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Tümpelaquarium

Begonnen von AlexS, Februar 03, 2026, 19:21:13 NACHMITTAGS

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AlexS

hallo,
ich hab da noch ein leeres Miniaquarium mit so etwa 30 L Inhalt , welches ich als Tümpelaquarium herrichten möchte.
Da hinein kommen dann alle nicht mehr benötigten Proben aus den umliegenden Teichen.
Welcher Standort wäre dafür am besten :
1. Möglichkeit , die Abstellkammer mit Fenster nach Osten bei ca 21 Grad Raumtemperatur
2. Möglichkeit , die Waschküche im Keller mit relativ dunklem Fenster nach Norden mit eher          so 12-15 Grad?
Und wie würdet ihr das füttern ? Ab und zu ein paar Tropfen Milch oder Hefe, Organisches Material wie Blätter oder besser gar nicht ?
viel Grüße Alex

Monsti

Hallo Alex,

wie und wo Du Proben lagerst, hängt sehr von deren Inhalt ab. Dasselbe gilt für ein Füttern oder eben nicht.

Ich sammle häufig in ergiebigen Zwischenmooren. Meine Proben lagere ich in Gläsern mit aufgelegten Deckeln, so dass nicht allzu viel verdunstet, aber etwas Sauerstoff in die Gläser gelangt. Sie stehen bei mir an einem z.T. verschatteten Südfenster bei Raumtemperatur.

Das mit der Raumtemperatur gilt allerdings nur für Proben, die ich während der warmen Jahreszeit gesammelt habe. Im Winter gesammelte Proben werden behutsam an Raumtemperatur gewöhnt, d.h. sie lagern zunächst in einem unbeheizten Raum. Befinden sich in einer Probe Algen, sollte auch dieser Raum auch nicht zu dunkel sein.

Du siehst, ein Pauschalrezept für alle Tümplerproben gibt es nicht. Am erfolgreichsten wirst Du sein, wenn Du Dich an den Verhältnissen der Fundorte orientierst.

Viele Grüße
Angie

AlexS

hallo Angie,
danke fur deine Antwort und : tolle Homepage hast du ! Da sind viele wertvolle Infos drin.

Also werde ich besser viele kleine Probengläser anlegen , da ich die gleiche Marmelade esse hab ich ja die passenden Gläser schon  ;D

Viele Grüße Alex

Gerd Schmahl

Hallo Alex,
in der Tat ist meist die Temperatur der größte Einschnitt, den die Lebewesen nach der Probenentnahme verkraften müssen. Einher mit steigender Temperatur geht meist ein Verlust an Sauerstoff, da sich in warmen Wasser nicht so viel davon lösen kann. Deshalb ist mein Tipp: So kühl wie möglich lagern. Das ist auch der Grund, warum direkte Sonnenbestrahlung zu vermeiden ist.

Ansonsten kommt es natürlich - wie schon von Angie bemerkt auf die Art der Proben an. Mit dem Planktonnetz angereicherte Proben haben keine gute Überlebenschance, da sehr viel mehr Lebewesen im Wasser sind, als in einem vergleichbaren Volumen des Gewässers. Da setzt meist schon nach 2 Stunden das große Sterben ein. Natürlich gibt es immer einige Überlebende, die an die neuen Verhältnisse besser angepasst sind und sich deshalb auch lange halten Können. Es stellt sich in der Regel nach ein paar Wochen ein Gleichgewicht mit weniger Individuen ein. Wichtig ist, nicht zu viel organisches Material einzubringen, das dann von Bakterien und Pilzen zersetzt wird. Das zehr zusätzlich am Sauerstoffgehalt. Wenn man es natürlich auf die Bakterienfresser abgesehenen hat, kann man die Bakterien füttern.

Es ist immer wieder interessant die Veränderungen einer Probe zu beobachten.
Viel Freude dabei wünscht
Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

AlexS

hallo Gerd,
danke für deine Antwort,
Plankton werde ich nur vor Ort untersuchen , möchte ja kein
Massensterben auf dem Gewissen haben ;)
Die anderen Proben werde ich dann erst im Keller eingewöhnen , vielleicht
mit einer zusätzlichen Leuchte bestrahlen und ein Stück Wasserpest dazu um den Sauerstoffmangel zu beheben .
Bin mal gespannt wie sich das entwickelt.
Viele Grüße Alex

Spectrum

#5
Hallo Alex,
Das wesentliche haben Angie und Gerd ja schon gesagt.
Wenn es dir darum geht möglichst viele verschiedene Arten über die Runden zu bringen, bist du mit mehreren kleineren Gefäßen besser bedient.
So ein für "Kleinstgetierzüchter" echt schon riesiger 10L Bottich ist dann auch eher schon ein Experiment, wer sich dort etabliert, und wer nicht.
Also so ähnlich wie bei "Big Brother" oder dem "Sommerhaus der Stars", nur mit echten Einzellern.
Hat auch was.

Thema Temperaturen:
Zimmertemperaturen bis 21°C sind bei fast allen Mikroorganismen die ich bisher beobachtet habe, vollkommen in Ordnung.
Auch bis 25°C wird nicht immer gleich übelgenommen. Bei manchen Arten geht es dann sogar erst richtig los mit der Vermehrung. Vorausgesetzt... es kommt nicht zu Sauerstoffmangel durch übermäßige Zersetzungsprozesse.
Wird es noch wärmer wird es dann erfahrungsgemäß problematisch.
Das kann im Hochsommer schnell mal vorkommen. Den Treibhauseffekt der hinter Glas in prallem Sonnenlicht entsteht sollte man da nicht unterschätzen (das ist das viel größere Problem als die Lichtmenge an sich). Auch Plätze, unter denen im Winter eine Heizung läuft, sind nicht gut geeignet.
Überhaupt sind jegliche Schwankungen, egal ob Licht, Temperatur oder drastische Wasserwechsel nicht gut.
Da gelten genau dieselben Gesetze wie bei der Aquaristik (Stichwort Nitritvergiftung/Ammoniak/O2-Mangel->☠️).

Düngen/Füttern:
Kurz gesagt: Immer nur soviel wie nötig aber sowenig wie möglich. 
Oft viel viel weniger als man denkt!
Unsere Models finden schon den Platz an dem es noch was zu holen gibt und können dort gezielt abpippetiert werden.
Grundsätzlich also solange sich Leben tummelt am besten gar nichts "nahrhaftes" zugeben.
In frischen Proben ist oft sogar ein Zuviel an Nährstoffen. Da hilft es nur sehr wenig zersetzendes Pflanzenmaterial auf Dauer zu behalten.
Die Brühe absetzen lassen und nur den Überstand dekantieren. Dann nur ganz wenig Sediment/Pflanzenmaterial zu dem Überstand geben, fertig.
Gerade bei den empfindlichen Planktonproben ist es wichtig die Leichen die sich absetzen rechtzeitig abzugießen. Das verwandelt sich sonst im schlimmsten Fall innerhalb von Stunden in eine leblose Stinkebrühe.
Zusätzlich hat sich bei dieser Art von Proben bei mir bewährt sogar noch mit Regenwasser oder Volvic zu verdünnen.
Nur in Proben die interessant sind und in denen irgendwann dann doch die Luft raus ist, weil alles verwertbare verbraucht wurde, kann man ggf. auch sparsam nachfüttern.
Z.b. mit einem! Reiskorn (bei mir hat sich da besonders roher parboiled Reis bewährt).
Ein zerdrücktes "noch lebendes" Weizenkorn, getrocknete Kohlrübenschnitzel (ersengroße Menge/L) oder falls vorhanden etwas "Original"-Pflanzenmaterial vom Fundort sind eventuell auch einen Versuch wert.
Mit proteinhaltiger Nahrung wie Milch und Hefe oder auch toten Insektenlarven, Wasserflöhen etc. muss man besonders aufpassen.
Die sind zwar bei bestimmten Wasserbewohnern das reinste Kraftfutter aber es gibt da einen Haken.
Wenn Proteine abgebaut werden droht eine besonders große Gefahr, dass die Geschichte kippt (s.o. Nitritvergiftung/Ammoniak/O2-Mangel->☠️).
Besser und viel stabiler ist es, wenn sich das von Gerd beschriebene Gleichgewicht einstellt. Also ein Kreislauf, in dem Phytoplankton, Destruenten und ggf Predatoren den Laden dauerhaft selbst am laufen halten.
Bei Phytoplankton kann sehr sparsames Nachdüngen ab und zu hilfreich sein. Aber immer nur tropfenweise und in großen Abständen. Da haben sich bei mir Orchideendünger und Erdabkochung (wie die angesetzt wird findest du über die Suchfunktion) bewährt.

Licht:
Gerd hat's schon gesagt. Es ist nicht das zuviel an Licht was Probleme macht sondern die Wärme.
Für viele Algen ist es sogar umgekehrt in der Wohnung zu dunkel, bzw es fehlt an den nötigen Wellenlängen um ausreichend Photosynthese zu betreiben.
Zumindest im Winter.
Auch schwankende Lichtmenge ist doof. Vermehren sich die Planzen wenn es längere Zeit hell war, und folgen dann ein paar bedeckte Tage, verbrauchen Alge und Co KG plötzlich mehr Sauerstoff als sie produzieren.
Sie sterben ab, und dann hast du sie wieder, die drei Probleme...(Nitritvergiftung/Ammoniak/O2-Mangel->☠️)
Was da super hilft sind kleine LED-Pflanzenleuchten. Die mit dem magentafarbenen Licht sind super. Kaum Wärme, nur die benötigten Wellenlängen und auch noch mit Timer. Aber die brauchen halt Strom.
So sieht mein "Sonnendeck" aus:
IMG_20260203_223545.jpg
Ciliaten, Amöben usw. ohne Zoochlorellen kann man auch ganz ohne Licht kultivieren (ist dann sogar auch besser wenn die dunkel stehen)

Dankbare Kandidaten:
Bestimmte Proben sind besonders pflegeleicht.
Proben aus Moorgewässern (saures Millieu/wenig Nährstoffe) gehören dazu.
Da findest du viele verschiedene, interessante Arten, und die halten sich ohne weiteres Zutun über lange Zeit.
Proben aus regelmäßig eintrocknenden Pfützen mit wenig Sediment sind auch immer sehr dankbar und robust (z.b. Haematococcus, Stephanosphaera etc.)
Die vertragen naturgemäß Hitze, Kälte, und auch langsames Eintrocknen.
Pralle Sonne finden die ausnahmsweise sogar richtig gut.☀️👍
Eingetrocknet kann man sie dann lange lagern und dann einfach wieder mit Regenwasser zu neuem Leben erwecken.
Proben aus dem flachen Uferbereich von Teichen und Seen lohnen sich auch, wenn man sie nicht überfüttert.

Viel Spaß und Erfolg bei der Kleinsttierzucht
Holger
Der momentan ca. 60-70Petrischalen verteilt auf Keller, Schrank, Sonnendeck und Mikroskopierplatz voller Leben betreut und gar nicht mehr weiß was er denn als erstes mikroskopieren soll😅.
Spaß macht dieses Hobby auf jeden Fall, zumindest mir.

P.s.: Lieber Gerald, anders als von dir vermutet, ist der Platz unterm Bett tatsächlich noch frei!
Aber was noch nicht ist, kann ja noch werden.🤔
Holger
Duzen und meine Bilder (auch ungefragt)  bearbeiten, mit eigenen Aufnahmen ergänzen und weitergeben erwünscht!

AlexS

vielen Dank für deine sehr ausführliche Antwort , Holger.
Da sind viele nützliche Informationen drin.
Diese Pflanzenleuchte schaut auch gut aus , sehr praktisch !
Viele Grüße Alex