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Herbstzeit ist Pilzzeit

Begonnen von Carlos, September 17, 2014, 19:15:27 NACHMITTAGS

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Carlos

Hallo allen ,,Pilz- und Kleintier- mikroskopikern",
Herbstzeit ist Pilzzeit. In den Wäldern und auf den Wiesen sind jetzt wieder Pilzsucher auf der ,,Jagt" nach Speisepilzen wie Steinpilz, Marone, Pfifferling, Perlpilz, Täubling und Champignon unterwegs. Körbeweise wird die Beute nachhause getragen. Dann, beim Putzen, kommt oft die Ernüchterung: viele der gesammelten Pilze sind ,,madig". So schmilzt die Beute oft auf einen kümmerlichen Rest.
Nach ,,Wiki" handelt es sich bei den ,,Maden" um die Larven der meist wenige Millimeter großen (besser kleinen) Pilzmücken. Allein in Europa soll es ca. 300 unterschiedliche, wegen ihrer geringen Größe schwer zu unterscheidende Arten von Pilzmücken geben. Wie viele davon Speisepilze bevorzugen wird nicht erwähnt. Kann man dies mikroskopisch anhand der Maden klären? Pilzmaden zu sammeln ist sicher einfacher als die entsprechenden Mücken zu fangen. Deshalb habe ich mal ,,Maden" unterschiedlicher Pilze von unterschiedlichen Standorten unter das Mikroskop gelegt. Auffallend ist zunächst, dass die Maden sehr transparent sind, sodass selbst die inneren Organe, je nach Fokusierung,  in ihrer Feinstruktur klar erkennbar sind, vor allem im Dunkelfeld. Auch weisen die ,,Maden" deutliche Unterschiede auf, dies betrifft vor allem den Kopf, die ,,Tracheen?" und die der Bewegung dienenden Verankerungselemente. Zwar wies ein madiger Pilz nach Größe und Merkmalen nur jeweils einen Typ von Maden auf, der gleiche Pilztyp an anderem Standort jedoch oft jedoch einen unterschiedlichen Madentyp. Ich halte es durchaus für möglich, über die unterschiedlichen Madentypen Rückschlüsse auf die Art der Speisepilze befallene Pilzmücken schließen zu können.
Leider kann ich (bisher) keine entsprechende Bilder hier im Forum einstellen, - hierzu fehlt mir die Erfahrung -, vielleicht reizt mein Hinweis die Biologen und vor allem die ,,Fotoexperten" des Forums, sich dieses Themas mal anzunehmen.

Freundliche Grüße Rainer bzw.Carlos

JB

Hallo Rainer,

Das ist ein sehr interessantes Betaetigungsfeld. Neben Pilzmuecken kann man auch die Larven von anderen Dipterenfamilien, sowie Schmetterlingslarven und Kaeferlarven in den Pilzen finden.

Dipterenlarven sind meist merkmalsarm, so dass eine sichere Bestimmung schwer sein kann. Einige der von Ihnen beobachteten Unterschiede gehen auch darauf zurueck, dass sich die verschiedenen Larvenstadien untereinander unterscheiden (z.B. das Tracheensystem wird komplexer). Wenn ueberhaupt Literatur vorhanden ist, dann wahrscheinlich fuer die letzen Larvenstadien.
Literaturhinweis: LASTOVKA, P. 1970: A study on the last instar larvae of some Czechoslovak Mycetophila (Diptera, Mycetophilidae). - Acta Universitatis Carolinae - Biologica, 137-176.

Es ist deshalb ueblich, Pilze zu sammeln und die Larven ihre Entwicklung abschliessen zu lassen. Die so "gezogenen" (engl. rearing) Adulte sind merkmalsreich und "einfacher" zu bestimmen. So mache ich das mit Kaefern.

In diesem Artikel finden sich hilfreiche Literaturstellen fuer den Start. http://www.online-keys.net/sciaroidea/add01/Sevcik_2006%20_Diptera_reared_from_fungi.pdf

Jon

Carlos

Hallo Jon,

Dein Hinweis, dass auch Käfer- und Schmetterlingslarven unter den Pilzmaden sein können, wusste ich nicht. Die von dir erwähnte Methode, die Pilzlarven ihre Larvenstadien in gesonderten Gefäßen abschließen zu lassen und die sich daraus entwickelten Insekten zu untersuchen, klingt mir verblüffend einfach. Die Kette Lavenstadien bis hin zum fertigen Insekt lässt sich damit schließen. Ich werde das mal versuchen.

Vielen Dank auch  für den Link zu dem sehr interessanten Artikel von Jan Sevcik über Pilzmaden ,, ...  in the Czech and Slovak Republics" . Meine Vermutung, dass Unterschiede im mikroskopischem Aussehen von Pilzmaden zumindest bildlich kaum dokumentiert sind, wird durch den Artikel m. E. gestützt. Dies, obwohl sich Pilzmaden aufgrund ihrer guten Transparenz, wie ich zu meiner Überraschung festgestellt habe,  hervorragend für mikroskopische Untersuchungen eignen.

Mein Beitrag sollte vor diesem Hintergrund als Anregung verstanden werden, die an sich als ,,eklig" empfundenen Pilzmaden mal unter dem Mikroskop zu betrachten. 

Freundliche Grüße Rainer bzw. Carlos