.jpg) (http://www.fotos-hochladen.net)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/71409_66070995.jpg) (http://www.fotos-hochladen.net)
Bezeichnungen soweit abgekürzt wie bei der Aufnahme 5b.

Bild 12a/b: Eines der Hauptleitbündel, ähnlicher Ausschnitt wie in den Bildern 5 und 9, Bild 12b mit Beschriftung. Vergrößerung 200x, Stapel aus  10 Bildern
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/71409_24556265.jpg) (http://www.fotos-hochladen.net)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/71409_173910.jpg) (http://www.fotos-hochladen.net)
Bezeichnungen wie bei der Aufnahme 5b.

Bild 13: Verwachsene Nebenleitbündel und umgebende Gewebe, Vergrößerung 100x, Stapel aus 5 Bildern
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/71409_7130315.jpg) (http://www.fotos-hochladen.net)

Bild 14: Sklerenchymkappe und Phloem eines Nebenleitbündels, Vergrößerung 200x, Stapel aus 3 Bildern
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/71409_23907491.jpg) (http://www.fotos-hochladen.net)
Interessant hier, dass Strahlen sklerifizierter Zellen in das Phloem hineinragen. Die großen Siebröhren lassen sich schön von den kleineren Geleitzellen unterscheiden.

Bild 15: Wiederum Xylem, Protoxylem und Sklerenchym, nur im Wacker W3A - Gewand, Vergrößerung 400x, Stapel aus 7 Bildern
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/71409_40683036.jpg) (http://www.fotos-hochladen.net)

Bild 16: Epidermis und Rindenparenchym, Vergrößerung 400x, Stapel aus 6 Bildern
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/71409_57391778.jpg) (http://www.fotos-hochladen.net)
In der Epidermis sitzt eine erhabene Spaltöffnung (Stoma). In den Zellen des Rindenparenchyms erkennt man rot angefärbt Reste der Chloroplasten und des Zellkerns, funktionell handelt es sich also um ein Assimilationsparenchym.

Bild 17: Stoma in der Aufsicht, Vergrößerung 200x, Stapel aus 11 Bildern
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/71409_4252676.jpg) (http://www.fotos-hochladen.net)
Ein etwas unsauberer Schnitt ermöglicht hier den Blick auf einige Spaltöffnungen. Diese sind ca. 30 µm lang und 20 µm breit. Eine einzelne Schließzelle hat mittig eine Dicke von ca. 8µm. Schön ist auch die Struktur der Cuticula zu erkennen, die durch eine entsprechende Oberfläche der Zellwände der Epidermiszellen gestützt wird (im Querschnitt schön zu sehen auf Bild 16 links oben).

Vielen Dank fürs Betrachten! Anregung und Kritik sind wie immer willkommen.

Herzliche Grüße
Jörg


Edit: Anpassungen zum Kantenkollenchym gemäß des Hinweises von Detlef (Vielen Dank!).
Titel: Re: Ein Mittbringsel aus Römö - der Rainfarn (Tanacetum vulgare)
Beitrag von: Päule Heck am August 22, 2011, 21:50:06 Nachmittag
Hallo Jörg,

wieder einmal eine gelungene Dokumentation. Wenn ich nicht aufpasse, werde ich wohl doch noch zu einem "Schnippler".

Herzliche Grüße
Päule
Titel: Re: Ein Mittbringsel aus Römö - der Rainfarn (Tanacetum vulgare)
Beitrag von: Jan Kros am August 23, 2011, 10:26:07 Vormittag
Hallo Jörg
Schöne Arbeit und gut dokumentiert.
Es macht immer wieder Spass deine Bilder anzusehen.
Herzlichen Gruss
Jan
Titel: Re: Ein Mittbringsel aus Römö - der Rainfarn (Tanacetum vulgare)
Beitrag von: Detlef Kramer am August 23, 2011, 10:42:02 Vormittag
Lieber Jörg,

eine wunderbare Dokumentation - eben typisch. Erstaunlich, dass Deine Familie Dir im Urlaub die Zeit gelassen hat.

Eine Anmerkung zu dem ungefärbten Schnitt: RP ist ein typisches, sehr ausgeprägtes Kantenkollenchym.

Herzliche Grüße

Detlef
Titel: Re: Ein Mittbringsel aus Römö - der Rainfarn (Tanacetum vulgare)
Beitrag von: David 15 am August 23, 2011, 10:53:07 Vormittag
Hallo Jörg !

Einfach nur Wow  :) Die Schnitte und Bilder sind wie immer super ! Es ist sehr interessant ,dass das Sklerenchym in das Phloem übergeht. Soetwas habe ich noch nie gesehen. Selbst die Siebteile sind gut zu erkennen  :o

Könntest du mir bitte erklären was das Protoxylem ist ?

Viele Grüße
David
Titel: Re: Ein Mittbringsel aus Römö - der Rainfarn (Tanacetum vulgare)
Beitrag von: Detlef Kramer am August 23, 2011, 11:10:37 Vormittag
Hallo David,

das Protoxylem wird noch vor dem Metaxylem vom Procambium gebildet. Es besteht aus wenig bis gar nicht lignifizierten Tracheiden mit Ring- und Schraubenverdickungen, so dass diese noch in der Länge dehnungsfähig sind. Es dient schon sehr früh der Versorgung des Gewebes mit Wasser und Nährsalzen bevor das wesentlich leistungsfähigere Metxylem ausdifferenziert ist und in Funktion tritt.

Detlef
Titel: Re: Ein Mittbringsel aus Römö - der Rainfarn (Tanacetum vulgare)
Beitrag von: David 15 am August 23, 2011, 11:37:26 Vormittag
Hallo,

Herzlichen Dank Detlef !


Viele Grüße
David
Titel: Re: Ein Mittbringsel aus Römö - der Rainfarn (Tanacetum vulgare)
Beitrag von: Fahrenheit am August 23, 2011, 12:46:37 Nachmittag
Liebe Freunde,

vielen Dank für Euer Lob! Schön, dass Euch meine Darstellung zum Rainfarn gefällt!
Da fällt mir ein: Hans-Jürgen hat uns auch schon einmal Rainfarn gezeigt und wir haben uns über die Reevesknöpp unterhalten:
(Tanacetum vulgare) von der Wurzel bis zum Blattstiel (http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=7312.0)

Lieber Päule,

versuche es doch mal mit der Schnippelei - sie wird Dir sicher auch Freude machen.  :)

Lieber Detlef,

vielen Dank für Deine Korrektur, ich habe sie gleich eingearbeitet. Beim ungefärbten Schnitt sind die verstärkten Zellwände wirklich deutlich zu sehen.  :-[
Wir hatten teilweise etwas regnerisches Wetter und während der Rest der Familie gelesen oder Musik gehört hat, habe ich ein wenig geschnibbelt.
Die Doku und Bildaufbereitung etc. habe ich natürlich zu hause gemacht.

Lieber David,

Detlef war schneller und ich gehe davon aus, dass Deine Frage zum Protoxylem beantwortet ist.

Allen herzliche Grüße
Jörg
Titel: Re: Ein Mittbringsel aus Römö - der Rainfarn (Tanacetum vulgare)
Beitrag von: Hans-Jürgen Koch am August 23, 2011, 14:16:21 Nachmittag
Lieber Jörg,

die Schnitte und die Bilder gefallen mir sehr gut.
Ich durfte die letzten Jahre leider kein Mikroskop mit in den Urlaub nehmen, was hast Du für ein Glück.

Gruß

Hans-Jürgen
Titel: Re: Ein Mittbringsel aus Römö - der Rainfarn (Tanacetum vulgare)
Beitrag von: Ronald Schulte am August 23, 2011, 15:59:59 Nachmittag
Jörg,

Wunderbar. Ich mag immer deine gute und komplette Dokumentation. Auch deine Ergänzung in die Schnitte ist Prima. Für Pflanzen-Männer/Frauen vielleicht einfach zu erkennen aber für ein mehr Histologisch eingestellten sehr Sinnvoll und Lehrsam!

Grüße Ronald
Titel: Re: Ein Mittbringsel aus Römö - der Rainfarn (Tanacetum vulgare)
Beitrag von: Fahrenheit am August 23, 2011, 19:20:04 Nachmittag
Lieber Hans-Jürgen, lieber Ronald,

auch Euch herzlichen Dank für Euer Lob!

Lieber Ronald,

schön, dass die Beschriftungen hilfreich sind, besonders nach der Korrektur durch Detlef!

Lieber Hans-Jürgen,

ich war von dem Angebot meiner Lieben auch ganz überrascht (ich hätte nie gefragt und nur ein paar Sammelbüchsen und etwas AFE mitgenommen).  :D

Herzliche Grüße
Jörg
Titel: Re: Ein Mittbringsel aus Römö - der Rainfarn (Tanacetum vulgare)
Beitrag von: beamish am August 23, 2011, 19:55:24 Nachmittag
Hallo Jörg,

wie immer eine wunderbare Dokumentation! Irgendwie müßte es man bewerkstelligen können, daß man für Eure Pflanzenschnitte (das gilt auch für andere Rubriken im Forum) einen einfachen Index zur Verfügung hat (ohne die Suchfunktion bemühen zu müssen). Aber deswegen "rufe" ich nicht an. Mich beeindruckt auch die Leistung Deines kleinen Leitz HM. Da ich immer noch auf der Suche nach einem "leichten" d.h. für Flugreisen geeigneten Mikroskop bin, das bis in die Immersionsklasse vergrößert frage ich Dich, was das Teil wiegt und ob es bis 100x (auch kondensormäßig) ausgebaut ist oder ausbaubar ist. Der Beschriftung der Objektive entnehme ich, daß sie speziell für dieses kleine Stativ konstruiert sind. Es passen wohl keine anderen daran?

Herzliche vom Thema abschweifende (und sorry dafür!) Grüße

Martin
Titel: Re: Ein Mittbringsel aus Römö - der Rainfarn (Tanacetum vulgare)
Beitrag von: Fahrenheit am August 23, 2011, 21:06:09 Nachmittag
Lieber Martin,

auch Dir vielen Dank!

Mit Deinen Fragen zum Leitz "Schul- und Kursmikroskop HM" schweifst Du garnicht ab, da ich es hier ja quasi en passant vorgestellt habe.  :)

Ich habe die Tage bei Leica angefragt, ob es dort noch Infomaterial zu dem Gerät gibt, aber es passen auf alle Fälle die  Leitz Objektive mit 33mm Abgleichlänge für eine Tubuslänge von 170 mm.
Neben den beiden schwarzen HM Objektiven 10x und 45x habe ich nun noch ein 3,5x Objektiv daran.

Hier die optische Ausstattung im Bild:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/71483_16595717.jpg) (http://www.fotos-hochladen.net)

Das ganze ist in einer mit Kunstleder beschlagenen Holzkiste untergebracht und wiegt komplett geschätzt 5 Kilo:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/71483_9335782.jpg) (http://www.fotos-hochladen.net)

So weit ich weiß, gab es dafür auch eine Ansteckleuchte und zumindest zwei verschiedene Tische und Kondensoren (deren Daten ich nicht kenne). Ich denke, im Vollausbau ist der Einsatz eines 63er oder 100er Öl-Objektives schon möglich. Mein Gerät hat aber den Schmalspurausbau mit fest am Tisch verankerten Kondensor ohne Filterhalter. Damit geht es sicher nicht (der Kondensor ist unbeschriftet).

Herzliche Grüße
Jörg
Titel: Re: Ein Mittbringsel aus Römö - der Rainfarn (Tanacetum vulgare)
Beitrag von: beamish am August 23, 2011, 21:22:44 Nachmittag
Hallo Jörg,

vielen Dank! Doch recht schwer und das für mich wichtige Zubehör wohl noch schwerer aufzutreiben...

Herzlich

Martin
Titel: Re: Ein Mittbringsel aus Römö - der Rainfarn (Tanacetum vulgare)
Beitrag von: Klaus Herrmann am August 23, 2011, 21:48:43 Nachmittag
Hallo Martin,

Zitat
Doch recht schwer


wo hat der Jörg diese Info in seinem Text versteckt? ???
Titel: Re: Ein Mittbringsel aus Römö - der Rainfarn (Tanacetum vulgare)
Beitrag von: David 15 am August 23, 2011, 21:55:30 Nachmittag
Hallo Klaus,

Ich bin mir zwar nicht sicher ob du das Gewicht meinst, aber diese Angabe steht über dem Bild mit dem grauen Holzkasten. Ich hoffe dass das kein scherz war  ;D

Viele Grüße
David
Titel: Re: Ein Mittbringsel aus Römö - der Rainfarn (Tanacetum vulgare)
Beitrag von: Klaus Herrmann am August 23, 2011, 22:16:29 Nachmittag
Hallo David,

das war jetzt man nicht "Zwischen den Zeilen" sondern zur Abwechslung "zwischen den Bildern"

habe ich glatt übersehen!

danke für den "Augenöffner"

Und OT:

"Okularpärchen" ist kein Witz, das sind 2 kleine Okulare die zusammen gehören! :D
Titel: Re: Ein Mittbringsel aus Römö - der Rainfarn (Tanacetum vulgare)
Beitrag von: David 15 am August 23, 2011, 22:23:00 Nachmittag
Hallo Klaus,

Bald wird es ein neues ''Pärchen'' geben ! Dann wird meins nicht mehr so einsam sein  :D Hoffentlich zoffen sie sich nicht  ;)

Viele Grüße
David
Titel: Re: Ein Mittbringsel aus Römö - der Rainfarn (Tanacetum vulgare)
Beitrag von: beamish am August 24, 2011, 05:00:34 Vormittag
Zitat
...und wiegt komplett geschätzt 5 Kilo
steht oberhalb vom zweiten Bild.

Grüße,

Martin


Oh.. hab gar nicht gesehen, daß David schon geantwortet hat...
Titel: Re: Ein Mittbringsel aus Römö - der Rainfarn (Tanacetum vulgare)
Beitrag von: Rolf-Dieter Müller am August 24, 2011, 08:14:54 Vormittag
Lieber Jörg,

besonders interessant ist der erste Teil Deines Beitrages, wo Du zusammen mit den Bilder zeigst, das es mit überschaubarer Geräteausstattung durchaus möglich ist vorzeigbare Ergebnisse zu bekommen.

Ein gutes Stativ mit adaptierter Kompaktkamera, zwei Achromate reichen, eine Rasierklinge, etwas Simultanfarblösung und schon kann man außerhalb der eigenen vier Wände Bilder für das Forum machen.

Viele Mikrogrüße
Rolf-Dieter
Titel: Re: Ein Mittbringsel aus Römö - der Rainfarn (Tanacetum vulgare)
Beitrag von: Fahrenheit am August 24, 2011, 15:03:13 Nachmittag
Lieber Rolf-Dieter,

da war ich auch überrascht und zu dem kleinen Leitz und seinen Möglichkeiten habe ich einen kleinen Artikel für die MKB Webseite in Vorbereitung.
Andere Stative in der gleichen Qualitätsliga wie z.B. die kleinen Lomos sind sicher genau so gut geeignet.

Herzliche Grüße
Jörg
Titel: Re: Ein Mittbringsel aus Römö - der Rainfarn (Tanacetum vulgare)
Beitrag von: Jürg Braun am August 24, 2011, 18:06:17 Nachmittag
Guten Tag

Hier das HM-Lux mit Ansteckleuchte aber ohne Objektführer.

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/71543_28284652.jpg)

Gruss in die Runde

Jürg
Titel: Re: Ein Mittbringsel aus Römö - der Rainfarn (Tanacetum vulgare)
Beitrag von: Fahrenheit am August 25, 2011, 08:16:10 Vormittag
Lieber Jürg,

danke für das Bild!

Zwar ohne Objektführer (den habe ich auch zugekauft und er ist nicht "original" sondern gehört wohl zum SM), aber mit Filterhalter am Kondensor und einer Ansteckleuchte, die ich noch nicht kannte.

Das kleine HM scheint eine ganz schön flexible Ausstattung gehabt zu haben.

Herzliche Grüße
Jörg
Titel: Re: Ein Mittbringsel aus Römö - der Rainfarn (Tanacetum vulgare)
Beitrag von: Eckhard am August 25, 2011, 11:35:04 Vormittag
Lieber Jörg,

Danke für die schöne Dokumentation. Hast Du eine Idee, wie stark die Farben unter der lange Verweildauer in 2-Propanol gelitten haben? Das würde mir für meine Reisen ganz neue Perspektiven ermöglichen :D

Herzliche Grüsse
Eckhard
Titel: Re: Ein Mittbringsel aus Römö - der Rainfarn (Tanacetum vulgare)
Beitrag von: Fahrenheit am August 25, 2011, 20:41:00 Nachmittag
Lieber Eckhard,

vielen Dank für Dein Lob!  :)

Aus meiner Sicht haben die Schnitte nicht sehr gelitten. Die Bilder 6 und 7 sind direkt nach der Färbung in Wasser aufgenommen, die Bilder 8 bis 10 nach 6 Tagen in Isopropanol und Einschluss in Euparal (nach 4 weiteren Tage zum Aushärten ...). Die unterschiedlichen Farbnuancen beruhen sicher mehr auf dem Medium (Wasser und Euparal) und eben der völlig unterschiedlichen Hardware (Leitz HM mit Spiegelbeleuchtung und Leica DME mit Halogenlicht).

Hier kannst Du ein wenig abschätzen, wie das Isopropanol sich bei der Lagerung verfärbt hat:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/71626_38011790.jpg) (http://www.fotos-hochladen.net)
Links oben einige Schnitte noch im Isopropanol aus dem Transportbehälter, rechts unten einige in frischem Isopropanol.

In so fern spricht nichts gegen die neuen Perspektiven.  ;)

Herzliche Grüße
Jörg
Titel: Re: Ein Mittbringsel aus Römö - der Rainfarn (Tanacetum vulgare)
Beitrag von: Holger Adelmann am August 25, 2011, 21:32:13 Nachmittag
So - endlich wieder zuhause von den sehr heissen Balearen.
Jetzt kann ich Deine schönen Rainfarn-Bilder endlich auf einem grossen Monitor anschauen lieber Jörg.
Mir gefällt hier die Wacker Version auch eindeutig besser.

Herzliche Grüsse
Holger

Titel: Re: Ein Mittbringsel aus Römö - der Rainfarn (Tanacetum vulgare)
Beitrag von: Rolf-Dieter Müller am August 26, 2011, 08:13:49 Vormittag
... Die Bilder 6 und 7 sind direkt nach der Färbung in Wasser aufgenommen, die Bilder 8 bis 10 nach 6 Tagen in Isopropanol und Einschluss in Euparal (nach 4 weiteren Tage zum Aushärten ...)....

Lieber Jörg,

vielen Dank für Deine Erläuterung. Unabhängig von den verschiedenen Beleuchtungen meine ich, das Chrysoidin ist durch die längere Aufbewahrung in Isopropylalkohol ausgezogen und Fuchsin wurde nachdifferenziert. Bei der zweiten Aufnahmeserie fehlt rot-orange als Farbmischung von Fuchsin und Chrysoidin. Dieses könnte, wenn auch nur von Spuren, durch Restwasser im Isopropylalkohol passiert sein.

@Eckhard, ich glaube mich zu erinnern, das Du Dein Isopropylalkohol nachbehandelst, um es absolut wasserfrei zu bekommen. Insofern könnten bei Deiner angedachten Anwendung kritische Farben wie Chrysoidin und Acridinrot bzw. Acriflavin etwas mehr halten.

Viele Mikrogrüße
Rolf-Dieter
Titel: Re: Ein Mittbringsel aus Römö - der Rainfarn (Tanacetum vulgare)
Beitrag von: Fahrenheit am August 26, 2011, 08:36:17 Vormittag
Lieber Rolf-Dieter,

mit Deiner Einschätzung zum Fuchsin hast Du auf alle Fälle recht, das sieht man ja auch schon an dem rötlich verfärbten Isopropanol aus der Transportflasche in meinem Bild weiter oben. Im Zweifel würde ich sagen, dass diese leichte Nachdifferenzierung den Schnitten eher gut getan hat.

Ob das Chrysoidin ausgezogen wurde, mag ich anhand der hier gezeigten Bilder nicht beurteilen - bei meinen Etzold Grün Färbungen finde ich es meist nur in der Cuticula wieder. Bernard beherrscht die Färbung auf alle Fälle deutlich besser - wie seine tolle Bilder-DVD und seine Forenbeiträge im Le Naturaliste eindrucksvoll beweisen.

Ich werde die Tage bei leicht bedecktem Himmel noch einmal Fotos der fertigen Präparate mit dem Leitz HM machen, um einen besseren Vergleich zu ermöglichen. Als Unbekannte bleibt dann nur noch das Euparal im Rennen. Auch werde ich bei Gelegenheit einmal nach Etzold Grün gefärbte Schnitte nach dem Entwässern mit reinem Isopropanol in Isopropanol 95% und rein einige Tage stehen lassen, um direkt vergleichen zu können.

Herzliche Grüße
Jörg  
Titel: Re: Ein Mittbringsel aus Römö - der Rainfarn (Tanacetum vulgare)
Beitrag von: Eckhard am August 26, 2011, 09:03:52 Vormittag
Guten Morgen Jörg und Rolf-Dieter,

die Petrischale sieht doch schon nach stärker ausgebluteten Farben aus. Man müsste dem 2-Propanol ein Molekularsieb beigeben. Ich wollte am Wochenende etwas schneiden - dann kann ich ja mal ein paar Schnitte abzweigen und "eintopfen".

Herzliche Grüsse
Eckhard


Titel: Re: Ein Mittbringsel aus Römö - der Rainfarn (Tanacetum vulgare)
Beitrag von: Klaus Herrmann am August 26, 2011, 09:35:58 Vormittag
Lieber Jörg,

Zitat
Bernard beherrscht die Färbung auf alle Fälle deutlich besser - wie seine tolle Bilder-DVD und seine Forenbeiträge im Le Naturaliste eindrucksvoll beweisen.

Bernard macht keine Dauerpräparte, wie ich schon länger von ihm weis. Es geht ihm nur um die fotografische Dokumentation, das bedeutet: alle Schnitte sind perdu! Und die Gefahr, dass die Rot/Gelb-Komponente ausgezogen wird bei der Entwässerung ist nicht vorhanden.

 Die Aufnahmen macht er fast immer in leicht verdünntem Glycerin (wegen der Verdunstung). Durch den etwas höheren Brechungsindex werden die Farben zudem auch brillanter, als in reinem Wasser.
Differenziert wird bei ihm ebenfalls mit 70% Ethanol - aber nur, sofern notwendig.

Die Konstanz der Ergebnisse ist gesichert, weil er letztes Jahr 500 ml Etzold grün bei mir gekauft hat. Das zeigt auch, dass meine Rezeptur der Farblösung stabil ist.

Wenn man gefärbte Schnitte in Flüssigkeit aufbewahren will, dann ist es besser sie nach dem Entwässern nicht im Isopropanol zu belassen, sondern ein indifferentes Lösemittel wie Xylol oder Rothihistol (das ich nicht nehme) zu verwenden. Man muss natürlich darauf achten, dass das Gefäß gut schließst.
Titel: Re: Ein Mittbringsel aus Römö - der Rainfarn (Tanacetum vulgare)
Beitrag von: Fahrenheit am August 26, 2011, 21:05:13 Nachmittag
Lieber Eckhard,

ich glaube, wenn es nur um wenige Tage geht, würdest Du mit dem Molekularsieb im Aufbewahrungsbehälter mit Kanonen auf Spatzen schießen. Da hat Klaus mit dem Xylol sicher den besseren Tipp, obwohl ich das soweit wie möglich vermeide, um nicht zwei Lösungsmittel im Spiel zu haben (Isopropanol ist ja das Lösungsmittel im Euparal) oder auf Malinol ausweichen zu müssen, was von der Farbbrillanz nicht ganz so günstig ist.

Lieber Klaus,

jetzt, wo Du es schreibst, erinnere ich mich, schon einmal gelesen zu haben, dass Bernard nur fürs Foto präpariert. Schade um die tollen Schnitte - der Blick ins Mikroskop zeigt immer noch mehr als jedes Bild.

Wie weiter oben versprochen, habe ich in einer Regenlücke das Leitz HM in auf die Terrasse getragen und noch einige Bilder gemacht, die sich nach Weißabgleich, Einstellung der Kamera auf Unendlich und Fokussierung mit der Hilfslupe auf dem Display der Canon PS A520 durchaus wieder sehen lassen können:

Bild 18: Ausschnitt aus dem Spross mit Leitbündeln, Färbung Etzold grün, Vergrößerung 100x, Einzelaufnahme vom Dauerpräparat mit dem Leitz HM
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/71711_30483824.jpg) (http://www.fotos-hochladen.net)

Bild 19: Xylem, Protoxylem und Sklerenchym, Färbung Etzold grün, Vergrößerung 450x, Einzelaufnahme vom Dauerpräparat mit dem Leitz HM
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/71711_41877249.jpg) (http://www.fotos-hochladen.net)

Bild 20: Cuticula, Epidermis und ein Stoma, Färbung Etzold grün, Vergrößerung 450x, Einzelaufnahme vom Dauerpräparat mit dem Leitz HM
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/71711_39245648.jpg) (http://www.fotos-hochladen.net)
Zumindest die Cuticula hat das Chrysoidin gehalten.

Bild 21: direkter Vergleich der Bilder 7, 10 und 19
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures007/71711_38446203.jpg) (http://www.fotos-hochladen.net)
Von oben nach unten: Frisch gefärbtes Präparat in Wasser mit dem Leitz HM, 45x Achromat
                                 Dauerpräparat in Euparal mit dem Leitz HM, 45x Achromat
                                 Dauerpräparat in Euparal mit dem Leica DME, 40x N-Plan

Auffällig ist der starke Rotton der verholzten Zellwände im Frischpräparat vor dem Entwässern. Der Unterschied zwischen den Aufnahmen vom Dauerpräparat mit dem HM und dem DME ist da subtiler, letztere wirkt auf mich gegenüber den lebendigen Farben der zweiten Aufnahme mit dem HM kälter.

Rolf-Dieter führt den Rotton im ersten Bild der Reihe auf das noch im Schnitt vorhandene Chrysoidin zurück und hat damit sicher recht. Ich denke aber, dass zumindest in meinem Prozess die Differenzierung bereits beim Entwässern erfolgt, da alle meine mit Etzold Grün gefärbten Präparate die Farbtöne wie im zweiten und dritten Bild der Reihe zeigen.
Vielleicht muss ich da noch etwas an meinem Prozess optimieren? Nach der letzten Spülung mit Aqua dest. sauge ich dieses so weit wie möglich ab und gebe dann großzügig reines Isopropanol auf die Schnitte (die sich dabei in einem nicht zu kleinen Uhrglas befinden). Dieses wird sofort wieder abgesaugt und gleich durch frisches Isopropanol ersetzt. Das ganze wiederhole ich nochmals, um die Restwasserkonzentration so schnell wie möglich zu minimieren. Nach zwei weiteren Spülungen mit reinem Isopropanol (3 und 5 Minuten) decke ich dann ein.

Herzliche Grüße
Jörg
Titel: Re: Ein Mittbringsel aus Römö - der Rainfarn (Tanacetum vulgare)
Beitrag von: Rolf-Dieter Müller am August 27, 2011, 08:38:44 Vormittag
Guten Morgen Jörg,

so langsam machst Du das ganz schön spannend, denn irgendwie verstehe ich Deine Bilder nicht, zumindest das letzte.

Schön, das Wasserpräparat (erstes Bild) hätte eine Differenzierung vertragen können, aber Du hattest ja ein anderes Ziel, nämlich vorpräparierte Schnitte mit nach Hause zu nehmen.

Das zweite Bild erstaunt mich schon, es zeigt einen sauber präparierten Schnitt, in dem Farbdifferenzierungen erhalten geblieben sind. Gut, etwas Chrysoidin fehlt zum Teil in lignifizierten Zellwänden, doch das kann auch dem Alter des Gewebes geschuldet sein. Auf jungem Gewebe zieht Chrysoidin wenig oder gar nicht auf. Vornehmlich zeigt es aber wie mächtig das Tageslicht ist und wie gut man eigentlich mit Leitz-Achromaten (Zeiss-Achromate liefern dann sicher auch so ein gutes Ergebnis) fotografieren kann. Warum eigentlich nicht?

Aber das dritte Bild. Bei dem verwendeten leistungsfähigen Mikroskop und Objektiv hätte ich ein ganz anderes Ergebnis erwartet. Es fällt mir schwer eine Erklärung zu finden.

Vielen Dank für das Zeigen der Bilderstrecke.

Rolf-Dieter
Titel: Re: Ein Mittbringsel aus Römö - der Rainfarn (Tanacetum vulgare)
Beitrag von: Fahrenheit am August 27, 2011, 15:21:44 Nachmittag
Lieber Rolf-Dieter,

ja, die schöne Farbwiedergabe der Achromate ist wirklich ein Genuss. Auch beim Blick durch das Okular (und gerade bei homogenem Tageslicht bei bedecktem Himmel) kommen die Farbnuancen der Färbungen sehr gut heraus - bei einem insgesamt "weichen" Farbeindruck.

Tja, woran liegt es beim letzten Bild? Zum einen hätte ich für den Vergleich das Originalbild herunterrechnen und nachschärfen müssen und nicht eine verkleinerte und schon mal geschärfte Version - da habe ich zu spät dran gedacht. Dann ist da natürlich das Stacking, das immer Artefakte mit sich bringt - das grundsätzliche Schärfeproblem hatten wir ja für das DMLS und DME schon mal diskutiert. Zum dritten spielt sicher auch der Blaufilter eine Rolle, den ich seit der Kornrade drin habe - ich denke, der ist für eine gewisse Härte der Farben verantwortlich.

Herzliche Grüße
Jörg
Titel: Re: Ein Mittbringsel aus Römö - der Rainfarn (Tanacetum vulgare)
Beitrag von: Rawfoto am August 30, 2011, 22:19:58 Nachmittag
Hallo Joerg

Wirklich spannender Thread, da hast Du ein schoenes Urlaubsprogramm durchgezogen ...

:-))

Gerhard
Titel: Re: Ein Mittbringsel aus Römö - der Rainfarn (Tanacetum vulgare)
Beitrag von: Fahrenheit am August 31, 2011, 18:22:21 Nachmittag
Lieber Gerhard,

danke für Dein Lob! Aber der größte  Teil ist zu hause entstanden. Urlaubszeit ist Familienzeit - und leider interessiert sich meine Familie nicht wirklich für die Mikroskopie.  ;)

Herzliche Grüße
Jörg
Titel: Re: Ein Mittbringsel aus Römö - der Rainfarn (Tanacetum vulgare)
Beitrag von: Rawfoto am August 31, 2011, 18:50:56 Nachmittag
Hallo Joerg

Hmm, mein Weibchen ist da auch standhaft. Sie hat zwar Jahre auf der UNI mit Biologie verbracht und schaut mal gerne durch, aber der Funke ist nicht uebergesprungen. Ich habe aber zum Glueck ihr Verstaendnis ...

:-)

Gerhard
Titel: Re: Botanik: Ein Mittbringsel aus Römö - der Rainfarn (Tanacetum vulgare) *
Beitrag von: micro_peter am Juli 28, 2016, 13:11:38 Nachmittag
Hallo Jörg,

schöne Dokumentation, die Struktur von den Pflanzenteile ist auf den Bilder sehr gut zu erkennen.

Ich hätte mal eine Frage zu den Stoffen die man nicht direkt unter dem Mikroskop (Kleinbetrachter) sehen kann.
Ich spreche von den Duftstoffen unter anderen aus ätherischen Ölen und Bitterstoffen z.B. Kampfer, Borneol und Thujon.

Würdest Du die Pflanze mit ihren Duft in deiner Wohnung als Trockenblume Lagern oder würde dich der Duft stören?

Grüße Peter
Titel: Re: Botanik: Ein Mittbringsel aus Römö - der Rainfarn (Tanacetum vulgare) *
Beitrag von: Fahrenheit am Juli 28, 2016, 13:26:49 Nachmittag
Lieber Peter,

ja, wir hatten schon einmal Trockensträuße vom Rainfarn, der sehr lange seine gelbe Farbe behält. Ich finde den Duft eigentlich recht angenehm und wenn der Strauss durchgetrocknet ist, ist der Geruch auch nur noch ganz schwach.

Herzliche Grüße
Jörg