Spathidium muscicola und S. sp.

Begonnen von SNoK / Stephan Krall, März 12, 2022, 21:44:26 NACHMITTAGS

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SNoK / Stephan Krall

Liebes Forum,

zurück aus dem Skiurlaub habe ich gestern eine eingetrocknete Moosprobe aus dem Taunus mit Volvic etwas befeuchtet und nach nur kurzer Zeit mit der Pipette etwas der Flüssigkeit rausgesaugt. Herausgekommen ist dabei u.a. Spathidium muscicola. Da diese Art hier offensichtlich noch nicht gezeigt wurde, präsentiere ein paar Bilder. Da ich das Tier zum Schluss nicht gequetscht habe, habe ich keinen Makronukleus erkennen können. Allerdings könnten eine Reihe der runden Einschlüsse, die zahlreich zu sehen sind, Teile des zerfallenen Makronucleus sein, und ein anderer Teil Nahrungsvakuolen. Zumindest gibt es auf Abbildungen anderer Spathidium-Arten dieses Bild (Foissner et al., 2002, Denisia 05, S. 244). Insofern ist auch denkbar, dass kleinere Teile die Mikronuclei sind.

Ansonsten sieht man schön im Mundbereich die Extrusomen und auf einem Bild auch die Dorsalbürste, und natürlich die endständige kontraktile Vakuole mit den zuführenden Vakuolen. Bestimmt habe ich nach Kahl (1930) und einigen Veröffentlichungen von Foissner, u.a. von 1981. Bei Kahl wird man direkt zu den im Moos lebenden Arten geleitet, und dort kommt eigentlich nur S. muscicola in Frage. Penard hat diese Art nicht von S. spathula getrennt, aber ich schließe mich Kahl an (und lasse mich gerne korrigieren). Durch das Bild sauste immer noch ein zweites Tier, dessen Art mir aber im Verborgenen blieb. Auf zwei Bildern zeige ich beide zusammen. S. muscicola ist 125 µm lang, die kleinere Art 88 µm

Viel Spaß bei Schauen,
Stephan
.
Bild 1 zeigt die Extrusomen im Mundbereich
Bild 2 zeigt die Dorsalbürste
Bild 3 zeigt die Wimpern
Bild 4 zeigt die kontratile Vakuole mit den zuführenden Vakuolen
Bild 5 und 6 zeigen die beiden Arten nebeneinander, wobei ich bei der kleineren nicht weiß, was es ist, vielleicht die Hungerform von S. muscicola.

Mikroskope: Leica DMRB, Leitz Dialux (beide mit DIK), Lomo MBD-1 ("Für-alle-Fälle-Mikroskop")
Stemis: Zeiss 508, Wild Heerbrugg M5
Kameras: Sony alpha 6500 und 6400
Webseite: https://kralls.de
Vorstellung: https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=41749.msg308026#msg308026

KayZed

Hallo Stephan,

nach dem Winterurlaub gleich ein interessanter Fund.
Wie immer schöne, aussagekräftige Bilder. Danke fürs Zeigen.

Zur Artbestimmung kann ich wenig beitragen. Bei Foissner im Saprobienband IV kommt sie nicht vor.
Aber die Beschreibung bei Kahl könnte gut zutreffen, auch weil es wohl eine sehr häufige Moos-Art ist.

Mir sind Spathidium-Arten aus dem Moos auch schon gelegentlich untergekommen. Wie schaffst du es diese unglaublichen agilen Tierchen so gut abzulichten. Ich war schon manchmal schon froh, sie mit dem 50x überhaupt im Gesichtsfeld zu behalten. Wie viele Fotos machst du bei einer solchen Serie?

Apropo Moosproben: Wie bewahrst du die Trockenproben auf?

Liebe Grüße
KlausZ
Zeiss Stemi 508
Zeiss Jenaval Kontrast
Nikon Z7

SNoK / Stephan Krall

Moin Klaus,

was die Bestimmung angeht, so sind die vier Foissner-Bände hilfreich, wenn das Objekt der Begierde auch dort enthalten ist. Dann ist es sehr genau beschrieben. Aber in den Bänden ist natürlich nur ein sehr kleiner Teil der Ciliaten. Es ist ja kein Bestimmungsbuch, sondern es geht (nur) um das Saprobiensystem.

Ich habe rund 70 Fotos von dem Tier gemacht. Ob die Tiere rumsausen oder nicht, hängt von der Schichtdicke ab. Es ist immer eine Gratwanderung zwischen zu agil und zu platt. Ich habe das in diesem Fall so gemacht, dass sie sich noch munter bewegten, damit sie einigermaßen natürlich aussehen. Wenn man dann blitzt, geht es. Aber ich hätte sie zumSchluss vielleicht noch etwas plattdrücken sollen, um den Kern zu sehen. Geknipst habe ich mit dem 40x Öl und 63x Öl, beide Plan Apos.

Die Moosprobe tue ich in ein Petrischälchen mit Deckel. Da kommt noch genug Sauerstoff ran. Außerdem produziert das Moos dann ja auch ein bisschen davon.

Grüße
Stephan
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KayZed

Danke dir, Stephan,

ja die richtige Schichtdicke zu treffen ist wohl die große Kunst.

Gibst du die trockene Moosprobe in Petrischalen oder nur, wenn du sie mit Wasser versetzt?

LG KlausZ
Zeiss Stemi 508
Zeiss Jenaval Kontrast
Nikon Z7

SNoK / Stephan Krall

Wenn ich das Moos sammle, ist es meist feucht. Dann lasse ich das erstmal so. Wenn es zu trocken ist, gebe ich etwas Volvic dazu, aber nur wenig.

Stephan
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Martin Kreutz

Hallo Stephan,

sehr gute Aufnahmen von Spathidium muscicola. Die kleinere Art auf den beiden letzten Fotos würde ich für die Hungerform von S. muscicola halten, wie Kahl sie auf S. 164, Abb. 3 zeigt. Wie kommst Du auf S. sp., die er in Abb. 4 auf der gleichen Seite zeigt? Die hat doch gar keine Ähnlichkeit mit Deiner kleinen Form?

Martin

SNoK / Stephan Krall

Lieber Martín,

danke für Deine positive Rückmeldung. Das mit S. sp. hast Du falsch verstanden. Ich habe damit generell gemeint, dass ich bei der zweiten Art unsicher bin, und deshalb Spathidium sp. geschrieben. Das hat überhaupt nichts mit der Abb. 4 zu tun, was ja auch nur heißt, dass Kahl offensichtlich nicht weiß, was für eine Art das ist. Bei meiner Bildbeschreibung hatte ich ja auch geschrieben, dass es sich vielleicht um die Hungerform handelt. Ich wollte nur nicht voreilig sein. Heute habe ich noch mal Spathidium aus dem Moos geholt, habe mich dann aber von einer anderen Art ablenken lassen und lange dran herum geknabbert. Vermutlich ist es Microthorax, wie sie bei Kahl auf S. 307, Fig. 52/24 ist, allerdings ohne Angabe der Art. Mal sehen, ob ich sie morgen zeige, die Bilder sind schon fertig.

Grüße
Stephan
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Martin Kreutz

Hallo Stephan,

das war in der Tat etwas verwirrend, denn Kahl hat diese sehr kleine, unbestimmte Form in Abb. 4 auch S. sp. genannt, während er die Zeichnung darüber (Abb. 3) als Hungerform von Spathidium muscicola deklariert. Im Text hast Du ja vermutet, dass es die Hungerform ist, aber in den Bildlegenden dann von S. sp. gesprochen. Deshalb meine Nachfrage!

Martin

SNoK / Stephan Krall

Alles klar, das war ein Zufall in der Abbildung, den ich garnicht gesehen habe und der mit meinem "sp." nichts zu tun hat.

Stephan
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