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Schulmikroskop Olympus MIC

Begonnen von Gerd Schmahl, August 02, 2018, 19:22:25 NACHMITTAGS

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Gerd Schmahl

Hallo,
heute möchte ich das Schulmikroskop Olympus MIC vorstellen:

Der erste Eindruck: Das Ding ist sehr klein: gerade einmal 24,5cm vom Scheitel bis zur Sole. Der metallische Teil des Tubus (eigentlich schon die Okularhülse) ist mit 19mm Außendurchmesser recht dünn.

Was als nächstes hervorsticht, ist ein Vergrößerungswechler, der folgende Werte angibt:
40x/75x - 150x – 300x und nochmal 150x

Daraus kann wohl geschlossen werden, dass es eine Grundoptik besitzt, die 150x vergrößert und ein Galileisches Fernrohr diesen Wert je nach seiner Stellung einmal halbiert und einmal verdoppelt. Bei 150x wird wohl nur eine leere Bohrung im Wechsler sein, die dann zweimal den gleichen Wert liefert. Durch diese Technik, die ich bisher nur von Stereolupen kannte, ist nur ein sehr geringes Nachfokussieren beim Vergrößerungswechsel notwendig. Nicht ganz schlüssig bin ich mir über die Angabe ,,40x", die zusammen mit der 75x an der gleichen Stelle graviert ist. Ich vermute, dass dieser Wert gilt, wenn das (Vorsatz-)Objektiv abgeschraubt wurde. Das Bild, das man ohne Objektiv sieht, ist aber sehr gewölbt. Ich würde empfehlen, das Objektiv nicht von Schüler*Innen abschrauben zu lassen.

Das Okular ist sehr einfach konstruiert, aber gut verschraubt. Der Kunststofftubus lässt sich noch relativ leicht herausdrehen, aber das Okular ist ebenfalls mit Schraubgewinde am Tubus befestigt. Ich bin nicht gleich darauf gekommen, dass man das überhaupt abschrauben kann, weil das auch sehr schwer ging. Es ist offensichtlich nicht vorgesehen, dass ,,Unkundige" das öffnen, was bei einem Schulmikroskop ja auch durchaus sinnvoll ist. Um an die Okularoptik heran zu kommen braucht man schon Spezialwerkzeug. Ich habe den Aufsatz einer Seegerringzange zerlegt und andersherum verschraubt um ein Werkzeug zu erhalten, das schmal genug ist, um in den Langen Okularstutzen hinein zu passen. Auch die gehärteten Stifte musst ich mit einer Diamantfeile noch ein wenig dünner arbeiten, damit sie in die feinen Löcher der des Gewinderinges greifen. Damit konnte ich dann die Optik gut zerlegen und reinigen. Beim Zusammenbau sollte man besonders darauf achten, dass die beiden Linsen weder verwechselt noch verdreht eingebaut werden, denn sie sind sehr ähnlich und haben den gleichen Durchmesser. Die gewölbten Flächen müssen zueinander zeigen.

Beleuchtet wird wahlweise mit einem Hohlspiegel oder mit einer Ansteckleuchte, die schon fast ein wenig zu hell ist, das Bildfeld aber sehr gut ausleuchtet. Trotz fehlender Beleuchtungsoptik (kein Kondensor, auch keine einfache im Tisch eingelassene Sammellinse) erreicht das einfach zu bedienende Gerät eine ganz passables Bild, das ich in seiner Auflösung und Farbtreue mit dem des Kleinmikroskopes C aus Rathenow vergleichen würde.
Der sehr einfache aber zuverlässige Tischtrieb (kein Feintrieb) genügt für den realisierten Vergrößerungsbereich.

Sehr schön finde ich den Hartschaumkoffer, der zwar ein wenig an einen kleinen Benzinkanister erinnert, aber sehr durchdacht konstruiert ist. Besonders pfiffig finde ich den Verschlussmechanismus, der sich nur dann öffnen lässt, wenn der Koffer  richtig herum auf dem Tisch liegt.

Mein Fazit: Ein solide konstruiertes einfach zu handhabendes Mikroskop, das sich auch als einfaches Reisemikroskop eignen sollte.

Bei der Suche im Netz sind mir etliche schwarz lackierte Exemplare begegnet, die z.T. in durchsichtigen Boxen steckten. Weiß jemand etwas über den Zeitraum, in dem diese Geräte produziert wurden. Der Farbwechsel von schwarz nach grau war ja markenübergreifend in den 70er Jahren vollzogen worden.

Beste Grüße
Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

Carlos

Hallo Gerd,
Über das schwarze Olympus MIC habe ich mal im Januar (28.1.) 2017 berichtet.
(Mikroskopie-Forum / ,,Olympus-Tokyo-Mic" als ,,Reisemikroskop")
Erstaunt war ich damals darüber, wie einfach man mit einer "Digi-Knipse" per Hand durchs Okular fotografieren kann.
Ich benutze es deshalb seitdem als "Reisemikroskop".
Gruß Carlos


Carlos

Hallo Gerd,
Ich habe Deine Beschreibung noch einmal genau gelesen!
ZitatNicht ganz schlüssig bin ich mir über die Angabe ,,40x", die zusammen mit der 75x an der gleichen Stelle graviert ist. Ich vermute, dass dieser Wert gilt, wenn das (Vorsatz-)Objektiv abgeschraubt wurde. Das Bild, das man ohne Objektiv sieht, ist aber sehr gewölbt. Ich würde empfehlen, das Objektiv nicht von Schüler*Innen abschrauben zu lassen.
Das ist so nicht richtig.  Das Objektiv des MiC besteht aus zwei Bestandteilen/Linsen Systemen. Die ,,kegelige" Frontlinse kann abgeschraubt werden! Die zurück bleibende, 1. Objektivlinse liefert dann mit dem ,,Vergrößerungswechsler" 40-fache, 75-fache und 150-fache Vergrößerung. Aufgeschraubt mit der zweiten Linse erzielt man dann eine 75-fach, 150-fache und 300-fache Vergrößerung. Das Gesamt-Objektiv abgeschraubt liefert kein brauchbares Bild durchs Okular.
Leider musste ich bei den von mir bemusterten, schwarzen MICs zunächst die beiden Objektivteile wieder gut trennbar machen. (Gesamt-Objektiv abschrauben, vorsichtig die Verschraubung der beiden Objektivteile lösen und trennen, das erste Objektivteil relativ fest in den Tubus wieder einschrauben und das zweite ,,konische" Objektivteil locker aufschrauben.)
Gruß Carlos   

Gerd Schmahl

Hallo Carlos,
wir meinen da schon das Gleiche. Das ist ein typisches Satzobjektiv, wie sie auch die Schulmikroskope der DDR hatten (KMB und KMC) nur dass ich in der modernsten Variante das vordere (Teil-)Objektiv einfach herausschwenken konnte, während beim KMB tatsächlich abgeschraubt werden musste. Dass man beim Olympus MIC das (Haupt-)Objektiv auch abschrauben kann, habe ich aber noch gar nicht bemerkt und es war auch nicht notwendig, weil das hinreichend sauber war.
LG Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

Bob

Hallo Gerd,
Du hast ja den Vergleich zu den DDR-Kleinmikroskopen. Wie würdest Du das Olympus MIC da von Größe, optischer Leistung und Handhabung einordnen?

Viele Grüße,

Bob

Gerd Schmahl

Hallo Bob,
hier mal ein Größen und Gewichtsvergleich (Gewichte der Kästen mit Mikroskop und Spiegel ohne Ansteckleuchte):

Was die optischen Qualitäten betrifft würde ich denken, dass sie ungefähr in der gleichen Liega spielen, was Farbtreue und Auflösungsvermögen angeht, wobei ich hier nur einen subjektiven Eindruck wiedergebe, aber keinen exakten Vergleich mit irgendwelchen Diatomeenpräparaten liefern kann.

Bei der Handhabung liegt eindeutig das Olympus vor den beiden Rathenowern: Schrägeinblick auch bei waagerechtem Tisch (wichtig für's Tümpeln!) und auch das wenige Nachfokussieren beim sehr einfachen Vergrößerungswechsel ist noch einmal ein großer Pluspunkt, während man beim KMC und KMB bei jedem Vergrößerungswechsel auch sofort nachfokussieren muss. Ich sehe dabei davon ab, dass man beim Olympus auch noch die Frontlinse abschrauben kann, was ich aber aus dem oben genannten Grund vermeiden würde. Dafür läuft der Trieb des Olympus noch ein wenig sauberer als die "Rutschkupplung" des KMC. Das KMB liegt bei der Handhabung am weitesten hinten, denn hier guckt man immer senkrecht von oben hinein und für den Wechsel der beiden Objektivvergrößerungen muss man auch hier die Frontlinse abschrauben, was man bestimmt nicht gerne tut, wenn ein Frischpräparat auf dem sehr kleinen Tisch liegt. Als optische Pluspunkte der beiden Geräte aus Rathenow möchte ich aber noch einmal auf die Blenden unter dem Tisch hinweisen, die doch noch einmal einen großen Gewinn bedeuten, wenn es darum geht den Kontrast und die Schärfentiefe zu regeln.
Ich hoffe dieser Vergleich hilft ein wenig weiter.
Beste Grüße Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

Bob

Hallo Gerd,
danke für den Vergleich, so kann ich es von der Anwendbarkeit besser einordnen.

Viele Grüße,

Bob