Reparatur eines Lomo 40x0,95 Apo - Bericht

Begonnen von noa, November 14, 2017, 17:54:51 NACHMITTAGS

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noa

Hallo zusammen.
In meiner Zubehörkiste konnte ich ein völlig verharztes Lomo 40x0,95 apochromatisches Objektiv ausmachen. Die Linsen sind noch makellos gut erhalten und im Review sieht das Objektiv auch nicht schlecht aus. In der Lomo Infothek existiert bereits eine Anleitung zur Reparatur, Grund genug für mich mein Glück zu versuchen und so vielleicht ein funktionierendes Exemplar zu bekommen.
Da bereits eine Anleitung existiert, möchte ich hier nur von meinen Erfahrungen zur Reparatur berichten. Sollte jemand unter euch ebenfalls ein verklebtes Exemplar besitzen, ist diese zweite Meinung eventuell hilfreich. Ansonsten gibt es zumindest weitere Detailaufnahmen ;D
Der Stellring für die Kompensation der Dicke des Deckglases ließ sich nicht mehr bewegen, zusätzlich dazu war er auch noch am unteren Anschlag festgebacken. Alles wie aus einem Guss.



Der erste Schritt ist es die drei Schrauben im Skalenring zu entfernen, die Schrauben sind wirklich klein! Hierfür ist Uhrmacherwerkzeug notwendig (,,China made" genügt), die gängigen Feinmechaniker Sets sind leider zu groß. Weiter wurde die Kappe an der Unterseite abgeschraubt.



In der oben verlinkten Anleitung wird vorgeschlagen die obere Kappe gegen den Uhrzeigersinn herunterzudrehen, zuvor lässt sie sich mit Lösungsmittel befreien. Mein Objektiv war derart verharzt, da bewegte sich nichts. Als Lösungsmittel habe ich zuerst Wundbenzin versucht, was sich im späteren Versuch als völlig nutzlos herausstellte. Isopropanol schien dann doch etwas Wirkung zu zeigen. Jedenfalls war von Hand nichts zu machen. Das Objektiv besteht aus einer Messinglegierung, zu viel Gewalt ist also kontraproduktiv. Mittels 3D Drucker sind zwei Klammern entstanden, in den zwei werkstattüblichen Größen: Zu groß und zu klein. 8)



Gleiches galt dann auch für die beiden ,,Plättchen" die als Einmalwerkzeug zum Lösen der Schlitzmuttern gedacht waren. Diese erfüllten dennoch ihren Zweck und ich konnte die Feder entnehmen. Die Tiefe der Schlitze fällt im Winkel von 45°, mit einem normalen Werkzeug ist hier nicht viel auszurichten. Der ABS Druck war gerade fest genug um die Mutter zu lösen, für das Kunststoffwerkzeug leider eine einmalige Angelegenheit.



Die Klammer war fest genug um mit der Zange gepackt zu werden. Das Objektiv mit einem Handtuch festgehalten, konnte ich die Kappe dann unter grenzwertigem Drehmomenteinsatz überreden.
Wie in der Anleitung vorgeschlagen ritzte auch ich die Position eines der Löcher des Skalenrings in den Messingkörper.



Der Skalenring folgte auf ähnliche Weise. Sein Bewegungsraum wird von einem, im Stellring befindlichen, Federstahlplättchen begrenzt. Da meiner am unteren Anschlag festgebacken war, war die erlaubte Drehrichtung einfach ersichtlich. Anschließend markierte ich die Position des Pfeils auf dem Stellring ebenfalls am Messingkörper. Das Metallplättchen, Spitze zeigt zum Pfeil, lässt sich einfach entnehmen.



Der Stellring ist offener und erlaubt damit den großzügigen Einsatz von Lösungsmittel. Intern hat er ein Gewinde welches auf den Innentubus greift, mit sanfter Gewalt lies auch er sich nach kurzer Einwirkzeit herunterschrauben. Der Innentubus kann abschließend mit einer langen Pinzette über sein Gewinde aus dem Haupttubus gedrückt werden. Es befindet sich ab Werk eine Markierung auf beiden Teilen um sie wieder richtigherum zusammenbauen zu können.


 
Um die Einzelteile reinigen zu können müssen die Linsen raus. Der Innentubus besteht aus einer Schraubhülse und zwei Linsen, die Dickere der beiden Linsen liegt unten.



Die Schlitzmutter am äußeren Tubus lässt sich schwerer entfernen, hierfür ist ein sehr feines Werkzeug notwendig. Zwei Feinmechanikerbits mit der Zange gehalten, erfüllten den Zweck aber ebenso.
Die vier Linsen wurden sofort in einem kleinen Behältnis verstaut und beiseite geräumt.



Das verharzte Fett ließ sich extrem schlecht entfernen, Wattstäbchen und Isopropanol glich dem Kampf mit den Windmühlen. Ein Glas mit Bremsenreiniger brachte schließlich den Erfolg. Drei Durchgänge waren notwendig und etwas Kratzen in den Zwischenräumen mit einem feinen Schraubendreher.



Hier ein Zwischenstand nach dem ersten mehrstündigen Einweichen, gerade in den Ecken sitzt das verharzte Fett noch extrem fest. Die Teile sind gereinigt sobald sie sich nicht mehr klebrig anfühlen.



Der Zusammenbau verlief problemlos. Ich habe auf eine neue Schmierung verzichtet, die Mechanik läuft auch ohne sehr geschmeidig. Lediglich die Feder hat einen hauchdünnen Film Ballistol als Rostschutz bekommen.
Einen ausführlichen Test der optischen Qualität kann ich nicht durchführen, dafür habe ich weder Präparate mit bekannter Deckglasstärke noch das Wissen dazu. Ich kann nur sagen: alles ist wieder an seinem Platz und das Bild ist klar und scharf, Staub habe ich ebenfalls nicht eingebaut.

Alles in allem ein gut machbares, kurzweiliges Bastelprojekt und ein weiteres Zubehörteil vor der Tonne gerettet  :D

Beste Grüße
Kai
Alle Bilder die ich als Urheber hier im Forum veröffentliche sind ,,Public Domain" und dürfen nach Belieben verwendet werden.

Bob

Hallo Kai,

vielen Dank für den detaillierten Bericht! Da steckt eine Menge zusätzliche Arbeit hinter.
Ich finde es immer klasse, so eine Anleitung zu haben, bevor ich mich an die Arbeit mache, weil ich mich dann schon gedanklich mit der Aufgabe befassen kann.

Viele Grüße,

Bob

liftboy

Hallo Kai,

Danke für die Verlinkung.
Es ist doch immer wieder interessant, mit was für Ölen/Harzen etc. die Objektive veklebt sind (obwohl die ab Werk trocken laufen).

Grüße
Wolfgang
http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=785.msg3654#msg3654
LOMO-Service
Das Erstaunen bleibt unverändert- nur unser Mut wächst, das Erstaunliche zu verstehen.
Niels Bohr

Tausendblatt

Moin Kai,

//Ich kann nur sagen: alles ist wieder an seinem Platz und das Bild ist klar und scharf,
//Staub habe ich ebenfalls nicht eingebaut.

Dann Glückwunsch, das gute Stück hat die Mühen auch verdient. :-)
Als ich die Linsen/Linsengruppen da lose liegen sah, dachte ich noch "Oha, ob da hinterher die Zentrierung noch passt???", aber es ist ja gut gegangen.

Viel Freude damit!
Beste Grüße
Jens

noa

Zitat von: Tausendblatt in November 14, 2017, 21:31:15 NACHMITTAGS
... "Oha, ob da hinterher die Zentrierung noch passt???", ...
Ja, das war auch meine erste Überlegung, ich konnte aber keinerlei Referenzpunkte oder Korrekturen ausmachen.

Weder die Anleitung auf Wolfgangs Seite noch die Konstrstruktion selbst lässt irgendeine werksseitige Zentrierung/Ausrichtung vermuten, alles ist einfach auf Passung gesteckt.
Ich hab mich dann damit zufrieden gegeben die oxidierten Fingerabdrücke auf den Linsenfassungen wieder aneinander auszurichten ;D
Alle Bilder die ich als Urheber hier im Forum veröffentliche sind ,,Public Domain" und dürfen nach Belieben verwendet werden.

Werner

 Hallo Kai!

Noch einen Tip zum Lösen oder Festhalten "rutschiger" Teile - statt eines Handtuchs:

Gut anliegende Latexhandschuhe! Der Gummi hat so viel Reibung, daß man schwergängige Gewinde von Hand leicht lösen kann. Funktioniert auch bei schlecht fassbaren Glühbirnen.

Gruß   -   Werner