Lebensdauer von Euparal?

Begonnen von JB, Mai 31, 2012, 15:18:05 NACHMITTAGS

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JB

Hi,

Ich wuerde gern wissen ob jemand Erfahrungen mit der Langlebigkeit von Euparal hat? Entwickelt wurde das Medium um 1906, hat jemand aeltere Praeparate, die mit Euparal eingedeckt wurden (30-100 Jahre), und kann ueber den Zustand berichten?

Gesucht wird ein Eindeckmedium fuer zoologische Praeparate (Protozoen) das ohne Xylol verwendet werden kann, aber nicht auskristallisiert oder voellig schwarz wird, und im Dunkeln mind. 100 Jahre haelt, so wie Kanada-Balsam. Berlese-Medium kommt nicht in Frage.

Haertet Euparal jemals so gut aus, dass die Objekttraeger dauerhaft senkrecht gelagert werden koennen und ohne dass die Deckglaeschen ueber die Jahrzehnte davon kriechen?   

Mit freundlichen Gruessen,

Jon


Florian Stellmacher

Hallo Jon,

Euparal wurde schon 1906 entwickelt? Das hätte ich nicht vermutet!

Was die Langlebigkeit von Kanadabalsam anbelangt, muss ich Dich ernüchtern: Ich besitze Präparate, die mein Großvater 1907 an der sog. Präparantenanstalt (so ein Art Kombination aus Gymnasium und Lehramtsseminar) in Lübeck angefertigt hat; selbst bei diesen über 100 Jahre alten Präparaten verschwindet gelegentlich noch Eindeckmedium, ein Planktonpräparat, das zumeist fest ist, verflüssigt sich gelegentlich im Zentrum unter mysteriösen Bedingungen. Klar, so ein echter Bernstein bleibt wohl hart, aber 100 Jahre altes Kanadabalsam ist offenbar immer noch irgendwie dynamisch.

Meine ersten Präparate habe ich vor über 30 Jahren ebenfalls mit Kanadabalsam eingedeckt, auch diese sind z.T. nie richtig fest geworden. Für Schnittpräparate eigent es sich aufgrund seines leicht sauren pH-Wertes nicht, da die Färbungen ausbleichen können (bei den Schnitte meines Opas hat sich z.B. das Hämatoxylin von blau wieder in rot verwandelt). Ich verwende dafür Malinol von Chroma, das aber Xylol-löslich ist. Dies braucht deutlich länger als DePeX oder Pertex, um hart zu werden, bleibt dann aber auch über Jahrzehnte stabil (falls ich 100 werde, kann ich in diesem Thread ja nochmal nachberichten...  ;)).

Ich besitze auch noch eine Flasche Caedax, die ich andächtig hüte. Die damit eingedeckten Präparate halten offenbar ebenfalls ewig.

Als Negativbeispiel kann ich Eukitt anführen - da fliegen die Deckgläser schon nach 10 Jahren wieder ab, wenn man Pech hat - wahrscheinlich haben die aber inzwischen die Rezeptur verändert, und dieses Eindeckmedium ist heute auch gut (ob, werden wir erst in Jahrzehnten erfahren).

Viele Grüße,
Florian
Vorwiegende Arbeitsmikroskope:
Zeiss Axioskop 2
Olympus BHS (DL, Pol, Multidiskussionseinrichtung)
Zeiss Axiophot (DIK und AL-Fluoreszenz)
Zeiss Axiovert (Fluoreszenz)
Wild M400 Fotomakroskop (DL, DF, AL, Pol)

ruhop

Hallo, Leute.

Zum Kanadabalsam kann ich auch etwas beitragen.

Ich hatte vor über 40 Jahren meine mit Anilinblau und Eosin eingefärbten Planktonpräparate (Membranfilter) in Kanadabalsam und Xylol (3 + 1) eingebettet. Die Präparate, die ich noch habe, sind bombenfest. Allerdings hat bei den Chlorophyceen und den meisten Flagellaten die Färbung so stark nachgelassen, daß sie nur noch äußerst schwer erkennbar sind. Euglenen und Verwandte, Cryptomonaden so wie Diatomeen haben ihre Färbung weitestgehend behalten und sind sehr gut zu erkennen. Einige Präparate sind allerdings stark gedunkelt, was die Erkennbarkeit der Planktonorganismen stark einschränkt. Also, nichts ist vollkommen.

Gruß aus dem Hintertaunus

Holger

peter-h

Ein sicher sehr altes Präparat ist von Möller um 1880.

http://www.mikroskopie-ph.de/Moeller-Ap-Test-G.jpg

Das Medium könnte Styrax sein. Der Deckglaslack ist noch sehr gut erhalten. Auch bei diesem alten Präparat ist das Medium nicht völlig fest geworden was bei ganz leichtem Druck auf das Deckglas festgestellt wurde.
In Caedax eingebettete, ohne Deckglaslack über 30 Jahre alte Präparate (noch bei Dr. Gerlach hergestellt ) sind nach mehrfachem Test auch in der Mitte fest.

Gruß
Peter

Florian Stellmacher

Lieber Peter,

Styrax mit seinem brachialen Brechungsindex hatte ich mir auch mal für Diatomeenpräparate gekauft, aber irgendwie fand ich es ziemlich lästig, dass das Zeug so ewig lange braucht, bis es fest ist; und später zieht es dann immer noch ein bisschen Luft. Ich habe dann angefangen, die Präparate wie bei Glyzeringelatine, Hoyer oder Polyvinyllactophenol mit Deckglaslack per Umrandung zu versiegeln. Das ist schon etwas unpraktisch. Wenn ich noch mal solche Präparate machen sollte, kaufe ich mit zuerst einen entsorechenden Drehtisch für die Deckglasumrandung!  ;)

Aber auch hier wundere ich mich, dass das Eindeckmedium schon so lange in Gebrauch ist!

Herzliche Grüße,
Florian

P.S.: Ich habe ein Radiolarienpräparat von Möller, das verpilzt ist und Luft gezogen hat - an mangelnder Sorgfalt des Herstellers wird das gewiss nicht liegen...  >:(
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JB

Hallo,

Danke fuer die Beitraege. Ich bin sehr beeindruckt von dem Möller-Praeparat: Deckglaslack und Etiketten nach 130 Jahren immer noch erhalten!

Suchen tue ich allerdings ein langlebiges Eindeckmittel in das man direkt aus Alkohol gehen kann. Zweite wichtige Eigenschaft ist, dass auch auf lange Sicht keine Kristallisation erfolgt, da dies die Objekte zerstoeren kann. Viele Einschlussmittel enthalten Weichmacher; wenn diese letztlich verdampft sind, setzen Schrumpfung und Kristallisation ein.

Beste Gruesse,

Jon


JB

Hier habe ich noch eine schoene Zusammenstellung gefunden:

Halliday (1994): MICROSCOPE SLIDE MOUNTING MEDIA: RESULTS OF INFORMAL SURVEY
http://www.nhm.ac.uk/hosted_sites/acarology/archive/summary.html

Insgesamt kommt Euparal da ganz gut weg, auch im Vergleich zu Kanada-Balsam, aber echte Daten aus 1. Hand (also zB eine tatsaechliches 50 Jahre altes Praparat) habe ich noch nicht gesehen.

Jon

Jürgen Boschert

Hallo Jon,

eine Antwort auf Deine Frage kann ich Dir zwar nicht geben,aber neugierig hast Du mich schon gemacht: 

Was für ein Projekt hast Du denn gestartet, dass Du die Präparate nochmal in 100 Jahren anschauen musst ?  ;D

Beste Grüße !

JB
Beste Grüße !

Jürgen

JB

Hallo JB,

Die Frage ist wichtig, um Museumsmaterial (Typen, Belegstuecke) zukunftssicher zu machen. 100 Jahre sollten es schon sein, um Material fuer kuenftige Untersuchungen zugaenglich zu halten. Dazu muss es Vernachlaessigung, Einlagerung, Feuchtigkeit und senkrechte Lagerung ueberleben koennen (die Etiketten uebrigens auch)! Ich nehme sonst Dammar-Balsam (langlebig und preiswert), aber das kann man nur mit Xylol als Intermedium benutzen. Leider gibt es mit Xylol ein Transport-Problem im Flugzeug; deshalb die Suche nach einem Alkohol-kompatiblen Einschlussmittel mit HYP (hundred years permanence).

Euparal ist das einzige solche Medium das ich kenne, das schon hinreichend lang in Benutzung ist um den Test der Zeit bestanden zu haben. Da hoffe ich, dass mir aeltere Anwender von Euparal oder Sammler historischer Praeparate noch Hinweise geben koennen.

Beste Gruesse,

Jon

hhuijbre

There is a very interesting publication on this subject published by the British Museum

http://natsca.info/sites/natsca.info/files/The_Biology_Curator_Issue_10_Supp.pdf

Best wishes

Hans





Rawfoto

Lieber Hans

Danke für den Link ...

Liebe Grüße :-)

Gerhard
Gerhard
http://www.naturfoto-zimmert.at

Rückmeldung sind willkommen, ich bin jederzeit an Weiterentwicklung interessiert, Vorschläge zur Verbesserungen und Varianten meiner eingestellten Bilder sind daher keinerlei Problem für mich ...

BergerN


Das ist ja sehr interessant. Fig20, ...issue_10,  zeigt Canada Balsam Präparate von 1847, die doch recht gut aussehen. Oder reicht das nicht?
...Issue_9 ist eine Studie über Aufbewahrung in Flüssigkeiten. Käme das evtl auch in Frage, um im Bedarfsfall daraus Präparate in 100 Jahren erstellen zu können, oder geht das dann nicht mehr?

Liebe Grüße,
Nick

JB

#12
Hi Hans,

Thank you for the link. I knew the paper but I never noticed the figures at the end :)
Unfortunately, the longest time period that the paper mentions for Euparal is 30 years (p. 8). I'm hoping to find someone who has experience of what happens after that. In general, I reckon, NHM has a positive view of the longevity of Euparal.

---

Fuer die Einbettung ueber Xylol ist Kanadabalsam natuerlich erstklassig geeignet; kein Problem. Fuer Euparal, also nur ueber Alkohol, ist in der Veroeffentlichung die laengste Altersangabe aber nur 30 Jahre (p. 8).

Das Problem liegt hier: Basis von Euparal ist Gum sandarac (ein Baumharz). Angeblich kann dieses aber Auskristallisieren (http://www.microbehunter.com/2010/08/22/euparal-mounting-medium/). Die Beimischungen von Campfer, Eukalyptusoel und Phenylsalicylat kann man also als Weichmacher und/oder Loesungsvermittler ansehen (auf jeden Fall verhindern sie wirksam die Kristallisation des Gum sandarac). Die Frage ist allerdings, ob das nach 30+ Jahren immer noch der Fall sein wird (verdampfen und/oder oxidieren die Weichmacher)?

Beste Gruesse,

Jon



JB

@Nick

Die Abbildung mit den Fluessigkeiten ist beeindruckend: Nach 70 (?) Jahren sind die Objekte immer noch in Formalin eingeschlossen, mit kleinen Luftblasen. Der Deckglaslack haelt was aus.

Allerdings sind das Insekten. Protozoen sind dazu einfach zu empfindlich; ausserdem duerfen sie niemals Austrocknen. Realistisch ist nicht einmal eine Umbettung (erst Euparal; spaeter in Kanadabalsam): Dabei gehen zu viele Zellen verloren. Der Erst-Einschluss ist also praktisch endgueltig und muss ein Harz sein.

Beste Gruesse,

Jon