Bryocentria metzgeriae und B. hypothallina; 2 nekotrophe Bryoparasiten

Begonnen von A. Büschlen, Dezember 22, 2021, 16:41:08 NACHMITTAGS

Vorheriges Thema - Nächstes Thema

A. Büschlen

Hallo,

Bryocentria metzgeriae und B. hypothallina sind nekrotrophe Bryoparasiten. Sie besiedeln thallöse und beblätterte Lebermoose.
B. metzgeriae ist bei uns häufig und benutzt
R. complanta, Porellia sp. und Metzgeria furcata als Wirt. B. hypothallina besiedelt M. furcata. Im Feld erkennt man mit einer Handlupe 10x auf den befallenen Pflanzen die kleinen Fruchtkörper gut. Sie zeigen sich als kleine orange/gelbe Pünktchen die sich auf der Unterseite der Blätter und der Thalli entwickeln um sich dann durch das über ihnen liegende Blatt oder durch den Thallus durch zu bohren.

Auf den folgenden Bildern können einige einfach zu erkennende Merkmale dieser beiden Arten gezeigt werden.

Die Farbe der Fruchtkörper sind nach meinen Beobachtungen bei B. metzgeriae eher orange; bei B. hypothallina eher gelb/gelb-orange.
B. metzgeriae hat unzählige Asci; die Sporen sind glatt, spindelförmig und tragen in der Mitte ein cyanophiles Band.
B. hypothallina hat weniger Asci; die Sporen haben cyanophile Warzen, sind ellipsoid, 1x septiert und die eine Hälfte ist unterschiedlich gegenüber der andern Hälfte.

Zu den Bildern:

Bild 1 zeigt den Standort. Ein Buchenstamm dicht bewachsen mit Metzgeria furcata. In diesen Polstern erkennt man sehr gut die Ausbreitung der parasitärern Ascomyceten.

Bild 2 oben B. hypothallina; unten B. metzgeriae auf M. furcata. Balken 0,5mm

Bild 3 Detail mit B. metzgeriae auf M. furcata. Unter den Thalli liegen die Fruchtkörper und dringen durch den Thalli z.B. 2. FK von rechts. Balken 100µm.

Bild 4 B. metzgeriae; Asci und Sporen. Balken für Bild rechts 20µm

Bild 5 B. hypothallina; Asci und Paraphysen. Balken 20µm

Bild 6 B. hypothallina; Sporen. Balken 20µm

Färbung in Baumwollblau - Milchsäure.

Arnold Büschlen

Siehe auch: https://ascomycete.org/Journal/Article/art-0135
Schwerpunkt z.Z.:
- Laub- und Lebermoose.
- Ascomyceten als Bryoparasiten.

Heiko

Lieber Arnold,

danke für diesen faszinierenden Einblick in die Welt der bryo-nekrotrophen Parasiten.
Die Deutschland-Verbreitung verrät, wie exklusiv sich Deine Funde darstellen, Bryonectria hypothallina ist nicht einmal gelistet:

https://www.pilze-deutschland.de/organismen/bryocentria-metzgeriae-ade-h%C3%B6hn-d%C3%B6bbeler-2004

Arnold, im letzten Jahr hatte ich einen ,,coprophilen Kommensalen" (damaliger Arbeitsname) auf Plagiomnium (Mnium) affine, der aber unbestimmt blieb:



,,Es gibt mehr Ding' im Himmel und auf Erden, als Eure Schulweisheit sich träumt" (Shakespeare).

Viele Grüße,
Heiko

A. Büschlen

Lieber Heiko,

wie wahr ist dieses Zitat:
Zitat,,Es gibt mehr Ding' im Himmel und auf Erden, als Eure Schulweisheit sich träumt" (Shakespeare).

Das staunen in der Landschaft wenn Unbekanntes gefunden wird, dann die Spannung wenn man am Stereomikroskop nach dem Gefundenen sucht um dieses Kleine im Mikroskop zu betrachten macht einfach Freude!

Bleiben wir auch im neuen Jahr dran: mit träumen und staunen!

Viele Grüsse

Arnold
Schwerpunkt z.Z.:
- Laub- und Lebermoose.
- Ascomyceten als Bryoparasiten.

jcs

Hallo Arnold,

sehr interessante Aufnahmen! Da muss man schon sehr genau hinsehen, um so etwas in der freien Natur zu entdecken und zu erkennen. Wie hast Du das Material für die letzten 3 Bilder ausreichend dünn hinbekommen, sodass man die kleinen Strukturen so gut darstellen kann?

LG

Jürgen

3nzo


A. Büschlen

Hallo Jürgen,

im Feld geht das Suchen ohne Handlupe fast gar nicht.
Zur Präparation:
Ich suche am Stereomikroskop nach Fruchtkörper und löse diese mit einer feinen Pinzette vom Substrat, lege sie in einen Tropfen Wasser. Auf ein Deckglas gebe ich einen kleinen! Tropfen Wasser und darin quetsche ich mit der Pinzette den Fruchtkörperinhalt heraus, dazu gebe ich mit der Pinzettenspitze eine Spur Baumwollblau in Milchsäure, lege den Objektträger darauf und wende das Präparat und sauge am Deckglasrand mit einem Streifen WC Papier soviel wie möglich Flüssigkeit weg. Beim Einsatz vom Phasenkontrast ist Baumwollblau in Milchsäure eher störend und nicht nötig.

Gruss Arnold
Schwerpunkt z.Z.:
- Laub- und Lebermoose.
- Ascomyceten als Bryoparasiten.