Mikrotomklingen (Mk) machen Ärger

Begonnen von Anton Berg, November 04, 2021, 12:44:41 NACHMITTAGS

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Anton Berg

Hallo, Mikrotomer,

? Schleichend hat sich ein Problem eingestellt: Die Paraffinschnitte lassen sich von einem Schlittenmikrotom nicht so einfach wie das üblich und gewollt ist von den Mk abheben. Meiner Einschätzung nach kleben die die Schnitte nicht, die Teile krallen aneinander. Die Schnitte müssen von der oder den Klingen abgestoßen werden, dabei besteht Beschädigungsgefahr. Zur Verwendung kommen Jahre alte Faetherklingen, Typen N 35, S 35 und A 35. Sie kommen ölig ummantelt aus dem Spender. Sie werden gereinigt und immer wieder gereinigt und mit mechanischem Druck. Bei 200facher Vergrößerung im Auflicht erscheinen die Schneiden scharf und gerade, kantig, die angrenzenden Flächen erscheinen sauber.
Naheliegend ist, die Mk sind verharzt oder die Schnitte laden sich elektrostatisch auf, erscheint mir aber unwahrscheinlich. Einen Alterungsprozess schließe ich nicht aus. Wie kann man dem Übel abhelfen?
Alternativ sind neue Klingen gefragt. Zweite Frage: Wo kauft man preisgünstig Faether- oder Leicaklingen ein?

In freundlicher Erwartung,   Anton
Mit freundlichen Grüßen,   Anton

spectator

Hallo Anton,

wenn die Klingen sauber und optisch unversehrt sind, kann der Fehler auch anderswo liegen. Eine Alterung der Klingen würde ja ein Nachlassen in der Schärfe bedeuten, und das würdest Du sicher bemerkt haben.
Ich weiß nicht, ob die feather-Klingen von Hause aus eine Anti-Haft-Beschichtung haben. Diese hättest Du beim Entfetten der Klingen evtl. mit entfernt, was das anschließende Anhaften erklären würde.
Du hast schon die elektrostatische Aufladung angesprochen. Beim Schneiden zieht man einen Metallgegenstand über einen Isolator (Paraffinblock), da kann es schon mal, besonders bei trockener Luft, zu Ladungstrennungen kommen. Abhilfe: mit einem nichtisolierten Kupferdraht sowohl die Einmalklinge (am Rande) als auch den Paraffinblock (Oberseite neben dem Objekt) berühren zum Ladungsausgleich. Zumindest kann man so eine mögliche Ursache ausschließen.
Ich vermute aber eher, daß es am Paraffin liegt. Hast Du in letzter Zeit die Sorte oder Deine Arbeitsweise gewechselt? Das kann natürlich auch die Intermedien beim Einbetten betreffen. Schneide doch mal zur Kontrolle einen beliebigen alten Paraffinblock, den Du sicher noch dahast und der sich früher gut schneiden ließ. So kannst Du wieder eine Ursache ausschließen.
Wenn Du zwischendurch mal Schnitte mit einem anderen, massiven Messer gemacht hast: Hattest Du dazu evtl. den Messerwinkel (Neigung) verstellt? Auch wenn man danach den Halter wieder auf den gleichen Skalenwert einstellt, gibt es doch leicht Unterschiede, die sich aber im Ergebnis auswirken können.
Paraffinschnitte im Amateurbereich unterliegen eben leider einer Vielzahl von Einfluß- und Störfaktoren. Da bleibt oft nur Herumprobieren, bis man die Ursache für plötzliche Abweichungen gefunden hat ( z.B. Mikrotom stand früher an einer anderen Stelle - Temperatur, Luftströmung...). Im Profibereich wird peinlich darauf geachtet, daß alles so bleibt, wie es funktioniert hat - im Hobbybereich geht das meist nicht, und schon gibt es unerfreuliche Abweichungen.
Ich nehme an, daß von anderen Forumsmitgliedern noch weitere Hinweise zur Fehlersuche kommen werden. Wenn Du die Ursache gefunden hast, berichte bitte darüber - das hilft uns Anderen, wenn wir mal nicht weiterkommen.

Viele Grüße

Helmut
Trinkt, o Augen, was die Wimper hält, von dem goldnen Überfluß der Welt!

Anton Berg

Hallo Helmut,

Deinen Ausführungen werde selbstverständlich nachgehen und berichten und wie Du vermutest, erwarte ich gerne weitere Beiträge.

Vielen Dank und viele Grüße,   Anton
Mit freundlichen Grüßen,   Anton

Bob

Hallo Anton,
im Lauf der zeit werden sich die Eigenschaften des Öls ändern, das auf den Klingen ist. Anfangs könnte der Ölfilm die Schnitte gut abweisen. Später fängt das Öl an zu verharzen und bildet entweder eine klebrige Oberfläche oder wird ganz entfernt. Mach das alte Öl doch mal ganz runter und öle die Klingen dann fein ein, um dem Ursprungszustand nahezukommen.
Gegen das Anreiben einer Paraffinschicht an der Fase der Klinge hilft sonst auch ein wenig Ethanol-Wasser-Gemisch, aufgepinselt oder aufgesprüht.

Viele Grüße,

Bob

Rawfoto

Hallo Anton

Ich schneide mit klassischen Mikrotom-Messern wenn Paraffin geschnitten werden soll, dabei werden die Messer vor der Anwendung mit Bremsenspray gereinigt und dann mit Weißöl (säurefrei) benetzt ...

Wenn wir das günstig weglassen hat sowohl Leitz Microsystems wie auch Feather einen Verkauf ... In der Bucht gibt es immer wieder günstige, angebrochene Packungen

Liebe Grüße

Gerhard

Gerhard
http://www.naturfoto-zimmert.at

Rückmeldung sind willkommen, ich bin jederzeit an Weiterentwicklung interessiert, Vorschläge zur Verbesserungen und Varianten meiner eingestellten Bilder sind daher keinerlei Problem für mich ...

Anton Berg

Guten Morgen Bob,

nach meinem Verständnis dient die Ölung der Konsevierung der Klingen bis zu ihrem Einsatz. Bei meiner Arbeitsweise würde der Ölfilm die Schnitte zum Anhaften führen. Mir ist bis heute nicht bekannt, daß man den Ölfilm erhalten sollte. Gängige Praxis ist wohl, die ersten Schnitte misslingen. Dein zweiter Tipp, ein Ethanol/Wassergemisch anzuwenden,häufig angeführt, ist bei mir regelmäßig gescheitert, Wohl dem, der hier erfolgreich praktiziert. Ausdrücklich, ich beharre nicht auf meinen Ausführungen als einzig richtige Praxis, ich schreibe hier aus meiner Praxis.


Guten Morgen Gerhard,

wendest Du die Reinigung wohl nach dem Schneiden an? Das könnte ich gut nachvollziehen.


Vielen Dank Euch Beiden und viele Grüße,   Anton

Mit freundlichen Grüßen,   Anton

Jürgen H.

Hallo Anton,

hier ein Auszug der Beschreibung von Sakura:

ZitatFeather® A35 Durable Low Profile Blades are designed for low profile blade holders and have ultra-sharp edges to deliver superior performance and durability.  Ideal for sectioning thin ribbons from paraffin blocks with hard tissue.

The Feather microtome blades are PTFE coated to reduce friction when sectioning.

Diesen Überzug, der die Friktion beim Schneiden vermeiden soll und gleichzeitig Antihafteigenschaften hat, den beseitigst Du.
Daneben tippe ich ebenfalls darauf, dass Du das Intermedium nicht vollständig entfernt hast.

Schöne Grüße

Jürgen

Anton Berg

Lieber Jürgen,

die PTEF Beschichtung war mir neu. Abgewischt,falls sie mechanisch nicht nicht so belastbar ist, habe ich sie dann als Reaktion auf vorherige Fehlschnitte.
Ob noch Intermedium im Paraffin vorhanden ist kann ich bis zum Letzten nicht ausschließen. Die Objekte, Haslnussbohrerlarven, habe ich 3 x in frisches Paraffin, Paraplast X-tra, Verwendungsgarantie bis 2020/01, Wärmeschranktemperatur ca. 60 °C, gegeben, Gesamtverweildauer 3x ca. 24 Std. Die Kuticula der Larven sind im Flankenbereich flächig angeschnitten, so daß Infiltration gut möglich ist.
Vieleicht geben diese Ausführungen weiteren Aufschluss.

Auch Dir vielen Dank und viele Grüße,   Anton
Mit freundlichen Grüßen,   Anton

momotaro

Hallo Anton,

hast du besondere Gründe Paraplast X-TRA zu vewenden? Der Schmelzpunkt von 50–54° C ist wesenlich niedriger als die 56° C von Paraplast bzw. Paraplast Plus.

Ich verwende Paraplast Plus und zur Entwässerung und Aufhellung 1-Butanol. Zum Schneiden verwende ich ein Leica RM2055 Rotationsmikrotom.
Lange Schnittbänder entstehen, wenn die Schnitte entsprechend dünn sind.

LG Helmut
,,Die Kunst ist lang, das Leben kurz, das Urteil schwierig, die Gelegenheit flüchtig." — Johann Wolfgang von Goethe Wilhelm Meister's Lehrjahre (1786–1830)

Rawfoto

Hallo

Nein Anton, vor dem Schneiden - ich hebe die Messer eingefettet auf damit sie nicht rosten. Daher Reinigung und dann Weißölfilm auftragen. Ich habe das schon richtig beschrieben ;)

Liebe Grüße

Gerhard
Gerhard
http://www.naturfoto-zimmert.at

Rückmeldung sind willkommen, ich bin jederzeit an Weiterentwicklung interessiert, Vorschläge zur Verbesserungen und Varianten meiner eingestellten Bilder sind daher keinerlei Problem für mich ...

Anton Berg

Hallo Helmut, spectator

bisher bin ich der elekteostatischen Aufladung nachgegangen, mit einem Erdungsleiter am Elt-Netz angeschlossen konnte ich keine Veränderungen feststellen. Die Ursache für mein Problem liegt noch unergründet woanders.


Hallo Helmut, momotaro

die Verwendung von Paraplast X tra hat keinen besonderen Hintergrund. Ich arbeite nur gelegentlich und als Allrounder im Labor. Mit dieser Praxis kann ich keine Rotine erlangen um damit ein bestimmtes Paraffin als besonders vorteilhaft für alle unterschiedlichen Objekte zu erkennen.


Hallo Gerhard,

ich backe freiwillig kleine Brötchen.


Ich danke für Eure Beiträge und grüße herzlich,   Anton
Mit freundlichen Grüßen,   Anton