Test der Makro-/Mikrofotografie mit gekreuzten Polarisationsfiltern

Begonnen von FRanck, März 07, 2026, 11:33:29 VORMITTAG

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FRanck

Hallo zusammen,

ich möchte euch ein rein technisches Thema vorstellen, das ich interessant finde und mit dem ihr vielleicht schon vertraut seid.

Es handelt sich um eine Beleuchtungstechnik zur Vermeidung von Blendung und Glanzlichtern, die mir neu war und die mich sofort fasziniert hat, denn diese lästigen Glanzpunkte sind wirklich störend! Diese Art der Beleuchtung und Fotografie nennt sich Kreuzpolarisation und ermöglicht es, einen Großteil der Blendung auf glänzenden Oberflächen wie Glas oder Metall zu eliminieren und überbelichtete Bereiche aufgrund der Helligkeit des Motivs zu reduzieren.

Bei dieser Technik wird ein Polarisationsfilter auf das Objektiv und eine lineare Polarisationsfilterfolie vor die Lichtquelle gesetzt. Anschließend wird der Objektivfilter gedreht, um die Reflexionen möglichst zu minimieren, ohne die Bildqualität und die Farben wesentlich zu beeinträchtigen.
Also habe ich mir einen 62-mm-Polarisationsfilter für mein Sigma 105-mm-Makroobjektiv und einige lineare Polarisationsfilterfolien gekauft, die ich vor die Lichtquelle (in meinem Test ein LED-Ringlicht) gesetzt habe.

Dann habe ich meinen ersten Schnelltest gemacht und muss zugeben, dass ich mit dem Ergebnis recht zufrieden bin. Ich denke aber, ich kann es noch besser machen, oder es zumindest versuchen.

Ohne Kreuzpolarisation:
Aufnahme:
pdv01_sans_pol1200px.jpg
Oben rechts im Bild ist die Polarisationsfilterfolie zu sehen, die sich nicht vor der Lichtquelle befindet.

Ergebnis:
sans_polarisation_croisee1200px.jpg
Link zum hochauflösenden Bild auf Google Fotos: https://photos.app.goo.gl/5grvG2WmtHxnh3t37
Die Reflexionen an der Spitze der Blume sind deutlich zu erkennen.

Mit Kreuzpolarisation:
Aufnahme:
pdv01_avec_pol2000px.jpg
Diesmal ist die Polarisationsfilterfolie zu sehen, die sich vor der Lichtquelle befindet.

pdv02_avec_pol1200px.jpg
Der 62-mm-MC-CPL-Polarisationsfilter auf dem Objektiv.

pdv03_avec_pol1200px.jpg
Die lineare Polarisationsfilterfolie über der Lichtquelle, mittig ausgeschnitten.

Ergebnis:
avec_polarisation_croisee1200px.jpg
Link zum hochauflösenden Bild auf Google Fotos: https://photos.app.goo.gl/WosvQEpbDg8AEba36
Im obigen Foto habe ich lediglich den durch die Kreuzpolarisation verursachten Blaustich korrigiert; ansonsten wurden beide Fotos identisch nachbearbeitet. Man kann die deutlich reduzierten Reflexionen an der Blütenspitze erkennen.
 
 
 
Der nächste Teil meines Tests zur Kreuzpolarisationsfotografie, diesmal mit meiner Uhr.

Ohne Kreuzpolarisation:
Aufnahme:
pdv01_sans_pola1200px.jpg

Ergebnis:
montre_sans_pola1200px.jpg
Link zum hochauflösenden Bild in Google Fotos: https://photos.app.goo.gl/sUyHXqqA5BbDWVbX6

Mit Kreuzpolarisation:
Aufnahme:
pdv01_avec_pola1200px.jpg

Ergebnis:
montre_avec_pola1200px.jpg
Link zum hochauflösenden Bild in Google Fotos: https://photos.app.goo.gl/p4ZEptzFs3iyWAjb9

Viele Grüße,
Franck
Equipment : binocular magnifier / Microscope science infinity / Home macro bench
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first name : Franck

K. B.

Hallo Frank,

das ist je eine interessante Idee, bis jetzt kannte ich nur die Nutzung Der Objektivfilter, die auch schon sehr gegen Reflexionen helfen.
Das mit der polarisierten Lichtquelle muss ich auch mal testen.

Viele Grüße
Kay
Mikroskop: Olympus BH-2 BHTU/ BHS mit Trino (DL; PH; Fluo; DF; AL)
                  Zeiss GFL Trinokular (DL; PH; Fluo; AL)
                  Olympus CK2 Invers Trino (DL; PH; Fluo)
                  Olympus GB (DL; PH)
Mikroskopkamera: Canon EOS 550D; EOS RP

FRanck

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Gerd Schmahl

#3
Hallo Frank,
genau dieses Prinzip ist in diesen Ringlichtern mit Polfiltern für die Stereomikroskope umgesetzt. Das hilft auch hier die Glanzlichter zu vermeiden. Das ist besonders bei metallischen Gegenständen ausgesprochen hilfreich. Die habe ich an meinen zwei Stereomikroskopen im Einsatz. Der hintere Polfilter ist für diesen Preis sehr gut verarbeitet. Dafür bekommt man kaum einen einzelnen Filter, geschweige denn eine ganze Lampe. Beide Polfilter sind linear polarisierend.

Wenn Du die beiden Ergebnisbilder nebeneinander oder wenigstens direkt untereinander anbringen würdest, könnte man sie besser vergleichen. Bei der Blüte kann ich keine nennenswerten Unterschiede erkennen, bei der Uhr schon.
LG Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

reblaus

Hallo Gerd -

eine Frage  zu dem von dir empfohlenen Ringlicht.
Weil ich aber den thread von Franck nicht belasten will, will sie in einem separaten stellen.

Gruß

Rolf

FRanck

Hallo Gerd, hallo Rolf,
@Rolf: Du kannst deine Frage hier stellen. Kein Problem für mich  :)
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jochen53

Mit dieser Beleuchtungsmethode habe ich auch schon zu analogen Fotozeiten interessante Aufnahmen gemacht, z.B: von einer Orange. Die wirkte durch die vollständige Löschung des Glanzes auf der Schale total matt und unnatürlich, weil man es eben gewoht ist, daß Orangenschalen glänzen. Oft wird diese Art der Fotografie bei der fotografischen Reproduktion von Gemälden benutzt, dabei wird der Glanz des Firnisses gelöscht. Da bei der Reflexion von Licht an metallischen Oberflächen keine Polarisation eintritt und ein einfacher Polfilter daher unwirksam ist, ist diese Art der Beleuchtung eine Möglichkeit, trotzdem den Oberflächenglanz zu eliminieren. Je nach Qualität beider Polfilter bleiben evtl. noch sehr geringe, meist blau gefärbte, Spoitzlichter übrig. WEnn beide Filter hochwertig sind, erfolgt auch eine fast völlige Löschung der Spitzlichter.
Was man vielleicht der Vollständigkeit halber noch erwähnen sollte ist, daß diese Art der Beleuchtung und Fotografie sehr viel Licht durch die Multiplikation der Verlängerungsfaktoren beider Polfilter schluckt.
Viele Grüße, Jochen.

Lupus

Hallo Gerd,

ZitatWenn Du die beiden Ergebnisbilder nebeneinander oder wenigstens direkt untereinander anbringen würdest, könnte man sie besser vergleichen. Bei der Blüte kann ich keine nennenswerten Unterschiede erkennen, bei der Uhr schon.
auch bei der Blüte kann man Glanzlichter erkennen, nicht nur die kleinen weißen Überstrahlungen oben (linke Bildhälfte), sondern auch auf den Blütenflächen sind Aufhellungen durch Reflexionen erkennbar. Die Blütenhälften sind gespiegelt, zeigen also den gleichen Bildausschnitt.

Blüte Polfilter.jpg

Hubert

FRanck

Hallo Gerd,
Wie Hubert schon sagte, befinden sich die Unterschiede im oberen Bereich der Blüte bei den Spiegelungen (rote Pfeile), aber auch in bestimmten Bereichen der Blütenblätter (blaue Pfeile).
diferences.jpg
Viele Grüße,
Franck
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reblaus

#9
Hallo Franck -

da habe ich doch noch eine weitere Frage.

Vor einigen Monaten hatte ich meine Makroeinrichtung durch ein M PlanApo L 10x (sehr guter Mitu-Clone) erweitert. Ein Ringpolarisator für das Auflicht  war bereits vorhanden. Zunächst setzte ich den zweiten Polfilter vor das 10x PlanApo, aber leider wurde die optische Qualität des PlanApo 10x ruiniert.

Deshalb bastelte ich mir aus einem Stapel von Zwischenringen (siehe Foto) einen Adapter um den Polfilter hinter dem PlanApo, direkt vor der Frontlinse des RF 70-200 mm unterbringen zu können.
Das Bild war dann einwandfrei, aber leider ist das ein Gefummel, wenn man den Polfilter aufsetzen oder abnehmen will.

Bei der Makroeinrichtung auf deinen Fotos hast du ein Makroobjektiv verwendet, das wohl keine Probleme mit Filtern hat.

Hast du die Beleuchtung schon mal mit deinen Mitus 5x / 10x probiert?

Vielen Dank für Infos!

Rolf

PS. Frage an alle Experten: Hätte ein Plastik-Polfilter ohne Glasschutz keinen Einfluss auf die optische Qualität eines PlanApo 10x?

Jürgen Boschert

#10
Hallo Rolf,

das Plan-Apo ist ja auf eine Deckglasdicke von 0 gerechnet; also wird jede zusätzliche Scheibe, egal ob aus Glas oder Kunststoff, zwischen Objekt und Objektiv die Bildqualität erheblich mindern. Wäre es nur ein (Plan)Achro, würde sich das nicht bemerkbar machen, aber dort ist ja die Bildqualität von vornherein schlechter.

Makro-Objektive sind da tatsächlich unempfindlicher.
Beste Grüße !

JB

reblaus

Zitat von: Jürgen Boschert in März 11, 2026, 14:06:49 NACHMITTAGSHallo Rolf,

das Plan-Apo ist ja auf eine Deckglasdicke von 0 gerechnet; also wird jede zusätzliche Scheibe, egal ob aus Glas oder Kunststoff, zwischen Objekt und Objektiv die Bildqualität erheblich mindern. Wäre es nur ein (Plan)Achro, würde sich das nicht bemerkbar machen, aber dort ist ja die Bildqualität von vornherein schlechter.

Makro-Objektive sind da tatsächlich unempfindlicher.


Hallo Jürgen -

Bei meinem Macro MP-E65 mm macht der vorgesetzte Polfilter bei einer 5x Vergrößerung in der Tat im Vergleich mit/ohne überhaupt nichts aus, aber da kann man ja auch kaum mehr von "Apertur" sprechen eher von einer "Clotur" (??? - bin leider Nichtlateiner  ;D ).

Beim Filteraufbau habe ich kurzfristig an Gelatinefilter gedacht, aber die Polfilter sind ja aus gerecktem Kunststoff. Man wird halt alt.

Danke für die Aufklärung

Rolf