Borrelia burgdorferi s. l. quick and really dirty

Begonnen von dicentra, Mai 24, 2022, 21:05:01 NACHMITTAGS

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dicentra

Hallo,


angeregt durch eine Idee von Alfons (Danke dafür!) Borrelien aus der Hämolymphe von Zecken nachzuweisen, habe ich mich am Sonntag an´s Werk gemacht und bin mit kurzen Hosen und einem schwer gebrauchten Herren T-Shirt an den Waldrand gestampft und habe Zecken gesammelt.
Bei uns im Südwesten ist die Borreliose ja weit verbreitet. Bei einer größeren Anzahl von Zecken müsste also etwas zu finden sein. Ich habe dann kurzerhand die Zecken in einer kleinen Menge physiologischer Kochsalzlösung zerzupft und diese Flüssigkeit dann direkt im Phasenkontrast untersucht. Es ist etwas Fleißarbeit, die ersten beiden Zecken waren anscheinend nicht infiziert. Bei meinem zweiten Versuch habe ich dann etwa 7 Zecken in etwa 1ml Kochsalzlösung zerzupft. Darin konnte ich dann die Borrelien finden.
Da Borrelia burgdorferi s. l. relativ groß wird (bis um die 20µm) und aktiv beweglich ist, ist sie bereits bei etwas über 630facher Vergrößerung gut zu sehen. Das erste Bild ist bei etwa 630facher Vergrößerung aufgenommen, das zweite etwa 1000fach. Den genauen Vergrößerungsfaktor kann ich (noch) nicht berechnen, ich stehe am absoluten Anfang meiner Karriere als Mikrofotograf. Dies ist mein erster Bildbeitrag, also Sekt, Bitteschön! Die Bilder zeigen in diesem Sinne auch wirklich das, was ich im Mikroskop gesehen habe, es wurde nichts bearbeitet, bis auf eine leichte Kontrastanpassung.


Grüße,
Oli

Gerd Schmahl

Hallo,
Na, dann prost, auf das gelungene Experiment und die ersten Fotos! (Ich trinke allerdings gerade ein Bier  :) )
LG Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

Heiko

Hallo,

von der Feldarbeit über die Präparation bis zum Ergebnis eine tolle Sache, Gratulation.
Und eine Frage zur Kontrastierung. Ist Phasenkontrast nötig oder vorteilhaft, um die Borrelien zu erkennen?

Viele Grüße,
Heiko

rlu

#3
Hallo Oliver,

gibt es dazu auch Videomaterial? Mich würde interessieren wie schnell sich die Borrelien bewegen.
Wäre auch interessant die mal in einen befruchteten Eidotter zu geben und zu schauen, wo sie sich durchfressen oder hinwandern bzw. einwandern.
Zerzupft, wie muß man sich das vorstellen? Oder hast du einen Zauberstab verwendet?

Liebe Grüße
Rudolf

Alfons Renz

Lieber Oliver,

Endlich hat es Jemand geschafft! Gratulation und höchste Anerkennung für diesen überzeugenden Fund und das schöne Bild! Interessant wäre jetzt noch eine Aufnahme im Dunkelfeld.

Dazu ein Giemsa-gefärbtes Präparat einer Laborzucht von Borrelia recurrentis.

.... Und wenn Du schon ein Glückspilz bist: In Ixodes kann man auch Trypanosoma (theileri) finden, siehe das zweite Bild. Im Goldersbachtal bei Lustnau, in einer unter ca. 30 untersuchten Zecken. Diese apathogenen Trypanosomen kommen anscheinend gar nicht so selten vor. Auch in Rindern in Kamerun konnten wir sie schon nachweisen.

Aber weil sie so brav sind, und ihre Wirte nicht schädigen, haben die Veterinäre kaum Interesse an ihnen. Mir als Biologen stellt sich vielmehr die Frage, ob nicht gerade die Harmlosigkeit dieser Parasiten nicht das eigentlich Interessante wäre: Welche Anpassungsmechanismen haben diese Trypanosmen entwickelt, um in Symbiose in und mit ihren Wirten zu leben, ohne sie zu schädigen?

Mit herzlichen Grüßen,

Alfons

Jürgen H.

Alfons, weißt Du, mit welcher Vergrößerung die Trypanosomen aufgenommen sind?

Herzlichen Gruß

Jürgen

Alfons Renz

Lieber Jürgen,

Das ist schon fast 40 Jahre her! Die Aufnahme auf Diafilm habe ich eingeskannt. Der Größe des Haemozyten nach vermute ich ein 100x Ölimmersionsobjektiv. Möglicherweise habe ich das Präparat noch 'irgendwo'. Ich werde mich auf die Suche machen.

Herzliche Grüße,

Alfons

Jürgen H.

Danke Alfons, das reicht mir eigentlich schon. Das wäre dann die Größenordnung der Flagellaten, vermutlich auch Trypanosomen, die ich im Mitteldarm meiner Stielaugenfliegen gefunden hatte
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=39196.0

Herzlichen Gruß

Jürgen

dicentra

#8
Hallo an Alle,


bitte entschuldigt meine längere Pause hier, konnte nur sporadisch reinschauen.


@Heiko: der Phasenkontrast ist im eigentlichen Sinne nicht notwendig. Er erleichtert nur das auffinden der Borrelien. Diese sind zwar mit über 15µm sehr lang, aber wohl nur 0,5µm dick. Sind also grade so an der Auflösungsgrenze, vor allem wenn keine optimalen Bedingungen hinsichtlich der Dicke des Präparats etc. gegeben sind. Ich denke ein starkes Schließen der Irisblende führt zu einer ausreichenden Kontrastierung, um sie auch sehen zu können. Dann treten aber auch sehr viel stärker störende Partikel im Bild auf, da im Präparat ja auch zahlreiche Gewebetrümmer etc. schwimmen. Ich habe die Borrelien ja nicht im eigentlichen Sinne "isoliert" bzw. aufkonzentriert. Ehrlich gesagt habe ich mit normalem Hellfeld gar nicht geschaut.


@Rudolf: Videos gibt es, aber die sind unterirdisch schlecht. Da ich nur mit dem Handy durchs Okular filmte, die Schichtdicke relativ hoch war, und die Borrelien quicklebendig, sind sie ständig aus der Schärfeebene raus. Das ist wirklich nicht sehenswert. Ich versuche eines nachzureichen. Die Beweglichkeit würde ich als "durchschnittlich" beschreiben, wenn ich sie mit den Bewegungen von Bakterien vergleiche, die ich z.B. in Planktonproben finde. Also weder auffallend flott, noch statisch. Hinweise auf die Geißeln selbst konnte ich (natürlich) keine beobachten.
Tja, die Versuche an befruchteten Eiern würde bei mir nicht nur an der einigermaßen sterilen Arbeitsumgebung scheitern, sondern schon an der Möglichkeit an befruchtete Eier zu kommen....
Und was das Zerzupfen angeht: tatsächlich einfach zerzupft, mit zwei Präpariernadeln die Zecken soweit möglich zerzupfen, bis sich die Kochsalzlösung trübt. Diese trübe Lösung dann auf den Objektträger bringen und direkt mikroskopieren.
Ich möchte demnächst noch probieren, ob es mit einem hitzefixierten Ausstrich mehr zu sehen gibt.


@Alfons: Danke für eine weitere Anregung! Gestern habe ich gleich versucht in einem Gebiet Zecken zu sammeln, in dem Rinder weiden. Das ist hier nur an wenigen Stellen der Fall, leider ist Stallhaltung die Regel. Trotz 45 Minuten Sammeln habe ich keine (!) Zecke fangen können. Im Anschluss bin ich dann zu meiner "Brot-und-Butter"-Zeckensammelstelle gefahren und konnte in 10 Minuten etwa 3 Dutzend (!) Zecken einsammeln. Dort gibt es allerdings weit und breit keine Rindviecher (zumindest tierische). Ich werde übers Wochenende noch eine Weitere Rinderweide absammeln, vielleicht habe ich dort mehr Glück?


Schöne Grüße an Alle und danke für die positiven Reaktionen!


Oli

Bernard-J

Hallo,
Es ist in der Tat beängstigend, Trypanosomen in einer Zecke zu finden, die gerade Ihr Blut gesaugt hat... Ein Fall wurde im französischsprachigen Forum Le Naturaliste beschrieben. Die Dichte dieser Protozoen in der Zecke war wirklich beeindruckend! Hier ist das Video, der Link zum französischen Artikel wird in der Youtube-Beschreibung erwähnt.
https://youtu.be/It0030hUl48

Andere Trypanosomen, die ihrerseits Menschen infizieren:
https://youtu.be/P9va64T8H2s
Das Standbild am Anfang ist Trypanosoma brucei brucei, das die Nagana-Krankheit bei Rindern in Afrika verursacht. Das Bild stammt von einem Blutausstrich von Ratten, in dem die Trypanosomen vermehrt wurden. Der Film zeigt T. cruzi, den Erreger der Chagas-Krankheit beim Menschen, die in Südamerika auftritt. Das im Film gezeigte Stadium entspricht dem Stadium, das im Vektor Triatoma infestans zu finden ist.Diese Probe stammt jedoch aus einer In-vitro-Kultur.
Französischsprachig: Sei nachsichtig mit Fehlern!
Ich bevorzuge das Duzen.
www.microbiolvideos.ch

Florian D.

Gerade bin ich durch Zufall über diese interessante Seite gestolpert:

http://dailyparasite.blogspot.com/search/label/trypanosome

"dailyparasite" sagt ja schon alles, oder?

Viele Grüsse
Florian