Zeiss West Phomi + Einbau eines Digitalchips.

Begonnen von Jürgen Boschert, Oktober 16, 2009, 22:11:42 NACHMITTAGS

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Jürgen Boschert

Hallo zusammen,

seit ein paar Jahren treibt mich die Idee um, dass man doch einen (Vollformat-) Chip in die Filmkasette eines Phomis einbauen können müsste. Man könnte dann ja den internen Verschluss des Phomis zur Belichtungssteuerung benutzen. Wo bekommt man einen entsprechenden Chip her, wie müsste der mit der Verschlussmechnik gekoppelt werden ?

Ein Alternative könnte sein, dass man in das Kasettengehäuse einen Oberflächenspiegel einbaut, der das Bild über eine zu schaffende Öffnung auf der Kasette seitlich nach außen lenkt, wo ebenfalls an der Kasette ein Kamer adaptiert werden könnte. Was für ein Objektiv müsste die Kamera haben ?

Hat jemand eine der Möglichkeiten schon versucht ? Entsprechende Erfahrungen würden , so denke ich, nicht nur mich sehr interessieren.

Beste Grüße !

JB
Beste Grüße !

JB

TPL

Zitat von: Jürgen Boschert in Oktober 16, 2009, 22:11:42 NACHMITTAGSHat jemand eine der Möglichkeiten schon versucht ? Entsprechende Erfahrungen würden , so denke ich, nicht nur mich sehr interessieren.

Hallo Jürgen,
auch mich treibt diese Idee seit Jahren um: da lungern diese aufwändig in den Stativhals hinein konstruierten Kameras und ihre Filmkasetten seit Jahren ungenutzt herum, weil man digital eben über den oberen Ausgang des Prismenwechslers adaptieren muss. Dabei gehen - speziell am Photomikroskop - ja zahlreiche technische Raffinessen verloren: die Beobachtung des exakten Bildausschnittes, die Wahl verschiedener Projektive (beim Phomi 1), die Spot-Belichtungsmessung und nicht zuletzt.... die Ästhetik.

Meine Coolpix hatte ich schon einmal (ohne Gehäuse) in die Kasettenöffnung gezwängt, aber das ist natürlich weiiiiit vom Vollformat entfernt. Ich fürchte, dass die Adaptation eines Vollformat-Chips eine sehr aufwändige und sicher nicht ganz billige Sache wird. Trotzdem würde es michebenfalls sehr interessieren, was es dazu für Ideen gibt.

Nomarski

Hallo,

ich würde es auch sehr begrüßen, wenn in absehbarer Zeit güstige Bausätze mit Vollformatchips auf den Markt kommen würden. Eine digitale Filmpatrone für analoge Fotoapparate war ja schon mal vor Jahren im Gespräch, aber leider ist es nur ein netter Wunsch geblieben.

CaDi

Ich wär sofort Abnehmer, ich finde die eingebaute Kamera klasse, habe aber kein Steuergerät. Wäre klasse :-)

reblaus

Liebe Phomi - Gemeinde!
Meine Vorredner haben alles schon zum Ausdruck gebracht, was ich schon gedacht und gewünscht habe. Die Idee von JB zum Herausspiegeln ist an dem Problem gescheitert, dass ein Spiegel in Filmkassettenposition die "Tubuslänge" optisch unzuträglich verlängern würde, d.h. Bild würde wieder zu groß und Objektivleistung verschlechtert - von der Aesthetik mal ganz zu schweigen (übrigens, die Farbkompensationslinse sitzt unmittelbar hinter dem Prisma am oberen Ende des Halses, vor dem Projektivwechsler).

Da ich aber kein Sammler bin, sondern das Gerät im praktischen Einsatz habe, bin ich ins Grübeln gekommen. Die beginnende Delamination mehrerer Linsenkombinationen in dem komplizierten Strahlengang zur Filmkassette und wieder zurück ins Binokular hat mich endgültig wieder zur Vernunft gebracht. Die sagt mir, dass ich die Wahlmöglichkeit zweier Projektive durch das Billig-Zoom-Objektiv meiner Canon EOS 500 mit life view vollwertig ersetzen kann, dasselbe gilt für den exakten Bildausschnitt des Phomi und die Spot-Belichtungsmessung durch die gute, alte Fotozelle, zumal sich heute alles  - meinen Rentnersaugen zuträglicher - am PC-Bildschirm stressfrei verfolgen lässt.

Ich sage das mit einem Schluchzen  :'( , denn das Phomi hat eine wichtige Rolle zu Beginn meiner Laufbahn gespielt. Immerhin ist mir schon vor 35 Jahren das Filmeinlegen und Eichen und und und ... so auf den Wecker gegangen, dass ich eine Olympus OM (japanisch, igitt, aber mit guter Belichtungsmessung) auf eine Ofenrohr draufgesetzt habe.

Das Phomi ist ein gutes Beispiel














reblaus

Tschuldigung, zu früh abgeschickt:
Also: Das Phomi ist ein gutes Beispiel, wie man die Probleme in komplizierte Vorgaben durch noch kompliziertere Konstruktionen löst (die Zeiss Contarex galt nicht umsonst als "Behördencamera"). Programmierer kennen diesen Effekt: Um einen momentan nicht zu klärenden Bug wird einfach herum programmiert. Zeiss hat z.B. um die ungeeignete Position der Kamera einfach herum konstruiert.
Ich habe den Inhalt des Halses nunmehr ausgebeint und mir alle mechanischen und optische Funktionen - inclusive Camera - klar gemacht. Man musste den Strahlengang durch ein Prisma und eine Kompensationslinse um etwa 40 ° nach unten lenken, durch ein Projektionssymstem und einen teildurchlässigen Spiegel lenken, eine Teil des Lichts wieder zurück ins Binokular (einen anderen Teil davon zur Fotozelle) lenken, eine Kamera mit Uhrwerk konstruieren, vor deren feinmechnischer Finesse und Präzision man heute erblassen würde. Und doch habe ich es übers Herz gebracht, den Hals des Geräts zu leeren und für aktuelle Zuätze freizumachen (nochmals: schluchz  :'()
     Kein Wunder, dass das Gerät damals den Wert eines einfachen Einfamilienhäuschens darstellte, und dass die deutsche optische Industrie es gegen die japanische Konkurrenz schwer hatte!
    Ich drücke trotzdem allen den Daumen, die auf einen Vollformatchip warten, das Einbauen in den voluminösen Filmhalter dürfte kein Problem sein, wenn man einen Kabelschwanz mit Stecker vorsieht.
Gruß
Rolf

Gr

Nomarski

Hallo Rolf,

vielen Dank für deinen umfangreichen Bericht über die Innereien des Phomis. Die Komplexität konnte ich schon erahnen, als ich in alten Broschüren die Seiten angesehen habe, die das Phomi im Querschnitt zeigen.
Als Sammler wird man sich wohl noch etwas gedulden müssen, bis es Vollformat-Chips mit einem Elektronik-Platinchen gibt, welche man in den Raum der Filmkassette problemlos einarbeiten kann. Es bräuchte dann nur ein Kabel für USB und Stromversorgung abgehen.
Als Anwender greift man besser zum Universal-Stativ, wo es diese Problematik eben nicht gibt zugunsten des separaten Strahlengang für das Auflicht.

Schönen Gruß
Bernd

wilfried48

Zitat von: Nomarski in Oktober 17, 2009, 11:17:48 VORMITTAG
Als Sammler wird man sich wohl noch etwas gedulden müssen, bis es Vollformat-Chips mit einem Elektronik-Platinchen gibt, welche man in den Raum der Filmkassette problemlos einarbeiten kann.
B

also als Sammler würde ich die Finger von diesem optomechanischen Wunderwerk lassen und es staunend ab und zu aus Nostalgie analog betreiben.

Und als Anwender gibt es doch Vollformat Digital Spiegelreflex, die an den Original Zeiss T2 Adapter passen. Und mit Live view ist es doch Schluss mit den Verwacklungen und man hat den originalen Bildausschnitt besser als Zeiss es mit seiner Präzisionsmechanik je konnte. Kostet im Moment halt noch ein bisschen, wird aber mit der Zeit auch erschwinglich.

viele Grüsse

Wilfried
vorzugsweise per Du

Hobbymikroskope:
Zeiss Axiophot,  AL/DL/Ph/DIC/Epi-Fl
Zeiss Axiovert 35, DL/Ph/DIC/Epi-Fl
Zeiss Universal Pol,  AL/DL
Zeiss Stemi 2000 C
Nikon Labo-/Optiphot mit CF ELWD Objektiven

Sammlung Zeiss Mikroskope
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=107.0

Nomarski

Hallo Wilfried,

Zitatalso als Sammler würde ich die Finger von diesem optomechanischen Wunderwerk lassen und es staunend ab und zu aus Nostalgie analog betreiben.

Dann natürlich so, wie man es bei der Umrüstung auf die LED-Beleuchtung macht: Man hat jederzeit die Möglichkeit für den Rückbau bzw. die Alternative zwischen Film oder Chip. ;)

Aber ich vermute, bevor die Bausätze erschwinglich werden, hat man längst zur Vollformat-D-Spiegelreflex gegriffen.

Gruß
Bernd