Fluoreszenz im Haushalt

Begonnen von Marcus_S, Mai 23, 2020, 23:50:37 NACHMITTAGS

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Marcus_S

Moin!

Ich mach' hier nochmal ein wenig weiter...


Derzeit ist hier bei mir Hefe dran, denn Hefepräparate sind ja so schön einfach herzustellen. Meine Bäckerhefe ist aber beim Gefärbtwerden etwas unkooperativ. Die Bücher empfehlen da Fluorochrome, also los...

Eine etwa erbsengroße Menge Bäckerhefe in etwa 20 ml abgekochtem Leitungswasser verrührt und zwei Tage lang mit täglich einer Prise Haushaltszucker gefüttert.

Auf dem Objekträger die Menge RZE, die an einer Präpariernadel hängenbleibt, eindunsten gelassen und einen Tropfen der Hefesuspension dazugegeben. Mit der Präpariernadel verrührt, mit einem Deckglas abgedeckt und bei Grünanregung mit Ölimmersion beguckt.

Die Färbung erscheint langsam, sehr langsam, ich hatte den Eindruck, es passiert nix mehr. Langsam wurden irgendwelche Strukturen um das, was ein Kern sein könnte, sichtbar. Dann drohte das Präparat einzutrocknen. Und nach Zusatz eines Tropfens abgekochten, lange abgestandenen Leitungswassers entwickelte sich fast schlagartig ein hübsch hell orange fluoreszierendes Netzwerk leuchtender Tupfen und Würstchen, direkt unterhalb der Zellwand.

Daraufhin befragte ich das Internet und nach dem Blättern in ein paar Dissertationen aus Brauerkreisen beschloß ich: das müssen die Mitochondrien sein. Eine Vergleichsfärbung mit "ernsthaftem" Farbstoff ergab das gleiche Resultat, nur etwas flotter und auch ohne Wasserzugabe. Aber auch nicht hübscher.

Verbesserungsmöglichkeit: einmal ganz vorsichtig, ohne die ganzen Hefezellen mit wegzusaugen, unter dem Deckglas mit Leitungswasser waschen. Ergibt (natürlich) einen sehr viel saubereren Hintergrund und die Fluoreszenz der Mitos scheint etwas kräftiger zu werden.

Anbei zwei Bildchen, Ausschnitte (wg. Größe für's Forum) von Aufnahmen der RZE-gefärbte Hefe. Nur leicht im Kontrast verbessert, ansonsten unbearbeitet. Halogenlampe, Breitbandgrünanregung, 60er Objektiv.


Viele Grüße von

Marcus


Marcus_S

Moin!

Da ich ja sowieso eine Zwiebel angeschnitten habe, da werfe ich hier eben schnell die RZE-Färbung der Mitochondrien (?) in den Zellen des Zwiebelhäutchens in den Ring...

Die Menge RZE, die an einer Präpariernadel hängenbleibt, auf einem OT eintrocknen gelassen. Den Rückstand in drei Tropfen Leitungswasser aufgenommen und verrührt. In dieser Färbelösung auf dem OT für rund 10 Minuten ein frisches Schnipselchen des Zwiebelhäutchens gefärbt, ziemlich sorgfältig dreimal für je rund drei Minuten mit je 4 Trp. Leitungswasser ausgewaschen und in Wasser eingedeckelt.

In einer leicht abgedunkelten Zimmerecke beguckt und geknipst: Breitbandgrünanregung (520 nm - 550 nm) mit Halogen (Bild 1). Mit einem netten Objektiv läßt sich die sehr dekorative, angenehm helle, orangefarbige Fluoreszenz bequem beobachten. Die Fluoreszenz läßt langsam ein wenig (Bleaching?), der Hintergrund ist hübsch duster.

Die Färbung scheint ziemlich selektiv an die kleinen, runden Organellen (Mitochondrien?) zu gehen, Kern und Plasmastränge wurden nicht erkennbar gefärbt, die Zellwände nur mäßig. Die muntere Plasmaströmung blieb recht lange Zeit (geschätzt eine Viertelstunde) erhalten. Als das Präparat langsam an Wassermangel litt, verschwanden die runden Partikel und es traten vermehrt schwächer fluoreszierende, wurstförmige Partikel auf (Bild 2). Nach Zusatz eines Tropfens frischen Leitungswassers stellte sich der erste, "gesunde" Zustand wieder ein.


Viele Grüße von

Marcus


Marcus_S

Ich staub das hier mal ein wenig ab...


Beim Rumräumen habe ich einen uralten blauen/violetten Kopierstift gefunden. Ich höre schon: "Ja, ist ist doch soo alt, das kennen wir doch schon." Stimmt. Deshalb hab ich das ja auch ausprobiert:

Einen Joghurtausstrich (ein winziger Klecks Joghurt auf einen OT, einen zweiten OT drauflegen und die beiden OT unter kräftigem Druck langsam auseinanderziehen) an der Luft trocknen gelassen. Dann einen Tropfen Wasser draufgegeben, da eine mit einer (dunkelvioletten) Kopierstiftminenlösung (die abgebrochene Kopierstiftminenspitze in 1,5 ml Wasser gelöst. Oder besser gesagt: eingeweicht. Was davon gelöst ist - keine Ahnung. Man sieht in der Tunke nix...) benetzte Präpariernadel eingetaucht und den Wassertropfen vorsichtig umgerührt. Nach etwa 30 Sekunden den Farblösungstropfen mit einem Knubbel Küchenrollenpapier abgesaugt, zweimal mit ein paar Tropfen Leitungswasser gespült, Deckglas drauf, ab unters Mikroskop. Mit Grünanregung (Auflicht, 100 W-Halogenlampe mit Breitband-Grün-Filter: 530-550 (Ex) // 575 // 570 (Em)) gibt es eine wunderhübsche, erstaunlich helle, dunkelorange Fluoreszenz des Proteingerüstes des Joghurts. Die Joghurtbakterien hab ich gesucht, die konnte ich mit dem 40er aber nicht erkennen. Und die Fetttröpfchen blieben auch völlig ungefärbt.

Wichtig dabei ist: wenig(!) Farbstoff anwenden. Die Färbelösung darf nur gerade eben erkennbar violett sein. Ist der Ausstrich (mit dem Auge betrachtet) sichtbar gefärbt, so wird das nix: dann quencht irgendwas, dann wird die Fluoreszenz tiefrot und schwächer. Der gefärbte Ausstrich muß im Hellfeld langweilig farblos aussehen, dann fluoresziert das wunderschön:

Joghurt mit Kopierstift.jpg

Noch wunderschöner wäre das natürlich in Farbe. Kommt vielleicht auch mal irgendwann. Aber mehr Information gibt es in bunt ja auch nicht.

Nun wäre nur noch eine Antwort auf die Frage interessant: warum fluoresziert das Zeug eigentlich? Sind das Verunreinigungen? Oder liegt das an der wohl über das Farbstoffmolekül delokalisierten positiven Ladung im Methylviolett/Kristallviolett? Irgendwie aber auch wieder egal, solange das hübsch färbt und auch fluoresziert.

Und: ja, man soll Kopierstifte auch heutzutage noch kaufen können, sagt das Internet.


Viele Grüße von Marcus