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Foren => Mikroskopie-Forum => Thema gestartet von: olaf.med am Oktober 02, 2017, 18:39:29 Nachmittag

Titel: Der Koloss von Steglitz - Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess
Beitrag von: olaf.med am Oktober 02, 2017, 18:39:29 Nachmittag
Der Koloss von Steglitz -
Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess

Kürzlich konnte ich ein ganz besonderes Mikroskop erwerben und möchte gerne die Freude und den Stolz darüber mit euch teilen. Es handelt sich um ein Theodolit-Mikroskop aus der Produktion der berühmten Firma R. Fuess aus Berlin-Steglitz. Theodolit-Mikroskope gehören prinzipiell zu den ganz großen Seltenheiten bei den an sich schon nicht sehr häufigen petrographischen Forschungsmikroskopen, aber dieses Gerät ist nochmals etwas ganz Besonderes.

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures007/221499_22597652.jpg)

Kurzvorstellung: Theodolit-Mikroskop der Fa. Fuess, Berlin/Steglitz, ca. 1930, Arbeitshöhe > 50 cm, Gewicht 18,5 kg, kurz: kolossal!


Die Theodolit-Methode

Die Theodolit-Methode, auch Fedorow- oder Universal-Drehtisch-Methode genannt, geht auf den russischen Mineralogen E. S. Fedorow zurück, der diese Messmethode zwischen 1894 und 1897 entwickelte. Mit ihr lässt sich die räumliche Beziehung zwischen den optischen Eigenschaften und der kristallographischen Symmetrie quantitativ bestimmen. Die wichtigste Anwendung beruht auf der Tatsache, dass sich bei Feldspat-Mischkristallen, den häufigsten Bestandteilen der Gesteine, diese räumliche Orientierung mit der chemischen Zusammensetzung ändert. Somit ist eine Bestimmung ihrer Zusammensetzung allein durch das Einmessen der optischen Parameter möglich – ganz ohne chemische Analytik. Aus der Kenntnis der Zusammensetzung wiederum kann man weit reichende Rückschlüsse auf die Entstehung der Gesteine ziehen (siehe auch hier (https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=10332.msg74140#msg74140)).

Für die Theodolit-Methode musste ein neues Instrumentarium entwickelt werden, mit dessen Hilfe die Kristalle in Dünnschliffen in einer kardanischen Aufhängung, ähnlich wie bei einem Kreiselkompass, um bis zu 5 Achsen gedreht werden können. Die Drehwinkel um die einzelnen Achsen müssen dabei auf mindestens 1° genau ablesbar sein. Dies erfordert eine hohe mechanische Präzision. Weiterhin schaffen Halbkugelsegmente  unter- und oberhalb des Dünnschliffs ein homogenes optisches System mit dem zu untersuchenden Kristall im Zentrum.

Die ersten Fedorow-Tische, auch Universal-Drehtische oder kurz U-Tische genannt, waren Zusatzgeräte, die auf den Mikroskoptisch eines petrographischen Mikroskops aufgesetzt wurden. Die innovative und auf mineralogische Messapparate spezialisierte Firma von Rudolf Fuess in Berlin-Steglitz entwickelte sie in enger Zusammenarbeit mit Fedorow. Diese Firma blieb in der Folge marktführend, bis der geniale Physiker und Mineraloge Max Berek 1914 bei der Firma Leitz einen völlig überarbeiteten Unversal-Drehtisch vorstellte. Dieser war statt für kleinere Sonderschliffe für die Standard-Dünnschliffe des Gießener Formats (28mm x 48mm) geeignet und in der Handhabung deutlich ausgereifter, sodass die meisten Hersteller sich mit ihren Neukonstruktionen an diesem Konzept orientierten.

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures007/221499_10261382.jpg)

Universal-Drehtische aus der Produktion der Fa. Fuess. Links: der erste „Große Universaldrehtisch nach Fedorow“ mit 4 Drehachsen aus der Zeit vor 1900. Für Messungen sind nicht abgedeckte Dünnschliffe von max. 20 mm Größe erforderlich. Rechts: 5-achsiger Drehtisch für normalgroße Dünnschliffe, ca. 1930.

Theodolit-Mikroskope

Im Jahre 1903 beschrieb der Portugiese V. de Souza-Brandão ein neues Universalmikroskop, das im Prinzip aus einem petrographischen Mikroskop mit einem fest eingebauten Universal-Drehtisch bestand. Damit sollte das lästige Umrüsten und komplexe Justieren für U-Tisch Messungen entfallen, allerdings zu Kosten einer sehr viel aufwendigeren und teureren Grundkonstruktion. Unter dem begnadeten Chefkonstrukteur Carl Leiss entstand schließlich 1912 in der Werkstatt von R. Fuess in Steglitz ein ausgereiftes Theodolit-Mikroskop, das allen technischen und optischen Erfordernissen genügte. Es war mit Abstand das komplexeste und teuerste Mikroskop, das diese Firma je angeboten hat und wurde dementsprechend sehr selten hergestellt. Gefertigt wurde nur auf Bestellung und die Verkaufszahlen betrugen deutlich weniger als ein Exemplar pro Jahr.

Im Jahre 1921 machte sich Carl Leiss selbstständig, arbeitete aber weiterhin eng mit Fuess zusammen und produzierte viele der von ihm bei Fuess entwickelten Apparate unverändert in seiner neuen Firma, unter anderem auch das Theodolit-Mikroskop. Im Jahre 1924 stellte er sogar nochmals eine neue stark überarbeitete Form dieses Messgeräts vor, die einige Verbesserungen zur ursprünglichen Form aufwies, aber nicht mehr über die gleiche Eleganz und Schönheit verfügte. Aus den Firmenaufzeichnungen geht hervor, dass Leiss in einem Zeitraum von 20 Jahren nur ganze 5 Theodolit-Mikroskope verkaufte.

Bis heute sind von der klassischen Form acht erhaltene Theodolit-Mikroskope bekannt geworden, sieben davon mit R. Fuess und eines mit C. Leiss signiert. Von der neueren Form kennt man vier Exemplare, alle mit C. Leiss signiert. Selbst wenn noch das eine oder andere Exemplar im Verborgenen schlummern sollte, ist dieser Mikroskoptyp doch sicher einer der seltensten und interessantesten überhaupt. Eine (wie immer perfekte) Beschreibung eines klassischen Exemplars findet man bei Timo Mappes hier (http://www.musoptin.com/item/theodolitmikroskop-nach-brandao-leiss-r-fuess-4023-um-1925/).

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures007/221499_59109011.jpg)

Zeitgenössische Stiche der Theodolit-Mikroskope. Links: Die früheste Leisssche Konstruktion. Solche Modelle wurden offensichtlich nur extrem selten gefertigt; kein erhaltenes Stativ bekannt. Mitte: Die klassische Form; 8 Stative bekannt, 7 von der Fa. Fuess, eines von der Fa. Leiss. Rechts: Die moderne Form der Fa. Leiss, ab 1924; 4 Stative bekannt.

Konstruktiv bedingt gibt es einen wesentlichen Unterschied zwischen den Universal-Drehtischen als Zusatzgeräte zu petrographischen Mikroskopen und den Theodolit-Mikroskopen. Die wichtigste Drehachse, die bei den Messungen ständig betätigt wird, ist die K-Achse (Kontrollachse). Sie verläuft bei den U-Tischen in Ost-West-Richtung und ist an großen senkrechten Drehknöpfen mit Teilkreisen zu erkennen (siehe oben bei der Abbildung der U-Tische). Diese Achse verläuft bei den Theodolit-Mikroskopen jedoch in Nord-Süd-Richtung und ist im Arm des Stativs gelagert. Am klassischen Theodolit-Mikroskop hat sie die typische Form eines Steuerrads.

Die U-Tisch-Methodik erfordert, dass man jederzeit schnell zwischen Normalstellung und Diagonalstellung bezüglich der Schwingungsrichtungen der Polarisatoren wechseln kann. Beim U-Tisch geschieht das durch Drehen des Mikroskoptischs um 45° aus der Ost-West Stellung heraus. Konstruktiv bedingt ist dies am Theodolit-Mikroskop nicht möglich, daher ist eine Synchrondrehung der Polarisatoren unverzichtbar. Dies geschieht durch eine mechanische Kopplung von Polarisator und Analysator mit einer starren Stange.

Die Firmen Fuess und Leiss sind die einzigen weltweit, die jemals Theodolit-Mikroskope gebaut haben.

Der Koloss

Ein Bild kann nur sehr unvollständig die Dimension dieses wirklich riesigen Instruments wiedergeben. Erst der Vergleich mit dem schon sehr großen „normalen“ Theodolit-Mikroskop gibt einen Eindruck von der wirklichen Größe. Als ich es das erste Mal vor mir sah, war ich überwältigt – als ich es anheben wollte, glaubte ich, es sei mit dem Tisch verschraubt. Es überragt mit einer Arbeitshöhe von über einem halben Meter seinen kleinen Bruder erheblich und ist mit 18,5 kg fast genau doppelt so schwer.

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures007/221499_42659827.jpg)

Der Fund eines solchen Mikroskops ist wohl vergleichbar mit dem einer „blauen Mauritius“ für den Philatelisten. Seine Geschichte ist aus den Berichten des Verkäufers und dem Zustand des Instruments rekonstruierbar. Es wurde gegen Ende der 1920er Jahre gefertigt zu einer Zeit, als der klassische eckige Hufeisenfuß von dem moderneren (und  meiner Meinung nach weniger eleganten) runden Fuß abgelöst wurde, und in einer Phase, als das klassische Theodolit-Mikroskop noch immer produziert wurde. Das belegen die Seriennummern – es existiert ein viel älteres klassisches Stativ mit der Nummer 25xx, alle anderen bekannten aus der Fuessschen Produktion haben Nummern zwischen 4023 und 4165. Der Koloss liegt mit der Nummer 4138 innerhalb dieser Spanne.

Das Mikroskop kam in einem Konvolut bestehend aus 4 außergewöhnlichen Objekten, die allesamt in absolut ungebrauchtem, fabrikneuem Zustand waren. Es handelt sich mit großer Sicherheit um Exponate aus dem Archiv der Firma, die bei der Liquidierung im Jahre 1976 in Privatbesitz kamen und vor einigen Jahren an den Vorbesitzer veräußert wurden.

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures007/221499_40644060.jpg)
 
Der Tisch

Das Herzstück eines Theodolit-Mikroskops ist der kardanisch aufgehängte Tisch. Bei den klassischen Theodolit-Mikroskopen hat er einen Durchmesser von 117 mm und ist für die Untersuchung von Standard-Dünnschliffen mehr als ausreichend. Beim Koloss hat man ihn mit 153 mm Durchmesser noch einmal ganz erheblich vergrößert. Dafür kann es nur zwei Gründe geben: die Möglichkeit noch größere Präparate untersuchen zu können oder eine erhöhte Ablesegenauigkeit durch vergrößerte Teilkreise zu erhalten. Ich kann nicht nachvollziehen, welcher der Gründe ausschlaggebend war. Am Koloss werden die gleichen Halbkugelsegmente wie am klassischen Model verwendet, deren Abstand der Befestigungsschrauben von 62,5 mm die Größe der Präparate limitiert. Aus jahrzehntelanger Erfahrung mit  der Fedorow-Methode weiß ich, dass Messgenauigkeiten von besser als 1° eigentlich nie erreichbar sind, sodass die Ablesegenauigkeit der Teilkreise am klassischen Modell eigentlich schon eine Größenordnung zu gut ist. Der Grund für die außergewöhnliche Dimension wird wohl für immer ein Geheimnis bleiben.

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures007/221499_17043416.jpg)

Der große Drehtisch. Links und rechts im Bild sind die klappbaren Kreisbogensegmente (Wrightsche Bügel) für die Messung der Neigung der Horizontal-Achse (von links unten nach rechts oben verlaufend) zu sehen.

Der Beleuchtungsapparat

Theodolit-Mikroskope haben immer einen aufwendigen drehbaren Beleuchtungsapparat, damit der Winkelbetrag der Synchrondrehung der Polarisatoren genau ablesbar ist. Hier beträgt der Durchmesser des Tisches für diese Drehung 140 mm (100 mm) (Werte in Klammern stehen für die Dimensionen des klassischen Stativs). Die Anschläge begrenzen die Drehung auf ±90° aus der Mittelstellung und sind durch Schrauben einstellbar. Mit dem Drehteller ist der eigentliche Kondensor verbunden, der mit einem Zahntrieb in der Höhe verstellbar ist. Die Kondensor-Hülse hat einen Durchmesser von stolzen 46 mm (24 mm) und beinhaltet ein zweiteiliges Polarisationsprisma mit einem Querschnitt von 15 mm x 16 mm (12 mm x 12 mm). Am oberen Ende befinden sich eine Aperturblende und ein hochaperturiges Linsensystem.

Als Besonderheit ist unterhalb des Tischs ein massiver Schieber mit einer Schwalbenschwanzführung angebaut, in dem wiederum zwei großflächige Kompensatoren – λ und λ/4 - geführt sind. Dieser Schieber ist jedoch nur bei Verwendung des Kolosses als normales petrographisches Mikroskop und auch dann nur bei niedriger Apertur verwendbar. Für die Theodolit-Methode muss er entfernt werden, da er sonst den Neigungsbereich des Universaltischs drastisch reduziert. Auch der Sinn dieser Einrichtung ist mir unverständlich, da es ja die Standard-Kompensator-Schlitze direkt oberhalb des Objektivs nahe seiner hinteren Brennebene und außerdem im Wrightschen Okular und im Aufsatzanalysator gibt, wo man auch mit kleinflächigen Kompensatoren den gleichen Effekt erzielt.

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures007/221499_28756230.jpg)

Beleuchtungsapparat des Mikroskops. Der untere Drehtisch ist der Kondensorträger mit der Vorrichtung zur Synchrondrehung. Einer der verstellbaren Anschläge ist rechts erkennbar. Der obere Drehtisch ist der Theodolit-Tisch, an dessen Unterseite der Schieber für die beiden großflächigen Kompensatoren angebracht ist.

Der Tubus

Wie nicht anders zu erwarten ist auch der Tubus des Stativs von außergewöhnlichen Maßen, aber sonst analog den klassischen Fuess Tuben konstruiert. Der Durchmesser beträgt 42 mm (33 mm), oberhalb des Rings mit der Objektivzentrierung und dem staubdicht verschließbaren Kompensatorschlitz befindet sich der einschiebbare Tubusanalysator, der mit einer gabelförmigen Verbindung an den Mitnehmerstab für die Synchrondrehung koppelbar ist. Darüber befindet sich die über einen Innentubus fokussierbare Bertrandlinse. Das obere Ende des Tubus bildet ein Wrightsches Okular, das nach Lösen einer Klemmschraube um ±90° aus seiner Normalstellung drehbar ist.

Das Wrightsche Okular ist ein Messokular mit einem fest eingebauten Fadenkreuz, in dessen Ebene des reellen Zwischenbilds man zusätzliche Messplatten oder Kompensatoren in Schwalbenschwanzschiebern einführen kann, die man dann zusammen mit dem Fadenkreuz scharf sieht. Für polarisationsoptische Zwecke (z. B. bei Gebrauch von Kompensatoren) muss dann natürlich ein Aufsatzanalysator statt des Tubusanalysators verwendet werden.   

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures007/221499_18961937.jpg)

Das großdimensionierte Wright-Okular mit dem Aufsatzanalysator. Der Schieber in dem quadratischen Gehäuse enthält Messplatten oder Kompensatoren. Der rechteckige Schlitz im Aufsatzanalysator ist gleichfalls für Kompensatoren. Zwischen ihm und der oberen Glasplatte befindet sich ein Glan-Thompson Polarisationsprisma.

Fazit

Dieses Mikroskop ist ein wirklich sehr beeindruckendes und wohl einmaliges Instrument. Die Verwendbarkeit des übergroßen Stativs für die normale Praxis ist als eher gering einzuschätzen. Seine Konstruktion entsprang also wohl weniger der Notwendigkeit, als einem „gigantomanischen“ Bedürfnis zu zeigen was machbar ist. Die Intension einiger konstruktiver Details bleibt rätselhaft und ist möglicherweise eher experimenteller Natur. Nach meiner Kenntnis taucht es in keinem Katalog der Firma auf.

Der Vollständigkeit halber muss noch erwähnt werden, dass es noch eine jüngere Konstruktion eines übergroßen U-Tisch-Mikroskops von Fuess gibt, die 1932 von F. K. Drescher beschrieben wurde (Centralblatt für Mineralogie, Abt. A., 5, S. 167 ff). Es handelt sich aber dabei nicht um ein Theodolit-Mikroskop der hier beschriebenen Art, bei der die Kontrollachse in Nord-Süd-Richtung orientiert ist, sondern um eine Kombination eines normal orientierten großen U-Tischs mit einem Mikroskop. Dieses Sondermikroskop wurde für Gefügeanalysen an Großschliffen konzipiert und ist wesentlich einfacher in seiner Bauweise. Ein solches Mikroskop ist im Optischen Museum Jena, Ernst Abbe Stiftung erhalten und ausgestellt.
Titel: Re: Der Koloss von Steglitz - Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess
Beitrag von: Heiko am Oktober 02, 2017, 19:15:55 Nachmittag
Lieber Olaf,

die Begeisterung sprüht förmlich aus Deinen Worten. Glückwunsch zur Bergung dieses Schatzes.

Viele Grüße,
Heiko


PS:
Lasse es mich wissen, wenn durch die Neuerwerbung Euere Versorgung mit Grundnahrungsmitteln schwierig geworden ist – bin vom Dorf und kann mit Viktualien aus eigener Produktion aushelfen.  ;)
Titel: Re: Der Koloss von Steglitz - Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess
Beitrag von: JoachimHLD am Oktober 02, 2017, 19:53:04 Nachmittag
Lieber Olaf,
da hast Du ja ein Prachtstück erworben! Wann wird der Museumsneubau begonnen?  :D
Viel Spaß damit
Joachim
Titel: Re: Der Koloss von Steglitz - Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess
Beitrag von: Tilman am Oktober 02, 2017, 19:59:04 Nachmittag
Lieber Olaf,
ganz herzliche Glückwünsche zu diesem Gerät.
Liebe Grüße, auch an Uli
Tilman
Titel: Re: Der Koloss von Steglitz - Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess
Beitrag von: Jürgen Boschert am Oktober 02, 2017, 20:14:36 Nachmittag
Lieber Olaf,

vielen herzlichen Dank, dass Du uns mit solcher Begeisterung und Hingabe Deine aktuellste Neuerwerbung vorführst. Das sind wirklich feinmechanische Kleinode.

Gruß !

JB
Titel: Re: Der Koloss von Steglitz - Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess
Beitrag von: Piper am Oktober 02, 2017, 23:26:32 Nachmittag
Hallo,

auch für einen Nicht-Geologen / Petrographen ein sehr eindrucksvolles Meisterwerk, danke für´s Zeigen.

Dennoch eine ganz "banale" Frage zum Tisch:  Man müsste die Möglichkeit der kontrolliert einstellbaren Objektkippung doch eigentlich sehr gut auch für 3D-Mikrofotos nutzen können, oder?

Vorgehen: Durchmusterung des Präparates in üblicher waagerechter Position des Objektträgers. Dann das Fotoobjekt der "Begierde" zunächst schön in Position drehen, danach um etwa 3 Grad nach rechts und links neigen und je ein Foto machen. Weiterverarbeitung beider Bilder als rechtes bzw. linkes Stereobild z.B. mit StereoPhotomaker.

Gibt es ggf. solche neigbaren und bedarfsweise auch drehbaren Aufsätze zur Adaptation an normale Mikroskope bzw. zum Aufsetzen auf Standard-Kreuztische (z.B. im Tausch gegen  einen anschraubbaren Objektführer)? Natürlich bräuchte man dann im Durchlicht einen Kondensor mit größerer Schnittweite, aber das wäre ja das kleinste Problem.

Oder müsste sich der 3D-Mikrofotograph ein komplettes petrographisches Mikroskop zulegen, wenn er eine solche Objektneigung auf präzise Weise nutzen möchte?

Freue mich über aufklärende Hinweise.

Viele Grüße
Jörg

Titel: Re: Der Koloss von Steglitz - Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess
Beitrag von: Reinhard am Oktober 03, 2017, 09:46:47 Vormittag
hallo Olaf,

Glückwunsch zum Fang dieses tollen Gerätes!
Da fängt man wahrscheinlich an, sein Testament nochmals nach zu justieren.  ;)

viele Grüße
Reinhard
Titel: Re: Der Koloss von Steglitz - Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess
Beitrag von: Lupus am Oktober 03, 2017, 10:05:57 Vormittag
Hallo Olaf,

nicht nur begeisternde Technik sondern auch wunderschön in Szene gesetzt.

Hoffentlich wird die vernachlässigte Link-Liste "Mikroskopiker stellen ihr Mikroskop vor" wiederbelebt.  ;)

Hubert
Titel: Re: Der Koloss von Steglitz - Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess
Beitrag von: Wutsdorff Peter am Oktober 03, 2017, 10:57:16 Vormittag
Hallo plötzlich waren meine langen Ausführungen inkl. Gratulation weg!
Das ist etwas, was ich schon lange beobachte. Das finde ich sehr ärgerlich!!
Aber vielleicht stelle ich mich mich mit dem Umgang des Programms wieder einmal zu blöd an.
Ich hatte etwas über die "Eulerschen Winkel" geschrieben und daß diese alle voneinander abhängig sind.
Ich habe aber keine Luste und Zeit alles noch einmal zu schreiben.

Olaf ruf mich vielleicht an, wenn es Dich interessiert
Gruß Peter
Titel: Re: Der Koloss von Steglitz - Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess
Beitrag von: olaf.med am Oktober 03, 2017, 12:10:38 Nachmittag
Liebe Freunde,

ganz herzlichen Dank für eure netten Worte zu dem Artikel.

im Einzelnen:

@ Heiko: eine kleine Hypothek auf's Häuschen hat gereicht - und schon hatten wir wieder Butter auf's Brot ;D.

@ Joachim: ein Neubau ist schon lange in Planung, aber wie ewig die Fertigstellung dauert weiß man ja vom Hauptstadtflugplatz  :(. Als Interimslösung habe ich erst einmal weiter komprimiert und Vitrinenbodenhöhen modifiziert um adäquaten Platz zu schaffen.

@ Jörg: wenn Du einmal rumspielen möchtest stelle ich Dir gerne einmal einen U-Tisch incl. Kondensor mit großer Schnittweite zur Verfügung. Der passt auch auf ein normales Mikroskop, wenn der Tischhub ausreicht. Sollte es funktionieren findet sich ein Relikt zum Ausschlachten.

@ Peter: die Eulerschen Winkel benutzt man routinemäßig bei der Bestimmung der chemischen Zusammensetzung von Plagioklasen bei der U-Tisch Methode. Sie sind mir also bekannt und geläufig.

Nochmals besten Dank für die Anerkennung,

Olaf
Titel: Re: Der Koloss von Steglitz - Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess
Beitrag von: Peter V. am Oktober 03, 2017, 12:17:40 Nachmittag
Lieber Reinhard,

Zitat
Da fängt man wahrscheinlich an, sein Testament nochmals nach zu justieren.  ;)

Da mach Dir mal gar keine Hoffnungen! Da stehe ich schon längst als alleiniger Mikroskoperbe drin (hoffe ich zumindest...oder....?)

Ich kann es nur bestätigen: Ich kenne das "kleine" Steuerradmikroskop mit dem eckigen Fuss, und das ist schon ein gewaltiges Trumm. Und wenn dieses noch deutlich größer ist, wie man ja auf den Fotos sieht... Eigentlich konnte man daran ja nur im Stehen mikroskopieren, oder?

Zum Glück steht ein Besuch in Witten ohnehin nächstes Wochenende auf meiner To-Do-Liste.

Jedenfalls freue ich mich, dass Du das Gerät (ich habe ja Deine Seelenqualen vor dem endgültigen Erwerb miterlebt) nun bei Dir hast und es Dir so viel Freude bereitet.

Herzliche Grüße
Peter

Titel: Re: Der Koloss von Steglitz - Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess
Beitrag von: olaf.med am Oktober 03, 2017, 12:22:23 Nachmittag
... ach ja:

@ Hubert: hier kann ich nur kräftig ins gleiche Horn blasen. Die Rubrik "Mikroskopiker stellen ihr Mikroskop vor" braucht wirklich dringend Pflege.

@ Peter: aber klar doch ;D

Olaf
Titel: Re: Der Koloss von Steglitz - Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess
Beitrag von: hotte am Oktober 03, 2017, 12:52:05 Nachmittag
Herzlichen Glückwunsch!!
Ein sehr komplexes und aufwändiges Mikroskop. Grandiose Mechanik. Vielen Dank für die ausführliche Beschreibung, so kann man sich ein Bild von den vielfältigen Möglicheiten machen.
Liebe Grüsse
Horst
Titel: Re: Der Koloss von Steglitz - Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess
Beitrag von: Wutsdorff Peter am Oktober 03, 2017, 14:06:45 Nachmittag
Grüß Dich Olaf,
jetzt will ich es doch noch einmal versuchen, indem ich meinen Text vorher schreibe und dann einfüge:

Daß Dir die Eulerschen Winkel geläufig sind, daran habe ich nicht gezweifelt.

Jetzt zu den fünf Achsen:
Ein starrer Körper hat im Raume 3 Drehfreiheitsgrade,
und ich vermute, daß die zwei zusätzlichen Achsen benötigt werden, um „Nach-zu-justieren“,
da  alle Winkel über einen entsprechenden Tensor von einander abhängig sind.
Denn wenn eine Achse geändert wird, verändern sich auch die anderen beiden.
Liege ich da richtig?
Ich besitze von der Fa. Fuess einen Barographen, der noch von der kaiserl. Marine benutzt wurde.

Gruß und meine Gratulation zu diesem schönen Gerät

Gruß Peter
Titel: Re: Der Koloss von Steglitz - Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess
Beitrag von: wilfried48 am Oktober 03, 2017, 14:37:14 Nachmittag
...
Da mach Dir mal gar keine Hoffnungen! Da stehe ich schon längst als alleiniger Mikroskoperbe drin (hoffe ich zumindest...oder....?)
...

Lieber Peter,

da müsste aber dann das Häusle mitvererbt werden, sonst musst du ja sofort anbauen  ;D

Lieber Olaf,

das ist das grandioseste Mikroskop, das ich je gesehen habe, herzlichen Glückwunsch !

Ich hoffe, dass deine schöne Vorstellung der Rubrik "Mikroskopiker stellen ihr Mikroskop vor" einen neuen Anschub gibt.

viele Grüsse
Wilfried

Titel: Re: Der Koloss von Steglitz - Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess
Beitrag von: olaf.med am Oktober 03, 2017, 14:46:19 Nachmittag
Nee, lieber Wilfried, Peter hat ja schon einen ganzen Häuserblock okupiert und arbeitet am Aufbau eines gigantischen Museums. Die nächst Ausbaustufe ist auch schon geplant: im nahen Münsterland kann man zu noch akzeptablen Preisen freistehende Großbauernhöfe mit riesigen Scheunen kaufen. Danach schielt er auch schon  ;D ;D ;D

Lieber Peter,

bei der Plagioklas-Bestimmung mit dem U-Tisch vermißt man normalerweise zwei benachbarte Zwillingsindividuen bezüglich ihrer Optik und deren Verwachsungsebene als kristallographisches Bezugselement. Aus den Winkelbeziehungen erhält man dann bis zu 7 einzelne Werte für die chemische Zusammensetzung deren Mittelwert zu einer sehr genauen Angabe (±1-2 Mol.% des Endglieds) führt. Drei der Werte liefert die Messung der Euler-Winkel zwischen der Lage der Hauptbrechungsindizes beider Zwillingsindividuen.

Das Ganze dauert max. 15 Minuten für einen geübten Mikroskopiker und kostet - nichts. Die Alternative ist die ortsauflösende Analytik mit der Elektronenstrahl-Mikrosonde, einem Großgerät mit einem Preis von ca. 1-2 Millionen €. Letzteres Verfahren genießt aber natürlich eine viel größere Reputation  ;D.

Du hast natürlich völlig recht: 3 Achsen würden für den Drehapparat völlig ausreichen. Am 4- achsigen U-Tisch verwendet man die vierte Achse tatsächlich in der Regel auch nur zur Justierung. Zusätzlich hat man noch die Drehachse des Mikroskoptischs zum schnellen Wechsel von der Normal- in die Diagonalstellung.

Herzliche Grüße,

Olaf
Titel: Re: Der Koloss von Steglitz - Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess
Beitrag von: ortholux am Oktober 03, 2017, 16:47:11 Nachmittag
Gibt es ggf. solche neigbaren und bedarfsweise auch drehbaren Aufsätze zur Adaptation an normale Mikroskope bzw. zum Aufsetzen auf Standard-Kreuztische

Lieber Jörg,

Du meinst die Stereowippe: http://www.mikroskopie-mikrofotografie.de/mikroskopie/gast/stereowippe/beschreibung.htm

Herzliche Grüße
Wolfgang
Titel: Re: Der Koloss von Steglitz - Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess
Beitrag von: olaf.med am Oktober 03, 2017, 18:32:30 Nachmittag
Lieber Jörg, lieber Wolfgang,

Das ist ein kleines und feines Zusatzgerät und erfüllt sicher gut seinen Zweck. Steht allerdings ein U-Tisch zur Verfügung  sehe ich zwei Vorteile:


Herzliche Grüße,

Olaf
Titel: Re: Der Koloss von Steglitz - Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess
Beitrag von: Wutsdorff Peter am Oktober 03, 2017, 22:22:04 Nachmittag
Guten Abend Olaf,
vielen Dank für Deine Erläuterungen.
Du würdest Jörg einmal einen U-Tisch "zum Spielen" leihen.
Mir würde es ausreichen, wenn Du mir die zugehörige Bedienungsanleitung als Kopie senden würdest.
Die Ausführungen im "Burri" und im "Rinne- Berek" sind, so finde ich, nicht ausführlich genug.
Sogar in der B-Anleitg. zum ROW-Poladun IV wird als Ergänzung auf einen U-Tisch verwiesen.

Übrigens: die  neue Herausgabe des Rinne-Berek, überarbeitet von H. Schumann und F. Kornder, 1973, ist didaktisch hervorragend. Peter V. hatte mir dieses Buch empfohlen.
Gruß Peter
Titel: Re: Der Koloss von Steglitz - Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess
Beitrag von: Fahrenheit am Oktober 04, 2017, 12:56:35 Nachmittag
Lieber Olaf,

erst einmal herzlichen Glückwunsch für den schönen Fang. Das gute Stück schaut wirklich aus wie neu.
Danke auch für den schönen Artikel mit den tollen Bildern - ich habe ih nmit Begeisterung gelesen.

Herzliche Grüße
Jörg
Titel: Re: Der Koloss von Steglitz - Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess
Beitrag von: Piper am Oktober 04, 2017, 13:50:44 Nachmittag
Lieber Olaf, lieber Wolfgang,

vielen Dank für Eure Hinweise. "Stereowippe" ist ein passender Ausdruck, und die Skizzen geben eine sehr gute Anregung für eigene Lösungen.  Ich habe mir allerdings gedacht, dass es in Anhängigkeit von Vergrößerung und Arbeitsabstand vorteilhaft sein könnte, wenn man ein Objekt nach rechts und links neigt, dann eben nur im halben Winkel, den man bei einseitiger Kippung zu Grunde legen würde. Ein weiterer Aspekt war der von Olaf angesprochene, dass ein petrographischer Tisch eben noch den zusätzlichen Vorteil haben wird, das Objekt zentriert drehen zu können.

Lieber Olaf, wenn es. wie von Dir angesprochen,  möglich sein könnte, mir einmal einen entsprechenden "Aufsatz-Tisch" zur Erprobung zu überlassen, würde mich das natürlich sehr freuen. Sollen wir weiteres per Email bereden?
Meine Mail ist jpu.mp@t-online.de

Liebe Grüße
Jörg




Titel: Re: Der Koloss von Steglitz - Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess
Beitrag von: olaf.med am Oktober 04, 2017, 15:12:08 Nachmittag
Lieber Peter,

hier (ftp://ftp.gmg.rub.de/pub/Medenbach/Universaldrehtischmethoden%20+%20texterk.pdf) kannst Du eine Einführung in die U-Tisch-Mikroskopie herunterladen. Nach meiner Erfahrung ist es die beste Darstellung, allerdings setzt auch sie natürlich eine erhebliche Vorbildung in Kristalloptik und Kristallographie voraus. Die U-Tisch-Mikroskopie ist eben nicht trivial, sonst würde sie noch heute genutzt. So läßt man nun lieber die Analytik von einer teuren "black box" ausspucken.

Lieber Jörg,

Zitat
Ein weiterer Aspekt war der von Olaf angesprochene, dass ein petrographischer Tisch eben noch den zusätzlichen Vorteil haben wird, das Objekt zentriert drehen zu können.

im U-Tisch sehe ich nicht den großen Vorteil in der Zentrierung, sondern in der Möglichkeit der ganz empfindlichen Justierung des Präparats in die Drehachse der Neigung. Dafür ist der zentrale Teil des U-Tischs mit einer sehr exakten Höhenjustierung versehen. Bei falscher Höheneinstellung würde das Objekt beim Neigen des Tischs pendeln, d.h. seine Lage lateral verändern.

Natürlich gilt mein Angebot, Dir einen U-Tisch für Testzwecke zur Verfügung zu stellen, weiter. Dazu schreibe ich Dir eine email.

Beste Grüße,

Olaf
Titel: Re: Der Koloss von Steglitz - Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess
Beitrag von: Wutsdorff Peter am Oktober 04, 2017, 15:16:16 Nachmittag
Grüß´Dich Olaf,
wenn ich den link anklicke, kommt die Meldung "Server nicht gefunden". Was mache ich da wieder falsch?

Gruß Peter
Titel: Re: Der Koloss von Steglitz - Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess
Beitrag von: olaf.med am Oktober 04, 2017, 15:52:03 Nachmittag
Lieber Peter,

ich kann Dich beruhigen, es war mein Fehler. Dies ist ein ftp-Link und hier (ftp://ftp.gmg.rub.de/pub/Medenbach/Universaldrehtischmethoden%20+%20texterk.pdf) kommst Du an die richtige Stelle.

Entschuldige bitte,

Olaf
Titel: Re: Der Koloss von Steglitz - Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess
Beitrag von: Wutsdorff Peter am Oktober 04, 2017, 17:06:48 Nachmittag
Es kommt zwar jetzt keine Meldung  mehr, aber eine schwarzes Fenster.
Offensichtlich will mein PC es herunter laden, aber nach einer Stunde erscheint immer noch nichts.
Titel: Re: Der Koloss von Steglitz - Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess
Beitrag von: Wutsdorff Peter am Oktober 04, 2017, 17:07:43 Nachmittag
xxx
Titel: Re: Der Koloss von Steglitz - Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess
Beitrag von: Thomas Schwarz am Oktober 05, 2017, 14:34:54 Nachmittag
Lieber Olaf,

danke für die gewohnt tolle Dokumentation! Ich bin echt gespannt darauf, wie es im Original aussieht...

Liebe Grüße und bis bald
Titel: Re: Der Koloss von Steglitz - Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess
Beitrag von: Frank D. am Oktober 05, 2017, 18:37:50 Nachmittag
Hallo Olaf,

diese wunderschönen Mikroskope, umgarnt von Deinen erstklassigen Beschreibungen die vor Begeisterung und Fachwissen zu platzen drohen,
verlangen jetzt den "Medenbach"!

Wo "Leiss" im IV. Abschnitt seinen Schlussstrich gezogen hat könnte der Medenbach doch beginnen?! Herrgott, so schwer kann das doch nicht sein!! Dass Du das kannst, hast Du doch schon im Themenbuch "METEORITEN" der Mineralientage München bewiesen. Bitte!!!  :-* Ich würde es sofort kaufen, auch zwei.
Und vom Erscheinungsdatum .... es könnte passen: Leiss 1899 - Leiss Reprint 1988 - Medenbach 2020
oder eher, oder (nicht viel) später .... ich kann ja schon mal sammelbestellen ...

Jetzt noch zwei Fragen zu den Theos:

Gibt es eine Typenbezeichnung dieser Fuess Theodolit-Mikroskope? und ...
.. auf Deinem 5. Foto erkennt man einen großen Unterschied der Öffnungsdurchmesser in den U-Tisch -Basisplatten. Also jene Scheiben, auf denen die Halbkugelsegmente befestigt werden. Diese Öffnung scheint bei dem Steuerrad-Mikroskop viel größer. Gerade weil der Koloss aber eine gewaltige Kondensor-Hülse besitzt, könnte ich mir an diesem Mikroskop einen geringeren Verstellwinkel des Tisches vorstellen.  Denn wird nicht die Kondensorlinse bis an das untere Segment, auch immergiert, herangefahren? Da würde es doch zu einer seitlichen Tischberührung kommen. Das die Führungsschienen der Kompensatoren demontiert werden müssen, habe ich verstanden.

Vielen Dank und herzliche Grüße
Frank
Titel: Re: Der Koloss von Steglitz - Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess
Beitrag von: olaf.med am Oktober 05, 2017, 19:23:39 Nachmittag
Lieber Frank,

vielen Dank für Deine netten Worte. Sobald der "Lehmann" erschienen ist denke ich ich über Deine Anregung nach  ;D ;D ;D.

Nun zu Deinen Fragen:
Herzliche Grüße,

Olaf
Titel: Re: Der Koloss von Steglitz - Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess
Beitrag von: ortholux am Oktober 05, 2017, 19:29:49 Nachmittag
Sobald der "Lehmann" erschienen ist denke ich ich über Deine Anregung nach  ;D ;D ;D.

Wer quengelt kriegt überhauptnix und geht ohne Essen ins Bett! So.

Wolfgang
Titel: Re: Der Koloss von Steglitz - Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess
Beitrag von: ortholux am Oktober 05, 2017, 19:32:48 Nachmittag
Lieber Olaf,

nochmal zu den Dimensionen, welche auf den Fotos nicht erfassbar sind. Magst Du nicht noch ein Bild mit Größenvergleich zeigen? Vielleicht ein "normales" Hufeisenstativ nebn dem Koloss und einer Kiste Bier? Oder so...


Wolfgang
Titel: Re: Der Koloss von Steglitz - Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess
Beitrag von: olaf.med am Oktober 05, 2017, 21:28:26 Nachmittag
Ja, lieber Wolfgang, ich mag! Es wird aber ein Weilchen dauern. Die äußeren Bedingungen müssen stimmen - ich bemühe mich.

Herzliche Grüße,

Olaf
Titel: Re: Der Koloss von Steglitz - Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess
Beitrag von: ortholux am Oktober 05, 2017, 23:02:50 Nachmittag
Die äußeren Bedingungen müssen stimmen

Einen Bierkasten kann ich Dir stellen. Oder lieber eine Kiste Primitivo?

Wolfgang
Titel: Re: Der Koloss von Steglitz - Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess
Beitrag von: olaf.med am Oktober 06, 2017, 11:41:16 Vormittag
Lieber Wolfgfang,

such' Dir einfach den Größenvergleich, der Dir am geläufigsten ist. Kommt nun rüber, was ich unter "kolossal" verstehe?

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures007/221729_40869743.jpg)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures007/221729_27199126.jpg)
Titel: Re: Der Koloss von Steglitz - Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess
Beitrag von: ortholux am Oktober 06, 2017, 12:08:28 Nachmittag
Boah ey!

Also, das AMOP ist ja schon nicht klein, aber... nee...mir feheln die Worte. Doppelt so hoch wie eine Weinflasche...Respekt.

Wolfgang
Titel: Re: Der Koloss von Steglitz - Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess
Beitrag von: Peter V. am Oktober 07, 2017, 11:59:59 Vormittag
Hallo,

gestern durfte ich den Koloss eigenhändig berühren! Unglaublich, wie schnell die Dimensionen verwischen. Mikroskope, die man schon als gewaltig ansah, wirken plötzlich neben diesem Apparat niedlich. Fast ein wenig wie beim Phomi: Findet man es anfänglich gigantisch, ist es nur noch ein Spielzeug, wenn man es neben das UItraphot stellt.
Ich bin mir sicher, dass dieses Gerät wohl das größte Mikroskop mit Hufeeisenfuß ist, das je hergestellt wurde (alle biologischen Hufeisenmikroskope mit eingeschlossen). Und das AMOP wirkt dagegen wirklich wie ein Reisemikroskop.
man kann Olaf zu diesem "Fang" wirklich nur gratulieren.

Herzliche Grüße
Peter
Titel: Re: Der Koloss von Steglitz - Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess
Beitrag von: Frank D. am Oktober 07, 2017, 12:08:10 Nachmittag

.... Ein Bild kann nur sehr unvollständig die Dimension dieses wirklich riesigen Instruments wiedergeben. Erst der Vergleich mit dem schon sehr großen „normalen“ Theodolit-Mikroskop gibt einen Eindruck von der wirklichen Größe. Als ich es das erste Mal vor mir sah, war ich überwältigt – als ich es anheben wollte, glaubte ich, es sei mit dem Tisch verschraubt. Es überragt mit einer Arbeitshöhe von über einem halben Meter seinen kleinen Bruder erheblich und ist mit 18,5 kg fast genau doppelt so schwer. ...


Das Gewicht ist ebenfalls beeindruckend!
Mein "Hammerschlag" Pol-Phomi wiegt, komplett bestückt, 18,6 kg. Und da wurde teilweise auch noch aus dem Vollen gefräst ...

Viele Grüße
Frank


Titel: Re: Der Koloss von Steglitz - Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess
Beitrag von: Tilman am Oktober 07, 2017, 13:45:33 Nachmittag
Lieber Olaf,
womöglich muss ich Dir mein Bedauern zu dieser Neuerwerbung aussprechen. Ich kenne Deine schönen Vitrinen und hege die Befürchtung, dass deren Bauhöhe ohne innere Anpassung dem Koloss nicht gewachsen sind. Solltest Du ernsthafte Schwierigkeiten damit haben, würde ich mich erbötig zeigen, Dir diese Last zu nehmen und in meinem Haus dem Koloss Asyl zu bieten.
Liebe Grüße
Tilman
PS. Smile!
Titel: Re: Der Koloss von Steglitz - Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess
Beitrag von: Peter V. am Oktober 07, 2017, 13:51:37 Nachmittag
Hallo Tilman,

ich konnte mich gestern überzeugen, dass es noch passt - leider  :(

Herzliche Grüße
Peter
Titel: Re: Der Koloss von Steglitz - Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess
Beitrag von: Tilman am Oktober 07, 2017, 13:55:01 Nachmittag
Hallo Peter,
Na Gott sei Dank, da bin ich aber froh!
Liebe Grüße
Tilman
Titel: Re: Der Koloss von Steglitz - Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess
Beitrag von: Peter V. am Oktober 07, 2017, 14:18:53 Nachmittag
Hallo Tilman,

hier der Beweis:

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures007/221776_31981697.jpg)

Herzliche Grüße
Peter

Titel: Re: Der Koloss von Steglitz - Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess
Beitrag von: Tilman am Oktober 07, 2017, 14:22:25 Nachmittag
Ich freue mich für Olaf!!!
Titel: Re: Der Koloss von Steglitz - Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess
Beitrag von: Klaus Herrmann am Oktober 07, 2017, 14:40:27 Nachmittag
Lieber Olaf,

aber man sieht doch eindeutig, dass der Koloss zu groß ist für dich.
 8)
Ich hab was gefunden, was deutlich handlicher ist und auch "für Bergbau" - also dein Thema - geeignet ist. Ich würde es für dich ersteigern und dann können wir tauschen. Ich würde dir auch die Mühe des Verpackens ersparen und selbst vorbei kommen. Als Gewichtskompensation könnte ich eine Kiste Crémant mitbringen.

Du musst dich schnell entscheiden, weil das Spezial-Mikroskop ist ein sehr seltenes Stück!

http://www.ebay.de/itm/Spezialmikroskop/322801935320?hash=item4b287ea3d8%3Ag%3AXnsAAOSwLsBZUiZB
Titel: Re: Der Koloss von Steglitz - Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess
Beitrag von: olaf.med am Oktober 07, 2017, 15:16:23 Nachmittag
Lieber Tilmann, lieber Klaus,

netter Versuch, aber nun habe ich schon mal alles umgeräumt und der Koloss gehört nun schon zur Familie - und so soll es auch bleiben  :) :) :).

Herzliche Grüße,

Olaf
Titel: Re: Der Koloss von Steglitz - Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess
Beitrag von: Werner am Oktober 07, 2017, 17:47:56 Nachmittag
Hallo Olaf!

Sehr beeindruckend!

Aber was gibt es da noch alles? Teile sind ja zu sehen.
Kannst Du vielleicht mal eine Bilderserie von Deinen Vitrinen hier zeigen?
Für Wolfgang mit Bierflasche...

Viele Grüße   -   Werner
Titel: Re: Der Koloss von Steglitz - Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess
Beitrag von: Dünnschliffbohrer am Oktober 07, 2017, 17:49:48 Nachmittag
Lieber Olaf,

auch von mir herzliche Glückwünsche zu dem Stück! Ich bin immer wieder überrascht, was du da an seltensten Instrumenten zusammen trägst, wo unsereiner froh ist, mal ein kleines Kurs-Polmi aus der Zwischenkriegszeit aus der Bucht zu fischen (bei dem dann aber natürlich essentielle Teile nicht mehr dabei sind...)
Eine Anfänger-Frage habe ich aber noch zu der Feldspatbestimmung - U-Tisch-Methoden wurden ja schon zu meiner Zeit nicht mehr gelehrt: Die Feldspäte zeigen doch oft einen Zonarbau (und die Plagioklase sehr feine Zwillingslamellen). Stört das nicht bei der Messung, oder werden die störenden Zwillingslamellen durch Verwendung eines stärker vergrößernden Objektives aus dem Bild-/Messebereich "ausgeblendet"? Ist da die Mikrosonde dann nicht doch im Vorteil, weil sie schneller für jede Zone des Kristalles die Zusammensetzung liefert?
Hälts du eigentlich noch U-Tisch-Kurse ab? Wenn ja, dann würde ich mich gerne mal anmelden!
Ein schönes Wochende noch!
Titel: Re: Der Koloss von Steglitz - Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess
Beitrag von: olaf.med am Oktober 07, 2017, 18:19:21 Nachmittag
Lieber Werner,

komm' doch einfach mal selbst vorbei! Ich schätze Dein Interesse und vor allem Deine technische Kompetenz sehr hoch ein und wir hätten sicher für eine lange Zeit ausreichend Gesprächs- und Demonstrations-Stoff. Für das leibliche Wohl wird in unserem Haus auch immer ausreichend gesorgt.

Lieber DSB,

für die U-Tisch Messungen gab es für orthoskopische Beobachtung bei starker Vergrößerung ein Objektiv 32x und für Konoskopie sogar ein Objektiv 50x/0.60. Mit dem 32er kann man schon ziemlich feine Zonen messen. Die polysynthetische Zwillingsbildung beim Plagioklas ist sogar ein wesentliches Element bei der Messung. Dazu sucht man sich Lamellen, die breit genug sind - sie müssen nicht notwendigerweise benachbart sein. Die Messungen ergeben, um welches Zwillingsgesetz es sich handelt, und danach kann man aus der Lage der Indikatrix den Anorthit-Gehalt bestimmen. Sind die Kristalle aber selbst dazu zu klein, z.B. bei feinkörnigen Vulkaniten, kann man immer noch nach der Zonenmethode nach Rittmann messen ( siehe hier (ftp://ftp.min.rub.de/pub/Medenbach/Mineraloptik/) im Teil 1 ab Folie 25). Das geht am U-Tisch für jedes Korn und man muss nicht mehr statistisch eine große Zahl am Dünnschliff messen. Die Werte sind dann aber natürlich nicht mehr so genau wie an größeren Kristallen.

Meine letzten U-Tisch-Kurs habe ich im Winteresmester 2011/12 durchgeführt (und ich fürchte, es war der letzte an einer deutschen Uni). Mit der Einführung der Mikrosondentechnik begann der Niedergang dieser Methode, aber ich habe noch immer Kurse angeboten und auch gerne gemacht, da die Studenten erst mit dieser Methode die Indikatrix wirklich verstanden haben. Ich denke nicht, dass ich noch jemals einen Kurs durchführen werde, aber privatissime geht natürlich noch einiges. Wenn Du also wirklich willst....

Herzliche Grüße,

Olaf
Titel: Re: Der Koloss von Steglitz - Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess
Beitrag von: Wutsdorff Peter am Oktober 08, 2017, 13:05:33 Nachmittag
Einen schönen Sonntag Olaf,
ich brauche zunächst keinen U-Tisch-Kursus.
Ich bin zufrieden mit einem normalen Dünnschl.-Kursus, in dem ich lerne, unbekannte Dünschl zu identifizieren.
Mit dem neuesten "Rinne-Berek" übe ich schon.
Wenn Du einen solchen Kursus anbietest, laß es mich wissen.
Die Anleitung zum U-Tisch  von M. Reinhard ist sehr gut gemacht
Gruß Peter
Titel: Re: Der Koloss von Steglitz - Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess
Beitrag von: Dünnschliffbohrer am Oktober 09, 2017, 21:56:43 Nachmittag
Lieber Olaf,
interessiert wäre ich an so einem Kurs schon - auch privatissime - aber wann? Einerseits wurmt es mich, dass ich zwar die inzwischen die instrumentellen Voraussetzungen für die U-Tisch-Mikroskopie habe, aber tatsächlich noch nie die Muße gefunden hatte, mal selbständig damit anzufangen. Es gibt ja noch soviel andere ebenfalls interessante Sachen, die man schon immer machen wollte (nicht nur, aber auch im Bereich der Mikroskopie).
Aber es würde mich mal interessieren, ob der Zeitaufwand der U-Tisch-Mikroskopie gegenüber der Mikrosonde ttsächlich günstiger ist (von den Investitionen in die Gerätschaften mal abgesehen). Eine Anwendung für die der U-Tisch unentbehrlich ist gibt es aber trotzdem: Die Struktur-Geognosten brauchen ihn wenn sie die tektonisch bediungte Einregelung von Mineralkörnern (wohl meist Quarz) statistisch vermessen wollen. Dafür werden die Tische heute wohl schon teilweise verzweifelt gesucht, nachdem alle Hersteller sie aus dem Programm genommen haben. Weist du eigentlich, ob das Gerücht stimmt, dass sowohl Leitz als auch Zeiss-Göttingen zum Schluss (ähnlich Ikea) die U-Tische aus der DDR (nämlich von ROW) bezogen hätten, weil die eigene Herstellung zu teuer und aufwändig gewesen wäre?
Titel: Re: Der Koloss von Steglitz - Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess
Beitrag von: Wutsdorff Peter am Oktober 10, 2017, 08:37:02 Vormittag
Guten Morgen in die Runde,
eine ergänzende Frage:
ich bersitze ein Poladun IV von ROW. In der Bedienungsanleitung wird auf die Möglichkeit hingewiesen, einen U-Tisch zu benutzen.
Gibt es  einen U-Tisch, speziell für Poladuns?
Oder passen alle U-Tische auf ein Polodun?
Das "Loch" im Poladun ließe sich durch einen Zwischenring anpassen.
Gruß Peter
Titel: Re: Der Koloss von Steglitz - Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess
Beitrag von: olaf.med am Oktober 10, 2017, 09:49:48 Vormittag
Lieber Peter,

ich kenne mich mit dem Poladun garnicht aus, vermute aber, dass ROW einen eigenen U-Tisch angeboten hat, wenn ein solcher in der Bedienungsanleitung erwähnt wird.

Grundsätzlich ist es natürlich so, dass man auf einem Polarisationsmikroskop U-Tische jeden Fabrikats benutzen kann, wenn folgendeVoraussetzungen gegeben sind:
Beim zweiten Punkt kann man natürlich tricksen. Entweder bohrt man die fehlenden Gewindelöcher in den Mikroskoptisch, was aber professionell auf einer Fräsmaschine am zerlegten Tisch erfolgen muss, da sonst Späne ins Innere des Tischs kommen, oder man fertigt eine Adapterplatte an. Deren Höhe muss natürlich dann mitberücksichtigt werden.

Wenn jemand solche Probleme hat, kann er sich gerne an mich wenden. Ich habe einige Erfahrung und alle technischen Voraussetzungen dafür.

Herzliche Grüße,

Olaf
Titel: Re: Der Koloss von Steglitz - Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess
Beitrag von: olaf.med am Oktober 10, 2017, 10:10:11 Vormittag
Lieber DSB,

selbstverständlich ist der Aufwand für eine U-Tisch-Messung sehr viel geringer als für eine Mikrosonden-Messung. Das fängt schon mit dem Präparat an. Während für den U-Tisch ein hundsgemeines Feld- Wald- und Wiesen-Präparat ausreicht, braucht man für die Mikrosonde bestpolierte , nicht abgedeckte Schliffe, die zudem mit einer Leitfähigkeitsschicht (meist Kohlenstoff) bedampft sein müssen. In der Zeit, in der die Vakuumpumpen nach Einschleusen des Dünnschliffs die Bedingungen für das Standardisieren herstellen, habe ich bereits die ersten Messungen am U-Tisch fertiggestellt. Bis die allererste Messung der Feldspäte selbst aus der Mikrosonde kommt, habe ich schon alle Ergebnisse ausgewertet und die Publikation fast fertiggeschrieben ;D.

Natürlich macht die Mikrosondenanalytik an Feldspäten trotzdem Sinn, vor allem wenn man sie im Rahmen einer breiteren Untersuchung und mit dem Ziel, mehr Information als nur den Anorthitgehalt zu bestimmen, sieht. Für die schnelle "mal eben" Bestimmung ist aber der U-Tisch nach wie vor unschlagbar.

Anders sehe ich das für die Gefügekunde. Da kenne ich, im Gegensatz zu Deiner Aussage, schon seit Jahrzehnten niemanden mehr, der sich diesen Stumpfsinn antut. Da gibt es längst bessere rechnergestützte Methoden, z.B. EBSD (http://www.physics.utah.edu/Phys5739/lecture/EBSD_Overview_Nowell.pdf).

Zu den Gerüchten kann ich nur sagen, dass Leitz definitiv den U-Tisch bis zum Ende selbst gebaut hat. Für Zeiss kann ich keine Aussage machen.

Herzliche Grüße,

Olaf
Titel: Re: Der Koloss von Steglitz - Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess
Beitrag von: Dünnschliffbohrer am Oktober 10, 2017, 20:30:52 Nachmittag
Hallo Olaf,

ich hab jetzt mal die verlinkte Datei über das EBSD mal schnell überflogen. Nee, das kannte ich noch gar nicht, es ist demnach wohl genau in dem Zeitrahmen entwickelt worden als ich noch studierte. Und Strukturgeologie war an unserem Institut sowieso nicht der Schwerpunkt (sondern Sedimentologie), bzw. bei den Mineralogen die reine Kristallographie, während die Petrologie vor sich hin kümmerte.
Ich muss auch einräumen, nie selbst mit der Mikrosonde zu tun gehabt zu haben - die kannte ich nur von den Lobeshymnen meiner Kommilitonen, die mich immer gefragt hatten, wie so ich denn um Himmels Willen meine Schliffe abdecken würde, da man sie danach nicht mehr für die Mikrosonde nehmen könne (was aber auch nie vor hatte).

Und zu den gesuchten U-Tischen. Ehrlich gesag,t weiss ich nur von einer - offenbar mehrfach geschalteten - Suchanzeige nach so einem Teil aus einem Schwellenland. Dadurch dass die Suchanzeige wohl in verschiedener Stelle erschienen war, hatte ich möglicherweise voreilig auf eine entsprechend hohe Nachfrage geschlossen.

Nimm mir bitte meine zu weitreichenden Schlüsse nicht zu übel - die Mineralogie/Petrographie war und ist für mich letztlich ja lediglich ein (nicht zuletzt ästhetisch schönes) Nebenfach!


Hallo Peter,

ja, es gab von ROW einen 3-Achsigen U-Tisch für die Poladune, aber meines Wissens müssten wohl auch die U-Tische zumindest von Zeiss (Jena) daran passen. Jedenfalls am großen Poladun VI, was ohnehin für die Benutzung von viel Fremdzubehör, z.B. von Leitz, ausgelegt war. Ich könnte es mal ausprobieren. Der ROW-U-Tisch war eigentlich mehr für Kurszwecke gedacht (mehr möchte ich sowieso nicht machen), soll aber laut Anleitung auch für einfache Forschungsaufgaben brauchbar gewesen sein. Der Schliff wurde dabei (anders als bei anderen Herstellern?) mit dem Deckgläschen nach unten eingelegt und als Immersionsflüssigkeit wurde nicht Öl, sondern Glycerin empfohlen.

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures007/221971_41149443.jpg) (https://www.pic-upload.de)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures007/221971_39785641.jpg) (https://www.pic-upload.de)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures007/221971_45523402.jpg) (https://www.pic-upload.de)
Titel: Re: Der Koloss von Steglitz - Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess
Beitrag von: Peter V. am Oktober 10, 2017, 23:14:07 Nachmittag
Hallo DSB,

ui - ein funktionierendes Poladun VI! Dass es das gibt!? Ich dachte immer, die seien allesamt stets bis zur Irreparabilität verharzt. Ich weiß zwar immer noch nicht, ob ich es es schön oder eher häßlich finden soll, aber es ist auf jeden Fall ein sehr beeindruckendes Mikroskop.
Ach nee - ich würd's doch schon nehmen, wenn es mir über den Weg liefe  ;) (obwohl ich mich immer frage, an welchem Tier sich der Designer orientiert hat  ;)).
Sicher abr eines der eindrucksvollsten Polmikroskope, und vermutlich auch das schwerste, das je produziert wurde.
Glückwunsch zu diesem Gerät. Und dann schreibst Du, dass Du schon glücklich bist, mal ein "Kursmikroskop" aus der Bucht zu fischen. Also - ein Kursmikroskop dürfte DAS HIER wohl nicht sein!  ;) ;D

Herzliche Grüße
Peter
Titel: Re: Der Koloss von Steglitz - Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess
Beitrag von: Silber_und_Licht am Oktober 11, 2017, 09:49:07 Vormittag
Guten Morgen,

ich habe zwar seit Jahren einen U-Tisch nebst Objektiven und diversem Kleinzubehör so wie den "Rest" der ein Polarisationsmikroskop ausmacht in meinem Besitz, aber gleichzeitig (viel zu-)wenig Ahnung von der Materie. Darum ist dies für mich einer der interessantesten Fäden in diesem Forum seit langer Zeit. Meinen großen Dank an Olaf, der nicht nur mit seinem wunderbaren Theodolit-Mikroskop (den Begriff Theodolit kannte ich bisher nur aus der Navigation/Astronomie) den Einstieg gestiftet hat und alle Fragen kompetent und geduldig beantwortet, aber meinen Dank nicht zuletzt auch an diejenigen, die hier Fragen stellen auf die ich mangels Kenntnis gar nicht gekommen wäre. Ich fühle mich momentan ein wenig wie ein Schwamm, der alles begierig aufsaugt ;) und hoffe, dass der Faden noch lang werden möge.

Ich wünsche allen einen angenehmen (Arbeits-)Tag

Wolfgang

 
Titel: Re: Der Koloss von Steglitz - Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess
Beitrag von: olaf.med am Oktober 11, 2017, 13:04:21 Nachmittag
Lieber Wolfgang,

herzlichen Dank für Deinen netten Kommentar - das macht mich stolz und glücklich. Ich freue mich aber auch immer, wenn ich etwas von meiner geliebten Mineralogie missionarisch weitergeben darf. Insofern gebe ich gerne und bereitwillig Auskunft.

Ach ja, vielleicht sollte ich für alle U-Tisch-Jünger auf dieses (http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=16171.msg124564#msg124564) ältere Thema hinweisen, in dem einiges über solche Messungen diskutiert wird.

Mit herzlichen Grüßen,

Olaf
Titel: Re: Der Koloss von Steglitz - Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess
Beitrag von: Dünnschliffbohrer am Oktober 15, 2017, 20:34:59 Nachmittag
Zitat
ui - ein funktionierendes Poladun VI! Dass es das gibt!? Ich dachte immer, die seien allesamt stets bis zur Irreparabilität verharzt. Ich weiß zwar immer noch nicht, ob ich es es schön oder eher häßlich finden soll, aber es ist auf jeden Fall ein sehr beeindruckendes Mikroskop.

Hallo Peter,
nein, es funktioniert nur teilweise. Die Triebe gehen zwar alle wieder einwandfrei, nachdem es im Herstellerwerk vergleichsweise preiswert völlig zerlegt und wieder zusammengebaut wurde. Aber irgendwie ist wohl der (wechselbare) Drehtisch nicht richtig vorzentriert, denn ich kann mit den Zentrierschrauben an den Objektivschlitten auch bei Ausnutzung des gesamten Zentrier-Spielraumes Fadenkreuz und Drehachse nicht in Übereinstimmung bringen. Es ist wirklich sehr lästig, durch ein dezentriertes Polmi zu gucken, aber weil ich ja noch andere Kurs- kleine Laborpolmi´s zur Verfügung habe, hab ich mich immer noch nicht darum gekümmert, ob man es ggf. selbst beheben kann. Auch die Betrandlinse lässt sich nicht vollständig zentrieren.
Mit der Beleuchtung bin ich nicht noch ganz glücklich. Ansonsten ist es von der Vielseitigkeit her, von den großen übersehbaren Objektfeldern her, und von der Verarbeitung her ein Prachtstück. An das Aussehen kann man sich eigentlich ganz gut gewöhnen. Und das schreibt jetzt einer, bei dem eigentlich (entgegen der allgemeinen Mode) ein richtiges Mikroskop mit vielen Ecken nd Kanten sein muss, - so wie die Leitz-Hammerschlag-Miks, einschließlich des ELVAR.
Titel: Zentrieren von Poladun
Beitrag von: Wutsdorff Peter am Oktober 16, 2017, 16:05:28 Nachmittag
Hallo DSB (?),
die Objektive sitzen beim Poladun in der (männl.) Schwalbenschwanznut.
Du schraubst das Obj. ab. dann kannst Du ,wie im Bild gezeigt, mit einer Stecknadel als Meßfühler das Obj. ziemlich genau zentrieren. Dann Obj.wieder einschrauben und nichts mehr an an den Zentrierschrauben drehen.
       Am Tisch müßten sich drei um 120 Grd am Umfang versetzte Schrauben zum Zentrieren des Tisches befinden. So am Poladud II und IV. Mit diesen Schrauben kannst Du dann mit dem  schon zentrierten Obj. mit Hilfe eines  Präp zentrieren.
Das ist zwar sehr mühsam, aber es funktioniert

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures007/222186_43994237.jpg)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures007/222186_33583636.jpg)

Die Stecknadel ist zwar etwas zu dick, sie müßte 0,5 mm dick sein. Aber es gehr auch so.

Gruß Peter
Titel: Re: Der Koloss von Steglitz - Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess
Beitrag von: Dünnschliffbohrer am Oktober 16, 2017, 22:25:59 Nachmittag
Hallo Peter,

ich hab mir das mal schnell angesehen und zum Vergleich auch mein Poladun IV aus dem Schrank gezogen. Beim Poladun VI ist aber alles anders, als bei den kleinen Poladunen. Die Schrauben sind an dem Poladun IV leicht zu finden - an dem Poladun VI sind aber nur zwei winzige sich um 180° in Ost-West-Richtung gegenüberstehende Madenschräubchen zu finden, die vieleicht damit etwas zu tun haben könnten (obwohl das ja nicht gerade nach einer Dreipunkt-Zentrierung aussieht). Ob an dem Tisch überhaut etwas zu zentrieren ist, und nicht am Ende alles nach dem Tisch zentriert wurde? Das Poladun VI ist ja so groß und schwer, dass man es ja nirgendwo hin verbringen kann, um sich mal Rat und Hilfe zu holen. Ob es vieleicht an den Objetivschlitten liegt, die an der eine
n Seite eine kleine beim Einschub als Anschlag dienende Schraube haben (180° gegenüber den "Griff")? Aber die Schraube erscheint mir auch richtig hinein gedreht zu sein. Dieses Mikroskop hat durch die modulare Bauweise so viel Möglichkeiten, wo etwas dejustiert sein könnte, dass man es eigentlich nur durch direkte Augenscheinnahme durch einen erfahrenen Feinmechaniker einwandfrei hinbekommen könnte. Hier mal drei Bilder von unten:

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures007/222213_41149443.jpg) (https://www.pic-upload.de)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures007/222213_39785641.jpg) (https://www.pic-upload.de)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures007/222213_45523402.jpg) (https://www.pic-upload.de)

Ich meine die vernickelte Madenschraube, die beidseits jeweils waagerecht in dem vernickelten Auflagering der Tischaufnahme steckt.
Viele grüße vom Dünnschliffbohrer
Titel: Re: Der Koloss von Steglitz - Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess
Beitrag von: olaf.med am Oktober 17, 2017, 09:48:14 Vormittag
Lieber DSB, lieber Peter,

ein Koloss ist es zweifellos - das Poladun - aber es hat ja mit dem eigentlichen Thema dieses Beitrags so garnichts zu tun. Sollte man diese technischen Diskussionen nicht besser in einem eigenen Thread weiterführen? Das würde doch der Übersichtlichkeit und der Wiederfindbarkeit erheblich nutzen.

Hier aber noch eine thematisch angebrachte Ergänzung: Am Schluß meines Berichts über das Theodolit-Mikroskop erwähnte ich ein weiteres Groß-U-Tisch-Mikroskop von Fuess, das 1932 von Drescher beschrieben wurde. Nun habe ich ein Bild in der Literatur gefunden, das zeigt, dass es konstruktiv völlig anders ist als unser Kolosss:

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures007/222217_35287174.jpg)

Herzliche Grüße,

Olaf
Titel: Re: Der Koloss von Steglitz - Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess
Beitrag von: Wutsdorff Peter am Oktober 17, 2017, 09:58:53 Vormittag
Hallo Olaf,
ich bin ganz Deiner Meinung. Aber wie diese Diskussion in einen neuen Faden verschoben wird, weiß ich nicht.
Ob ich überhaubt dazu befugt bin ebenfalls nicht.

Hallo DFB,
daß es keine Möglichkeit beim Poladun VI zum Zentrieren des Tisches gibt, kann ich mir einfach nicht vorstellen.
Du hast eine PN von mir

Gruß Peter
Titel: Re: Der Koloss von Steglitz - Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess
Beitrag von: Dünnschliffbohrer am Oktober 17, 2017, 11:04:00 Vormittag
Hallo Olaf und Peter,
ich wollte den Diskussionsfaden nicht kapern, es hat sich einfach so ergeben, nachdem das Thema auf die Rathenower Polmi´s kam. Wenn man das abtrennen könnte, d.h. die thematisch abdriftenden Beiträge herausfiltern und in einem neuen Faden wieder ablegen könnte, wäre ich auch dafür. Aber so etwas kommt hier im Forum öfters mal vor.

Das von dir zuletzt abgebildete U-Tischmikroskop erinnert mich mit seinem Fuss irgendwie an das Kleinmikroskop ST von Winkel-Zeiss. Fast als wäre dieser Fuss damals kurzzeitig Mode gewesen.

Viele Grüße, Dsb
Titel: Re: Der Koloss von Steglitz - Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess
Beitrag von: olaf.med am Februar 26, 2018, 20:44:53 Nachmittag
Liebe Freunde der Kuriositäten,

nun muss ich dieses alte Thema doch noch einmal hervorkramen, da sich plötzlich und völlig unerwartet etwas Unglaubliches ereignet hat.

Vor etwa zwei Wochen bekam ich, fast zeitgleich aber völlig unabhängig voneinander, von zwei lieben Freunden aus dem Forum den Hinweis, dass auf eBay etwas angeboten wird, das mich - möglicherweise, vielleicht, unter Umständen - interessieren könnte. Als ich das Angebot aufgerufen habe, konnte ich es nicht fassen. Es war ein kompletter Zubehör-Satz zu einem Theodolit-Mikroskop im Original-Kästchen, bestehend aus zwei Objektiven mit langem Arbeitsabstand, einem Satz von Halbkugelsegmenten und 4 Kompensatoren.

Dass so etwas jemals auf dem Markt auftauchen könnte hielt ich bis dahin für ganz ausgeschlossen, da die Gesamtzahl der bekannten Theodolit-Mikroskope ja sehr gering ist und die Dunkelziffer wahrscheinlich nicht hoch. Ich bin sicher, dass die Chance auf die berühmte 6 mit Zusatzzahl größer ist, als so einen Satz zu finden.

Natürlich bin ich mit einem unanständig hohen Gebot an die Auktion gegangen, da ich mir dieses Zubehör auf keinen Fall entgehen lassen wollte. Der Zuschlag erfolgte dann zwar nicht zum Schnäppchenpreis, aber doch noch ganz verträglich, und heute kam das Objekt der Begierde schließlich an - der Götterbote ist ja ziemlich flügellahm  ;D.

Es zeigte sich, dass sowohl die Einzelteile als auch das Kästchen in hervorragendem Zustand waren und damit eine perfekte Ergänzung zum Koloss sind, neben dem sie nun auch einen würdigen Platz in der Vitrine gefunden haben. Von diesem kann man nun mit Fug und Recht sagen, dass er komplett ist.

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/229539_23085090.jpg)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/229539_6964596.jpg)

Heute Abend gönne ich mir noch einen ganz besonderen Schluck.....  :) :) :) :). Nochmals vielen, vielen Dank an die lieben Freunde, auf deren Wohl ich trinken werde.

Herzliche Grüße,

Olaf
Titel: Re: Der Koloss von Steglitz - Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess
Beitrag von: TPL am Februar 26, 2018, 22:10:31 Nachmittag
Lieber Olaf,

herzlichen Glückwunsch zu diesem unglaublichen Glücksfall! Ich erspare Dir mal denn XXXL-Daumen, aber Du weißt ja, wie's gemeint ist.

Übrigens hatte ich Deinen Eingangsbeitrag seltsamerweise übersehen. So sitze ich jetzt seit knapp 1 1/2 Stunden vor diesen Bildern und Texten und komme aus dem Staunen nich mehr heraus. Was für ein Glück, dass diese Geräte bei Dir nicht nur in kundigen Händen, sondern auch noch bei einem begnadeten Didakten stehen, der aus seiner Mission keinen Hehl macht!

Danke für's Zeigen, erklären, wieder zeigen und wieder erklären.

Herzliche Grüße
Thomas
Titel: Re: Der Koloss von Steglitz - Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess
Beitrag von: Fahrenheit am Februar 27, 2018, 10:51:57 Vormittag
Lieber Olaf,

herzlichen Glückwunsch zu dem Fang! Ich freue mich für Dich!

Liebe Grüße
Jörg
Titel: Re: Der Koloss von Steglitz - Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess
Beitrag von: Florian D. am Februar 27, 2018, 11:00:09 Vormittag
hier (ftp://ftp.gmg.rub.de/pub/Medenbach/Universaldrehtischmethoden%20+%20texterk.pdf) kannst Du eine Einführung in die U-Tisch-Mikroskopie herunterladen.

Lieber Olaf,

es kam hier ja schon die Frage, ob man dies auch mit einfacheren Mitteln bewerkstelligen kann. Ich habe mir das Buch, dass Du geschickt hat, daraufhin mal angesehen. Im Prinzip bekommt man doch alle benötigten Informationen auch mit einem Spindeltisch heraus, im speziellen die Lagen der Hauptachsen der Indikatrix. Man müsste halt einen Objektträger mit den Halbkugeln drauf montieren können.

Gruss,
Florian 
Titel: Re: Der Koloss von Steglitz - Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess
Beitrag von: olaf.med am Februar 27, 2018, 19:39:28 Nachmittag
Lieber Florian,

so einfach ist es leider nicht. Spindeltisch- und U-Tich-Verfahren sind in der Meßmethode prinzipiell ganz unterschiedlich und daher auch für verschiedene Zielsetzungen geeignet. Die Schnittmenge ist sehr gering, die Verfahren ergänzen sich also und ersetzen nicht das jeweils andere.

Beim Spindeltisch ist man prinzipiell auf isolierte Einkristalle angewiesen. Die Bestimmung der Lage der Indikatrix erfolgt unproblematisch und der Achsenwinkel ergibt sich sehr genau aus den Auslöschungskurven. Manipulationen an der Umgebung der Kristalle sind einfach möglich, daher kann man die Brechungsindizes gut bestimmen. Kristallographische Bezugeselemente, wie z. B. Kristallflächen oder Zwillings-Verwachsungsebenen lassen sich aber schlecht oder garnicht einmessen.

Beim der Universal-Drehtisch-Methode untersucht man die Körner im Verband und hat daher auch eine genetische Information. Dafür kann man aber am Dünnschliff schlecht oder garnicht manipulieren, die Bestimmung der Brechungsindizes ist nicht ohne Weiteres möglich. Bei der Bestimmung der chemischen Zusammensetzung der Feldspäte (Plagioklase), und das ist ja die Domäne des U-Tischs, vermißt man die Lage der Indikatrix im Kristall und benutzt dabei die Zwillings-Verwachsungsflächen der eigentlich immer verwillingten Plagioklase als morphologisches Bezugselement. Das wäre ja z.B. am Spindeltisch nicht möglich, da man Zwillinge m.E. nicht messen kann.

Herzliche Grüße,

Olaf
Titel: Re: Der Koloss von Steglitz - Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess
Beitrag von: Florian D. am Februar 28, 2018, 08:33:25 Vormittag
Hallo Olaf,

meine Frage zielt eher darauf ab, wie viele Achsen man mindestens braucht, um mit einer "arme Leute" Version aus einem Dünnschliff dieselben Informationen herauszuholen wie am 3-5 achsigem U-Tisch.
 Neben der normalen Drehtischachse scheint mir hier die K-Achse ausreichend, da man hiermit im Prinzip wie am Spindeltisch die Lage der optischen Hauptachsen sowie 2V etc. bestimmen kann. Das Aufsuchen irgendwelcher Zwillingsachsen und -ebenen oder Spaltflächen erfordert ja auch nur die K-Achse, da man damit (fast) jeden Vektor in die Drehtischebene bringen und damit präzise vermessen kann.

Gruss,
Florian 
Titel: Re: Der Koloss von Steglitz - Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess
Beitrag von: olaf.med am Februar 28, 2018, 14:06:14 Nachmittag
Lieber Florian,

zur Orientierung einer Raumrichtung genügen zwei Achsen: die Mikroskoptischachse und eine Achse senkrecht dazu, die Spindelachse am Spindeltisch. Mit der Spindelachse kann man die gewünschte Raumrichtung in die Tischebene stellen und dann mit der Mikroskoptischachse zur Messung parallel zu einem Polarisator.

Zur Orientierung einer Fläche im Raum benötigt man aber schon drei Achsen, eine zur Orientierung des Vektors in der Fläche senkrecht zur zweiten Achse (N-Achse am U-Tisch), die zweite Achse zum Einpendeln der Fläche senkrecht zum Mikroskoptisch (h-Achse am U-Tisch) und dann die K-Achse zur Kontrolle der richtigen Einstellung. Die Mikroskoptischachse hat hier nur die Hilfsfunktion um schnell in die Diagonalstellung zu wechseln. Bei Spaltflächen könnte man zur Not auf die K-Achse verzichten, da man an der Schärfe direkt erkennt, ob sie bereits richtig senkrecht zur Mikroskoptischachse orientiert ist, nicht jedoch bei den Symmetrieebenen der Indikatrix. Da ist die K-Achse zur Kontrolle unverzichtbar.

Herzliche Grüße,

Olaf
Titel: Re: Der Koloss von Steglitz - Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess
Beitrag von: Florian D. am März 01, 2018, 08:54:05 Vormittag
Meine Idee ist Folgende:
Du misst den Drehtisch-Extinktionswinkel für mindestens 4 verschiedene Rotationswinkel um die K-Achse.
Mit diesen Winkeln gehst Du in Excalibr und bekommst neben 2V die Polarkoordinaten der optischen Achsen sowie der Hauptachsen der Indikatrix.
Spaltflächen, Zwillingsebenen etc. lassen sich durch Drehung um K in Vertikalposition bringen, d.h. man bekommt auch Ihre Lage in Polarkoordinaten.
Dies sind aber doch genau die Bestimmungsstücke, die man auch mit der dreiachsigen Pendelei bekommt.

Viele Grüsse,
Florian
Titel: Re: Der Koloss von Steglitz - Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess
Beitrag von: olaf.med am März 01, 2018, 09:16:17 Vormittag
Lieber Florian,

die Dinger sehen so aus, und das ist schon ein ausgewähltes Exemplar mit relativ groben Zwillingslamellen, deren Verwachsungsebenen fast senkrecht zur Schliffeben stehen. Da hat man mit dem Spindeltisch natürlich gar keine Chance. Am U-Tisch hat die K-Achse ja die gleiche Orientierung wie die Spindel am Spindeltisch. Auch hier gibt es daher schon nach geringen Drehbeträgen Überlagerung durch die benachbarten Zwillingsindividuen. Ich glaube nicht, dass Dein Verfahren praktisch funktioniert.

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/229688_17043416.jpg)

Herzliche Grüße,

Olaf
Titel: Re: Der Koloss von Steglitz - Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess
Beitrag von: Florian D. am März 01, 2018, 09:53:06 Vormittag
Lieber Olaf,

verstehe. Das war auch meine Befürchtung. Aber die Überlagerung der Lamellen bei Verkippung des Präparats sollte sich doch bei der klassischen U-Tischmethode genauso störend bemerkbar machen?
Ausserdem könnte man den OT ja so montieren, dass die Lamellen senkrecht zur K-Achse stehen. An einem richtigen U-Tisch kannst Du das natürlich mit der N-Achse bequem einstellen.

Viele Grüsse,
Florian

PS: Jetzt, wo ich darüber nachdenke: Wenn man das wirklich an einem U-Tisch macht könnte man ja so vorgehen:
Man nutzt N und H, um die Zwillingsachse parallel zur K-Achse zu legen. Mit der K Achse kann man dann noch z.B. irgendwelche Spaltflächen senkrecht zur Tischebene bringen. Den entsprechenden K-Winkel gibt man als MR an.
Dann sind die Indikatrixachsen, die man mit Excalibr erhält, bereits perfekt am Kristallgebäude ausgerichtet.
Titel: Re: Der Koloss von Steglitz - Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess
Beitrag von: olaf.med am März 01, 2018, 19:27:24 Nachmittag
Lieber Florian,

in den Dünnschliffen haben wir planparallele Scheibchen von nur 30 µm, da findet man eigentlich immer irgendeine Partie in den Lamellen, die nicht von anderen überlagert wird, wenn die Verzwillingung nicht zu feinscharig ist.

Dein Verfahren könnte man wirklich einmal ausprobieren, aber eine Messung kann ich erst nach der Kornrade durchführen. Wir sollten also iun zwei Wochen nochmals darüber reden.

Herzliche Grüße,

Olaf
Titel: Re: Der Koloss von Steglitz - Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess
Beitrag von: Florian D. am März 02, 2018, 09:48:44 Vormittag
Super, dann bin ich mal gespannt.
Viele Grüsse,
Florian
Titel: Re: Der Koloss von Steglitz - Theodolit-Mikroskop XXXL von R. Fuess
Beitrag von: Florian D. am Mai 30, 2018, 17:55:58 Nachmittag
Lieber Florian,

in den Dünnschliffen haben wir planparallele Scheibchen von nur 30 µm, da findet man eigentlich immer irgendeine Partie in den Lamellen, die nicht von anderen überlagert wird, wenn die Verzwillingung nicht zu feinscharig ist.

Dein Verfahren könnte man wirklich einmal ausprobieren, aber eine Messung kann ich erst nach der Kornrade durchführen. Wir sollten also iun zwei Wochen nochmals darüber reden.

Herzliche Grüße,

Olaf

Hallo Olaf,
ich wäre immer noch gespannt, ob das funktioniert. Hast Du Dich von der Kornrade inzwischen erholt?

Viele Grüße,
Florian