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Bibliothek => Aufnahmen => Histologie => Thema gestartet von: Holger Adelmann am Juni 11, 2010, 13:38:15 Nachmittag

Titel: Histologie in Semis: Pankreas, Leber, Uterus, Niere, Thymus, Lunge, Hoden
Beitrag von: Holger Adelmann am Juni 11, 2010, 13:38:15 Nachmittag
Liebe Kollegen,

heute poste ich wieder einmal ein paar Fotos von 0.5 µm Semi-Dünnschnitten zur Histologie. Der erste Beitrag befasst sich mit der Bauchspeicheldrüse, andere Gewebe werden in diesem Thread dann noch folgen.

Die Bauchspeicheldrüse ist eine gemischt endokrin / exokrine Drüse. Endokrin insofern, dass in lokalisierten Bereichen - den sogenannten Inselzellen - Hormone wie zum Beispiel das für den Zuckerstoffwechsel unverzichtbare Insulin gebildet werden (Abgabe in das Blut). Exokrin insofern, dass in den anderen Bereichen Verdauungsenzyme produziert werden (Abgabe in den Darm).

Das Erste Bild zeigt sehr schön einen typischen Schnitt durch eine exkretorische (=exokrine) Drüse, wo Zellen radialständig um ein Lumen stehen, in welches das Drüsensekret abgegeben wird. Die Verdauungssäfte sind hier sehr schön sichtbar in kugelförmige Vesikel verpackt, gut getrennt vom Rest der Zelle. Diese strenge Trennung ist notwendig, da die Bauchspeicheldrüse sich sonst selbst verdauen würde ! Eine grosse Version von Bild 1 ist hier: http://www.fotos-hochladen.net/pancreas01g6zjmv1og.jpg
Das zweite Bild zeigt eine Insel aus hormonproduzierenden Zellen, welche im exokrinen Gewebe eingebettet liegt.

Eine Besonderheit der histologischen Verarbeitung ermöglicht erst die gute Darstellung der Sekretvesikel, welche Lipoidmembranen haben: Das Gewebe wurde zuerst mit 2,5%igem gepufferten Glutaraldehyd fixiert. Durch eine Nachfixierung mit Osmiumsäure (OsO4) wurden auch besonders die Lipide (fetthaltigen Strukturen) fixiert, welche sonst bei der nachfolgenden Entwässerung und Einbettung herausgelöst und damit die entsprechenden Strukturen (hier die feinen Vesikelmembranen) zerstört würden !

Alle Aufnahme am Leitz Orthoplan, Hellfeld, PL APO 63/1.40

Weitere Hinweise zur Bauchspeicheldrüse im schönen Wikipedia-Artikel:
http://de.wikipedia.org/wiki/Bauchspeicheldr%C3%BCse

Herzliche Grüsse
Holger

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures006/41996_57213449.jpg)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/41996_41182389.jpg)

Titel: Re: Histologie in Semidünnschnitten: Pankreas, Leber
Beitrag von: Holger Adelmann am Juni 11, 2010, 15:27:49 Nachmittag
Liebe Kollegen,

heute poste ich zwei Fotos zur Feinstruktur der Leber, die ich wiederum von 0.5 µm Semi-Dünnschnitten aufgenommen habe.

Das erste Bild zeigt wichtige Details der Feinstruktur:

Nuc = Kern eines Hepatocyten
NF = Neutralfett innerhalb des Leberzellplasmas, wiederum durch OsO4 Nachfixierung konnten die Lipide erhalten und vor einer Herauslösung geschützt werden
Sin = Lebersinusoide: Spaltensystem zwischen den Leberzellen. In diesen Spaltensystemen befinden sich Zellen des sog. Reticulohistiozytären Systems (Teil der körpereigenen Abwehr), hier besonders die:
Ku = Kupffer'schen Sternzellen, wegen ihrer unregelmässigen Form so genannt

Die Sinusoide werden sowohl von arteriellen Blut (Leberarterie) als auch von venösen Blut (Pfortader = Vena portae) gespeist.
Die Kupffer'schen Sternzellen sind aud Blutmonozyten differenzierte Macrophagen, also Fresszellen der Immunabwehr, die im Körper in allen möglichen Spielarten vorliegen. Diese entfernen schädliche Stoffwechselprodukte durch Phagozytose und auch Pinocytose, aber auch abgestorbene Blutzellen und evt. Bakterien.

Das zweite Bild zeigt zwei Beispiele von Kupffer Zellen, welche durch Toluidinblau-Färbung eine sog, Metachromasie annehmen, also Farbänderungen durch unterschiedliche chemische Eigenschaften der Zielstruktur. Die Kupffer Zellen stechen durch ihre rötliche Färbung hervor.

Eine wunderbare Übersicht zum Bau der Leber findet sich hier: http://www.anatomie.net/Unterricht/Skripte/Lebersinusoide.pdf

Herzliche Grüsse
Holger

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures006/41997_64050058.jpg)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures006/41997_8806708.jpg)

Titel: Re: Histologie in Semidünnschnitten: Pankreas, Leber
Beitrag von: Ronald Schulte am Juni 11, 2010, 21:17:46 Nachmittag
Holger,

Die Pancreas Schnitte finde ich wahnsinnig schön. Die Leberaufnahmen könnten scharfer (meine meinung).
Wenn ich die Bilder sehe kann ich mich schon freuen auf mein neues 63x pl apo. Habe noch was Fragen:

- die Färbung sieht aus wie Pyronin/Toluidin oder Methylen/AzurII. Welche ist es?
- in welcher schritt hast du nachfixiert, und wie lange?
- hast du nach die Färbung auch die Farbstoffe fixiert mit Ammoniummolybdat?
- wie lange hast du dehydratiert und wieviel prozentig Ethanol angefangen?
- hast du Xylol als letzte stufe gebraucht oder vielleicht Terpinöl und Butanol?
- das zweite Bild sieht aus wie ein kleinen Langerhanser Insel, stimmt das?
- ist den dunnschnitt gemacht mit ein Paraplast Block oder ist es Kunststoff?

Viele Fragen aber weil ich die gleiche Färbung diesen Herbst machen wolle ist jeder gebrauchserfahrung willkommen.

Grüße aus Holland, Ronald 
Titel: Re: Histologie in Semidünnschnitten: Pankreas, Leber
Beitrag von: Holger Adelmann am Juni 11, 2010, 23:47:42 Nachmittag
Lieber Ronald,

danke für Dein Feedback. Ich stelle das erste Leberbild nochmals als grosse Version hier ein:
http://www.fotos-hochladen.net/liverdd02a3l0asowp.jpg
Ich denke durch das Herunterrechnen auf die Forumsgrösse hat es etwas gelitten, wie Du hier sehen kannst ist das Original deutlich besser. Die Endvergrösserung liegt hier ohnehin schon bei ca. 2000:1 !

Die Leberbildkollage (zweites Bild) ist noch etwas stärker vergrössert, hier kommt man natürlich auch schnell an die Auflösungsgrenze des Lichtmikroskops und ich halte nichts davon, Bilder darüber hinaus noch weiter elektronisch zu schärfen, da das der Detailtreue nicht gut tut und ohnehin artefiziell ist und auch so aussieht.
Die Präparate hat ein Kollege von mir gefertigt, die genaue histologische Verarbeitung kann ich gerne noch erfragen, auch z.B. auch ob die Schnitte noch mit Ammoniummolybdat gebeizt wurden. Jedenfalls sind es Acrylat-Schnitte, kein Epon.

Du hast recht, das zweite Pankreasbild zeigt eine Langerhans'sche Insel, wie schon von mir ausgeführt.
Herzliche Grüsse
Holger
Titel: Re: Histologie in Semidünnschnitten: Pankreas, Leber, Gebärmutter
Beitrag von: Holger Adelmann am Juni 12, 2010, 00:19:55 Vormittag
Liebe Kollegen,

vor dem Zubettgehen poste ich noch ein Foto zur Feinstruktur der Uterusschleimhaut (Gebärmutterschleimhaut, Endometrium), das ich eben wiederum von einem 0.5 µm Semi-Dünnschnitt aufgenommen habe.
Das Bild zeigt Details der Feinstruktur des Endometriums. Das Endometrium ist durchzogen von drüsigen Kanälen, hier rechts im Bild. Man sieht ein prismatisches Epithel. Das Gewebe im Inneren des
Endometriums, das sogenannte Stroma, ist ein lockeres Bindegewebe mit einer Vielzahl von hochinteressanten und auch spezialisierten Zellen. Im Bild sieht man auch schön eines der vielen kleinen Blutgefässe, mit denen das Endometrium durchzogen ist. Diese stellen nach Einnistung eines befruchteten Eies die Versorgung des Föten sicher. Aus Qualitätsgründen habe ich auf ein kleines Bild nun verzichtet, die grosse Bild-Version ist hier (Leitz PL APO 63/1.40):
http://www.fotos-hochladen.net/uterus05adetailynif67w0.jpg

Hier spielen sich bei einer Schwangerschaft das Einnisten des Fötus und die komplizierten Interaktionen zwischen mütterlichem und kindlichem Gewebe ab. Die Plazenta, die zur Versorgung des Föten dient ist ja biologisch / genetisch ein fremdes Gewebe, allerdings ruft es im Endometrium keine Immunantwort der Mutter hervor, da die oberflächlichen Plazentazellen des Föten keine Antigene des sog. Histokompatibilitätskomplex ausbilden (sie "exprimieren" nicht die typischen Geweberkennungseiweisse auf ihrer Oberfläche), das kindliche Gewebe wird dadurch vom mütterlichen Immunsystem nicht als fremd erkannt und somit geduldet

Details zur Immunologie hier:
http://www.embryology.ch/allemand/fplacenta/physio04.html

Herzliche Grüsse
Holger

Titel: Re: Histologie in Semidünnschnitten: Pankreas, Leber, Gebärmutter
Beitrag von: Harald am Juni 12, 2010, 13:03:15 Nachmittag
Hallo!

Ich bin total begeistert, Semi-Dünnschnitte hätte ich jetzt irgendwie eher in Richtung Elektronenmikroskopie eingeordnet... Ist das das Gleiche wie in "Plastik" eingebettete und geschnittene Materialien?

Aber - wow. Ich habe die Vesikel in Pankreaszellen glaube ich noch nie so schön gesehen! Mein Lieblingsbild!

Mich würde das genaue Vorgehen zum Anfertigen solcher Schnitte auch interessieren!

Liebe Grüße
Harald
Titel: Re: Histologie in Semidünnschnitten: Pankreas, Leber, Gebärmutter
Beitrag von: Ronald Schulte am Juni 12, 2010, 13:16:50 Nachmittag
Holger,

Ich lese das noch was hausarbeit gefragt wird (wenn es möglich ist natürlich)!
Wir warten die Anfertigung ab.

Noch eine Frage: Mit welche Kamera sind die Aufnahmen gemacht?

Grusse Ronald 
Titel: Re: Histologie in Semidünnschnitten: Pankreas, Leber, Gebärmutter
Beitrag von: Ronald Schulte am Juni 12, 2010, 13:30:33 Nachmittag
Harald,

Frage dein Kollegen bitte auch ob eine nachfixierung mit Chrom-Osmium-Essigsäure (Bonner Gemisch) das Lipide behalten lasst (das habe ich bereits)?
Kann ich im Romeis noch nicht genau nachlesen weil mein Buch noch unterwegs ist von Afghanistan Richtung die Niederlanden.

Grüße Ronald
Titel: Re: Histologie in Semidünnschnitten: Pankreas, Leber, Gebärmutter
Beitrag von: Holger Adelmann am Juni 12, 2010, 22:25:48 Nachmittag
Liebe Kollegen,

hier noch ein kleines Bild der Uterusschleimhaut in den Originalfarben, sowie ein paar Ausschnitte daraus.
Man sollte berücksichtigen, dass man sich hier an der Grenze dessen bewegt, was das Lichtmikroskop noch an feingeweblichen Details auflösen kann und die sog. förderliche Vergrösserung selbst für Hochleistungsobjektive wie das PL APO 63/1.40 überschritten ist. Einen solchen Detailreichtum sieht man sonst nur in Elektronenmikroskop-Bildern.

@ Harald: Richtig, die Schnitte sind in Kunststoff eingebettet (Metacrylat = Acryl), und werden mit einem Glasmesser 0.5 µm dünn geschnitten.
Sie heissen dennoch Semi-Dünnschnitte, da die Schnitte für das Transmissions-Elektronenmikroskop noch dünner sind (<= 0.1 µm).

Details zur Herstellung der Schnitte folgen.

Herzliche Grüsse
Holger

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures006/42061_59407164.jpg)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures006/42061_19774627.jpg)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/42061_12495828.jpg)

Titel: Re: Histologie in Semidünnschnitten: Pankreas, Leber, Gebärmutter, Niere
Beitrag von: Holger Adelmann am Juni 12, 2010, 22:38:31 Nachmittag
... und noch eine weiteres Organ: Niere.

Bild 1 zeigt den proximalen Tubulus eines Nierenkörperchens (mit Bürstensaum = Mikrovilli).

Bild 2 zeigt den Querschnitt durch eine Henle-Schleife des Nierenkörperchens (mit extrem dünner Wand). Drumherum sind distale Tubuli angeschnitten, die Streifung stellt Mitochondrien dar (in denen das Lichtmikroskop jedoch keine Binnenstrukturen mehr auflösen kann).

Alle Aufnahmen in diesem Thread mit der Moticam 2300.

Herzliche Grüsse
Holger

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures006/42063_5453341.jpg)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures006/42063_22260412.jpg)

Titel: Re: Histologie in Semidünnschnitten: Pankreas, Leber, Gebärmutter, Niere
Beitrag von: Harald am Juni 12, 2010, 22:41:17 Nachmittag
Hallo Holger!

Die Bilder sind der absolute Wahnsinn! Sind die Organe vom Mensch?

Liebe Grüße
Harald
Titel: Re: Histologie in Semidünnschnitten: Pankreas, Leber, Gebärmutter, Niere
Beitrag von: Ronald Schulte am Juni 12, 2010, 22:49:10 Nachmittag
Holger,

Schließe mich absolut die Meinung von Harald an. Das Farbprotokol wird immer interessanter und ich enttäusche mich wirklich über die sehr hohe Auflösung des Objektives.
Hoffe das meines gleich so gut ist, bekomme sie nächste Woche.

Grüße aus Holland, Ronald
Titel: Re: Histologie in Semidünnschnitten: Pankreas, Leber, Gebärmutter, Niere
Beitrag von: Holger Adelmann am Juni 13, 2010, 12:44:13 Nachmittag
Liebe Kollegen,

hier nun wie versprochen die Vorbereitung der Gewebe zur Kunstoff-Semidünntechnik:

Immersionsfixierung kleiner Gewebestücke (< 4 x 4 x 4 mm) in neutral gepuffertem (1M PBS) Gemisch von 0.5% Glutaraldehyd und 2%
Formaldehyd bei etwa 10 C über 24 h (Bemerkungen: Glutaraldehyd sollte gereinigt sein 'EM grade', Formaldehyd frisch aus Paraformaldehyd
zubereitet werden; Formaldehyd dringt rascher ins Gewebe ein, Glutaraldehyd vernetzt / erhält die Feinstruktur besser; Das zu fixierende Gewebe
sollte über diese Zeit entweder im Fixativ leicht bewegt werden oder in einem Siebchen eingehängt werden, damit es immer von frischem Fixativ
umspült ist; falls irgendwie machbar sollte der Immersionsfixierung eine Perfusionsfixierung über das Gefäss-System für 60 min mit dem gleichen
Fixativ vorangehen).

Eventuell noch Osmierung zur besseren Erhaltung von Lipidstrukturen: Perfusion (s.o.) mit 1% OsO4 in 0.1% Chromsäurelösung für 1h, oder Immersion für 2 h 
(Bemerkungen: die Osmierung erfolgt am besten via Perfusion, da sich die Gewebeblöcke nicht immer gleichmässig osmieren lassen, was oft zu
ungleichmässigen Verfärbungen des Blockes durch das OsO4 führt; bitte im Dunkeln ausführen).

Auswaschen des Fixatives in 1M PBS (phosphatgepufferte Salzlösung), 3x 2 h (Bemerkungen: bewegen, einhängen wie oben).

Besonders schonende, stufenlose Entwässerung durch die Vakuum-Acetonmethode nach Sitte:
Gewebeblock in 20% Aceton in Wasser überführen. Ein Exsiccator wurde mit einem Schälchen mit 5 ml reinem Aceton und wasserfreien
Calciumchlorid-Kristallen (diese im unteren Teil) versehen. Auf die Porzellaneinlage wird das andere Schälchen mit ca. 5 ml 20 % Aceton, in welchem
sich das Gewebe befindet, gestellt. Mit Hilfe einer Wasserstrahlpumpe o.ä. wird der Exsikkator evakuiert. Im geschlossenen Exsiccator wird die
Feuchtigkeit über Nacht dem Gewebeblock stufenlos entzogen und von den Calciumchlorid-Kristallen aufgenommen. Vor der Weiterverarbeitung noch
für je 30 min in 1x erneutes reines Aceton verbringen (Bemerkungen: die Calciumchlorid-Kristalle sind immer wieder im heissen Backofen zu
'regenerieren'; diese Entwässerung ist auch für Paraffineinbettung zu verwenden wenn man noch ein typisches Paraffin-Intermedium, wie z.B. Xylol,
anschliesst).

Einbettung dann je nach dem verwendeten Kunststoff (vom Hersteller angegeben).

Da ich irgendwann mal selber Semidünnschnitte schneiden möchte habe ich mir schon mal ein paar Sachen gekauft, z.B. den Exsikkator und eine
recht preiswerte Vakuumpumpe bei Ebay ...

@ Harald: Die Gewebe sind aus einem tiertoxikologischen Institut, Rhesusaffe, Maus, Ratte, Kaninchen ...

Herzliche Grüsse
Holger

Titel: Re: Histologie in Semidünnschnitten: Pankreas, Leber, Gebärmutter, Niere
Beitrag von: Holger Adelmann am Juni 13, 2010, 16:00:55 Nachmittag
... weiter gehts mit der Histologie: Ich habe ein schönes Glomerulum (Nierenkörperchen) in einem meiner Schitte entdeckt.
Neben der Vorschau habe ich ein grösseres Bild hier eingestellt:
http://www.fotos-hochladen.net/glomerulum07detaildv1ulksj.jpg

Dieses habe ich beschriftet gemäss eines Internetatlases welcher hier zu finden ist.
http://www.uni-mainz.de/FB/Medizin/Anatomie/workshop/EM/eigeneEM/25230.html

Und noch ein grosses, unbeschriftetes:
http://www.fotos-hochladen.net/glomerulum07big567veydn.jpg

Und noch ein grosses, unbeschriftetes in s/w:
http://www.fotos-hochladen.net/glomerulum07bwyi8lbrth.jpg

Zum Einen denke ich, dass die zwei Glomerula sich recht ähnlich sind  :) zum Anderen denke ich dass das LM Bild schon Erstaunliches zeigt im Vergleich zum EM Bild auf der Internetseite  ;D

Viel Spass
Holger

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/42103_36012564.jpg)

 
Titel: Re: Histologie in Semidünnschnitten: Pankreas, Leber, Gebärmutter, Niere
Beitrag von: Harald am Juni 13, 2010, 17:20:55 Nachmittag
Hallo Holger!

Vielen Dank erst mal für deine ausführlichen Beschreibungen!
Woher hast du denn den Kontakt zu dem tiertoxikologischen Institut? ;) Ich hätte auch gerne ein paar solcher Schnitte...

Zur Niere und Deinen Glomeruli kann ich eigentlich nur wieder genau das sagen was ich schon gesagt habe, die Schnitte (und die Bilder!) sind fantastisch, da macht das Betrachten richtig Spaß. Weiter so!

Liebe Grüße
Harald
Titel: Re: Histologie in Semidünnschnitten: Pankreas, Leber, Gebärmutter, Niere, Thymus
Beitrag von: Holger Adelmann am Juni 14, 2010, 18:42:23 Nachmittag
Liebe Kollegen,

heute poste ich ein Foto vom Thymus. Der hinter dem Brustbein liegende Thymus ist besonders in der Kindheit aktiv in der Reifung und immunologischen Praegung von Lymphozyten. Im Erwachsenenalter erfolgt eine fettige Rueckbildung.

Das Bild habe ich von einem Schnitt aufgenommen, den unser Forum-Kollege Dieter Stoffels gemacht hat. Diesmal handelt es sich um eine  Kombinationsfärbung aus alkalischem Methylenblau und basischem Fuchsin. Es zeigt den Markbereich mit diverse Immunzellen sowie das Aequivalent zu einem Hassall'schen Koerperchen (Konzentrischer Bereich mit degenerierenden Zellen), dessen Funktion noch immer nicht aufgeklaert ist.

Die hohe Farbdichte ist sehr schoen anzusehen, erfordert aber einen hohen Dynamikbereich in der Bildaufzeichnung und hat meine Kamera das erste Mal vor Probleme gestellt, welche ich aber durch eine virtuelle Erweiterung des Dynamikbereiches mittels 3 Aufnahmen verschiedener Belichtung und Anwendung eines HDR Programmes (Photomatix Pro) gemeistert habe. Durch das Tonwertmappen auf RGB24 im geposteten JPEG erscheint das Bild mit etwas harten Farbuebergaengen.

Gute Beschreibung des Thymus in der englischsprachigen WikiPedia:
http://en.wikipedia.org/wiki/Thymus

Fortsetzung folgt ...

Herzliche Gruesse
Holger

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures006/42196_53474368.jpg)

Titel: Re: Histologie in Semidünnschnitten: Pankreas, Leber, Gebärmutter, Niere, Thymus
Beitrag von: Holger Adelmann am Juni 18, 2010, 08:50:24 Vormittag
... (korrigierte) Ergänzung zur Leber: In der Leber gibt es fünf Gefässe: Lebervenen, Leberarterien, Pfortadervenen, Gallengänge und Lymphgefässe. Die letzteren drei (Leberarterien, Pfortadervenen, Gallengänge) sind zu Strängen gebündelt, welche zwischen den Lebergewebeläppchen liegen. Diese Stränge nennt man nach dem Englischen Anatom Francis Glisson die Glisson'sche Trias (Trias = "Dreiheit"). Allerdings gehören hierzu auch noch Lymphgefässe, sodass man (lt. Alfons Renz) eigentlich von einem Quartär sprechen muss  ;D

Bild 1 zeigt die Glisson'sche Trias (das "Glisson'sche Quartär") in der Übersicht mit Gallengang (G), Arterie (A), Pfortadervenenast (V), Lymphkapillaren (L), Bild 2 zeigt den Gallengang im Detail mit seinem einschichtigen prismatischen Epithel.

Viel Spass beim Ansehen
Holger

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/42480_51798063.jpg)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/42480_49211461.jpg)





Titel: Re: Histologie in Semidünnschnitten: Pankreas, Leber, Gebärmutter, Niere, Thymus
Beitrag von: Ronald Schulte am Juni 18, 2010, 10:30:03 Vormittag
Holger,

Wahnsinn!

Hast du schon nachgefragt was das Farbprotokol ist?

Bin gerade dabei um Schnitte zu machen und komme schon zu 2µ. Ca 1cm² groß und schön flach.
Ein Tipp von Carsten Dittmayer war um die Blöcke im Kühlschrank zu kühlen und das wirkt. Das Paraplast wird dann harter und das ist eine unbedingte 'input' für semidunn.

Grüße Ronald
Titel: Re: Histologie in Semidünnschnitten: Pankreas, Leber, Gebärmutter, Niere, Thymus
Beitrag von: Jürgen H. am Juni 18, 2010, 11:13:03 Vormittag
Hallo Holger,

ich geb mein Hobby auf. Und Du bist schuld, bzw. Deine fantastischen Aufnahmen von den Kunststoffschnitten! ;-) Wunderbar klar und detailreich sind sie. Und ich werkele mit meinem alten Leitz Mikrotömchen herum und bin glücklich, wenn mir damit ein 5µ Schnitt gelingt, also ein Schnitt der 10 mal so dick ist wie Deine. Hinzu kommt, dass beim Kunststoffschnitt alles schön am Platz bleibt, nichts so schrumpft wie beim Paraffin, wobei die Schrumpfungen bei meinen Insekten besonders ärgerlich sind, da die Chitinhülle nicht entsprechend mitschrumpft und sich so ständig irgendwelche Abrisse von der Chitinhülle im Präparat befinden. Ich neige ja sonst nicht zu Neidgefühlen, aber hier!!

Nein im Ernst: ich freue mich sehr an diesen wunderbaren Aufnahmen und nicht zuletzt auch an Deinen Anmerkungen und Erläuterungen.

Mikrogrüße

Jürgen



Titel: Re: Histologie in Semidünnschnitten: Pankreas, Leber, Gebärmutter, Niere, Thymus
Beitrag von: Ronald Schulte am Juni 18, 2010, 17:00:31 Nachmittag
Jürgen,

Insekten schneiden ist auch sehr schwierig. Nehme mal ein weicheres teil z.B. Lunge, Speicheldrüse oder Pancreas. Schneidet sich viel leichter und damit werden die Präparaten auch schöner.

Grüße Ronald 
Titel: Re: Histologie in Semidünnschnitten: Pankreas, Leber, Gebärmutter, Niere, Thymus
Beitrag von: Holger Adelmann am Juni 18, 2010, 17:25:49 Nachmittag
Liebe Kollegen,

vielen Dank für das nette Feedback !

@ Ronald:
Die Färbung ist wiederum Toluidinblau (genauer: 1% in 2,5% wässriger Natriumcarbonat-Lösung 30 min bei Zimmertemparatur, evt. mikroskopische Kontrolle und Nachfärbung möglich falls zu schwach - ist etwas gewebeabhängig).

@ Jürgen:
Lieber Jürgen, von Deinen Fähigkeiten bin ich doch noch Meilenweit entfernt !! Natürlich bin ich fasziniert von der Klarheit und dem Detailreichtum der Semidünnschnitte. Deswegen fotografiere ich sie ja auch ständig und möchte auch die Technik selbst noch lernen. Was ich bisher von Dir an selbst gefertigten, gefärbten UND fotografierten Insektenschnitten gesehen habe ist Spitze [hab ich Dir schon mal geschrieben  ;D ]. Freue mich auf mehr Insektenmaterial von Dir.

Aber wo ich schon mal am Schreiben bin:
Heute zeige ich ein endzündliches Infiltrat in der Leber. Diese Infiltrate sind gar nicht selten und wahrscheinlich eine Reaktion auf Substanzen oder auch Keime, welche aus dem Darm über die Pfortader in die Leber gelangen. Man sieht mehrere Lymphozyten (kleine, rundliche Kerne), Macrophagen (Fresszellen - grosse längliche Kerne), sowie einen neutrophilen Granulozyt (dunkelblau - gelappter Kern).

Herzliche Grüsse
Holger

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures006/42498_7311891.jpg)


Titel: Re: Histologie in Semidünnschnitten: Pankreas, Leber, Gebärmutter, Niere, Thymus
Beitrag von: Holger Adelmann am Juni 19, 2010, 10:11:47 Vormittag
Liebe Kollegen, zum Thema Niere noch eine Ergänzung:
Heute poste ich Details zum sogenannten juxtaglomerulären Apparat ("juxtaglomerulär" meint "nahe des Glomerulums").
Der juxtaglomeruläre Apparat ist eine bestimmte Funktionseinheit von Zellen am Nierenkörperchen (= Glomerulum = kleinste Filtereinheit der Niere). Der juxtaglomeruläre Apparat spielt in der Salzregulation und der Blutdruckregulation eine Hauptrolle.
Bild 1 zeigt eine Übersicht des Glomerulums mit zu (oder abführender ?) Arteriole, Bild 2 zeigt Details des juxtaglomerulären Apparates (Mi = Mittelstück des Tubulus (mit gelbem Umriss), MD = Macula densa hiervon, JG = juxtaglomeruläre Zellen, MA = Mesangiumzellen, Art = Arteriole welches dem Filter das Blut zuführt). Die Macula densa ist ein chemosensitives Feld, das aus hochprismatischen, dicht stehenden Epithelzellen in der Wand des gewundenen distalen Tubulus ("Mittelstück") besteht. Die juxtaglomerulären Zellen produzieren das Enzym Renin welches bei niedrigem Blutdruck oder zu geringem Natriumgehalt in der Niere ausgeschüttet wird. Die Mesangiumzellen sind Zellen eines besonderen Bindegewebes, welches die Glomerulumkapillaren stützt und auch der Signalweiterleitung im juxtaglomerulären Apparat dient.

Bild 3 zeigt den schematischen Aufbau (aus Wikipedia): http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Renal_corpuscle.svg. Die Lage des Mittelstücks ist gut an der kleinen Schemazeicnung des Glomerulums in der linken oberen Ecke zu sehen, der juxtaglomeruläre Apparat ist der als D zusammengefasste Komplex.
Bild 4 die Legende hierzu.

Viel Spass
Holger

PS: Ich habe, Dank Alfons Renz  ;D, auch noch die Angaben zur Glisson'schen Trias korrigieren / verfeinern können, siehe dort.



(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures006/42525_31352113.jpg)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/42525_38272088.jpg)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/42525_44522383.jpg)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/42525_57350220.jpg)


Titel: Kühlung des Paraffinblockes/Dünnschnitte mit Paraffin
Beitrag von: Jürgen H. am Juni 19, 2010, 16:18:57 Nachmittag
@Holger

vielen Dank, lieber Holger, für das neue tolle Bild vom Dünnschnitt und Deine Erläuterungen dazu.

@Ronald: Weißt Du, ich bin ein wenig starrköpfig. Gerade die Insekten reizen mich und ich will noch nicht einsehen, dass sich die Schwierigkeiten mit dem Paraffinschnittverfahren nicht beseitigen lassen. Die Kunststoffeinbettung steht mir allerdings nun einmal nicht zur Verfügung; sie wäre gerade hier fantastisch.

Ich verfolge zur Zeit zwei denkbare Lösungsansätze, was die Paraffineinbettung angeht.

Einer davon ist eine vorherige Celloidinbehandlung. (Doppelte Einbettung, erst in Celloidin, dann in Paraffin, um die Serienschnittmöglichkeit zu erhalten) Darauf  werde ich sicher noch einmal in diesem Forum zurückkommen.

Der zweite Ansatz ist der, von dem Du auch berichtest: Die Kühlung. Nur kann ich mir zur Zeit noch nicht vorstellen, mit einer vorherigen Kühlung des Blockes im Kühlschrank einheitlich gute Schnittserien zu fertigen, weil das Blöckchen außerhalb des Kühlschrankes sukzessive auftaut. Ich könnte mir vielleicht damit behelfen, auf das Blöcken immer wieder ein Eisstückchen aufzulegen. Ich schneide ja im Unterschied zu Dir am Schlittenmikrotom, da steht der Block senkrecht in die Höhe. Das sich bildende Wasser soll sogar vorteilhaft sein, so lese ich, es soll die Härte des Materials - nicht des Paraffins -  etwas erweichen. Probieren kann ich es zur Zeit nicht, da mein linker Arm wegen eines Bruchs ziemlich bewegungsunfähig ist. Stellst Du Deinen Block einfach in den Kühlschrank und spannst ihn dann ein?

Eine weitere Variante der Kühlmethode wäre vielleicht, den Block auf die Kühlseite eines kleines Peltierelement aufzuschmelzen. Das Element müsste mit der warmen Seite auf einem Kühlkörper befestigt werden, wie wir ihn vom Computer kennen. Dann könnte man den Block mit der kalten Seite des Elements vorsichtig und gesteuert herunterkühlen. Ich denke, das müsst funktionieren. Ich habe nur noch keine Idee, wie das Peltierelement gut auf dem Kühlkörper (Kupfer) zu befestigen wäre... Any idea?

Mikrogrüße

Jürgen
Titel: Re: Histologie in Semidünnschnitten: Pankreas, Leber, Gebärmutter, Niere, Thymus
Beitrag von: Ronald Schulte am Juni 19, 2010, 18:05:54 Nachmittag
Jürgen,

Carsten hat mich mal die Idee vom Kühlschrank erzählt und Gestern habe ich fünf verschiedene Blöcke auf diese weise geschnitten und ziemlich einfach 2µm erreicht (A&O Rotation Mikrotom mit einmal Klingeln von Leica).
Das Kühlen nimmt mehrere Stunden ein und natürlich taucht es auf aber man soll danach auch kein Kaffee trinken sondern schneiden.
So schneide ich meist zehn Coupes und strecke sie auf warmes Wasser. Dann suche ich mich die schönsten aus und fische drei bis vier auf ein OT auf.
Morgen Farbe ich einige mit Pyronin und Toluidin und Fixiere die Färbung mit Ammoniummolybdat weil diese Farbstoffe schnell mit Ethanol aufgelöst werden (Romeis).
Wenns mir gelingt poste ich einige Bilder.

Grüße Ronald
Titel: Re: Histologie in Semidünnschnitten: Pankreas, Leber, Gebärmutter, Niere, Thymus
Beitrag von: Jürgen H. am Juni 19, 2010, 19:12:48 Nachmittag
Hallo Ronald,

Zitat
So schneide ich meist zehn Coupes und strecke sie auf warmes Wasser. Dann suche ich mich die schönsten aus und fische drei bis vier auf ein OT auf.

Bei nur 10 Schnitten kommst Du natürlich schnell wieder zu Deinem Kaffee (https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/42557_52064154.jpg)

Bei mir dauert das schon ein wenig länger. Meist beschicke ich einen OT mit ca 16 Schnitten (zwei Reihen untereinander von je 8, die Tierchen sind ja recht schmal). Und meist mache ich so 4 bis 5 OT am Stück. Am Schlittenmikrotom sitzt Du dann schon eine ganze Weile, bei 60 bis 80 Schnitten.

Ich bin gespannt auf Deine neuen Dünnschnitte! Viel Erfolg!

beste groeten

Jurgen
Titel: Re: Histologie in Semidünnschnitten: Pankreas, Leber, Gebärmutter, Niere, Thymus
Beitrag von: Holger Adelmann am Juni 20, 2010, 23:45:41 Nachmittag
Liebe Kollegen,

noch ein paar Details zur Leber, genauer - zu den Lebersinusoiden. Dort haben die Leberzellen Kontakt mit dem zirkulierenden Blut. Und zwar nicht direkt: Die Leberzelloberfläche die fein aufgefaltet ist (Mikrovilli - Oberflächenvergrösserung) ragt in den sogenannten Disse'schen Raum herein, einen feinen Spalt unter dem dünnen Sinusoid-Endothel. Das Sinusoid-Endothel ist stark gefenstert und nur eine Barriere für zelluläre Bilutbestandteile.
Im Disse'schen Raum befinden sich auch die sog. Ito-Zellen, welche u.a. Vitamin A speichern, sowie bei grösseren Sinusoiden auch collagene und elastische Fasern.
Im Blutraum sind dem Sinusoid-Endothel Fresszellen (Macrophagen, hier als Kupffer'sche Sternzellen) aufgelagert, wie bereits weiter unten im Post gezeigt.

Legende zu Bild 1: Der Disse'sche Raum (Di) ist grün umrandet, in ihm finden sich hier collagene Fasern (Co) und Ito Zellen (Ito); Er wird zum Sinusoid hin durch ein dünnes Endothel begrenzt, der Kern einer Endothelzelle ist sichtbar (E); Kern eines Hepatozyten (Hep Nu), beachte die unruhige Oberfläche der Hepatozyten zum Disse'schen Raum hin; Eine Kupffer Zelle (Ku) ist dem Sinusoid-Endothel aufgelagert.

Bild 2 = Bild 1 ohne Legende, Bilder 3 bis 5 zeigen ähnliches. Der Masstab is 10 µm.

Details zur funktionellen Histologie des Disse-Raums sind hier kurz erklärt mit netter Skizze: http://www.unifr.ch/anatomy/elearningfree/allemand/biochemie/verdauung/leber/d-leber.php

Wie immer wünsche ich viel Spass beim Anschauen.
Holger

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/42629_2375986.jpg)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/42629_39810514.jpg)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/42629_46642686.jpg)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/42629_18546104.jpg)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/42629_29268325.jpg)

Titel: Re: Histologie in Semidünnschnitten: Pankreas, Leber, Gebärmutter, Niere, Thymus
Beitrag von: Ronald Schulte am Juni 21, 2010, 22:12:19 Nachmittag
Jurgen und andere Freunde für dunne Schnitte ,

Habe mich nochmal den Beitrag von Carsten aus 2009 aufgesucht. Hier erklärt er sehr gut wie und warum er die Blöcke kuhlt.

Grusse Ronald Schulte

Zitat
--------------------------------------------------------------------------------
Hallo,

das mit dem Schneiden ist immer etwas kniffelig. Der Block musste wirklich immer sehr kalt sein und blieb es nicht lange. Wenn man das mal mit Kältespray ausprobiert wird man den Unterschied merken. Ich würde den Block vorher aber trotzdem ins Kühlfach legen, dann fallen die nämlich fast nie vom Stempel.
Wenn der Block eingespannt und angeschnitten wurde kommt er wieder für ca. 5min ins Eisfach. Man kann das etwas beschleunigen wenn man die glatte Seite auf einen Objektträger legt und diesen dann auf das Metall des Eisfachs.
Wenn der Block schön durchgekühlt ist kann man ihn einspannen und mit einem neuen Einmalmesser (nicht das vom Anschneiden benutzen) mit 2-5µm den Block anschneiden bis man den ihn erreicht hat.
Beim ersten Anschneiden sollte man nicht mehr als 10µm einstellen, sonst können eher Strukturen im Block zerstört werden. Außerdem "poliere" ich den Block bevor ich ihn das zweite Mal ins Eisfach stelle nochmal indem ich erst mit ca. 5µm, dann mit 2µm und zum Schluss mit 0,5µm einige Male schneide. Dann bekomme ich natürlich keine Schnitte, der Block ist aber feiner angeschnitten.
Für diese Vorgehensweise braucht man natürlich diese Schnellspannkassetten, das lohnt sich aber auch. Zur Not (bei HOlzklotz etc.) kann man nach einigen Minuten im Eisfach später nur mit Eisspray arbeiten, aber nicht den Rest des Blocks vergessen einzusprühen, sonst fällt der noch leichter ab als sonst schon (ist dann ja härter vorne). Vor allem beim Anschneiden muss man vorsichtig sein. Und ich würde den Block nicht direkt ansprühen, sondern einen OT vorhalten.

Außerdem:
- Für besonders dünne Schnitte benutze ich dann immer ein neues Messer, und da auch nur die Mitte, den Rest kann man für andere Schnitte noch verwenden, aber das ist evtl. auch etwas esoterisch.
- Wichtige Stellen von Paraffin befreien. Z.B. dort wo man die Kassette einklemmt oder den Block einspannt sollte nicht viel Paraffin sein, das ist eher weich und der Block ist dann evtl. nicht optimal stabilisiert. (gilt auch für das Einspannen des Einmalmessers)
- Das Einmalmesser sollte genau aufliegen, deswegen drücke ich es an beiden Seiten vor dem Einspannen nochmal nach unten.
- Alle Hebel kräftig anziehen damit nichts locker ist
- Der Winkel ist oft entscheidend. Auch wenn alles stimmt kann der Winkel zu schlechten Schnitten führen. Das kommt aber auf das Mikrotom an welchen man einstellt. Bei einem ist genau 6° für die meisten Schnitte am besten, bei einem anderen 0°. Da kann man mit einem Probeblock etwas spielen.
- Für gute Schnitte ist genug Paraffin um das Präparat herum wichtig, es stabilisiert und man hat etwas Spielraum um den Pinsel anzusetzen

Vorstrecken
- Ich strecke auf einem kalten Wasserbad vor, evtl. auch bei schweren Schnitten davor noch eins aus 5-10% Ethanol.
- Beim Trennen der Schnittbänder bietet sich bei sehr dünnen Schnitten ein Deckglas an, mit der "scharfen" Seite lassen sich viele Bänder zerschneiden, mit der Spitze steche ich dafür in kleinen Abständen auf die Trennlinie ein.

Strecken
- Mache ich mit Eiweißglycerin, ca. 15-30ml pro 1,6L Streckbad bei 41-45°C
- Das Eiweißglycerin verbesser eigentlich alle Eigenschaften des Wassers. Die Schnitte bewegen sich nicht mehr so schnell. Luftblasen steigen sehr langsam auf und man überträgt mit der Zeit auch immer etwas Eiweißglycerin in das kalte Vorstreckbad. Dadurch lassen sich meine Schnitte besser mit dem Deckglas trennen.
- Das Wasser vorher abkochen (danke für den Tipp Sascha :-) ). Dann hat man eigentlich gar keine Luftblasen, auch bilden sich später unter dem Schnitt meist keine.
- Mit dem Eiweißglycerin sammelt sich später kein Wasser zwischen Schnitt und Objektträger. Saubere Objektträger muss man auch nicht vorher putzen, solche gibt es (ist drin was draufsteht, leider selten so).

Ich lasse die Objektträger nach dem Aufziehen für ca. 5-10min auf einem Papier an eine Wand angelehnt stehen (hochkant). Das Wasser kann dann so ablaufen. Anschließend für 15-30min in einen Wärmeschrank. Je nachdem ob der gut durchlüftet ist oder einfach nur heizt braucht es länger oder muss auch heißer eingestellt werden. Ich benutze einen gut belüfteten Schrank bei ca. 63°C. 70°C geht aber auch. Das Ziel ist es das Wasser komplett zu verdampfen, das Paraffin anzuschmelzen (kann auch etwas nach unten laufen) und bei Eiweißglycerin das Eiweiß zu denaturieren (soweit ich weiß).
Mir schwimmen so von 1000 Schnitten evtl. 1-2 ab, dann eigentlich auch nur wenn das Präparat schlecht ist.
In den letzten 2-3 Monaten habe ich ca. 1700 Präparate gefärbt (1000 davon maschinell), und davon sind soweit ich weiß weniger als 3 abgeschwommen.

Demnächst kann ich auch einige Fotos machen wie ich eindecke, ist fast narrensicher und es gibt fast nie Luftblasen (aber eine gleichmäßige Verteilung des Eindeckmittels). Gute Erfahrungen habe ich mit Cytoseal 60 gemacht, sehr dünnflüssig, Tropfen sind mit Xylol leicht zu entfernen und es härtet schnell ohne viel Schwund.

Zusammenfassend die Punkte für dünne Schnitte:
- Alles festziehen und säubern
- Kalter Block
- Neue Klinge, am besten die Mitte benutzen
- Pusten und gleichmäßig schneiden (sollte nicht zu langsam sein, eher etwas schneller), dabei wenn nötig mit dem Pinsel den Schnitt an das Messer drücken
- Glatte, parallel zur Messerkante zeigende Blockecken
- Die Bewegung zwischen den Schnitten schnell ausführen damit der Block sich in der Zeit nicht so stark ausdehnen kann

Es kann natürlich immer sein, dass das Mikrotom für so dünne Schnitte nicht geeignet ist, 0,5µm ist für ein sehr altes Rotationsmikrotom evtl. zu dünn (für neue natürlich auch) . Aber da kann ich keine Vergleiche machen weil ich fast nur mit einem neueren Gerät arbeite.

Ich kann davon sonst auch mal ein Video machen, wird aber etwas dauern.

Nähere Angaben zum Paraffin kann ich noch nicht machen, das Umblocken beschreibe ich dann später.
Zum Grössenvergleich bieten sich die Zellkerne an, die haben meist (wenn es nicht sehr langgestreckte Muskelzellkerne sind) 5-9µm. Erythrozyten 7µm und viele Leukozyten um die 10µm.

Viele Grüße,
Carsten
 
 
« Letzte Änderung: Oktober 12, 2009, 13:38:03 von CaDi »
 
Titel: Re: Histologie in Semidünnschnitten: Pankreas, Leber, Gebärmutter, Niere, Thymus
Beitrag von: Holger Adelmann am Juni 26, 2010, 12:51:10 Nachmittag
Liebe Kollegen,

heute habe ich mich mal an die lichtmikroskopische Darstellung von Gallenkapillaren gewagt. Diese sind winzig, eine eigentliche Wand haben sie nicht, sondern werden von den Zellmembranen der angrenzenden Hepatozyten begrenzt. In das winzige Lumen ragen Mikrovilli der Hepatozyten, die ich Lichtmikroskopisch nicht auflösen konnte. In diese Kapillaren werden die Abfallprodukte der Hepatozyten als Gallenflüssigkeit abgegeben.
Dennoch ist die winzige Gallenkapillare gut dargestellt, wie ich finde, wenn auch durch Diffraktionseffekte vermutlich etwas aufgebläht. Sie ist von sog. tight junctions begrenzt (= Desmosom - die dunklen Körperchen in der Zellmembran auf beiden Seiten der Kapillare), welche eine dichte, besonders feste Verbindung der Zellmembranen darstellt und somit die Wand der Kapillare festigt.
Die hauchfeinen Zellmembranen der 3 aneinandergrenzenden Hepatozyten sind auch sehr schön zu sehen. Sie sind real nur etwa 50 nm stark, werden aber durch den Diffraktionseffekt mit etwa 150 nm Stärke dargestellt, was in etwa dem kleinsten Durchmessers des Airy-Scheibchen entspricht, welches ich mit der blauvioletten Beleuchtung erzeugen konnte - immerhin. Demnächst versuche ich es mal mit UV, ich hoffe meine Hamamatsu CCD Kamera schafft das noch.

Hier im Internet finden sich zum Vergleich die elektronenmikroskopischen Bilder - sehr interessant im Vergleich, da man dann besser erkennt, was man sehen soll  ;)
http://www.google.de/imgres?imgurl=http://www.uni-mainz.de/FB/Medizin/Anatomie/workshop/EM/eigeneEM/Leber/Le15Gg.jpg&imgrefurl=http://www.uni-mainz.de/FB/Medizin/Anatomie/workshop/EM/EMLeber.html&usg=__bkpZqzvyvQJq4GEropafoAoQc5Y=&h=432&w=650&sz=97&hl=de&start=7&um=1&itbs=1&tbnid=iELf12NVJXUQtM:&tbnh=91&tbnw=137&prev=/images%3Fq%3Dgallenkapillare%26um%3D1%26hl%3Dde%26sa%3DN%26tbs%3Disch:1

Schön sind die Gallenkapillaren im Schema 17 auf der folgenden Seite zu sehen:
http://www.unifr.ch/anatomy/elearningfree/allemand/biochemie/verdauung/leber/d-leber.php

Leitz Orthoplan, Pl Apo 63/1.40, HBO 50 W, Interferenzfilter 435-20, Hamamatsu Argus-20 VEC Prozessor, Massstrich = 5 µm
(K = Gallenkapillare, Des = Gürteldesmosom, Hep Nu = Zellkern benachbarter Hepatozyten)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/42948_27240120.jpg)
Titel: Re: Histologie in Semidünnschnitten: Pankreas, Leber, Gebärmutter, Niere, Thymus
Beitrag von: Holger Adelmann am Juni 26, 2010, 17:24:26 Nachmittag
... und hier noch die Übersichtsaufnahme zum vorherigen Post im weissen Licht aufgenommen.
Man sieht, dass der untere Hepatozyt regelrecht von Gallenkanälchen (oder interzellulären Ausläufern des Disse Raumes, was im Schnitt im LM nicht eindeuting zu klären ist) umgeben ist.
H

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures006/42964_52757466.jpg)

Titel: Re: Histologie in Semidünnschnitten: Pankreas, Leber, Gebärmutter, Niere, Thymus
Beitrag von: Holger Adelmann am Juli 03, 2010, 00:05:29 Vormittag
Liebe Kollegen,

bei der Durchsicht eines Schnittes vom Knie der Maus, habe ich neben dem Synovialepithel (SE) auch ein nettes Mastzellen-Pärchen gefunden. Doch zunächst zum SE:
Das Synovialepithel (Bild 1) sondert die Synovialflüssigkeit ("Gelenkschmiere") ab, welche auch zur Ernährung des Knorpels mittels Diffusion beiträgt und als Stoss-Dämpfer wirkt. Das SE ist bei der rheumatischen Arthritis (Gelenkrheuma) der Schauplatz starker Entzündungen auf autoimmuner Basis, d.h. das Immunsystem greift körpereigenes Gewebe an. Ein schöner Weblink hierzu: http://www.medizinfo.de/rheuma/arthritis/rheumatoide_arthritis_gelenkzerstoerung.shtml

Die Mastzellen (Bild 2) sind Teil des Immunsystems und liegen überall im Bindegewebe. Sie sind bei der allergischen Reaktion massgeblich beteiligt. Bei Vorhandensein eines Allergens entleeren Sie ihre Granula (Körnchen). Diese enthalten "pure Chemie", unter anderem das Histamin, welches für Gewebeschwellungen, Rötungen, laufende Nasen etc. verantwortlich ist. Schöner EM Weblink: http://www.uni-mainz.de/FB/Medizin/Anatomie/workshop/EM/EMMastzellen.html

Der 1.5 µm Schnitt ist wiederum mit Toluidinblau gefärbt, welches im Falle der Mastzellgranula die schon von mir hier im Post beschriebene Metachromasie zeigt.

Viel Spass
Holger

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures006/43444_20054924.jpg)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/43444_56070870.jpg)

Titel: Re: Histologie in Semidünnschnitten: Pankreas, Leber, Gebärmutter, Niere, Thymus
Beitrag von: Fahrenheit am Juli 03, 2010, 06:47:54 Vormittag
Liebe Histologen,

auch wenn ich selbst inhaltlich nichts beitragen kann: vielen Dank für diesen sehr interessanten Thread, den ich insbesondere wegen der erstklassigen Bilder und den tollen Erläuterungen gerne verfolge.

Herzliche Grüße
Jörg
Titel: Re: Histologie in Semidünnschnitten: Pankreas, Leber, Gebärmutter, Niere, Thymus
Beitrag von: Harald am Juli 03, 2010, 10:18:38 Vormittag
Hallo Holger!

Also das letzte Bild mit den zwei Mastzellen ist mein absolutes Lieblingsbild!
Kompliment, mach weiter so!

Hast du irgendwas an deiner Kameraadaptation geändert? Irgendwie scheinen mir die letzten beiden Bilder im Vergleich zu den vorherigen an Kontrast und Schärfe anders, ein bisschen "knackiger"...

Liebe Grüße
Harald
Titel: Re: Histologie in Semidünnschnitten: Pankreas, Leber, Gebärmutter, Niere, Thymus
Beitrag von: Holger Adelmann am Juli 03, 2010, 11:18:45 Vormittag
Lieber Jörg & Harald,

vielen Dank für's positive Feedback !
@ Harald: Die Frage re knackig / Schärfe sollte immer die Endvergrösserung berücksichtigen. Die vorigen Bilder zu den Lebersinusoiden und Gallenkapillaren sind in der Endabbildung so stark vergrössert (Grössenordnung 3000-10.000x), dass man sich hier einfach an den physikalischen Grenzen des Lichtmikroskops bewegt. Da ist es klar das dann die Knackigkeit leidet  ;D Dennoch, finde ich, ist es für die Erkennbarkeit der Details günstig, stärker nachzuvergrössern.

Herzliche Grüsse
Holger
Titel: Re: Histologie in Semis: Pankreas, Leber, Gebärmutter, Niere, Thymus, Lunge
Beitrag von: Holger Adelmann am Juli 03, 2010, 12:09:56 Nachmittag
Liebe Kollegen,

heute ein paar Bilder von Semidünnschnitten durch die Lunge vom Rhesusaffen.
Die Lunge dient ja bekanntermassen dem Gas-Austausch des Blutes mit der Luft. Sauerstoff wird vom Blut aufgenommen, CO2 wird vom Blut abgegeben. Damit die Gases gut diffundieren können ist die Blut-Luft-Schranke naturgemäss sehr dünn. Sie wird von den Plasmaausläufern der Pneumocyten Typ I (P I) gebildet, welche den grössten Teil der Alveolarwand (Wand der Lungenbläschen) ausmachen.
Es gibt - neben anderen Zellen - noch die Pneumocyten Typ II (P II), welche u.a. den sog. Surfactant bilden und in die Alveolen sezernieren. Der Surfactant ist ein Gemisch oberflächenaktiver Substanzen, welches die Oberflächenspannung des Lungenbläschens erhöht, damit es aufgefaltet bleibt und nicht kollabiert.
Es befinden sich in der Lunge u.a. auch noch sog. Clara-Zellen (Clara), welche in der Wand der terminalen Atemwege liegen (Bronchioli terminales, respiratorii und Ductus alveolares). Sie enthalten ebenfalls Sekretgranula und sezernieren unter anderem das Clara Cell Protein und auch Surfactant, ihre genaue Rolle ist noch weitgehend unbekannt.
In den Alveolen befinden sich wiederum auch Fresszellen der Immunabwehr, welche sich - wie andernortes auch - Blutmonozyten differenzieren, die ins Gewebe auswandern. Man nennt sie hier Alveolarmacrophagen (Alv Mac). Sie phagozytieren in die Lunge eingeatmete Fremdkörper und versuchen, diese zu neutralisieren. Bei Rauchern und Kohlebergleuten sind sie schwarz - voller Russpartikel. Wenn sie selbst abgestorben sind, werden sie in der regel abgehustet.

Schöne EM Bilder hierzu:
http://www.uni-mainz.de/FB/Medizin/Anatomie/workshop/EM/eigeneEM/Lunge/Lunge117.html
http://www.uni-mainz.de/FB/Medizin/Anatomie/workshop/EM/eigeneEM/Lunge/Lunge65.jpg

Herzliche Grüsse
Holger

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures006/43476_16945522.jpg)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures006/43476_23677779.jpg)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/43476_62424435.jpg)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures006/43476_31264855.jpg)


Titel: Re: Histologie in Semis: Pankreas, Leber, Gebärmutter, Niere, Thymus, Lunge
Beitrag von: Holger Adelmann am Juli 09, 2010, 19:23:13 Nachmittag
Liebe Kollegen,

ich habe ja bei der früher geposteten Gallenkapillare mit kurzwelligem Licht gearbeitet (HBO 50, Interferenzfilter 435 nm -20). Die Zahl 20 ist die sog Halbwertsbreite des Filters, sagt also aus wie schmalbandig er ist.
Ich hatte auch zuerst Bilder im weissen, ungefiltertern Halogenlicht (100 W) gemacht.

Hier habe ich jetzt mal die beiden Aufnahmen Seite an Seite gegenübergestellt. Die Auflösungserhöhung durch das kurzwellige Licht ist deutlich zu sehen, nicht nur am detaillierteren Rand der Gallenkapillare, sondern auch an den feiner erscheinenden Zellgrenzen und den feineren Details des Zellkerns in der linken unteren Bildecke.
Diese extrem hoch vergrösserten LM Bilder (beachte den Masstab) profitieren eindeutig von einer kürzeren Wellenlänge. Wie gesagt - demnächst hoffe ich, dies noch mit UV (365 nm) zu toppen.

Übrigens: Bedingt durch die unterschiedliche Absorption des verwendeten Lichtes kommt es bei manchen Strukturen im Bild zu unterschiedlichen Schwärzungsgraden.

Herzliche Grüsse
Holger

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures006/43951_57838256.jpg)

  
Titel: Re: Histologie in Semis: Pankreas, Leber, Gebärmutter, Niere, Thymus, Lunge
Beitrag von: Holger Adelmann am Juli 19, 2010, 15:19:17 Nachmittag
Liebe Kollegen,

schnell noch ein Bild einer Insel im Pankreas. Dort werden neben Insulin weitere Stoffwechelhormone produziert.
An feineren morphologischen Details zu den Inselzellen, incl. genauerer Funktionsbeschreibung arbeite ich noch.

Herzliche Grüsse
Holger

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/44442_687331.jpg)

Titel: Re: Histologie in Semis: Pankreas, Leber, Uterus, Niere, Thymus, Lunge, Hoden
Beitrag von: Holger Adelmann am Juli 25, 2010, 15:32:31 Nachmittag
Liebe Freunde,

heute ergänze ich die Feinhistologie-Serie um Semidünnschnitte durch den Hoden vom Affen.
Epon Schnitt 0.5 µm Toluidinblau.
Alle Aufnahme mit Ausnahme der Übersicht mit dem Leitz Plan Apo 63:1/1.40 und der Moticam 2300. Alle Bilder (mt Ausnahme der Übersicht) wiederum an der Grenze des lichtmikroskopisch Darstellbaren.

Vor dem Vergnügen etwas Wissenschaft: Die Funktionen des Hoden sind Bereitstellung von Spermien aus Spermienmutterzellen (Spermatogonien) sowie Produktion männlicher Hormone, insbesonders Testosteron.

Die Hoden sind bei vielen Tieren ein Knäuel aus Schläuchen, in denen die Spermienreifung von der Wand zum Lumen hin stattfindet.
Man findet diesen einheitlichen Bau unter anderem sogar bei Insekten, wie z.B. der Heuschrecke.

In einem solchen Schlauch (Tubulus) findet man überwiegend 2 Arten von Zellen:

1. Die Spermienproduzierenden Zellen:
Die Spermatogonien (solche die noch Verbindung mit der Tubuluswand haben nennt man "Typ A") teilen sich ständig, sodass beim Mann (im Gegensatz zur Frau) keine Erschöpfung der Keimzellen auftritt. Nach der Pubertät differenzieren die Spermatogonien zu Spermatocyten 1. Ordnung .
Die Spermatocyten 1. Ordnung teilen sich (Meiose I, "Haploidisierung" = Trennung der Chromosomenpaare) und werden zu Spermatocyten 2. Ordnung. Diese teilen sich erneut (Meiose II, "Äquationsteilung" - nach Art der Mitose mit Trennung und nachfolgender Verdopplung der Chromatiden eines jeden Chromosomes) und daraus gehen jeweils zwei Spermatiden hervor. Diesen Vorgang bis hier nennt man Spermatogenese.
In der nachfolgenden Spermiohistogenese reifen die Spermatiden zu den typischen Spermien heran. Dabei kommt es zu einer Kondensation der Chromosomen im Kern, einem Zellplasmaverlust und der Ausbildung des Schwanzes. Weiterhin bildet sich das Akrosom, das später dem Eindringen in die Eizelle dient. Aus einem einzelnen, diploiden Spermatogonium mit 2-fachem Chromosomensatz einer typischen Körperzelle gehen also durch Meiose vier haploide Spermien hervor, zwei davon tragen ein X-Chromosom und zwei ein Y-Chromosom.

2. Die sogenannten Sertoli-Zellen (Enrico Sertoli 1842–1910):
Diese habe 3 wichtige Funktionen: Sie bilden innerhalb des Tubulus ein stützendes Gerüst und bilden im Wandbereich des Tubulus die sogenannte Blut-Hoden-Schranke. Diese Schranke limitiert den Durchtritt von Substanzen (incl. körpereigener Antikörper !) in den Tubulus und hat somit im Wesentlichen eine Schutzfunktion für die Keimbahn, deren Integrität evolutionsbiologisch eminent wichtig ist.
Die Sertoli-Zellen haben auch eine endokrine, d.h. hormonbildende Funktion. Die gebildeten Hormone modulieren die Spermienreifung.
Die Sertoli Zellen spielen aber bereits in der Embryonalentwicklung eine grosse Rolle in der Differenzierung des männlichen Geschlechtsapparates, da sie - ebenfalls durch Hormonbildung - die Rückbildung der weiblichen Teile der zunächst zweigeschlechlichen embryonalen Anlage erzwingen.
Man erkennt sie in den folgenden Bildern an ihrem blasigen Zellkern (meist in der Nähe der Tubuluswand) mit rundem Nukleolus (Kernkörperchen).

Im Gewebe ausserhalb der Hodentubuli liegen, überwiegend in Blutgefässnähe, die meist polygonalen Leydig'schen Zwischenzellen (Franz von Leydig 1821 - 1908):
Diese sind beim Mann die Hauptproduktionsstätte des Hormons Teststeron, welches neben seiner wichtigen Rolle bei der Spermienreifung eine grosse Rolle im Stoffwechsel des gesamten Körpers spielt - was hier jetzt aber zu weit führen würde (übrigens: Bei Frauen produzieren die Eierstöcke und die Nebennierenrinde geringe Mengen an Testosteron).

Jetzt viel Spass am Betrachten der Fotos, und dem (hoffentlich) einfachen Wiedererkennen der geschilderten Strukturen.

Ergaenzung: Legende zu den Fotos:

01 - Hodentubuli im Querschnitt, dazwischen Gewebe-Inseln mit den Leydig'schen Zwischenzellen (Freiraeume sind Artefakte)
02 - Hodentubulus im Querschnitt: Wandbereich
03 - wie Bild 2 mit Beschreibung der wichtigen Strukturen
04 - Wandbereich mit Spermatocyt 1. oder 2. Ordnung in einer meiotischen Prophase mit entspiralisierten Chromosomen (KM = Kernmembran, ZM = Zellmembran)
05 - Spermatocyten 1. oder 2. Ordnung
06 - Wandbereiche benachbarter Tubuli mit Spermatogonien Typ A, eine davon in (mitotischer) Teilung
07 - Wandbereich mit Spermatocyten 1. oder 2. Ordnung, zwei in in einer meiotischen Prophase, drei in Metaphase
08 - Leydig'sche Zwischenzellen im Gewebe ausserhalb der Hodentubuli
09 - wie Bild 8 aber mit deutlicher Lagebeziehung zur Aussenseite eines Tubulus (der Spalt ist wiederum ein Praeparationsartefakt)
10 - Spermien mit interessanter Spiralisierung des Schwanzes
11 - dito, mit Unterscheidung von Kopf und Schwanzteil
12 - wie Bild 10, Fouriergefiltert zur besseren Sichtbarkeit des spiraligen Baues des Spermienschwanzes

Herzliche Grüsse
Holger


(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/44806_3888474.jpg)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures006/44806_19723548.jpg)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures006/44806_3359116.jpg)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/44806_25209742.jpg)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/44806_26966483.jpg)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures006/44806_3506029.jpg)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/44806_31884011.jpg)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/44806_32176063.jpg)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures006/44806_9529473.jpg)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures006/44806_55164080.jpg)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/44806_44150175.jpg)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/44806_65326725.jpg)

Hier noch ein Mosaik zum Downloaden:
http://www.fotos-hochladen.net/testesmosaik01enh0ntc8ijv5.jpg




Titel: Re: Histologie in Semis: Pankreas, Leber, Uterus, Niere, Thymus, Lunge, Hoden
Beitrag von: Ronald Schulte am Juli 25, 2010, 17:42:50 Nachmittag
Holger,

Bin immer begeistert von deine Histologie. Sehr gut.
Ich mag persönlich dar erste Bild am meisten, weil es bei mir nie scharf genig ist, aber die Details kann Mann durchaus noch gut erkennen in die Vergrößerungen.
Was sind die Braune Körnchen im dritt letzter Bild?

Randfrage: Kann Mann mit die Moticam auch life Video Bilder aufzeichnen?

Grüße Ronald
Titel: Re: Histologie in Semis: Pankreas, Leber, Uterus, Niere, Thymus, Lunge, Hoden
Beitrag von: Holger Adelmann am Juli 25, 2010, 18:13:16 Nachmittag
Danke Ronald,

ich habe ein paar Bilder noch etwas nachbearbeitet, sie sind jetzt brillianter.
Es ist immer wieder schade wenn man die Bilder fürs Forum herunterrechnen muss.
Ohne weitere Nachbearbeitung sehen sie selten so knackig aus wie das Original.
Sollte jetzt besser sein.

Ja natürlich kann die Moticam Videos aufnehmen !

Gruss
Holger
Titel: Re: Histologie in Semis: Pankreas, Leber, Uterus, Niere, Thymus, Lunge, Hoden
Beitrag von: Ronald Schulte am Juli 25, 2010, 19:19:19 Nachmittag
Holger,

Das herunterrechnen finde ich auch immer schade aber das ist eben so.
Was mich wohl mal aufgefallen ist das Bilder verkleinern nicht immer mit jedes Programm gleich hinhaut(?).
Auch ist von große Bedeutung wie hoch den Resolutie vom Komputerschirm ist.
Hier ein Beispiel:
Auf mein Bildschirm auf meine Arbeit sehe ich zwischen diese zwei Bilden keinen unterschied. Beide sind ziemlich grob und Fleckig.
Mit mein Bildschirm zu Hause zeigt jedoch großes unterschied.
Bild 1 ist anders Komprimiert wie Bild 2 (beachte mal die Rundigkeit von das Auge) 1 ist etwas hackelich, 2 ist schön rund.

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/44840_22330821.jpg)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/44840_43148459.jpg)

Grusse Ronald
Titel: Re: Histologie in Semis: Pankreas, Leber, Uterus, Niere, Thymus, Lunge, Hoden
Beitrag von: Holger Adelmann am Juli 26, 2010, 23:03:31 Nachmittag
Ergaenzung: Legende zu den Fotos meines gestrigen Posts (dort auch eingefuegt):

01 - Hodentubuli im Querschnitt, dazwischen Gewebe-Inseln mit den Leydig'schen Zwischenzellen (Freiraeume sind Artefakte)
02 - Hodentubulus im Querschnitt: Wandbereich
03 - wie Bild 2 mit Beschreibung der wichtigen Strukturen
04 - Wandbereich mit Spermatocyt 1. oder 2. Ordnung in einer meiotischen Prophase mit entspiralisierten Chromosomen (KM = Kernmembran, ZM = Zellmembran)
05 - Spermatocyten 1. oder 2. Ordnung
06 - Wandbereiche benachbarter Tubuli mit Spermatogonien Typ A, eine davon in (mitotischer) Teilung
07 - Wandbereich mit Spermatocyten 1. oder 2. Ordnung, zwei in in einer meiotischen Prophase, drei in Metaphase
08 - Leydig'sche Zwischenzellen im Gewebe ausserhalb der Hodentubuli
09 - wie Bild 8 aber mit deutlicher Lagebeziehung zur Aussenseite eines Tubulus (der Spalt ist wiederum ein Praeparationsartefakt)
10 - Spermien mit interessanter Spiralisierung des Schwanzes
11 - dito, mit Unterscheidung von Kopf und Schwanzteil
12 - wie Bild 10, Fouriergefiltert zur besseren Sichtbarkeit des spiraligen Baues des Spermienschwanzes


In Zukunft werde ich eine solche Legende generell verwenden, um die Bilder noch besser verstaendlich zu machen.

Viele Gruesse
Holger
Titel: Re: Histologie in Semis: Pankreas, Leber, Uterus, Niere, Thymus, Lunge, Hoden
Beitrag von: Holger Adelmann am August 15, 2010, 23:21:10 Nachmittag
Liebe Kollegen,

heute setze ich die Serie fort mit Semidünnschnitten durch die Nebenniere (Glandula suprarenalis), genauer - durch die Nebennierenrinde (NNR).
Die Nebenniere ist ein zweigeteiltes Organ. Die dreigeteilte Rinde ist aus Zellen aufgebaut die aus Epithelzellen differenziert sind und ist eine endokrine Drüse, d.h. sie sondert Hormone ins Blut ab. Das Nebennierenmark ist Teil des autonomen Nervensystems, es ist quasi ein Ganglion des Sympathikus-Systems.

Die drei folgenden histologischen Detail-Bilder zeigen die 3 Schichten der Nebennierenrinde. Von Aussen nach Innen:
1. Zone glomerulosa (Knäuelschicht)
2. Zona fasciculata (Strangschicht)
3. Zona reticularis (Netzschicht)

Übersicht (Oben = Aussen)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/46011_19970974.jpg)

Alle Hormone der Nebennierenrinde sind sogenannte Steroidhormone, sie sind chemisch vom Grundstoff Cholesterol abgeleitet und werden bei Bedarf von den Zelllen der NNR aus diesem synthetisiert.

Cholesterol:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/46011_13503567.jpg)

(1) Die Zellen der Zona glomerulosa produzieren sogenannte Mineralcorticoide, vor allem das Aldosteron, welches über das Renin-Angiotensin-System in der Niere gesteuert wird. Aldosteron erhöht die Rückresorption von Natrium und bewirkt die vermehrte Ausscheidung von Kalium und Protonen (H+) in den Nierentubuli. Die Regelkreise sind kompliziert, ein wichtiger Trigger der Aldosteronausschüttung ist eine Verminderung vom Blutvolumen und Blutdruck ("Dursthormon").

Aldosteron:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/46011_16775347.jpg)

Zone glomerulosa (Knäuelschicht)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures006/46011_44949521.jpg)

(2) Darunter folgt die wesentlich breitere Zona fasciculata, in der die Zellen zu langen, helleren Strängen und Säulen geordnet sind. Diese Schicht produziert überwiegend die sogenannten Glukocorticoide, vor allem Cortisol. Cortisol ist lebensnotwendig. Es ist neben den Katecholaminen wie Adrenalin und Noradrenalin ein wichtiges Stresshormon, das die Körperfunktionen auf Kampf bzw. Flucht programmiert. Das Cortisolsystem reagiert aber träger als das Katecholaminsystem, Cortisol besitzt ein sehr breites Wirkungsspektrum, es mobilisiert im Stoffwechsel Zucker und Fett aus den Speichern und wirkt darüberhinaus anti-entzündlich.  

Cortisol:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/46011_16700594.jpg)

Zona fasciculata (Strangschicht)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/46011_13635742.jpg)

(3) Die darunter gelegene, locker gebaute, netzartige Zona reticularis gibt Vorstufen der Androgene (männliche Sexualhormone) ins Blut ab, insbesonders Dehydroepiandrosteron (DHEA) and Androstendion, welche dann in Hoden bzw. Eierstöcken zu den eigentlichen Androgenen wie Testosteron etc. umgewandelt werden.

DHEA (links), Testosteron (rechts):
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/46011_22194544.jpg) (https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/46011_37561097.jpg)

Zona reticularis (Netzschicht)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/46011_63609969.jpg)

Herzliche Grüsse
Holger

Titel: Re: Histologie in Semis: Pankreas, Leber, Uterus, Niere, Thymus, Lunge, Hoden
Beitrag von: Ronald Schulte am August 16, 2010, 03:39:05 Vormittag
Holger,

Einfach erstklassig. Könntest du auch ein übersichtsbild die Nebenniere Posten und damit angeben wo sich die Regionen befinden?

Grüße Ronald
Titel: Re: Histologie in Semis: Pankreas, Leber, Uterus, Niere, Thymus, Lunge, Hoden
Beitrag von: Holger Adelmann am August 16, 2010, 08:35:21 Vormittag
Hallo Ronald, gute Idee, habe den Post um eine Übersicht ergänzt. Die einzelnen Bereiche sind trotz der Spezialisierung nicht scharf voneinander abgegrenzt.

Herzliche Grüsse
Holger



Titel: Re: Histologie in Semis: Pankreas, Leber, Uterus, Niere, Thymus, Lunge, Hoden
Beitrag von: Holger Adelmann am August 20, 2010, 22:44:41 Nachmittag
Liebe Histologen und Interessierte,

heute poste ich Semidünnschnitte durch die Morula (0.2 mm Durchmesser),

http://de.wikipedia.org/wiki/Morula

sowie eines nachfolgenden, sehr frühen Stadium des Kaninchenkeimes, der elliptisch und ca. 0.3x1 mm gross ist.
In den mit Toluidinblau gefärbten Schnitten sieht man sehr frühe Stadien der Zelldifferenzierung mit faszinierend verschiendenen Zelltypen (bitte fragt mich aber nicht, welche das sind, vielleicht haben wir einen Embryologen in Forum?), sowie einige Zellteilungsfiguren. Durch den sehr dünnen Schnitt (Eponeinbettung, 0.5 um Glasmesserschnitt) sind selbst die Chromosomen nur angeschnitten  und nicht in Gänze zu sehen.

Leitz Orthoplan, Plan Apo 63 / 1.40, Moticam 2300. Endvergrösserung Morula ca 650:1, sonst ca 3000:1

Viel Spass
Holger

Morula
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/46235_19883454.jpg)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/46235_9915281.jpg)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/46235_3873347.jpg)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/46235_24589509.jpg)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/46235_1536946.jpg)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/46235_63014793.jpg)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/46235_33469683.jpg)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/46235_30079746.jpg)

Titel: Re: Histologie in Semis: Pankreas, Leber, Uterus, Niere, Thymus, Lunge, Hoden
Beitrag von: Ronald Schulte am August 21, 2010, 20:46:04 Nachmittag
Holger,

Sieht wieder fantastisch aus. Bin gespannt wie so ein Präparat angefertigt wird? Könnte Mann auf Hobby-niveau so etwas anfertigen und wenn ja, wie soll Mann vorgehen?

Grüße Ronald
Titel: Re: Histologie in Semis: Pankreas, Leber, Uterus, Niere, Thymus, Lunge, Hoden
Beitrag von: Holger Adelmann am August 28, 2010, 21:24:39 Nachmittag
Hallo Ronald,

vielen Dank.
Ich habe das letzte Präparat aus einem Institut für Entwicklungsbiologie, ich denke es wird schwierig, das selbst zu Erstellen.

Viele Grüsse
Holger

Titel: Re: Histologie in Semis: Pankreas, Leber, Uterus, Niere, Thymus, Lunge, Hoden
Beitrag von: Holger Adelmann am August 28, 2010, 21:29:32 Nachmittag
Liebe Kollegen,

heute poste ich zwei Beispiele zum Bewegungsapparat:
Bild 1: Quergestreifte Muskulatur (Maus)
Man sieht den randständigen Zellkern einer Muskelzelle, sowie besonders in der oberen Hälfte des Bildes sehr schön den schmalen Z-Streifen, sowie den breiten Streifen den die Myosinfilamente bilden. Der Kraftschluss entsteht durch eine zahnstangenartige Verschränkung von Aktinfilamenten mit Myosinfilamenten. Die dünnen Z-Streifen markieren das Ende der hintereinandergeschalteten Funktionseinheiten (= Sarkomere).

Details zur Funktion und Elektronenmikroskopie hier:
http://www.energy-massage.ch/index.php?seite=Medizin/Muskel
http://www.uni-mainz.de/FB/Medizin/Anatomie/workshop/EM/externes/Wartenberg/SMuskel20.html
http://www.uni-mainz.de/FB/Medizin/Anatomie/workshop/EM/externes/Wartenberg/SMuskel1.html

Bild 2: Knorpel (Maus)
Die Knorpelzellen (Chondrozyten) liegen in der Knorpelgrundsubstanz. Diese wird nicht von Blutgefässen durchzogen, die Knorpelzellen werden also nur durch Diffusion von Nährstoffen und Sauerstoff versorgt. Sehr schöner Wikipedia-Artikel hier:
http://de.wikipedia.org/wiki/Knorpel

Herzliche Grüsse
Holger

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/46498_36011668.jpg)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/46498_83399.jpg)

Titel: Re: Histologie in Semis: Pankreas, Leber, Uterus, Niere, Thymus, Lunge, Hoden
Beitrag von: Holger Adelmann am September 12, 2010, 23:26:42 Nachmittag
Liebe Freunde der Histologie,

ich habe heute noch ein grossformatiges Bild eines Nierenkörperchens (Glomerulum) aus 4 Einzelaufnahmen generiert und wollte euch das Ergebnis nicht vorenthalten.

Semidünnschnitt 0.5 um, Leitz Orthoplan, Pl Apo 63/1.40, Moticam 2300, local contrast enhancement in Image Pro, stitching mit MS Image Composite Editor

http://www.fotos-hochladen.net/uploads/glomerulum04rjg3vpnb.jpg

Herzliche Grüsse
Holger

Titel: Re: Histologie in Semis: Pankreas, Leber, Uterus, Niere, Thymus, Lunge, Hoden
Beitrag von: Holger Adelmann am September 24, 2010, 12:53:20 Nachmittag
Liebe Kollegen,

heute noch ein Bild eines Glomerulums (Nierenkörperchen) der Ratte aus einem anderen Schnitt, ebenfalls ein Mosaik, diesmal aus 14 Bildern !

Die verkleinerte Version ist unten 'live' zu sehen, wer mehr ins Detail im Rohbild sehen möchte kann hier die grosse Version herunterladen:
http://www.fotos-hochladen.net/uploads/glomerulum03bigl3o1dgwi.jpg

Achtung, das resultierende Mosaik hat mehr als 25 Megapixel, es kann also trotz (geringer) JPEG Kompression etwas dauern, bis das Bild auf dem PC erscheint ...

Herzliche Grüsse & wie immer viel Spass beim ansehen.
Holger

Leitz Orthoplan PL APO 63/1.40 Moticam 2300, 14-Bilder Stitching mit MS Image Composite Editor, verkleinerte Version (auf 800 Pixel Bildbreite)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/47781_11656146.jpg)
Titel: Re: Histologie in Semis: Pankreas, Leber, Uterus, Niere, Thymus, Lunge, Hoden
Beitrag von: Ronald Schulte am September 24, 2010, 13:34:32 Nachmittag
Holger,

Fantastischen Schnitt, und auch wunderbar Fotografiert. Semidunn ist doch super!

Wie nennt Mann die Zellen im Kreis? Ist das die Macula Densa?

Grüße Ronald

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/47783_8139965.jpg)
Titel: Re: Histologie in Semis: Pankreas, Leber, Uterus, Niere, Thymus, Lunge, Hoden
Beitrag von: Holger Adelmann am September 24, 2010, 13:45:14 Nachmittag
Vielen Dank Ronald  :)

Du hast nahezu Recht, die von Dir bezeichneten Zellen gehören wahrscheinlich zum juxtaglomerulären Apparat, es sind aber wahrscheinlich nicht die Zellen der Macula densa sondern die "juxtaglomerulären Zellen" (in grün in dem Glomerulumschema, welches ich früher in diesem Thread gepostet habe, schau mal weiter unten in diesem Thread).

Herzliche Grüsse
Holger

Titel: Re: Histologie in Semis: Pankreas, Leber, Uterus, Niere, Thymus, Lunge, Hoden
Beitrag von: Holger Adelmann am September 24, 2010, 16:18:18 Nachmittag
Liebe Histologie - Freunde,

Für die Jäger der letzten Details - mittels einer Image-Pro Plus Funktion kann man den Kontrast in Details noch weiter anheben, das geht am Besten nach Umwandlung in ein Graustufenbild:

http://www.fotos-hochladen.net/uploads/glomerulum03halfresjsglfoir.jpg

Ich habe das Bild etwas heruntergerechnet, damit es etwas kleiner ist als das Rohmosaik. Auch habe ich wiederum für den Post eine geringe JPEG Kompression verwendet.

Viel Spass
Holger
Titel: Re: Histologie in Semis: Pankreas, Leber, Uterus, Niere, Thymus, Lunge, Hoden
Beitrag von: Holger Adelmann am September 24, 2010, 17:12:05 Nachmittag
... und noch eins !
Die Niere ist doch immer wieder schön. Martin Heidenhain hätte das bestimmt als "Damenpräparat" bezeichnet  ;)

Wiederum ein Mosaik, das Grossformat ist hier:
http://www.fotos-hochladen.net/uploads/renaltubuli152gro5ok39fi6.jpg

Viel Spass
Holger

Nierentubuli im Querschnitt, Leitz Orthoplan, PL APO 63/1.40, Moticam 2300, Stitch aus 9 Bildern
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/47799_55634054.jpg)

Titel: Re: Histologie in Semis: Pankreas, Leber, Uterus, Niere, Thymus, Lunge, Hoden
Beitrag von: Holger Adelmann am September 25, 2010, 15:05:35 Nachmittag
Liebe Freunde der Histologie,

heute ergänze ich diesen Thread noch um ein Bild der quergestreiften Muskulatur (Maus).
Da es so graphisch ist habe ich das im Original Toluidinblau gefärbte Präparat hier in s/w dargestellt.

Herzliche Grüsse
Holger

Leitz Orthoplan, PL APO 63/1.40, Moticam 2300, local contrast enhancement in Image Pro
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/47857_38008833.jpg)
Titel: Re: Histologie in Semis: Pankreas, Leber, Uterus, Niere, Thymus, Lunge, Hoden
Beitrag von: Holger Adelmann am Oktober 03, 2010, 13:18:37 Nachmittag
Liebe Kollegen,

heute ergänze ich diesen Thread noch durch 3 Aufnahmen:
1. Talgdrüse: Man sieht sehr schön die durch den Talg aufgetriebenen Zellen der im Unterhautbindegewebe liegenden Drüse. Der Talg dient dem geschmeidighalten von Haut und Haaren. Er besteht aus Triglyceriden, Fettsäuren und Wachsestern. Die Talgdrüse steht über einen Kanal mit dem Haarbalg oder direkt mit der Haut ("Poren") in Verbindung. Die Zelllen sezernieren den Talg indem sie einfach platzen und den Inhalt in den Kanal abgeben. In der Aussenwand der Talgdrüse liegen die Basalzellen, welche immer wieder neue Talgdrüsen entstehen lassen.

2. Verhornendes Plattenepithel (hier Hautoberfläche), man sieht sehr schön die abgeschilferten toten Zellschichten.

3. Osteozyt (Knochenzelle): Der Zellkörper ist in die schön strukturierte, mineralisierte Knochenmatrix eingebettet. Die organische Matrix besteht überwiegend aus Mukopolysacchariden und Kollagenfasern vom Typ I. Als Mineral ist ganz besonders Hydroxylapatit vorhanden, ein Calciumphosphat.

Semi-Dünnschnitt 1 um, Toluidinblau, Leitz Orthoplan, PL APO 63/1.4, Moticam 2300.

Schönen Sonntag
Holger

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/48276_7936647.jpg)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/48276_56967100.jpg)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/48276_53949743.jpg)
Titel: Re: Histologie in Semis: Pankreas, Leber, Uterus, Niere, Thymus, Lunge, Hoden
Beitrag von: Holger Adelmann am Dezember 12, 2010, 19:48:26 Nachmittag
Liebe Kollegen,

heute poste ich in dieser Reihe ein Mosaik von Aufnahmen eines Semi-Dünnschnittes durch eine Affenlunge.

Das grosse Mosaik ist hier:
http://img3.fotos-hochladen.net/uploads/lungmosaikhires0416ryibg9w.jpg

Ich habe das kleine Vorschaubild unten mit einer Beschriftung versehen.
E = Erythrocyten, also rote Blutkörperchen, die sich durch die engen Lungenkapillaren quetschen.
el = elastische Fasern, welche für die Gewebeelastizität wichtig sind - beim Raucher werden sie nach und nach zerstört.
Pn1 = Pneumocyten vom Typ 1, auch als Deckzellen bezeichnet, da sie mit ihren extrem flachen, plattenartigen Zellkörpern die Oberfläche der Lungenbläschen überziehen. Diese Zellen stellen die Blut-Luft Schranke dar, durch ihre dünnen Ausläufer (max 50 nm) erfolgt der Gasaustausch. Die Pn1 Zellen bedecken aufgrund ihrer sehr grossen aber auch sehr dünnen Ausläufer ca. 95% der Alveolaroberfläche, obwohl sie zahlenmäßig weit weniger häufig vorkommen als die Pn 2 Zellen (s.u.).
Pn2 = Die Pneumocyten vom Typ 2 sind sekretorisch aktiv und bilden den sog. Surfactant. Dieser ist eine oberflächenaktive Substanz, welche die Entfaltung der Lunge fördert und den Lungenbläschen eine  Oberflächenspannung verleiht und sie damit sozusagen offen hält. Der Golgi - Apparat in den Pn2 Zellen verpackt den Surfactant in die sichtbaren Sekretvesikel, welche den Zellen ein granuliertes Aussehen verleihen.
Ma =  Alveolarmakrophage (eine Freßzelle, die Staubpartikel und andere Abfallpartikel mittels Phagocytose in sich aufnimmt und abbaut). Alveolarmakrophagen sitzen auf den flachen Cytoplasmafortsätzen der Pneumocyten vom Typ 1.

Leitz Orthoplan, Pl Apo 63/1.40, Moticam 2300.

Wie immer viel Spass beim Ansehen.
Herzliche Grüsse
Holger

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/52979_44264185.jpg)

Titel: Re: Histologie in Semis: Pankreas, Leber, Uterus, Niere, Thymus, Lunge, Hoden
Beitrag von: Rawfoto am Dezember 12, 2010, 20:39:26 Nachmittag
Guten Abend

Auch wenn mich Histo eigentlich micht interessiert finde ich die Bilder und die Beschreibungen absolut faszinierend. Einfach spitze und ich freue mich auf die Weiterfuehrung ...

:-)

Gerhard
Titel: Re: Histologie in Semis: Pankreas, Leber, Uterus, Niere, Thymus, Lunge, Hoden
Beitrag von: Holger Adelmann am März 06, 2011, 19:12:35 Nachmittag
Liebe Freunde,

heute poste ich zu den bisherigen Aufnahmen zur Feinstruktur der Lunge noch eine Ergänzung.

Das Foto zeigt eine Lunge der Ratte, wobei das Gefäss-Sytem über die Lungenarterie mit rotem Kunststoff injiziert wurde. Das restliche Lungengewebe ist der Übersichtlichkeit halber nur schwach mit Hämatoxylin gegengefärbt.

Man sieht sehr schön das sonst schwer zu erfassende, enge Kapillarnetz um die Alveolen (Lungenbläschen). Hier findet über die nur einige 100 nm dicke Luft-Blutschranke der Autausch von Gasen (O2 und CO2) statt. An der Gesamtoberfläche der Lunge von ca 125 qm sind zu 95% die sehr dünnen, flächigen Ausläufer der Pneumozyten Typ 1 (s. weiter oben bzw unten in diesem Post) massgeblich beteiligt.

Herzliche Grüsse
Holger

Leitz ORTHOPLAN, PL Fluotar 40:1, Moticam 2300, Combine Z (Stapel aus 24 Ebenen)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/60376_2707841.jpg)
Titel: Re: Histologie in Semis: Pankreas, Leber, Uterus, Niere, Thymus, Lunge, Hoden
Beitrag von: Holger Adelmann am September 03, 2011, 01:13:46 Vormittag
Liebe Kollegen,

heute poste ich hier in diesem Thread mit Aufnahmen von Semidünnschnitten noch ein Beispiel zum Nebennierenmark. Dieser Beitrag ergänzt die Aufnahmen und Beschreibungen zur Nebennieren-Rinde, welche ich in diesen Post schon vor einiger Zeit eingebracht habe (s. dort). Damals war das Nebennierenmark, bzw. dessen adrenergen Nervenzellen nicht schön im Präparat zu sehen, in dem hier folgenden Schnitt ist das aber der Fall.

Im Gegensatz zur Nebennierenrinde, welche verschiedene Steroidhormone produziert und damit eine endokrine Drüse ist, handelt es sich bei dem Gewebe des Nebennierenmarks um ein Ganglion des vegetativen Nervensystems (Sympathikus-System).
Man sieht sehr schön in der Mitte des Bildes eine Gruppe grosser, blasiger Ganglienzellen. Diese Zellen produzieren in Stressituationen Adrenalin und Noradrenalin und schütten diese in die Blutkreislauf aus.

Herzliche Grüsse
Holger

Nebennierenmark Ratte, Semidünnschnitt 1 µm, fixiert in Glutaraldehyd in Cacodylatpuffer, Färbung: Toluidinblau, Leitz Orthoplan, PL APO 63/1.40, Moticam 2300, Image-Pro Plus
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/72249_20924610.jpg)

Titel: Re: Histologie in Semis: Pankreas, Leber, Uterus, Niere, Thymus, Lunge, Hoden
Beitrag von: Dieter Stoffels am September 03, 2011, 12:32:05 Nachmittag
Lieber Holger,

vielen Dank für das Zeigen dieses Semidünnschnittes. Im Vergleich zu meinen Paraffinschnitten "Nebenniere der Maus" sind an den Semidünnschnitten sehr schön Details der Nebennierenmakzellen zu erkennen. Um welche Zellen handelt es sich denn oberhalb des zentralen Zellclusters. Sind es Zellen der anliegenden Zona reticularis oder etwa eine Art Gliazellen?

Herzliche Grüße!

Dieter
Titel: Re: Histologie in Semis: Pankreas, Leber, Uterus, Niere, Thymus, Lunge, Hoden
Beitrag von: Holger Adelmann am September 03, 2011, 18:31:41 Nachmittag
Lieber Dieter,

das ist korrekt beobachtet - die Markzellen sind hier im Bild umgeben von Zellen der Zona reticularis der Nebennierenrinde!

Herzliche Grüsse
Holger

Titel: Re: Histologie in Semis: Pankreas, Leber, Uterus, Niere, Thymus, Lunge, Hoden
Beitrag von: Dieter Stoffels am September 03, 2011, 18:38:07 Nachmittag
Hallo Holger,

vielen Dank für Deine rasche Antwort!

Dieter