Fragen zu Leitz Polfiltern

Begonnen von Thomas M, September 03, 2017, 23:03:33 NACHMITTAGS

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Thomas M

Liebe Foristen und Leitz-Experten,

für mein Orthoplan habe ich die folgenden drei Analysatoren



Schieber A ist mir klar, der gehört zu meiner Auflicht-Interferenzausrüstung ICR (steht ja auch drauf).

Die Schieber B und C sind anscheinend beide normale Polfilter. Den Schieber B verwende ich z.B. als Analysator bei der orientierenden Pol-Mikroskopie.

Was mich wundert ist, dass die Polarisationsrichtung bei diesen beiden um 90° gedreht ist. Das sollte doch wohl darauf hindeuten, dass sie für verschiedene Methoden vorgesehen waren, oder?  Leider kann ich in meinen Leitz-Unterlagen aber nichts Erhellendes dazu finden.  Weiß jemand vielleicht Näheres zu diesen beiden Schiebern bzw. deren Verwendung oder hat gar entsprechende Unterlagen?

Vielen Dank und Grüße
Thomas

Piper

Hallo Thomas,

habe mal gerade nachgeschaut und kann Dir auf Verdacht folgende Lösungen des Rätsels anbieten:

Der ICR-Schieber ist ja klar, wie die Beschriftung sagt.

Der Analysator "Pol" mit dem waagerechten Pfeil (also in Längsrichtung des Schiebers) wurde verwendet, wenn der zugehörige drehbare Polarisator so in den Filterhalter unterhalb des Kondensors eingeschoben wurde, dass der Haltegriff des Polfilters , über den man das Filter drehen kann, nach vorne zeigt. Das war bei den anschraubbaren zweigeschossigen Filterhaltern der Fall, d ie am Kondensor 402 a also auch am Orthoplan, angeklemmt werden konnten.

Es gibt aber auch Konstruktionen, bei denen der Polfilter in abweichender Orientierung angesetzt wird, so dass der Griff zum Verstellen nicht mehr nach vorne, sondern nach rechts zur Seite zeigt. Hier wäre dass das Filter, wenn man es nicht von vornherein anders in der Fassung einbaut, um 90° gedreht.

Bei den Geräten aus den Siebzigern (grau, Hammerschlag) zeigte der Pfeil auf dem Analysatorschieber in Längsrichtung, verlief also waagerecht. Bei den späteren Modellen der Achtziger, TL 160 mm, steht der Pfeil auf den hierfür gedachten Analysator-Schiebern hingegen senkrecht. Und beim zugehörigen Universalkondensor UK wird der Polarisator nicht von vorne, sondern rechts von der Seite angebracht, ist also um 90° versetzt

Ich vermute daher, dass der Analysator mit dem waagerechten Pfeil, den Du ja auch am Orthoplan mit gutem Erfolg verwendest, der originale ist und dass es sich bei dem anderen um eine spätere Ausführung handelt, die vielleicht auch in den Einschub des Orthoplans passt, aber für ein späteres Gerät gedacht war.

Hoffe, dass meine Vermutungen zutreffend sind.

Viele Grüße
Jörg

olaf.med

Hallo Tomas,

Jörg hat mit seiner Vermutung recht. Irgendwannn in den 70iger ??? Jahren wurde die Norm für die Orientierung der Polarisatoren geändert von N-S zu E-W für den Polrisator. Die Gründe dafür sind mir allerdings nicht ganz klar.

Herzliche Grüße,

Olaf
Gerne per Du!

Vorstellung: http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=4757.0

... und hier der Link zu meinen Beschreibungen historischer mineralogischer Apparaturen:
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=34049.0

Thomas M

Hallo Jörg und Olaf,

erst einmal herzlichen Dank für eure Rückmeldung.

ZitatJörg hat mit seiner Vermutung recht. Irgendwannn in den 70iger ??? Jahren wurde die Norm für die Orientierung der Polarisatoren geändert von N-S zu E-W für den Polrisator. Die Gründe dafür sind mir allerdings nicht ganz klar.

Ja, ihr habt sicherlich recht und doch bleibt die Sache rätselhaft.

Ich hatte ja ursprünglich vermutet, dass die beiden Analysatoren vielleicht für unterschiedliche Methoden vorgesehen waren, z.B. der eine für DIC nach Smith der andere für die Nomarski-Variante. Allerdings war letztere wohl äußerst selten.

Wenn man mal nur auf die Form schaut meine ich jedenfalls, dass man auf das relative Alter schließen kann: Schieber C mit den abgeschrägten Kanten und dem weißen Pfeil in E-W scheint der ältere zu sein. Diese Form erkenne ich z.B. auf folgendem Bild auf Seite 15 in der Orthoplan-Anleitung aus dem Jahr 1966 (und die Bilder in dieser Anleitung sind sicherlich noch älter, wie man an den dort abgebildeten Lampenhäusern erkennen kann):

http://microscope.database.free.fr/Microscopes_manuals_files/512-83%20Instructions%20Orthoplan.pdf



Andererseits ist der ICT-Analysator mit den nicht abgeschrägten Ecken in der folgenden Abbildung eindeutig neueren Datums, denn die ebenfalls abgebildeten Objektive sind schon die mit der 160 mm Abgleichlänge. Auf diesem zeigt der (linke) Pfeil in N-S-Richtung...

http://www.science-info.net/docs/leitz/Leitz_ICT_Manual_Newer.pdf



... und zwei Seiten weiter ist das ganze Set dann am Orthoplan montiert.



Schieber B mit dem roten Pfeil in N-S-Richtung scheint also der Jüngere zu sein, was dann nochmal eine Bestätigung für eure Vermutung ist.

Allerdings ist das Rätsel damit natürlich noch nicht gelöst.  ???

Herzliche Grüße
Thomas

Piper

Hallo Thomas,

zum Leitz DIC ("Interferenzkontrast T" nach Smith) kann ich noch nachtragen, dass bei allen Einrichtungen, die ich kenne, angefangen von der ältesten Version mit ICT-Objektiven für TL 170 mm (ohne manuelle objektivseitige Einzelzentrierung des dortigen Wollaston-Prismas), über die späteren mit 160 mm TL (mit manuell justierbaren Wollaston-Prismen im Objektiv) bis hin zu der letzten "Prä-Unendlich"-Version, basierend auf einem UK-Kondensor mit wechselbarer Revolverscheibe, auf sämtlichen zugehörigen Analysator-Schiebern mit zwei Polfiltern in unterschiedlicher Orientierung der Analysator für reine Polarisationsmikroskopie in N-S-Richtung orientiert war. Dies korrespondierte mit der "Neutralstellung" des im zugehörigen ICT-Kondensor drehbar gelagerten Polarisators. Folglich war der Polarisator in allen ICT-Kondensoren anders gelagert all die erste Generation der Polarisationsfilter in der Einzelfassung zum "Drunterklemmen" unter einen normalen Universalkondensor nach Zernike.

Schöne Grüße
Jörg


Peter V.

#5
Hallo,

ja, wenn das mal alles so einfach wäre...

Während man bei Zeiss anscheinend den Schwerpunkt darauf gelegt hat, bei einem möglichst kleinen Programm die Einzelteile so komplex und umständlich zu konstruieren wie eben möglich  ;),  war die Spezialität von Leitz, bei vergleichsweise einfacher Technik eine nahezu unüberschaubare Variantenvielfalt zu bieten, und das nicht nur bei den Ringschwalben....

An meinem Orthoplan mit 170mm-DIK ist die Orientierung des Analysators E-W. Ich betreibe ihn mit dem ICR-Schieber (wobei R ja eigentlich für reflected = Auflicht steht ).

Dann habe ich einen Durchlicht-DIK für die moderene "weiße" Serie, der mit Zwischenringen funktioniert, in denen sich das Wollaston-Prisma befindet (ähnlich wie beim Leitzschen Auflicht-ICR-DIK). Offenbar ist diese Durchlicht-DIK-Einrichtung wohl wenig bekannt. Hier kommen jedenfalls die normalen 160mm-Objektive zum Einsatz, im Gegenseatz zu dem bekannteren 160mm-DIK mit den in den Objektiven fest verbauten Wollaston-Prismen. Diesen "Zwischenring-DIK" betreibe ich mit dem N-S-orientierten Schieber (Bezeichnung IC/P).

Mein Auflicht-DIK am Orthoplan wünscht auch einen N-S-orientierten Analysator.





Ich bitte, die schlechten Handyfotos zu entschuldigen.

So jedenfalls bekomme ich bei allen Einrichtungen ein gutes Bild. Ich will aber nicht ausschließen, dass ich irgendetwas falsch mache.

Noch kurioser wird es bei den "alten" ICT-Revolvern. Da gibt es Abbildungen in Leitz-Prospekten der 160mm-ICT-Objektive mit den alten Ortholux/Orthoplan-ICT-Revolverkondensoren. Allerdings funktioniert das bei mir nicht, es gibt nur einen DIK-Effekt bei "falscher" Objektiv-Kondensorprisma-Kombination! Ich kann es mir nicht anders erklären, als dass Leitz die "alten" Kondensoren für das Orthoplan mit unterschiedlichen Prismen bestückt hat, je nachdem, ob er für die 170mm- oder 160mm-ICT-Objektive vorgesehen war.  Das ist aber auch nur eine Vermutung. Da der Leitz-160mm-DIK am Orthoplan wenig verbreitet ist, habe ich keine Vergleichsmöglichkeit oder niemaden, den ich fragen kann.

Herzliche Grüße
Peter

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Thomas M

Hallo Jörg,

Zitatzum Leitz DIC ("Interferenzkontrast T" nach Smith) kann ich noch nachtragen, dass bei allen Einrichtungen, die ich kenne, angefangen von der ältesten Version mit ICT-Objektiven für TL 170 mm (ohne manuelle objektivseitige Einzelzentrierung des dortigen Wollaston-Prismas), über die späteren mit 160 mm TL (mit manuell justierbaren Wollaston-Prismen im Objektiv) bis hin zu der letzten "Prä-Unendlich"-Version, basierend auf einem UK-Kondensor mit wechselbarer Revolverscheibe, auf sämtlichen zugehörigen Analysator-Schiebern mit zwei Polfiltern in unterschiedlicher Orientierung der Analysator für reine Polarisationsmikroskopie in N-S-Richtung orientiert war

Prima, dass sich diesbezüglich in der langen Zeit nichts geändert hat. Den Leitz'schen DIC (ICT-Version) suche ich im übrigen noch (händeringend). Immerhin weiß ich jetzt, dass ich ja schon mal einen geeigneten Analysator habe,   ... und ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass mir der Rest dann auch noch eines Tages über den Weg läuft.   :)

Ja, lieber Peter,

Zitatja, wenn das mal alles so einfach wäre...

Während man bei Zeiss anscheinend den Schwerpunkt darauf gelegt hat, bei einem möglichst kleinen Programm die Einzelteile so komplex und umständlich zu konstruieren wie eben möglich  ;),  war die Spezialität von Leitz, bei vergleichsweise einfacher Technik eine nahezu unüberschaubare Variantenvielfalt zu bieten, und das nicht nur bei den Ringschwalben....

das macht ja gerade den Reiz aus! Es hat was detektivisches und man wird nie fertig.   ;D
Jedenfalls komme ich mir bisweilen vor wie Sherlock Holmes, seit ich angefangen habe in die Leitz'sche Welt zu schauen.

Herzliche Grüße
Thomas