Entwässerung von Präparaten vor dem Einbetten in Malinol

Begonnen von Christoph F, März 02, 2020, 16:12:06 NACHMITTAGS

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Christoph F

Hallo :),
ich beschäftige mich seit kurzem mit dem Herstellen von Dauerpräparaten, stehe aber noch beim Thema Entwässerung an. Ich habe vor beim Herstellen der Dauerpräparate mit Malinol (gelegentlich vielleicht mit Glycerin) zu arbeiten. Färben würde ich wahrscheinlich mit Menthylenblau, Safranin oder (Karbol)Fuchsin. Auch Gramfärbungen würde ich gerne einbetten. Nun bin ich mehr als nur überfragt was Entwässerung angeht. Mal lese ich was von Alkoholreihen, von Xylol (oder Roti Histol), Isopropanol und dann lese ich teils, dass man eines der genannten Komponenten ganz weglassen kann...bin einfach überfragt.
Ich freue mich auf Tipps,
Christoph
Wissen ist nicht mit Können gleichzusetzen. Können entsteht aus Wissen und 10000 Wiederholungen.

liftboy

Hallo Christoph,

fangen wir einfach mal mit den einzubettenden Materialien an:
Trockeneinbettungen in Luft (Pollen, Sporen etc.) bekommen zur Konservierung einen Lackrand und gut so.
Einbettung aus Wasser (Algen, etc.) direkt in Magnacol (Polyvinyllactophenol) oder Hoyers Gemisch oder
durch Zugabe von Glyzerin bis zum reinen Glyzerin und dann in Glyzeringelatine (mittlerweile obsolet, braucht Lackrand) oder
durch vorsichtige Zugabe von Alkohol (Alkoholstufen) bis zum reinen Alkohol und dann in Euparal (kein Rand) oder
aus dem Alkohol (wasserfrei!) durch Zugabe von Xylol bis zum reinen Xylol und dann in Malinol, Kanadabalsam, Eukitt (auch kein Rand).
klick doch einfach mal die "Mikrofibel" an, da findet sich mehr. (auf der Seite ganz oben ist der Link)

Grüße
Wolfgang
http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=785.msg3654#msg3654
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Rawfoto

Hallo Christoph

Ich verwende zur Entwässerung die folgenden 3 Chemikalien in der beschriebenen Reihung:

ISO
Terpineol
Xylol

Roti setze ich nur bei den ersten Schritten der Entparafinierung ein, zum Schluss kommt dann 2x Xylol

Liebe Grüße

Gerhard
Gerhard
http://www.naturfoto-zimmert.at

Rückmeldung sind willkommen, ich bin jederzeit an Weiterentwicklung interessiert, Vorschläge zur Verbesserungen und Varianten meiner eingestellten Bilder sind daher keinerlei Problem für mich ...

Gerd Schmahl

Hallo,
was als letztes dran kommt, hängt davon ab in welches Medium ich eindecken will. i.d.R. ist es das Lösungsmittel des Eindeckmittels.
Welches Eindeckmittel man wählt hängt von verschiedenen Faktoren ab, z.B. ob die verwendeten Farben säureverträglich sind oder nicht. Auch der Brechungsindex ist nicht unwesentlich, denn er entscheidet, wie gut die eingeschlossenen Strukturen kontrastieren.
Sind es tierische oder pflanzliche Sachen, die Du "einmachen" willst? Schnitte oder ganze Viehcher? Auch hier sind wieder die unterschiedlichen Eigenschaften der Eindeckmittel wichtig, z.B. ob sie stark schrumpfen oder nicht. Für dickere Präparate braucht man Mittel, die möglichst wenig schrumpfen, sonst zieht 's Luftblasen ins Präparat.
Es gibt aber genügend erprobte Rezepte für die einzelnen zu präparierenden Sachen. Ich würde mich an einem Klassiker wie WERNER SCHLÜTER "Mikroskopie für Lehrer und Naturfreunde" orientieren oder ganz konkret im Forum fragen: Ich habe XY und möchte davon Dauerpräparate herstellen. Wie mache ich das?
Beste Grüße
Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

Christoph F

Hallo,
ich würde wahrscheinlich alles mögliche "einmachen", deshalb würde ich auch verschiedene Farben, Einbettungsmedien und Entwässerungsmittel benutzen. Ich denke, dass es für mich das beste wäre einfach die wichtigsten Mittel zu kaufen, sodass es fast überall geeignet ist. Eine Frage noch: wo kauft ihr die ganzen Entwässerungsmittel wie Xylol, Histol, Isopropanol, Ethanol etc? Habe bislang nichts gefunden...

Mfg Christoph
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JB

Hallo Chrisoph,

Wie Gerd schon schrieb, haengt die beste Vorgehensweise vom Objekt ab. Deshalb gibt es kein fuer alle Objekte gleichermassen geeignetes Protokol.

Je groesser das Objekt und je anflaelliger fuer Schrumpfungen, desto langsamer muss man entwaessern (kleinere Konzentrationsstufen; laengere Entwaesserungszeiten). Das optimale Einschlussmittel haengt vom Brechungsindex des Objekts ab. Einige Faerbungen werden von Alkohol ausgewaschen; der Alkoholschritt muss dann sehr schnell gehen. Das Buch von Schlüter ist sehr zu empfehlen!

Gramfaerbungen enthalten Trocknungsschritte an der Luft. Schrumpfungen sind also kein Thema bei Bakterien. Der Ausstrich kann nach Lufttrocknung nach kurzem Eintippen in Xylol gleich eingeschlossen werden.

Chemikalien sind immer schwieriger zu bekommen. Reines Ethanol ist wegen der Steuer nicht erschwinglich; ein guter Kompromiss ist Isopropanol 99,9 % fuer die Alkoholreihe (bei Ebay ab 5 Euro pro Liter). Zwischenmedium fuer Euparal ist Isopropanol oder Eukalyptusöl (Eukalyptus globulus Oel; 10 Euro /100 ml). Zwischenmedium fuer Malinol und Kanadabalsam ist Xylol (Arbeitsschutz beachten!), das gibt es erstaunlicherweise auch bei Ebay sowie bei einschlaegigen Haendlern fuer Lehrmittel oder Entomologiebedarf:

https://www.fiebig-lehrmittel.berlin/Xylol
https://www.bioform.de/shop.php?action=tree&wg=1&pid=677&treeid=5201

Um mit moeglichst kleinen Volumina zu hantieren empfehlen sich Faerbecontainer fuer das Entwaessern von Praeparaten auf Objekttraegern https://www.scilabware.com/pub/media/catalog/product/cache/aeb0b70191779434bcbaea9982ac80c8/s/w/swm012.jpg und Uhrglaeschen fuer Objekte auf Deckglaeschen (2 Uhrglaeschen: kleines unten, grosses oben).

Viel Erfolg,

Jon

Christoph F

Kann ich Pflanzenschnitte mit Malinol einbetten (und noch mit Fuchsin, Safranin oder Menthylenblau einfärben)?
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Florian Stellmacher

Hallo Christoph,

das Eindecken mit Malinol erfordert eine Entwässerung mit Alkohol (Isopropanol, prinzipiell geht bei niedrigeren Konzentrationen auch Brennspiritus) und ein apolares Medium, wozu sich Xylol anbietet (gibt es beides zum Glück noch bei Ebay). 

Die Anzahl der Alkoholstufen und wie lange das Material jeweils darin verbleiben muss, richtet sich nach Dicke und Beschaffenheit des Materials selbst. Zu bedenke ist auch, dass sich z.B. Eosin in niedrigeren Alkoholkonzentrationen beim Entwässern wieder auswäscht. Da hilft natürlich in erster Linie Erfahrung. Schonend und ohne Entwässerung in Stufen geht es mit Methylglykol, ich habe das aber nur selten gemacht, eher bei Objekten, die ich nicht so oft mechanisch beanspruchen wollte.

Wenn Du eine Gramfärbung o.ä. an Ausstrichen machen möchtest, reicht es vollkommen aus, die Ausstriche nach dem Färben lufttrocken zu lassen und dann in rel. flüssigem Malinol (verdünnt mit Xylol) einzudecken, ohne über Alkohol und ein apolares Medium zu gehen.

Einmal mehr meine Buchempfehlung: Georg Stehli: Mikroskopie für jedermann. Uralt, politisch total unkorrekt, aber immer noch exzellent und mit echter Lebenshilfe für Mikroskopier!

Viele Grüße,
Florian
Vorwiegende Arbeitsmikroskope:
Zeiss Axioskop 2
Olympus BHS (DL, Pol, Multidiskussionseinrichtung)
Zeiss Axiophot (DIK und AL-Fluoreszenz)
Zeiss Axiovert (Fluoreszenz)
Wild M400 Fotomakroskop (DL, DF, AL, Pol)

Christoph F

Danke für die vielen Antworten!
Für alle Österreicher unter euch, Xylol und Isopropanol gibts hier:
https://www.neubers-enkel.at/
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