Botanik: Wachsbeerbaum (Morella cerifera) *

Begonnen von Peter T., August 06, 2025, 16:56:53 NACHMITTAGS

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Peter T.

Der Wachsbeerbaum gehört zur Familie der Gagelstrauchgewächse (Myricaceae), er wird auch als "Wachsmyrte" (Wax Myrtle) bezeichnet. (Offenbar ist Morella der aktuell gültige Gattungsname, man findet den Baum auch unter Myrica cerifera.) Beheimatet ist er im Südosten der USA und in der Karibik.
Mein Exemplar habe ich in einem Stadtpark in New Orleans gefunden und ein Blatt mit nach München genommen.

Bild 1


Er wächst als Strauch oder kleiner Baum und ist zweihäusig (getrenntgeschlechtlich), männliche und weibliche Blüten sitzen auf verschiedenen Individuen. Bestäubt wird er vom Wind.
Er bringt kleine kugelige Steinfrüchte hervor, die von einer Wachsschicht überzogen sind und namensgebend waren.

Bild 2 (Wikimedia Commons, Autoren Forest und KIm Starr)


Wie man auf dem ersten Bild schon erkennen kann, ist der Blattstiel freundlich formuliert "tiny".

Der Querschnitt vom Blattstiel beträgt etw 0.9 mm. Gefärbt wurde mit FCA nach Etzold, die Schnittdicke ist durchgehend 30µm

Bild 3


Bei diesem kleinen Querschnitt hat man fast den Eindruck, man könnte die Zellen zählen. Vorherrschend ist die große Leitbündelzone.

Dass der Wachsbeerbaum auch Trichome hat, sieht man im polarisierten Licht am besten

Bild 4


Ein kleiner Schritt weiter Richtung Blatt und die bekannten Hörnchen zeigen sich.

Bild 5


Hier eine Detailaufnahme. Aus ästhetischen Gründen habe ich sie auf den Kopf gestellt.

Bild 6


Dann weiter zum Blattquerschnitt

Bild 7


Auch hier zunächst wieder eine Detailaufnahme

Bild 8


Die Blattspreiten:

Bild 9


Man erkennt ein nicht so stark ausgebildetes, meist einreihiges Palisadenparenchym und das lockere Schwammparenchym.

Im nächsten Bild dachte ich zunächst, ich sehe ein Artefakt

Bild 10


Bei dem hellblau gefärbten "Fächer" handelt es sich aber um eine spezielle Haarform, nämlich ein peltates Trichom. Im Querschnitt fächerförmig, liegen diese Trichome wie ein Schild der Epidermis auf (Pelta: lateinisch "kleiner Schild"). Wahrscheinlich haben sie eine Schutzfunktion, außerdem sind sie in der Regel drüsig und können alle möglichen Inhaltsstoffe enthalten. Links kann man angeschnitten ein weiteres peltates Trichom erkennen.
Und wie so oft: Wenn man weiß, wonach man suchen muss, sieht man mehr. Hier noch ein weiteres peltates Trichom, bei dem man den Aufbau mit Stielzellen und Schildzellen gut erkennen kann.

Bild 11 (DIC, Stack, 40x, Ausschnitt)



Hier noch ein Link zu einer Arbeit von Lyudmila E. Muravnik mit schönen Bildern (unter anderem sieht man, wie peltate Trichome in der Aufsicht aussehen).

https://www.researchgate.net/publication/259294957_Pericarp_peltate_trichomes_in_Pterocarya_rhoifolia_histochemistry_ultrastructure_and_chemical_composition


Wie immer freue ich mich über Kommentare, Berichtigungen und Ergänzungen.



Liebe Grüße
Peter

M Beier

Hallo Peter,
das sind sehr schöne Schnitte und Färbungen. Etzold zeigt hier ein schöne farbliche Differenzierung, sonst ist ja das Blau immer sehr dominant.
Die schirmförmigen Trichome findet man öfters z.B bei Olive oder Ölweide. Den Trichomen hatte ich aber immer nur Schutzfunktion gegenüber zu starker Sonneneinstrahlung und als Verdunstungsschutz zu gesprochen. Dass sie auch sekretorische Funktion haben, wie in deinen genannten Artikel dargelegt, wusste ich nicht. Da werde ich mir mal unsere Walnüsse darauf hin genauer ansehen.
Viele Grüße
Maria

Peter T.

Hallo Maria,

vielen Dank!

Die peltaten Trichome sind wohl "zwei Fliegen mit einer Klappe", was ja ziemlich ökonomisch ist. Und FCA ist wirklich ein bisschen "empfindlich". Der Vorteil für mich ist, dass es sehr schnell (5 Minuten mit leichtem Erwärmen) und als Simultanfärbung anzuwenden ist.

Olive, Ölweide und Walnuss habe ich  noch nicht präpariert. Vielleicht hast Du ja Lust, Deine Bilder bei Gelegenheit hochzuladen. Etwas mehr Botanik-Beiträge könnte das Forum schon vertragen. ;)

Liebe Grüße
Peter