Hilfe bei der Montage eines Zeiss Objekttisches

Begonnen von Robert G., August 06, 2025, 14:49:49 NACHMITTAGS

Vorheriges Thema - Nächstes Thema

Robert G.

Hallo,

ich stehe bei der Montage eines Zeiss Standard Objekttisches vor einer aus meiner Sicht unlösbaren Aufgabe.

Die Regentage der vergangenen Wochen habe ich zur Pflege einiger Mikroskopteile genutzt. Dabei habe ich auch diesen Objekttisch gereinigt. Schon beim Zerlegen war mir klar, dass der Wiederzusammenbau eine ziemlich knifflige Angelegenheit werden würde – und genau so ist es auch gekommen.

An den Seiten beider Tischhälften werden je zwei Stahlstifte (Ø 1 mm) für die Kugelführungen lose eingelegt. Anschließend kommen zwei Druckfedern seitlich in das Tisch Unterteil eingelegt. Darauf wird eine 3×3 mm Vierkantleiste gelegt. Danach folgen links und rechts die Kugelkäfige mit den 2 mm Kugeln zwischen den beiden Tischhälften.

Um nun das Ober- und Unterteil des Tisches wieder ineinander zu schieben, muss die Vierkantleiste gegen den Federdruck gehalten werden – gleichzeitig dürfen weder die Kugeln noch die acht Stahlstifte herausfallen.
Wie soll das funktionieren?!

Hat jemand Erfahrung mit dieser Montage oder vielleicht einen hilfreichen Tipp?

Schöne Grüße
Robert
IMG_5915qq.jpg
Robert
Gerne verwende ich das vertraute ,,Du".

Jürgen Boschert

Hallo Robert,

na das ist ja mal ne jans fiese Knöpp. Ich habe einen Tisch mit dieser Teilenummer und den auch schon zerlegt; aber meiner hat nicht die 9901 hinten an der Teilenummer, der Deine ist also eine neuere Variante.
Kannst Du mal noch ein Bild von der Unterseite der Tischgrundplatte und deren Seitenkante von der Seite einstellen, auf der die Vierkantleiste eingebracht werden muss?
Beste Grüße !

JB

Robert G.

#2
Hallo Jürgen,

Das ist die Rückseite von Ober- und Unterteil.
IMG_5916.jpg

Hier die Seitenansicht vom Tischunterteil: Die zwei Druckfedern sind bereits eingesetzt, in der Mitte befindet sich ein Stift, auf den die Vierkantleiste aufgesetzt wird.
IMG_5921.jpg

Das Tischunterteil in liegender Position:
Zuerst werden die Federn in die Bohrungen eingesetzt, anschließend wird die Vierkantleiste aufgesetzt. Jetzt wird es schwierig, auf die Vierkantleiste werden zwei Stahlstäbe gelegt (sie dienen als Kugelführung).
Darauf wird der Kugelkäfig mit den Kugeln positioniert.

Auf der gegenüberliegenden Seite werden ebenfalls zwei Stahlstäbe eingelegt, und auch hier wird der Kugelkäfig mit den Kugeln aufgelegt.
Unbenannt1112.JPG

Dann werden am Tischoberteil links und rechts die Stahlstäbe eingelegt.

Jetzt muss ich das vorbereitete Unterteil gegen die Druckfedern zusammendrücken und in das Tischoberteil einführen.
So weit der Plan – aber sobald ich das Unterteil anfasse und gegen die Federkraft zusammendrücke, wird alles instabil, die Kugeln fliegen raus, und die Stahlstifte, die keinen Anschlag haben, verschieben sich.
Unbenannt1121.JPG

Natürlich habe ich die Einzelteile mit Haftfett fixiert – aber das reicht gerade mal aus, um ihr Eigengewicht zu halten...

Grüße
Robert
Robert
Gerne verwende ich das vertraute ,,Du".

Jürgen Boschert

Hallo Robert,

was ich versuchen würde, weiß aber nicht ob es wirklich so funktioniert:

Das mit dem Haftfett würde ich auch so machen, allerdings nur mit den Stäben. Die Kugeln und ihre Käfige sollten in leichtgängigerem Fett gleiten können.



1. Stäbe Kugeln und Käfige in die nicht gefederte Seite der Grundplatte. Bei den Käfigen ist mir aufgefallen, dass die Durchbohrungen für Kugeln nach einer Seite Umbördelungen zu haben scheinen, jeweils vorne und hinten an jedem Loch. Diese quasi Füßchen sollten nach außen Zeigen. Die Grundplatte muss jetzt natürlich beständig mit der voll belegten Kante nach oben gehalten werden.

2. Vierkant und Kugelkäfig (Umbördelungen wieder nach außen) auf der Gegenseite im Steg einhängen und mit Kleinfinger sichern.

3. Jetzt die beiden Platten zusammenbringen. Dazu die Grundplatte senkrecht mit der vollbelegten Seite nach oben halten, Vierkant und Kugelkäfig auf der Gegenseite weiter mit dem Kleinfinger sichern. Nach dem Zusammenfügen der Platten vorsichtig auf die Unterlage horizontal legen, Grundplatte dabei nach oben, Tischoberfläche liegt der Unterlage auf. Evtl. auf schiefer Ebene, so dass die gefederte Seite höher liegt.
Wenn mein Plan stimmt, sollte jetzt eine gewisse Stabilität durch die Federung gegeben sein, und sich trotzdem die Kugeln von der Innenseite her, also zwischen Käfig und Vierkant einzeln eindrücken lassen. Das ist nun wirklich der Punkt, von dem ich nicht weiß, ob das so geht. Evtl. muss man die Platten dabei etwas gegeneinander verkippen (nicht in der Ebene, sondern in der Z-Achse, sozusagen cranio-caudal).

4. Nun die beiden Stäbe zwischen Kugeln und Außenseite, anschließend auch zwischen Vierkant und Kugeln eindrücken.

5. Zuletzt auch die noch beiden fehlenden Stäbe auf der Gegenseite eindrücken, geht manchmal besser, wenn man die Platten dabei gegeneinander leicht in Y-Richtung hin- und herschiebt.

Vielleicht hilft das ein bisschen.
Beste Grüße !

JB

Robert G.

Hallo Jürgen,

herzlichen Dank für deine Hilfe!
Der Hinweis, dass der Kugelkäfig zwei unterschiedliche Seiten hat, war der entscheidende Tipp – denn es wirkt tatsächlich wie eine Verliersicherung, wenn die kleinen Stege am Käfig nach außen zeigen.

Der Tisch ist jetzt zusammengebaut und läuft kugelgelagert, leicht und spielfrei – so, wie er soll.

Viele Grüße
Robert

IMG_5927.jpg
Robert
Gerne verwende ich das vertraute ,,Du".

Jürgen Boschert

Beste Grüße !

JB

-JS-

Lieber Robert, lieber Jürgen,

noch eine kleine Ergänzung, vielleicht hilft es ja dem Einen oder der Anderen bei der Lösung eines
ähnlich gearteten Problems an einem Zeiss-Mik-Tisch ähnlicher Bauart:
In Roberts Antwort Nr.2 sind auf dem Bild "Seitenansicht" auf Höhe der beiden Druckfedern zwei
kleine Bohrungen senkrecht zur Tischverschieberichtung zu sehen (auf dem folgenden Bild in Antwort
Nr. 2 ist eine davon besser zu erkennen, die zweite wäre nach Entfernen des Zahntriebes erreichbar).
Diese beiden Bohrungen lassen sich hervorragend dazu nutzen, die Kombination aus Vierkantleiste
und Duckfedern zu bändigen: Es werden lediglich zwei passende Stahlstifte (evtl. Tapeziernägel
oder entspr. passende Bohrer) nach der Montage des Vierkantstabes gegen den Federdruck in die beiden
Bohrungen eingebracht.
Anschliessend kann dann sehr bequem die Montage des vorgefetteten Kugelkäfigs zusammen mit den
Kugeln erfolgen, gefolgt vom Einbringen der beiden runden Stahldrahtführungen. Ganz am Schluß werden
die beiden Stifte aus den Bohrungen entfernt und die Druckfedern können ihren Dienst aufnehmen.

Viele Grüße, Joachim
... bevorzugt es, ge_Du_zt zu werden ...

Jürgen Boschert

Hall Joachim,

guter Tipp! Die Löcher hatte ich irgendwie ausgeblendet.
Beste Grüße !

JB

Robert G.

Hallo Joachim,

dein Tipp war genau das, was ich beim Zusammenbau gebraucht hätte! Es hat zwar auch so funktioniert, aber nur mit viel Anstrengung und einer ordentlichen Portion Angstschweiß ;-).

Die Vierkantstahlleiste hat tatsächlich zwei Bohrungen an genau der Stelle, an der sich auch am Tischunterteil Bohrungen befinden! Damit ist dein Vorschlag zur Montage voll bestätigt – ich hätte den Federdruck durch das Einschieben passender Stifte neutralisieren können, und die Montage wäre deutlich entspannter verlaufen. Ich hatte die Bohrungen zwar gesehen, ihnen aber keine Bedeutung beigemessen...

Auf einem Foto konnte ich die Bohrungen im Nachhinein noch einmal erkennen – in der Mitte die Bohrung zur Fixierung der Leiste und links und rechts die Hilfsbohrungen.

Herzliche Grüße
Robert
IMG_5916.jpg
Robert
Gerne verwende ich das vertraute ,,Du".