Hauptmenü

Welcher Kompensator?

Begonnen von ChristianS, Dezember 14, 2023, 17:00:54 NACHMITTAGS

Vorheriges Thema - Nächstes Thema

ChristianS

Nachdem ich mit der Folie von Gerd erste Erfolge hatte, frage ich mich welche Kompensatoren ich verwenden kann.

Es gibt Lambda, Lambda/2, Lambda/4 und Baninet-Kompensatoren. Was ich bei meinem Mikroskop am besten verwenden sollte, keine Ahnung. Weiß das jemand?

Ich versuche es erst mal mit Tesafilm, Frischhaltefolie oder einer CD-Hülle. Ich denke da wird man schon erste Effekte sehen. So einen Filtereinsatz zu kaufen ist ja doch eine kostspielige Investition, die man vorher gut auswägen sollte...
Verwendete Geräte:

Leitz Orthoplan

Kameras:

Canon Eos 650d
Nikon Z5

ChristianS

#1
Heute hatte ich Kartoffelstärke beobachtet. Da habe ich ein Stück einer CD-Hülle vorgeschaltet, das ist schon ganz gut.

Verwendet ihr Lambda-Plättchen? Wenn ja, bei welchen Anwendungen? Ich sehe bisher nur, dass es den Kontrast bei der Polarisation verbessert.
Verwendete Geräte:

Leitz Orthoplan

Kameras:

Canon Eos 650d
Nikon Z5

Florian D.

Hallo Christian,

kommt drauf an, was Du damit machen willst.
In der Mineralogie wird der lambda Kompensator am häufigsten verwendet, um Aussagen über den optischen Charakter der Minerale zu treffen.

Viele Grüsse
Florian

Gerd Schmahl

Hallo Christian,
man sieht es den Interfernzfarben nicht immer sofort an, ob sie 1. oder höherer Ordnung sind. Durch das Hinzufügen eines Kompensators mit bekanntem Gangunterschied lässt sich das recht einfach an Hand des eintretenden Farbwechsels bestimmen.

Ich nutze am häufigsten den Rot-1-Kompensator, auch in der Biologie. Damit lassen sich z.B. Richtungsorientierungen von Mineraleinlagerungen oder anderer kristallähnlicher Stoffe wie Stärke oder Zellulose sichtbar machen, wie z.B. hier in diesem Dünnschliff eines Knochens.

KnochenAnimation.GIF
Bild 1: In dem animierten GIF wechseln Hellfeld, x-Pol und x-Pol+Rot-1 im Sekundentakt.

Solche Effekte erzielt man auch mit Kompensatoren mit unbekanntem Gangunterschied, nur lassen die sich halt nicht zu Messzwecken verwenden, sondern nur zum "Buntmachen". CD-Hüllen sind nicht besonders geeignet, weil sie recht dick und nicht so schön planparallel sind wie dünne Folien. Halte mal eine CD-Hülle zwischen einen Bildschirm (der ja polarisiertes Licht liefert) und einem gekreuzt orientierten Polariator aus Deinem Mikroskop, dann wirst Du sehen, was ich meine.

Übrigens ist die Orientierung des Kompensators sehr wichtig, wenn er für Messzwecke verwendet wird. Wenn Du die DC-Hülle zwischen den beiden Polfiltern drehst, wirst Du sehen, wie die Farben sich verändern. Für meine Farbspielchen nutze ich deshalb gerne einen drehbaren Kompensator. Dann kann ich die Farbe auswählen, die den schönsten Effekt liefert.

Du kannst auch mehrere Tesa-Film-Streifen übereinander kleben, um einen passenden Gangunterschied zu summieren.TesaFilm.jpg
Bild 2: Foto durch einen Polfilter vor einem LCD-Bildschirm mit unterschiedlich orientierten Tesa-Film-Streifen.

Viel Freude mit bunten Bilder wünscht
Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

ChristianS

Dann danke. Wie ich dann das (drehbare) Plättchen bei Auflicht verwende muss ich mir dann überlegen, andererseits drehe ich doch schon den Polarisator? Bisher habe ich "nur" eine Schwanenhals-LED, da ist die Lichtausbeute recht bescheiden. Aber der Umbau mit dem Ultropak ist mir noch zu teuer...Ich versuch mich erst mal anderweitig.
Verwendete Geräte:

Leitz Orthoplan

Kameras:

Canon Eos 650d
Nikon Z5

Gerd Schmahl

Hallo Christian,
die Polarisator liegt bei Dir wahrscheinlich drehbar auf dem Lichtaustritt und der Analysator wahrscheinlich nicht drehbar im Tubus. Der Selbstbaukompensator kann irgendwo zwischen Polarisator und Analysator platziert werden, egal ob vor oder nach dem Objekt. Er kann also auch direkt über dem Polarisator auf dem Lichtaustritt liegen. Dort kann er genauso leicht verdreht werden wie der Polarisator.
Polarisator und Analysator sollte für maximalen Kontrast dabei in 90 Grad-Stellung bleiben. Aber auch das ist kein Dogma! Manchmal möchte man gerne doppelbrechende Substanzen kontrastieren, aber keinen ganz dunklen Hintergrund haben. Dann weicht man einfach von der 90-Gradstellung etwas ab. Du hast ja zwei Stellschrauben, an denen Du drehen kannst: Den Polarisator und den Kompensator. Da gibt es viele Möglichkeiten. Dann kannst (solltest!) Du auch mal das Objekt drehen. Das geht natürlich am besten mit einem Drehtisch, aber zur Not macht man den Objektführer oder die Tischklemmen ab und dreht den Objektträger. Es gibt hier irgendwo in den Tiefen des Forums auich eine Bauanleitung für einen behelfsmäßigen Drehtisch, der aus eine CD gebaut wird, die auf dem Mikroskoptisch liegt.

LG Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.