Wie Weihnachten ein Dachbodenfund

Begonnen von Reimar W. F., Dezember 03, 2012, 11:21:58 VORMITTAG

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Reimar W. F.

Hallo liebe Forumpartner,

meine Gattin hat auf unserem Dachboden bei der Suche nach Adventsschmuck eine Holzkiste aus der Erbmasse meiner verstorben Mutter gefunden.Zum Glück wurde sie bei unserem Umzug von Stuttgart in das Wendland nicht entsorgt wie viele andere Sachen, die ich aus Zeitgründen nicht angesehen hatte.

In alter Holzwolle und Ölpapier finde ich ein Messingmikroskop von Leitz Nr.15480 und 3 alte Wundhaken für die Chirurgie von meinem Großvater der Medizinalrat war.

Eine Freude für mich,da ich auch als Kind überhaupt keine Info hatte,das es in der Familie lagerte.Mein Großvater hatte es auch nie erwähnt. Ich habe ja als Schüler sein Zeiss-Winkel als Geschenk erhalten, das ich später verkaufte.

Nun meine Frage, ich möchte es putzen und habe bei Euch gelesen, das Vorsicht geboten ist mit den Putzmitteln.Da ich für meinen Autoklav, den Kessel sukzessive mit "Sidolin" reinige,kann ich doch auch das Messingmikroskop putzen.Oder soll ich es so angelaufen in meinem Arbeitszimmer  stellen?

Viele Grüße Reimar

Jürgen H.

Kein Sidol!!! Kein Alkohol!!!!

Lieber Reimar, schaust Du hier:

http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=2964.0

Schöne Grüße und Glückwunsch von Letz Messingmikroskopbesitzer zu Leitz Messingmikroskop!

Jürgen

Florian Stellmacher

Hallo Reimar,

es kommt zunächst darauf an, ob das Mikroskop schon vorher "verputzt" wurde oder ob der originale Lack noch erhalten ist.

Beim Reinigen muss man so vorsichtig wie möglich vorgehen; leider glauben viele Leute, dass man ein historisches Mikroskop auf Hochglanz polieren müsse, und zerstören damit einerseits den Lack, andererseits schmirgeln sie vom Hersteller als Ausdruck seiner Expertise besonders exakt ausgearbeitete Ecken und Winkel rund. Damit ist das Mikroskop ein Stück weit ruiniert.

Wenn das Mikroskop tatsächlich schmutzig sein sollte, empfiehlt es sich, das Instrument vorsichtig mit einem mit warmem Wasser benetzten Lappen zu reinigen, ohne dabei größeren Druck auszuüben. Da der Schelleack spirituslöslich ist, verbieten sich Alkohol oder apolare Lösungsmittel. Dass ein so altes Instrument eine gewisse Patina aufweist, ist ganz normal und sollte Dich nicht zu übereifriger Putzerei animieren.

Anders sieht es aus, wenn der Lack bereits weggeputzt wurde. Dann muss man entweder mit dem angelaufenen Messing leben, oder man entschließt sich, das Mikroskop erneut zu polieren, z.B. mit Pol Blau (ein britisches Analogon ist "Brasso" - "no Brasso" ist ein Fachterminus für ein gottlob unverputztes Instrument!). Damit bekommt man das Instrument zwar für eine Weile glänzend, es läuft aber nach Monaten wieder an. Bei jeder Politur schleift man etwas Messing ab, die Ecken werden immer runder, und der Wert des Mikroskops verringert sich auch immer weiter. Daher rollen sich einem Sammler allein schon bei der Vorstellung die Fußnägel auf.

Das Mikroskop fachgerecht zu restaurieren, ist nicht damit getan, es zu polieren und mit Klarlack zu lackieren - damit ist es dann endgülig zerstört. Eine Restaurierung ist eine hohe Kunst, die umfangreichste Kenntnisse sowie entsprechendes Geschick, nicht zuletzt auch spezielle Werkzeuge und Chemikalien erfordert. Davon kann ich nur abraten.

Aus Sicht eines Sammlers ist das mit warmem Wasser gereinigte, ansonsten im Fundzustand belassene Mikroskop ein authentisches Zeitdokument, das auch so belassen werden sollte. Nur ein echter Könner sollte dann weiter gehen und sich an die fachgerechte Restaurierung machen, sofern dies überhaupt erforderlich ist.

Herzliche Grüße,
Florian
Vorwiegende Arbeitsmikroskope:
Zeiss Axioskop 2
Olympus BHS (DL, Pol, Multidiskussionseinrichtung)
Zeiss Axiophot (DIK und AL-Fluoreszenz)
Zeiss Axiovert (Fluoreszenz)
Wild M400 Fotomakroskop (DL, DF, AL, Pol)