Dauerpräperate mit Glyceringelantine nach Kisser

Begonnen von Jens-Hermann Stuke, September 23, 2009, 17:09:27 NACHMITTAGS

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Jens-Hermann Stuke

Als Dipterologe arbeite ich normalerweise mit größeren Obkekten, bei der zur Zeit von mir bearbeiteten Gruppe (Ephydridae) ist allerdings die Arbeit mit sehr kleinen Genitalstrukturen notwendig. Für die Präparation dieser Genitalstrukturen habe ich voller Begeisterung erstmals Glyceringelantine nach Kisser ausprobiert. Insbesondere für die wichtige Ausrichtung der Strukturen ist das Einbettungsmittel hervorragend geeignet. Bislang habe ich die Präparate nur in einem Tropfen Glyceringelantine auf dem Objektträger. Ich würde jetzt gerne eine Dauerpräparatesammlung anlegen und habe dazu folgende Fragen:

Kann ich die Präparate so dauerhaft aufbewahren (ohne Deckglas, ohne Umrandung oder andersweitige Fixierung) oder kommt es zu der oft im Internetet beschriebenen Verpilzung?

Aus optischen Gründen würde ich gelegentlich gerne Glycerin ergänzen um dann einen Objektträger aufzulegen. Löst sich die Glyceringelantine in dem Glycerin? Mit welchem Mittel kann ich diesen Objektträger dann fixieren ohne dass es zu Reaktionen mit dem Glycerin kommt?

Vielen Dank für die Hilfe,

Jens-Hermann Stuke

Klaus Henkel

Zitat von: Jens-Hermann Stuke in September 23, 2009, 17:09:27 NACHMITTAGS
Als Dipterologe arbeite ich normalerweise mit größeren Obkekten, bei der zur Zeit von mir bearbeiteten Gruppe (Ephydridae) ist allerdings die Arbeit mit sehr kleinen Genitalstrukturen notwendig. Für die Präparation dieser Genitalstrukturen habe ich voller Begeisterung erstmals Glyceringelantine nach Kisser ausprobiert. Insbesondere für die wichtige Ausrichtung der Strukturen ist das Einbettungsmittel* hervorragend geeignet. Bislang habe ich die Präparate nur in einem Tropfen Glyceringelantine auf dem Objektträger. Ich würde jetzt gerne eine Dauerpräparatesammlung anlegen und habe dazu folgende Fragen:

Kann ich die Präparate so dauerhaft aufbewahren (ohne Deckglas, ohne Umrandung oder andersweitige Fixierung) oder kommt es zu der oft im Internetet beschriebenen Verpilzung?**

Aus optischen Gründen würde ich gelegentlich gerne Glycerin ergänzen um dann einen Objektträger*** aufzulegen. Löst sich die Glyceringelantine in dem Glycerin? Mit welchem Mittel kann ich diesen Objektträger**** dann fixieren ohne dass es zu Reaktionen mit dem Glycerin kommt?

Vielen Dank für die Hilfe,

Jens-Hermann Stuke



Lieber Herr Stuke!

(Den letzten Mail-Kontakt hatten wir wohl im Januar 2001?)

* = Die Glyzeringelatine ist ein Einschluß- oder Eindeckmittel. Einbettungsmittel braucht man zum Blöcke-Gießen für das Schneiden mit dem Mikrotom.

** = ohne Quellenangabe ist das nicht nachvollziehbar. Es kommt auf das Mischungsverhältnis von Glyzerin, Gelatine, Phenol (oder ein anderes Konservierungsmittel) an. Ein höherer Anteil an Gelatine führt in der Regel zur raschen Verpilzung. Auch ist zu bedenken, daß die Gl.g. immer etwas klebrig bleibt, da sammeln sich auf ihrer Oberfläche dann Staubpartikel an, die einen Mikroskopiker entnerven können.

*** = Sie meinen hier und bei **** sicherlich Deckglas?

Aus optischen Gründen würde ich niemals auf den Gedanken kommen, ohne Deckglas zu arbeiten, denn Brechungsindex und die Deckglasdicke von 0,17 mm sind ja bei der Berechnung der Abbildungsleistung des Objektivs einbezogen!

Ergänzen Sie doch nicht Glyzerin, sondern Gl.gelatine. Die hat denselben Brechungsindex. Es kommt auf einen Versuch an: Objektträger von unten mit Gasfeuerzeug erwärmen bis die G.g. geschmolzen ist, dann Deckglas auflegen. Das funktioniert aber nur ein einziges Mal, wenn sie schon mal fest geworden war.
Erwärmte Gl.g. auf die bereits erhärtete zu geben, ist nicht ideal, weil die Gg.schicht dann zu dick wird. Die Schichtdicke über dem Objekt muß bei den 0,17 mm Dicke des Deckgl. mitgezählt werden.

Deckglaslack (Umrandung) ist bei der relativ wasserarmen Gg. nach Kisser eigentlich im Mitteleuropa nicht erforderlich. Doch wäre ich wegen der Mühe bei der Präp.herstellung vorsichtig und würde trotzdem umranden. Evtl. auch mit Nagellack.

Warten wir mal ab, ob jemand eine Patentlösung mitteilt.

KH

A. Büschlen

Hallo Herr Stuke,

Ich möchte noch auf 2 Publikationen im Mikrokosmos hinweisen.

Der Einschluss in Glyzeringelatine. Dauerpräparate von Gliederfüssern für Wissenschaft und Ausstellungen.
Autor: Jürgen Hevers, Mikrokosmos Heft 11 / 1985

Polyvinyllactophenol - Ein bewährtes Einschlussmittel für Milben und Kleininsekten.
Autoren: Otto Woelke und Gerhard Göke, Mikrokosmos Heft 7 / 1984

Freundliche Grüsse

Arnold Büschlen
Schwerpunkt z.Z.:
- Laub- und Lebermoose.
- Ascomyceten als Bryoparasiten.

Günther Langer

Hallo Herr Stucke,

ich denke, dass die sicherste Methode wohl Kanadabalsam resp. Malinol ist. Malinol hat den Vorteil, dass es Chitin aufhellt. PVL ist u.U. auf Dauer riskant, weil Risse in den Präparaten entstehen können. Das gilt besonders für solch feine Präparate, die Sie herstellen wollen.

Mit PVL habe ich ausgesprochen schlechte Erfahrungen gemacht: Spermatheken von Epigynen, spez. Linyphiiden, sind gerissen. Das ist nicht bei allen Präparaten passiert, aber bei einigen.

Viele Grüße

Günther Langer
Zeiss Standard WL, 14 und Phomi II
Zeiss DRC und SV 8
Leitz Laborlux 12
Makro-Setup: Leitz Aristophot mit Balgen u. StackShot
Nikon D90, D700, Canon EOS 600D, EOS 5D Mark III
Suche: Leitz Photar 12,5 mm

TPL

Zitat von: Jens-Hermann Stuke in September 23, 2009, 17:09:27 NACHMITTAGSGlyceringelantine

Hallo Herr Stuke,
da war sie wieder, die Gelantine ;)
siehe hier: http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=1485.msg10355#msg10355
Und? stimmt meine Prognose mit dem Rheinland, oder stammen Sie, wie herr henkel vermutet hatte aus der Umgebung Berlins?

Druse

(off topic)
Nur mal so klug schXXXerich wegen der Gelantine:

kommt von "gelatus" = "gefroren" => nix "n"  ;)

Aber die Rheinländer unter uns dürfen auch gerne Gelantine sagen, bitte mit rheinischem Singsang, dat rollt so schön...

Klaus Herrmann

Hallo Galante,

also im Deutschen Wörterbuch von KD Bünting mit der "neuen" Rechtschreibung (allerdings uralt von 1996  ;D) gibts nur die Gelatine

Aber tolerant wie wir sind, akzeptieren wir alles, was nicht direkt sinnentstellend ist!

Über Ordografie und deren Spielarten regt sich hier eh schon keiner mehr auf! ;)
Mit herzlichen Mikrogrüßen

Klaus


ich ziehe das freundschaftliche "Du" vor! ∞ λ ¼


Vorstellung: hier klicken

Bernhard Lebeda

Zitat von: Druse in September 26, 2009, 19:37:41 NACHMITTAGS
(
Aber die Rheinländer unter uns dürfen auch gerne Gelantine sagen, bitte mit rheinischem Singsang, dat rollt so schön...

Aber jetzt muss ich doch mal mitstreiten: als Nüsser Jong (Neuss /a.Rhein) fühle ich mich qualifiziert festzustellen, dass ich die Schreibweise "Gelantine" noch nie gesehen oder gehört habe. Das ist mitnichten eine rheinische Spezialität. Es ist aber erstaunlich, wieviele google Ergebnisse man damit bekommt. Und diskutiert wird darüber auch öfters

http://www.korrekturen.de/beliebte_fehler/gelantine.shtml

http://www.kurzefrage.de/essen-trinken/167292/Sagen-Sie-Gelatine-oder-Gelantine-Im-Gebrauch-ist-beides-aber-richtig-ist


ich halte es aber im extremen Dialekt, wo ja alles erlaubt ist, nicht für ausgeschlossen, so was zu hören:

"Dat wär dann ming Modder sin Gelantine, die mach ich nit, da bin isch fies vor!!" 

;D ;D


Vielleich fragen wir mal Konrad Beikircher oder Jürgen Becker. Die wissen sowas bestimmt.




Viele ungelierte Grüsse


Bernhard
Ich bevorzuge das "DU"

Vorstellung

Druse

ja isch sachens ja nur: dat Jesprochene is esu, da isset die Gelantine, ejal, wat der Duden at sät, un der Duden rischtet sisch ja nach dem Jesprochenem, ne?

Klar hees dat "Gelatine" up joot döötsch, evve dat määt ja nix!

De Oma sein klein Enkelsche hät dat ooch esu jeliehrt!

(un net: "geliert", dat is jet aanderes! Da sin ma at widder bei der Gelantine)

;D

Klaus Henkel

Zitat von: Bernhard Lebeda in September 26, 2009, 22:33:03 NACHMITTAGS

Aber jetzt muss ich doch mal mitstreiten: als Nüsser Jong (Neuss /a.Rhein) fühle ich mich qualifiziert festzustellen, dass ich die Schreibweise "Gelantine" noch nie gesehen oder gehört habe. Das ist mitnichten eine rheinische Spezialität.

Glaub ich gern. Dieses "Binde-n" ist eine typisch berlinerische Angewohnheit, kommt dort auch in anderen Wörtern vor.
Gruß KH


Jens-Hermann Stuke

Recht herzlichen Dank für die vielen Hinweise - besonders denen zu meiner ursprünglichen Frage - die wertvollen Literaturhinweise und das geduldige Verbessern!

Glyceringelatine hat für mich den unschlagbaren (???) Vorteil, dass durch das Erwärmen ein schnelles Verflüssigen möglich ist. Die Strukturen, die ich betrachten muss, müssen hochkant stehen - das tun sie wegen der Schwerkraft aber nicht gerne. Normalerweise muss ich viele Versuche starten, bis das Präparat richtig ausgerichtet und fest eingeschlossen ist. Außerdem befinden sich die Präparate sowieso in Glycerin und so erspare ich mir so das Überführen in ein anderes Medium.

Viele Grüße aus Ostfriesland,

Jens-Hermann Stuke

P. s.: Ursprünglich stamme ich aus Stade!

Druse

Moin  :)

also: ich versuche mal eine vernünftige Antwort zu geben, aber ich muss vorab warnen: ich habe noch nie ein Glycerin-Gelatine-Präparat gemacht und ich weiß bezüglich der Mikroskopie nicht viel darüber.
Aber ich bin auch Galenikerin und vielleicht hilft mein Galenik-Wissen etwas weiter:
Man kann Glycerol-Gelatine-Wasser-Gele als Gel-Grundlage herstellen, auch Vaginaltherapeutika wurden früher auf dieser Basis gemacht: 1 Teil Gelatine, 2 Teile Wasser, 5 Teile Glycerol 85%, das Glycerol ist also wasserhaltig. Diese Grundmasse wird nicht mehr verwendet, aus dem von Dir genannten Grund: Nährboden für Pilze!
Also ich denke mal: wenn Du die Gelatine-Präparate mit Glycerol 85% benetzt, wird die Einbettung weicher werden, verschieben sich dann die fixierten Präparate? Glycerol ist auch hygroskopisch, es zieht Feuchtigkeit/Wasser (z.B. aus der Luft) an und es ist osmotisch aktiv.

Oh, ich habe gerade gesehen: es gab einen link-Tipp, den hatte ich übersehen...

Günther Langer

Hallo,

eine weitere Möglichkeit kleine Objekte hochkant und zusätzlich beweglich zu untersuchen: Auf einem Objektträger eine Kammer aus  Deckgläsern bauen. Man baut 2 Stapel DGs. In den Zwischenraum kommt Glycerin, das wiederum nach Einbrigen des Präparates mit einem DG abgedeckt wird. Durch Verschieben des aufgelegten DGs kann man das Präparat richtig rotieren lassen oder man ändert  die Orientierung nur geringfügig. Ich mache das bei der Untersuchung von Epigynen, bes. von Linyphiiden, die im 0,x-Bereich angesiedelt sind. 

Viele Grüße

Günther Langer
Zeiss Standard WL, 14 und Phomi II
Zeiss DRC und SV 8
Leitz Laborlux 12
Makro-Setup: Leitz Aristophot mit Balgen u. StackShot
Nikon D90, D700, Canon EOS 600D, EOS 5D Mark III
Suche: Leitz Photar 12,5 mm