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Foren => Mikrofoto-Forum => Thema gestartet von: Nomarski am Dezember 05, 2011, 20:35:41 Nachmittag

Titel: Fluoreszenz mit einfachsten Mitteln
Beitrag von: Nomarski am Dezember 05, 2011, 20:35:41 Nachmittag
Hallo zusammen,

wir haben hier ein altes Zeiss-Winkel-Stativ, mit dem mal eben Fluoreszenz im Durchlicht gemacht werden soll:

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/79395_24076863.jpg)
Was man dafür benötigt, ist neben dem Stativ ein Anregungsfilter, ein Sperrfilter (Kantenfilter) und eine blaue LED mit passender Steckfassung, im Bild unten zu sehen.

Die LED wird wie die normale Glühlampe in den Fuß des Statives eingeschoben, der Anregungsfilter, in diesem Fall ein BG3 wird auf den Lichtaustritt der Leuchtfeldblende gelegt:

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/79395_47627292.jpg)

Die einfachste Methode, den Sperrfilter unterzubringen, ist die Platzierung im Revolverkopf:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/79395_6561948.jpg)

Und damit die Sache auch schön kostengünstig bleibt, wird zum Fotografieren die Rollei compactline 424 verwendet:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/79395_604413.jpg)

Um nun zu zeigen, daß es schon mit den Komponenten auch funktioniert, hier ein paar Fotos, aufgenommen mit einem Übersichtsobjektiv, ZW-Achromat 6,3. Der Kondensor ist übrigens der einfache 0,6 S ohne aufgeschraubte Frontlinse. Dazu ein paar gefärbte Pflanzenschnitte:

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/79395_24780971.jpg)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/79395_9386869.jpg)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/79395_49317333.jpg)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/79395_8744747.jpg)

Viele Grüße
Bernd
Titel: Re: Fluoreszenz mit einfachsten Mitteln
Beitrag von: crabtack am Dezember 05, 2011, 20:48:56 Nachmittag
Danke fürs Zeigen dieser einfachen Methode.
Das sollte sich auch aufs Steindorff übertragen lassen.

Gruß
Olaf
Titel: Re: Fluoreszenz mit einfachsten Mitteln
Beitrag von: Rolf-Dieter Müller am Dezember 05, 2011, 20:51:12 Nachmittag
Lieber Bernd,

mit genauso einer Ausstattung stelle ich mir ein Reise- und Exkursionsmikroskop vor. Gut, über die Kamera hätte ich diskutiert. Aber das kann ich lassen, denn Deine Ergebnisse sind überzeugend.

Viele Mikrogrüße
Rolf-Dieter
Titel: Re: Fluoreszenz mit einfachsten Mitteln
Beitrag von: wilfried48 am Dezember 05, 2011, 21:48:09 Nachmittag
Gut, über die Kamera hätte ich diskutiert. Aber das kann ich lassen, denn Deine Ergebnisse sind überzeugend.

wieso, die Kamera hat einen 1/2 zoll CCD Chip und ist daher sehr empfindlich, das wirst du auch mit dem etwas grösseren (2/3 zoll) dafür aber "nur" CMOS Chip der neuen Nikon nicht wesentlich toppen.

Andererseits ist die Wackerfärbung auch ein sehr helles Fluoreszenzobjekt.

Es geht übrigens auch mit der weissen Cree, dann braucht man am Reisemikroskop keine 2 Lichtquellen.

viele Grüsse
Wilfried
Titel: Re: Fluoreszenz mit einfachsten Mitteln
Beitrag von: Nomarski am Dezember 05, 2011, 22:24:55 Nachmittag
Zitat
Es geht übrigens auch mit der weissen Cree, dann braucht man am Reisemikroskop keine 2 Lichtquellen.

Aber nicht so gut.
Titel: Re: Fluoreszenz mit einfachsten Mitteln
Beitrag von: Rolf-Dieter Müller am Dezember 05, 2011, 22:32:17 Nachmittag
Gut, über die Kamera hätte ich diskutiert. Aber das kann ich lassen, denn Deine Ergebnisse sind überzeugend.
wieso, die Kamera hat einen 1/2 zoll CCD Chip und ist daher sehr empfindlich, das wirst auch mit dem etwas grösseren
(2/3 zoll) CMOS Chip der neuen Nikon nicht wesentlich toppen.
...

Wilfried, ich habe da etwas verstanden was nicht gemeint war. Alles schon geklärt und keine Frage, Bernd macht mit der Rollei wirklich vorzeigbare Aufnahmen. Nebenbei bemerkt, ich muss noch auf Deine 13 Fragen antworten. Aber nicht mehr heute Abend.

Zitat
Es geht übrigens auch mit der weissen Cree, dann braucht man am Reisemikroskop keine 2 Lichtquellen.
Aber nicht so gut.

Bernd, das sehe ich auch so.

Viele Mikrogrüße
Rolf-Dieter
Titel: Re: Fluoreszenz mit einfachsten Mitteln
Beitrag von: wilfried48 am Dezember 05, 2011, 23:03:07 Nachmittag
Zitat
Es geht übrigens auch mit der weissen Cree, dann braucht man am Reisemikroskop keine 2 Lichtquellen.

Aber nicht so gut.

Wenn man die 6000 K Cree nimmt ist der leichte Intensitätsverlust unerheblich. Gegenüber der blauen kann man dafür  aber auch noch grün anregen und weiss Hellfeld machen.

Am Standard mache ich das am Fluoreszenzkondensor IV schon immer so.

Gruss
Wilfried
Titel: Re: Fluoreszenz mit einfachsten Mitteln
Beitrag von: Nomarski am Dezember 05, 2011, 23:16:15 Nachmittag
Zitat
Wenn man die 6000 K Cree nimmt ist der leichte Intensitätsverlust unerheblich. Gegenüber der blauen kann man dafür  aber auch noch grün anregen und weiss Hellfeld machen.

Am Standard mache ich das am Fluoreszenzkondensor IV schon immer so.


Das mag zwar sein, lieber Wilfried, aber der Fluoreszenzkondensor IV ist für Aufllichtfluoreszenz und ist auch mit einem besseren Filtersatz ausgestattet, nämlich neben Interferenzfiltern zum Anregen und Sperren auch noch mit einem wirksamen Farbteiler gegen Wellenlängen, die das Bild ohne Fluoreszenzen nicht aufhellen sollen.
Ich dagegen hantiere hier nur mit einem simplen Blauglas und einem Orangeglas.

Viele Grüße
Bernd
Titel: Re: Fluoreszenz mit einfachsten Mitteln
Beitrag von: Hugo Halfmann am Dezember 05, 2011, 23:48:54 Nachmittag
Ich dagegen hantiere hier nur mit einem simplen Blauglas und einem Orangeglas.

Bernd

Hallo Bernd,
und das Ergebnis überzeugt. Mit meiner weißen Cree XML T6 habe ich am IV FL keine gescheite Fluoreszenz hinbekommen. Mit der neuen Royal Blue hingegen bleiben keine Wünsche offen.
Titel: Re: Fluoreszenz mit einfachsten Mitteln
Beitrag von: reblaus am Dezember 05, 2011, 23:59:38 Nachmittag
Hallo -

die warmweiße Cree mit 4750K  ist für grün mit dem IV FL  übrigens noch besser als die kaltweißen Typen, obwohl sie in der Summe ja das schwächere Licht liefert. Aber ich schätze es auch sehr, dass man mit der Royal Blue den energieschluckenden Sperrfilter nicht mehr braucht.

Gruß

Rolf

Titel: Re: Fluoreszenz mit einfachsten Mitteln
Beitrag von: Nomarski am Dezember 06, 2011, 00:52:08 Vormittag
Hallo Hugo,

Zitat
Mit meiner weißen Cree XML T6 habe ich am IV FL keine gescheite Fluoreszenz hinbekommen. Mit der neuen Royal Blue hingegen bleiben keine Wünsche offen.
Und das hast du nur meiner speziellen Wärmeleitpaste zu verdanken! ;)

Titel: Re: Fluoreszenz mit einfachsten Mitteln
Beitrag von: Nomarski am Dezember 06, 2011, 11:02:28 Vormittag
Danke fürs Zeigen dieser einfachen Methode.
Das sollte sich auch aufs Steindorff übertragen lassen.

Gruß
Olaf

Hallo Olaf,

das geht mit großer Sicherheit auch bei deinem Steindorff so. Aber bevor du anfängst zu basteln, soltest du dich mal über die Fluoreszenzmikroskopie kundig lesen. Ohne den Sperrfilter, der das kurzwellige Licht abdämpft, ist es jedenfalls nicht ratsam, bei hoher Lichtintensität in die Okulare zu schauen, zumal du dabei auch keine Fluoreszenz sehen kannst.

Viele Grüße
Bernd
Titel: Re: Fluoreszenz mit einfachsten Mitteln
Beitrag von: Lothar Gutjahr am Dezember 06, 2011, 12:06:09 Nachmittag
Hallo lieber Bernd,

vielen Dank für den Crashkurs in Fluoreszenzmikroskopie ! Das habe ich jetzt so im Vorbeigehen verinnerlicht. Im Auflicht müßte das Sperrfilter je nach Beleuchtungsart dann spätestens beim Okular sein ? Um bei der Anregung blau zu bleiben, könnte doch das Anregungsfilter entfallen, wenn ich da schon mit blauem Licht komme oder soll das noch andere spektrale Anteile wegschneiden ?  (am Beispiel blaue LED ) Interessante Frage wäre noch:
würde das Fluoreszieren auch Speckles bekommen, wenn ich zur Anregung einen Laser nehme ? Hatte neulich mal mit grün experimentiert und war etwas enttäuscht über diese alles zu Nichte machenden Pünktchen.
Der zweite Versuch mittels einem Piezosummer den Laser etwas zu schütteln, dass die Speckles sich ineinander verwischen steht noch aus. Der Hintergedanke war der, mittels koherentem , monochromem und kurzwelligem Licht chromatische Fehler auszuschalten und so durch die Hintertür die Auflösung eines Feldwaldundwiesenobjektivs etwas zu steigern. Gab es dazu schon Untersuchungen ? Ideal wäre da ein Einlinser ;D

Lieben Gruß

Lothar
Titel: Re: Fluoreszenz mit einfachsten Mitteln
Beitrag von: Hugo Halfmann am Dezember 06, 2011, 12:18:41 Nachmittag
Hallo Lothar,

meine Erfahrung aus dem aktuellen Versuch mit einer neuen Royal-Blue LED: Ohne den Erregerfilter isses Murks. Die LED strahlt angeblich bei 467nm, ich muss es glauben, messen kann ich´s nicht.
Ohne Erregerfilter ist das Fluoreszenzbild überstrahlt, "schwammig", mit ist´s wirklich gut, von daher stellt sich für mich die Frage, ob nun mit oder ohne nicht (mehr).
Wenn ich ein bisschen mehr Zeit habe, gibt´s dazu einen kleinen Bericht.
Titel: Re: Fluoreszenz mit einfachsten Mitteln
Beitrag von: reblaus am Dezember 06, 2011, 13:16:53 Nachmittag
Hallo -

da ich kein Politiker bin nehme ich hiermit mein Geschwätz über die Royal Blue zurück - ich hatte das mit der Nichia UV-LED verwechselt - da muss man schon versuchen alles auf das Objekt zu bringen und ist dankbar, dass man die schwarzen Erregerfilter weglassen kann.

Viele Grüße

Rolf

Titel: Re: Fluoreszenz mit einfachsten Mitteln
Beitrag von: Lothar Gutjahr am Dezember 06, 2011, 14:00:49 Nachmittag
Hallo Lothar,

meine Erfahrung aus dem aktuellen Versuch mit einer neuen Royal-Blue LED: Ohne den Erregerfilter isses Murks. Die LED strahlt angeblich bei 467nm, ich muss es glauben, messen kann ich´s nicht.
Ohne Erregerfilter ist das Fluoreszenzbild überstrahlt, "schwammig", mit ist´s wirklich gut, von daher stellt sich für mich die Frage, ob nun mit oder ohne nicht (mehr).
Wenn ich ein bisschen mehr Zeit habe, gibt´s dazu einen kleinen Bericht.

Danke Hugo,

so ähnlich habe ich das erwartet. Mir fiel da auch ein, dass selbst der zentnerschwere Argonionenlaser eine grüne und eine blaue Linie hat. Wenn überhaupt, geht da als LED vermutlich nur UV.
Auf deinen gelegentlichen Bericht freue ich mich und wünsche noch einen schönen Nikolaustag ( Hier schneit es kräftig)

LG Lothar
Titel: Re: Fluoreszenz mit einfachsten Mitteln
Beitrag von: hinrich husemann am Dezember 06, 2011, 14:06:43 Nachmittag
Vielleicht noch ein Hinweis: Bei der Durchlicht-Fluoreszenz ist - bei gegebener Anregungs-Lichtquelle - die Beleuchtungsstärke des Objektes und damit die Helligkeit der Fluoreszenz proportional zum Quadrat der Beleuchtungs-Apertur; also der jeweils wirksamen Apertur des Kondensors.
Da das Anregungslicht ja nicht am Beobachtungs-Strahlengang teilnimmt, kann man deshalb - um die Fluoreszenz-Helligkeit zu maximieren - den Kondensor voll öffnen, auch wenn seine Apertur dann größer ist als die des jeweils benutzten Objektivs (Dessen NA geht auch mit dem Quadrat, die Gesamtvergrößerung mit dem Kehrwert ihres Quadrates in die beobachtete Bildhelligkeit ein). Das tut man ja bei normalem Hellfeld nie, um den Kontrast nicht zu mindern. Bei der Fluoreszenz wirkt das Objekt aber wie ein Selbst-Strahler.
Fluoreszenzfreundliche Mikrogrüsse
H. Husemann
Titel: Re: Fluoreszenz mit einfachsten Mitteln
Beitrag von: Nomarski am Dezember 06, 2011, 14:16:08 Nachmittag
Hallo Lothar und alle anderen Mikrogrüßler,

der Hugo hat es eigentlich schon vorweggenommen: Die königsblaue LED strahlt zwar nominell eine Wellenlänge von 460nm ab, aber es sind eben noch andere Wellenlängen, wenn auch nur schwach, darin enthalten, die den Sperrfilter passieren können und damit die eigentliche Fluoreszenz überstrahlen.
Wenn man sich den Anregungsfilter also sparen könnte, dann hätte ich das auch gemacht. ;) ;D

Aber wer weiß, vielleicht kommen ja irgendwann nochmal die absolut monochromen LEDs...

Viele Grüße
Bernd

@Rolf:
Ja, das kann ich schon irgendwie nachvollziehen, beim IIIRS mit der langen Filterlatte kann man sich eben leicht vertun.