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Foren => Bestimmungshilfe => Thema gestartet von: Chris57 am März 12, 2019, 20:55:29 Nachmittag

Titel: Wimpertierchen
Beitrag von: Chris57 am März 12, 2019, 20:55:29 Nachmittag
Heute im Detritus / Bodensatz eines recht dunklen Kleingewässers gefunden, das sich in der Grube des Wurzeltellers eines umgestürzten Baumes gebildet hat. Größe um 200 x 150 µ, bewegte sich langsam unter ständigem Flimmern der rundum vorhandenen kurzen Wimpern.

Ich zeige hier mal ein paar Fotos mit Überbelichtung (wegen der "Innereien"), Normalbelichtung (wegen der Form) und reduzierter Blende (wegen der Wimpern).

Ich denke an Frontonia (z.B. acuminata) oder Ophryoglena (z.B. atra) oder Bursellopsis (z.B. nigricans) - oder es ist noch was anderes?

Wer hat hierzu eine Idee?  DANKE und einen schönen Abend
Chris
Titel: Re: Wimpertierchen
Beitrag von: MikroMicha am März 13, 2019, 23:32:04 Nachmittag
Hallo Chris,

leider lassen Deine hier gezeigten Aufnahmen keinerlei Bestimmungsversuche zu. An Deiner Stelle würde ich es vorläufig unter "unbekanntes Wimpertierchen" bezeichnen.

Da Du hier sehr engagiert unterwegs bist möchte ich Dich dazu ermutigen,  einfach weiterhin nach dem Viech Ausschau zu halten und eine weitere Probe von möglichst der gleichen Stelle zu nehmen. So ist die Chance größer,  gerade dieses Tierchen wieder zu finden. Vielleicht gelingen Dir dann bessere Aufnahmen.

Ich bin schon auf neue Aufnahmen gespannt.  Vielleicht gelingt dann zumindest eine Bestimmung zur Gattung.
Titel: Re: Wimpertierchen
Beitrag von: Heiko am März 13, 2019, 23:45:01 Nachmittag
Hallo Chris,

für einen Ciliaten schluckt das Viech zu viel Licht. So schwarz dürfte sich das Corpus nie abbilden.

Ratlose Grüße,
Heiko
Titel: Re: Wimpertierchen
Beitrag von: Chris57 am März 14, 2019, 09:31:51 Vormittag

Guten Morgen MikroMicha und Heiko,

danke für eure Kommentare. Um dieses Tierchen abzuschöpfen, habe ich mich am anderen Ende der Stadt zuerst einen steilen Hang hinunter und dann durch ziemlich stachelige Brombeer- und Schlehen-Gebüsche gekämpft, bis ich dann an das Kleingewässer unter dem umgestürzten Wurzelteller gelangte. Also ob ich mir das nochmal antun will.... ?? Naja, wenn es Erfolgsaussichten gibt, dieses interessante Tierchen wiederzufinden, warum nicht - die Stelle würde ich wiederfinden....

@ MikroMicha: Wie sollte ich "bessere Bilder" hinbekommen? Normal-, Über- und Unterbelichten bzw an der Kondensorblende spielen und die Schärfe verändern, das habe ich ja gemacht, was kann man noch mehr tun? Austrocknen lassen und Chemie einsetzen traue ich mir nicht so recht zu...

@ Heiko: Rundum bewimpert und dann kein Ciliat - was etwa sonst?

Also danke schonmal und viele Grüße
Chris
Titel: Re: Wimpertierchen
Beitrag von: Diana1982 am März 14, 2019, 10:24:03 Vormittag
Hallo Chris,

Auf Bild 2 ("7 Uhr") und Bild 3 ("9 Uhr") sieht es so aus, als ob Dein etwas gerade am Aufplatzen ist...nicht dass das ganze doch Richtung Sporenkapsel geht?!

Allerdings schreibst Du ja auch, dass "es" sich unter Flimmern der Wimpern fortbewegt hat...hmm…
Ich stell meine Überlegung jetzt trotzdem mal rein...vielleicht ist sie wie auch immer doch ein Ansatz in die richtige Richtung.

LG Diana
Titel: Re: Wimpertierchen
Beitrag von: Bernhard Lebeda am März 14, 2019, 15:20:03 Nachmittag
Hallo Chris,

Auf Bild 2 ("7 Uhr") und Bild 3 ("9 Uhr") sieht es so aus, als ob Dein etwas gerade am Aufplatzen ist...nicht dass das ganze doch Richtung Sporenkapsel geht?!

Allerdings schreibst Du ja auch, dass "es" sich unter Flimmern der Wimpern fortbewegt hat...hmm…
Ich stell meine Überlegung jetzt trotzdem mal rein...vielleicht ist sie wie auch immer doch ein Ansatz in die richtige Richtung.

LG Diana

Genau diese Überlegungen würden mich eher in Richtung Colpoda spec. bringen. Ich glaub hier schon an ein Wimpertier.

LG Bernhard
Titel: Re: Wimpertierchen
Beitrag von: MikroMicha am März 14, 2019, 15:42:29 Nachmittag
Hallo Chris,

Um dieses Tierchen abzuschöpfen, habe ich mich am anderen Ende der Stadt zuerst einen steilen Hang hinunter und dann durch ziemlich stachelige Brombeer- und Schlehen-Gebüsche gekämpft, bis ich dann an das Kleingewässer unter dem umgestürzten Wurzelteller gelangte. Also ob ich mir das nochmal antun will.... ??

... nur Mut, ich denke, so sind die Erfolgsausichten am größten, gerade Dein hier gezeigtes Tierchen (was immer es sein mag) wiederzufinden.

@ MikroMicha: Wie sollte ich "bessere Bilder" hinbekommen? Normal-, Über- und Unterbelichten bzw an der Kondensorblende spielen und die Schärfe verändern, das habe ich ja gemacht, was kann man noch mehr tun?

Also das mit den "besseren Bildern" war jetzt nicht böse gemeint, sondern es war als konstruktive Kritik gedacht. Ich hoffe, dass Du das nicht falsch verstanden hast. Mit "besser" meine ich einfach in der Hinsicht so zu fotografieren, dass es leichter fällt, ein Objekt einzuordnen. Für die fotografische Dokumentation und anschließender Bestimmung wasserlebender Organismen sollte man einige Punkte beachten (als wenn es im Leben nicht sonst schon genug "Regeln" gäbe, ich weiß ....), aber ohne die Beachtung bestimmter Dinge geht es halt oft in der Mikroskopie auch nicht, leider. Ich scheue die reine Fotodokumentation bei mir selbst auch noch, weil ich bei vielen Organismen noch nicht genau weiß, WORAUF man bei der Fotodoku und Bestimmung zu achten hat und WORAN sich z. B. einige Ciliaten sicher identifizieren lassen und sich so von anderen abheben. Oft hilft es, bei den Organismen nicht auf deren "Mitte" zu fokussieren, sondern mit möglichst hohen Vergrößerungen ihre Oberfläche abzuscannen. Bei Ciliaten kann man so oft die Ciliatur gut abbilden und an der Anordnung oder Anzahl der Cilien (speziell der Dorsal- oder Transversalcirren) erkennen, um welchen Ciliaten es sich genau handelt, besonders, wenn es bis zur Bestimmung der Art gehen soll. Für die Abbildung der Vakuolen, Zellkerne etc. muss man dann wieder weiter in den Organismus fokussieren, also in Richtung dessen "Mitte". Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass man am Anfang immer bestrebt ist, ein "Viech" möglichst "scharf" abzubilden. Dann ist man aber schon in seiner „Mitte“ angelangt und erkennt so das eventuell viel wichtigere Wimperkleid nicht mehr. Die Wimpern liegen dann ja weiter "oben" und sind aufgrund der geringeren Tiefenschärfe stärker vergrößernder Objektive nicht mehr scharf abgebildet und sind somit unsichtbar.

Guck doch mal in diesen "Leitfaden" hinein, dort beschreibt ein sehr erfahrenes Forumsmitglied (Michael Plewka) worauf es bei der fotografischen Dokumentation zu Bestimmungsversuchen gewässerlebender Organismen ankommt: https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=15971.0 (https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=15971.0).

Ich bin auch noch weit entfernt davon, solche Bilder anfertigen zu können. Bei der Fotografie durchs Mikroskop kommt man (meistens) um folgende, zusätzliche Hürde nicht herum: Man muss die Aufnahmen blitzen, um sehr kurze Belichtungszeiten zu erhalten. Nur so kann man die schnellen Flitzer (Ciliaten) scharf genug abbilden und in ihrer Bewegung "einfrieren". Das Blitzen erfordert dann spezielle Vorrichtungen am Mikroskop. Nur bei ganz langsamen Objekten kann man mal auf den Blitz verzichten, oder wenn ein Viech mal ganz stillhält, was meistens selten ist.
Titel: Re: Wimpertierchen
Beitrag von: Chris57 am März 18, 2019, 10:03:40 Vormittag
... nicht genau weiß, WORAUF man bei der Fotodoku und Bestimmung zu achten hat und WORAN sich z. B. einige Ciliaten sicher identifizieren lassen und sich so von anderen abheben.

Sic !!
Aber der Versuchung zu widerstehen, "scharfe" Bilder machen zu wollen, und lieber verschiedene Schärfe-Ebenen in den Foklus zu bekommen, ist erstmal eine gute Orientierung.

Es wird mir sicher nicht gleich und immer gelingen, aber auch wenn Einzeller, Protisten und Co. nicht mein Hauptaugenmerk in der Mikroskopie sind, bleibe ich aber fasziniert und werde hier sicher immer mal wieder mit unklaren Bestimmungsanfragen "nerven"...!!  ;-)

Herzlichen Gruß von Chris