Emil Busch, Rathenow; einfaches Mikroskop

Begonnen von Horst Jux, März 07, 2020, 02:06:02 VORMITTAG

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Horst Jux

Hallo,

ich habe ein älteres Mikroskop von Emil Busch, Rathenow erhalten.
Höhe ca. 30cm.
Eine Irisblende ist vorhanden.
Handelt es sich um ein Trichinenmikroskop?
Durch den Tisch führt eine Stellschraube mit der eine dünne Metallplatte auf dem Tisch angehoben werden kann.
Mir ist die Funktion nicht klar. Kann es ein einfacher Feintrieb sein?
Wie alt kann das Mikroskop sein?
Viele Grüße,
Horst
Gern per Du.

CZJ-Mikrotec

Hallo Horst

Direkt zu deinem Modell kann ich dir nichts sagen. Ich habe aber vor ein paar Monaten selber über diese Art von Mikroskopen recherchriert da ich ( genau das Modell aus dem Link ) eines auf dem Flohmarkt für 3 € aus der Kramkiste geholt habe. Es ist eine ähnliche Bauart und in der Beschreibung steht das es um 1900 herum gefertigt sein soll. Ist zwar eine sehr weiche Info aber vielleicht hilft es ja zu mehr harten Fakten zu kommen.

https://www.ebay.de/itm/ANTIKES-MIKROSKOP-FIRMA-BUSCH-IN-RATHENOW-IM-ORIGINAL-HOLZKASTEN-MESSING-MUSEUM/352940738710?hash=item522ce84896:g:XY8AAOSw9tFeJYGg

Gruß, Alex
No man is an island

Gerd Schmahl

#2
Hallo Horst,
diese Art von Feintrieb, bei dem der obere Teil des Tisches über ein Schanier leicht gekippt wird, war um 1900 weit verbreitet. Sihe auch dieses Trichinenmikroskop.

Für ein speziell als Trichinenmikroskop gefertigtes Gerät, scheint mir der Tisch etwas klein, denn da muss ja ein relativ großes Kompressorium drauf bewegt werden. Die Objektträgerklemmen würden auch stören. Gleichwohl ließe es sich sicher zur Trichinenschau benutzen. Welche Vergrößerungen erreicht es? Hat es nur die Irisblende oder ist da auch ein Kollektor bzw. eine einzelne Kollektorlinse vorhanden?
Beste Grüße
Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

Alfons Renz

#3
Lieber Horst,

Die Schraube unter dem Tisch hebt die obere Tischplatte auf einer Seite und dient als sog. Mohl'scher Tisch zur einfachen Feinfokussierung.

Hugo von Mohl war Professor für Botanik in Tübingen und hat in seiner 'Mikrographie, oder Anleitung zur Kenntnis und zum Gebrauche des Mikroskps' diese Art der Fokussierung beschrieben (1846, Tafel II, Bild 18).

Allerdings geht aus seiner Korrespondenz mit Amici in Florenz hervor, dass dieser schon früher ein ähnliches Prinzip verwendet hat: Er hat dazu einfach ein Blech umgebogen und mit einer Schraube gespreizt. Als Physiker ging es Amici wohl prinzipiell um die Funktion, weniger um Ästhetik oder Gebrauchsfreundlichkeit.

H. v. Mohl schraubte die obere, dünne und flexible Platte auf eine stabile Tischplatte, die auch für einen festen Sitz der Fokussierschraube (f) dient, siehe Abbildung unten.

Interessant ist auch, dass ein früherer Besitzer einen 'richtigen' Kondensor unter dem Tisch montiert hat.

Das Alter wurde schon richtig geschätzt.

Herzliche Grüße,

Alfons

Horst Jux

Hallo,
herzlichen Dank für eure Antworten.

@ Alex: Mit deine Kommentar (3€) verdirbst du mir den Preis beim Wiederverkauf. ;) Ich wollte mir doch einen Sportwagen davon kaufen.
Mein Glückwunsch zum Fund. :)
Aber schau mal im Link: Busch Rathenow Mikroskop; ohne Kasten und Zubehör; Signatur: Emil Busch AG Rathenow; 249,00 Euro    :o
Mitte Link: http://www.mikroskop-online.de/Verkauf%20Antikmikroskope.htm

Moin Gerd
ZitatFür ein speziell als Trichinenmikroskop gefertigtes Gerät, scheint mir der Tisch etwas klein... & Welche Vergrößerungen erreicht es? & Hat es nur die Irisblende ... ?

Die Vergrößerungen sind auf einem Bild unten zu sehen. Und für mich sieht es nur nach einer Irisblende aus. Keine weitere Linse.

Hallo Alfons.

Danke für deine tollen Informationen. Die habe ich gleich mal abgespeichert.
Die Platte ist auch mit zwei Schrauben befestigt.

Viele Grüße,
Horst
Gern per Du.

Gerd Schmahl

Hallo Horst,
sieht doch ganz hübsch aus in seinem Kasten. Die Preise auf der verlinkten Seite sind das eine, ob jemand diesen Preis auch zahlen würde, etwas ganz anderes. Vielleicht ein Busch-Sammler, dem gerade dieses Gerät noch fehlt nach dem ers schon 10 andere für 3(0) € auf Flohmärkten erworben hat. Nach meiner Erfahrung gehen solche Geräte um die 100,-€ weg, wenn man als Verkäufer Glück hat. Sicher gibt es da Raritäten, die Du und ich nicht als solche erkennen würden, die deutlich mehr wert sind, aber das ist ein recht einfaches Mikroskop.
Trichinenschau findet übrigens bei ca. 30facher Vergrößerung statt, in Zweifelsfällen bis 100fach. Insofern ist das jedenfalls kein Gerät, das speziell für diesen Zweck gebaut wurde.
Beste Grüße
Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

Horst Jux

Hall Gerd,

Zitat. Die Preise auf der verlinkten Seite sind das eine, ob jemand diesen Preis auch zahlen würde, etwas ganz anderes.

ja, das war mir so schon klar. Ich habe es beim Kauf eines anderen mitgekauft und darum geht es auch billig wieder weg.
Ich werde es mal im Micromarkt für vierzmich einstellen. Ein anderes Auto werden wir uns auch nicht mehr kaufen. Unser Corsa ist 14 Jahre jung und hat erst 62tkm auf der Uhr.

Danke noch einmal und viele Grüße aus Flensburg,
Horst.
Von meinem Speicherplatz verlinkt-
Schluckimpfung und ein Flens hilft auch bei >>> https://photos.app.goo.gl/TEG8ueq7ukbrR6fY7
Gern per Du.

CZJ-Mikrotec

Hallo Horst

Lass dir deine Preisvorstellung nicht verderben  :) . Das Mikro erstand ich von einem türkischen Krempelhändler der das wohl mal aus einer Wohnungsauflösung mit in seinen Sack gepackt hatte ohne zu wissen was es ist.  Und so hatte er es auch angeboten. Es lag in einer Schrott- und Krempelkiste untergemölt unter Blechschildern und alten Deckenlampen und diversem anderen Elektroschrottgekröse.  Naja ich habs mir wieder aufgemöbelt und fertig gemacht und nun steht es als schönes, originales Schmuckstück bei mir im Wohnzimmer.

Gruß, Alex
No man is an island

beamish

Den Mohl'schen Tisch statt Feintrieb gab es noch an den (soliden) Schülermikroskopen der Firma Hetto in der DDR:
http://saarland.digicult-museen.net/objekte/7171

Grüße
Martin
Zeiss RA mit Trinotubus 0/100
No-Name China-Stereomikroskop mit Trinotubus
beide mit Canon EOS 500D