Wiedersehen mit alten Freunden: Rädertiere des Frühjahresplanktons

Begonnen von Ole Riemann, März 24, 2022, 20:41:58 NACHMITTAGS

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Ole Riemann

Liebe Mikroskopie-Kollegen,

am vergangenen Wochenende habe ich einen in der Nähe von Würzburg gelegenen Teich aufgesucht, um dort Plankton zu fischen. Aus früheren Jahren wusste ich, dass in diesem Gewässer im zeitigen Frühjahr - bei noch kaltem Wasser, aber zunehmender Tageslänge und Sonneneinstrahlung - das Rädertierplankton eine reiche Entfaltung zeigt. Vor zwei Jahren habe ich hierbei insbesondere Beobachtungen an dem eigenartigen Rädertier Rhinoglena frontalis gemacht und neben miktischen Weibchen mit Dauereiern auch die seltenen Männchen gefunden (siehe https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=36921.0).

Dieses Jahr habe ich Rhinoglena frontalis erneut angetroffen – neben zahlreichen anderen typischen Plankton-Rädertieren. Die folgenden Arten habe ich in einer einzigen Schöpfprobe (ca. 5 l Wasservolumen durch 40 µm-Gaze gegossen und auf wenige ml konzentriert) gefunden: Brachionus angularis, Brachionus calyciflorus, Keratella cochlearis, Keratella spec. 2, Notholca squamula, Synchaeta pectinata, Synchaeta spec. 2, Polyarthra dolichoptera, Filinia longiseta und Rhinoglena frontalis.

Die folgenden, nicht weiter kommentierten Bilder geben einen Eindruck der Lebensgemeinschaft dieser planktischen Mikrometazoen:





Anders als vor zwei Jahren schien die Population von Rhinoglena frontalis dieses Mal in einem früheren Stadium ihrer Entwicklung zu sein. Es traten nur amiktische Weibchen auf, deren Eizellen sich parthenogenetisch entwickeln. Die Eizellen werden hierbei nicht abgelegt oder wie bei manch anderen planktischen Rädertieren am Körper der adulten Weibchen angeheftet, sondern durchlaufen ihre Entwicklung bis zum fertigen Individuum innerhalb des mütterlichen Organismus. Die praktisch vollkommene Transparenz der Rädertiere erlaubt es, Ontogenesevorgänge bis ins zelluläre Detail im Mikroskop direkt zu beobachten. Die folgenden Bilder zeigen zwei unterschiedlich weite Entwicklungsstadien der Embryonen von R. frontalis. Im zweiten Bild habe ich die embryonalen Anlagen der Organe in Abgrenzung zu den mütterlichen Entsprechungen kursiv beschriftet.

(Em=Embryo, Kd=Keimdotterstock, Lo=Loben des trichterförmigen Räderorgans, Ma=Magen, Md=Magendrüsen, Mx=Mastax, Pb=Protonephridialblase, Rü=Rüssel)





Rätselhaft bleibt für mich, was genau die Ernährungsgrundlage dieser arten- und individuenreichen Rädertiergemeinschaft ist. Eine ausgeprägte Entwicklung planktischer Algen – zumindest solcher, die von einer Maschenweite von 40 µm zurückgehalten werden – gab es nicht, das Wasser war ziemlich klar, mit leicht gelblicher Tönung. Ich konnte lediglich die folgende zentrische Kieselalge mit feinen Schwebefortsätzen in hoher Zelldichte am Boden von Probenröhrchen finden, die über Stunden Zeit zum Sedimentieren gehabt hatten:



Beste Grüße

Ole


SNoK / Stephan Krall

Lieber Ole,

tolle Aufnahmen, extrem scharf und detailliert. Und interessante Informationen. Zur Bildbearbeitung muss Du mir im Juni mal ein paar Tipps geben.

Grüße
Stephan
Mikroskope: Leica DMRB, Leitz Dialux (beide mit DIK), Lomo MBD-1 ("Für-alle-Fälle-Mikroskop")
Stemis: Zeiss 508, Wild Heerbrugg M5
Kameras: Sony alpha 6500 und 6400
Webseite: https://kralls.de
Vorstellung: https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=41749.msg308026#msg308026

Ole Riemann

Lieber Stephan,

danke für Deine Rückmeldung - na klar, das mache ich gerne, auch vorher, wenn Du magst. Ich nutze eigentlich nur behutsam schlichte Werkzeuge in PS, und das alles nur an JPEG-Dateien. Meine Leitvorstellung ist das möglichst sachliche, dokumentarische Bild.

Schöne Grüße

Ole


SNoK / Stephan Krall

Lieber Ole,

ich habe ja (nur) Photoshop Elements 2020, nicht die Vollversion von Photoshop, und ein Plug-In zum Entrauschen (Neat Image). Ich schicke Dir mal auf private Mail meine Arbeitsroutine. Dann kannst Du schreiben, was Du anders machst. Es geht mir vor allem um Deinen und Martins grauen Hintergrund, und den leicht glänzenden Effekt. Die Schärfe bekomme ich auch oft gut hin, nicht immer natürlich.

Grüße
Stephan
Mikroskope: Leica DMRB, Leitz Dialux (beide mit DIK), Lomo MBD-1 ("Für-alle-Fälle-Mikroskop")
Stemis: Zeiss 508, Wild Heerbrugg M5
Kameras: Sony alpha 6500 und 6400
Webseite: https://kralls.de
Vorstellung: https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=41749.msg308026#msg308026

Schraube

Lieber Ole

Wirklich sehr schöne Aufnahmen. An Rädertieren wage ich mich noch selten ran, da bin ich mit meinem Aufnahmen nur manchmal zufrieden. Die Homogenität der Bilder ist super, was für den dokumentatorischen Zweck perfekt ist. Toll!

Gruss
Roli
Mikroskop: Leica DMRE
Website: https://www.mikrokosmos.gallery

KayZed

Hallo Ole,

superfeine, plastische Aufnahmen mit einer sehr informativen Beschriftung.

Danke fürs Zeigen!

Liebe Grüße
KlausZ
Zeiss Stemi 508
Zeiss Jenaval Kontrast
Nikon Z7