Botanik: Sitka Erle Alnus sinuata *

Begonnen von Hans-Jürgen Koch, Oktober 09, 2024, 09:37:57 VORMITTAG

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Hans-Jürgen Koch

Die Sitka-Erle Alnus sinuata ist ein einheimischer Baum oder Strauch, der in Nordkalifornien wächst, vor allem an der Nordküste, in der Klamath Mountain Range und in der North Coast Range.

Die Sitka-Erle ist ein sommergrünes Gehölz mit einer Wuchshöhe von ca. 8 Meter. Sie wurzelt flach (Herzwurzler) und hat dunkelgrünes Laub.

Bild 01 Habitus, Sitka Erle Alnus sinuata

Quelle: Slichter

Die Erlen (Alnus) bilden eine Pflanzengattung in der Familie der Birkengewächse (Betulaceae). Von den über 40 Erlen-Arten weltweit sind drei in Mitteleuropa heimisch. Zu diesen gesellen sich sieben Arten, die hierzulande ebenfalls weit verbreitet sind:
Alnus cordata (Herzblättrige / Italienische Erle)
Alnus glutinosa (Schwarz-Erle, heimisch)
Alnus incana (Grau-Erle, heimisch)
Alnus rubra (Rot-Erle / Oregon-Erle)
Alnus sinuata (Sitka-Erle)
Alnus spaethii (Purpur-Erle / Spaeths Erle)
Alnus viridis (Grün-Erle / Alpen-Erle, heimisch)

Die Bäume sind vergleichsweise langsam wüchsig und langlebig. und haben eine schmal kegelförmige Krone Hauptwachstumszeit ist im Frühjahr und im Sommer.

Bild 02 Blattoberseite, Sitka Erle Alnus sinuata

Foto: H.-J_Koch

Bild 03 Blattunterseite, Sitka Erle Alnus sinuata

Foto: H.-J_Koch

Man beachte die gewellten Blattränder sowie die vielen winzigen Zähne (von unregelmäßiger Größe) entlang des Randes.
Die einfachen, blassgrünen Blätter sind wechselständig angeordnet. Sie sind eiförmig und gezähnt, gestielt und Blätter, deren Nerven in den Blattrand auslaufen. Die Belaubung ist im Sommer dicht, im Winter locker.

Bei der wechselständigen Blattstellung befindet sich ebenfalls an jedem Knoten nur ein Blatt. Die Ausrichtung der Blätter ist in einem für die Pflanzenart charakteristischen Winkel verschoben (schraubig oder dispers), dieser Winkel beträgt nicht 180 Grad.
Dispers bedeutet "zerstreut"

Bild 04 Fruchtzapfen, Sitka Erle Alnus sinuata

Foto: Keir Morse
Aus den weiblichen Kätzchen entstehen auffällige zapfenartige Fruchtständer.

Blüten und Früchte
Von April bis Juni trägt Alnus viridis subsp. sinuata leuchtend grüngelbe radförmig vierzählige Blüten die in Ähren angeordnet sind. Die Pflanzen sind einhäusig, die Bestäubung erfolgt durch Fremdbefruchtung durch den Wind.
Die Blüte ist von April bis Mai. Sie blüht braun.

Bild 05 Männlichen Kätzchen, Sitka Erle Alnus sinuata

Quelle: Slichter
Ein Merkmal dieser Art ist es, dass die männlichen Kätzchen zu dem Zeitpunkt blühen, an dem die Blätter erscheinen.

Bild 06 Zapfenartige Fruchtstände bis 3 cm lang, Sitka Erle Alnus sinuata

Quelle:  Slichter
In Sommer und Herbst tragen die Bäume zahlreiche braune Fruchtstände, die sehr zierend sind.
Der bräunliche Kegel ist wirklich ein weibliches Kätzchen (April bis Mai) bleibt oft im Winter am Baum stehen.
Die Erlen-Arten sind die einzigen Laubbäume, bei denen die weiblichen Kätzchen verholzen und damit folgerichtig als Zapfen bezeichnet werden. Es werden einsamige, geflügelte Nussfrüchte mit oft Griffelresten gebildet. Die Zapfen bleiben, im Gegensatz zu den Birken, stehen nachdem die Früchte entlassen wurden.
Wie alle Birkengewächse sind die Erlen-Arten einhäusig getrenntgeschlechtig (monözisch). Es werden an einem Exemplar die Kätzchen genannten Blütenstände beider Geschlechter ausgebildet. In den Kätzchen sitzen jeweils nur weibliche oder männliche Blüten.
Die Kätzchen erscheinen einzeln oder zu mehreren in zusammengesetzten Blütenständen. Die kürzeren weiblichen Blütenstände stehen unter den männlichen. Die Blüten erscheinen vor den Blättern. Die männlichen Blüten sitzen meist zu dritt in einem Tragblatt und vier Vorblättern und die weiblichen zu zweit in den Achseln von einem gelappten Tragblatt (Tragblatt und vier Vorblätter; Schuppe). Die männlichen Blüten besitzen bis zu 6 Staubblätter und einen vierteiligen Kelch (Perigon). Die weiblichen Blüten sind ohne Blütenhülle und der zweikammerige Fruchtknoten ist unterständig mit zwei Griffelästen und langen, länglichen Narben.

Bild 07 Wurzelknöllchen

Quelle: Biologie-Seite.de

Erlen besitzen stecknadelkopf- bis apfelgroße, eigenartig traubige, verholzte Wucherungen (Wurzelanschwellungen) an den Wurzeln, in denen Bakterien leben.
Erlen gehen mit Strahlenpilzen (Actinomyces alni) eine Symbiose ein, es handelt sich dabei um myzelbildende Bakterien
Diese binden Stickstoff aus der Luft und machen so diese wertvolles Nährelement den Bäumen verfügbar.
Pro Hektar und Jahr können sie bis zu 200 kg des Nährelements fixieren.
Da der Stickstoff auch für andere Pflanzen nutzbar ist, spielen Erlen als Boden Verbesserer eine wichtige Rolle.
Alnus sinuata wurde von Eduard August von Regel beschrieben und der Name gültig veröffentlicht, aber erst 1965 von Áskell Löve und Doris Benta Maria Löve in die heute gültige Systematik eingeordnet.

Eduard von Regel war ein deutscher Gärtner und Botaniker.
Geboren: 13. August 1815, Gotha
Verstorben: 27. April 1892, Sankt Petersburg, Russland

Im 6. Jahrhundert wurden Verurteilte aus der Gemeinschaft verstoßen, indem man vier Erlstäbe über dem Kopf des Verurteilten zerbrach und in verschiedene Richtungen warf. Darauf geht auch die heutige Redensart: "Über jemanden den Stab brechen" zurück.

Systematik:
Ordnung: Buchenartige Fagales
Familie: Birkengewächse Betulaceae
Gattung: Erlen Alnus
Art: Sitka Erle
Wissenschaftlicher Name: Alnus viridis ssp. Sinuata

ssp. = ist in der biologischen Systematik die taxonomische Rangstufe direkt unterhalb der Art. In der Botanik stehen unter ihr die Varietät und die Form.
Trivialname: Gleiterle, Gewellte Erle, Alder, Eila oder auch Otterbaum
Englische Bezeichnung: Sitka alder

Die Artengruppe der Erlen ist weit gefasst.
Entweder als Artengruppe Alnus alnobetula (Grün – Erle im weiten Sinne) eine europäische Art die aus Nordasien und Nordamerika stammt oder wie heute meist üblich, als weit gefasste Alnus alnobetula Grün – Erle, dann werden die genannten Sippen als Unterarten eingestuft.
Der lateinische Name" Alnus" steht für Erle, urverwandt der deutsche Name Erle (althochdeutsch ,,erila", wird auf ein indogerman, Wort, das rot oder braun bedeutet, zurückgeführt.
Nichts mit Erlen hat der ,,Erlkönig" in der dänischen Ballade ,,Erlkönigs Tochter" zu tun, ein Übersetzungsfehler von ,,ellerlonge" durch HERDER, denn gemeint ist eigentlich der Elfenkönig.

Johann Gottfried Herder, ab 1802 von Herder (1744 – 1803), war ein deutscher Dichter, Übersetzer, Theologe sowie Geschichts- und Kultur-Philosoph der Weimarer Klassik.

Bild 08 Illustration, Schwarz Erle

Quelle:
Prof. Dr. Otto Wilhelm Thomé
Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz 1885, Kurt Stueber,

Meine Pflanzenprobe stammt aus dem Arboretum Bad Grund (Harz)
https://www.harz-travel.de/Regionales/Harz-Sehenswuerdigkeiten-Highlights/Arboretum-Bad-Grund-WeltWald-Harz/

Bild 09 Schnittstellen, Sitka Erle Alnus sinuata

Foto: H.-J_Koch

Teil 1
Zweijähriger Spross, Querschnitt, 25 µm


6 Fotos von ungefärbten Schnitten.


Bild 10 Übersicht, Sitka Erle Alnus sinuata


Bild 11 Detailaufnahme, Sitka Erle Alnus sinuata


Bild 12 Markparenchym, Sitka Erle Alnus sinuata


Bild 13 Markparenchym, Sitka Erle Alnus sinuata


Bild 14 Detailaufnahme, ungefärbter Schnitt, Autofluoreszenz, Sitka Erle Alnus sinuata

Auflicht Beleuchtung Fluoreszenz iLED 455 nm, LED Modul 455 nm

Bild 15 Detailaufnahme, ungefärbter Schnitt, Autofluoreszenz, Sitka Erle Alnus sinuata


W-3A-Färbung nach Wacker (Acridinrot-Acriflavin-Astrablau)
Arbeitsablau :
1. Schnitte liegt in 30 % Ethanol.
2. Aqua dest. 3x wechseln je 1 Minute.
3. Vorfärbung Acridinrotlösung 7 Min.
4. 1x auswaschen mit Aqua dest..
5. Acriflavinlösung (differenzieren bis gerade keine Farbwolken mehr abgehen - Lupenkontrolle) ca. 15 Sekunden !!!.
6. 2 x auswaschen mit Aqua dest..
7. Nachfärbung Astrablaulösung 1 Minute.
Bei der Nachfärbung mit Astrablau eine Mischung aus Astrablau und Acriflavin im Verhältnis 4 : 1 verwendet (blau + gelb = grün).
8. Auswaschen mit Aqua dest. bis keine Farbstoffreste verbleiben.
9. Entwässern mit 2x gewechseltem Isopropylalkohol ( 99,9 % )
10. Einschluss in Euparal.

Ergebnis :
Zellwände blaugrün bis grün, verholzte Zellwände leuchtend rot, Zellwände der äußeren Hypodermis orangerot, Cuticula gelb, Zellwände der innenliegenden Hypodermis tiefrot.
Fotos: Nikon D5000, Sony Alpha 6000

Bild 16 Übersicht mit Beschriftung, Sitka Erle Alnus sinuata

SK = Sklerenchym, PE = Periderm, RP = Rindenparenchym, PH = Phloem, JRG = Jahresringgrenze, XY = Xylem, MST = Markstrahl, MP = Markparenchym

Bild 17 Detailaufnahme, Sitka Erle Alnus sinuata


Bild 18 Markparenchym, Sitka Erle Alnus sinuata


Bild 19 Markparenchym, Sitka Erle Alnus sinuata


Bild 20 Jahresringgrenze, Sitka Erle Alnus sinuata


Bild 21 Detailaufnahme, Auflicht – Fluoreszenzaufnahme, Sitka Erle Alnus sinuata

Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz iLED 455 nm
LED Modul 455 nm
Reflektormodul FL mit Filtersatz 67
Erregerfilter: BP 470 nm
Strahlenteiler: FT 477 nm
Emission (Sperrfilter): LP 485

Bild 22 Detailaufnahme, Auflicht – Fluoreszenzaufnahme, Sitka Erle Alnus sinuata

Plants are the true rulers - Pflanzen sind die wahren Herrscher.

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Gerne per "Du"

Hans-Jürgen Koch

Bild 23 Gegenüberstellung der Färbungen, Sitka Erle Alnus sinuata


Bild 24 Färbungen - Rezepte


Bild 25 Übersicht, Sitka Erle Alnus sinuata


Bild 26 Detailaufnahme, Sitka Erle Alnus sinuata


Bild 27 Markparenchym, Sitka Erle Alnus sinuata

Bild 28 Detailaufnahme, Auflicht – Fluoreszenzaufnahme, Sitka Erle Alnus sinuata


Bild 29 Detailaufnahme, Auflicht – Fluoreszenzaufnahme, Sitka Erle Alnus sinuata


Bild 30 Detailaufnahme, Auflicht – Fluoreszenzaufnahme, Sitka Erle Alnus sinuata


Teil 2
Zweijähriger Spross, Längsschnitt, 25 µm


W-3A-Färbung nach Wacker (Acridinrot-Acriflavin-Astrablau) modifiziert

Bild 31 Detailaufnahme, Sitka Erle Alnus sinuata
+

Bild 32 Detailaufnahme, Sitka Erle Alnus sinuata


Bild 33 Detailaufnahme, Auflicht – Fluoreszenzaufnahme, Sitka Erle Alnus sinuata

Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz iLED 455 nm
LED Modul 455 nm
Reflektormodul FL mit Filtersatz 67
Erregerfilter: BP 470 nm
Strahlenteiler: FT 477 nm
Emission (Sperrfilter): LP 485

Teil 3
Blattstiel, Querschnitt, 25 µm

W-3A-Färbung nach Wacker (Acridinrot-Acriflavin-Astrablau) modifiziert

Bild 34 Übersicht, Sitka Erle Alnus sinuata


Bild 35 Detailaufnahme, Sitka Erle Alnus sinuata


Bild 36 Detailaufnahme, Sitka Erle Alnus sinuata


Bild 37 Detailaufnahme, Auflicht – Fluoreszenzaufnahme, Sitka Erle Alnus sinuata

Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz iLED 455 nm
LED Modul 455 nm
Reflektormodul FL mit Filtersatz 67
Erregerfilter: BP 470 nm
Strahlenteiler: FT 477 nm
Emission (Sperrfilter): LP 485

Bild 38 Detailaufnahme, Auflicht – Fluoreszenzaufnahme, Sitka Erle Alnus sinuata


Bild 39 Detailaufnahme, Auflicht – Fluoreszenzaufnahme, Sitka Erle Alnus sinuata


Verzeichnis der benutzten Literatur:
Wikipedia; Freie Enzyklopädie
Gregor Aas ,,Bäume", ISBN:3-7742-4058-2
Bachofer ,,Der Kosmos Baumführer", ISBN: 978-440-14660-6
U. Hecker ,,Bäume und Sträucher", ISBN: 3-8354-0021-7
Peter A. Schmidt ,,Taschenlexikon der Gehölze", ISBN: 978-3-494-01448-7
P. Schütt ,,Lexikon der Bäume und Straucharten", ISBN: 978-3-86820-123-9
P. Schmidt, U. Hecker ,,Die wildwachsenden und kultivierten Laub- und Nadelgehölze Mitteleuropas, ISBN: 978-3-494-01800-3
Schmeil ,,Leitfaden der Pflanzenkunde", 1952
,,Welcher Baum ist das?", ISBN: 978-3-440-16449-5
,,Der Kosmos Waldführer", ISBN: 978-3-440-17680-1
,,Tiere und Pflanzen", ISBN: 978-3-440-14136-6
,,Das große illustrierte Pflanzenbuch", 1966
,,Der neue Kosmos Tier- und Pflanzenführer", ISBN: 3-440-07286-X
,,Kosmos Baumführer Europa", ISBN: 978-3-440-11741-5

Für konstruktive Kritik bin ich ebenso offen wie für lobende Worte.
Hans-Jürgen

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Gerne per "Du"

Peter T.

Wieder mal eine fantastische Dokumentation. Besonders spannend finde ich die Gegenüberstellung der beiden Färbungen.

Wie immer: Chapeau!
Liebe Grüße
Peter

Wutsdorff Peter

Grüß´ dich Hans-Jürgen,
wieder einmal ein Feuerwerk!!
 Bin wie immer wieder einmal "von die Socken" *)
Gratulation
Ist Bild  31 mit modif. Farbe erstellt?

*) Berliner Ausdruck

Gruß Peter

Hans-Jürgen Koch

Hallo Peter (Cidrin) und Peter,
danke für euer Interesse an der Botanik und die lobenden Worte.

@ Peter,
zu Bild 31:
die Wackerfärbung ist modifiziert.
Wenn ich die drei Farben nacheinander verarbeite, habe ich bei der Farbgestaltung mehr Spielraum.

Gruß
Hans-Jürgen
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Fahrenheit

Lieber Hans-Jürgen,

wie immer ein schöner und interessanter Beitrag, den ich gerne gelistet habe.

Beste Grüße
Jörg
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Arbeitsmikroskop: Leica DMLS
Zum Mitnehmen: Leitz SM
Für draussen: Leitz HM

Hans-Jürgen Koch

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