Leben auf Plastik - Per Anhalter durchs Meer | Doku HD | ARTE

Begonnen von Ralf Feller, November 23, 2025, 12:03:23 NACHMITTAGS

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Ralf Feller

Liebe Kollegen,
ich habe gestern auf ARTE eine, wie ich finde, wunderbare Dokumentation
über mikrobielles Leben auf Plastik aus dem Meer gesehen.
Da werden viele Mikrofotos gezeigt.
Die Sendung ist in der ARTE Mediathek und im Netz unter
https://www.youtube.com/watch?v=5KMRZ6qo4ek
zu sehen.
Bei 20,30 sind Moostierchen unter dem Stereomikroskop zu sehen,
welche Vergrößerung ist das wohl, hat jemand so etwas schon mal
unter dem Stereomikroskop gesehen? Vielleicht hat ja jemand einen
gut zugänglichen Tümpel in der Nähe, welche Plastikarten werden
bevorzugt?
LG Ralf

CMB

#1
Moin in Runde,
in der Tat sind Kunststoffe  hochinteressante Oberflächen für die Besiedlung. Sehr viele in Folge der Besiedlung entstehenden Abbauprozesse sind bisher kaum verstanden, weil Untersuchungen vor allem in Labors mit ihren eher virtuellen Umgebungen stattfinden. Die Untersuchung von Abbauprozessen in verschiedenen natürlichen Habitaten führt da häufig zu deutlichen anderen Ergebnissen, als es die Laborexperimente vermuten lassen. Ich beschäftige mich damit seit mehreren Jahren, und man entdeckt wirklich täglich Neues. Es lohnt sich, sich damit zu beschäftigen, zumal diese Prozesse direkt oder indirekt Jeden betreffen.



Grüße sendet
CMB

Spectrum

#2
Hallo Ralf,
Den Beitrag auf Arte habe ich mir gestern gemeinsam mit meiner 11jährigen Tochter auch angeschaut. Arte produziert wirklich regelmäßig sehr interessante Beiträge.
Es ist schon erschreckend, welche Dimensionen der Einfluss des Menschen auf den gemeinsamen Lebensraum auf unserem Erde inzwischen angenommen hat.

Zu deinen Fragen:
Die Moostierchenkolonie die man in dem Beitrag sieht zeigt eine marine Art. (Ich tippe da mal unverbindlich auf die Ordnung Cheilostomatida).
Im Süsswasser kommen deutlich weniger Arten vor, aber auch dort gibt es sie, und wenn man weiß wo, ist es im Sommer mit etwas Glück gar nicht so schwer sie zu finden.
In meinen Augen gehören Sie zu den schönsten Objekten für das Stemi und für die geringeren Vergrößerungen am Mikroskop, überhaupt.
Der Zooid mit den Tentakeln eines einzelnen Tieres ist so ca 0,5-1mm groß. Eine Kolonie kann je nach Anzahl der Einzeltiere (es fängt mit einem Tier an und wächst dann immer weiter) sehr groß werden. Manchmal sogar riesig, mit bis zu einem Meter.

Such mal über die Forumssuche nach "Moostierchen" und "Bryozoa".

Da findest du mehrere Beiträge, u.a. auch von mir, zu den im Süsswasser vorkommenden Arten.
Was das Vorkommen auf Kunstoffoberflächen angeht, hab ich eine Art (Christatella mucedo) auch schonmal auf einem Stück einer Angelrute gefunden, die ich zwecks Entsorgung aus einem Waldsee gefischt habe.
Ausserdem hat sich eine andere Art (Plumatella sp.) auch schon auf die Oberfläche einer Kunststoffpetrischale angeheftet.
Inwieweit da aber die Art des Kunststoffs eine Rolle spielt, weiss ich nicht.
Ich vermute mal, dass es keine Rolle spielt, solange keine giftigen Substanzen aus dem Substrat auf dem das Moostierchen sitzt, austreten.
Die ernähren sich nicht von dem Substrat auf dem sie haften, sondern von Nahrungspartikdln aus dem umgebenden Wasser.
Welche Auswirkungen da auch eingestrudeltes Mikroplastik hat, wäre aber mal interessant.
Bestimmte Farbstoffe landen auf jeden Fall schonmal im Körper dieser Tiere:
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=670.0
LG Holger
Holger
Duzen und meine Bilder (auch ungefragt)  bearbeiten, mit eigenen Aufnahmen ergänzen und weitergeben erwünscht!