Graphitpulver für Irislamellen ?

Begonnen von AlexS, März 19, 2026, 19:13:21 NACHMITTAGS

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Jürgen Boschert

Hallo zusammen

natürlich habe ich keine Panik vor Irisblenden, und natürlich muss man komplett verbaselte Blenden zerlegen. Blenden in den achromatisch-aplanatischen Zeiss-West-Kondensoren sind da schon eine Herausforderung.
Auf diese einfache Lösung mit der kompletten Benzinwäsche bin ich gekommen, als ich sehr kleine, verpresste Blenden so blitzsauber bekommen habe. Seither spare ich mir -wo möglich- die Fummelei und Zeit des kompletten Zerlegens. Und noch eins: Eigentlich müsste man ja die einzelnen Lamellen quasi durchnummerieren und wieder exakt in gleicher Position einbauen; schließlich haben die sich über Jahrzehnte an ihre Nachbarn und die diskreten Höhenunterschiede gewöhnt. Mein Eindruck ist, dass die nicht zerlegten Blenden nach der Reinigung "sanfter" laufen als die zerlegten.
Rostige Blenden kann man -so keine Optik in der Nähe ist- auch in einem Bad mit Fein-Öl, Balistol, WD40 o.ä. in gleicher Weise behandeln und anschließend die Benzin-Wäsche vornehmen.
Beste Grüße !

JB

Luxo F.

Na, daß der geneigte Leser von nicht nur derlei Feinmechanik vielleicht die Finger lassen sollte, wenn beim Griff nach dem Werkzeug seine Ehefrau stets umgehend mit Verbandszeug und/oder Baldrian oder gleich Schnaps bewaffnet bereit steht, sollte klar sein, hoffe ich ;)

Der große Vorteil einer Demontage ist in meinen Augen halt, daß man zum einen sicher sein kann, daß danach wirklich alle Lamellen leicht laufen - eine einzelne klemmende Lamelle ist die beste Möglichkeit, die Blende zu töten. Und man holt auch eventuellen Roststaub aus den Lagerbohrungen zuverlässig raus. Das Einschleifen der Lamellen zueinander sollte sich arg in Grenzen halten, wenn der Konstrukteur nicht gemurkst hat, da muß man nicht drauf achten. Die dichten ja nicht und dienen auch nicht der Übertragung hoher Kräfte.

Aber ja: wenn man sich nicht sicher ist, ob man eine Reparatur hinkriegt, fängt man besser nicht mit der Rolex, sondern erstmal mit dem Eierwecker aus dem Ramschladen an  :)

(Zum Graphit noch: Für Zylinderschlösser wird Graphitpulver ausdrücklich empfohlen, es taugt also nachweislich als Trockenschmiermittel. Aber da sind in den seltensten Fällen optische Linsen direkt daneben, die sich über einen schönen Grauschleier freuen würden.)
Viele Grüße
Florian

Wutsdorff Peter

Hier noch einmal, wie schon öfters von mir geschrieben, zu WD40:
Zunächst hat man damit zum Schmieren guten Erfolg.
ABER: wenn die flüchtigen Teile verdunstet sind, bleibt eine klebrige Oberfläche. WD40 ist sehr gut zum Konservieren metallischer Oberflächen gegen Rost geeignet. Zum Schmieren ist WD40 nicht geeignet. Auch wenn das behauptet wird.
Ich sprühe die Betten meiner Dreh-und Fräsbank zum Konservieren mit WD40 ein. Wenn ich länger nicht  gearbeitet habe, sprühe ich mit Caramba ein und wische ab.
Dann wird normales Maschinenöl verwendet.
Gruß vom Inschenör Peter W

Bob

Hallo zusammen,
ich habe ein Kamera-Reparaturbuch von Thomas Thomosy aus den USA. Er beschreibt da die wesentlichen Schritte für das Öffnen und das Durchführen einer Wartung bei allerlei Kamera der 50er bis 80er.
Der wendet für Verschlüsse und Blenden als letzen Schritt eine Mischung aus Graphit und Waschbenzin an. Ich habe schon sehr viele Objektive und Kameras so behandelt und finde das Hinzugeben des Graphits vorteilhaft, die Teile gleiten leichter aneinander vorbei. Anfangs habe ich es mit Grafitpulver aus dem üblichen Heimwerker-Schmierstoffbedarf versucht, das ging gar nicht, man hätte genau so gut Haferflocken reinwerfen können. Dann habe ich bei einem meiner Söhne das Fingerabdruckpulver aus dem Detektivkasten konfisziert, und das ist gut. Wichtig ist immer, dass man loses Grafit hinterher rausbläst. Eine Kondensorblende sollte gut ohne zurechtkommen und dann würde ich es weglassen. In einer Kamera hat man es ja eher mit schnell beweglichen Teilen zu tun, das kommt das Graphit in manchen Fällen zur Geltung.

Viele Grüße,

Bob 

Jürgen Boschert

Hallo zusammen,

Graphit hat nach meiner Auffassung in einem Mikroskop nichts verloren; es ist nicht dauerhaft ortsständig, es könne Brösel auf optische Teile in der Nähe fallen, was eine gemeine Schmiererei hinterlässt. Wer unbedingt die Lamellen schmieren will, sollte eher ein nicht kriechendes Feinöl verwenden; aber notwendig ist auch das nicht.
Beste Grüße !

JB