Mikro-Forum

Foren => Bestimmungshilfe => Thema gestartet von: Siegfried am Juli 29, 2020, 18:59:46 Nachmittag

Titel: Unbekannter Stein
Beitrag von: Siegfried am Juli 29, 2020, 18:59:46 Nachmittag
Liebe Forumsmitglieder
speziell Geologen und Dünnschliffexperten
Meine Frau und ich waren am letzten Sonntag zum Spazierengehen in der Nähe von Neuhaus am Rennweg.
Dort fließt der kleine Fluß Katze.
Da ich bei solchen kleinen Ausflügen immer was, zum unter dem Stemi zu Beobachtendes mit nach Hause nehme,
war es diesmal ein Glas voll Kies aus dem Fluß.
Dabei fand ich den unten gezeigten Stein.
Er fiel mir besonders auf.
Er ist magnetisch.
Ich habe am Stein nichts verändert.
Was ist das für ein Stein, Mineral usw.?
Ich würde mich über eine Bestimmung freuen.
         Gruß von Siegfried
Titel: Re: Unbekannter Stein
Beitrag von: Klaus Herrmann am Juli 29, 2020, 20:06:46 Nachmittag
Hallo Siegfried, für mich sieht es erst mal nach Hämatit aus der im Fluss Geröll gerundet wurde, Mit ner Feile was abreiben; das Pulver sollte dunkel rot sein.
Wenn nicht dann nochmal melden
Titel: Re: Unbekannter Stein
Beitrag von: Bastian am Juli 29, 2020, 20:11:24 Nachmittag
Ferndiagnosen sind natürlich immer schwierig, aber wenn er magnetisch ist, würde als erste Interpretation auf Magnetit (Fe3O4) tippen. Zusammen mit dem Fundort im Thüringer Wald wäre das auch durchaus plausibel. Schau doch mal im Magnetitbergwerk in Suhl OT Vesser vorbei.-
Andere magnetische Minerale, mal abgesehen vom Titanomagnetit sind Magheit, der sich durch Oxidation aus Magnetit bilden kann und  Pyrhotin = Magnetkies FeS. Ist er denn überall gleich stark magnetisch?
Bastian
Titel: Re: Unbekannter Stein
Beitrag von: beamish am Juli 29, 2020, 20:21:52 Nachmittag
ohne das magnetische hätte ich auf Schörl (schwarzer Turmalin) getippt. Kommt aber wohl auch zusammen mit Magnetit vor.

Grüße
Martin
Titel: Re: Unbekannter Stein
Beitrag von: Klaus Herrmann am Juli 29, 2020, 20:40:00 Nachmittag
Die Längsstreifen würden auch dazu passen:

Zitat
Schörl (schwarzer Turmalin) getippt
Titel: Re: Unbekannter Stein
Beitrag von: Siegfried am Juli 29, 2020, 21:10:11 Nachmittag
Hallo Klaus, Bastian, Martin und Klaus
Erst mal danke für euere Hinweise.
Ist ja hoch interessant, dieses Gebiet Mineralien, Erze usw.
Da hätte ich ja schon wieder ein neues Gebiet für mich aufgetan.
Mikroskopie kann zum fulltime Job werden. Oh weh. :o
Bastian:
Mit dem überall gleich magnetisch, kann ich auf grund der Größe schlecht prüfen.
Klaus:
Mit einer guten Schlüsselfeile habe ich so gut wie nichts abgebracht.
Die Stellen wo ich gefeilt habe glänzen jetzt zwar, aber unterm Stemi sehe ich keinerlei Feilriefen.
Die Feile unterm Stemi gesehen, hat gelitten, die Zähne sind abgenutzt.
Allerdings auf der Feile ist ein ganz leichter roter Schimmer, allerdings von Pulver keine Spur.
  Gruß von Siegfried
Titel: Re: Unbekannter Stein
Beitrag von: Klaus Herrmann am Juli 29, 2020, 21:55:11 Nachmittag
Hallo Siegfried, dann habe ich den Verdacht, wenn du auch keinen Magnetismus festgestellt hast, dass Martin schon Recht haben könnte. Aufgrund seiner Härte ist mein Tipp total außen vor
Titel: Re: Unbekannter Stein
Beitrag von: Siegfried am Juli 30, 2020, 07:28:36 Vormittag
Hallo Klaus, hallo Bastian
Ich tippe auch auf  schwarzen Turmalin.
Der trotzdem festgestellte leichte Magnetismus kann ja evtl. von einem anderen Eisenmineral, welches mit im Stein ist, kommen.
Bastian:
Vesser gehört zur Schmiedefeld am Rennsteig und das Magnetit Bergwerk ist der Schwarze Crux.
Ist von mir aus eine 3/4 Stunde Fahrt entfernt. Dort in Schmiedefeld machen wir immer im Hotel Gastinger unsere kleinen Familienfeiern zu nicht Coronazeiten.
Ich will zwar nicht in die Mineralogie einsteigen, aber zum Bergwerk hin, fahr ich mal.
   Gruß von Siegfried


Titel: Re: Unbekannter Stein
Beitrag von: Heiko am Juli 30, 2020, 09:14:19 Vormittag
Hallo Siegfried,

Schörl in unserer Ecke – hätten wir davon nicht schon gehört? Hämatit scheint mir naheliegender.

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures010/280285_33420276.jpg) (https://abload.de/image.php?img=theuerngrmpenhmatitve3ejpo.jpg)
Theuern, Grümpen, Hämatit, verwittert Limonit

Viele Grüße,
Heiko
Titel: Re: Unbekannter Stein
Beitrag von: Klaus Herrmann am Juli 30, 2020, 12:27:34 Nachmittag
Lieber Heiko

wenn das Hämatit ist, dann muss der Siegfried seine Feile wegwerfen!
Titel: Re: Unbekannter Stein
Beitrag von: Siegfried am Juli 30, 2020, 13:51:29 Nachmittag
Hallo Heiko und Klaus
Ich kann nur meine visuellen Beobachtungen schildern.
Also ich habe heute eine andere gute Schlüsselfeile genommen.
Mir kommt es so vor wie wenn ich auf gehärtetem Stahl drüber feile.
Anschließend glänzt es wie Stahl, habe keinen Abrieb und sehe nichts von dunkelrotem Abrieb. Die Fläche wird aber nach einigen Stunden wieder schwarz.
Mit der gleichen Feile habe ich ein Stück Flacheisen gefeilt, da fallen die Späne.
Mehr kann ich momentan auch nicht sagen.
  Gruß von Siegfried
Titel: Re: Unbekannter Stein
Beitrag von: Bastian am Juli 30, 2020, 14:11:26 Nachmittag
Bestimme doch mal die Dichte: Miss das Volumen:
Mensur mit Wasser bis zum Rand füllen, bisschen Netztmittel (Spüli), verdrängtes Wasser gibt dir das Volumen. Masse des Steins ermitteln -> Dichte berechnen.
Magnetit ist sehr dicht: 5,2 kg/l
Außerdem ganz schön hart: Mohs 5,5-6,5
Kann natürlich auch noch was ganz anderes, bspw. archäologisches sein, z.B. Stück einer Ofensau, dann wäre die Dichte noch höher, und dann wäre es so richtig spannend!
Bastian
Titel: Re: Unbekannter Stein
Beitrag von: Siegfried am Juli 30, 2020, 14:54:16 Nachmittag
Hallo Bastian
Obwohl der Stein sehr klein ist, werde ich versuchen, die Dichte zu berechen.
Masse /Volumen.
Ich melde mich wieder.
Aber mit der Ofensau hast du mich nachdenklich gemacht.
Hier bei uns in meiner Gegend wurden ja nicht nur Glashütten gegründet und betrieben,
sondern auch Eisen und Kupfer verhüttet. Bei mir im Ort stand auch von 1488 - 1524 eine Seigerhütte. Der Besitzer war ein Herr Hase. Daher unser Dorfnahme Hasenthal.
Meine Frau meint zu mir, sie geht erstmal nicht mehr mit mir spazieren.
Dieses kleine Steinstück entwickele sich zu einem Felsbrocken.
   Gruß von Siegfried
Titel: Re: Unbekannter Stein
Beitrag von: Bastian am Juli 30, 2020, 16:34:53 Nachmittag
Saigerhütte? Das klingt ja wohl super spannend. Hast du da noch mehr Informationen? Gerne per PM. 1488 ist ja "nur" 50 Jahre nach der ersten Erwähnung von 1433 in Nürnberg. Aber diese Technologie war eben im wahrsten Sinne des Wortes bares  Geld wert...

Das wird natürlich für dein Stück nicht in Frage kommen, auch die Ofensau müsste ja sehr deutlich magnetisch sein. Es war als Anregung gedacht, nicht nur an Geologie zu denken, besonders in unseren Mittelgebirgen...

Bastian

Titel: Re: Unbekannter Stein
Beitrag von: olaf.med am Juli 30, 2020, 17:48:40 Nachmittag
Aus Zeitgründen konnte ich mich hier noch nicht richtig beteiligen, aber morgen vielleich intensiver.

Die ausgeprägte Vizinalstreifung dieses Stücks kenne ich natürlich von Turmalin, aber auch von Rutil. Bei Hämatit gibt es sie so nach meiner Kenntmnis nicht.

Siegfried, Du hast doch ein Durchlichtmikroskop. Wenn Du mit einer guten Präpariernadel eine kleine Probe entnimmst , zwischen zwei Objektträgern zu Pulver verdrückst, dies mit einem Tropfen Immersionsöl und einem Deckglas bedeckst und im Mikroskop ansiehst, kannst Du uns weitere hervorragende Bestimmungskristerien nennen:

Turmalin wäre auch in größeren Splittern durchsichtig und wenn Du ein Stück Polarisationsfolie in den Strahlengang bringst und drehst ändert sich die Farbe: Pleochroismus.

Hämatit wäre nur in dünnsten Splittern tiefrot durchsichtig.

An einen Artefakt glaube ich wegen der Vizinalstreifung nicht.

Herzliche Grüße,

Olaf
Titel: Re: Unbekannter Stein
Beitrag von: Siegfried am Juli 30, 2020, 17:55:10 Nachmittag
Hallo Bastian
Um hier im Mikroskopieforum nicht zur Geschichte abzuschweifen, einstweilen nur einen Satz.
Bitte Hasenthal in Wikipedia eingeben.
So nun zum Fundstück.
Ich habe bei einer mir bekannten Goldschmiedemeisterin im Ort gewogen:
0,094g
Im Meßzylinder konnte ich leider nichts Präzises ablesen.
Wenn es dir nicht's ausmacht, stecke ich das "Unikat" ;) in ein Kunststoffröhrchen und in einen Brief und schicke es dir zu.
Deine Adresse steht ja im Impressum.
Je öfter ich mir es anschaue, könnte es eventuell doch aus einer historischen Verhüttung stammen.
    Gruß von Siegfried
Titel: Re: Unbekannter Stein
Beitrag von: Siegfried am Juli 30, 2020, 17:57:58 Nachmittag
Hallo Olaf
Unsere beiden Antworten haben sich anscheinend überschnitten.
Ich melde mich wieder.
  Gruß von Siegfried
Titel: Re: Unbekannter Stein
Beitrag von: Bastian am Juli 30, 2020, 18:17:35 Nachmittag
Ich würde mich hier sofort Olafs Vorgehensweise anschließen. Der weiß da eindeutig mehr darüber!
Bastian
Titel: Re: Unbekannter Stein
Beitrag von: beamish am Juli 30, 2020, 19:36:11 Nachmittag
Hallo Siegfried,
hast du ein Strichplättchen? Die unglasierte Rückseite eine Kachel tuts vielleicht auch. Der Strich von Hämatit ist rot(braun), der von Magnetit schwarz und der von Schörl weiss.
Vielleicht hilft das ja schon?

Grüße
Martin
Titel: Re: Unbekannter Stein
Beitrag von: Siegfried am Juli 30, 2020, 20:00:41 Nachmittag
Hallo Olaf
Meine Schritte:
1.Mit einer spitzen Wolframnadel, die ich immer zu Legen nehme Probe auf Objektträger abgekratzt.
2. Mit zweitem Objektträger versucht zu zerreiben.
3.Tropfen Immersionsöl auf Probe.
4.Deckglas drauf
5. Mit Objektiv 40/0,75 und einem Polfilter oben im Tubus und einem auf Leuchtfeldblende mikroskopiert.
Als Anhang 2 Foto's.
Wenn du möchtest kann ich dir das Objekt auch zuschicken.
      Gruß von Siegfried
Titel: Re: Unbekannter Stein
Beitrag von: Florian D. am Juli 30, 2020, 22:33:02 Nachmittag

Die ausgeprägte Vizinalstreifung dieses Stücks kenne ich natürlich von Turmalin, aber auch von Rutil. Bei Hämatit gibt es sie so nach meiner Kenntmnis nicht.


Hämatit kann ja blättrig auftreten. Würde so ein Blätterstapel nicht ein ähnliches Aussehen aufweisen?

Viel Grüsse
Florian
Titel: Re: Unbekannter Stein
Beitrag von: Klaus Herrmann am Juli 30, 2020, 23:11:42 Nachmittag
Hallo Florian, Hämatit hat eine blutrote Strichfarbe und er lässt sich mit einer Feile leicht abreiben um jede Menge Pulver zu produzieren. Also einfach vergessen, Und diese Streifung kenne ich vom Turmalin aber nicht vom Hämatit. Ich zeig morgen mal Strichfarbe des Hämatits.
Titel: Re: Unbekannter Stein
Beitrag von: Siegfried am Juli 31, 2020, 06:20:34 Vormittag
Guten Morgen
Langsam wird mir's unheimlich.
Ich habe die gleiche Probe von gestern nochmal angeschaut.
Hier noch 2 Pol-Foto's.
Und nur zur Erinnerung, das Objekt ist nur 6mm lang.
Auf dem 2.Foto  mit der Vizinalstreifung am Anfang des Themas hängt das Objekt an einem Magneten.
   Gruß von Siegfried
Titel: Re: Unbekannter Stein
Beitrag von: Siegfried am Juli 31, 2020, 08:26:39 Vormittag
Hallo Olaf
Und hier nochmal eine Abschürfung ohne Immersion aber mit Deckglas und gestack 40x.
  Gruß von Siegfried
Titel: Re: Unbekannter Stein
Beitrag von: olaf.med am Juli 31, 2020, 09:55:11 Vormittag
Lieber Siegfried,

grundsätzlich ist die Immersion sehr wichtig da sie die Totalreflektionen reduziert und schon eine Aussage über den Brechungsindex bei transparenten Phasen ermöglicht. Ein Bild im linear polarisierten Licht, also mit nur einem Polarisator,  und dann evtl. noch in zwei um 90° unterschiedlichen Positionen wäre auch hilfreich. Jedenfalls ist eindeutig, dass es sich nicht um Hämatit handelt, wie ja auch Klaus schon schlüssig erklärt hat.

Du kannst mir gerne einen Krümel zur Untersuchung zuschicken, am einfachsten mit einem Streifen Tesafilm auf ein Stück Papier geklebt.

Herzliche Grüße, Olaf
Titel: Re: Unbekannter Stein
Beitrag von: Siegfried am Juli 31, 2020, 10:13:11 Vormittag
Lieber Olaf
Ich habe mich gerade dazu entschlossen, dir in einem kleinen Kunststoffröhrchen das ganze Teil zuzuschicken.
Ich würde mich sehr freuen, wenn du Licht ins Dunkel bringst.
Das Corpus delikti ist ja nur 6mm lang.
     herzliche Grüße von Siegfried

  PS: Brief geht gleich fort
Titel: Re: Unbekannter Stein
Beitrag von: Klaus Herrmann am Juli 31, 2020, 11:05:11 Vormittag
Guten Morgen,

keine Mühe habe ich gescheut um zur Allgemeinbildung einen Beitrag zu leisten. Sigis - wahrscheinlicher Meteorit aus Hosendaahl Hat mich verleitet meine vermuteten aus Hamberg aus der Vitrine zu holen. Mein wunderschönes Kästchen Mohs´scher Härteskala - nein nie und nimmer geb ich das ab - hat dann auch noch seine Dienste geleistet. Ein ordentliches Stück Hämatit in der Variante Glaskopf liefert Strichfarbe auf dem Täfelchen rechts und der Gagat (ein fossiles Holz im Ubergang zu Steinkohle) im Vergleich. Auch schwarz aber weich und viel leichter. Der zeigt einen braunen Strich. Den schönen Schörl mit den Vizinalstreifen habe ich gleich gar nicht probiert.
Titel: Re: Unbekannter Stein
Beitrag von: Klaus Herrmann am Juli 31, 2020, 11:07:30 Vormittag
Die Kopfflächen des Schörls
Titel: Re: Unbekannter Stein
Beitrag von: olaf.med am Juli 31, 2020, 11:33:05 Vormittag
Lieber Klaus

sehr erhellend und lehrbuchartig aufbereitet! Der Strich des Schörls wäre ernüchternd langweilig gewesen und ist so leicht entbehrlich.

Herzliche Grüße,  Olaf
Titel: Re: Unbekannter Stein
Beitrag von: Klaus Herrmann am Juli 31, 2020, 14:18:32 Nachmittag
Lieber Olaf vielen Dank.

 Dein Lob hat mich angespornt (und auch ein wenig die angenehme Kühle im Labor) noch Detailaufnamen im Auflicht zu machen. Im AL-Pol kommt die rote Farbe besonders schön raus. Die Strichfarbe vom Gagat dagegen schmutzig braun.
Titel: Re: Unbekannter Stein
Beitrag von: Siegfried am Juli 31, 2020, 16:26:46 Nachmittag
Liebe Mineraliendetektive
Danke für alle Hinweise zur Bestimmung meines Fundstückes.
Danke an Klaus, Bastian, Martin,Florian, Heiko und natürlich Olaf.
Das Fundstück ist nun unterwegs zu Olaf.
Schon im Voraus möchte ich mich für seine Bemühungen bedanken.
Bisher wurde ja in Richtung Hämatit, Turmalin, Magnetit, Stück einer Ofensau und Meteorit vermutet.
Ich bin voller Neugierde auf weitere Ergebnisse.
Vielleicht ist es aber auch was ganz Simples.
Klaus: So ein Stück Hämatit, wie du es freundlicherweise zeigst, hätte ich auch gerne mal gefunden. 8)
  neugierige Grüße von Siegfried aus (Dialekt) Hoosenthol in Thüringen
 
Titel: Re: Unbekannter Stein
Beitrag von: Klaus Herrmann am Juli 31, 2020, 17:31:05 Nachmittag
Zitat
So ein Stück Hämatit, wie du es freundlicherweise zeigst, hätte ich auch gerne mal gefunden.

Dieser Wunsch und einiges mehr verbindet uns lieber Sigi. ;)

 Ich habe mal in der Hochphase meiner Mineralsammlungs-Leidenschaft eine große Sammlung gekauft von einem der gerade ein Haus gebaut hatte und gemerkt hat dass er sich verkalkuliert hat. Dann hat er alles verscherbelt ausser Frau und Kinder und dabei war auch die Sammlung. Vieles davon habe ich auch wieder vertauscht/verkauft, aber ein paar schöne Stücke sind übrig geblieben. Aus Platzgründen sind es nur 2 Vitrinen, der Rest sind viele Micromounts in Döschen. Die sind sehr schön unterm Stemi und brauchen nicht viel Platz. Verstauben auch nicht.
Titel: Re: Unbekannter Stein
Beitrag von: olaf.med am Juli 31, 2020, 18:19:05 Nachmittag
Na, jetzt habe ich aber so viele Vorschuss-Lorbeeren und Vorschuss-Dankeschöns bekommen, dass ich mich wirklich bemühen muss  :-\ ;D :-\ ;D

Herzliche Grüße,

Olaf
Titel: Re: Unbekannter Stein
Beitrag von: Klaus Herrmann am Juli 31, 2020, 21:44:54 Nachmittag
Lieber Olaf,

Zitat
Na, jetzt habe ich aber so viele Vorschuss-Lorbeeren und Vorschuss-Dankeschöns bekommen, dass ich mich wirklich bemühen muss

Die träge Masse will bewegt werden! ;) Wir zählen auf dich und sind auch sehr zuversichtlich dass dein Befund nicht Hämatit ist! 8)
Titel: Re: Unbekannter Stein
Beitrag von: olaf.med am Juli 31, 2020, 22:09:27 Nachmittag
Lieber Klaus,

das heißt doch heute CORONA-SPECK und nicht träge Masse😁😁😁

Herzliche Grüße, Olaf
Titel: Re: Unbekannter Stein
Beitrag von: Dünnschliffbohrer am August 02, 2020, 14:32:57 Nachmittag
Ich werde auch mal eine Hypothese in den Raum werfen, obwohl es schwierig ist, wenn man das Stück nicht selbst in der Hand hat. Beim ersten Blick kam mir sofort der Gedanke "Stylolith". Demnach ist die "Vizinalstreifung" keine solche, sondern entspricht einfach den parallelen, aber ansonsten unregelmäßigen Streifen die senkrecht zur Druckrichtung entstehen. Der Hämatit-artige Glanz würde den Lösungsrückständen des Grundgesteines entsprechen, bzw. auch einer sekundären Mineralisation der Trennfläche (z.B. analog der Bildung von Dendriten auf Schichtfugen) der gegeneinander gepressten, angelösten und nun verzahnten bzw. verzapften Gesteinpakete entsprechen. Somit wäre Hämtit oder auch Braunstein (oft ist ja auch Mangn dabei) nicht völlig verkehrt, aber nur ein kleiner Teil der Erklärung.
Titel: Re: Unbekannter Stein
Beitrag von: Klaus Herrmann am August 02, 2020, 14:51:00 Nachmittag
Zitat
Somit wäre Hämtit oder auch Braunstein (oft ist ja auch Mangn dabei) nicht völlig verkehrt,
Also wenn das Hämatit ist, dann hat der Sigi uns an der Nase rumgeführt - was ich mir absolut nicht vorstellen kann - oder keine Feile verwendet. Die nicht vorhandene Strichfarbe schließt nach meiner Meinung Hämatit sicher aus.
Titel: Re: Unbekannter Stein
Beitrag von: Siegfried am August 02, 2020, 17:07:25 Nachmittag
Lieber Klaus
Also ich schwöre hiermit, daß ich Niemanden an der Nase herumführen will und wollte.
Meine  Angaben habe ich aus bestem Wissen und Gewissen gemacht.
Ich hoffe, Olaf bringt etwas Licht in die Sache.
Ich habe bei Goggle Bilder mal nach Ähnlichem gesucht.
Am nächsten kam ein Foto von einem kleinen Meteoriten.
Allerdings ist das von mir gezeigte Objekt ja nur 6mm lang.
Sollte Olaf doch zu Hämatit tentieren, versinke ich in den Boden.
   Gruß von Siegfried
Titel: Re: Unbekannter Stein
Beitrag von: Dünnschliffbohrer am August 02, 2020, 17:08:43 Nachmittag
Hallo Klaus,

die Feile und die Strichfarbe helfen nur weiter wenn wir es mit einem Mineral zu tun haben, und nicht etwa mit einem Gesteinsstück, welches nur einen dünnen dunklen Überzug hat - keinem homgenen Mineral.

Für mich sehen aber die Bilder so aus, als wäre es ein Stückchen heller Kalkstein mit nur einer dünnen dunklen Kruste. Auf einer Fläche sieht man die // Riefen wie bei Stylolithen. Der dünne Überzug kann natürlich aus verschiedenen Bestandteilen bestehen, bei Stylolithen meist dunkler Ton, aber auch Eisen oder Mangan kommen m.E. in Frage.

Bei den angeschnittenen Stylolithen in den Fensterbänken sieht man in 2D dann dünne dunkle zackige Linien, die den Flächen entsprechen, auf denen sich nach Drucklösung der ganze unlösliche Schmodder angesammelt hat, wo aber auch sekündär noch andere Sachen hinein gekommen sein können.
Titel: Re: Unbekannter Stein
Beitrag von: plaenerdd am August 02, 2020, 17:13:18 Nachmittag
Lieber Siegfreid,
Zitat
Sollte Olaf doch zu Hämatit tentieren, versinke ich in den Boden.
Sicher müssen wir alle früher oder später im Boden versinken, falls man seine Asche nicht über dem Meer verstreuen lässt, aber bitte doch nicht vorzeitig wegen eines 6mm-Krümels!
Beste Grüße
Gerd
Titel: Re: Unbekannter Stein
Beitrag von: Klaus Herrmann am August 02, 2020, 17:14:20 Nachmittag
Also ohne das Teilchen in der Hand zu haben ist das für mich erst mal alles Spekulatius, warten wir mal ab, was Olaf findet.

Ich habe die Bilder schon so interpretiert, dass das Teil schon durch und durch schwarz ist.

Titel: Re: Unbekannter Stein
Beitrag von: Dünnschliffbohrer am August 02, 2020, 17:32:35 Nachmittag
Nachtrag: eine Sache würde einen Stylolithen aussschließen, nämlich wenn es tatsächlich  magnetisch ist. Kalkstein ist ja bekanntlich nicht magnetisch, und der Überzug -wenn es denn einer ist - würde auch nicht ausreichen, um das Steinchen am Magneten zu halten.

PS.: den Stylolithen hab ich noch nicht wiedergefunden, sofern ich ihn aufgehoben haben sollte. Aber ich hänge mal meinen selbst gefundenen Pseudo-Meteoriten :( unten an. Der hatte mich lange grübeln lassen, besteht aber wie dann der Schnitt zeigte, nur aus einem hellen Sandstein mit einer dünnen, im Spülsaum am Strand angerauhten SchmelzkrusteRinde aus irgendwelchem Eisen/Mangan-Kram.
Titel: Re: Unbekannter Stein
Beitrag von: olaf.med am August 03, 2020, 16:26:24 Nachmittag
Lieber Siegfried, liebe Steinerätsler,

heute kam der "Felsbrocken" bei mir an und war tasächlich flink bestimmt. Der direkte Augenschein kombiniert mit etwas Erfahrung ist doch durch keine noch so genaue Beschreibung zu ersetzen, es sei denn durch Intuition und Gefühl, doch dazu später ;D.

Auf den ersten Blick war klar, dass es sich um einen Kristall handelt und keinesfalls um Kluftbeläge auf Stylolithen oder ähnliches. Dieser ist an den meisten Flächen durch den Transport gerundet, die von Siegfried bestens dokumentierte Streifung erscheint auf einer fast unbeanspruchten Kristallfläche und ist viel weniger prägnant als es das Bild vermuten läßt. Der Test mit dem Magneten zeigte, dass es einen schwachen Magnetismus gibt, der aber mit dem eines Magnetits keinesfalls vergleichbar ist. Der kirschrote Strich (Farbe reifer dunkler Kirschen, nicht die der hellroten Variante) auf dem unglasierten Porzellanscherben (Strichtafel) brachte sofort Klarheit: es handelt sich um.........Hämatit!!!!! KLaus hatte wieder einmal das richtige Näschen und die Intuition - Bravo!

Warum allerdings Siegfrieds Feile und Strichplatte versagt haben kann ich mir nicht erklären. Vielleicht bist Du einfach zu zart mit dem wertvollen Stück umgegangen um ihm nicht zu sehr zuzusetzen  :). Über die Strichfarbe und den schwachen Magnetismus des sonst meist unmagnetischen Hämatits liest man im Klockmann (einer meiner zwei Bibeln): .... Strich kirschrot bis rotbraun; wirkt meist kaum auf die Magnetnadel (Ausnahmen!).

Die Probe geht morgen wieder in die Post.

Herzliche Grüße,

Olaf
Titel: Re: Unbekannter Stein
Beitrag von: Siegfried am August 03, 2020, 18:12:40 Nachmittag
Vielen Dank Olaf.
Ich melde mich bei dir.
Ich bin am Boden zerstört.
Titel: Re: Unbekannter Stein
Beitrag von: Klaus Herrmann am August 03, 2020, 22:08:45 Nachmittag
Lieber Sigi,

I
Zitat
ch bin am Boden zerstört.

Ich bin schon auf dem Weg ins Hasenthal - den große Hammer habe ich dabei um dich noch komplett rein zu treiben. Sowas von Nebelkerzen werfen. Schäm dich - oder kauf dir einen unglasierten Rosental-Teller um Strichproben zu machen. Und verkauf deine Feile.
Titel: Re: Unbekannter Stein
Beitrag von: Heiko am August 03, 2020, 22:39:50 Nachmittag
Hallo Siegfried,

so kleine Objekte sind schwer zu fassen (im haptischen Sinn), weshalb so manche Probe schwer- bzw. scheinbar negativ ausfällt. Als Laie in diesen Dingen kann ich das gut nachvollziehen.

Viele Grüße,
Heiko
Titel: Re: Unbekannter Stein
Beitrag von: Siegfried am August 04, 2020, 08:15:17 Vormittag
Ich habe jetzt eine Nacht darüber geschlafen, wenn auch schlecht.
Olaf: Ich bin froh, daß du eine eindeutige Bestimmung vorgenommen hast. Wie ich sehe hast du ihn gereinigt.
         Wie?
         Bin dir sehr dankbar. In den nächsten Tagen geht eine kleine Sendung zu dir.
         Als Anerkennung.
Klaus:Ich kann deinen Ärger gut verstehen, aber absichtlich habe ich keine Nebelkerzen gezündet und schämen tue ich mich als Laie auf dem Gebiet der Mineralogie,
          schon gar nicht. Das mit der Feile habe ich selbstverständlich ausgeführt, ein Blatt weißes Papier untergelegt, aber ich wiederhole es nochmal,
          kein rotes Pulver auf dem Papier gesehen. Verschuldet könnte das der kleinen Menge sein.
          Eine Strichprobe hatte ich aus Mangel an einem Stück weißer unglasierter Keramik nicht gemacht, was ich auch nicht behauptet und geschrieben habe.
          Und das ein Magnetismus vorhanden ist, wie ich geschrieben habe, hat Olaf ja bestätigt.
Heiko:Danke für deinen Trost, hat mich ein bisschen aufgemuntert.

          Sollte ich durch mein Vorgehen Jemanden verärgert haben, dann entschuldige ich mich hiermit.
          Ich mache weiter, wenn auch mit neuer Sichtweise.
                Gruß von Siegfried
Titel: Re: Unbekannter Stein
Beitrag von: Florian D. am August 04, 2020, 08:47:10 Vormittag
Hallo Siegfried,

wie ich Klaus kenne und das so lese, war das 100% ironisch gemeint. Ich weiss, wir Deutschen haben da so unsere Schwierigkeiten damit (Eine deutsche Luftlinie wirbt in Spanien mit dem Spruch: "No bromeamos. Somos alemanes! (Wir spassen nicht, wir sind Deutsche!), aber in so einem internationalen Medium wie dem Internet muss man halt leider damit leben :-)

Viele Grüsse
Florian
Titel: Re: Unbekannter Stein
Beitrag von: olaf.med am August 04, 2020, 09:46:01 Vormittag
Lieber Siegfried,

bitte, bitte keine "kleine Sendung". Ich helfe immer wieder gerne und dies war wirklich gar keine Mühe. Ein Geschenk würde mich beschämen!

Auch hast Du natürlich niemenden verärgert; dass Du diese Proben z.T. nicht oder nicht perfekt gemacht hast könnte Dir nur ein Schwachkopf übel nehmen - wir alle tun das nicht. Die Mineralogie ist ja leider so weit von dem Erfahrungsschatz des normalen Bürgers entfernt, dass er leicht durch solche Dinge überfordert ist. Emil Lehmann, ein bekannter deutscher Mineraloge hat es sinngemäß einmal so formuliert: Jeder Mensch hat reiche Kenntnis von der belebten Natur, er kann Dutzende oder gar Hunderte von Pflanzen und Tieren erkennen und benennen. Von den Gesteinen, die ja Grundlage - im direkten und auch im übertragenen Sinne - allen Lebens sind, hat er aber gar keine Ahnung. Das geht ja so weit, dass selbst Steinmetze fast nur zwei Arten von "Gesteinen" unterscheiden: Granit (hart) und Marmor (weich). Bitte, bitte mach' Dir also keine Vorwürfe!

 - Eine Strichtafel hat aber übrigens jeder zur Verfügung, und wenn's nur der unglasierte rückseitige Auflagerand eines Suppentellers ist  ;D ;D ;D.

Herzliche Grüße,

Olaf
Titel: Re: Unbekannter Stein
Beitrag von: Klaus Herrmann am August 04, 2020, 10:24:21 Vormittag
Lieber Siegfried,

Zitat
wie ich Klaus kenne und das so lese, war das 100% ironisch gemeint

Florian hat ja sooo Recht. Also nochmal im Klartext: nie im Leben würde ich mich über dich ärgern. Diese "Schnitzeljagd" hat mir Spaß gemacht und Olaf hat ja schließlich im Handumdrehen eindeutig gelöst. Die Mineralbestimmung nach alter Väter Sitte setzt etwas Erfahrung voraus, dann kann man aber schon recht viel im Feld bestimmen. Ich habe zur Vorbereitung auf die Vordiplomsprüfung in meinem Nebenfach Mineralogie die Lehrsammlung des Instituts viele Male durchgearbeitet weil der Professor jede Prüfung mit einem Handstück begann, das man bestimmen musste. Wenn man diese erste Hürde genommen hat war das schon mal die halbe Miete.

 Schwierig wird es dann erst wenn man (wie ich das oft hatte auf der Halde der Grube Clara) ein paar winzige grüne Kriställchen sieht. Da ist man dann schnell am Ende mit dem Latein.

Also du kannst den Kopf wieder beruhigt aus dem Sand ziehen und fröhlich ins Mikroskop schauen und deine Schlüsselfeile verkaufst du auf Ebay als Nagelfeile für modebewußte Technikerinnen. :-*
Titel: Re: Unbekannter Stein
Beitrag von: Siegfried am August 04, 2020, 21:01:16 Nachmittag
Lieber Klaus
Ich habe deinen Klartext verstanden.
Danke.
Und jetzt will ich aber auch mal ironisch sein.
Ein Spruch von Heinrich Heine lautet:
   
"Das ist schön bei den Deutschen: Keiner ist so verrückt, dass er nicht einen noch Verrückteren fände, der ihn versteht."

         Gruß von Siegfried
Titel: Re: Unbekannter Stein
Beitrag von: Florian D. am August 10, 2020, 00:03:20 Vormittag
Glückauf Steinesammler,

heute habe ich auch ein paar Anschliffe poliert, u. a. einen Hematit.
Woher der stammt, weiss ich nicht, aber es war eine Probe von Jan de Poorter bv, die ich noch als Jugendlicher auf der Mineralienmesse München mitgenommen hatte.
Im Auflicht erkennt man bereits ohne Analysator, dass die Kriställchen bireflektierend sind. (1. Bild)
Mit gekreuztem Analysator zeigen sich zum einen ausgeprägte Anisotropieeffekte, zum anderen orange bis blutrote interne Reflexionen (Bild 2). Alle Aufnahmen mit 50 x Objektiv.

Viele Grüsse
Florian