Luftwurzel oder "wenn die Chemie stimmt" *

Begonnen von Klaus Wagner, Oktober 19, 2011, 15:39:28 NACHMITTAGS

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Klaus Wagner

Hallo,

ich hatte heute "derweil" um die Chemikalien von Klaus Herrmann auszuprobieren. Objekt ist die Luftwurzel einer Ochidee. Um den Unterschied zuwischen Etzold Blau und Etzold Grün darzustellen vielleicht nicht das geieignetste Objekt aber trotzdem...





Ich bin kein Biologe sondern nur ein Qualitätsmensch aus der Elektronik. Vielleicht kann jemand von Euch die Bilder genauer erklären.

Mikroskop NovexB Semiplanobjektive, Kamera Nikon D5100

Etzold Blau 10x Objektiv



Etzold Blau 10x Objektiv



Etzold Grün 10x Objektiv



Etzold Grün 10x Objektiv



Etzold Grün 40x Objektiv



In einem kürzlichen Versuch habe ich über Farbreste im Präparat gekalgt; mit Klaus´ frischer Chemie keine Spur mehr davon. Man braucht immer gute Zutaten und ein gutes Rezept. Der Rest ist handwerkliche Fleißarbeit, an der es mir noch ein bißchen mangelt  :)

Viele Grüße
Klaus

PS: Klaus, Danke für Deine Chemie und für Deine Geduld  ;)

Korrektur: Um Irritationen vorzubeugen habe ich jetzt die Vergrößerung der Objektive angegeben.

Klaus Herrmann

Hallo Klaus,

schön, dass es geklappt hat! Der Rest ist üben... üben... üben!

ZitatMan braucht immer gute Zutaten
a guts Filterle hilft manchmal auch! ;)
Mit herzlichen Mikrogrüßen

Klaus


ich ziehe das freundschaftliche "Du" vor! ∞ λ ¼


Vorstellung: hier klicken

Rolf-Dieter Müller

Hallo Klaus (Wagner),

das erste Bild (nach dem Blütenbild) sieht schon recht gut aus und die Einstellungen hierfür können durchaus als Referenz für weitere Aufnahmen genommen werden.

Ein Tipp für weitere Versuche, demnächst wird wieder aus gegebenen Anlass mit der Weißbeerigen Mistel gehandelt.

Sprossquerschnitte hiervon nehmen die Etzold-Färbung richtig gut an, es ist sogar mit deutlich sichtbaren Kernanfärbungen bei vorangegangener Fixierung mit essighaltiger Fixierlösung zu rechnen. Darüber hinaus wird auch die Cutikula deutlich sichbar und kräftig gefärbt.

Viele Mikrogrüße
Rolf-Dieter

Klaus Wagner

Hallo Rolf-Dieter,

Zitat von: Rolf-Dieter Müller in Oktober 19, 2011, 19:44:11 NACHMITTAGS

bei vorangegangener Fixierung mit essighaltiger Fixierlösung


ich will den Versuch gern machen, aber wie muss ich mir diese Fixierung vorstellen? Einfach in Essigsäure? wievielprozentig? Wie lange? Es ist ja nicht nur, dass jetzt hin und wieder ein Foto gelingt, sondern die Präparate an sich sind es wert, aufgehoben zu werden  :D

Viele Grüße
Klaus

Rolf-Dieter Müller

Zitat von: Klaus Wagner in Oktober 19, 2011, 21:12:20 NACHMITTAGS
...
ich will den Versuch gern machen, aber wie muss ich mir diese Fixierung vorstellen? Einfach in Essigsäure? wievielprozentig? Wie lange? Es ist ja nicht nur, dass jetzt hin und wieder ein Foto gelingt, sondern die Präparate an sich sind es wert, aufgehoben zu werden
...

Hallo Klaus,

ich nehme üblicherweise AFE(70), das ist ein (Standard-) Fixiergemisch bestehend aus 90 Teile 70% Ethanol + 5 Teile 100% Essigsäure + 5 Teile Formalin. Bitte nicht an die in Klammern gesetzte "70" beim "AFE"-Begriff stören. Das ist meine eigene Schreibweise zur Kenntlichmachung der im AFE enthaltenen Ethanol-Konzentration.

Wir haben das Thema in Darmstadt diskutiert und ich erinnere mich jetzt an eine Rezeptur ohne Formalin, die Detlef Kramer hier empfohlen hat: http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=8991.msg63267#msg63267 .

Probiere sie einfach aus, für Stückfixierungen würde ich 24 bis 48 Stunden vorsehen und danach das Fixiermittel gut mit 70% Ethanol auswaschen.

Viele Mikrogrüße
Rolf-Dieter

Rolf-Dieter Müller

Hallo Klaus,

einen habe ich noch und kommt nur mit zwei Reagenzien aus. Es ist das AE-Gemisch (Fixiergemisch nach Carnoy), "A" für Ethanol, "E" für Essigsäure.

Die Rezeptur steht im "großen Kremer", d.h. im "Das große Kosmos-Buch der Mikroskopie", Abschntt 9.1.12.

Abgesehen von den darin enthaltenen weiteren und interessanten Rezepturen ist das Buch wegen seiner umfassenden Darstellung von Methoden und Techniken zur Lichtmikroskopie nur zu empfehlen.

Viele Mikrogrüße
Rolf-Dieter

Günter

#6
Hallo in die Runde,

weil die Zutaten so einfach zu beschaffen sind, würde ich selbst es mit der Rezeptur von Detlef Kramer " Essigessenz und Spiritus (besser vergällter Ethanol) 1 : 1" versuchen, siehe http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=1337.msg6967#msg6967. (Den Kremer habe ich gerade nicht griffbereit, evt. entspricht das dem Carnoy Fixiergemisch)

viele Grüße
Günter
über mich   
Folge denen, die die Wahrheit suchen.
zweifle an denen, die sie gefunden haben.

Fahrenheit

#7
Lieber Klaus,

das sind gelungene Aufnahmen von ebensolchen Präparaten!

Du hattest um Erläuterungen zur Anatomie gebeten und da möchte ich zum interessantesten Detail der Luftwurzel - nämlich der Wurzelhülle oder dem Velamen radicum -  auf einen meiner alten Threads verweisen, den Du hier findest.
Da hatte ich übrigens auch mit einer verdorbenen Etzold-Lösung zu kämpfen - wovon ich allerdings mangels Vergleichsmöglichkeiten noch nichts wusste. Bei der Anatomie hat mir seinerzeit Detlef sehr geholfen (was er auch heute noch tut  :)) und damit mein Interesse geweckt.

Unterhalb der Wurzelhülle findet sich ein parenchymatisches Gewebe, das den Zentralzylinder umschließt. Dessen Aufbau erkennst Du am besten an Deinem vierten Mikro-Bild: er ist von einer einlagigen Endodermis umgeben. An deren Rand liegen blau gefärbt die Phloemstränge an und dazwischen liegen - mehr nach innen orientiert - rot die Xylemstränge mit den größeren Tracheen.
Ganz kurz und ein wenig vereinfacht zur Funktion: im Xylem wird das von den (hier Luft-)wurzeln aufgenommene Wasser in alle Pflanzenteile transportiert. Motor ist die Verdunstung z.B. über die Stomata (Spaltöffnungen) der Blätter. Daher haben die Wasserleitungen (Tracheen) auch verstärkte Wände, sie würden sonst unter dem durch die Verdunstung erzeugten Sog kollabieren. Im Phloem werden die gelösten Assimilate (i.d.R. Saccharose und Aminosäuren) aktiv zu den Verbrauchspunkten (Wachstumszonen) oder als Überschuss in die Speichergewebe transportiert. Zu jeder Siebröhrenzelle gehört daher eine Geleitzelle (gilt nur für die Bedecktsamer - Angiospermen). Das Xylem besteht in der Regel aus lignifizierten abgestorbenen Zellen, die Zellen des Phloems sind lebendig. Die Endodermis wirkt wie ein aktiver Filter, über den die Pflanze die Salzkonzentrationen des Wassers in den Xylemsträngen steuern kann.

Herzliche Grüße
Jörg

p.s.
Was die Chemikalienbeschaffung angeht - die ja für Hobbyisten immer schwieriger wird: versuche einen Apotheker zu finden, dem Du, z.B. anhand Deiner Präparate, erklärst, wofür du die Sachen brauchst. Es liegt an ihm, ob er Dir helfen will (verboten ist es ihm nicht!) - viele scheuen jedoch den zusätzlichen Aufwand. Eventuell musst Du einen Aufschlag zahlen, Arbeit kostet halt und vieles was wir benötigen muss die Apotheke über andere Hersteller beziehen, als ihre normale "Ware".
Uups, jetzt hab' ich zu dem alten Thema ja doch wieder was geschrieben - vielleicht sollte ich mich als Missionar anwerben lassen.  ;D
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Arbeitsmikroskop: Leica DMLS
Zum Mitnehmen: Leitz SM
Für draussen: Leitz HM

Klaus Wagner

Hallo Jörg,

danke für Deine aufmunternden Worte und die Erklärung zur Anatomie. Ich versuche fleißig zu üben und bringe wohl ab und zu neue Bilder.

Den Apotheker meins Vertraues habe ich wohl gefunden. Es ist die gleiche Apotheke, bei der wir Schüler immer unser Zeug geholt haben. Meist Dinge, für die man heute hinter Gitter käme  :D. Der Inhaber ist jetzt, ca 35 Jahre später, natürlich ein anderer, aber die Grundeinstellung ist ähnlich.

Gruß
Klaus

Fahrenheit

Lieber Klaus,

gerne geschehen! Mit der Beschriftung helfe ich gerne aus.

Schön, dass Du Deinen Apotheker gefunden hast!  :)

Herzliche Grüße
Jörg
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