Einschlussmittel bildet Klumpen

Begonnen von Günther Langer, November 28, 2014, 17:26:21 NACHMITTAGS

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Günther Langer

Ich habe ein Problem mit einer modifizierten Mischung nach Apáthy: Die Rezeptur: 1 Teil Gummi arabicum, 1 Teil Zuckerraffinade, die in 10%iger Essigsäure gelöst werden sollen.
Mir ist auch nicht so ganz klar, wie die Rezeptur zu verstehen ist. Ich habe versucht die Mischung mit 50 ml 20%iger Essigsäure herzustellen: Unter ständigem Rühren und langsamer Zugabe von zunächst Gummi arabicum und danach von Zucker. Das Ergebnis nach 15-20 Min. war eine Masse von honigartiger Konsistenz und Farbe, die von einer schaumigen weissen Schicht überdeckt war. Ich habe den Eindruck, dass diese Schicht hauptsächlich aus Gummi arabicum besteht. Die Schicht enthielt auch kleine Klumpen, die nicht aufgelöst waren. Anscheinend haben sich die Komponenten nicht wirklich gemischt.
Was habe ich falsch gemacht? Was kann ich besser machen?
Das Einschlussmittel wird zum Einschluss hauptsächlich von Genitalen von Insekten verwendet. Es wird ohne Deckglas angewendet. Im Normalfall wird es auf klare Folien (Hygrophile Druckfolien für Tintenstrahldrucker) aufgebracht.

Viele Grüsse

Günther L.
Zeiss Standard WL, 14 und Phomi II
Zeiss DRC und SV 8
Leitz Laborlux 12
Makro-Setup: Leitz Aristophot mit Balgen u. StackShot
Nikon D90, D700, Canon EOS 600D, EOS 5D Mark III
Suche: Leitz Photar 12,5 mm

JB

Hallo Guenther,

Die Aufloesung der Klumpen kann Tage dauern:

"Dissolve the ingredients, with frequent stirring and occasional heating on a water-bath. If big lumps form, the gum may take several days to dissolve. The final volume should be approximately 100 ml. Keeps for a few months at room temperature. Discard if it becomes infected or if the sugar crystallizes. Sanderson (1994) recommends fructose (levulose) instead of sucrose, presumably because it is less likely to crystallize."

http://www.ihcworld.com/_protocols/histology/aqueous_mounting_medium.htm


Haben Sie Erfahrung mit der Langlebigkeit der Genitalpraeparate? Wegen der Tendenz von Zucker, auszukristallisieren, scheint mir die Mischung wenig geeignet fuer langfristige Lagerung (fuer schnelle Untersuchung mag es schon gehen). Dann doch lieber DHMF oder Euparal.

Beste Gruesse,

Jon

Günther Langer

Hallo Jon,

Dein Vorschlag hört sich gut an: Wasserbad und "frequent" rühren. Vielen Dank!

Wie sich diese Mischung auf Dauer bewährt, kann ich nicht sagen. Ich will die Rezeptur mal über den Winter testen.

Es gibt noch eine andere Rezeptur für den selben Zweck von Arved Lompe (http://lompe.de/tips1.htm), die sich nach seiner Aussage seit Jahren bewährt. Der Vorteil sei, dass die Präparate wegen der verwendeten Folie nicht brechen und nicht spröde werden. Die Autoren der  von mir jetzt angesetzten Lösung behaupten das Gegenteil. Ich habe vor ca. 1 Jahr einige Probepräparate mit der Lompe_Mischung angefertigt und bin eigentlich zufrieden. Zugegeben, die Präparate sind leicht klebrig, das stört mich aber nicht. Die Präparate sind glasklar und feine Strukturen lassen sich besser erkennen als ohne Einbettung.

Klar könnte man die Genitalpräparate auf OT's eindeckeln. Das Problem dabei: Präparat und OT müssen separat aufbewahrt werden. In einer Museumssammlung nicht wirklich sinnvoll, weil zu riskant (Verwechslung, Verlust, Beschädigung). Ebenso riskannt ist das Aufkleben auf Plättchen, wie das bisher meistens der Fall ist. Die Einbettung auf der Folie ist simpel und reversibel, wenn tatsächlich mal notwendig sein sollte. Man kann das Präparat von allen Seiten betrachten ohne es zu berühren. Präparat, Genital und Etikett gehören eigentlich immer zusammen auf eine Nadel.

Hier ein Zitat aus "Die Käfer Mitteleuropas", 4. Supplementband:

Zur Genitalpräparation bei Klein- und Kleinstkäfern
von BERND PRANZEN & MICHAEL KARNER
In Band 12 stellte LoMPE ein wasserlösliches Einbettungsmedium vor, durch
dessen Verwendung die Erkennbarkeit vieler genitalmorphologischer Merkmale
wesentlich verbessert wird. Die Erfahrung einiger Kollegen zeigt jedoch, daß in der
Praxis vielfach Probleme auftreten. Insbesondere bei Benutzung auf Kunststoffplättchen
kommt es häufiger zum Abplatzen der Präparate; in anderen Fällen
bleibt die Einbettungsmasse sehr klebrig, fast zähflüssig. Die schwierige Findung
des richtigen Mischungsverhältnisses scheint für einen Teil dieser Probleme verantwortlich
zu sein, zumal die LaMPE-Lösung sehr empfindlich auf schwankende
Luftfeuchtigkeitsverhältnisse reagiert.

Viele Grüsse

Günther L.
Zeiss Standard WL, 14 und Phomi II
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Leitz Laborlux 12
Makro-Setup: Leitz Aristophot mit Balgen u. StackShot
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Suche: Leitz Photar 12,5 mm

JB

Hallo Günther,

Ich meine die gleiche Methode wie Sie: Genitalien in einem Tropfen Einschlussmittel, auf einem Plaettchen Folie, ohne Deckglas, frei sichtbar von allen Seiten, an der selben Nadel wie der Kaefer.

Dafuer sollten DMHF oder Euparal geeignet sein. Zumindest Euparal ist langlebig (+ 50 Jahre), bei DMHF sind die Erfahrungen noch nicht so lang.

Ich selbst bin nicht von der Langlebigkeit der Folie ueberzeugt. PVC-Folien enthalten Weichmacher. Ob die 100 Jahre durchhalten weiss ich nicht. Deshalb klebe ich die Genitalien jetzt wieder mit Insektenleim auf den Karton neben den Kaefer. Das ist unpraktisch, aber Papier ist geduldig.

Vor einiger Zeit habe ich in Berlin gesehen wie jemand Genitalien von Staphyliniden praepariert. Genau wie Sie es beschrieben haben auf einem Stueckchen Folie, aber mit Dehydrierung und in einem Tropfen Neutralbalsam. Balsam ist erwiesenermassen langlebig und kristallisiert nicht aus. Zur Beobachtung nach einigen Monaten wird der Tropfen, falls die Oberflaeche truebe geworden ist, mit etwas Xylol wieder transparent gemacht:

"The dehydrated organs are embedded directly in a small drop of
Canada or Neutral balsam on a small transparent plastic slide, somewhat larger than the paper
mounting plate, and placed on the same pin as the specimen. After a few hours of drying, when the
position of the embedded organs is set, a few droplets of balsam are added to get a completely smooth,
evenly curved surface. Occasionally, some weeks later the surface of the balsam may become wrinkled
after evaporation of the solvent; it can be easily smoothed by putting a small droplet of xylol on the
surface of the balsam and keeping the slide upside down for few hours until the xylol has evaporated."
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/mmnz.19920680102/pdf

DMHF oder Euparal sollen die transparente Oberflaeche auch nach dem Trocknen behalten.

Beste Gruesse,

Jon