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Allgemeines => Sternstunden des Forums => Thema gestartet von: Bernhard Gutwenger am März 27, 2012, 18:15:33 Nachmittag

Titel: "Einlochgucker"
Beitrag von: Bernhard Gutwenger am März 27, 2012, 18:15:33 Nachmittag
Ich möchte auf ein äußerst seltenes Gerät bei ebay aufmerksam
machen, einen "Einlochgucker".
Ich weiß nur nicht, ob es zum Mikroskopieren oder zum
Golf spielen gedacht ist.


http://www.ebay.de/itm/EINLOCHGUCKER-Nachwuchsforscher-Studenten-aufgepasst-Bio-Mikroskop-/280847980751?pt=DE_Computer_Elektronik_Foto_Camcorder_Optik&hash=item4163d818cf

Schönen Abend,
Bernhard G.
Titel: Re: "Einlochgucker"
Beitrag von: Peter V. am März 27, 2012, 18:39:40 Nachmittag
Hallo,

der Einlochgucker ist das notwendige Werkzeug des Krautbeschreibers und ganz allgemein nüzlich zur Erforschung der Zeugemutter, auch dem Entgliederer ist es trefflich dienlich. Es arbeitet allerdings noch nicht mit Blitzfeuererregung, sondern wird vorzugsweise am Tageleuchter eingesetzt.

Herzliche Grüße
Peter

 ;)

http://de.wikipedia.org/wiki/Philipp_von_Zesen
Titel: Re: "Einlochgucker"
Beitrag von: Jürgen Boschert am März 27, 2012, 18:51:53 Nachmittag
Hallo Peter,

herrlich ! Dörrleiche fand ich recht hübsch.

danke für den Link.

JB
Titel: Re: "Einlochgucker"
Beitrag von: Klaus Wagner am März 27, 2012, 20:12:44 Nachmittag
Hallo Peter

ein heftiger Link!

herrlich ! Dörrleiche fand ich recht hübsch.

Der Jungfernzwinger (Kloster)! Man kommt sich ja vor, wie im Tierheim!

Wie krank muss man sein, um auf sowas zu kommen??

Viele Grüße
Klaus
Titel: Re: "Einlochgucker"
Beitrag von: Fahrenheit am März 27, 2012, 21:11:23 Nachmittag
Lieber Peter,

köstlich! Krautbeschreiber! Das könnte mir gefallen. Vielleicht als Dilettantischer Krautbeschreiber, was von Zesen nun wieder nicht gefallen würde. Bleibts halt bei Fahrenheit.
;)

Herzliche Grüße
Jörg
Titel: Re: "Einlochgucker"
Beitrag von: treinisch am März 27, 2012, 21:28:00 Nachmittag
Der Jungfernzwinger (Kloster)! Man kommt sich ja vor, wie im Tierheim!

Wie krank muss man sein, um auf sowas zu kommen??

Hallo,

zumindest in Hamm in Westfalen ist das Wort Jungfernzwinger durchaus geläufig. Unter den Eingeborenen nennt man das Beisenkamp-Gymnasium (eine ehem. Töchterschule) so, seit Ende der Vierziger ein Club verrückter Abiturienten den Schriftzug "Jungfernzwinger" in großen Buchstaben (ein frühes Grafitto) am Schulgebäude, genauer der dort befindlichen Wohnung des Direktors, anpinselten. Ein riesen Skandal zu dieser Zeit!

Ach wie wärmt dieses Wort deswegen mein Herz!

Viele schmunzelnde Grüße

Timm

P.S. Das Wort Augenblick kann von Zesen anders als der Artikel behauptet natürlich nicht für sich reklamieren. Das Wort kommt schon bei Luther in seiner heutigen Bedeutung vor.
Titel: Re: "Einlochgucker"
Beitrag von: TPL am März 27, 2012, 21:39:28 Nachmittag
Wie krank muss man sein, um auf sowas zu kommen??

Hallo Klaus,
die Zahl seiner "erfolgreichen Verdeutschungen", von denen Viele uns völlig geläufig sind, übersteigt zumindest die Zahl der Erfolglosen, die in Wikipedia genannt wird. Ohne Deutschtümelei: ich wäre froh, wenn es da, wo heute neue Begriffe geprägt werden, ein bisschen Mut zum Gebrauch der eigenen Sprache gäbe. Stattdessen bekommen wir ein Handy (praktisch) oder einen Body Bag (Leichensack) beschert. Auch E-Mail kann man nicht übersetzen, denn E-Post wäre ja totaaaal.... ja was denn eigentlich? Von den ganzen BackPoints und Caribic Suns (Aua!) möchte ich lieber schweigen.

Zurück zum angebotenen Einlochgucker: sieht mir ein bisschen chinesisch aus. Gar nicht schlecht, aber ein kleines bisschen überteuert... ::).

Beste Grüße,
Thomas
Titel: Re: "Einlochgucker"
Beitrag von: -JS- am März 28, 2012, 01:14:45 Vormittag
Hallo TPL,
oder vielleicht besser
Lieber Erddenker,
ums mal wort-wörtlich einzudeutschen (Geologe),
ich möchte einmal eine Weile im Bereich ausserhalb der Überschrift (OT) verweilen und
ein paar Worte in den Raum werfen, die uns hier alle recht geläufig sind und demzufolge
sicher ein wenig Gehirnschmalz erfordern, dazu ein genaues sprachliches Abbild der
gemeinten Bedeutung zu finden. Es seien in der Folge einige Besipiele genannt und
ich möchte die versammelte Leserschaft bitten, die Reihung mit einem entsprechenden
und möglichst treffenden deutschen Wort zu über_setzen in der Bedeutung die genau
passende Form zu finden:

- Mikroskopie
- numerische Apertur
- Kondensor
- Phasenkontrast
- Interferenzkontrast
- Objektiv
- Okular
- Tubus
- Frontlinse
- Licht emittierende Diode
- Pulswellenmodulation
- Digitalcamera
- Diaphragma
...
Die Liste liesse sich ohne Zweifel wesentlich verlängern, die Schwierigkeiten, eine passende Übersetzung
für jedes genannte Wort zu finden, meiner Meinung nach aber eben so. Mir hat es nie etwas ausgemacht,
mit 'Handy' oder 'global' im eigenen Sprachgebrauch glücklich zu sein. Unsere westlichen Nachbarn kommen
mit 'Kindergarden' ganz wunderbar aus, und die weit entfernt lebenden westlichen Nachbarn haben
'gemutlichkeit' (mit 'u') fremdsprachlich einverleibt. Warum auch nicht.
Lieber Thomas, der von Dir angeprangerte Mut zur eigenen Sprache scheitert meiner Ansicht nach schon
an unserer eigenen Geschichte. Meine oben gezeigte Liste weist viele Elemente der lateinischen
Beeinflussung auf, ein paar Worte stammen aus dem altgriechischen Einfluss und all das wurde im Zuge
einer sagen wir mal 900 Jahre dauernden Entwicklung immer wieder gut durchgerührt.
An dieser Stelle von Mut zu sprechen, halte ich bei aller Bescheidenheit für recht verwegen.
(Anmerkung: es war übrigens nicht leicht, diese Gedanken ohne ein einziges 'Fremdwort' zu formulieren,
das muss auch einmal klar dargestellt werden  ;D ;D)
Ich möchte mich an dieser Stelle übrigens meinem Vorredner völlig vorbehaltslos anschliessen:
Der Einlochgucker ist in der Tat ein ganz kleines Bisschen zu teuer...  ::)
Viele Grüße
Joachim
(hmm...muss ich mich nun schämen, einen hebräisch verwurzelten und damit unteutschen Vornamen zu haben?  :D)
 
Titel: Re: "Einlochgucker"
Beitrag von: Herne am März 28, 2012, 08:18:53 Vormittag
Hallo zusammen,
nee, schämen muss man sich nicht. Die Sprachen waren zu allen Zeiten den Einflüssen anderer Kulturkreise ausgesetzt. Es ist geradezu das Kennzeichen einer lebendigen Sprache, daß sie diese Einflüsse aufnimmt und sich wandelt.
Wer versucht sich denn heute noch darin, Begriffe wie Mauer (murus), Ziegel (tegula), Keller ( celarium), Fenster (fenestra) und fast endlos weitere durch "deutsche" Worte zu ersetzen? Man stelle sich vor, wir benutzten heute noch die mittelhochdeutschen Dialekte, die zu beherrschen mal furchtbar wichtig war. Vieles liesse sich darin kaum denken, weil die Begriffe dazu fehlten.
So, das musste ich mal los werden, wenn auch völlig O.T. (???); jetzt werde ich mit meinem Selbstfahrer, vorwärtsbewegt von einem Viertopfzerknalltriebling, in die nächste Bücherei fahren, und schauen ob ich in dem Wirrwar (Chaos) der Innenstadt einen Stellplatz ausserhalb des Bürgersteiges (Trottior) finden kann, meinen Regenschirm (Paraplue) nehmen und meines Weges zum Bahnhof (?) gehen um dort auf dem Bahnsteig (Perron) einen lieben Freund ab zu holen.  ;D

Liebe Grüße in die Runde
Herbert (REIN germanischer Name! ;) )
Nachsatz (p.s.) :
Wenn´s jemanden interessiert, seine Ausdrucksweise zu entfremdeln: Ich habe mehrere Eindeutschungswörterbücher aus der Zeit um 1900. Damals war das schwer in Mode ...
Titel: Re: "Einlochgucker"
Beitrag von: skipvolli am März 28, 2012, 08:56:56 Vormittag
hallo
Vielleicht kann man ja doch Blitzfeuererregungsnachrichtsanschrift irgendwie abkürzen, so mit BFN-Anschrift oder so....
Wolfgang
Titel: Re: "Einlochgucker"
Beitrag von: Haus@Hund am März 28, 2012, 09:43:16 Vormittag
Jetzt bin ich auch mal OT:

Wer in den Käffern Dörfern Mittelhessens aufgewachsen ist, beherrscht einerseits natürlich das oft belächelte rrrrrrrrollende "Rrrrrr" (wird wie im Amerikanischen gesprochen):

- Wie stimmt ein Herrrrrborrrrrnerrrrr Chor an? "Rrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr"
- Sag mal ein Wort ohne Rrrrrrr! "Barrrrrnarrrrrne"  ;D

Andererseits sind hier aus der "Franzosenzeit" noch viele französische Begriffe gebräuchlich. Dazu zählt das in einem der letzten Beiträge erwähnte "Trottoir" (natürlich auch mit rrrrollendem Rrrrr), "Fiesematenten", und wer die "Lamperietapete streicht", macht nur Unsinn. Gerade im Dialekt werden noch viele alte Begriffe konserviert und die Aufnahme neuer Vokabeln ist meiner Meinung nach immer ein Zeichen für eine lebendige Kultur.

Grrrrrruß aus Mittelhessen,

Jörg
Titel: Re: "Einlochgucker"
Beitrag von: Peter V. am März 28, 2012, 10:24:46 Vormittag
Hallo TPL,
oder vielleicht besser
....
, die Reihung mit einem entsprechenden
und möglichst treffenden deutschen Wort zu über_setzen in der Bedeutung die genau
passende Form zu finden:

- Mikroskopie
- numerische Apertur
- Kondensor
- Phasenkontrast
- Interferenzkontrast
- Objektiv
- Okular
- Tubus
- Frontlinse
- Licht emittierende Diode
- Pulswellenmodulation
- Digitalcamera
- Diaphragma
...


Meine Vorschläge:

Mikroskopie = Kleinsehen
numerische Apertur = Öffnungswinkelmaß
Kondensor = Lichtbündler
Phasenkontrast = Wellenverschiebungsdarstellung
Interferenzkontrast = Wellenwechselwirkungsdarstellung
Objektiv = Bildaufnahmelinsenrohr
Okular = Einblicklinsenrohr
Tubus = Rohr
Frontlinse = Vorderglas
Licht emittierende Diode = Blitzfeuererregter Durchgangslichtabgeber
Pulswellenmodulation = Wechselwellenveränderung
Digitalcamera = Einsnullbildaufnehmer
Diaphragma = Scheidewand

Herzliche Grüße
Peter

Titel: Re: "Einlochgucker"
Beitrag von: ruhop am März 28, 2012, 10:49:58 Vormittag
Hallo, Leute.

Ich kann es mir nicht verkneifen, ebenfalls einen Beitrag an dieser Stelle abzusondern (sekretieren).

Eine Sprache lebt davon, Worte und Begriffe aus anderen Sprachen aufzunehmen und in den Gebrauch zu geben. Wenn nicht, hat man es mit einer toten Sprache zu tun. Sprachen geben und nehmen. Wenn z. B. ein Japaner einen Nebenjob hat, dann ist das "arubeito" (das u wird in der Aussprache fast verschluckt) und der Finne nimmt gerne seine "Kaffeepausi" in Anspruch.

Interessant wird es, wenn die Rechtschreibung vielgebrauchter Fremdworte der Aussprache lautmalerisch angepaßt wird (so geschehen bei der Rechtschreibreform zu Beginn des 20. Jhds.). Beispiele:

   Douche > Dusche
   Hauteboie > Oboe
   Cakes > Keks

Läßt sich weiter fortführen.

Die Übersetzung  von Fachbegriffen aus anderen Sprachen kann manchmal völlig daneben gehen, z. B. Windjammer.

Übrigens, ich schreibe diesen Beitrag auf meinem Klapprehner.

Schönen Gruß aus dem Hintertaunus

Holger
Titel: Re: "Einlochgucker"
Beitrag von: Jens Jö am März 28, 2012, 11:31:26 Vormittag
Zitat
(aus Arztbestand!)

woher kommt eigentlich diese implizite Wahnvorstellung, daß ausgerechnet Ärzte
a) besonders gute Werkzeuge hätten oder
b) besonders gut wüßten, was sie tun ?

Mit diskriminierten Grüßen
Alfred
Titel: OT: "Einlochgucker"
Beitrag von: TPL am März 29, 2012, 01:06:37 Vormittag
Liebe Mikroskoper und Freunde des gut gewählten Wortes!
Wie schön, dass wir uns einig sind, dass Sprache ein lebendiger Ausdruck unserer Kultur, und als solcher offen für Veränderungen ist.

Verblüffend ist dennoch, welche Reaktionen in diesem Beitrag kamen: Mit welch unglaublicher Leichtfertigkeit lässt sich der Gebrauch der eigenen Sprache lächerlich machen und wie dünkelhaft (wenn nicht Schlimmeres) erscheint die Anregung eines kreativen und bewussten Sprachgebrauches! Es ist so unglaublich leicht, Liebhaber der eigenen Sprache als deutschtümelnde Zeitgenossen dastehen zu lassen. Ein paar Zitate erfolgloser Eindeutschungen oder andere Verballhornungen reichen da fast schon aus...

Wie geschrieben: Es ist unstrittig, dass ins Deutsche zahllose Einflüsse eingegangen sind, die unsere Sprache bereichert haben. Das zu leugnen wäre historisch falsch und politisch dumm. Was ich beklage ist die sinnentleerte Übernahme von Begriffen, die es auf deutsch längst gibt, die sinnentstellend eingeführt wurden, oder die sich - dank der Vielseitigkeit unserer Sprache - leicht ohne grammatische und Ausspracheprobleme hätten bilden lassen (Beispiel "stacken"). Freunde: "stacken" ist kurz, und mag es - wie die "E-Mail" - in die Standardsprache schaffen, aber das ist ein Zeichen unserer (!) mangelnden Fähigkeit, unsere eigene Sprache zu nutzen!

Wer meint, ich zielte bei alldem auf die Zeiten vor 65 oder noch mehr Jahren: weit gefehlt! Mir geht es um die Gegenwart. Seht Euch einfach mal an, wie das in anderen Sprachen läuft: französisch, niederländisch, schwedisch, norwegisch, spanisch, um nur ein paar zu nennen. Da wird zunächst einmal die eigene Sprache eingesetzt - ganz nüchtern, manchmal auch mit staatlicher Hilfe, aber völlig unaufgeregt. Im Baskischen, Katalanischen und anderen Sprachen mit besonders selbstbewussten Sprechern geht es nochmal ganz anders her. Im Vergleich zu anderen Ländern finde ich es eher überrschend, was wir mit unserer sprachlichen Zerstörungswut Verheerendes anrichten!

Von keiner dieser Entwicklungen geht die Welt unter, aber sie zeugen von einer nachlassenden schöpferischen Kraft, die es - in vielen Bereichen sogar prägend - im Deutschen einmal gegeben hat (ob nun Martin Luther, Philipp von Zesen oder Spätere...). Davon abgesehen finde ich es schlichtweg hässlich, von Muttersprachlern einen Kübel voll sprachlichem Unrat entgegen gekippt zu bekommen. Ich kenne hier mindestens zwei Schreiber (aus den Niederlanden und Slowenien), deren Kenntnis und Aufwand, den sie in die Verwendung unserer Sprache stecken oder gesteckt haben, durch eine etwas disziplinierte Ausdrucksweise der Muttersprachler wunderbar honoriert würden. Wer das nicht mag oder kann - gut. Aber das ist kein Verdienst.

Muttersprachliche Grüße,
Thomas
Titel: Re: "Einlochgucker"
Beitrag von: Mila am März 29, 2012, 03:57:07 Vormittag
Liebe Sprachliebhaber,

Hauteboie > Oboe

Als Musikerin kann ich das so nicht stehen lassen: Oboe kommt von hautbois und bedeutet soviel wie "hohes" oder "lautes Holz": le hautbois est un instrument de musique à vent de la famille des bois... (http://fr.wikipedia.org/wiki/Hautbois)

Zur Sprachanpassung: Interessant finde ich das Lexicon recentis Latinitatis: http://de.wikipedia.org/wiki/Lexicon_recentis_Latinitatis. Und dann gibt es noch die Placenta compressa... guten Appetit und Grüße in Richtung Hannover zum MAK ;)

Und hier ist noch ein Artikel, der in einer Bonnner Tageszeitung erschien zum Thema "Kiezdeutsch" (kreativer Dialekt sprachbegabter Menschen???): http://www.general-anzeiger-bonn.de/news/panorama/lifestyle/Musstu-lesen-Ein-Buch-voller-Kiezdeutsch-article622909.html

Demnach muss ich jetzt schreiben:

Ischwöre, isch bin gleich Bett.

Viele Grüße
Mila

Nachtrag zum Thema "Muttersprache": Nicht nur, dass es Wikipedia "auf ripuarisch" gibt http://ksh.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Houpsigk, nein nein, wir können auch wahlweise op Bönnsch oder Kölsch "Internet-Banking" betreiben: https://bankingportal.sparkasse-koelnbonn.de/portal/portal/Starten
Titel: Re: "Einlochgucker"
Beitrag von: Klaus Wagner am März 29, 2012, 07:39:12 Vormittag
Guten Morgen an alle!

der Einlochgucker ist das notwendige Werkzeug des Krautbeschreibers und ganz allgemein nüzlich zur Erforschung der Zeugemutter, auch dem Entgliederer ist es trefflich dienlich. Es arbeitet allerdings noch nicht mit Blitzfeuererregung, sondern wird vorzugsweise am Tageleuchter eingesetzt.

Vielleicht sollte ich mal einen Beitrag in Wikipedia zum Thema "Industriesprech" verfassen. Denn wir ersticken gerade in "Kick-Off-Meetings" und Start-Up-Workshops" immer natürlich mit Agenda. Ergebnisse werden nicht so einfach dargestellt sondern "gemonitort".

Nein, ich arbeite nicht in der Anstalt :-))

Viele Grüße
Klaus
Titel: Re: "Einlochgucker"
Beitrag von: Peter V. am März 29, 2012, 08:20:47 Vormittag
Guten Morgen an alle!

der Einlochgucker ist das notwendige Werkzeug des Krautbeschreibers und ganz allgemein nüzlich zur Erforschung der Zeugemutter, auch dem Entgliederer ist es trefflich dienlich. Es arbeitet allerdings noch nicht mit Blitzfeuererregung, sondern wird vorzugsweise am Tageleuchter eingesetzt.

Vielleicht sollte ich mal einen Beitrag in Wikipedia zum Thema "Industriesprech" verfassen. Denn wir ersticken gerade in "Kick-Off-Meetings" und Start-Up-Workshops" immer natürlich mit Agenda. Ergebnisse werden nicht so einfach dargestellt sondern "gemonitort".

Nein, ich arbeite nicht in der Anstalt :-))

Viele Grüße
Klaus

Hallo,

ich habe mal eine Weile die smarten anzugtragenden gutaussehenden Jungdynamiker von McKinsey erleben dürfen, bei denen es erst "Piloten" gab, die gestartet (oder gelauchnt?) wurden, um danach in den "Roll-Out" zu gehen....
Danke, mein Bedarf an höchstbezahlten allwissenden Nebelkerzenwerfern und Worthülsenakrobaten ist mehr als gestillt.

Hezrliche Grüße
Peter
Titel: Re: "Einlochgucker"
Beitrag von: Klaus Wagner am März 29, 2012, 09:17:57 Vormittag
Hallo Peter

ich habe mal eine Weile die smarten anzugtragenden gutaussehenden Jungdynamiker von McKinsey ...

Ach was ist das rückständig. McKinsey&Co brauchen wir nicht mehr. Als Global Player macht man das doch selber. Beispiel:

Die Spupply-Chain-Prozesse leaner gestalten, so dass keine nutzlosen overheads mehr mitfinanziert werden müssen...

Ach wie ist das Leben schön  ::) wenn man danach ein bisschen Bach hören oder Martin Walser lesen darf.

Viele Grüße
Klaus

Titel: Re: "Einlochgucker"
Beitrag von: ruhop am März 29, 2012, 09:56:11 Vormittag
Hallo, Mila.

Ich bezog mich auf Fontanes "Wanderungen durch die Mark Brandenburg". Hier ist des öfteren im Zusammenhang mit Militärmusik von Hautboien die Rede. Gemeint sind die diversen Holzblasinstrumente.

Gruß aus dem Taunus

Holger
Titel: Re: "Einlochgucker"
Beitrag von: Eckhard F. H. Nowack am März 29, 2012, 09:57:56 Vormittag
Zitat
Ach wie ist das Leben schön, wenn man danach ein bisschen Bach hören oder Martin Walser lesen darf.

... nachdem man fiskalischen Fußangeln, medialen Stinkbomben und Nebelkerzen sowie spontanen körperlichen Unbilden trefflich auszuweichen imstande war.

Gruß - EFH
Titel: Re: "Einlochgucker"
Beitrag von: Herne am März 29, 2012, 10:21:49 Vormittag
...ach, unn dette allens nua wejen det Mikroskob!

 ;D
Herbert
Titel: Re: OT: "Einlochgucker"
Beitrag von: treinisch am März 29, 2012, 10:29:16 Vormittag

Wie geschrieben: Es ist unstrittig, dass ins Deutsche zahllose Einflüsse eingegangen sind, die unsere Sprache bereichert haben. Das zu leugnen wäre historisch falsch und politisch dumm. Was ich beklage ist die sinnentleerte Übernahme von Begriffen, die es auf deutsch längst gibt, die sinnentstellend eingeführt wurden, oder die sich - dank der Vielseitigkeit unserer Sprache - leicht ohne grammatische und Ausspracheprobleme hätten bilden lassen (Beispiel "stacken"). Freunde: "stacken" ist kurz, und mag es - wie die "E-Mail" - in die Standardsprache schaffen, aber das ist ein Zeichen unserer (!) mangelnden Fähigkeit, unsere eigene Sprache zu nutzen!

Hallo Thomas

dann bitte mal Butter an die Fische: Welches deutsche Wort für stacken schlägst Du denn vor? (Komm jetzt bloß nicht mit stapeln) und wie heisst das katalanische und das baskische Wort für stacken?

Ich bin ehrlich gespannt!

Viele Grüße

 Timm
Titel: Re: OT: "Einlochgucker"
Beitrag von: Gunther Chmela am März 29, 2012, 11:03:55 Vormittag
(Komm jetzt bloß nicht mit stapeln)

Also, das würde mich jetzt aber schon interessieren, warum Thomas damit nicht kommen soll. Es handelt sich hier ganz offensichtlich um einen jener Fälle, die Thomas vor allem gemeint hat: Es existiert ein herkömmliches deutsches Wort mit genau der gleichen Bedeutung wie das englische, und trotzdem...

Richtig schlimm wird es allerdings dann, wenn man meint, man müsse mit dem englischen Wort auch gleich noch die englische Grammatik importieren (zumindest teilweise): "gestacked". Auch das konnte man hier bereits lesen! Das ist etwa so, als würde z.B. in der Zeitung stehen: Die Polizei hat das Fahrzeug gestopped.

G.Ch.
Titel: Re: "Einlochgucker"
Beitrag von: Eckhard F. H. Nowack am März 29, 2012, 11:06:42 Vormittag
Zitat
Komm jetzt bloß nicht mit stapeln

Hallo Timm,
was spricht dagegen? Vielen Wörtern gibt erst der Kontext den jeweiligen Sinn. Wenn also ´stapeln´ im Zusammenhang Bildverarbeitung fällt, weiß doch jeder was gemeint ist.
Gruß - EFH
Titel: Re: OT: "Einlochgucker"
Beitrag von: TPL am März 29, 2012, 11:07:20 Vormittag
dann bitte mal Butter an die Fische: Welches deutsche Wort für stacken schlägst Du denn vor? (Komm jetzt bloß nicht mit stapeln) und wie heisst das katalanische und das baskische Wort für stacken?

Kaixo Timm,
warum sollte ich?
Die Chance, damit etwas zu erreichen, ist Null, denn

a) ist der Zeitpunkt zu spät (gut erkennbar daran, dass Dir das naheliegendste Wort schon unzumutbar erscheint) und
b) geht es anscheinend gar nicht darum, einen anderen Begriff zu finden (dazu würden die katalanischen und das baskischen Begriffe, die ich beide nicht kenne, nichts beitragen).

Mir geht es um eine Situation, die ich an einem Beispiel erklären möchte: schon mehrfach habe ich gehört, "E-Mail" ließe sich nicht übersetzen, oder wenn doch, dann nur ach-so-kompliziert als "elektronische Post". Nach dieser Logik hieße "E-Mail" für Englisch-Muttersprachler "electronic mail" ::). Warum verweigern wir uns die Möglichkeit, neue Begriffe mit unserer eigenen Sprache zu schöpfen, so wie es in Frankreich gang und gäbe ist. Dort heißt  "E-Mail" "courriel"; aus "courrier électronique" (katalanisch: correu-e; baskisch: e-posta :P).

Geru arte,
Thomas
Titel: Re: "Einlochgucker"
Beitrag von: Klaus Herrmann am März 29, 2012, 11:13:27 Vormittag
Hallo zusammen,

ich denke, dass es in der Entwicklung einer Sprache genauso ist, wie bei der Entwicklung des Wegenetzes in einem großen viel frequentierten Park:

 Ein erlauchtes Gremium an Landschaftsgärtnern hat den Park angelegt mit schön geführten Wegen, die auch fleißg genutzt werden und dann bilden sich peu à peu zusätzlich neue pragmatischen Abkürzungstrampelpfade aus, die anfänglich von der Parkverwaltung mit Verbotsschildern versehen werden. Über die Jahre verrotten die Schilder und die Trampelpfade werden zum Schluss vom Gremium geadelt durch ein neues Pflaster.  :D

So etwa hat man sich die Dudenkommission vorzustellen!
Titel: Re: OT: "Einlochgucker"
Beitrag von: Klaus Wagner am März 29, 2012, 11:14:28 Vormittag
(Komm jetzt bloß nicht mit stapeln)

Also, das würde mich jetzt aber schon interessieren, warum Thomas damit nicht kommen soll. Es handelt sich hier ganz offensichtlich um einen jener Fälle, die Thomas vor allem gemeint hat: Es existiert ein herkömmliches deutsches Wort mit genau der gleichen Bedeutung wie das englische, und trotzdem...


Ich erzeuge einen Stapel von Bildern, den ich später durch ein Programm weiterverarbeite. Den Vorgang nennt man "Stacken". So erkläre ich das immer, wenn ich mal gefragt werde. Aus meiner Sicht ist das dann auch für einen Laien verständlich. Warum also nicht "stapeln", solange man nicht zu hoch stapelt. So einfach wie möglich, aber nicht primitiv!

Viele Grüße
Klaus
Titel: Re: "Einlochgucker"
Beitrag von: TPL am März 29, 2012, 11:43:33 Vormittag
Ein erlauchtes Gremium an Landschaftsgärtnern hat den Park angelegt mit schön geführten Wegen, die auch fleißg genutzt werden und dann bilden sich peu à peu zusätzlich neue pragmatischen Abkürzungstrampelpfade aus, die anfänglich von der Parkverwaltung mit Verbotsschildern versehen werden. Über die Jahre verrotten die Schilder und die Trampelpfade werden zum Schluss vom Gremium geadelt durch ein neues Pflaster.

Ein wunderschönes Beispiel. Danke, Klaus!

Was seit ein paar Jahren in Deutschland geschieht, sieht mir allerdings eher so aus:

Ziel des Parkes ist für Viele inzwischen seine geradlinige Durchquerung. Zu diesem Zweck werden breite Schneisen durch die bestehende Vegetation und durch das vorhandene und den Parbenutzern vertraute Wegesystem geschlagen. Im Sinne der Kürze und des guten Eindrucks müssen dem auch lästige Einrichtungen wie alte Bäume, Bänke, Brunnen und Pavillons weichen, die den bisherigen Parknutzern Wegmarken, Erholung und Ruhe boten. Wer die noch vorhandenen alten Wege benutzt, wird belächelt. Wer darauf hinweist, dass sie ihren Zweck ebenso erfüllten und der Park ohne die Schneisen schöner war, wird von den Schneisengängern verspottet. Währenddessen berät das erlauchte Gremium der Landschaftsgärtner weiter, aber keinen interessiert's, denn die Schneisen sind so breit, dass vom Park immer weniger übrig bleibt.

Viele Grüße,
Thomas
Titel: Re: "Einlochgucker"
Beitrag von: Eckhard F. H. Nowack am März 29, 2012, 11:44:53 Vormittag
Zitat
ich denke, dass es in der Entwicklung einer Sprache genauso ist, wie bei der Entwicklung des Wegenetzes in einem großen viel frequentierten Park:

Guter Vergleich. Wenn allerdings Parkwege bereits die kürzesten Verbindung zwischen Ausgangs- und Zielpunkt darstellen, wird kein neuer Weg getrampelt. Im modernen Sprachgebrauch schon: Freiluft- >>> Openair-.
Gruß - EFH
Titel: Re: "Einlochgucker"
Beitrag von: Klaus Wagner am März 29, 2012, 13:32:44 Nachmittag
Zitat
ich denke, dass es in der Entwicklung einer Sprache genauso ist, wie bei der Entwicklung des Wegenetzes in einem großen viel frequentierten Park:

Guter Vergleich. Wenn allerdings Parkwege bereits die kürzesten Verbindung zwischen Ausgangs- und Zielpunkt darstellen, wird kein neuer Weg getrampelt. Im modernen Sprachgebrauch schon: Freiluft- >>> Openair-.
Gruß - EFH

Hallo Klaus,

der Vergleich ist perfekt. Und nur ein Blöder rennt noch 3mal im Kreis, um von A nach B zu kommen.

Sprachlich geschieht das immer dann, wenn der Sprecher keine klare Vorstellung hat und das verschleiern will. Dann wird alles umständlich umschrieben, und eine Nebelgranate geworfen, in der Hoffnung, dass es keiner durchschaut.
Beispiel: „Entsprechende Erkenntnisse wurden in den Prozeß neu hinzugefügt und das ermittelte Ergebnis wurde verifiziert.“
Richtig wäre ja: "Maßnahme A und B wurden in den Bearbeitungsschritt C eingeführt. Die so hergestellten Teile waren fehlerfrei."

Aber das setzt ja voraus, dass man sich wirklich mit dem Problem auseinandergesetzt hat.

Deshalb gefällt mir z.B. Bach so gut: Als Ergebnis klingt alles so schön einfach. Wenn man das aber nachspielen will, erkennt man, wie komplex so ein einfaches "Stückchen" tatsächlich ist. Und auch die Sprache von Walser ist einfach, nüchtern und trifft immer exakt ins Schwarze. Da erkennt man die wirklichen Könner.

Viele Grüße
Klaus
Titel: Re: "Einlochgucker"
Beitrag von: ruhop am März 29, 2012, 16:04:46 Nachmittag
Hi
Ich bin jetzt wieder on stage. Hatte vor 2 Stunden mein outdoor-outfit angelegt, den Plankton-kit in den Minivan gestufft und bin zur Waterlocation, um für morgen zum Micro-Meeting ein paar Plankton-Samples zu holen. War ganz easy.

Weil meine Frau noch mit unserem SUV in der City zum Shoppen ist, werde ich ein bißchen chillen. Nachher geht es dann mit dem Bike in meinen Lieblingspub. Da ist dann Happyhour mit Flatrate: All you can eat and all you can drink. Stell you so what once before!

CUL

Holger from The Taunus Mountains
Titel: Re: "Einlochgucker"
Beitrag von: Peter V. am März 29, 2012, 17:14:49 Nachmittag
Hi
Ich bin jetzt wieder on stage. Hatte vor 2 Stunden mein outdoor-outfit angelegt, den Plankton-kit in den Minivan gestufft und bin zur Waterlocation, um für morgen zum Micro-Meeting ein paar Plankton-Samples zu holen. War ganz easy.

Weil meine Frau noch mit unserem SUV in der City zum Shoppen ist, werde ich ein bißchen chillen. Nachher geht es dann mit dem Bike in meinen Lieblingspub. Da ist dann Happyhour mit Flatrate: All you can eat and all you can drink. Stell you so what once before!

CUL

Holger from The Taunus Mountains


 ;D  ;D  ;D

Herzliche Grüße
Peter
Titel: Re: "Einlochgucker"
Beitrag von: Dünnschliffbohrer am März 29, 2012, 18:44:04 Nachmittag
Zitat
Hi
Ich bin jetzt wieder on stage. Hatte vor 2 Stunden mein outdoor-outfit angelegt, den Plankton-kit in den Minivan gestufft und bin zur Waterlocation, um für morgen zum Micro-Meeting ein paar Plankton-Samples zu holen. War ganz easy.

Weil meine Frau noch mit unserem SUV in der City zum Shoppen ist, werde ich ein bißchen chillen. Nachher geht es dann mit dem Bike in meinen Lieblingspub. Da ist dann Happyhour mit Flatrate: All you can eat and all you can drink. Stell you so what once before!

CUL

Holger from The Taunus Mountains

Gut gelungene Parodie des Kauderwelschenglisch, Danke Holger!
Die tieferen Ursachen für für diesen kulturellen Fortschritt kann man bei diesem Autor nachlesen, aber Vorsicht, das Nazometer könnte so heftig ausschlagen, dass es zu schweren Hiebverletzungen kommt:
http://www.zeno.org/Literatur/M/Klopstock,+Friedrich+Gottlieb/Gedichte/Oden.+Zweiter+Band/%C3%9Cbersch%C3%A4tzung+der+Ausl%C3%A4nder
Die Deutschen waren wohl schon vor 200 Jahren ein Volk von Kriechern. - Dsb.
Titel: Re: "Einlochgucker"
Beitrag von: treinisch am März 29, 2012, 18:50:26 Nachmittag
Hallo,

beim Stapel waren meine Finger wohl schneller, als mein Gehirn. Stapeln ist eine ästhetisch ansprechende
und bedeutungsmäßig einwandfreie Vokabel für stacken.

Insgesamt finde ich es schwierig den Überblick über die verschiedenen Linien in diesem Thread zu behalten.

Da bist Du, Thomas, und schreibst der Gebrauch bestimmter Anglizismen sein nicht „verdienstreich”. Das finde ich eine
spannende Perspektive, vor allem, weil natürlich klar ist, dass die Bedeutung des Wortes „Verdienst” natürlich stark von der jeweiligen Subkultur abhängt, interessanterweise ebenso wie das Vokabular. Ich zum Beispiel würde mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keinerlei Verdienst im eindeutschen vielerlei Termini sehen.

Dann ist da Klaus mit seinem Wegebeispiel. Ich denke dieses trifft ziemlich gut. Vielleicht mit der kleinen Abweichung, dass es hinsichtlich der Sprache nach dem Schulabschluss keinen Parkwächter mehr gibt.

Dann ist da Eckhard, mit einem sehr interessanten Beispiel: Open Air bzw. Freiluft. Das ist genau der Punkt, der mich bewegt. Verschiedene Kulturräume prägen ihr eigenes Vokabular. Manchen Kulturräumen wird das geflissentlich zugestanden, das sind im wesentlichen die alten Wissenschaften. Den neuen Wissenschaften wird das recht schon nur noch sehr eingeschränkt eingeräumt. Ebenso wird es alten Kulturräumen wie den Dialekten ohne weiteres eingeräumt ein eigenes Vokabular zu pflegen, während es neueren Kulturräumen eben überhaupt nicht eingeräumt wird. Dabei ist der Mechanismus immer der selbe. Sprache ist Ausdruck einer Geisteshaltung, in den Wörtern schweben Nebenbedeutungen, Sinnnetzwerke, Botschaften aller Art mit.

Selbstverständlich ist ein Festival keine Feier und natürlich ist Open Air nicht Freiluft, ebenso wie Kids nicht identisch mit Kindern sind. Diese lexikonartigen Übersetzungen stimmen nur, wenn man weit genug vom jeweiligen Kulturraum entfernt ist um den Unterschied zu sehen. Sekt? Ist doch Selters, oder? Beides trinkbares Wasser mit Blubb.

Aus meiner Sich bemerkenswert ist, dass über den Anglizismus „Sinn machen” praktisch niemand meckert, er tönt halt deutsch, das reicht.

Das grammatikalisch eindeutig falsche gemischt deutsch / englische Beugen von stacken zu gestacked wird moniert, andere sehr viel häufigere Defekte, wie zum Beispiel die hier im Forum recht stark grassierende ss/ß - Schwäche hingegen scheinen in Ordnung zu sein.

Ein Tonnentierchen darf man Coleps nennen, rückenseitig selbstverständlich dorsal. Aber E-Mail ist ein Problem! Dabei ist das Wort mittlerweile ja auch schon sehr alt. (Ich habe meine erste E-Mail 1979 geschrieben, sie hat damals 6 Pfennige gekostet). Zu der Zeit, als das Wort entstanden ist, war das Internet ein sehr sehr englischsprachiges Geschäft, irgendwann 20 Jahre später schreibt dann auch Lieschen Müller E-Mails, aber nicht nur, dass sie auf einmal in einen Kulturraum eindringt und sich dessen Technologien zunutze macht, nein, jetzt hat sie auf einmal auch das Recht diesem Kulturraum vorzuschreiben, wie er die Dinge zu benennen hat. In meiner Bescheidenen Wahrnehmung entbehrt dieses Ansinnen jedweder Berechtigung und Richtigkeit.

Ich würde soweit gehen zu behaupten, dass die Möglichkeiten zu präzisem Ausdruck in der deutschen Sprache und durchaus auch die Gewohnheit von diesen Möglichkeiten gebrauch zu machen schon etwas besonderes sind, und gerade deswegen ist die Neigung zu Anglizismen höher als in anderen Sprachen. Sie sind exakter, lassen sich einfacher aufladen und transportieren einfach mehr von der Kultur dessen, der sie gebraucht.

Abschließend möchte ich in Zweifel ziehen, ob der Anteil von Anglizismen tatsächlich höher ist als der Anteil neuer deutscher Schöpfungen oder der Anteil von Romanismen oder Graecismen.

Viele Grüße

 Timm
Titel: Re: "Einlochgucker"
Beitrag von: Eckhard F. H. Nowack am März 29, 2012, 21:06:08 Nachmittag
Hallo Timm,
Du hast weit ausgeholt. Letztlich hat die Sprache nur den trivialen Zweck, Situation oder Sichtweise so effektiv und verständlich wie möglich zu interpretieren. Dafür favorisiert jede Sprache im Verlauf perfekt nur ein einziges Wort bzw. eine einzige Wortfolge.  Es ist schon schwer, die aus der Muttersprache abzugreifen, unmöglich aber einer Fremdsprache zu entleihen. Stichwort Gebrauchsanweisungen. Das hat mit Nationalismus absolut nichts zu tun, sondern vielmehr mit Wissenschaft.
Gruß - EFH
Titel: Re: "Einlochgucker"
Beitrag von: Gunther Chmela am März 29, 2012, 21:21:38 Nachmittag
Das grammatikalisch eindeutig falsche gemischt deutsch / englische Beugen von stacken zu gestacked wird moniert, andere sehr viel häufigere Defekte, wie zum Beispiel die hier im Forum recht stark grassierende ss/ß - Schwäche hingegen scheinen in Ordnung zu sein.

Lieber Timm,

das hat wohl eher etwas mit der deutschen Recht- und Schlechtschreibung zu tun, nicht mit Anglizismen, um die es ja ging. Mein Hinweis auf die unangebrachte englische Grammatik dagegen hatte durchaus Bezug zu den Anglizismen.

Grüße
Gunther
Titel: Re: "Einlochgucker"
Beitrag von: treinisch am März 29, 2012, 21:38:37 Nachmittag
Hallo Eckhard,

meine Worte! (Abgesehen von Nationalismus, das habe ich nicht gebraucht!)

Ich tue mich schwer, genau zu artikulieren, was ich darüber hinaus meine, vielleicht
bleibe ich einfach mal bei Deinem Beispiel, auch wenn es für meinen Zweck viel viel
bessere gäbe. In meinem Arbeitsgebiet, der menschlichen Kommunikation gibt es nämlich
eine Reihe von eingedeutschten englischen Begriffen und immer wenn ich diese deutschen
Wörter benutze, muss ich dummerweise erklären, was damit in Wirklichkeit gemeint ist,
da das deutsche Wort einfach nicht richtig stimmt.

Dein Beispiel ist ja „Open Air”. Nun unterhält man sich mit Menschen auf der ganzen
Welt über Open Air Festivals, man liest im Internet Berichte über den letzten Auftritt
der Lieblingsformation und natürlich auch „Open Air”. Das schafft meine Erfahrungswelt und
die Erinnerungen und Nebenbedeutungen, den Kontext, den ich beim Gebrauch des Wortes
abrufe. Die These diese Erinnerungen könne ich nun treffender abrufen, wenn ich Deinen
Vorschlag Freiluft-Festival oder (das hast Du nicht vorgeschlagen) Freiluft-Feier gebrauchen
würde, da ich kein Muttersprachler sei, ist so einfach nicht richtig, weil die Assoziationen und
der Kontext einfach nicht stimmen. Für Dich mag das aber durchaus zutreffend sein! Sehr wohl!

Ich würde deswegen immer das Wort Open Air wählen, weil nur dieses in meinem Wortschatz
die passende Bedeutung hat. Das hat nicht unmittelbar etwas mit dem lexikalischen Wissen eines Muttersprachlers zu tun!

Indirekt schon, weil es ja genau die Stärke des Muttersprachlers ist, dass er die Wörter kontextuell lernt und nicht wie
wir durch stupides pauken lexikalischen Wissens.

Das gilt zum Beispiel auch für die E-Mail. Als ich das Wort E-Mail erworben habe, war das WWW noch eine seltene
Randerscheinung. Man wählte sich über Akustikkoppler in deutsche oder meist noch amerikanische Systeme ein und
E-Mails kosteten noch Geld, wenn sie über das Internet geleitet werden mussten. Jetzt kommen Leute daher und sagen
mir, E-Post wäre doch besser. Das klingt ja heute noch gelb und nach BTX. Das ist doch so.

Wenn Du 10 Jahre mit einer Nina verheiratet warst, dann hat „Nina” doch einen anderen Klang. Diese Bedeutungen, Du nennst
sie Interpretationen, spielen doch eine Rolle, man kann doch Wörter nicht einfach auf ihren lexikalischen Gehalt reduzieren.

Viele Grüße

Timm
Titel: Re: "Einlochgucker"
Beitrag von: treinisch am März 29, 2012, 21:45:12 Nachmittag
das hat wohl eher etwas mit der deutschen Recht- und Schlechtschreibung zu tun, nicht mit Anglizismen, um die es ja ging. Mein Hinweis auf die unangebrachte englische Grammatik dagegen hatte durchaus Bezug zu den Anglizismen.

Hallo Gunther,

ja verstehe! Vielleicht darf ich Bezug-Wiederherstellend präzisieren:

Dass die Möglichkeit von Grammatikfehlern beim Beugen von Anglizismen besteht, ist ja klar, ist aber meines Erachtens kein Argument gegen Anglizismen,
da das keine Besonderheit ist. Die eingedeutschten Anglizismen werden ganz normal deutsch gebeugt, es Bedarf für den Umgang also keinerlei Spezialkenntnisse.

Ganz anders übrigens als bei zahllosen Romanismen und Graecismen!

Viele Grüße

 Timm
Titel: Re: "Einlochgucker"
Beitrag von: Thilo Immel am März 29, 2012, 21:48:46 Nachmittag
Hallo Eckhard,

Letztlich hat die Sprache nur den trivialen Zweck, Situation oder Sichtweise so effektiv und verständlich wie möglich zu interpretieren.

Das ist sicherlich der wichtigste, aber nicht der einzige Zweck der Sprache.
Und manchmal überlagern die anderen Aspekte diesen wichtigsten Zweck sogar.

Beispiel gefällig?

Warum sprechen die Jäger von 'Schweiss', wenn sie das Blut außerhalb des Wildkörpers meinen?
Gewiss nicht, um sich allgemeinverständlich auszudrücken, denn Schweiss beudeutet ja im allgemeinen etwas ganz anderes. Das Gegenteil ist richtig: es geht dabei auch um ein sich-Abgrenzen von den Uneingeweihten. Dies ist ein mindestens genauso wichtiger Aspekt bei jeder Fachsprache, wie die klare und eindeutige Benennung von Sachverhalten.

Ein weiter nicht zu unterschätzender Aspekt ist das Transportieren von Informationen über den 'Sender' und den 'Empfänger' und wie der Sender deren Verhältnis sieht.

Dem Hund sagst Du 'Platz'!
Deine Angebeteten fragst Du: 'möchtest Du Dich dorthin setzen'?


Ich persönlich gehe an das ganze Thema eher nüchtern ran. 'stacken' als Fachbegriff hat den Vorteil, dass es (hier im deutschsprachigen Raum) ein neues Wort mit eindeutiger Bedeutung ist, was man von 'stapeln' nicht sagen kann, hier ist der Kontext nötig.

Und auch das 'gestackt' finde ich persönlich nicht schlimm.
Es gibt wichtigere Probleme in der Welt.


Liebe Grüße

Thilo Immel




Titel: Re: "Einlochgucker"
Beitrag von: Eckhard F. H. Nowack am März 29, 2012, 21:52:22 Nachmittag
Zitat
meine Worte! (Abgesehen von Nationalismus, das habe ich nicht gebraucht!)

Hallo Timm,
da meinen wir unterm Strich also dasselbe. Das Wort ´Nationalismus´ hast Du zurecht moniert. Verzeih, das lag mir als Relikt aus einer anderen Diskussion noch im Ohr.
Herzlicher Gruß
EFH
Titel: Re: "Einlochgucker"
Beitrag von: Peter V. am März 29, 2012, 21:53:25 Nachmittag
Hallo Thilo,

Zitat
Dem Hund sagst Du 'Platz'!
Deine Angebeteten fragst Du: 'möchtest Du Dich dorthin setzen'?

...reiner Sachzwang! Anders herum würde es in beiden Fällen sicher nicht zum gewünschten Erfolg führen.

Herzliche Grüße
Peter
Titel: Re: "Einlochgucker"
Beitrag von: Peter V. am März 29, 2012, 22:17:41 Nachmittag
Hallo,

ein weites Feld....
Wohl dem, der eine feste Meinung dazu hat. Ich hingegen bin hin- und hergerissen, sehe das Ganze aber eher pragmatisch als dogmatisch und eine quasi per Gesetz verordnete Sprachregelung a la "Grande Nation" wäre mir äußerst unsympathsich und erschiene mir eher lächerlich.

Kramphaftes Übertragen "eingebürgerter" fremdsprachlicher Begriffe, eben nach dem Muster des Herrn von Zeesen, wird ebenso oft verkrampft und auch sein "Meuchelpuffer" konnte sich ja letztlich nicht durchsetzen.
Stacken, Stitchen und auch die E-Mail stören mich nicht, ich loade genau so unverkrampft down wie ich auch herunterlade.

Sicherlich ist das alles auch eine Frage des persönlichen Empfindens, mit dem "Schlüsselkontomanager" (ich weiß bis heute nicht genau, was ein Solcher eigentlich macht) würde ich mich genau so gerne (oder ungerne) auf einer Sitzung treffen wie bei einem "Meeting".

Wenn Leute "chillen" (schlimmstenfalls in "Mandy's Sunpoint"), dreht sich mit der Magen herum, weil mir dieses Wort so seltsam "gekünstelt" erscheint, jüngere Generationen verwenden diesen Ausdruck hingegen selbstverständlich und empfinden ihn auch sicher nicht mehr als einen "Fremdkörper" in der deutschen Sprache wie ich. Genau so, wie ich es aufgesetzt finde, wenn ich nach einer Fortbildungsveranstaltung zu einem "Sundowner" eingeladen werde.
Und zur völlig übrtrieben verdenglischten Sprache der Unternehmensberater und Co. (treffliche Beispiele hat Klaus Wagner bereits reichlich angeführt) halte ich es mit dem wohl bekanntesten Zitat von Max Liebermann.

Vermutlich empfindet man die Sprache in dem Zustand, in dem man mit ihr "groß" wird, als den Normalzustand und alle späteren Verränderungen kommen einem zumindest anfänglich fremd vor. Aber selbstvertsändlich akzeptiere ich, dass Sprache "lebt" und einem steten Wandel unterworfen ist, und mittlerweile habe ich mich genau so an den "Stängel" gewöhnt wie daran, daß man "etwas erinnert", statt aich "an etwas zu erinnern".  Und das ist auch gut so!

Stellt Euch einmal einen aktuellen, vermeintlich komplett deutschen, anglizismenfreien Text vor. Und dann stellt Euch vor, was Walther von der Volgelweide empfinden würde, wenn er ihn noch lesen könnte.

    Ich saz ûf eime steine
    und dahte bein mit beine.
    dar ûf satzt ich den ellenbogen.
    ich hete in mîne hant gesmogen
    daz kinne und ein mîn wange.
    dô dahte ich mir vil ange,
    wie man zer welte solte leben.
    deheinen rât kond ich gegeben,
    wie man driu dinc erwurbe,
    der keinez niht verdurbe.
    diu zwei sint êre und varnde guot,
    daz dicke ein ander schaden tuot:
    daz dritte ist gotes hulde,
    der zweier übergulde.
    diu wolte ich gerne in einen schrîn:
    jâ leider desn mac niht gesîn,
    daz guot und weltlich êre
    und gotes hulde mêre
    zesamene in ein herze komen.
    stîg unde wege sint in benomen:
    untriuwe ist in der sâze,
    gewalt vert ûf der strâze,
    fride unde reht sint sêre wunt.
    diu driu enhabent geleites niht,
    diu zwei enwerden ê gesunt.

    Walther von der Vogelweide ( geb. ca. 1170 - gest. ca. 1230 )

Herzliche Grüße
Peter


Titel: Re: "Einlochgucker"
Beitrag von: Eckhard F. H. Nowack am März 29, 2012, 22:17:49 Nachmittag
Zitat
Warum sprechen die Jäger von 'Schweiss', wenn sie das Blut außerhalb des Wildkörpers meinen?

Hallo Thilo,
diese Erklärung dünkt mir ganz einfach: Handlungen, die nicht ungeteilte Zustimmung im Volk finden, werden sprachlich getarnt. Jäger meiden generell das Wort ´Blut´.  Auch ´erschießen´ sie kein Wild, sondern ´tragen ihm den Schuss an´. Am heuchlerischsten ist der Zweigbruch und die stille Referenzminute nach der Tötung. Jagd ist nötig, ihre Verbrähmung hingegen verlogen.
Gruß - EFH
Titel: Re: "Einlochgucker"
Beitrag von: Gunther Chmela am März 29, 2012, 22:26:43 Nachmittag
Und auch das 'gestackt' finde ich persönlich nicht schlimm.

So wär's ja richtig! Mein Zitat (weiter oben) war anders!  ;)

G.Ch.
Titel: Re: "Einlochgucker"
Beitrag von: Eckhard F. H. Nowack am März 29, 2012, 22:27:02 Nachmittag
Zitat
Stellt Euch einmal einen aktuellen, vermeintlich komplett deutschen, anglizismenfreien Text vor. Und dann stellt Euch vor, was Walter von der Volgelweide empfinden würde, wenn er ihn noch lesen könnte.

Daß auch die Sprache sich dem Lauf der Zeit unterwirft, ist unstrittig und überdies nötig. Es ist der zeitliche Rahmen dafür, der nicht paßt.
Gruß - EFH
Titel: Re: "Einlochgucker"
Beitrag von: Gunther Chmela am März 29, 2012, 22:41:39 Nachmittag
...gewöhnt wie daran, daß man "etwas erinnert", statt aich "an etwas zu erinnern".

Lieber Peter V.,

na ja. So etwas empfinden wir im Süden, wenn wir ein Gefühl für unsere Sprache haben, nicht als Evolution der Sprache, sondern als eine Art Kolonisierungsversuch seitens des Duden. Die transitive Form "etwas erinnern" wird in der süddeutschen Hochsprache als fremder empfunden als so mancher Anglizismus.

Und so etwas lese ich ausgerechnet zusammen mit dem Text Walthers von der Vogelweide, der ja südliches Mittelhochdeutsch geschrieben hat!

Nichts für ungut!

Beste Grüße
Gunther
Titel: Re: "Einlochgucker"
Beitrag von: Peter V. am März 29, 2012, 22:47:42 Nachmittag
Lieber Herr Chmela,

glauben Sie mir, dieses "Ich erinnere" wird mir sicher in den nächsten zwanzig Jahre nicht über die Lippen kommen, so fremd empfinde ich es persönlich. Nur habe ich mich eben zwangsläufig daran gewöhnt, es häufiger lesen und hören zu müssen und die nächsten Generationen werden die Formulierung - sollte sie nicht zufälligerweise wieder verschwinden - als völlig normal empfinden.

Herzliche Grüße
Peter Voigt


"...und das ist so trotzdem es Mindestlöhne gibt"
Gerade vor einer Minute von einer Spitzenpolitikerin einer großen deutschen Volkspartei bei "Beckmann" so wörtlich geäußert  ;)
Titel: Re: "Einlochgucker"
Beitrag von: Gunther Chmela am März 29, 2012, 23:05:20 Nachmittag
und die nächsten Generationen werden die Formulierung - sollte sie nicht zufälligerweise wieder verschwinden - als völlig normal empfinden.

Lieber Herr Voigt,

sag ich doch: Kolonisierung. Im übrigen, der Alleinvertretungsanspruch des Duden existiert längst nicht mehr. Wenn es interessiert, es gibt auch Wörterbücher wie z.B. ICKLER, "Normale deutsche Rechtschreibung" und MACKENSEN, "Deutsches Wörterbuch". (Nein, ich bekomme keine Provision.)

Lächelnde Grüße!
Gunther Chmela
Titel: Re: "Einlochgucker"
Beitrag von: Gunther Chmela am März 29, 2012, 23:15:13 Nachmittag
"...und das ist so trotzdem es Mindestlöhne gibt"
Gerade vor einer Minute von einer Spitzenpolitikerin einer großen deutschen Volkspartei bei "Beckmann" so wörtlich geäußert  ;)

Ja, da muß ich ja sofort noch einmal in die Tasten greifen! Was erwarten Sie denn sprachlich von Spitzenpolitikern? Zu Papa Heuss' Zeiten konnte man das vielleicht noch... etwas erwarten, meine ich.

Jetzt nicht mehr lächelnd - eher abwinkend.

Gunther Chmela
Titel: Re: "Einlochgucker"
Beitrag von: TPL am März 29, 2012, 23:56:04 Nachmittag
Lieber Timm,
es war ein langer Tag und ich habe kaum lesen können, was inzwischen alles in diesem Beitrag hinzugekommen ist. Mein Eindruck ist, dass zu diesem Thema v.a. diejenigen schreiben, denen zumindest meine Kritik / Sorge / Verärgerung gar nicht gilt: Menschen nämlich, denen ihre Sprache keineswegs egal ist!

Zitat
Ein Tonnentierchen darf man Coleps nennen, rückenseitig selbstverständlich dorsal. Aber E-Mail ist ein Problem!
Nicht für mich. Für mich liegt das Problem nicht in diesem Wort, dass ich nahezu täglich verwende, sondern in der fehlenden Bereitschaft derjenigen, die es zum richtigen Zeitpunkt (vor rund 30 Jahren) in unsere Sprache hätten übertagen können. Das schaffen jetzt weder Du, noch ich, noch das gesamte Mikroforum (mal angenommen, es wollte), und das ist jetzt auch nur ein Ausdruck meines "Problems". Der Zug isch naus - die Kapp' is scho verschnidde ;)

Zitat
Aus meiner Sicht bemerkenswert ist, dass über den Anglizismus „Sinn machen” praktisch niemand meckert, er tönt halt deutsch, das reicht.
Aber gerne doch: mecker!
Diese Formulierung ist zwar inzwischen weit verbreitet, aber mir dreht sich dabei - wie übrigens auch bei der Wendung „das meint” (auf deutsch: das bedeutet, das heißt) - jedesmal der Magen um. Beides sind "Falsche Freunde", also ähnlich klingende Worte, die aber andere Bedeutungen haben, als in der Sprache, aus der sie übertragen wurden. Das wären in vielen Fällen nur linguistische Spitzfindigkeiten (manche falschen Freunde sind wirklich zum Piepen!), aber hier ist die Sache etwas subtiler: in beiden Fällen („Sinn machen”, „das meint”) wird die Fähigkeit und die Verantwortung zur Deutung vom Menschen auf eine Sache (das Problem, dessen Lösung, ein Produkt, Prozesse, etc.) übertragen.

Irgendetwas "macht" eben keinen Sinn. Es hat, oder es bekommt ihn, weil ich oder jemand anderes ihm diesen Sinn zuweisen. Das ist ein bewusster intellektueller Akt, für den es einen Zuständigen gibt. Ganz im Sinne dessen, was Klaus Wagner hier holzschnittartig vorgeführt hat: wer für nichts verantwortlich sein will, der versucht, die Deutung der Sachen, von denen er spricht, von sich zu weisen - und notfalls sogar den Sachen selbst überzuhelfen. Das macht doch Sinn, oder ???

Fröhlich-meckernde Grüße
Thomas