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Unbekannte Struktur

Begonnen von Rundholzmacher, März 07, 2012, 18:04:14 NACHMITTAGS

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Rundholzmacher

Hallo,
die zwei Bilder zeigen den Querschnitt eines Zweigs vom Weihnachtsstern (Euphorbia pulcherrima) in unterschiedlichen Vergrößerungen.  Das Material wurde in AFE Fixiert und nach dem Schnitt ungefärbt mit einer Eisenalaun (Lösung 4%) behandelt.  Ich suchte eigentlich nach Tannine, gefunden habe ich aber etwas ganz anderes. Die mir unbekannte Struktur hat die Farbe der Eisenalaun Lösung angenommen und zeigt noch zusätzliche Einfärbungen.





Auf der Suche nach einer Erklärung bin ich auf diesen Satz in Wikipedia  gestoßen:
,Die Verzweigung kommt durch gewollten ,,Befall" mit Phytoplasmen zustande. Phytoplasmen sind zellwandfreie Bakterien, die als obligate Parasiten im pflanzlichen Phloem wachsen.'

Die Struktur kann aber nichts mit Phytoplasmen zu tun haben, da sie sich nicht Phloem befindet und außerdem viel zu groß ist. Möglicherweise handelt es sich um einen Pilz?

Über eine klärende Antwort würde ich mich sehr freuen.

Schöne Grüße
Heinz
,,Nur der Dumme muss alle Erfahrungen selber machen."
Laotse (3. od. 4. Jh.v.Chr.)

JB

Hi,

Ist der Schnitt in Einschlussmittel gebettet? Vielleicht handelt es sich um einen Eisenalaunkristall, der sich im Gewebe verfangen hat und dann ausgeblueht ist (vergleiche "Chemische Gaerten": http://www.chemie-master.de/FrameHandler.php?loc=http://www.chemie-master.de/lex/exp/c01.html).

Jon

Klaus Herrmann

#2
Hallo Jon,

daran habe ich auch gedacht. War schon vor 60 Jahren im Chemiebuch für die Jugend von Römpp Chemische Experimente, die gelingen beschrieben. Die Form sieht exakt so aus!
Somit ein kurioses Artefakt.

Muss auch nicht mal eingebettet sein das Phänomen gibt es auch in wässriger Lösung. Voraussetzung ist aber dass ein Stoff A1 gelöst vorliegt und der 2. als Feststoff (A2) in die Lösung kommt. Wenn bei der Reaktion der beiden Substanzen eine neue schwer lösliche Verbindung entsteht, dann bildet sich eine Haut, die als semipermeable Hülle dient, durch die nun wieder Wasser diffundiert um die Lösung in dem Hautsack zu verdünnen. Durch die Volumenzunahme platzt die Haut es fliest wieder Agens 2 in die umgebende Lösung von Agens 1 und es wird spontan wieder an der Grenzfläche eine neue Haut gebildet usw. bis der Feststoff ganz gelöst ist, dann hört es auf.
Mit herzlichen Mikrogrüßen

Klaus


ich ziehe das freundschaftliche "Du" vor! ∞ λ ¼


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Rundholzmacher

Hallo Jon und Klaus,
danke für die schnellen Antworten. 
Der Schnitt war nicht eingebettet sonder lag nur in Wasser.
Euer Verdacht hat sich bewahrheitet. Es ist ein Eisenalaunkristall.

Eine Untersuchung der Flasche, in der ich die Eisenalaun  Lösung aufbewahrt habe, bestätigt, dass es sich bei dem Objekt um ein Artefakt aus der Lösung handelt.  Die folgenden Bilder zeigen, was ich da vom Flaschenboden abgekratzt habe.







Das soll mir eine Lehre sein im Umgang mit Lösungen und deren Aufbewahrung.
Schöne Grüße
Heinz
,,Nur der Dumme muss alle Erfahrungen selber machen."
Laotse (3. od. 4. Jh.v.Chr.)

Klaus Herrmann

Danke Heinz,

für die Bestätigung der vereinten Chemie-Theoretiker - wobei bei mir das eher gepaart ist mit eigener Erfahrung: ich hab den Versuch mit meinem Bruder zusammen gemacht, als ich ca 12 war.

In dem Link sieht man ein schönes buntes Bild, aber die Erklärung wie das abläuft fehlt.
Mit herzlichen Mikrogrüßen

Klaus


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Rundholzmacher

Sorry Klaus,
ich habe nicht die geringste Ahnung von dem was da abläuft.
Die geballte Erfahrung von gerade mal einem Jahr Mikroskopie reicht dazu nicht aus. Was aber nicht bedeutet, dass ich nicht lernfähig oder lernwillig bin.

Die Bilder zeigen den Bodensatz aus der Flasche mit Eisenalaun. Die Lösung (4%) befand sich ca. 3 Wochen in einer glasklaren Kunststofflasche und war in dieser Zeit dem Tageslicht ausgesetzt (Fensterbank). Es hat sich ein Niederschlag am Boden der Flasche gebildet. Interessant ist allerdings, dass sich unterschiedliche Strukturen gebildet haben. Von flächig, flach, Kristallin bis Blumig verästelt. Möglicherweise sind das aber nur verschiedene Stadien eines Kristallwachstums.

Mit der Bitte um Nachsicht
Gruß Heinz
,,Nur der Dumme muss alle Erfahrungen selber machen."
Laotse (3. od. 4. Jh.v.Chr.)

Klaus Herrmann

Das war ein Mißverständnis Heinz: ich bezog mich auf den Link und das dort gezeigte Bild!

Deine Bilder sind viel schöner. Und was in deiner Flasche abläuft ist mir auch ein Rätsel! Denn du hast ja nur Eisenalaun drin in verdünnter Lösung!

Und das ist keine Mikroskopie - das ist Chemie!
Mit herzlichen Mikrogrüßen

Klaus


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Hyperion

Nun die Lösung wird doch (?) mit Eisen(II)-salzen angesetzt. Eisen(III)-salze sind oft viel viel schlechter löslich als die mit der anderen Wertigkeit.

Von daher kann ich mir nur vorstellen, dass durch langsame Oxidation durch hineindiffundierenden Sauerstoff ein Teil des Eisens oxidiert wurde und dann beim Ausfallen diese Strukturen gebildet hat.

Rundholzmacher

OK Klaus, der Groschen ist gefallen. Du meintest den Link vom Jon. Das habe ich allerdings missverstanden. Und ja, das ist Chemie pur.

Noch mal zurück zu meinem Flaschengeist: Könnte es möglich sein, dass ich beim Ansetzen der Lösung  organisches Material eingeschleppt habe, welches sich in der Lösung wohl fühlt und vermehrt? Eisenalaun wird ja auch als Rasendünger verwendet. Oder kann völlig ausgeschlossen werden. dass in so einer Lösung etwas überlebt? Die Vielzahl unterschiedlicher Erscheinungsformen machen mich unsicher.

Gruß Heinz
,,Nur der Dumme muss alle Erfahrungen selber machen."
Laotse (3. od. 4. Jh.v.Chr.)

MikMike

Ich würde vermuten der Niederschlag ist Eisenhydroxid. Das würde bedeuten die Lösung ist nicht mehr sauer genug, warum auch immer...
viele Grüsse,
Mike

JB

Da stimme ich Mike zu. Die Loesung ist aber immer noch brauchbar, denn die Bildung des Niederschlages nimmt nur langsam zu. Irgendwann muss dann mal eine neue Loesung angesetzt werden.