HISTOLOGIE: Video Plastik (Technovit) schneiden am LKB 2218 Historange Mikrotom

Begonnen von Ronald Schulte, September 03, 2023, 11:42:25 VORMITTAG

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Ronald Schulte


Für diejenigen, die einen Eindruck davon gewinnen wollen, wie man einen Kunststoffprobenblock schneidet, habe ich ein Video von meinem LKB 2218 Historange-Mikrotom gemacht, in dem ich zeige, wie man die Klinge positioniert, einstellt und dünne Schnitte macht.
Ich hoffe, dass dieses Video mehr Klarheit verschafft. Kunststoff schneiden ist einfach Fantastisch.

Das Video kann man HIER starten.

Grüße aus den Niederlanden Ronald
Mikroskope:
Leitz Orthoplan (DL, AL-Fluoreszenz und Diskussionseinrichtung).
Leica/Wild M715 Stereomikroskop.
Mikrotom:
LKB 2218 Historange Rotationsmikrotom.

Rawfoto

Hallo Ronald

Gratulation, ist wieder toll geworden :-)

Ich habe eine Frage zu den Klingen, hast du die originalen von Kulzer verwendet? Die werden nach meiner Erfahrung immer stumpfer geliefert  ...
Welche Formen verwendest du, meine originalen von Kulzer unterscheiden sich zwar in der Größe, aber nicht in der Form & die von dir gezeigte Methode gegen ein Dreieck zu schneiden erscheint wir sehr interessant. Original schneidet ja gegen ein Rechteck, was mehr Widerstand beim Eindringen zur Folge hat.

Begeisterte Grüße

Gerhard
Gerhard
http://www.naturfoto-zimmert.at

Rückmeldung sind willkommen, ich bin jederzeit an Weiterentwicklung interessiert, Vorschläge zur Verbesserungen und Varianten meiner eingestellten Bilder sind daher keinerlei Problem für mich ...

Ronald Schulte

Gerhard,
Lassen mich mal ein wenig Geschichte über vergangene und aktuelle Kulzer-Messer erzählen.

Schon vor mindestens zehn Jahren hatte ich einen Technovit 7100 Schneideworkshop mit Holger Adelmann bei Dieter Stoffels in Steinfurt. Dieter zeigte uns das Einbetten, Anschneiden, Schneiden und Färben, was für mich sehr Lehrreich war. Dort entschied ich mich, auch einen Schritt in Richtung Technovit zu machen und mich nach einer LKB Historange umzuschauen, da diese die Retraktion hat und sich perfekt zum Kunststoffschneiden eignet. Über Dieter bekam ich dann ein ganzes Set mit Harz, Gussblöcken, Gussformen, Klingenhalter und Klingen.
Ein paar Monate später, als ich mir eine Historange gekauft und die ersten Blöcke gemacht hatte, gelang es mir einfach nicht, einen schönen Schnitt zu machen, wie ich es bei Dieter gelernt hatte und selbst zu schneiden. Natürlich dachte ich an meine mangelnde Erfahrung mit dem Einbetten und dem Einstellen des Mikrotoms und so weiter.
Eines Tages fuhr ich zurück nach Steinfurt und nahm meine Messer und Blöcke mit.
Mit Dieter machten wir sehr schnell eine merkwürdige Erfahrung. Dieter konnte meinen Block auch nicht mit meinem Messer schneiden und seine Blöcke ließen sich mit meinem Messer auch nicht oder nur sehr schlecht schneiden, während sich der gleiche Block mit seinem Messer sehr gut schneiden ließ. Wie konnte das sein?
Unter dem Stereomikroskop war die Ursache bald klar. Dieters Messer waren in 'D' geschliffen und meine neu gekauften Messer waren alle in 'C' geschliffen. Der D-Schliff ist einfach viel steifer als der C-Schliff, und das verhindert alle Arten von unerwünschten Vibrationen und Bewegungen der Klinge beim Schneiden.
Der damalige Kulzer-Vertreter besuchte Dieter und sah das ganze Klingenproblem und wusste, was zu tun war, nämlich dafür zu sorgen, dass die Klingen ausgetauscht werden würden. Das war jedoch leichter gesagt als getan. Jetzt, Jahre später, haben sich die Dinge immer noch nicht geändert, und die Leute kaufen einfach die falschen Messer und können schlecht schneiden, obwohl sie so viel besser sein könnten.
Durch diesen Vertreter wussten wir, dass es mehr Beschwerden gab, aber nicht besonders viele. Die Beschwerden kamen hauptsächlich von Hobby-Histologen und fast nie von Profis. Laut Dieter lief es oft so: Für eine Untersuchung von etwas Neuem wird Geld zur Verfügung gestellt, von dem wo bei Kulzer Material gekauft wird. Bei solchen Untersuchungen geht es dann viel mehr darum, was man in dem Schnitt sehen kann, als darum, ob der Schnitt ein bisschen schön aussieht und schön gleichmäßig in der Dicke ist und so weiter. Wenn die Forschung abgeschlossen ist, landet das Material in einer Schublade, dann in einem Schrank im Flur, dann in den Kellerschränken und zehn Jahre später geht es mit einem Käufer weg. In der Zwischenzeit wurden Dutzende von neuen Untersuchungen eingeleitet, und das Problem wird nie behoben.

Ich habe das Glück, dass die frühere Kulzer-Vertreterin mir regelmäßig einen Satz Messer schickte, wenn sie auf einem Laboraufstand oder so war und einen weiteren Satz Messer des alten 'D'-Typs fand. So habe ich noch reichlich Vorrat und kann viele Blöcke gut schneiden.

Durch diesen Vertreter weiß ich auch, dass es nicht so einfach ist, das Schleifmaterial in die gewünschte "D"-Form zu bringen. Die Maschinen sind nicht mehr da und die Leute, die das machen, auch nicht. Ich habe damals bei einem Messerhersteller an einem Schneidetest von neuen Messern teilgenommen, aber es kam nichts Gutes dabei heraus. Die Schnitte waren furchtbar (ich habe sogar Videos davon gemacht, wirklich dramatisch schlecht). Wenn man dann wieder ein altes D-Messer genommen hat, war der zerstörte Block nach ein paar Schnitten wieder in Ordnung und man konnte einfach wieder einen guten Schnitt machen. Kulzer hat das dann nicht mehr weiter gemacht, weil das alles zu teuer wurde. Histologie fur Kulzer Nebensache und kein Hauptsache!

Ein sehr guter Ersatz für das Kulzer-Klingensystem ist ein D-förmige Hartmetallmesser von Leica. Ich habe auch eine solche, aber sie muss von Zeit zu Zeit geschärft werden, und das ist eine ziemlich teure Angelegenheit.

Das Schneiden auf der Dreiecksseite statt auf der Rechteckseite zu beginnen, habe ich im Workshop bei Dieter gelernt, und es funktioniert gut.

Ich hoffe, du kannst damit etwas anfangen!

LG Ronald
Mikroskope:
Leitz Orthoplan (DL, AL-Fluoreszenz und Diskussionseinrichtung).
Leica/Wild M715 Stereomikroskop.
Mikrotom:
LKB 2218 Historange Rotationsmikrotom.

Ronald Schulte

Hier siehst du das Leica Hartmetall Messer. Das Messer ist 16 cm lang und in "D"-Form geschliffen. Wirklich ein Top-Messer, aber ja, nicht wirklich eine billige Lösung.
Mikroskope:
Leitz Orthoplan (DL, AL-Fluoreszenz und Diskussionseinrichtung).
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LKB 2218 Historange Rotationsmikrotom.

Rawfoto

Danke Ronald, ja, absolut. Ich habe 8 Stück dieser Leica HM D im Einsatz und damit funktioniert es auch bei mir, ich habe es halt nicht mit den Kulzer Einmalklingen geschafft. Das es da ,,D" gab habe ich gar nicht mitbekommen!

Ja, schleifen lassen schmerzt, ein Messer Euro 400.-

Aber das ist bei den ,,D" zum Glück nicht so oft der Fall.

Danke & liebe Grüße

Gerhard
Gerhard
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Ronald Schulte

@Vielen Dank, Walter.

"State of the art" trifft es allerdings nicht ganz. Das Mikrotom ist schon 40, 50 Jahre alt, aber es ist so robust konstruiert, dass es immer noch gut funktioniert. Das Kunststoff- und Klingensystem ist auch aus dem letzten Jahrhundert, also im Grunde wenig neu. Das Schöne ist, dass man mit der Präparation des Probestückes sehr schöne Schnitte machen kann, die mit der Paraffintechnik unmöglich sind.
Das Schneiden sieht nach viel Aufwand aus, ist aber nach einiger Übung viel einfacher als bei Paraffin.

LG Ronald
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LKB 2218 Historange Rotationsmikrotom.

Reinhard

Hallo Ronald,

Was würdest Du dir denn heutzutage für eine Ausrüstung zum Schneiden  von Technovit zulegen, wenn Du ganz neu anfangen müsstest?

Viele Grüße
Reinhard
seit wann ist Kunst ein Fehler ?



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www.mikrochemie.net

rlu

Hallo Ronald,

da hast du dir ja unendlich Mühe gegeben, tolles Video, schön eingesprochen.

Der Hinweis auf Retraktion war gut. Ist also kein einfaches Mikrotom.

Technovit streckt sich scheinbar bei Kontakt mit Wasser.
Wie warm muss es sein? Raumtemperatur?

Die Wärmeplatte, wie lange bleiben die Schnitte bei welcher Temperatur liegen, bis du sie färben kannst.
Das Wasser, welches du vorhin auf den Objektträger aufgebraucht hast, verdampft dann einfach?

Liebe Grüße
Rudolf

Ronald Schulte

@Reinhard,

Ja, diese Frage kann ich nur grob beantworten.

Das teuerste ist natürlich das Mikrotom. Das muss natürlich nicht pers eine lkb Historange sein. Jürgen Harst zum Beispiel schneidet auch Technovit, hat aber eine leica. Wichtig ist, dass es ein elektrisch angetriebenes Rotationsmikrotom mit Retraktion ist (ohne Retraktion ist kein gutes Schneiden möglich).
Dann folgt das Klingensystem und ich würde keinen Kulzer-Klingenhalter mit Klingen kaufen, weil die aktuellen Klingen nicht gut schneiden (siehe meine obere Antwort an Rawfoto). Bleibt eine Hartmetallklinge von Leica und ja, die sind nicht gerade billig. Ich habe 900 Euro für eine bezahlt.
Natürlich kann man Technovit auch mit Glasmessern schneiden, aber dann muss man einen Glasmesserbrecher kaufen.
Das Technovit-Harz mit Härter ist nicht das Teuerste, abgesehen von der Gussform, die Sie 400 Euro kosten wird. Der Vorteil ist, dass man, wenn man alles gekauft hat, jahrelang weitermachen kann, weil der Verbrauch gering ist.
Der Nachteil ist, dass man alles braucht.

Mikrotom €2500-€3500
Messerhalter und Klingen €1000-€1500
Technovit 7100 €100
Histoblöcke 60
Technovit 3040 und Härter €100
Histoform S €400

Auf der Website von morphisto gibt es eine Menge Material.

https://www.morphisto.de/shop/list/f/Kunststoff-Einbettung/118/

LG Ronald
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Ronald Schulte

@Rudolf,

Richtig, es handelt sich nicht um ein einfaches Mikrotom.

Ein Coupe Technovit 7100 lässt sich hervorragend auf Wasser strecken. So wie es aus der Spritze kommt, ist es nur bei Raumtemperatur. Dann streckt es sich schon fast perfekt.
Das Objektglas mit Wassertropfen und Schnitt kommt dann auf die Wärmeplatte, die wohl um die 80 Grad haben dürfte. Der Wassertropfen verdampft und ich lasse sie dann noch 15 Minuten liegen und bin dann sicher, dass das ganze Wasser zwischen Schnitt und Glas auch weg ist und der Schnitt jetzt auch perfekt am Glas haftet. Man kann es nur mit einem Skalpellmesser oid wegkratzen.
Es ist wichtig zu erwähnen, dass es sich um demineralisiertes Wasser handeln muss und ich es vor der Verwendung abkoche. Wenn man das nicht tut, bekommt man einen Ring aus Mineralien am Rand des trocknenden Tropfens, der später auch färbt, und er kann auch den Schnitt verfärben.
Das Färben erfolgt dann mit basischen Farbstoffen wie Toluidinblau, Fuchsinrot (basisch), Azur und so weiter.

Grüße Ronald
Mikroskope:
Leitz Orthoplan (DL, AL-Fluoreszenz und Diskussionseinrichtung).
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Mikrotom:
LKB 2218 Historange Rotationsmikrotom.