Botanik: Monterey-Zypresse (Cupressus macrocarpa) *

Begonnen von Peter T., Januar 01, 2026, 17:02:52 NACHMITTAGS

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Peter T.

Wie könnte man besser ins neue Jahr starten als mit einem Botanik- Beitrag?
;)

Also dann: Die Monterey-Zypresse hat ein kleines Verbreitungsgebiet in Kalifornien. Ihre natürlichen Bestände sind dort so klein, dass sie auf der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN steht.
Allerdings wird sie weltweit angebaut. Mein Exemplar konnte ich in Kroatien ausfindig machen.

C. macrocarpa ist ein immergrüner Baum mit Wuchshöhen um die 20 Meter. An windexponierten Stellen wächst sie knorrig und krumm (eben "windschief"). Die Blätter sind schuppenförmig angeordnet. Die Monterey-Zypresse gehört zur Familie der Zypressengewächse (Cupressaceae).

Ein bekannter Vertreter der Art ist die "Einsame Zypresse" von Monterey:

Bild 1 (Wikimedia Commons, Autor  Thogo)


Ein Blick auf die Schuppenblätter

Bild 2 (Wikimedia Commons, Autor Forest und Kim Starr)


Für meinen Beitrag habe ich mir den Spross und die Blätter angeschaut. Die Schnitte sind 30 µm dick und nach Etzold mit FCA gefärbt.
Zypressen sind reich an Phenolen, Tanninen und Harzstoffen. Nach etwa 4 Monaten in 70%igem Ethanol sieht das Röhrchen so aus:

Bild 3


Jetzt zum Spross-Querschnitt

Bild 4


Im ersten Übersichtsbild erkennt man die unterschiedliche Färbung des Xylems. Die linke Seite ist deutlich gelblich/ bräunlich gefärbt. Man könnte an Färbeartefakte denken, aber dieses Phänomen zieht sich durch alle Schnitte. Weiterhin könnte eine unterschiedliche Schnittdicke vorliegen, aber auch das wäre ungewöhnlich, wenn es alle Schnitte betrifft. Betrachtet man sich das Xylem genauer, so fällt auf, das die gelblichen Bereiche dickere Zellwände (und kleinere Lumen) haben. Das könnte ein Hinweis für eine stärkere Lignifizierung auf der linken Seite sein, möglicherweise ein Effekt, wie man ihn bei Druck- oder Reaktionsholz sieht.

Zum Vergleich die beiden unterschiedlich gefärbten Xylembereiche im Detail. Man kann auf der gelblich gefärbten Seite durchaus den Eindruck dickerer Zellwände  haben:

Bild 5


Bild 6


Hier noch eine andere Schnittebene

Bild 7


Der untere Bereich könnte auf einen abgehenden Seitenspross hinweisen.

Jetzt noch ein Detail aus dem Markbereich mit angrenzendem Xylem und Protoxylem (die dunklen Bereiche). C. macrocarpa gehört zu den Gymnospermen. Diese haben ausschließlich Tracheiden im Xylem und keine Tracheen.

Bild 8


Hier ein Detail aus dem peripheren Bereich

Bild 9


Der Randbereich mit den Sklerenchymfasern in der Polarisation

Bild 10



Jetzt zu den Blättern. Die schuppenartige Anordnung macht die Schnitte zu wahren Wundertüten. Man sieht erst unter dem Mikroskop, was man bekommen hat. Ich zeige einige Querschnitte im Hellfeld und im polarisierten Licht.

Bild 11


Bild 12


Bild 13


Bild 14


Bild 15


Bild 16


Bild 17


Bild 18



Wie immer freue ich mich über Kommentare, Berichtigungen und Ergänzungen.


Liebe Grüße
Peter

Hans-Jürgen Koch

Lieber Peter,

Die Färbung ist spitze. Bei verholztem Material ist die Etzold - Färbung  super geeignet.

Gruß
Hana-Jürgen
Plants are the true rulers - Pflanzen sind die wahren Herrscher.

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Gerne per "Du"

GerhardL

Lieber Peter,

eine sehr gelungener Beitrag. Mein Favorit ist Bild Nr. 4 !
Gratuliere zu den tollen Schnitten.

LG
Gerhard

Peter T.

Lieber Hans-Jürgen,

vielen Dank! Trotz der recht einfachen Handhabung kann man mit Etzold gute Ergebnisse erzielen. Trotzdem will ich die anderen Färbungen nicht vernachlässigen, obwohl ich sie gerade etwas stiefmütterlich behandle.

Lieber Gerhard,

auch Dir besten Dank! Ich selbst liebe auch die großen Übersichten besonders (wenn sie denn gelingen ;) ).

Beste Grüße

Peter
Liebe Grüße
Peter