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Bibliothek => Mikro-Know-How => Thema gestartet von: Marcus_S am Mai 23, 2020, 23:50:37 Nachmittag

Titel: Fluoreszenz im Haushalt
Beitrag von: Marcus_S am Mai 23, 2020, 23:50:37 Nachmittag
Moin!

Ich steige ja erst wieder ganz vorsichtig in die Feierabendmikroskpie ein. Aber auch auf die Gefahr hin, mich hier gleich zu Beginn lächerlich zu machen, traue ich mich mal, was von meinen Experimenten zu berichten.

Ausgangspunkt war: die Beschaffung verschiedener (Fluoreszenz-)Farbstoffe ist ja nicht immer so völlig unproblematisch. Also habe ich mich mal im Haushalt umgesehen, ob da nicht was ganz legal (?) und leicht erhältlich funzelt.

Das Opfer für die Tests war der Stiel eines Efeublattes. Efeu, weil sogar ich den erkenne. Fixiert und einige Wochen aufbewahrt in Brennspiritus/Essigessenz (25%) 75/25 (v/v). Na gut, es war vielleicht nicht so unheimlich schlau, in die Fixiermischung auch noch ein Stückchen Fichtenzweig mit reinzuwerfen, so daß sich nun alles Lösliche aller Pflanzenteile hübsch überall hin verteilt hat, aber um die Unterschiede zu sehen, da mag es trotzdem reichen.

Dem fixierten Blattstengel bin ich dann freihändig mit einer ausgelutschten Rasierklinge zu Leibe gerückt, von den etwa 20 Schnitten habe ich per Augenmaß die drei schönsten ausgesucht.

Ein Schnitt blieb zur Kontrolle ungefärbt, nur in Glycerin eingedeckt.

Der zweite wurde mit einem winzigen Klecks Färbelösung, verdünnt mit einem Tropfen Leitungswasser, gefärbt. Färbelösung war hier - strengst wissenschaftlich hergestellt - eine Lösung aus etwa einer 1/8 zerschabten Tablette Neo-Chinosol (Wirkstoff: Ethacridinlactat) in etwa 10 ml Leitungswasser. Neo-Chinosol (oder vielleicht wegen der Hilfsstoffe der Tablette besser für die Fluoreszenzmikroskopie Rivanol-Pulver) ist ein wohl noch immer frei verkäufliches Wunddesinfektionsmittel, ich habe eine uralte Packung dieser Tabletten in alten Vorräten gefunden. Den Schnitt in dem Tropfen auf dem OT gefärbt und dann immer wieder mit jeweils einem Tropfen Leitungswasser gewaschen, schlußendlich in Glycerin eingedeckt.

Den dritten Schnitt habe ich mit einem halben Tropfen eines alkoholischen Extrakts eines Vollwaschmittels behandelt. Auf diese Weise hoffte ich, an die fluoreszierenden optischen Aufheller zu gelangen, auch wenn ich noch sonstigen Kram mit extrahiert würde. Dazu habe ich - wieder streng wissenschaftlich - drei Teelöffel Vollwaschmittel (Tandil) mit 50 ml Brennspiritus vermischt, etwa eine Stunde lang hin und wieder geschüttelt, sedimentieren gelassen und von dem noch immer leicht trüben Überstand zum Färben einen kleinen Tropfen entnommen, diesen mit einem Tropfen Leitungswasser verdünnt und den Schnitt in dieser Lösung auf dem OT gefärbt. Einmal ausgewaschen und in Glycerin eingedeckt.

Beguckt habe ich die Präparate mit einem 10x/0,3 Objektiv, 100 W Halogen-Auflicht-Breitbandblauanregung (420 nm - 480 nm), geknipst mit einer vom Fernrohr abgeschraubten billigen Astrokamera (ZWO ASI 120 MC-S). Der Trinotubus war auf 70/30 geschaltet, die Belichtungszeiten sind in den Bildern unten angegeben. Der Eindruck im Okular war am ungefärbten Schnitt etwas dunkel, aber noch in Ordnung, der Vollwaschmittelschnitt angenehm und ohne Überstrahlungen, die Photonen des Chinosol-Schnitts bliesen mich fast vom Höckerchen.
Jeweils ein einzelnes Bild auf 50% verkleinert und ansonsten völlig unbearbeitet in Open Office zur Bildertafel montiert, beschriftet und dann noch einmal fürs Forum auf 1024er Breite geschrumpft.

Was da aus Botanikersicht zu sehen ist, das wißt Ihr viel besser als ich. Aber als Ergebnis läßt sich festhalten:
- Die Schnitte werden hübsch bunt ;-)
- Die Konzentration des Waschmittelextraktes dürfte gerne etwas höher sein, das Verdünnen scheint eher unnötig. Die Begleitstoffe des Waschmittels scheinen nicht wirklich zu stören, die Aufheller kommen bei der Extraktion in ausreichendem Maße mit und lassen sich im Präparat (gerade noch so?) mit Breitbandblau anregen, wenn auch die Fluoreszenz nicht gleißend hell ist. Vollwaschmittel halte ich aber für weiter untersuchenswert. Ein Vergleich mit UV-Anregung (hab' ich nicht...) wäre überaus interessant.
- Das Ethacridinlactat fluoresziert heftigst. In der Kürze der Spielchen habe ich kein Photobleaching feststellen können. Die Färbelösung war definitiv viel zu konzentriert und ich hätte den Schnitt gut und gerne noch öfter auswaschen können. Für diesen Farbstoff braucht man zur Anregung definitiv keine Flutlichtlampe, da tut es wohl auch fast ein Teelicht. Ethacridinlactat ist nun aber mein Favorit. Das Zeug ist billig und ergiebig und nicht unmittelbar sofort todbringend und geht auch beipielsweise gut an Milchsäurebakterien. Weitere Einsatzgebiete gilt es noch zu erforschen. Warum das noch nicht so oft in der Mikroskopie verwendet wird - ich weiß es nicht.
- Die Kamera tut auch am Mikroskop einigermaßen. Der Chip ist zu klein, dafür sind die Pixel zu groß. Der Farbeindruck ist etwas matt. Das mag daran liegen, daß es eben eine Astrokamera ist, bei der eher wenig an den rohen Bilddaten gedreht wird, bevor die ziemlich unkomprimiert durch das Kabel gen Rechner gehen. Nett aber ist: die ist auch am Mikroskop flott (ach was!). Stacken ist kein Problem - einfach den Fokustrieb langsam durchkurbeln und dabei einen unkomprimierten Bildstapel einsaugen. Nach so etwa 5 Sekunden ist man damit durch. Den S/W-Kollegen der ASI 120 (mit größerem Chip und dafür kleineren Pixeln) habe ich neulich an Diatomeen ausprobiert, für meinen Geschmack ganz annehmbar. Astrokameras können also auch am Mikroskop eine gute Figur machen, wie man ja auch hier sieht: https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=37441.0 Man muß aber hinterher ein wenig an den Bildern rumfummeln.


Zum Abschluß habe ich dann noch ein Vollwaschmittelbildchen mit dem 20x-Objektiv geknipst und das Bild mit Fitswork etwas verhübscht, um es dem Eindruck im Okular ein wenig anzupassen.


Vielleicht regt das jemanden an - zum Lachen, Lästern oder Mitmachen.


Viele Grüße von

Marcus

Titel: Re: Fluoreszenz im Haushalt
Beitrag von: reblaus am Mai 24, 2020, 00:24:14 Vormittag
Hallo Marcus -

ich bin begeistert - solche Ideen brauchen wir dringend hier und ich ärgere mich, dass mir so was nicht selbst eingefallen ist. Morgen werde ich mal den Arzneimüll durchschauen.

Viel Erfolg auf dieser Bahn!

Rolf

P.S. Wie sieht sie unbehandelte Efeu-Kontrolle aus?
Titel: Re: Fluoreszenz im Haushalt
Beitrag von: Marcus_S am Mai 24, 2020, 01:37:47 Vormittag
Moin Rolf,

dankeschön für das Lob! :-) Und nicht ärgern, einfach mitspielen. Es gibt genug zu tun für alle.

Den Arzneimüll durchzusehen ist sicher eine gute Idee. Ganz früher gab es die winzigen Chinosol-Tabletten, zum Auflösen und Gurgeln. Das war 8-Hydroxychinolin und das ging in blau auch gut. Die Tablettchen habe ich aber irgendwo verkramt. Mit Tetracyclinen sollte es bei Blauanregung auch klappen, aber wegen irgendwelcher Resistenzbildungen hätte ich da Bedenken.

Vielleicht macht ja auch noch mal jemand einen Ausflug nach Dänemark, da konnte man früher ganz tolle Lebensmittelfarben im Supermarkt kaufen, gibt es hier in D sowas auch? Ich kenne mich da nicht so aus. Ostern mit den Eierfarben ist ja gerade vorbei. Oder man brät sich mal schnell Karamell und guckt, was das macht und ob das irgendwo aufzieht. Neulich habe ich mal Düsseldorfer Senf beäugt, das Kurkumin (?) färbt zumindest den Inhalt des Senftopfs ein und das fluoresziert dann auch ganz munter grün bis gelb, da muß ich aber mal noch in Ruhe ran und erstmal den Gassner abstauben. Kurkuma als Gewürz müßte man ja auch irgendwo kaufen können und dann Schnaps drauf, schütteln, abfiltrieren, fertig ist die fluoreszierende Fettfärbung?


Wegen der unbehandelten Efeu-Probe: in der Bildertafel oben links. Oder meinst Du ein hübscheres, höher aufgelöstes Bildchen? Müßte ich nachreichen, das Präparat habe ich noch nicht weggeschmissen.


Viele Grüße von

Marcus

Titel: Re: Fluoreszenz im Haushalt
Beitrag von: Herbert Dietrich am Mai 24, 2020, 08:03:25 Vormittag
Servus Markus,

ich bin fast erschlagen!

Du kannst ja noch viel mehr als Bier und Sechs auf Kraut!
Frei nach Goethe: Hat der alte Hexenmeister sich von Nord nach Süd begeben... :)
Ich freue mich auf weiter Beiträge und gehe jetzt in den Keller und suche nach den Chinosol-Tablettchen.

Herzliche Grüße

Herbert
Titel: Re: Fluoreszenz im Haushalt
Beitrag von: Florian D. am Mai 24, 2020, 09:59:00 Vormittag
Hallo,

gute Arbeit!
Hier noch ein paar Ideen:
Saft aus Berberitzenzweigen (Berberin)
Saft aus Kastanientrieben (Aescin)
Optische Aufeller aus Waschmittlen
Grüne und orange Fluoreszenzmarker
Vitamin B5

Viele Grüsse
Florian



 
Titel: Re: Fluoreszenz im Haushalt
Beitrag von: Marcus_S am Mai 24, 2020, 11:45:21 Vormittag
Moin Herbert, moin Florian!

Vielen Dank für die Komplimente.


Herbert,


Du kannst ja noch viel mehr als Bier und Sechs auf Kraut!


Dankeschön, ich übe einigermaßen fleißig: Essen, Trinken und Frickeln ;-) Ich wünsche Dir viel Glück bei der Suche!



Florian,

danke für Deine interessanten Anregungen.

Berberitzen
müßte ich erstmal finden und absägen (die sind doch oben grün und unten erdig?), da nützt auch der Besitz eines Exemplars des Rothmaler nix. Mein Ausflug in die Botanik ist zu lange her und da ging das ja auch immer andersrum: ich habe eine Pflanze und weiß nicht, was es ist", hier heißt es ja "ich kenne die Pflanze und weiß nicht, wo sie ist". Die Standortbeschreibungen bei Wikipedia lesen sich aber für Bierfranken ganz passend. Berberinsulfat habe ich vor rund 20 Jahren in meinem Vor-vor-vorleben mal probiert - geht in blau großartig!

Aescin
das ist von Deiner Liste mein Favorit, mindestens von der Beschaffung. Kastanien erkenne ich auch, wachsen oft in Biergärten. Saison für Triebe ist fast vorbei (?), aber für einen Versuch mag es noch gehen? Nur die Strukturformel sieht mir etwas zu wenig Pi-elektronisch aus, fluoresziert das tatsächlich? Und reicht das dann auch zum Färben?

Vollwaschmittel
hab' ich schon... Trübanteil ist mittlerweile besser sedimentiert. Ich kann nachher mal "ernten".

Vitamin B5
= Pantothensäure. Hat auch recht wenig Pi. Hab' ich aber auch nicht da, die Fluoreszenz ist zumindest von Panthenol in der Heilsalbe eher ... verhalten. Aber mal bei den Nahrungsergänzungsmitteln für die Sportler zu gucken, ist auch eine gute Idee.


Weitere Anregungen nehme ich aber immer gerne auf.
Und mal in die Runde gefragt: Acriflavin geht ja auch wunderschön, jedenfalls war das vor 20 Jahren so. Soll als Arzneimittel für Fische gehandelt werden, ich habe das aber bei kurzer Suche nur im Gemisch mit Methylenblau gefunden. Gibt es das auch als Monopräparat (heißt das dann so?).


Viele Grüße von

Marcus
Titel: Re: Fluoreszenz im Haushalt
Beitrag von: Florian D. am Mai 24, 2020, 11:54:48 Vormittag
Hallo Marcus,

mit den B-Vitaminen komme ich immer durcheinander. Ich meinte Riboflavin, Vitamin B2, nicht das B5.

Viele Grüsse
Florian
Titel: Re: Fluoreszenz im Haushalt
Beitrag von: Marcus_S am Mai 24, 2020, 12:00:19 Nachmittag
Moin Florian,

aaaahhhhh, das sieht doch viel besser aus. Und Lebensmittelfarbstoff ist es auch noch, habe ich mal auf meine Liste getan. Nun muß ich das Zeug nur noch mal irgendwann irgendwo finden. Dankeschön!

Nochmal Grüße von

Marcus
Titel: Re: Fluoreszenz im Haushalt
Beitrag von: Marcus_S am Mai 24, 2020, 19:09:09 Nachmittag
Moin!

ich mach hier einfach mal ein bißchen weiter...

- Unverdünnter alkoholischer VWM-Extrakt (siehe oben) färbt deutlich intensiver, die Reste der rötlichen Fluoreszenz um die Leitbündel herum gehen dann verloren, dafür ergibt sich ein interessanter Farbkontrast zwischen den nun eher gelblich fluoreszierenden Leitbündeln und dem eher grüngrünblau (in der Bedeutung so zu verstehen wie Nord-Nordost) leuchtenden lockeren Gewebe. Verwendet habe ich nun 2 Tropfen des Extrakts, da wellte sich der frei herumschwimmende Schnitt aber mächtig. So habe ich dann beim Färben doch mit einem Tropfen Wasser verdünnt.
- ein kurzer Versuch mit einem konzentrierten wäßrigen Auszug aus überlagertem Rotbuschtee lohnt den Aufwand eher nicht. Das Gebräu funzelt zwar ein wenig in Grün- und Blauanregung und die Leitbündel kommen etwas besser raus als in Autofluoreszenz, aber das kann man auch einfacher und deutlicher z. B. mit Ethacridinlactat haben.
- Die Färbungen mit VWM-Extrakt und mit Ethacridinlactat scheinen - in Glycerin eingedeckt - zumindest so 12 Stunden zu halten. VWM wird fast noch etwas klarer im Bild.
- Zuckercouleur ist eigentlich nur dazu geeignet, gut zu riechen und die Spülmaschine zu beschäftigen. Fluoresziert zwar gar nicht so wenig grün, zieht aber auf meinen Efeu nicht auf.


Beim nächsten Einkauf gehe ich mal am Backzutatenregal vorbei... Hat eigentlich schonmal jemand die Textilfarben zum in-der-Waschmaschine-färben ausprobiert?


Nochmal Grüße von

Marcus
Titel: Re: Fluoreszenz im Haushalt
Beitrag von: Bob am Mai 24, 2020, 22:05:28 Nachmittag
Hallo Marcus,

eine interessante Versuchsreihe hast Du da gestartet! Eigentlich müsste es ja möglich sein, Fluoreszenzeigenschften zu prüfen, wenn man eine kräftige Taschenlampe mit dem Anregungsfilter bestückt, und im dunkeln durch den Emissionsfilter beobachtet.
Denkbare Kandidaten wären Knicklichter.

Hier gibt es auch allerhand fluoreszierende Farben: https://www.amazon.de/Kit-3-fluoreszierende-Lebensmittelfarbe-Fuchsia-Gr%C3%BCn-Gelb/dp/B07PCK4DM8 (https://www.amazon.de/Kit-3-fluoreszierende-Lebensmittelfarbe-Fuchsia-Gr%C3%BCn-Gelb/dp/B07PCK4DM8)

Die spannende Frage ist natürlich, ob sie sich differenzierend anlagern.

Hier noch ein Liste von Farbstoffen, die fluoreszieren sollen. Getestet habe ich nur Rhodamin B und Acriflavin und Fluorescin.

Rhodamin-B
Acriflavin
Chryosidin
Acridin orange
Fluorescin dissodium
Acridingelb
Primulin gelb
4-Methyläsculetin
Aesculin
Euflavin
Quercetin
Chininsulfat

Angehängt habe ich zwei Bilder eines mit Acriflavin gefärbten Handschnitts einer Mammutbaumnadel.

Viele Grüße,

Bob
Titel: Re: Fluoreszenz im Haushalt
Beitrag von: Marcus_S am Mai 25, 2020, 19:59:48 Nachmittag
Moin Bob,

Dankeschön für Deine Anregungen.

Knicklichter sind natürlich witzig, daran habe ich gar nicht gedacht. Legal erhältlich, der Inhalt aber wahrscheinlich überhaupt nicht lecker. Muß ich mich mal einlesen.

Von Deiner Liste muß ich leider einige der Kanditaten als im Sinne dieser Experimente eher ungeeignet einstufen. Acridinorange beispielsweise ist natürlich klasse, aber nicht so wahnsinnig bekömmlich.

Primulin hatte ich nicht mehr auf dem Radar, das klingt interessant. Das hat Leica mal vor 25 Jahren in einer Broschüre erwähnt, meine ich. Gibt es das in irgendeinem Alltagsbedarfsgeschäft zu kaufen?

Spannend auch, daß mit dem Aesculin schon wieder die Kastanie auftaucht. Müßte man mal mit der UV-Lampe nachts in den Park... ;-)

Umso gruseliger finde ich aber den Hinweis auf die Lebensmittelfarben, vielen Dank! Großartig! Das Zeug scheint ja wirklich zu fluoreszieren, so wie die das bewerben. Netterweise geben die auch gleich die Inhaltsstoffe an und dann landet man wieder bei Curcumin, Riboflavin und, als Neuzugang in der Sammlung, Betanin (aus der Roten Bete) und Capsanthin (aus Paprika). Curcumin und Riboflavin sind nach neueren Erhebungen in verschiedenen Kuchenverzierfarbstoffen enthalten, zum Teil sogar ziemlich rein.

Deine Bilder finde ich sehr hübsch. Acriflavin muß ich mal weiter oben in meine Prioritätenliste einsortieren, muß mal in die Gartenteichzubehörhandlung gehen. Vielleicht stört das wohl oft mit untergerührte Methylenblau in den Fischarzneien in Fluoreszenz ja gar nicht so sehr.

Es gibt noch zu tun.


Viele Grüße von

Marcus

Titel: Re: Fluoreszenz im Haushalt
Beitrag von: Bob am Mai 25, 2020, 21:15:00 Nachmittag
aber nicht so wahnsinnig bekömmlich.

Hallo Marcus,

das scheint mir ein gängiges Problem bei Mikroskopie-Rezepten zu sein: Die Erfinder hatten umfangreichen Zugang zu Chemikalien und Laboreinrichtungen und Arbeitssicherheit und Entsorgung wurden nicht so eng gesehen. Will man das heute zu Hause nachmachen, steht zuerst eine Neubewertung der verwendeten Substanzen und Prozeduren an. Und man muss sich daran gewöhnen, sich auch mal Grenzen zu setzen. Daher finde ich Experimente zum Finden zeitgemäßerer Methoden sehr wertvoll.

Viele Grüße,

Bob
Titel: Re: Fluoreszenz im Haushalt
Beitrag von: Florian D. am Mai 25, 2020, 21:23:51 Nachmittag

Knicklichter sind natürlich witzig, daran habe ich gar nicht gedacht. Legal erhältlich, der Inhalt aber wahrscheinlich überhaupt nicht lecker. Muß ich mich mal einlesen.


Weniger schlimm als man denkt. In den Originalpatenten wurde das Zeug in Diethylphtalat gelöst, was heute als Xenöstrogen etc. gilt.
In den heutigen Knicklichtern sind Citronensäureester als Lösungsmittel enthalten. Das ist schon fast bio.

Viele Grüsse
Florian
Titel: Re: Fluoreszenz im Haushalt
Beitrag von: benj222 am Mai 25, 2020, 22:57:19 Nachmittag
Moin!

Ich steige ja erst wieder ganz vorsichtig in die Feierabendmikroskpie ein. Aber auch auf die Gefahr hin, mich hier gleich zu Beginn lächerlich zu machen, traue ich mich mal, was von meinen Experimenten zu berichten.

Ausgangspunkt war: die Beschaffung verschiedener (Fluoreszenz-)Farbstoffe ist ja nicht immer so völlig unproblematisch. Also habe ich mich mal im Haushalt umgesehen, ob da nicht was ganz legal (?) und leicht erhältlich funzelt.

Das Opfer für die Tests war der Stiel eines Efeublattes. Efeu, weil sogar ich den erkenne. Fixiert und einige Wochen aufbewahrt in Brennspiritus/Essigessenz (25%) 75/25 (v/v). Na gut, es war vielleicht nicht so unheimlich schlau, in die Fixiermischung auch noch ein Stückchen Fichtenzweig mit reinzuwerfen, so daß sich nun alles Lösliche aller Pflanzenteile hübsch überall hin verteilt hat, aber um die Unterschiede zu sehen, da mag es trotzdem reichen.

Dem fixierten Blattstengel bin ich dann freihändig mit einer ausgelutschten Rasierklinge zu Leibe gerückt, von den etwa 20 Schnitten habe ich per Augenmaß die drei schönsten ausgesucht.

Ein Schnitt blieb zur Kontrolle ungefärbt, nur in Glycerin eingedeckt.

Der zweite wurde mit einem winzigen Klecks Färbelösung, verdünnt mit einem Tropfen Leitungswasser, gefärbt. Färbelösung war hier - strengst wissenschaftlich hergestellt - eine Lösung aus etwa einer 1/8 zerschabten Tablette Neo-Chinosol (Wirkstoff: Ethacridinlactat) in etwa 10 ml Leitungswasser. Neo-Chinosol (oder vielleicht wegen der Hilfsstoffe der Tablette besser für die Fluoreszenzmikroskopie Rivanol-Pulver) ist ein wohl noch immer frei verkäufliches Wunddesinfektionsmittel, ich habe eine uralte Packung dieser Tabletten in alten Vorräten gefunden. Den Schnitt in dem Tropfen auf dem OT gefärbt und dann immer wieder mit jeweils einem Tropfen Leitungswasser gewaschen, schlußendlich in Glycerin eingedeckt.

Den dritten Schnitt habe ich mit einem halben Tropfen eines alkoholischen Extrakts eines Vollwaschmittels behandelt. Auf diese Weise hoffte ich, an die fluoreszierenden optischen Aufheller zu gelangen, auch wenn ich noch sonstigen Kram mit extrahiert würde. Dazu habe ich - wieder streng wissenschaftlich - drei Teelöffel Vollwaschmittel (Tandil) mit 50 ml Brennspiritus vermischt, etwa eine Stunde lang hin und wieder geschüttelt, sedimentieren gelassen und von dem noch immer leicht trüben Überstand zum Färben einen kleinen Tropfen entnommen, diesen mit einem Tropfen Leitungswasser verdünnt und den Schnitt in dieser Lösung auf dem OT gefärbt. Einmal ausgewaschen und in Glycerin eingedeckt.

Beguckt habe ich die Präparate mit einem 10x/0,3 Objektiv, 100 W Halogen-Auflicht-Breitbandblauanregung (420 nm - 480 nm), geknipst mit einer vom Fernrohr abgeschraubten billigen Astrokamera (ZWO ASI 120 MC-S). Der Trinotubus war auf 70/30 geschaltet, die Belichtungszeiten sind in den Bildern unten angegeben. Der Eindruck im Okular war am ungefärbten Schnitt etwas dunkel, aber noch in Ordnung, der Vollwaschmittelschnitt angenehm und ohne Überstrahlungen, die Photonen des Chinosol-Schnitts bliesen mich fast vom Höckerchen.
Jeweils ein einzelnes Bild auf 50% verkleinert und ansonsten völlig unbearbeitet in Open Office zur Bildertafel montiert, beschriftet und dann noch einmal fürs Forum auf 1024er Breite geschrumpft.

Was da aus Botanikersicht zu sehen ist, das wißt Ihr viel besser als ich. Aber als Ergebnis läßt sich festhalten:
- Die Schnitte werden hübsch bunt ;-)
- Die Konzentration des Waschmittelextraktes dürfte gerne etwas höher sein, das Verdünnen scheint eher unnötig. Die Begleitstoffe des Waschmittels scheinen nicht wirklich zu stören, die Aufheller kommen bei der Extraktion in ausreichendem Maße mit und lassen sich im Präparat (gerade noch so?) mit Breitbandblau anregen, wenn auch die Fluoreszenz nicht gleißend hell ist. Vollwaschmittel halte ich aber für weiter untersuchenswert. Ein Vergleich mit UV-Anregung (hab' ich nicht...) wäre überaus interessant.
- Das Ethacridinlactat fluoresziert heftigst. In der Kürze der Spielchen habe ich kein Photobleaching feststellen können. Die Färbelösung war definitiv viel zu konzentriert und ich hätte den Schnitt gut und gerne noch öfter auswaschen können. Für diesen Farbstoff braucht man zur Anregung definitiv keine Flutlichtlampe, da tut es wohl auch fast ein Teelicht. Ethacridinlactat ist nun aber mein Favorit. Das Zeug ist billig und ergiebig und nicht unmittelbar sofort todbringend und geht auch beipielsweise gut an Milchsäurebakterien. Weitere Einsatzgebiete gilt es noch zu erforschen. Warum das noch nicht so oft in der Mikroskopie verwendet wird - ich weiß es nicht.
- Die Kamera tut auch am Mikroskop einigermaßen. Der Chip ist zu klein, dafür sind die Pixel zu groß. Der Farbeindruck ist etwas matt. Das mag daran liegen, daß es eben eine Astrokamera ist, bei der eher wenig an den rohen Bilddaten gedreht wird, bevor die ziemlich unkomprimiert durch das Kabel gen Rechner gehen. Nett aber ist: die ist auch am Mikroskop flott (ach was!). Stacken ist kein Problem - einfach den Fokustrieb langsam durchkurbeln und dabei einen unkomprimierten Bildstapel einsaugen. Nach so etwa 5 Sekunden ist man damit durch. Den S/W-Kollegen der ASI 120 (mit größerem Chip und dafür kleineren Pixeln) habe ich neulich an Diatomeen ausprobiert, für meinen Geschmack ganz annehmbar. Astrokameras können also auch am Mikroskop eine gute Figur machen, wie man ja auch hier sieht: https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=37441.0 Man muß aber hinterher ein wenig an den Bildern rumfummeln.


Zum Abschluß habe ich dann noch ein Vollwaschmittelbildchen mit dem 20x-Objektiv geknipst und das Bild mit Fitswork etwas verhübscht, um es dem Eindruck im Okular ein wenig anzupassen.


Vielleicht regt das jemanden an - zum Lachen, Lästern oder Mitmachen.


Viele Grüße von

Marcus

Tolle Aufnahmen!
ich bin neu hier, alles bewundernswert für mich :)
Titel: Re: Fluoreszenz im Haushalt
Beitrag von: Marcus_S am Mai 26, 2020, 23:42:34 Nachmittag
Moin!

Ich mache hier mal weiter mit meiner Werbe- und Verkaufsveranstaltung für das Ethacridinlacat ;-)

Mal die Färbewirkung etwas genauer dokumentieren: Ausstrich eines Zaziki-Quarks, nach den Inhaltsstoffangaben mit Joghurt. Dann sollten ja auch Milchsäurebakterien zu finden sein. Los geht's.

Ausstrich des Zaziki-Quarks auf schlecht geputztem Objektträger, lufttrocknen gelassen, über der Feuerzeugflamme hitzefixiert. Mit einem Tropfen der o. g. Ethacridinlactatlösung beträufelt, ca. 1 min gefärbt. Mit Leitungswasser gespült, in Glycerin eingedeckt, beäugt. Für total überfärbt und nicht gut genug gespült befunden. Deckglas wieder abgenommen, nochmals erheblich gründlicher gewaschen. Neues Deckglas aufgelegt (diesmal auf den Wasserfilm), beguckt und geknipst.

100 W Halogen, Auflicht-Breitbandblauanregung, alles Licht zur Kamera, Kamera diesmal wegen der kleineren Pixel in schwarzweiß, also mit der ASI 178 MM. Kamera an Pentacon 1,8/50 auf dem Trinotubus, als Objektiv ein recht hübsches 20x/0,75. Belichtungszeit 100 ms bei sehr geringer Verstärkung (Gain 5, Bereich geht bis 510), 8 bit "Farb"tiefe. Fokussiert per Auge am Monitor. Gezeigt ist ein Ausschnitt aus dem Originalbild (rund 1/6 des Bildfeldes), leicht mit einer unscharfen Maske und zarten Korrekturen am Histogramm mit Fitswork aufgehübscht.

Was sieht man? Grün. Viel sehr helles einheitliches Grün, deshalb reicht auch die empfindlichere SW-Kamera, bunt ist da völlig unnötig.
Das Ethacridinlactat zieht offensichtlich heftig gut auf (Milch-)Proteinaggregate (die großen, körnig-wolkigen Strukturen) auf und macht auch vor den Milchsäure(?)bakterien nicht halt. Diese sind allüberall als deutlich hellere grünliche bis annähernd gelbgrünliche, scharfe begrenzte, längliche, teilweise auch zu Paaren oder kurzen Ketten zusammengelagerten Pünktchen zu erkennen, oft im Proteingerüst vergraben.
Interessant aber, daß die Öl- oder Fetttröpfchen ungefärbt blieben. Die glimmen nur matt, ziemlich eindeutig beleuchtet durch das grelle Fluoreszenzlicht des Proteingerüsts drumherum. Da hätte ich mir von dem "Eth" im Ethacridin mehr erwartet.

Ich muß beim Einkaufen mal an Hefe denken...


Viele Grüße von

Marcus





P.S. benj222, dankeschön für die Komplimente!
Titel: Re: Fluoreszenz im Haushalt
Beitrag von: Marcus_S am Mai 27, 2020, 22:32:12 Nachmittag

Moin Bob,

genau, das mit der Bekömmlichkeit ist ein Teil des Antriebs dieser Spielchen. Daneben die legale und einfache Beschaffbarkeit (also letztlich die Gesetzeslage, weiter will ich das hier ausdrücklich nicht ausführen), als Drittes die Mords-Sauerei, die Farbstoffe anrichten können. Wer öfter mit einschlägigen Farbstoffen in Pulverform zu tun hat, der wundert sich irgendwann nicht mehr, wenn er auch beim dritten Putzen noch immer bunte Schlieren auf dem Lappen hat. Und wenn schon Sauerei, dann wenigstens nicht ganz so fürchterlich giftige. Zumindest nicht zu Hause im Wohnzimmer. Auch wenn man ggf. von Berufs wegen mit so einem Zeug umgehen kann oder können sollte.

Natürlich soll man auch z. B. Ethacridinlactat nicht fingerdick aufs Butterbrot streuen, aber als freiverkäufliches Arzneimittel für äußerliche Anwendung sollte eine versehentliche Berührung kleiner Krümel zwar zu Flecken, aber nicht unmittelbar zum sofortigen Ableben des Experimentators führen. So meine Annahme und meine Hoffnung.

Und natürlich gibt es leistungsfähigere Farbstoffe, dann sollte man sich aber genau überlegen was man da gerade macht. Aber schön bunt sind die ja...

Ich mache mal noch ein wenig weiter, vielleicht kommt ja noch mehr Lohnendes bei der Sache rum. Das Ethacridin (jaja, ich nerve damit...) macht sich ja schon mal nicht so ganz schlecht.



Moin Florian,

dankeschön für den Hinweis, das spart mir längere Recherche. Vor Citronensäureestern habe ich so ganz allgemein erstmal keine Angst. Und wenn das Zeug nicht funzelt, dann kann man es noch immer als Weichmacher in sein Eindeckmittel einrühren...
Morgen komme ich vielleicht endlich dazu, einzukaufen. Und dann sehe ich zu, daß ich Riboflavin aus dem Backzutatenregal erbeute.



Viele Grüße von

Marcus
Titel: Re: Fluoreszenz im Haushalt
Beitrag von: d65 am Juni 01, 2020, 17:58:57 Nachmittag
Aescin
das ist von Deiner Liste mein Favorit, mindestens von der Beschaffung. Kastanien erkenne ich auch, wachsen oft in Biergärten. Saison für Triebe ist fast vorbei (?), aber für einen Versuch mag es noch gehen? Nur die Strukturformel sieht mir etwas zu wenig Pi-elektronisch aus, fluoresziert das tatsächlich? Und reicht das dann auch zum Färben?


Hier ist ein Bild dazu: https://de.wikipedia.org/wiki/Aesculin (https://de.wikipedia.org/wiki/Aesculin). Sieht aus, als ob das ganz gut reinknallt.

Außerdem angehängt ein Auszug aus "Max Haitinger:Fluorescenz-Mikroskopie. Ihre Anwendung in der Histologie und Chemie. 1938, Akadamische Verlagsgesellschaft Leipzig. Darin erwähnt als pflanzliche Quellen für "Fluorochrome":
Schöllkraut (Chelidonium majus)
Rhabarber-Arten (Rheum)
Rosskastanie (Aesculus hippocastanum)
Gemeine Esche (Fraxinus excelsior)
Chlorophyll

Wenn ich mir meine Finger anschaue nachdem ich die Tomatenpflanzen ausgegeizt habe möchte ich vermuten, das deren Saft auch irgendwas fluorescent färbt. Mindestens meine Finger. Hab aber noch nicht überprüft ob es wirklich fluorescent ist.

Liebe Grüße
Steffen
Titel: Re: Fluoreszenz im Haushalt
Beitrag von: Marcus_S am Juni 02, 2020, 23:18:37 Nachmittag
Moin Steffen,

vielen Dank für Deine Anregung und die Mühe, die Du Dir gemacht hast. Und den Schubser habe ich aufgenommen - ich bin dann heute in den Park spaziert und habe die Kastanie um ein Blatt angebettelt. Dann die Rasierklinge entrostet und die erstaunlich bockigen Blattstiele in Scheibchen geschnitten, die Scheibchen in Leitungswasser eingedeckt. Und dann mit 100 W Halogen-Auflicht auto-fluoresziert, um das Aesculin zu suchen.

Naja, im UV kam nicht mehr so viel, da wird die Halogenleuchte doch etwas müde, zumal mit der 2000 h-Lampe. Also die SW-Kamera auf 2*2 Binning eingestellt, ein wenig die Verstärkung raufgekurbelt und mit dem 10x/0,3 in Breitbandgrün-, Superbreitbandblau- und Schmalband-UV-Anregung geknipst. In UV dann doch 1,5 s belichtet, alle anderen deutlich kürzer. Die Kamera bekam dann aber alles Licht.

Und weil Fluoreszenzbilder hübsch bunt sein müssen und das wegen der SW-Kamera ja schwierig ist, da habe ich mit Fitswork gespielt und ein absonderliches Falschfarbenbild gebastelt: Rotkanal ist das Licht, das bei UV-Anregung emittiert wird, Emission der Grünanregung auf Grünkanal, Emission der Blauanregung auf Blaukanal. Bild verkleinert, etwas beschnitten, ungeschärft, nur etwas am Histogramm gedreht.

In das Bild muß man sich dann erstmal ein wenig eindenken. Ich behaupte mal: die hellblauen Punkte sind die Chloroplasten (denn die emittieren ja hell bei Blauanregung), die Leitbündel fluoreszieren hell bei Blauanregung und bei UV-Anregung und erscheinen deshalb violett und die hellroten Tupfen fluoreszieren in UV-Anregung (die ja auf dem Rotkanal liegt) hellblau. Und das könnte ja das Aesculin sein, wenn denn der Blattstiel Aesculin enthält. Die Fluoreszenz ist jedenfalls ziemlich heftig. Im unbeleuchteten Zimmer derart hell im Okular, daß man zur Lokalisation sogar ein klein wenig Durchlicht zumischen kann und dann im dunklen Hellfeld-Durchlicht die hellblau glimmenden Zellen erkennen kann. Trotz Halogen und UV.

Ich hätte natürlich auch die Kanäle anders kombinieren können, also das Emissions-R->R, G->G, B->B, aber dann verschmelzen das grüne und rote Fluoreszenzlicht und gaukeln eine gold-orangefarbene Fluoreszenz vor, die nicht zu beobachten ist. So wird der Außenbreich schön schmutzig flaschengrün und zeigt an, daß da was bei Blau- und bei Grünanregung fluoresziert.

Nur - wenn die roten Tupfen das Aesculin anzeigen - warum ist das Zeug nur in einigen Zellen konzentriert und warum sehen die im Hellfeld absolut langweilig und unschuldig aus? Mit dem Isolieren des Aesculins aus Blattstielen wird das wohl eher schwierig, die einzelnen Zellen raussammeln... Vielleicht muß ich die Kastanie nochmal um ein Zweiglein fragen und dann die Rinde auskochen, so wie in Deinem Rezept...

Ich forsche weiter...


Viele Grüße von

Marcus
Titel: Re: Fluoreszenz im Haushalt
Beitrag von: Marcus_S am Juni 14, 2020, 01:36:49 Vormittag
Moin!

Da die neue UV-LED-Beleuchtung noch weiter bespielt werden wollte, brauchte es Material. Da fand sich glücklicherweise im Kühlschrank noch ein zwei Tage alter "Stengel" einer abgeblühten "Kerze" einer Roßkastanie (irgendwann werde ich auch mal ergründen, wie das richtig heißt). Rasierklinge gezückt und los.

Das Wasser, in dem sich die Schnitte tummelten, färbte sich ziemlich schnell hellorange. An einem viel zu dicken Schnitt (ich sollte mir mal wieder eine neue Rasierklinge gönnen) durfte sich die UV-LED-Beleuchtung austoben. Und man kann sagen: in den "Kerzen" ist fluoreszenzmäßig deutlich mehr los als in den langweiligen Blattstielen. Mit der UV-LED reichte es sogar zur (matten) Übersichtsbetrachtung und -fotografie mit einem 5x/0,1, wahrlich nicht der Lichtriese. Bei höheren Vergrößerungen und/oder Aperturen wurde das Bild flauer, wahrscheinlich wegen des überall aus den angeschnittenen Zellen austretenden und herumdiffundierenden Aesculins. Für ein im Kontrast etwas aufgehübschtes und leicht geschärftes Bildchen mit dem 10x/0,3 und der ASI178MM hat es aber gereicht.

Das Aesculin störte eigentlich nur das ansonsten hübsche Bild, zog aber leider nicht auf andere Gewebeteile auf. Schade, denn das wäre eine hübsche Variante der "Autofluoreszenz" gewesen: ein Schnitt färbt sich selbst... Also bleibt als Ergebnis: Kastanie sieht zwar schön aus, das Extrakt scheint aber nicht von übermäßigem Nutzen zum Färben von Pflanzenschnitten zu sein.

Na, ich forsche weiter.


Viele Grüße von

Marcus
Titel: Re: Fluoreszenz im Haushalt
Beitrag von: Marcus_S am Juni 14, 2020, 18:30:04 Nachmittag
Moin!

Auch mein Lieblings-Ethacridin mag meine UV-Wunderlampe...

Deswegen dann noch ein Bildchen. Diesmal in bunt, mit der ASI120MC-S. UV-Diode mit 500 mA betrieben, dafür auch nur ein kleines Objektiv: MPlan 5x/0,1. Also wieder ein Planachromat, der im UV ja eigentlich gar nicht funktionieren kann... Und dann noch bei dieser Apertur...

Ein Ahornblattstiel mit einer neuen (!) Rasierklinge geschnitten und unfixiert auf dem OT mit einem Tropfen Ethacridinlactat gefärbt, ein paarmal mit Leitungswasser ausgewaschen und in Wasser eingedeckt. Zwei Einzelbilder, Belichtungszeit 200 ms, Gain 50 (von 100), für jedes Einzelbild dazu direkt in FireCapture 10 Rohbilder gemittelt (es gibt da so ein hübsches Schieberchen...). Die beiden Einzelbilder mit Microsoft ICE zusammengebastelt, mit Fitswork leicht unscharfmaskiert und leicht im Histogramm bearbeitet. Auf Forum-Maße (etwa 80%) verkleinert. Fertig.

Die richtig knackige Schärfe hat das Bild leider nicht, das wird an der Kamera und an der Anpassung liegen. Aufgrund der recht großen Pixel sind das bei diesem Aufbau gerade mal etwa 2,3 geometrische Pixel pro Airy-Scheibchen, also doch etwas wenig und da ist der Effekt der Bayer-Maske noch nicht mal mit einberechnet.

Etwas schade nur: in diesem Übersichtsbildchen gehen die hübschen Farbschattierungen der sehr intensiven Fluoreszenz, die von gelblich grasgrün (Cuticula, nur bei höherer Vergrößerung gut erkennbar) über fahl gespenstisch grüngrünblau bis zu schwach dunkelgrün reichen, ein wenig verloren. Ansonsten gibt das Bild  aber recht gut den Farbeindruck im Okular wieder. Und ja, der Fussel hätte wirklich nicht sein müssen...


Viele Grüße von

Marcus

Titel: Re: Fluoreszenz im Haushalt
Beitrag von: jochen53 am Juli 07, 2020, 16:56:10 Nachmittag
Hallo,
mir fallen da ganz spontan die Textmarker ein, in den gelben ist Pyranin enthalten, das wird auch zur Verfolgung von Grundwasserströmen verwendet und ist ökologisch einwandfrei. Es fluoresziert am besten bei Anregung mit 366 nm, aber die billigen UV-Lampen mit 395 nm gehen genauso. Es fluoresziert nur gut im leicht alkalischen pH-Bereich. Man bekommt auch andere UV-Fluoreszenzfarbstoffe zu kaufen, z.B. für Partys oder zum Geo-Caching. Im Bürobedarfshandel gibt es Filzstifte zur unsichtbaren Markierung von Geldscheinen und Schriftstücken, da ist ein wasserlöslicher Uvitex-Fluoreszenzfarbstoff drin, der bei Tageslicht farblos und bei Anregung mit 366 nm hellblau leuchtet. Diese Typen werden auch als sog. optische Aufheller in Waschmitteln und im weißen Schreibpapier verwendet.
Öl- und fettlösliche Fluoreszenzfarbstoffe gibt es z.B. als Lecksuch-Farbstoffe für Motoren- Hydraukik- und Getriebeöle, ein Handelsname ist Fluorescent Yellow 131 SC.

Viele Grüße, Jochen.
Titel: Re: Fluoreszenz im Haushalt
Beitrag von: Marcus_S am Juli 07, 2020, 19:27:41 Nachmittag
Moin Jochen!

Ohhh, hier liest noch jemand mit... Dann muß ich hier ja auch noch mal weitermachen, ich dachte, es interessiert niemanden so wirklich.

Dankeschön für die ausführlichen Anregungen. Weil der gute Tip mit den Textmarkern auch ziemlich zu Anfang einmal von Florian kam - ich sag's mal so: nein, aus einem ganz banalen und sehr gewichtigen Grund kann und werde ich Textmarker hier (leider) nicht mit einbeziehen.

Aber die Anregungen mit dem Geo-Caching und dem Geldscheinprüfstift finde ich umso interessanter. Geldprüfstift, weil mir ja die 365 nm-UV-Anregung mittlerweile auch möglich ist. Da werde ich mich mal umtun. Ist vielleicht auch einfacher als die noch immer zu bearbeitenden Lebensmittelfarben: die waren in den drei (!) Supermärkten, in denen ich geguckt habe, ausverkauft!


Viele Grüße von

Marcus
Titel: Re: Fluoreszenz im Haushalt
Beitrag von: Horst Wörmann am Juli 08, 2020, 09:50:13 Vormittag
Hallo Marcus,

na klar, hier wird mitgelesen - weitermachen!
Geldscheinprüfstift: der fluoresziert nicht! Der hinterläßt auf einem echten Schein keine Spur, auf einem selbstgedruckten wird es blaubraun, weil die Stärke im Papier durch das im Stift enthaltene Iod angefärbt wird. Wir Profis drucken auf reines Baumwoll-Banknotenpapier, da reagiert nichts. Das (Euro-)Banknotenpapier selbst fluoresziert nicht, es sei denn, der Schein wurde mal mitgewaschen. Dann zieht der optische Aufheller des Waschmittels auf, und es gibt die blaue Fluoreszenz des Aufhellers bei 365 nm.
Wozu man Banknoten mit einem Stift fluoreszenz-markieren sollte, erschließt sich mir nicht. Kaufen und ausprobieren.

Viele Grüße
Horst
Titel: Re: Fluoreszenz im Haushalt
Beitrag von: jochen53 am Juli 08, 2020, 13:05:48 Nachmittag
Hallo Horst und Marcus,

ich meinte auch gar nicht einen Geldschein-Prüfstift, sondern einen UV-Markierungsstift. Ich habe auch nicht behauptet, daß ein Prüfstift fluoresziert. Es gibt außer der allgemein bekannten Methode mit Ninhydrin so manche Gelegenheit, wo man mit so einem Stift unauffällig, individuell und unsichtbar Gegenstände, Dokumente und auch Banknoten außerhalb der Forensik markieren möchte.

Viele Grüße, Jochen.
Titel: Re: Fluoreszenz im Haushalt
Beitrag von: jochen53 am Juli 08, 2020, 13:18:22 Nachmittag
Hallo Marcus,

aus welchem banalen und sehr gewichtigen Grund möchtest Du nicht mit Textmarkern experimentieren? Das gelbe Pyranin darf z.B. offiziell in Fließgewässern zur Verfolgung von Grundwasserströmungen verwendet werden und besitzt dazu sogar m.W. eine Zulassung, früher hat man dazu das wesenlich weniger effektive Fluorescein-Natriumsalz verwendet. Man muß nicht mal einen ganzen Stift kaufen, es gibt sogar Nachfüllpatronen nur mit der "Tinte".
Eine ganz interessante Beobachtung am Rande, die garantiert nicht mikroskopisch zu verwerten ist:
Ich habe zu einem Dremel-Schleifer einige Schleifeinsätze mit rosa Schleifkörpern. Mit 366 nm habe ich noch nie ein so herrliches Rot gesehen, das muß man einfach mal gesehen haben. Ich kann aber nicht sagen, ob alle rosa Schleifkörper so schön fluoreszieren. Ich vermute, daß das evtl. ein dotiertes Aluminiumoxid ist

Gruß, Jochen
Titel: Re: Fluoreszenz im Haushalt
Beitrag von: Klaus Herrmann am Juli 08, 2020, 16:21:13 Nachmittag
 
Zitat
rosa Schleifkörper so schön fluoreszieren. Ich vermute, daß das evtl. ein dotiertes Aluminiumoxid ist

Hallo Jochen, da fällt mir nur Cr dotiertes Aluoxid ein (Rubin)
Titel: Re: Fluoreszenz im Haushalt
Beitrag von: jochen53 am Juli 08, 2020, 16:37:28 Nachmittag
Hallo Klaus,
ich hatte zwar noch nie die Gelegenheit, einen echten Rubin in Händen zu halten, aber das ist sehr gut möglich, daß das sowas ist, leuchtet der als Edelstein auch so wunderbar im UV?

Jochen
Titel: Re: Fluoreszenz im Haushalt
Beitrag von: Klaus Herrmann am Juli 08, 2020, 17:03:38 Nachmittag
Hallo Jochen.

 Meine Frau hat einen 5 Karäter Rubin geerbt. Wunderbar klare Farbe, richtiges Taubenblut. Ich musste ihr die Illusion mit meiner UV-Lampe zerstören.
Leider fluoresziert nur der untere der beiden kleinen und der ist eindeutig synthetisch, weil aus einem Urwerk. Der Rest ist farbiges Glas. Kann man im Internet billig kaufen. Sogar als "Rubin" bezeichnet.
Titel: Re: Fluoreszenz im Haushalt
Beitrag von: Horst Wörmann am Juli 08, 2020, 21:38:03 Nachmittag
Liebe Fluoreszenzler,

als alter Mikrospektralphotometriker konnte ich es nicht lassen und habe mal die Rubin-Fluoreszenz untersucht.
Kein Wunder, daß das so prächtig leuchtet: es gibt nur eine starke Emissionsbande bei rund 694 nm (egal ob mit 365 ode 470 nm angeregt, Kashas Regel), sonst nichts.

Viele Grüße
Horst
Titel: Re: Fluoreszenz im Haushalt
Beitrag von: Marcus_S am Juli 08, 2020, 21:54:00 Nachmittag
Moin Horst!

Danke für die Meldung, dann mache ich hier weiter und lege nach, wenn auch erstmal als "sneak preview", muß ich noch genauer ausarbeiten, muß ja alles selber machen, es hilft einem ja keiner: Extrakt von quietsch-dunkelrosa Haftnotizzetteln des Originalherstellers in Flächendesinfektionsmittel. Genaueres kommt noch, wenn ich damit ernsthafter gefärbt habe. Aber das es geht, das weiß ich schon, ist schon ausprobiert. Schön orange...



Moin Jochen!

Dankeschön für die Richtigstellung mit dem Markierstift, das hatte ich mißverstanden. Muß mal gucken, wo es solche Markierstifte gibt.

Die Rubinfärbung klingt hübsch, muß mal suchen, wo ich die Edelkorundscheibchen vom Proxxon habe. Vielleicht könnte man das irgendwie als Fluoreszenzhelligkeitsnormal ausschlachten, dann wäre wenigsten irgendein Bezug zur Mikroskopie herbeigezerrt. Aber lustig ist das allemal, dankeschön.



Viele Grüße von

Marcus



Titel: Re: Fluoreszenz im Haushalt
Beitrag von: Klaus Herrmann am Juli 08, 2020, 21:56:52 Nachmittag
Lieber Horst,

die Cr-Bande bei ca 700 nm. Bekommt man auch schön im Zeiss Mikrospektrometer bei kleine Rubinkristallen.
Blöd ist halt dass der synthetische genau so schön fluoresziert. Deshalb habe ich bei den Händlern auf Sri Lanka nix gekauft, auch wenn sie zum Schluss auf die Hälfte des Preises runter gingen. Aber einen schönen Topas aus der Wühlkiste habe ich ergattert, den haben sie falsch eingeschätzt.
Titel: Re: Fluoreszenz im Haushalt
Beitrag von: Horst Wörmann am Juli 09, 2020, 10:09:03 Vormittag
Lieber Klaus,

ja, es ist das Chrom. Die genaue Wellenlänge ist 694,3 nm. Ich habe meinen Rubin nämlich aus einem Rubinlaser-Rubin rausgesägt. Wegen der Härte ließ sich die Scheibe noch nicht mal richtig polieren.

Lieber Marcus,
schon mal Euro-Banknoten probiert?
Am besten bei der ersten Serie die Omron-Ringe ansehen. Da ist nämlich Europium(3+) als fluoreszierender Stoff drauf, der eine schöne rote Bande bei 680 nm erzeugt. Die neue Serie enthält auch Europium, aber "komplizierter komplexiert" und gibt deshalb nur breite Banden. Näheres dazu auf der MKB-Webseite, da sind auch die Spektren zu finden: http://www.mikroskopie-bonn.de/bibliothek/weitere_themen/227.html
War schon eine tolle Idee: Europium auf Euro-Banknoten!

Viele Grüße aus Bonn
Horst

Titel: Re: Fluoreszenz im Haushalt
Beitrag von: Marcus_S am Juli 10, 2020, 21:57:54 Nachmittag
Moin Horst!

Nun habe ich die ganze Mikroskop-Mascheng auf "Bio" umgeschraubt und nun kommen wieder Materialproben...  ;-)  Und eigentlich will ich hier ja nicht alles aus dem Haushalt unter das Mikroskop zerren, sondern haushaltsübliches Zeug nutzen oder auspressen oder so und damit fluorochromieren...

Aber dann habe ich Deinen Artikel einmal in Ruhe beim Kaffeetrinken gelesen. Ich mag den, ich finde den sehr inspirierend. Und der dokumentiert sehr schön (finde ich), daß in vielen unscheinbaren Alltagsprodukten erlesene Materialien, die hochinteressante Effekte verursachen, genutzt werden.

Und da das Auflicht-10er ja immer gerüstet ist, habe ich die letzten mir verbliebenen Geldscheine mal schnell beguckt - die Ringe fluoreszieren auf all meinen Scheinen bei 365 nm-Halogen-Anregung matt grün. Bei Superbreitbandblau dafür aber das Geldscheinpapier schön hellgrün und bei Breitbandgrün hellorange. Geldwäsche? Abbauwürdige Europiumvorkommen kann ich leider nicht nachweisen, schade. Werde ich aber im Auge behalten, falls ich mal alte Scheine in die Hände bekomme. Und wer weiß, vielleicht gibt ja es bald eine neue Geldscheinserie, ohne England...




Aber nun zurück zu den Haushaltsfluorochromen, nach der Notizzettel-Vorschau von neulich muß ich ja liefern, hier also die Langfassung:

Man nehme ein kleines verschließbares Gefäß und zwei dieser dunkelrosafarbigen Haftnotizzettel, in diesem Experiment die des Originalherstellers. Der Haftkleberrand wird sicherheitshalber abgeschnitten und die Zettel werden locker zusamengefaltet in das Töpfchen gegeben, als Extraktionsmittel dazu etwa 10 ml eines Flächendesinfektionsmittels (hat man derzeit ja sowieso im Haus...). Hier ist allerdings wichtig: je propanolhaltiger, desto besser. Rein ethanolische Mittelchen extrahieren den Farbstoff nicht so besonders gut. Gefäß verschließen und gelegentlich umschütteln. Dann irgendwann nach einigen Stunden Papiere entnehmen und verwerfen und mit der zurückbleibenden, deutlich himbeerroten alkoholischen Färbelösung färben.

Oder man könnte sicherlich auch die ganze alkoholische Lösung eindunsten lassen und den Farbstoff in Wasser aufnehmen.

Oder als hier ausprobierte Methode einen Tropfen der alkoholischen Farbstofflösung vor dem Färben auf dem OT eintrocknen lassen und einen Tropfen Wasser draufgeben, dann löst sich der Farbstoff in ausreichender Konzentration im Wasser und man kann die Schnitte in dem Tropfen auf dem OT färben. Und wie nennt man das? Ich sag' mal RZE-Färbung, also rosa-Zettel-Extrakt...

Ein Papiertaschentuchschnipsel, durch Auftupfen eines winzigen Tropfens RZE stellenweise rosa gefärbt und in etwas Wasser eingedeckt fluoresziert dann bei Superbreitbandblauanregung matt grün, bei Grünanregung brutal hell orange. Es sollte mich also nicht wundern, wenn der so gewonnene Farbstoff irgendwas aus der Rhodamin-Ecke ist (erstes Bild: Breitbandgrün, 100 ms belichtet, zweites Bild: Superbreitbandblau, 100 ms belichtet, beide Bilder identisch ver-fitsworkt).

Ein schnell geschnippeltes Scheibchen von meinem fixierten Vorrats-Efeublattstiel nach der oben beschriebenen Tropfen-eintrockenen-lassen-faule-Leute Methode mit der Hälfte eines an einer Präpariernadel hängenbleibenden Tröpfchens, aufgenommen in einem Tropfen Leitungswasser etwa 30 Sekunden lang gefärbt,  Färbelösung abgesaugt, ein Tropfen frisches Wasser drauf, Deckel drauf, geknipst. Zum Vergleich ein ungefärbter Schnitt aus der selben Schnittserie, eingedeckt nur in Wasser. Alle Efeu-Bilder sind mit gleicher Lampenhelligkeit und gleicher Kameraverstärkung und ungefähr gleicher "Histogrammaussteuerung" mit einem 10x/0,3 aufgenommen worden, allerdings mit unterschiedlicher Belichtungszeit: 35 ms gefärbt, 500 ms ungefärbt... Mit Fitswork auf ein Viertel verkleinert und in jpg umgewandelt, ansonsten vollständig unbearbeitet, die vier Bildchen alle identisch im Histogramm auf den vollen Wertebereich von 14 bit Graustufen skaliert und dann als jpg gespeichert.

Viel Spaß!


Viele Grüße von

Marcus

Titel: Re: Fluoreszenz im Haushalt
Beitrag von: witweb am Juli 11, 2020, 17:32:59 Nachmittag
Hallo Marcus,

ich verfolge deine "Fluoreszenz im Haushalt" schon eine Weile und bin ausgesprochen begeistert. Mit einfachen Mittel solche tollen Ergebnisse und Erkenntnisse zu erzielen - das gefällt mir sehr und ist zudem wirklich "anregend".
Vielleicht habe ich es irgendwo übersehen, aber kannst du mal kurz dein Equipment beschreiben?

Viele Grüße

Michael

Titel: Re: Fluoreszenz im Haushalt
Beitrag von: Marcus_S am Juli 12, 2020, 19:00:15 Nachmittag
Moin Michael,

vielen Dank für Deine netten, anerkennenden Worte! Wenn ich tatsächlich ein paar Anregungen verströmen kann, dann freut mich das sehr.


Mein Mikroskopgeraffel habe ich bisher ganz bewußt nur gerade so weit beschrieben, wie ich es für diese Spielchen für wirklich relevant halte, denn ich möchte die Experimente nicht auf ein speziell ausgerüstetes Mikroskop bezogen wissen. Und ich möchte versuchen, nicht mit vielleicht abschreckend wirkenden Darstellungen der Ausrüstung von den etwas ungewöhnlicheren Fluorochromen abzulenken. Wenn Du mich aber so direkt fragst, dann muß ich ja zumindest was dazu andeuten. Also:

Ich hantiere mit einem hübschen, kleinen, etwa volljährigen und mit ein wenig Zubehör ziemlich universell ausgerüsteten Olympus. Mit einer (zugegeben) mittlerweile recht ansprechend mit Fluoreszenzfilterwürfeln (Schmalband-UV, Superbreitband-B, Breitband-G) bestückten Universal-Auflichtachse. Gelegentlich schubse ich noch einen engeren Blaufilter (450 nm - 490 nm) zusätzlich in den Strahlengang, wenn mir die Blauanregung "untenrum" zu breitbandig ist. Beleuchtet wird im Auflicht mit 100 W Halogen oder einer selbstgebastelten UV-LED-Lampe. Geguckt wird, je nach Anwendung, mit einem bunten Mix aus Auflicht- oder Durchlichtobjektiven, mal mit, mal ohne PhaKo, mehrheitlich mit Planachromaten und wenigen noch etwas hübscheren Objektiven. Und in einer etwas abgedunkelten Ecke eines sonnendurchfluteten Zimmers mit groooßem Südfenster...

Die Kameraanpassung der (wegen ihrer Vielseitigkeit meistens verwendeten SW-) Astrokamera ist zurechtgestümpert, die Optikexperten werden sich gruseln: ein mit selbstgedrehten Adaptern angeflanschtes 55 mm-Fotoobjektiv zwischen Trinotubus und Kamera verkürzt die Brennweite der Tubuslinse und das ergibt einen Verkleinerungsfaktor von 0,45 und damit ein für meine Bedürfnisse ausreichendes Bildfeld und eine recht ordentliche Anpassung der Kamerapixelgröße an die Objektivauflösung. Die Lösung ist sicher nicht elegant, ich finde die aber unglaublich bequem. Zumal ich nur alte Spiegelreflexen habe, bei denen mich das Speicherkartenspielchen nervt und der Fotorüssel auch ziemlich hoch baut und die Kameras haben kein Schwenkdisplay und ich habe keine Trittleiter...

Für die ganze Bildermacherei verwende ich Freeware: FireCapture zum Bilder/Videos aufnehmen, Fitswork zum Bearbeiten (in seltenen Fällen auch Registax oder imPPG) und dann und wann Picolay zum Stacken. Was ist eigentlich dieses Photoshop? ;-)

So, nun isses raus. Hilft Dir das ein wenig weiter?


Aber: auch wenn die Maschinerie sicher eine recht hübsche ist - wer mit seinem Mikroskop (natürlich nicht in der prallen Sonne) irgendwie Autofluoreszenzen von Grünzeug erkennen kann, der kann das hier beschriebene Zeug auch nachmachen. Alles hier Beschriebene ist in einer etwas abgedunkelten Zimmerecke problemlos mit älteren Augen sichtbar.

Und wenn es denn hier schon um das benutzte Gerät geht - mag irgendjemand mit einem anderen Mikroskop, beispielsweise einem "Standard" mit Auflichtfluoreszenz, mal irgendwas "nachkochen" und hier zeigen? Das fände ich zum Abschätzen des Möglichen überaus interessant.


Viele Grüße von

Marcus

Titel: Re: Fluoreszenz im Haushalt
Beitrag von: Marcus_S am Juli 12, 2020, 19:11:10 Nachmittag
Moin!

Da ich noch Schnittchen von der RZE-Färbung übrig hatte, da habe ich aus Spaß schnell mal ein bißchen rumprobiert. Und so präsentiere ich die


VWM-RZE-Doppelfärbung ;-)

Einen zwei Tage gewässerten fixierten Schnitt des Efeublattstiels erst etwa 30 Sekunden in dem eingetrockneten und in einem Tropfen Wasser aufgenommenen alkoholischen Vollwaschmittelextrakt gefärbt, mit drei Tropfen Wasser ausgewaschen, das Waschwasser abgesaugt. Gegengefärbt etwa 30 Sekunden mit einem halben Tropfen RZE in einem Tropfen Wasser, zweimal mit je zwei Tropfen Wasser ausgewaschen. Deckel drauf, beguckt mit dem 10x/0,3 in Auflichtfluoreszenz.

Mit Breitbandblauanregung mittels 100 W Halogen ergibt sich ein wunderhübsches, zart abgestuftes Spektrum der Farben grün über grüngelb über gelb bis goldgelb, das kann die Kamera (diesmal die hierfür viel zu grobpixelige ASI 120) nicht wirklich wiedergeben.
Mit der 365 nm-LED-Beleuchtung bei 500 mA gibt es einen interessanten Kontrast von gespenstisch dunkelblau und fahlblaßblau zu lachsorange, naja, die Farbkombination muß man mögen... Und wenn man die Vorhänge zuzieht und das Licht ausknipst, dann geht das mit etwas mehr Apertur sogar schon mit Halogen-UV...
Und: der Kontrollschnitt (hier nicht gezeigt) zeigt eine viel- und andersfarbige, viel schwächere Autofluoreszenz, irgendwas ist da also auf den Efeu aufgezogen.

Bilder wie immer aufgenommen: Verstärkung moderat, Belichtung so eingeregelt, daß das Histogramm gerade nicht übersteuert war. In Fitswork ein wenig unscharf maskiert, etwas (nicht viel!) mehr als sonst am Histogramm herumgezerrt, beim Blauanregungsbild ein wenig an der Farbbalance justiert, auf 75% verkleinert und zart geschärft.

Die beiden Bilder zeigen dasselbe Präparat, das UV-Bild zeigt das Leitbündel, das im Blaubild unten angeschnitten dargestellt ist. Mach' ich nächstes Mal besser. Und das Präparat ist mit RZE völlig überfärbt, das guckt man sich besser nicht mit Grünanregung an, dann war's das mit der Dunkeladaption...


Nochmal Grüße von

Marcus
Titel: Re: Fluoreszenz im Haushalt
Beitrag von: witweb am Juli 13, 2020, 16:08:17 Nachmittag
Hallo Marcus,

ich danke dir für die Infos.
Ich hatte gefragt, weil ich schon seit einiger Zeit mit dem Gedanken spiele, mich mit dem Thema Fluoreszenz zu beschäftigen. Als absoluter Einsteiger. Im Moment gibt mein Equipment das nicht her, deshalb die Frage, was du verwendest. Du bist da ja gut aufgestellt. Ich habe noch keine genauen Vorstellungen, wo man, von der Ausrüstung her, anfangen könnte. Was ich aber schon gesehen habe, nach oben gibt es wohl keine Grenzen... :)
Ich werde deine Beiträge jedenfalls mit großem Interesse weiter verfolgen.

Viele Grüße

Michael
 
   
Titel: Re: Fluoreszenz im Haushalt
Beitrag von: Marcus_S am Juli 26, 2020, 21:20:50 Nachmittag
Moin Michael,

besser eine späte Antwort als gar keine Antwort...

Wenn Du mit dem Gedanken spielst, zu fluoreszieren ;-) , dann möchte ich Dich ausdrücklich bestärken. Ich finde es ungeheuer spaßig und auch sogar oftmals nützlich. Und das bunte Licht hat sowas mysthisch-Wissenschaftliches. Ob man's braucht - was braucht man schon. Aber im Ernst: ich denke, Auflichtfluoreszenz ist für die verschiedensten Anwendungen, auch im Materialbereich, eine wunderbare Ergänzung der Kontrastierungsmöglichkeiten.

Durch die LEDs war das sicher noch nie so einfach und so billig wie heute, zumal es zumindest für ein Zeiss Standard aus den einschlägigen Gebrauchtquellen fertig bestückte Auflichtachsen gibt, an die man recht einfach eine LED anknoten kann. Und wenn man die Behausung für die LED nicht im heimischen Keller basteln kann, dann gibt es heutzutage einige FabLabs, in denen meistens auch eine Drehmaschine vorhanden ist.

Wenn die Objekte stillhalten, dann kann man definitv beim Dokumentieren durch Verlängern der Belichtungszeit was rauskitzeln, dann tun es für Blau- und Grünanregung auch Achromate. Bei sich bewegenden Objekten (wie frei herumschwimmenden fluorochromierten Tümpeltierchen) hilft nach meiner überaus begrenzten Erfahrung allerdings tatsächlich nur eine mehr oder weniger brutale Materialschlacht. Und ich denke, da kommt man auch mit aktuellem, fabrikfrischen Gerät recht schnell an die Grenzen.



Bei dieser Gelegenheit aber mal wieder ein dummer, unausgegorener Gedanke. Zwar kein neues Fluorochrom (ich muß erst einkaufen gehen), nur eine Anwendung.

Wenn man das VWM-Extrakt auf eine Oberfläche aufziehen läßt oder, wenn es nicht aufziehen mag, einfach darauf eintrocknen läßt, dann sollte man doch sowas wie die Oberflächentopographie darstellen können. Der Tensidschlubber aus dem Extrakt sollte hier zur guten Benetzung sogar hilfreich sein und sollte außerdem wirkungsvoll die Bildung irgendwelcher Kriställchen verhindern.

Im Anhang also mal drei Bildchen von Diatomeenerde, technische Qualität unbekannter Herkunft, "frisch gewaschen". Also mit einem Tropfen VWM-Extrakt auf dem OT zu einem Brei angerührt, mit zwei Tropfen 70% Brennspiritus verdünnt und mit einer flach gehaltenen Präpariernadel über den Objektträger ausgestrichen. Nach dem Trocknen an der Luft beguckt mit Auflichtobjektiven: 10x/0,3 und 50x/0,75, natürlich ohne Deckglas. Anregung mit 365 nm-LED (500 mA) + Filterblock in Auflicht.

Aufnahme der sehr hellen, einfarbig hellblauen Fluoreszenz mit der ASI178MM. Man muß aber schon ein wenig hinne machen, da die LED doch recht kräftig an dem Präparat herumbleicht. Belichtungszeit so etwa 100 ms, Aperturblende aber etwas zugezogen, da die 500 mA Diodenstrom ein viel zu helles Bild ergaben. Histogramm zu etwa 70% ausgesteuert, Kameraverstärkung so um 5%, Einzelbilder (1, 2) oder mal eben schnell handgestackt (3).

Was sieht man da? Im Okular wieder mal mehr als im Bild. Vergammelte Kieselalgen, aber darum geht es hier ja nicht, hatte nichts Anderes. Das ganze Porensystem der Kieselalgen kommt sehr hübsch heraus, ohne häßliche Brechungseffekte. Unklar ist mir noch, warum einige Poren so stark fluoreszieren, vielleicht ist da besonders viel VWM-Extrakt kapillar aufgenommen worden. Dafür müßten röhrenartige Probenregionen oder Innenkanten ja besonders empfindlich sein. Irgendwann mal in Ruhe ausarbeiten... Grundsätzlich neu ist die Sache natürlich wieder mal nicht, ist ja eigentlich nur eine alberne Abwandlung der Farbeindringprüfung zur Rißerkennung aus der Materialkunde. Und das funktioniert natürlich auch mit anderen Fluorochromen, ganz sicher.

Und man müßte ja eigentlich mal weiterspielen - abseits von den Haushaltsfluorochromen - einen fettlöslichen Fluoreszenzfarbstoff in einem flüchtigen Lösemittel lösen, auf eine (Diatomeen-) Oberfläche "Auftrocknen" und dann in Glycerin eindeckeln und in AL-Fluoreszenz mit höheraperturigen Objektiven begucken. Damit könnte man ja vielleicht auch opake kleine Partikelchen topographieren...


Viele Grüße von

Marcus





Bild 1
Übersicht_Diatomeenerde_VWM_UV_10x_155941_0000_5.jpg
Objektiv 10x/0,3,
Einzelbild, Bild verkleinert auf 50%, beschnitten, im Kontrast aufgebürstet
etwa 1,1 µm/Pixel

Bild 2
Kieselalge_VWM_UV_50x_14_153046_0000_4.jpg
Objektiv 50x/0,75
Einzelbild in Originalgröße, beschnitten, leicht geschärft, Kontrast aufgehübscht
etwa 0,1 µm/Pixel

Bild 3
Kieselalge_VWM_UV_50x_13_pystkd_sup1_5.jpg
Objektiv 50x/0,75
gestackt in den Standardeinstellungen mit dem aktuellsten Picolay
verkleinert auf 66,6%, beschnitten, im Kontrast optimiert
etwa 0,16 µm/pixel

Titel: Re: Fluoreszenz im Haushalt
Beitrag von: witweb am Juli 27, 2020, 13:58:38 Nachmittag
Hallo Marcus,

ja, das Thema interessiert mich schon. Schließt sich ja, vom optischen Eindruck der Bilder her, an die Pol-Fotografie an. ;)
Außerdem auch fachlich/inhaltlich sehr interessant. Mein Standard 18 werde ich wohl nicht umbauen, dafür müsste dann etwas anderes her. Im Moment könnte ich aber den Vorschlägen von Jürgen folgen, der 2018 mal tolle Ideen hier im Forum gezeigt hat: Auflicht-und Simultan-Fluoreszenz mit einer 3 W UV LED-Taschenlampe (http://Auflicht-und Simultan-Fluoreszenz mit einer 3 W UV LED-Taschenlampe). Das "Equipment" habe ich und auch schon mal etwas rumprobiert. Sollte gehen! Im Moment habe ich aber noch ein paar andere Sache in der Pipeline. Aber dann...

Mit VWM meinst du Vollwaschmittel bzw. Vollwaschmittel-Extrakt? Was genau?
Auf jeden Fall interessante Ergebnisse mit den Diatomeen! Das ist sicher noch ausbaufähig.

Beste Grüße

Michael





 
Titel: Re: Fluoreszenz im Haushalt
Beitrag von: Klaus Herrmann am Juli 27, 2020, 19:44:27 Nachmittag
Lieber Michael

, solltest du Fluoreszenzfarbstoffe benötigen, dann brauchst du nicht auf Vollwaschmittel zurück zu gereifen. Frag einfach mich- ;)
Titel: Re: Fluoreszenz im Haushalt
Beitrag von: witweb am Juli 28, 2020, 07:56:24 Vormittag
Lieber Klaus,
auf dein Angebote komme ich bestimmt zurück. Aber - kann ich mit deinen Fluoreszenzfarbstoffen auch waschen?
Herzliche Grüße
Michael
Titel: Re: Fluoreszenz im Haushalt
Beitrag von: Peter V. am Juli 28, 2020, 09:25:46 Vormittag
Hallo,

Lieber Klaus,
auf dein Angebote komme ich bestimmt zurück. Aber - kann ich mit deinen Fluoreszenzfarbstoffen auch waschen?
Herzliche Grüße
Michael

Natürlich! Habe letztens noch eine Hose (http://spacetribe.de/img/galery/hosen/spacetribe-schwarzlicht-neon-hosen-schlaghose-pink-dragonfly.jpg) mit Klaus' Farben gewaschen!

Hezrliche Grüße
Peter
Titel: Re: Fluoreszenz im Haushalt
Beitrag von: Marcus_S am Juli 28, 2020, 10:14:16 Vormittag
Moin Michael,

wegen des VWM-Extraktes, da zitiere ich mich mal selbst aus dem ersten Beitrag... ;-)

"Den dritten Schnitt habe ich mit einem halben Tropfen eines alkoholischen Extrakts eines Vollwaschmittels behandelt. Auf diese Weise hoffte ich, an die fluoreszierenden optischen Aufheller zu gelangen, auch wenn ich noch sonstigen Kram mit extrahiert würde. Dazu habe ich - wieder streng wissenschaftlich - drei Teelöffel Vollwaschmittel (Tandil) mit 50 ml Brennspiritus vermischt, etwa eine Stunde lang hin und wieder geschüttelt, sedimentieren gelassen und von dem noch immer leicht trüben Überstand zum Färben einen kleinen Tropfen entnommen, diesen mit einem Tropfen Leitungswasser verdünnt und den Schnitt in dieser Lösung auf dem OT gefärbt. Einmal ausgewaschen und in Glycerin eingedeckt."


Fluoreszenzanregung in Auflicht-Dunkelfeld ist sicher auch elegant, habe ich aber nie ausprobiert. Da werden die Anforderungen an die Filter wahrscheinlich nicht ganz so hoch sein, die Anregungsintensität dafür aber wahrscheinlich auch nicht. Und bei UV-Anregung wäre ich mit dem Streulicht sehr vorsichtig. AL-DF-Anregung ist für mich allerdings nicht ganz so attraktiv, weil ich ja den Luxus der Auflichtachse genießen kann.

Wenn Du mit Fluoreszenzanregung bastelnd tätig werden willst, dann könnte es möglicherweise lohnen, wegen irgendwelcher Sperrfilter mal zu den Astronomen zu schielen. Da gibt es in den einschlägigen Läden bunte Farbglasfilter zur Planetenbeobachtung, die werden angeboten zum Einsatz im abbildendenden Strahlengang, es gibt allerdings Exemplare mit ... unterschiedlicher... Qualität. Die sind aber auf jeden Fall günstig und einfach beschaffbar. Mir sind mal ein #12 und ein #21 ins Spektrometer gefallen, beides waren recht ordentliche Farbglaskantenfilter mit einer Transmission 10%/50%/90% bei (ca.) 505 nm/510 nm/550 nm (#12) bzw. (ca.) 565 nm/575 nm/610 nm (#21), maximale Transmission etwa 92%. Die anderen Farben werden irgendwo dazwischen liegen. Kosten so um 17 Euro in 1,25" Durchmesser.


Viele Grüße von

Marcus

Titel: Re: Fluoreszenz im Haushalt
Beitrag von: Klaus Herrmann am Juli 28, 2020, 11:07:46 Vormittag
Hallo Marcus,

Zitat
Fluoreszenzanregung in Auflicht-Dunkelfeld ist sicher auch elegant, habe ich aber nie ausprobiert.

Wieso ist das elegant und was soll das bezwecken ausser, dass die Lichtmenge reduziert wird. Eigentlich will man doch möglichst viel an Anregungsenergie haben, weil die Intensität des Fluoreszenzlichts sowieso gering ist.
Titel: Re: Fluoreszenz im Haushalt
Beitrag von: witweb am Juli 28, 2020, 19:48:27 Nachmittag
Hi Marcus,
danke für den Tipp mit den Astrofiltern!
Viele Grüße
Michjael
Titel: Re: Fluoreszenz im Haushalt
Beitrag von: Marcus_S am September 16, 2020, 20:21:06 Nachmittag
Moin!

Ich mach' hier nochmal ein wenig weiter...


Derzeit ist hier bei mir Hefe dran, denn Hefepräparate sind ja so schön einfach herzustellen. Meine Bäckerhefe ist aber beim Gefärbtwerden etwas unkooperativ. Die Bücher empfehlen da Fluorochrome, also los...

Eine etwa erbsengroße Menge Bäckerhefe in etwa 20 ml abgekochtem Leitungswasser verrührt und zwei Tage lang mit täglich einer Prise Haushaltszucker gefüttert.

Auf dem Objekträger die Menge RZE, die an einer Präpariernadel hängenbleibt, eindunsten gelassen und einen Tropfen der Hefesuspension dazugegeben. Mit der Präpariernadel verrührt, mit einem Deckglas abgedeckt und bei Grünanregung mit Ölimmersion beguckt.

Die Färbung erscheint langsam, sehr langsam, ich hatte den Eindruck, es passiert nix mehr. Langsam wurden irgendwelche Strukturen um das, was ein Kern sein könnte, sichtbar. Dann drohte das Präparat einzutrocknen. Und nach Zusatz eines Tropfens abgekochten, lange abgestandenen Leitungswassers entwickelte sich fast schlagartig ein hübsch hell orange fluoreszierendes Netzwerk leuchtender Tupfen und Würstchen, direkt unterhalb der Zellwand.

Daraufhin befragte ich das Internet und nach dem Blättern in ein paar Dissertationen aus Brauerkreisen beschloß ich: das müssen die Mitochondrien sein. Eine Vergleichsfärbung mit "ernsthaftem" Farbstoff ergab das gleiche Resultat, nur etwas flotter und auch ohne Wasserzugabe. Aber auch nicht hübscher.

Verbesserungsmöglichkeit: einmal ganz vorsichtig, ohne die ganzen Hefezellen mit wegzusaugen, unter dem Deckglas mit Leitungswasser waschen. Ergibt (natürlich) einen sehr viel saubereren Hintergrund und die Fluoreszenz der Mitos scheint etwas kräftiger zu werden.

Anbei zwei Bildchen, Ausschnitte (wg. Größe für's Forum) von Aufnahmen der RZE-gefärbte Hefe. Nur leicht im Kontrast verbessert, ansonsten unbearbeitet. Halogenlampe, Breitbandgrünanregung, 60er Objektiv.


Viele Grüße von

Marcus