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Foren => Mikroskopie-Forum => Thema gestartet von: Michael am April 07, 2019, 08:38:28 Vormittag

Titel: Mikroaquarien zur Langzeitbeobachtung lebender Organismen
Beitrag von: Michael am April 07, 2019, 08:38:28 Vormittag
Hallo in die Runde,

da ich kürzlich auf der Kornrade 2019 einen Vortrag über die Erstellung von Mikroaquarien gehalten habe, möchte ich diese Präparationsmethode auch hier kurz vorstellen.

Unter Mikroaquarien verstehe ich Präparate in Objektträgergröße, die man direkt mit dem Mikroskop beobachten kann. Dabei sollte die optische Qualität der Mikroaquarien (speziell die Schichtdicke) gut genug sein, um jede mögliche Vergrößerung zu verwenden. Außerdem sollte die Lebensdauer der Organismen zumindest einige Wochen betragen, um das Verhalten bzw. die Entwicklung der Objekte studieren zu können. Nicht zuletzt muss das Verfahren einfach und schnell anwendbar sein - ein umständliches und mit einem hohen apparativen Aufwand verbundenes Verfahren ist in meinen Augen im Amateurbereich nicht praktikabel.
Vor einigen Jahren bin ich im Internet auf eine Präparationsmethode gestoßen, die ich zu einem Langzeit-Mikroaquarium weiterentwickeln konnte. Ein solches Mikroaquarium ist folgendermaßen aufgebaut:

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures010/248779_11404313.jpg)
Aufbau eines Mikroaquariums

Die Lebensdauer eines "normalen", temporären Tümpler-Präparates kann erhöht werden, wenn man das Verdunsten des Wasser effektiv verhindert. Dies kann erreicht werden, wenn man das Deckglas mit einem Vaseline-Rand wasserdicht versiegelt. Vaseline besitzt zu diesem Zweck eine Reihe von idealen Eigenschaften:

- sie ist absolut wasserdicht
- Vaseline ist luftdurchlässig (kennt man von Feuchtigkeitscremes auf Vaselinebasis)
- wegen ihrer Konsistenz ist Vaseline leicht zu verarbeiten
- sie ist in jedem Drogerie-Mark preiswert zu finden

Um das Deckglas mit einem Vaselinerand zu versehen, trägt man einen dünnen (!) Vaselinefilm auf seinen Handballen auf und streift mit jedem Deckglasrand einen dünnen Steg von der Haut ab. Das Deckglas kann dann direkt mit einem Rand auf den Objektträger (mit Probe) gesetzt werden. Von diesem Rand aus senkt man das Deckglas ab und drückt das Deckglas mit einem Holzstäbchen langsam auf die gewünschte Schichtdicke zurecht. Überschüssiges Wasser wird dadurch unter dem Deckglas heraus gedrückt und kann dann leicht entfernt werden.
Um ein langlebiges Mikroaquararium zu erstellen, ist es nötig eine relativ große Wassermenge im Präparat einzuschließen. Ist dieser Wasserpuffer zu gering, würden die Organismen nach wenigen Tagen versterben. Deshalb verwendet man für ein Mikroaquarium einen Objektträger mit Hohlschliff. Um die zur Beobachtung nutzbare Fläche zu erhöhen, verwende ich ein möglichst großes Deckglas (z. B. 24mm x 32 mm oder 24mm x 60mm). Dadurch ist die Fläche außerhalb des Hohlschliffs - die Fläche mit der optimalen Schichtdicke - maximiert.
Ein so erstelltes Mikroaquarium hat viele Vorteile:

- Lebensdauer der Organismen ca. 6 Wochen
- große mechanische Stabilität:
       - durch das festsitzende Deckglas kann ist die Reinigung problemlos
       - senkrechte Aufbewahrung in normalen Präparateboxen (transparente Abdeckung!)
       - absolut stabile Verhältnisse auch für Langzeit - Videoaufnahmen
       - Einsatz von Immersionsöl unproblematisch: DG verrutscht nicht, Öl zieht nicht unter das Deckglas
- Zusatzaufwand zur Erstellung nur wenige Handgriffe

Der Hauptvorteil ist aber in meinen Augen, dass sich die Organismen nach einer Eingewöhnungszeit von ca. einem Tag in den Mikroaquarien "natürlich" verhalten. Die typische große Unruhe, wie man sie aus den "normalen", temporären Tümpler-Präparaten kennt, ist abgeklungen und die eingeschlossenen Tiere gehen zu ihrem "Tagesgeschäft" über. Die meisten Ciliaten weiden ruhig ihre Nahrung ab oder stehen sogar über Stunden an dem selben Platz und strudeln entspannt ihr Futter ein. Gastrotrichen beruhigen sich und tauchen nach einiger Zeit aus ihren Verstecken auf und weiden - optimal beobachtbar - die Unterseite des Deckglases ab.
Um diese entspannten Verhältnisse in einem Mikroaquarium zu demonstrieren, möchte ich folgenden - nahezu unbearbeiteten Film - zeigen, der in mehreren Mikroaquarien einige Tage nach deren Erstellung aufgenommen wurde:

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures010/248779_64923656.jpg) (https://youtu.be/ogIkfkNMcpQ)
Zum Starten des Filmes bitte auf das Bild klicken!

Für mich ist diese Art der Präparation inzwischen die befriedigendste Art, die Wunderwelt im Tümpel zu beobachten. Natürlich ist es so nicht möglich, die letzten anatomischen Details der Organismen abzubilden. Dafür erhält man aber die Möglichkeit das Verhalten oder die Entwicklung der Organismen über einen langen Zeitraum und stressfrei zu verfolgen.

Viel Grüße

Michael


PS.: Der Beitrag wurde parallel im Mikro-Tümpler-Forum veröffendlicht
Titel: Re: Mikroaquarien zur Langzeitbeobachtung lebender Organismen
Beitrag von: Herbert Dietrich am April 07, 2019, 09:01:04 Vormittag
Hallo Michael,

vielen Dank für die Weitergabe dieser interessanten und einfach zu verwirklichenden Methode.

Herzliche Grüße

Herbert
Titel: Re: Mikroaquarien zur Langzeitbeobachtung lebender Organismen
Beitrag von: RainerTeubner am April 07, 2019, 16:19:26 Nachmittag
Hallo Michael,

 ich durfte Deine Methode in WÜ durch Deinen spannenden Vortrag kennen lernen und hab sie dann zuhaus gleich ausprobiert: Sie funktioniert problemlos!

Viele Grüße

Rainer
Titel: Re: Mikroaquarien zur Langzeitbeobachtung lebender Organismen
Beitrag von: mikropit am April 07, 2019, 17:42:39 Nachmittag
Hallo, ja diese Methode zu Tümpeln finde ich sehr faszinierend. Kann man doch die Lebewesen mehr in ihrem "natürlichen" Umfeld beobachten. Ich habe dazu ein Kunststoffplättchen durchbohrt und unten ein Deckglas auf das Loch geklebt. Fertig war das Mikroaquarium. So komme ich mit einem Inversmikro ganz dicht an den Ort des Geschehens und habe so eine gleichmässige Wassertiefe. Damit nichts verdunstet natürlich oben mit einem Deckglas abgedeckt.
vG Peter
Titel: Re: Mikroaquarien zur Langzeitbeobachtung lebender Organismen
Beitrag von: DR am April 07, 2019, 21:43:41 Nachmittag
Hallo zusammen,
sehr gut die Beschreibung, vielen Dank. Wie schon erwähnt gibt es zahlreiche Varianten, wenn man mal in Thingiverse unter Microscope schaut, findet man einige Ableger zum Ausdrucken auf 3D-Druckern z. B. https://www.thingiverse.com/thing:3068750. Ich habe mir einige Vorlagen ausgedruckt, funktioniert gut.
Viele Grüße
Dieter
Titel: Re: Mikroaquarien zur Langzeitbeobachtung lebender Organismen
Beitrag von: Michael am April 08, 2019, 16:57:53 Nachmittag
Hallo Herbert, Rainer, Peter und Dieter,

es freut mich, dass mein Beitrag für Euch von Interesse war.

@Rainer:
Schön, dass bei Dir die Mikroaquarien problemlos geklappt haben. Das freut mich umso mehr als Deine Antwort die erste Rückmeldung zu dem Thema war - Danke!

@Peter:
Beim Invers-Mikroskop hilft natürlich die Schwerkraft, um viele Objekte nahe dem Deckglas anzusammeln. Prinzipiell hast Du aber mit Deiner Konstruktion die selbe Problematik wie bei einem "normalen" Mikroskop: Nur die Objekte in der Nähe des Deckglases sind mit stärkeren Objektiven zu beobachten. Das liegt einfach an der zu großen Schichtdicke. Selbst wenn Du Dein Mikroaquarium durchfokussierst, werden die Organismen in der Tiefe des Präparats nicht mehr vernünftig abgebildet. Solange Du Dich auf die Organismen in der Nähe des Deckglases (oder sollte ich sagen: "Bodenglases") beschränkst, ist natürlich alles OK.
Der entscheidende Punkt bei meiner Konstruktion ist, dass man - außerhalb des Hohlschliffs - eine hinreichend kleine Schichtdicke (z.B. 100µ) einhalten kann, die eine Beobachtung über die ganze Präparattiefe erlaubt. Das Vaseline-Mikroaquarium kann natürlich auch (mit dem Deckglas nach unten) bei einem Invers-Mikroskop verwendet werden.

@Dieter:
Der Wunsch nach Mikroaquarien ist so alt wie die Mikroskopie. Über die Jahrhunderte wurden bereits viele ausgefeilte und z.T. sehr aufwändige Mikroaquarien vorgeschlagen, die auch in der Forschung Verwendung fanden.
Mein obiger Vorschlag zielt darauf ab, ein Mikroaquarium mit möglichst wenig Aufwand und Standart-Materialien mit der nötigen optischen Qualität  zu realisieren. Für die Vaseline-Mikroaquarien benötigt man nur einen Hohlschliff-Objektträger, ein (großes) Deckglas und etwas Vaseline. Der Kostenaufwand dürfte damit deutlich unter 50 Cent liegen. Der zeitlich Zusatzaufwand zur Erstellung ist im Bereich von 30 s. Nach der Erstellung benötigt das Mikroaquarium keinerlei Betreuung und kann nach seiner Lebensdauer von ca. 6 Wochen problemlos gesäubert und wiederverwendet werden. Ich denke, damit ist dieser Art von Mikroaquarien konkurrenzlos praktisch! Natürlich gibt es Anwendungsfälle, bei denen man (z. B. bei sehr sauerstoffliebenden Organismen) auf ausgefeiltere Konstruktionen zurückgreifen muss.

Viele Grüße

Michael

Titel: Re: Mikroaquarien zur Langzeitbeobachtung lebender Organismen
Beitrag von: Rene am April 08, 2019, 17:03:22 Nachmittag

Nur die Objekte in der Nähe des Deckglases sind mit stärkeren Objektiven zu beobachten. Das liegt einfach an der zu großen Schichtdicke. Selbst wenn Du Dein Mikroaquarium durchfokussierst, werden die Organismen in der Tiefe des Präparats nicht mehr vernünftig abgebildet.

Michael

Hi Michael, you should try a LOMO 40x waterimmersion objective with those slides!

Just a tip, good luck,
René
Titel: Re: Mikroaquarien zur Langzeitbeobachtung lebender Organismen
Beitrag von: DR am April 08, 2019, 20:08:02 Nachmittag
Hallo Michael,
ich stimme Dir völlig zu. Meine Anmerkung war für diejenigen gedacht, die den 3D-Drucker für das wichtigste Mikroskop-Zubehör halten (früher war das einmal die Drehbank :-))). Ich habe mir eine Reihe von diesen Helferlein gedruckt, das geht schnell und kostet praktisch nichts. Mit untergelegtem Deckglas ist das am Invertoskop ein echter Fortschritt.
Viele Grüße
Dieter
Titel: Re: Mikroaquarien zur Langzeitbeobachtung lebender Organismen
Beitrag von: Rolf-Dieter Müller am April 10, 2019, 15:07:51 Nachmittag
Hallo Michael,

ich habe seit Würzburg zwei Mikroaquarien in Betrieb. Eines mit der von Dir gestellten Tümpelprobe und das andere wurde mit einer Moorprobe von Gerd "planerdd" angelegt.

Beide Mikroaquarien sind eingefahren und liegen im Zugriff in der Nähe meines Mikroskopes, so dass ich jederzeit Einblick in die hochinteressante Mikrowelt nehmen kann.

Viele Grüße,
Rolf-Dieter
Titel: Re: Mikroaquarien zur Langzeitbeobachtung lebender Organismen
Beitrag von: raimcomputi am August 12, 2021, 16:45:00 Nachmittag
Ich bin eben über diesen Artikel gestolpert. Da ich ja noch ganz neu bin, mich aber die Tümpelei sehr fasziniert, stellen sich mir an dieser Stelle noch ein paar Fragen. Ja, dieser Thread ist schon etwas älter, aber vieleicht gibt es ja doch ein paar Antworten.

1. Wenn man einfach einen Tropfen zB. aus einem Heuaufguss in so einem Miniaquarium einschließt, wird dann nicht nach kurzer Zeit der Sauerstoffmangel zum Problem?

2. Ich habe schon ein paar mal gelesen, das man in einem Heuaufguss, oder auch einer anderen Wasserprobe, die Tierchen gelegentlich füttern soll, zB. mit einem Getreidekorn, oder etwas Joghurt. Das ist ja bei einem solchen Miniaquarium nicht mehr möglich. Haben denn die Tierchen denn da wirklich über längere Zeit genug Futter? Ich finde es nämlich auch nicht schön, wenn man bei einem normalen Präperat, wo man einfach einen Wassertropfen unter ein Deckglas bringt schon nach relativ kurzer Zeit die Tierchen aufhören sich zu bewegen und offenbar auch sterben. Denn, zumindest geht es mir so, baut man doch beim Beobachten irgendwie eine Art Beziehung auf.

Ansonsten ist das wirklich eine tolle Anleitung. Objektträger mit Hohlschliff habe ich schon da. Jetzt brauch ich nur noch ein paar große Deckgläser. Mal sehen, wo man die günstig herbekommt.

Gruß

Raimund
Titel: Re: Mikroaquarien zur Langzeitbeobachtung lebender Organismen
Beitrag von: Arne am August 12, 2021, 19:59:02 Nachmittag
Moin Raimund,

gefüttert habe ich die Versammlung im großen Becken, sozusagen.
Zwei Minikleckse Ziegenjoghurt.
Ansonsten habe ich heute im Tropfen beobachtet, das in dem Tropfen
eine Menge organisches Material enthalten ist, sowie auch Bakterienhaeuflein,
an dem sich die Tierchen gütlich tun.
Wie alt können die Amoeben und Geißeltierchen eigentlich werden?

Gruss, Arne
Titel: Re: Mikroaquarien zur Langzeitbeobachtung lebender Organismen
Beitrag von: raimcomputi am August 12, 2021, 20:40:52 Nachmittag
Ich habe gelesen, das man vor kurzen, irgendwo im ewigen Eis, ich glaube in Sibirien, ein Rädertierchen gefunden hat, was schon ca. 20.000 Jahre alt war. Nach dem Auftauen war es jedenfalls quicklebendig.

Gruß

Raimund
Titel: Re: Mikroaquarien zur Langzeitbeobachtung lebender Organismen
Beitrag von: plaenerdd am August 12, 2021, 22:57:49 Nachmittag
Hallo Reimund,
Zitat
1. Wenn man einfach einen Tropfen zB. aus einem Heuaufguss in so einem Miniaquarium einschließt, wird dann nicht nach kurzer Zeit der Sauerstoffmangel zum Problem?
In dem Heuaufguss im Gurkenglas herscht auch Sauerstoffmangel. Es gibt da keine Sauerstffproduzenten und die Bakterien, die sich massenweise entwickeln, zehren viel Sauerstoff. Da kommt nur der Sauerstoff rein, der über die im Verhältnis zum Volumen recht kleine Oberfläche hineindefundieren kann. Das pssiert aber auch im Vaselinepräparat, denn die Vaseline läßt zwar den Wasserdampf nicht durch, wohl aber in gewissen Maßen Sauerstoff und auch CO2. Die Oberfläche ist im Verhältnis zum eingeschlossenen Volumen auch gar nicht so klein.

Füttern muss man nur Kulturen, in denen man eine ganz bestimmte Art halten möchte. In jedem Probenglas stellt sich nach ein paar Wochen ein Gleichgewicht ein, das i.d.R. nicht dem kompletten Artenspektrum der Ausgangsprobe entspricht, aber sehr lange (über Jahre!) erhalten bleiben kann. Da frisst man sich so lange gegenseitig, bis sich ein relativ stabiles Gleichgewicht eingestellt hat. Man sollte dabei aber immer nur relativ wenig Material (was auch immer: Tümpel-Schlamm, Heu, Salat, usw.) drin haben und möglichst viel Wasser, sonst töten die stark sauerstoffzehrenden Bakterien das höhere Leben weitestgehnd ab und man hat nur eine stinkende Brühe. Auch sollte man größere Tiere wie Mücken- und andere Insektenlarven heraussammeln oder sieben. Kleinkrebse wie Wasserföhe, Muschelkrebse oder Hüpferlinge überleben aber oft erstaunlich gut in so einem geschlossenen Gurkenglas.

Eine andere Methode für Langzeituntersuchungen, die auch einen besseren Gasaustausch erlaubt sind die Objektträgeraquarien (OTA) nach William von Bremen: Dünne Baumwollfäden von ca. 20cm Länge werden ausgekocht und feucht auf einen OT zu einen Kreis von ca. 1,5cm Durchmesser gelegt. In diesen Kreis werden die kleinen Wasserbewohner eingebracht. Beobachtet wird bei niedrigen Vergrößerungen ohne DG. Durch Zufügen und Absaugen von Wasser mittels einer Pipette am äußeren Rand des Fadenringes kann Wasser gewechselt oder Nährstoffe zugeführt werden. Diese OTA können über sehr lange Zeit benutzt und ganze Lebenszyklen der Mikroorganismen beobachtet werden. Wenn nicht beobachtet wird, muss es in einer Feuchten Kammer aufbewahrt werden. Das ist ein gut schließendes Gefäß (z.B. eine Petrischale) auf dessen Grund immer eine Wasserschicht steht, die aber auch eine Ablagemöglichkeit für das OTA oberhalb des Wassers enthält. Im einfachsten Fall sind das ein paar Streichhölzer ohne Kopf. Ist das Gefäß verschlossen, bleibt die Luftfeuchtigkeit immer so hoch, das kaum Wasser im OTA verdunstet. Ein Deckglas würde in der feuchten Kammer allerdings beschlagen.
Quelle: BREMEN, W. von: Das Objekträgeraquarium; in Mikrokosmos 60 / S.85ff Franckh’sche Verlagshandlung Stuttgart Jahrgang 1973

Beste Grüße
Gerd
Titel: Re: Mikroaquarien zur Langzeitbeobachtung lebender Organismen
Beitrag von: raimcomputi am August 13, 2021, 02:41:27 Vormittag
Vielen Dank für die aufschlussreiche Antwort.

Ich werde mir demnächst auf jeden Fall einmal so ein Miniaquarium basteln.

Ich habe eben wieder ca. 5 Stunden vor meinem Mikroskop gesessen und einen Wassertropfen beobachtet. Das ist spannender wie jeder Krimi im Fernsehen. Das war ein Gewimmel. Da waren hunderte winziger Tierchen drin. Das ist wirklich eine faszinierende Welt.

Gruß

Raimund
Titel: Re: Mikroaquarien zur Langzeitbeobachtung lebender Organismen
Beitrag von: Arne am August 13, 2021, 06:50:15 Vormittag
Moin Gerd,

vielen Dank für die ausführliche Erläuterung.
Mein Heuaufguss besteht aus einem Liter Giesskannenwasser und eine halbe Handvoll
gemähtes, trockenes Gras sowie ein wenig, ca. 50ml schlammiges Wasser
aus dem Abzuggraben hier am Haus. Ich musste etwas Schlamm treten, damit
Wasser hervorquillt. Diese Mischung steht jetzt fünf Tage.
Es hat sich Silberhaut gebildet.
Es riecht nur wenig.
Naja, die Frage, wie mit dem Präparat nach Abschluss der Untersuchung verfahren wird
mag sich ja „Treehugger-Like“ anhören. Aber es gibt wohl kaum eine
Möglichkeit, die Lebewesen wieder „auszusetzen“.
Zumal die Vaseline ein ziemlicher Schmierkram ist.
So reinige ich den Objekttraeger mit Spiritus und dabei wird dann auch
alles Leben abgetötet.
Wir leben auf dem Land und haben phasenweise unzählige Fliegen im Haus.
Da kommt dann auch die Fliegenpatsche zum Einsatz.
Wespen hingegen werden immer lebend aus dem Haus transportiert.
Es ist wohl eher eine philosophische Frage, ab wann Leben geschont wird.
Zumal das Präparat sicher auch einige Krankheitskeime in sich trägt.

@Raimund, ich bin auch total fasziniert, welche Welt sich unter dem Mikroskop
zeigt. Ähnlich wie in der Astronomie, wo sich ebenso Welten öffnen,
welche mit bloßem Auge nicht oder nur kaum erkennbar sind.

Ein schönes Wochenende
und Gruß,
Arne
Titel: Re: Mikroaquarien zur Langzeitbeobachtung lebender Organismen
Beitrag von: Michael am August 13, 2021, 09:46:28 Vormittag
Hallo Raimund und Arne,

es freut mich, dass Ihr die Mikroaquarien ausprobieren wollt,
Technisch kann ich den kompetenten Ausführungen von Gerd eigentlich nichts mehr hinzufügen. Der Trick besteht darin, das natürliche Umfeld der Organismen im MA möglichst gut nachzubilden. Am einfachsten ist das, wenn man eine Zufallsprobe direkt in das MA pipettiert (mit Algen, Detritus etc.).  Dabei muss man nur darauf achten, keine Sandkörnchen etc. mit einzubringen, da sonst das Deckglas "kippelt" oder die Schichtdicke zu groß wird. Es stellt sich dann ein Gleichgewicht ein, dass zwar oft nicht genau den Organismus enthält, den man sich gerade einbildet, aber über eine lange Zeit einen Einblick in ein sich langsam veränderndes Ökosystem erlaubt. Für mich ist das eine sehr befriedigende Art der Naturbeachtung.
Will man einen bestimmten Organismus genauer ansehen, bleibt einem nichts anderes übrig, als ihn separat auf einen Objektträger zu bringen und ihn mit dem Deckglas vorsichtig festzulegen - mit allen fatalen Folgen für den kleinen Freund.

Viel Spaß mit dem MA und berichtet doch über Eure Erfolge / Probleme.

Ein schönes Wochenende

Michael
Titel: Re: Mikroaquarien zur Langzeitbeobachtung lebender Organismen
Beitrag von: Arne am August 13, 2021, 10:50:38 Vormittag
Moin Michael,

Danke für die Hinweise. Ja, ich werde auf jeden Fall Berichten und Fragen.

Viele Gruesse,
Arne
Titel: Re: Mikroaquarien zur Langzeitbeobachtung lebender Organismen
Beitrag von: plaenerdd am August 13, 2021, 13:12:04 Nachmittag
Hallo Arne,
Zitat
Es hat sich Silberhaut gebildet.
Das ist ein Bakterienrasen. Kannst Du Dir ruhig mal in hoher Vergrößerung am besten mit Schiefer Beleuchtung ansehen. Meist ist das nur eine einzige sauerstoffliebende Bakterienart, die sich massenweise vermehrt, bis die Cilliaten kommen und sich an ihnen gütlich tun.
Beste Grüße
Gerd
Titel: Re: Mikroaquarien zur Langzeitbeobachtung lebender Organismen
Beitrag von: Arne am August 14, 2021, 08:37:38 Vormittag
Moin Gerd,

das werde ich machen.
Wäre vielleicht eine Gelegenheit, das Objektiv mit Öl zu probieren.

Viele Gruesse,
Arne
Titel: Re: Mikroaquarien zur Langzeitbeobachtung lebender Organismen
Beitrag von: raimcomputi am August 21, 2021, 18:53:30 Nachmittag
Ich habe gestern Nachmittag ein solches Miniaquarium gebastelt. Die Umsetzung ist wirklich einfach.

Aber offenbar habe ich es noch nicht ganz richtig gemacht. Ich habe die Kuhle in dem Objekträger mit Wasser aus meinem Probenglas gefüllt. Und dann habe ich ein Deckglas 50x22mm, was ich vorher mit einem Vaselinerand versehen habe, auf den OT gelegt. Dann habe ich das Deckglas vorsichtig runtergedrückt, bis sich das Wasser unter dem ganzen Deckglas verteilt hatte.

Soweit war auch alles prima. Die Beobachtung unter dem Mikroskop zeigte ein reichhaltiges Gewimmel, hauptsächlich von Rädertierchen aller Größen. Aber schon nach ca. zwei Stunden konnte ich beobachten, das sich die Tierchen alle aufgemacht hatten zu den Rändern des Deckglases, also dort, wo die Vaseline war. Teilweise habe es die Rädertierchen sogar geschafft, unter den Vaselinerand nach draussen zu gelangen. Jedenfalls war im mittleren Bereich der Probe überhaupt kein Leben mehr zu beobachten.

Und jetzt, nach ca. 24 Stunden sind vieleicht noch 20 Prozent der Tiere übrig. Etliche bewegen sich inzwischen nicht mehr. Aber insgesamt hat die Zahl stark abgenommen. Wo sind die denn hin? Die können sich doch nicht einfach auflösen, oder doch?

Jedenfalls vermute ich mal, das ich insgesamt zu wenig Wasser genommen habe und vieleicht hätte ich auch gezielt etwas mehr organisches Material mit unter das Deckglas bringen sollen, so das es mehr Möglichkeiten für Futter und auch zum Verstecken für die Tiere gibt.

Insgesamt ist die Lebensdauer natürlich deutlich länger, wie im Normalfall, wenn man einfach einen Wassertropfen unter einem Deckglas einschließt. Aber wie man das Biotop über mehrere Wochen am Leben erhalten kann, das erschließt sich mir bisher noch nicht. Aber es war ja auch mein allererster Versuch. Und es ist wohl noch kein Meister vom Himmel gefallen.

Gruß

Raimund
Titel: Re: Mikroaquarien zur Langzeitbeobachtung lebender Organismen
Beitrag von: Michael am August 22, 2021, 10:28:53 Vormittag
Hallo Raimund,

Glückwunsch zu Deinem ersten Mikroaquarium, das ja zumindest schon mal passabel funktioniert hat!
Zu Diener konkreten Vorgehensweise kann ich aus der Ferne natürlich nichts sagen - da musst Du selbst ein bisschen herumprobieren und ein Gefühl für die Methode bekommen. Schichtdicke und eingebrachtes organisches Material sind sicherlich wichtig für die Lebensdauer der Aquarien. Soweit ich dass verstanden habe, hast Du vor allem "freies Wasser" eingebracht - also wohl hauptsächlich frei schwimmende Planktonformen. Diese Organismen sind angepasst auf freies Schwimmen und halten sich im MA meist sehr schlecht (aber immer noch vielleicht 30-mal so lange wie im "normalen" Präparat), da sie auf mehr Bewegungsspielraum angewiesen sind (ähnlich wie sich in einem "normalen" Aquarium keine Flußfische halten, die auf Strömung an gewiesen sind). Am besten gelingen die MAs, wenn man einfach aus dem Bodensatz (!) des Probenbehälters eine entsprechende Menge herauspipettiert. In diesem Lebensraum sind dann meist viele Organismen (vielfältiger als im freien Wasser) und man simuliert die natürlichen Gegebenheiten nahezu automatisch.
Prinzipiell sterben die nicht für das MA geeigneten Organismen innerhalb weniger Tage nach der Erstellung des MA ab und das Artenspektrum verschiebt sich in Richtung geeigneter Organismen, die sich dann recht lange halten. Bei der Erstellung herrscht zusätzlich meist ein richtiges Gewusel im MA, da sich alle Organismen nach dem Umsetzen in Panik befinden. Der Besatz erscheint dann meist riesig, da die Organismen durch ihre schnelle Bewegung auffallen (ähnlich wie in einem temporären Präparat). Diese panikartige Bewegung kann sich aber auf die Dauer kein Organismus leisten und entspricht nicht der natürlichen Verhaltensweise. Nach einigen Stunden kehrt Ruhe ein und die meisten Organismen haben einen stationären Platz gefunden, an dem sie z.B. in Ruhe ihr Futter einstrudeln. Erst wenn das Nahrungsangebot an dieser Stelle erschöpft ist, bewegen sich die kleinen Freunde dann an einen anderen Platz. Dadurch kann oft der Eindruck entstehen, dass der Besatz des MA abgenommen hat - die Organismen verschwinden nicht einfach, sondern werden nur unauffälliger.

Ich hoffe, ich konnte Dir ein paar allgemeine Hinweise geben, wie die MAs stabiler werden. Lasse Dich bitte nicht entmutigen - Dein MA hat die Beobachtungszeit für die Rädertiere bereits ums 30-fache verlängert. Wenn Du ein bisschen herumprobierst, werden daraus sicherlich Wochen!

Ein schönes Restwochenende

Michael


Titel: Re: Mikroaquarien zur Langzeitbeobachtung lebender Organismen
Beitrag von: raimcomputi am August 22, 2021, 12:29:42 Nachmittag
Hallo Michael,
Danke für deine Erklärungen.

Nein, natürlich lasse ich mich nicht entmutigen. Dazu ist das alles einfach viel zu interesant. Und das MA funktioniert ja auch prinzipiell. Ich habe letzte Nacht noch einige Stunden mit Beobachten verbracht. Und da war nach etwa 36 Stunden immer noch jede Menge Leben vorhanden. Das die Tierchen viel ruhiger geworden sind, konnte ich auch feststellen. Aber das macht es ja dafür auch viel einfacher, das Leben im Wassertropfen in Ruhe zu studieren.

Heute war ich noch nicht dran. Aber ich bin mal gespannt, wie es nachher, also nach dann etwa 48 Stunden aussieht.

Ich werde beim nächsten Versuch einfach mal das Wasser vom Boden des Glases holen und ein wenig mehr kleine Pflanzenteile mit einbringen. Bin gespannt, was ich dann zu sehen bekomme.

Ich hätte noch eine grundsätzliche Frage zum Heuaufguss, oder auch anderen Wasserproben. Sollte man die irgendwann komplett ausschütten und neu ansetzen, oder reicht es, wenn man regelmäßig mit frischem Wasser auffüllt? Wie lange kann man so einen Probenansatz in etwa verwenden, bevor man ihn komplett austauscht?

Herzliche Grüße

Raimund
Titel: Re: Mikroaquarien zur Langzeitbeobachtung lebender Organismen
Beitrag von: Michael am August 22, 2021, 12:50:46 Nachmittag
Hallo Raimund,

Ich hätte noch eine grundsätzliche Frage zum Heuaufguss, oder auch anderen Wasserproben. Sollte man die irgendwann komplett ausschütten und neu ansetzen, oder reicht es, wenn man regelmäßig mit frischem Wasser auffüllt? Wie lange kann man so einen Probenansatz in etwa verwenden, bevor man ihn komplett austauscht?

Das kommt darauf an was Du sehen willst und wie groß die Gruchstoleranz von Dir und Deinen Mitbewohnern ist. Mit der Zeit gibt es in jeder Probe Artverschiebungen und oft wird es dann uninteressant. Aber es gibt kein (natürliches) Wasser ohne Leben. Ich habe hier eine mehrere Jahre alte Probe stehen, bei der ich nur ab und zu mit Regenwasser auffülle und die inzwischen total veralgt ist. Alle paar Monate sehe ich sie mir mal an und bin jedes mal erstaunt, was ich dann sehe (z. B. Milben, Tardigraden ... ).

Viele Grüße

Michael
Titel: Re: Mikroaquarien zur Langzeitbeobachtung lebender Organismen
Beitrag von: raimcomputi am August 22, 2021, 13:23:35 Nachmittag
Hallo Michael,
Vielen Dank. Also noch riecht mein Heufguss nicht besonders. Ich habe den bisher immer, wenn eine entsprechende Menge an Wasser verdunstet war, mit frischem Wasser wieder aufgefüllt. Er steht jetzt bestimmt schon sechs Wochen. Allerdings befinden sich darin hauptsächlich Rädertiere in allen Größen. Manche davon sind ja wirklich richtige "Riesen". Und bisher konnte ich auch noch nicht großartig beobachten, das sich die Population verändert.

Gerade die Tardigrades, oder auch Wasserbären genannt, finde ich ja sehr interesant, konnte aber bisher noch keinen beobachten. Zuletzt habe ich das erste Mal die Teilung eines Einzellers live miterleben dürfen. Das war auch toll. Und auch Amöben konnte ich schon gelegentlich beobachten. Also insgesamt ist das schon eine sehr sehr faszinierende kleine Welt.

Gruß

Raimund
Titel: Re: Mikroaquarien zur Langzeitbeobachtung lebender Organismen
Beitrag von: raimcomputi am August 22, 2021, 20:16:50 Nachmittag
Hallo zusammen,
Mein Miniaquarium funktioniert auch nach inzwischen knapp 2,5 Tagen immer noch. Am Anfang hatten sich die Tierchen alle in Richtung der Ränder des Deckglases begeben. Dort befindet sich aber inzwischen kaum noch Wasser. Aber in der Mitte, dort wo der Hohlschliff im Objekträger ist, ist jetzt das pralle Leben. Viele der Tiere haben sich inzwischen dorthin begeben und gehen ihrem Tagwerk nach. Leider sind auch eine ganze Menge der Rädertierchen, die es entweder nicht rechtzeitig in die Mitte geschafft haben, oder die nicht kapiert haben, das es dort besser ist, inzwischen verendet. Das ist ja schon schade. Denn irgendwie entwickelt man eine Art Beziehung zu den kleinen Lebewesen. Und auch meine Frau und meine Tochter sind immer ganz begeistert, wenn sie an meinem Mikroskopierplatz vorbeikommen und auf dem großen Bildschirm das Gewusel sehen.

Leider ist das Hobby Mikroskopie genauso ein Fass ohne Boden, wie alle meine anderen Hobbys auch. Denn nach einer langen Durststrecke bin ich endlich mit meinem Mikroskop glücklich. Und schon kommen die nächsten Gelüste auf, nach einer besseren Kamera, oder noch ein paar weiteren Phasenkontrastobjektiven. Schlimm ist das, das man jedesmal gleich süchtig wird, wenn man sich mit einer Sache intensiver beschäftigt. ;D

Herzliche Grüße

Raimund
Titel: Re: Mikroaquarien zur Langzeitbeobachtung lebender Organismen
Beitrag von: Michael am August 23, 2021, 10:06:23 Vormittag
Hallo Raimund,

Am Anfang hatten sich die Tierchen alle in Richtung der Ränder des Deckglases begeben. Dort befindet sich aber inzwischen kaum noch Wasser.

Das bedeutet wohl, dass Dein MA nicht dicht ist - dann kann das ganze nicht gut funktionieren! MAs sollten absolut wasserdicht sein und keine Luft ziehen. Dann halten sie "physikalisch" mehrere Jahre (ob dann noch irgendwas Interessantes darin lebt, ist eine andere Frage).
Aus der Ferne kann ich nicht sagen, was falsch gelaufen ist, aber wenn Du genügend Vaseline genommen hast (wovon ich bei einem "Anfänger" ausgehe), hast Du das Deckglas wahrscheinlich zu wenig fest angedrückt. Die Vaseline muss rundum platt gequetscht werden. Dabei sollte man nicht zu vorsichtig sein, da es  - außer mit roher Gewalt - praktisch unmöglich ist, die Schichtdicke mit Vaseline zu weit zu verringern. Die Vaseline sollte rundum auf bis zu einem Millimeter Breite zusammengepresst werden. Dann mit dem Mikroskop rundherum die Vaselineschicht kontrollieren und ggf. an verdächtigen Stellen nochmal nachdrücken. Das MA kann aber nur dann absolut dicht werden, wenn sich keine störenden Festkörper wie Sandkörner o. Ä. unter dem Deckglas befinden. Das Deckglas muss absolut fest sitzen und sich nicht mehr so einfach verschieben lassen.
Durch das Verdunsten des Wassers ändert sich kontinuierlich die Chemie des Wassers - das nehmen die Tierchen oft sehr übel!

Wenn Du das MA auflöst, kannst Du den Objektträger (und ggf. auch das Deckglas) leicht mit 70% Isopropanol aus der Apotheke reinigen. Spiritus o.Ä. nehmen die Organismen gerne übel (ggf. gut mit Wasser nachspülen).

Viel Erfolg und weiterhin viel Spaß mit den MAs

Michael

Titel: Re: Mikroaquarien zur Langzeitbeobachtung lebender Organismen
Beitrag von: raimcomputi am August 23, 2021, 18:51:00 Nachmittag
Hallo Michael,
Vielen Dank für deine Tips. Es war ja wie gesagt mein erster Versuch. Und es kann eigentlich nur besser werden. Ich denke, das ich schon genügend Vaseline benutzt habe. Aber es muss wohl wirklich nicht ganz dicht gewesen sein. Aber immerhin hat es ja ca. 72 Stunden bis gestern Abend funktioniert. Heute habe ich noch gar nicht nachgeschaut. Auf jeden Fall ist der nächste Versuch schon in Planung und wird direkt umgesetzt, sobald sich in meinem Erstversuch nichts mehr bewegt.

Herzliche Grüße

Raimund
Titel: Re: Mikroaquarien zur Langzeitbeobachtung lebender Organismen
Beitrag von: Arne am September 15, 2021, 15:32:46 Nachmittag
Moin Zusammen!

In letzter Zeit hatte ich leider wenig Gelegenheit zum Mikroskopieren.
Trotzdem möchte ich meine wenigen Erkenntnisse kundtun.
Da hier das Mikroaquarium mit Vaseline genannt wurde, habe ich dieses ausprobiert.
Haltbar war es rund zwei Wochen. Da es leider nicht völlig luftdicht war, konnte so über
diesen Zeitraum das Wasser verdunsten.
Hergestellt habe ich es aus Standard-Deckgläschen. Beochbachten ließ es sich sehr gut.
Neben dem habe ich euf einem Deckgläschen einen Tropfen Heuaufguss trocknen lassen.
Heute habe ich diesen Tropfen mit Methylen-Blau eingefärbt.
Das war verblüffend.
Zwar konnte ich ohne Färbung schon einzelne Organismen erkennen (komplett eingetrocknet)
Aber die unterschiedlichen Lebewesen sowie die Bakterien waren nach der Färbung
sehr deutlich zu erkennen.
Ich konnte kleine Kügelchen in Ketten identifizieren, Stäbchen verschiedener Länge und gestreifter
Musterung sowie Kügelchen, welche intensiv grün leuchten.

Desweiteren habe ich mich daran versucht, mit simpelsten Mitteln einen Schichtschnitt vorzunehmen.
Dafür habe ich einfach Alufolie mit Hilfe eines Röhrchens in Form gebracht.
Dann habe ich drei Teelichter aufgelöst und den Boden des Röhrchens gut bedeckt. Dann kam
darauf, nach dem das Wchs etwas fester wurde, eine tote, eingertocknete Fliege gelegt und weiter
mit Wachs übergossen. Eine Etage höher kam dann noch ein Stück Petersilienstengel.
Das Wachs habe ich nach einigen Stunden Trocknung aus der Alufolie gewickelt und mit einer Rasierklinge in
Form geschnitten, so das die Präparate getrennt von einander sind.
Dann habe ich versucht (freihand ;D :o ) hauchdünne Scheiben zu schneiden.
Das ging mehr schlecht als recht. Trotzdem konnte ich, besonders bei der Fliege einige "brauchbare" Scheiben schneiden.
Unterdem Mikroskop zeigte sich dann aber schnell, das diese Methode nicht sehr weit führen wird.
Vermutlich ist es mit geeignten Materialien und einem Mikrotom sinnvoller.
Jedenfalls wirkte die Scheibe unter dem Mikroskop sehr dick und über die Schnittfläche war viel Wachs geschmiert.
Trotzdem ließen sich tatsächlich einige Details erkennen.
Beim Schneiden rollte sich der Schnitt dann auf. Ließ sich aber einigermaßen in Form bringen.
Der Petersilienstengel ließ sich nicht "so dünn" schneiden.
Da habe ich dann mal mit Auflicht experimentiert. Mit einer handelsüblichen, recht starken LED-Taschenlampe.
Das Bild war dann wirklich knackig und es ließ sich Farbe erkennen.
Der Schnitt war vermutlich einfach zu dick.
Jetzt werde ich erstmal lesen und dann Schritt für Schritt Schichtschnitte anfertigen.
Es war nur ein Versuch. Lehrreich alle Mal.
Anbei noch ein paar erste Zeichnungen und ein Blick auf mein Provisorium.
Wir sind mit Wohnungssuche beschäftigt. Es geht zurück in die Stadt. Da richte ich mich
dann entsprechend ein.

Viele Grüße,
Arne
Titel: Re: Mikroaquarien zur Langzeitbeobachtung lebender Organismen
Beitrag von: plaenerdd am September 15, 2021, 18:12:27 Nachmittag
Hallo Arne,
schön, dass das mit dem Mikroaquarium auf Anhieb so gut geklappt hat bei Dir!
Zur 2. Zeichnung: Wenn die mit dem 20/0,40-er Objektiv erastellt wurde, sind das ganz gewiß keine Bakterien, zum die dann fast so lang wie das Wimperntier wären. Das waren wahrscheinlich Geißeltierchen (Flagellaten), die Du da gesehen hast.
Wenn Du so viele andere Versuche noch schilderst, wäre es gut gewesen, wenn Du dafür einen eigenen Faden aufgemacht hättest ;Meine ersten Beobachtungen" oder so.
Beste Grüße
Gerd
Titel: Re: Mikroaquarien zur Langzeitbeobachtung lebender Organismen
Beitrag von: raimcomputi am September 15, 2021, 19:47:34 Nachmittag
In meinem ersten Mikroaquarium gab es ca. drei Wochen das blühende Leben. Es waren massig Bakterien mit unter dem Deckglas, so das die verschiedenen Tiere jede Menge Futter hatten. Aber jetzt habe ich es schon zweimal erlebt, das, obwohl es nach dem Ansetzen des Mikroaquariums nur so von Organismen gewimmelt hat, nach 24 Stunden alles tot war. Es lag aber nicht am Wassermangel, denn nachdem ich das Deckglas entfernt hatte, war da jede Menge Wasser auf dem Objektträger. Ich vermute eher, das die Tiere verhungert sind, denn in der Wasserprobe befanden sich so gut wie keine Bakterien, so das es nur wenig Futter gab. Könnte das der Grund für den schnellen Tod der Tierchen sein?

Gruß

Raimund
Titel: Re: Mikroaquarien zur Langzeitbeobachtung lebender Organismen
Beitrag von: plaenerdd am September 15, 2021, 20:44:56 Nachmittag
Hallo Raimund,
hast Du Michaels Hinweise aus Antwort#20 beachtet (Detritus mit einbringen, nicht unbedingt die Wesen, die das freie Wasser bevorzugen?)
Beste Grüße
Gerd
Titel: Re: Mikroaquarien zur Langzeitbeobachtung lebender Organismen
Beitrag von: raimcomputi am September 15, 2021, 22:31:33 Nachmittag
Ich habe einen Heuaufguss in einem halben Liter Glas. Der wird regelmäßig mit frischem Wasser wieder aufgefüllt. Ich habe beim letzten Mal die Wasserprobe ganz vom Boden des Glases genommen. Mal sehen, ob das erfolgversprechender ist. Wenn das jetzt auch wieder nicht klappt, dann muss ich wohl mal einen ganz frischen Aufguss ansetzen.

Raimund
Titel: Re: Mikroaquarien zur Langzeitbeobachtung lebender Organismen
Beitrag von: Arne am September 16, 2021, 08:34:44 Vormittag
Moin Raimund,

ich habe bei meinem Heuaufguss noch nicht nachgeschaut.
Zwar frisches Wasser aufgegossen, aber was sich dort tummelt,
da schaue ich heute nach. Ich werde berichten.

Gruss, Arne
Titel: Re: Mikroaquarien zur Langzeitbeobachtung lebender Organismen
Beitrag von: raimcomputi am September 16, 2021, 16:32:52 Nachmittag
So ganz verstehe ich es nicht. Ich habe gestern abend noch einmal ein neues Mikroaquarium zurecht gemacht. Darin wimmelt es von Rädertierchen in allen Größen und Formen. Das müssen hunderte sein. Aber es gibt nichts zu fressen. Das Wasser ist fast komplett klar. Überhaupt keine Bakterien oder ähnliches als Futter vorhanden. Kein Wunder, das die Tierchen verhungern.

Gruß

Raimund
Titel: Re: Mikroaquarien zur Langzeitbeobachtung lebender Organismen
Beitrag von: 3nzo am September 16, 2021, 18:33:28 Nachmittag
Hallo, ich habe einen Rat zu fragen.
Das Mikroaquarium mit Rutschen hat ein paar Tage ganz gut funktioniert, aber mein Glasaquarium befriedigt mich nicht.
Ich begann mit Wasser aus einem Brunnen voller Protisten und fügte etwas Sand und einen Zweig von Elodea hinzu, aber nach einer Weile tat die Elodea und die meisten Protisten verschwanden. Einige Rädertiere und eine Oedogonium-Alge bleiben.
Auch andere Algen wie Spirogyra sterben nach wenigen Tagen im Probewasser ab. Ich wundere mich warum.
Danke und viele Grüße.

Enzo
Titel: Re: Mikroaquarien zur Langzeitbeobachtung lebender Organismen
Beitrag von: Herbert Dietrich am September 16, 2021, 18:39:55 Nachmittag
Hallo Raimund,

Dein Heuafguß ist sicher von den Rädertierchen und Pantoffeltierchen leergefressen worden.
Fütterst Du regelmäßig nach? und bildet sich eine Kahmhaut?

Herzliche Grüße

Herbert
Titel: Re: Mikroaquarien zur Langzeitbeobachtung lebender Organismen
Beitrag von: raimcomputi am September 16, 2021, 18:46:54 Nachmittag
Hallo Raimund,

Dein Heuafguß ist sicher von den Rädertierchen und Pantoffeltierchen leergefressen worden.
Fütterst Du regelmäßig nach? und bildet sich eine Kahmhaut?

Herzliche Grüße

Herbert
Ja, das wird wohl so sein. Mich wundert es dann halt nur, das in dem Heuaufguss selbst so viele Tiere vorhanden sind.

Nachgefüttert habe ich bisher nicht. Wie macht man das denn und vor allem, womit?

Eine Kahmhaut ist nicht mehr vorhanden.

Gruß

Raimund
Titel: Re: Mikroaquarien zur Langzeitbeobachtung lebender Organismen
Beitrag von: Herbert Dietrich am September 16, 2021, 19:20:44 Nachmittag
Hallo Raimund,

am einfachsten fütterst Du mit 1 -2 Tropfen Kondensmilch.
Wenn das Wasser wieder ganz klar ist, kannst Du nachfüttern.
Es wird auch ein Bröselchen Hackfleisch oder Hartkäse empfohlen.
Wichtig:  weniger ist hier mehr :)

Herzliche Grüße

Herbert
Titel: Re: Mikroaquarien zur Langzeitbeobachtung lebender Organismen
Beitrag von: raimcomputi am September 16, 2021, 19:37:20 Nachmittag
Hallo Raimund,

am einfachsten fütterst Du mit 1 -2 Tropfen Kondensmilch.
Wenn das Wasser wieder ganz klar ist, kannst Du nachfüttern.
Es wird auch ein Bröselchen Hackfleisch oder Hartkäse empfohlen.
Wichtig:  weniger ist hier mehr :)

Herzliche Grüße

Herbert
Vielen Dank für den Tip. Also habe ich das richtig verstanden? Mein Heuaufguss ist in einem Glas mit etwa einem halben Liter Wasser. Und da reicht eine so geringe Menge an Futter?

Gruß

Raimund
Titel: Re: Mikroaquarien zur Langzeitbeobachtung lebender Organismen
Beitrag von: Herbert Dietrich am September 16, 2021, 19:45:09 Nachmittag
Hallo Raimund,

Du kannst ja experimentieren und mehrere Gläser Hau-Aufguss ansetzen und bei einem  :)die Futterzugabe solange steigern bis die Brühe stinkt :)

Du fütterst ja nur die Bakterien, die hast Du bisher verhungern lassen, das wenn der Tierschutz spitz kriegt!

wenn die Bakterien sich üppig vermehrt haben, kannst Du ja vorsichtig etwas mehr füttern. Aber jetzt sind fast alle Bakterien aufgefressen und
die müssen sich erst wieder erholen.
Viel Erfolg.

Herzliche Grüße

Herbert
Titel: Re: Mikroaquarien zur Langzeitbeobachtung lebender Organismen
Beitrag von: Michael am September 17, 2021, 17:42:10 Nachmittag
Hallo Enzo, Raimund und Arne,

der Trick bei Mikroaquarien (wie bei allen Aquarien) ist, das Biotop möglichst genau nachzubilden. Nur dann bleibt das ursprüngliche Artspektrum erhalten.
In der Praxis ist das meist nicht möglich und es wird sich ein neues Gleichgewicht mit anderen Arten einstellen. Diese Artverschiebungen können fast nicht vermieden werden.

Viele Grüße

Michael
Titel: Re: Mikroaquarien zur Langzeitbeobachtung lebender Organismen
Beitrag von: Arne am September 18, 2021, 09:48:24 Vormittag
Vielen Dank für die Hinweise.
Ein schönes Wochenende
und Gruß,
Arne
Titel: Re: Mikroaquarien zur Langzeitbeobachtung lebender Organismen
Beitrag von: Arne am September 26, 2021, 18:57:30 Nachmittag
Hallo in die Runde!

Ich habe nun meinen Tümpel untersucht.
Es haben sich einige Algen gebildet. Es ist aber auch noch Silberhaut vorhanden.
Nicht mehr sehr ausgeprägt, aber sichtbar.
Unter dem Mikroskop zeigt sich, das es noch deutlich „wimmelt“.
Im Vergleich zum vergangenen Monat hat sich die Zusammensetzung aber deutlich geändert.
Pantoffeltierchen sind kaum noch anzutreffen. Dafür konnte ich Augenflagellaten identifizieren
sowie etwas kleinere, sehr flinke, gurkenfoermige Tierchen. Dazu kamen noch sehr kleine, hochagile
„Pünktchen“.
Interessant waren vor allem die Augenflagellaten (wenn ich diese richtig identifiziert habe).
Diese waren eher statisch und rund. In bestimmten Abständen streckten sie sich blitzartig.
Dazu ließ sich am stumpfen Ende ein Strudeln erkennen.
Desweiteren stießen sie gelegentlich kleine, grüne Kügelchen aus. (Chlorophyll?)
 
Naja, dann habe ich noch von einer Banane mit Rasierklinge eine dünne Probe geschnitten.
Diese war, weil zu dick, nicht sehr interessant. Was überraschte, war ein sehr rotes Konglomerat
mit schönen Strukturen.

Dann habe ich noch einen Tropfen Blut genommen und geschaut, wie sich das Fibrin ausbildet
und die Erythrozyten verklebt. War ebenfalls sehr spannend.

Die Bilder habe ich mit einem Smartphone genommen.
Ich werde als Nächstes einen neuen Thread eröffnen, in dem ich meine
doch sehr unspezifischen Beobachtungen notiere.
Ich schreibe gerade vom Tablet. Ich muss aber die Bilder verkleinern.
Das geht vom PC aus besser. Furchtbar umständlich.
Die Bilder reiche ich später nach.

Viele Gruesse, Arne
Titel: Re: Mikroaquarien zur Langzeitbeobachtung lebender Organismen
Beitrag von: Michael am September 27, 2021, 09:24:33 Vormittag
Hallo Arne,

es tut wirklich gut, Deine Begeisterung für die Tümpelei zu spüren! Ich bin gespannt, was Du in einem eigenen Thread alles zeigen wirst.

Deine "Augenflagellaten" sind Trompetentiere, also Wimperntiere, die sich mit einem Stiel am Substrat verankert haben und Nahrung einstrudeln.

Viele Grüße

Michael
Titel: Re: Mikroaquarien zur Langzeitbeobachtung lebender Organismen
Beitrag von: plaenerdd am September 27, 2021, 18:44:17 Nachmittag
Hallo Michael,
an Hand dieses Fotos irgendwas bestimmen zu wollen halte ich für schwierig. Dass das Wimperntiere sein könnten, da würde ich ja noch mitgehen, aber Trompetentierchen? Mit so einem Bäuchlein dran? Ich würde da eher in Richtung Glockentierchen tendieren. Da gibt es auch Arten mit sehr kurzen Stielen oder nur zwei Borsten statt einem Stiel. Aber wie gesagt: Das Foto, zumal ohne jeder Größenangabe, lässt da nicht wirklich ein Bestimmung zu.
Beste Grüße
Gerd
Titel: Re: Mikroaquarien zur Langzeitbeobachtung lebender Organismen
Beitrag von: Michael am September 27, 2021, 19:54:10 Nachmittag
Hallo Gerd,

ich wusste doch dass es etwas mit Lärm war....
Du hast natürlich Recht, Glockentier, nicht Trompetentier!

Viele Grüße

Michael
Titel: Re: Mikroaquarien zur Langzeitbeobachtung lebender Organismen
Beitrag von: Arne am September 27, 2021, 20:34:47 Nachmittag
Hallo,

Danke für Eure Antworten. Ja, ich bin blutiger Anfänger. Eine Bestimmung fällt mir schwer.
Ich hatte im Großen Kosmos-Mikroskop-Buch eine Aufnahme gefunden, die ungefähr
dem Gesehenen entsprach.
Was interessant zu beobachten war, das die Glockentiere sich in einem langsamen Rhythmus
sehr schnell
zu einer Kugel zusammenzogen. Eines der Tierchen spie dann ein paar der grünen Kügelchen
aus. Das hat mich überrascht. Habt Ihr dafür eine Erklärung?
Ich habe noch viel zu lernen. Kommenden Monat steht erstmal ein Umzug an.
In der neuen Wohnung kann ich mich auch etwas besser einrichten und habe dann
den Kopf frei für die schönen Dinge.
Habt ein wenig Nachsicht mit mir.
Eine schöne Woche
und Gruß,
Arne