Bitte um Hilfe: Antikes Messing-Mikroskop

Begonnen von Klmund, Februar 19, 2026, 13:24:26 NACHMITTAGS

Vorheriges Thema - Nächstes Thema

Klmund

Hallo zusammen,
Ich bin Klaus und neu hier im Forum.
Ich habe einige Fragen zu meinem Dachbodenfund.
Ich habe ein altes Messing-Minroskop, welches von meinem Vater stammt. Ich vermute aufgrund der verschiedenen Goldschmiedezubehörteile, welche ich im selben Karton gefunden habe, dass mein Vater es von einem Goldschmied erworben hat. Er hatte mir einmal erzählt, dass er einige Artikel von einem solchen einmal gekauft habe.
Ich habe das Mikroskop gründlich nach Gravierungen (zu Hersteller u.Ä.) untersucht. Leider konnte ich absolut keine Hinweise zum Hersteller oder andere Informationen finden, die mich das Mikroskop einordnen lassen. Lediglich auf der Linse ist eine ,,4" eingraviert.
Hat von euch jemand vielleicht eine Idee, in welche Zeit sich das Mikroskop einordnen lassen kann und wie ich weitere Informationen hierzu erhalten kann?
Gibt es ansonsten besondere Pflegegebote, die ich bei einer Reinigung beachten sollte?
Besten Dank im Voraus und liebe Grüße
Klaus

Thomas Böder

Hauptmikroskope: Leitz Panphot, Ortholux, Zeiss Nf u. Technival u. Citoval 2, Reichert Zetopan
Kleinmikroskope: reichlich...

Gerd Schmahl

#2
Hallo Klaus,
willkommen im Forum!
ZitatGibt es ansonsten besondere Pflegegebote, die ich bei einer Reinigung beachten sollte?
Ja, gibt es: Nur so viel wie nötig und so wenig wie möglich putzen. Diese alten Teile beziehen einen Großteil ihres "Wertes" aus ihrer Patina, die zeigt, dass sie alt sind. Auf keinen Fall mit Elterglanz oder ähnlichen Poliermitteln Messingputz betreiben! Das Gerät ist mit einem sehr speziellen alkohollöslichen Lack versehen (Zaponlack), der ihm die goldene Farbe verleiht und das Messing vor Korrosion schützt. Alkohol oder andere Lösungsmittel scheiden deshalb auch aus zur Reinigung. Ich würde da nur Staubwischen, höchstens mit feuchtem Lappen etwas abreiben, wenn ein grober Schmutz darauf ist.

Natürlich will man durchgucken, auch wenn das natürlich eher was zum Angucken ist. Die Optiken kannst Du reinigen, indem Du die folgenden Schritte ausführst. Auch hier gilt wieder: Nur so viel wie nötig.
1. wichtigster Schritt: Linsen zunächst abblasen (Blasebalg) oder mit Optikpinsel abpinseln. Keinesfalls als Erstes mit irgendwas-auch-immer drüberwischen. Der Staub kann harte Partikel enthalten, die die Optiken zerkratzen.
2. Mit Aqua dest. und einem Wattestäbchen von innen nach Außen in kreisenden Bewegungen sauber wischen. Wenn Du auf die Glaser hauchst, ist das kondensierende Wasser auch Aqua dest.
3. Wenn 2. nicht reicht: Mit warmen Wasser und einem tropfen Spüli und wieder einem Wattetupfer in gleicher Weise. Sehr alter Dreck muss manchmal etwas aufweichen, bevor er sich bequemt zu weichen. Also ruhig 2..3 Mal wiederholen. Zum Schluss nochmal Aqua dest.
4. Nur bei ganz harten Fällen (Fett, Wimperntusche) mit Wundbenzin aus der Apotheke und dem Wattestab - na, Du weißt schon! Zum Schluss, na klar: Aqua dest.

Wir sprachen von Linsen, nicht von Spiegeln! Falls das Ding noch irgendwo einen Spiegel für Durchlichtbeleuchtung hat: nur Abpinseln. Oft sind das sehr empfindliche Oberflächenspiegel. Nur wenn die Spiegelschicht hinter dem Glas ist, kannst Du wie bei den Linsen putzen. Aufpassen, dass kein Wasser irgendwo einsickert und die Rückseite ruiniert (nur feucht, nicht nass arbeiten)

Hast Du das Mikroskop mal mit dem Rädchen vorsichtig hoch und runter gedreht? Das Opjektiv (unten am Tubus und auf den Bildern größtenteils verdeckt) könnte vielleicht doch noch einen Hinweis liefern.

Viel Freude mit dem schicken Teil wünscht
Gerd

Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

Jürgen Boschert

Hallo Klaus,

Gerds Ratschläge sind wirklich Gold wert. Und auch mit den Wattestächen auf keinen Fall Druck ausüben, nur zart streicheln!
Beste Grüße !

JB

Klmund

Wow, vielen Dank für die ausführlichen Anweisungen. Ich werde mich daran halten und einmal eine ganz vorsichtige Reinigung durchführen. Schließlich befand es sich doch einige Zeit auf dem Dachboden.

Und zu deiner Frage mit den Rädchen: ich habe alle beweglichen Teile bewegt, um zu sehen, ob ich nicht doch vielleicht eine Gravur finde. Leider nichts.
Könnte sich sonst vielleicht unten am Sockel noch etwas befinden? Der Boden ist mit einer Art Samt überzogen, könnte es sich vielleicht lohnen, diesen abzumachen?

Und kann jemand einschätzen, ob es sich hierbei um einen sehr hübschen Staubfänger für den Flohmarkt handelt, oder ob es vielleicht doch etwas wert sein könnte?

Beste Grüße
Jakob

Jakob_Wittmann

#5
Zitat von: Klmund in Februar 20, 2026, 06:22:55 VORMITTAGWow, vielen Dank für die ausführlichen Anweisungen. Ich werde mich daran halten und einmal eine ganz vorsichtige Reinigung durchführen. Schließlich befand es sich doch einige Zeit auf dem Dachboden.

Und zu deiner Frage mit den Rädchen: ich habe alle beweglichen Teile bewegt, um zu sehen, ob ich nicht doch vielleicht eine Gravur finde. Leider nichts.
Könnte sich sonst vielleicht unten am Sockel noch etwas befinden? Der Boden ist mit einer Art Samt überzogen, könnte es sich vielleicht lohnen, diesen abzumachen?

Und kann jemand einschätzen, ob es sich hierbei um einen sehr hübschen Staubfänger für den Flohmarkt handelt, oder ob es vielleicht doch etwas wert sein könnte?

Beste Grüße
Jakob

Hallo, geschätzte Runde, hallo Jakob,

ein herzliches Willkommen auch von mir. Du hast bereits wirklich gute Ratschläge erhalten, was eine behutsame Reinigung angeht.
Das ist tatsächlich nicht unwichtig, denn gerade bei antiken aus Messing gefertigten Mikroskopen sieht man bei eBay & Co manchmal ,,kaputt geputzte" Instrumente, was fraglos sehr schade ist.

Aber konkret zu Deiner Frage, Jakob. Das ist ganz sicher kein ,,Staubfänger", sondern ein schönes und auch gut erhaltenes Instrument.

Ich verlinke ein Angebot des Dorotheums Wien von 2025, in dem ein Mikroskop von Edmund Hartnack beschrieben wird. Hartnack, ein deutscher Optiker, der längere Zeit in Paris tätig war, ist in der Geschichte der Konstruktion von Mikroskopen kein Unbekannter.

Mikroskop Dorotheum.

Ich glaube, dass starke Ähnlichkeiten unübersehbar sind, wobei es zwischen Deinem Mikroskop und dem Instrument des Angebots Unterschiede gibt. U.a. in der Art des Antriebs für die Grobverstellung (bei Deinem ein Einstellrad) und natürlich die angebrachte schwenkbare Linse am Tubus.

Ich vermute, dass Dein Mikroskop eine spätere Bauform darstellt. Dass Du keine Kennzeichnung eines Herstellers, keine Seriennummer etc. vorfindest, ist bei älteren Mikroskopen durchaus vorgekommen.

Wohlgemerkt, das sind Mutmaßungen von mir und ich behaupte nicht, dass dies eindeutig ein Hartnack-Mikroskop ist.

Sieh mal bitte selbst, Jakob, lade dir das höher aufgelöste Bild runter und vergleiche. Zum Zweck des Vergleichens durch auch andere Forumsmitglieder war ich so frei und habe ein freigestelltes Bild Deines Mikroskops erstellt, damit ein nebeneinander Vergleich leichter fällt.  Sollte Dich das stören, kann ich es selbstverständlich entfernen.

Aus urheberrechtlichen Gründen darf ich leider nicht beide nebeneinander zeigen.

Beste Grüße


(auch ein  ;D ) Jakob


jakob.wittmann@hotmail.com


,,Ein Leben mit nur einem schwarzen Mikroskop ist möglich aber sinnlos."

Bernhard-Viktor ,,Vicco" Christoph-Carl von Bülow zugeschrieben

Thomas Böder

Dann war ich ja mit meiner Verlinkung auch auf dem gleichen Weg.  :D
Hauptmikroskope: Leitz Panphot, Ortholux, Zeiss Nf u. Technival u. Citoval 2, Reichert Zetopan
Kleinmikroskope: reichlich...

Alfons Renz

Hallo Jacob (der Fragende),

Trotz der Ähnlichkeit mit Mikroskopen von Hartnack vermute ich einen anderen Hersteller: Hartnack hat seine Mikroskope alle auf dem Tubus signiert. Zieh mal den Tubus aus dem Mikroskop und schau, ob da etwas eingraviert ist.

Vielleicht hilft auch die Bauform des Objektivs weiter: Andere Hersteller in Frankreich verwendeten oft sogenannte Satzobjektive aus sehr schmalen Gliedern, typischerweise aus 3 Linsen bestehend. Auf Deinem Bild ist das Objektiv leider nicht zu erkennen.

Viel Erfolg & Grüße,

Alfons

beamish

Solche kleinen "Trommelmikroskope", meist unsigniert, wurden in großen Stückzahlen, zumeist in Frankreich hergestellt.
Einen kleinen Überblick gibt es hier:
https://microscope-antiques.com/drumtoys.html

Grüße
Martin
Zeiss RA mit Trinotubus 0/100
No-Name China-Stereomikroskop mit Trinotubus
beide mit Canon EOS 500D

purkinje

Hallo,
mir scheint das Stativ nicht irgendein Trommelstativ zu sein sondern sehr nah (bis in Feinheiten) am oben verlinkten Oberhaeuser bzw Hartnack. Was hingegen stört ist der gesamte Tubus, v.a. dieser direkt auf die, in den Tubus eingelassene Zahnstange wirkende Trieb, mit seinem etwas fremd erscheinedem Doppelrändelrad und der langen Achse wirkt später gemacht. Es hat wohl auch Nachrüstungen bei Oberhaeuser /Hartnack gegeben, könnte aber auch andernorts gewesen sein. Letzteres könnte auch die fehlende Signatur erklären (Fremdtubus). Ich würde vorsichtig unter den Samt am Fuß sehen ob es eine Nummerierung gibt. Wäre zwar nicht zwingend  beweisend, aber ein weiterer Hinweis auf die Herkunft zumindest des Stativs.
Beste Grüße Stefan 

beamish

Hallo Stefan,

da hast du recht, eines der "gewöhnlichen" ist das nicht. Das Exemplar von Klaus hat ja sogar einen Feintrieb.

Grüße
Martin
Zeiss RA mit Trinotubus 0/100
No-Name China-Stereomikroskop mit Trinotubus
beide mit Canon EOS 500D