Carl Zeiss Standard Junior Polarisationsmikroskop

Begonnen von nobody, März 03, 2022, 17:04:13 NACHMITTAGS

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nobody

Hi,

ich habe ein älteres Carl Zeiss Standard Junior Polarisationsmikroskop. Dazu habe ich aber ein paar Fragen:

- das Pol 40/0,85 Objektiv bekomme ich überhaupt nicht scharf gestellt. Was muss ich da beachten?

- weiß jemand wo man einen passenden Quarz-Keil und/oder Rot-I-Plättchen besorgen kann?

- Wofür sind diese ganzen Blenden gut?

- Kann man auf Binokular umbauen?

- Welche Beleuchtung für Auflicht würdet ihr empfehlen?

- Weiß jemand was für ein Okulardurchmesser das ist?

- Muss ich sonst noch was beachten?

Grüße


Gerd Schmahl

#1
Hallo Niemand,
herzlich willkommen in diesem freundlichen und kompetenten Forum. Wir sind hier so freundlich uns in der Regel mit einem Namen anzusprechen und Neulingen wird wärmstens empfohlen sich und ihr Mikroskop kurz vorzustellen bei Mikroskopiker im Netz. So können wir besser einschätzen, wie viel Erfahrung Du mitbringst, oder ob wir im Urschleim anfangen müssen.

-Umstellen auf Binokular ist möglich, aber eventuell mit Einbußen bei der Polarisation (mehrere Prismen, die eventuell die Polarisationsrichtung des Lichts beinflussen
- Der Okulardurchmesser ist 23,2mm
- Blenden: was man mit den kleinen Lochblenden macht, kann ich dir nicht sagen, aber das gewölbte Teil ganz rechts im 3. Bild schaut nach einem Teil von einem Kugeltisch aus. Kann man das genau in die runde Öffnung vom Drehtisch stellen?
Das durchsichtige Teil darunter könnte ein Polarisationsfilter sein. Einfach mal durch das Ding durch auf einen Computermonitor schauen (der ja auch polarisiertes Licht aussendet) und etwas hin und her drehen. Wenn es hell und dunkel wird ist 's ein Polfilter.
- Das 40/0,85er Objektiv hat einen sehr kleine Schärfentiefe, so dass man das Objekt leicht überfahren kann ohne es gesehen zu haben. Nächst kleineres Objektiv scharf stellen, umschwenken und nur ganz vorschtig mit dem Feintrieb arbeiten. Eventuell die Aperturblende schön weit zuziehen, um den Kontrast und die Schärfentiefe zu erhöhen (hinterher wieder aufmachen) Das Objektiv ist aber weniger für die Beobachtung von Strukturen gedacht, sondern zur Konoskopie.
Eventuell mal die Frontlinse mit einer Lupe begutachten. Vielleicht hat das mal jemand in Immersionsöl getaucht, obwohl das ein Trockenobjektiv ist, oder da ist anderer Dreck drauf,
Ergänzungsteile kannst Du im Mikromarkt suchen (Suchanzeige aufgeben) Die gesuchten Teile sind seltener als die Mikroskope, weil sie von Laien oft nicht als zum Mikroskop gehörig erkannt und vom Mikroskop getrennt werden.
Beste GRüße
Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

nobody

#2
Hallo,

vielen Dank für die freundliche Begrüßung  :)

Ich habe Erfahrung mit der Polarisationsmikroskopie, aber auch Auflicht, Durchlicht, Raman und auch REM. In letzter Zeit aber nichts mehr mit Polarisation gemacht.

- Ah okay, dann ist das ja ein Standard-Okulardurchmesser, der auch heute noch Verwendung findet. Das ist ja schonmal ermutigend.

- Ich habe auch keine Ahnung, wo die Blenden reinkommen sollen. Das Gewölbte passt in der Tat in die Öffnung vom Drehtisch. Die Blenden jedoch nicht.

- Das durchsichtige ist eine Linse; ich denke, die kann man scheinbar auf manche Okulare von unten einschrauben. Das vorhandene Okular hat aber eine Linse fest integriert. Mir war noch die Idee gekommen, dass die Linse vielleicht anstelle eines Objektivs in den Revolver eingebaut werden kann für Auflichtmikroskopie. Optisch funktioniert es zwar, doch greift das Gewinde leider ganz knapp nicht.

- Ich habe versucht die Objektive zu demontieren, die sitzen aber fest... wahrscheinlich seit 1958 nicht gelöst worden... Gibt es da eine zerstörungsfreie Methode? WD40?

- Danke für den Hinweis zum Mikromarkt. Ich werde da mal eine Suche eröffnen :)

Grüße


Gerd Schmahl

#3
Hallo Namenloser,
kein WD-40!!! Das kriecht bis auf die Linsen. Vorsichtiges Erwärmen nicht über 60Grad (ab 80 GRad schmilzt das Kanadabalsam, mit dem die Linsen verkittet sind) kann hilfreich sein (Backofen, aber Vorsicht: ein normaler Backofen hat eine relativ große Hysterese. Mein Backofen heizt, wenn ich ihn auf 50 Grad stelle, bis auf 70 hoch, bevor er für lange Zeit nichts mehr macht.)
Dann gibt es noch ein sehr gutes mechanisches Hilfsmittel: eine Gurtzange..
Das Umwickeln von mehreren Lagen Gummiband (Fahrradschlauch) kann die Griffigkeit und das Drehmoment eventuell auch schon genügend erhöhen, um die Objektive zu lösen.
Die Blenden könnten vielleicht statt des Okulars auf den Tubus passen (zur Zentrierung des Strahlenganges)
Beste Grüße
Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

reblaus

Hallo -
die gewölbte "Blende" ist die Unterlagscheibe für die große Senkkopf-Schraube mit der man das Gerät unten in seinem Holzschränkchen festschraubt.
Gruß
Rolf

Hugo Halfmann

Hallo Namenloser,

die Linse sieht aus, als ob die von einem Okular stammt.

Mit WD40 u.ä. sei vorsichtig, erst in ein Glas sprühen und dann mit feinem Pinsel auftragen, sonst ist das Zeug überall.
Was ggfls. einfacher ist: Revolver abschrauben, gummierte Arbeitshandschuhe anziehen und mit Kraft drehen. Ich hab dafür auch schon eine dick kunststoffarmierte Siphonzange nehmen müssen. Wenn die Objektive vom Institut eingeklebt worden sind, wird´s fies. Wurde manchmal als Diebstahlschutz gemacht...

Bei den Blenden frag ich mich, ob die überhaupt von Zeiss sind. Ich weiß es nicht.
Viele Grüße aus dem Bergischen Land

Hugo Halfmann

beamish

Könnten die "Blenden" nicht einfach Staubdeckel für Okulare sein?

Grüße
Martin
Zeiss RA mit Trinotubus 0/100
No-Name China-Stereomikroskop mit Trinotubus
beide mit Canon EOS 500D

Dünnschliffbohrer

Hallo Niemand,
ich vermute, die Blenden sind wohl Diopter, d.h. zum Einstecken anstelle des Okulares im Tubus (bitte ausprobieren, ob es vom Durchmesser passt). Sie wären bei der Verwendung des Pol-Binokulartubus für die Konoskopie nötig. Es gibt prinzipiell einen Binokular-Poltubus, der aber nur sehr schwer zu bekommen sein dürfte. Ich hatte mir für mein Standard von Winkel-Zeiss extra den monokularen Poltubus für die Konoskopie nachgekauft, weil es zufällig nur mit dem binokularen Poltubus ausgestattet war! Also genau die umgekehrte Situation wie bei dir. Damals hatte man Polarisationsmikroskopie noch standardmäßig monokular betrieben, und das sollte eigentlich auch heute noch für alle nicht professionellen Anwendungen (Hobby, Studium) völlig ausreichend sein.
"Und Gott sprach: Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei; und er schuf um ihn Laubmoose und Lebermoose und Flechten und ein Mikroskop!"
[aus: Kleeberg, Bernhard (2005): Theophysis, Ernst Haeckels Philosophie des Naturganzen,  S. 90]

Stephan Hiller

#8
Hallo Nobody,

dass du dein Bild mit dem 40er /0,85 Pol Objektiv nicht mehr scharf bekommst kann auch am verharzten Deckglasschutz des Objektivs liegen. Oft ist der Optikzylinder nicht mehr beweglich und die Feder kann ihn nicht mehr in den vorderen Anschlag drücken. Teste doch mal ob der Deckglasschutz noch korrekt funktioniert (der Optikzylinder sollte ein- und ausfedern wenn man vorne leicht dagegen drückt).

Viele Pol Objektive die längere Zeit nicht mehr in Gebrauch waren lassen sich von den beiden Exzenterringen auch nicht mehr verdrehen, und damit auch nicht mehr auf das Drehzentrum eines Poltisches ausrichten. Wie sieht das denn bei deinen Pol Objektiven aus. Kannst du die beiden geriffelten Ringe noch gegeneinander und unabhängig voneinander verdrehen?

Wenn nicht, dann kann man das mit entsprechendem Spezialwerkzeug meist wieder richten.  Du kannst dich in diesem Fall gerne an mich wenden. Wie so ein geöffnetes Pol Objektiv aussieht, kannst du nachstehend sehen. Über die beiden Messingzylinderhülsen wird die Exzentereinstellung des innen geführten Optikzylinders durch gegeneinander Verdrehen realisiert.

Grüße

Stephan