Botanik: Echter Salbei (Salvia officinalis)

Begonnen von Hans-Jürgen Koch, April 04, 2026, 10:45:52 VORMITTAG

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Hans-Jürgen Koch

Der Salbei darf ohne Übertreibung als Prototyp einer Heilpflanze bezeichnet werden.

Der Echte Salbei (Salvia officinalis) stammt aus dem Mittelmeerraum, ist aber mittlerweile in Kultur und gehört zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceae).

Bild 01 Habitus, Echter Salbei (Salvia officinalis)

Quelle: Jörg Hempel, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2534806

Bild 02 Habitus, Echter Salbei (Salvia officinalis)

Foto; H.-J_Koch

Pflanze in unserer Kräuterschnecke; April 2026.

Salvia officinalis kommt auf dem dalmatinischen Festland (Kroatien und Montenegro) an sonnigen Kalkhängen massenhaft vor. Im früheren Jugoslawien stellte der Export von Salbeiblättern und – Öl eine beträchtliche Einnahmequelle dar. Er wird dort, sowie in Albanien, Ungarn, Deutschland und Frankreich angebaut.

Hinweis:
Nicht zu verwechseln mit dem Dalmatinischen Salbei (Salvia officinalis ssp. minor), einer Unterart mit höherem Thujon-Gehalt.

Der Thujongehalt in Lebensmitteln ist gesetzlich stark begrenzt, um toxische Wirkungen zu vermeiden. Maximal 0,5 mg/kg sind in Lebensmitteln erlaubt, bei Salbeiprodukten bis zu 25 mg/kg.

Da Thujon in höheren Dosen toxisch sein können, eignet sich reines ätherisches Öl aus Salbei nicht zur inneren Anwendung.

Der Echte Salbei (Salvia officinalis) ist einhäusig (oder genauer: zwittrig)
Die Pflanze ist zwittrig, das heißt, sie besitzt männliche (Staubgefäße) und weibliche (Stempel) Organe in einer Blüte.

Bild 03 Blätter, Echter Salbei (Salvia officinalis)

Foto: H.-J_Koch

Die würzig riechenden Blätter sind einfach gebaut, eiförmig oder länglich und verjüngen sich in Richtung Stiel, wo sie manchmal geöhrt sind. Die Blattkante ist fein gekerbt. Die Blätter sind grünlich bis silbergrau.
Die gegenständigen, Blätter  sind behaart und runzelig.
Die Spreite (Lamina) ist schmal elliptisch, (4 – 10 cm lang).

Heilpflanze:
Der Echte Salbei (Salvia officinalis) ist eine der ältesten bekannten Heilpflanzen.
Bedeutende Heil- und Gewürzpflanze, Arzneipflanze des Jahres 2023.

In der Medizin wird er wegen seiner entzündungshemmenden, antibakteriellen und schweißhemmenden Wirkung geschätzt. Klassisch eingesetzt bei Halsentzündungen (Gurgeln), Zahnfleischentzündungen oder als Tee bei Verdauungsbeschwerden.

Inhaltsstoffe von Salbei:
Ätherische Öle (1 bis 2,5%)
Cineol(15%)
Thujon (35 bis 60 %) - giftig
Gerbstoffe
Oleinsäure
Fumarsäure
Flavonoide (Kaffeesäure; Rosmarinsäure)
Nicotinsäure

Bemerkenswert ist, dass im Salbei auch der PP-Faktor aus der Gruppe der B-Vitamine enthalten ist.
Der PP-Faktor (Pellagra-Preventing Factor) ist eine veraltete Bezeichnung für Vitamin B3 (Niacin).

Drogenbeschreibung:
Die Droge (Salbeiblätter Salviae folium) besteht aus den getrockneten Blättern und Teilen des Stängels.

Die meisten Drogenimporte stammen aus Albanien und dem ehemaligen Jugoslawien.

Bild 04 Blatt, Oberseite, Echter Salbei (Salvia officinalis)

Foto: H.-J_Koch

Oberseits sind junge Blätter filzig behaart und ältere meist runzlig kahl.

Bild 05  Blattunterseiten, Echter Salbei (Salvia officinalis)

Foto: H.-J_Koch

Quelle: Smartse - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7187562

Echter Salbei (Salvia officinalis) ist typischerweise durch eine filzig behaarte Unterseite gekennzeichnet, die als Verdunstungsschutz dient.


Bild 06 Verholzte Stängel, Echter Salbei (Salvia officinalis)

Foto: H.-J_Koch

Salvia officinalis ist ein buschartige, stark aromatischer Halbstrauch, der meist 50 bis 100 cm hoch und wird  an der Basis verholzt.
Die Äste haben eine graubraune, abschuppende Borke.
Der Spross ist ein wenig krumm und stark verzweigt mit aufrechten Stängeln und vielen filzig behaarten Seitenästen.
Die jungen Zweige sind viereckig
Als immergrüne Pflanze legt der Salbei sein Blattkleid auch im Winter nicht ab.
Salvia officinalis hat eine Pfahlwurzel.

Bild 07  Einzelblüte, Echter Salbei (Salvia officinalis)

Quelle: Helge Klaus Rieder - Eigenes Werk, CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=91172420

Die  typischen Lippenblüten bilden sechs- bis zehnblütige Wirtel, von denen vier bis acht in Scheinquirlen rhythmisch angeordnet übereinander an den Haupttrieben stehen.
Die Blüten stehen in Quirlen und sind typischerweise violett, können aber auch weiß oder rosa sein. Sie erscheinen von Juni bis August.

Die ca. 2 cm langen Blüten mit meist blauvioletter Korolle erscheinen  in zu einer lockeren Ähre angeordneten Quirlen.

Korolle (auch Blumenkrone genannt) ist die Gesamtheit aller Kronblätter (Petalen) einer Blüte.

Die Blüten stehen in auseinandergezogenen, endständigen Ähren, deren Quirle Hüllblätter haben. Der Blütenkelch ist ziemlich groß, ebenfalls fein behaart, bilateral symmetrisch und hat 5 spitze Zähne.

Bilateral symmetrisch (zweiseitig symmetrisch) bedeutet, dass ein Körper, ein Organismus oder ein Objekt nur durch eine einzige Schnittebene in zwei spiegelbildliche Hälften – eine rechte und eine linke Seite – geteilt werden kann.

Die Blütenkrone ist schlauchförmig, zweilippig.
Sie verströmen einen sehr stark würzigen, angenehmen Geruch und schmecken pikant – bitter.
Wenn die welke Krone abgefallen ist, erkennt man innerhalb des Kelches die vierteiige Krausenfrucht.
Blütezeit: April bis Juli.

Bild 08 Klausen, Echter Salbei (Salvia officinalis)

Quelle: Kaly.joly - Eigenes Werk, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3372186

Beim Echten Salbei (Salvia officinalis) beziehen sich die Begriffe ,,Klausen" oder ,,Klausenfrüchte" auf die spezifische botanische Fruchtform der Pflanze.

Definition:
Klausen sind die Teilfrüchte (Nussfrüchte)  des Salbeis. Nach der Blüte zerfällt der Fruchtknoten in vier glatte, einsamige Teilfrüchte, die als Klausen bezeichnet werden.

Merkmale:
Diese sind meist eiförmig bis kugelig und braun. Bei Nässe bilden sie oft eine charakteristische Schleimschicht auf ihrer Oberfläche.

Geschichte:
Der Salbei wurde vermutlich bereits im alten Ägypten gegen Bauchkrankheiten, Zahnschmerzen und Asthma eingesetzt.

Im Papyrus Ebers (1500 v.Chr.) ist  der Echte Salbei als Mittel gegen Juckreiz aufgeführt. Die Hippokratiker rühmten seine blutstillenden, stärkenden und menstruationsfördernden Eigenschaften.

Unter dem Namen Salvia wird die Pflanze von den Römern Plinius, Dioskurides und Galen in ihren Werken beschrieben. Sie empfahlen ihn zum Wärmen und Zusammenziehen, bei Husten, Heiserkeit, zur Wehenförderung und gegen Geschwüre.

Ich habe nicht klären können auf welche Salbei-Arten sie sich jeweils bezogen.

Der Name Salvia wird vom lateinischen salvare, was ,,heilen" und salvere, was ,,gesund sein" bedeutet, abgeleitet.
Das deutsche Wort Salbei ist unschwer als Lehnwort zu erkennen. Der Artname officinalis heisst, in der Apotheke (Officin) gebräuchlich.

Die Offizin (von lateinisch officina für ,,Werkstätte", ,,Arbeitsraum" oder ,,Wirtschaftsgebäude") bezeichnet historisch eine Werkstatt, in der hochwertige Waren produziert und gleichzeitig verkauft wurden.

Der Echte Salbei ist im ,,Capitulare de villis" (ca. 790) Karls des Grossen resp. Ludwig des Frommen aufgeführt und wurde in den Klostergärten angepflanzt.
Der Salbei ist schon früh auch nach England gelangt, wo er seither als Gewürz intensiv genutzt wird.
Auch im Mittelalter brachte man dem Salbei eine hohe Wertschätzung entgegen.

Eines der ältesten Gesundheitsbücher mit Lebensregeln  - es stammt aus der berühmten Salernischen Ärzteschule -
widmet dem Salbei folgenden Vers:

Cur moriatur homo, cui salvia crescit in horto ?

Contra vim mortis non est medicamen  in hortis !

Salvia confortat nervos manuumque tremorem

Tollit, et eius  ope febris acuta fugit.

Salvia, salvatrix, naturae conciliatrix !

Warum soll sterben ein Mensch, in dessen Garten der Salbei wächst ?

Gegen des Todes Gewalt gibt es im Garten kein Heilkraut !

Salbei stärkt die Nerven und löst das Zittern der Hände, und durch seine Kraft flieht das akute Fieber

Mit seiner Hilfe weicht auch so heftiges Fieber

Heilbringender Salbei, Gesundheitsvermittler der Natur !

Die stark riechende Pflanzen wurden schon immer auch zu kultischen Zwecken und als Schutzpflanze gebraucht. Der Salbei gilt als Zauberpflanze ersten Ranges und wird heute noch gerne zum  Räucherungen verwendet.

Systematik:
Ordnung: Lippenblütlerartige (Lamiales)
Familie:    Lippenblütler (Lamiaceae)
Unterfamilie:    Nepetoideae
Gattung:    Salbei (Salvia)
Art:    Echter Salbei
Wissenschaftlicher Name: Salvia officinalis
Syn.: Salvia chromatica et papillosa, Salvia cretica, Salvia grandiflora
Viele Synonyme sind nur Kulturformen
Alternative Bezeichnungen: Garten-Salbei, Heilsalbei, Küchensalbei, Gewürz-Salbe, Fischsalbei, Rauchsalbei, Salbeikraut, Tugendsalbei, Königssalbei, Edelseibei oder  Apotheker-Salbei.
Englische Bezeichnung: Garden sage, Common sage, Kitchen sage

Die Gattung Salvia ist eine der artenreichsten Gattungen innerhalb der Lamiaceae, sie umfasst über 900 Arten. Auch von Salvia officinalis existieren verschiedene Unterarten und zahlreiche Kulturformen.

Die Erstveröffentlichung von Salvia officinalis erfolgte 1753 durch Carl von Linné i(1707 – 1778) in Species Plantarum Band 1 Seite 23

Bild 09 Illustration, Echter Salbei(Salvia officinalis)

Quelle: Walther Otto Müller - List of Koehler Images, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=255453

Teil 1
Viereckiger Spross, Querschnitt
30 Mikrometer

Bild 10 Schnittstellen, Echter Salbei (Salvia officinalis)

Foto: H.-J_Koch

Ältere Triebe braungrau, Borke streifig abösend.

Bild 11 Übersicht, Negativaufnahme, ungefärbter Schnitt, Echter Salbei (Salvia officinalis)


Bild 12 Detailaufnahme, ungefärbter Schnitt,  Echter Salbei (Salvia officinalis)


Bild 13 Xylem, ungefärbter Schnitt,  Echter Salbei (Salvia officinalis)


Bild 14 Detailaufnahme, ungefärbter Schnitt, Autofluoreszenz, Echter Salbei (Salvia officinalis)

LED Modul 455 nm
Reflektormodul FL mit Filtersatz 67
Erregerfilter: BP 470 nm
Strahlenteiler: FT 477 nm
Emission (Sperrfilter): LP 485

Bild 15 Detailaufnahme, ungefärbter Schnitt, Autofluoreszenz, Echter Salbei (Salvia officinalis)


Bild 16 Detailaufnahme, ungefärbter Schnitt, Autofluoreszenz, Echter Salbei (Salvia officinalis)


W-3A-Färbung nach Wacker (Acridinrot-Acriflavin-Astrablau)

Arbeitsablauf:
1.Pflanzenprobe liegt in 30 % Ethanol.
2. Aqua dest. 3x wechseln je 1 Minute.
3. Vorfärbung Acridinrotlösung 7 Minuten
4. 1x auswaschen mit Aqua dest. .
5. Acriflavinlösung (differenzieren bis gerade keine Farbwolken mehr abgehen - Lupenkontrolle) ca.15 Sekunden !!
6. 2 x auswaschen mit Aqua dest..
7. Nachfärbung Astrablaulösung 1 Minuten
Bei der Nachfärbung mit Astrablau eine Mischung aus Astrablau und Acriflavin im Verhältnis 3 : 1 verwendet (blau + gelb = grün).

Tipp:
Eine schöne Variante erhält man, wenn man in der letzten Färbestufe eine Mischung aus Astrablau und Acriflavin im Verhältnis 3:1 verwendet. (3 Tropfen Astrablau und 1 Tropfen Acriflavin separat ansetzen und Gemisch mit der Pipette übertragen.
8. Auswaschen mit Aqua dest. bis keine Farbstoffreste verbleiben.
9. Entwässern mit 3x gewechseltem Isopropylalkohol (99,9 %)
10. Einschluss in Euparal.

Ergebnis:
Zellwände blaugrün bis grün, verholzte Zellwände leuchtend rot, Zellwände der äußeren Hypodermis orangerot, Cuticula gelb, Zellwände der innenliegenden Hypodermis tiefrot.
Bei der Betrachtung wird eine Kontrastverbesserung bei Verwendung eines BG 38 Filters (blaugrün, 3 mm dick) erreicht.
Fotos: Nikon D5000, Sony

Bild 17 Übersicht, Echter Salbei (Salvia officinalis)


Bild 18 Kantenkollenchym, Echter Salbei (Salvia officinalis)


Das Kantenkollenchym ein häufiges Merkmal, besonders in den vier Ecken des typischen vierkantigen Stängels.

Bild 19 Detailaufnahme mit Beschriftung, Echter Salbei (Salvia officinalis)

SK = Sklerenchym – Inseln, RP = Rindenparenchym, PH = Phloem, HST = Holstrahl, XY = Xylem, MP = Markparenchym

Bild 20 Detailaufnahme, Echter Salbei (Salvia officinalis)


Bild 21 Detailaufnahme, Echter Salbei (Salvia officinalis)


Bild 22  Detailaufnahme, Echter Salbei (Salvia officinalis)

Bild 23 Detailaufnahme, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz, Echter Salbei (Salvia officinalis)

Reflektormodul FL mit Filtersatz 67
Erregerfilter: BP 470 nm
Strahlenteiler: FT 477 nm
Emission (Sperrfilter): LP 485

Bild 24 Detailaufnahme, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz, Echter Salbei (Salvia officinalis)


Bild 25 Detailaufnahme, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz, Echter Salbei (Salvia officinalis)


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Hans-Jürgen Koch

#1
Teil 2
Spross, Längsschnitt
25  Mikrometer

W-3A-Färbung nach Wacker (Acridinrot-Acriflavin-Astrablau)

Bild 26 Lentizelle, Echter Salbei (Salvia officinalis)

Strichförmige Erhebungen auf der Oberfläche von verholzten Stängeln sichtbar.

Im Laufe der Zeit verändert sich der Spross: Während die jungen Triebe weich und stark behaart sind, verholzt der Echte Salbei von der Basis her und wird zum Halbstrauch,  in der diese Poren für den Gasaustausch notwendig werden.


Bild 27 Detailaufnahme, Echter Salbei (Salvia officinalis)


Bild 28 Trichome, Tangentialschnitt, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz, Echter Salbei (Salvia officinalis)


Die dichte Behaarung bildet eine isolierende Luftschicht direkt über der Epidermis, was die Wasserverdunstung reduziert – eine Anpassung an sonnige, trockene Standorte.


Bild 29 Detailaufnahme, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz, Echter Salbei (Salvia officinalis)

Mehrzellige, unverzweigte Gliederhaare mit verbreiteter Basalzelle.
Die Zellwände sind oft dick und können eine warzige Oberfläche aufweisen. In reifem Zustand sterben diese Zellen oft ab und füllen sich mit Luft, was ihnen ihr weißes, reflektierendes Aussehen verleiht.

Teil 3
Blattstiel, Querschnitt
20 Mikrometer

W-3A-Färbung nach Wacker (Acridinrot-Acriflavin-Astrablau)

Die Anatomie des Blattstiels beim Echten Salbei (Salvia officinalis) ist durch die typischen Merkmale der Lippenblütengewächse (Lamiaceae) geprägt. Besonders markant ist die starke Behaarung, die als Verdunstungsschutz dient.

Anatomischer Aufbau des Blattstiels:

Epidermis & Behaarung:
Die äußere Schicht ist dicht mit Drüsenhaaren und Gliederhaaren besetzt. Diese Haare verleihen dem Stiel sein charakteristisches graufilziges Aussehen und enthalten die wertvollen ätherischen Öle wie Thujon und Cineol.

Grundgewebe (Parenchym):
Unter der Epidermis liegt ein Festigungsgewebe (Kollenchym), das dem Blattstiel Stabilität verleiht. Das restliche Innere besteht aus Füllgewebe (Parenchym), in dem die Leitbündel eingebettet sind.

Leitbündel (Vaskularsystem):
Im Querschnitt zeigt der Blattstiel oft eine u-förmige oder halbmondförmige Anordnung der Leitbündel.

Das Xylem (Wasserleitung) liegt zur Oberseite hin, während das Phloem (Nährstoffleitung) zur Unterseite orientiert ist.

Faszinierende Vielfalt an Haaren (Trichomen).

Diese lassen sich grob in zwei Gruppen einteilen:
Gliederhaare (Schutzfunktion) und Drüsenhaare/-schuppen (Produktion ätherischer Öle).

1. Gliederhaare (Peitschenhaare)
Diese Haare sind für den typischen grauen Filz verantwortlich. Sie bestehen aus einer Reihe hintereinanderliegender Zellen.

Aussehen: Langgestreckt, oft mehrzellig und uniseriat (einreihig). Die Basis ist oft etwas breiter, während das Ende spitz zuläuft.

Mikroskopisches Merkmal: Die Zellwände sind oft warzigen (verrucosen) Oberflächenstrukturen überzogen.

Funktion: Sie bilden ein Luftpolster über der Epidermis, das die Verdunstung reduziert und Licht reflektiert (Hitzeschutz).

2. Drüsenhaare (Köpfchenhaare)
Diese sind deutlich kleiner als die Gliederhaare und oft in der "Filzschicht" versteckt.
Kurzstielige Drüsenhaare: Bestehen meist aus einem ein- bis zweizelligen Stiel und einem ein- bis zweizelligen Köpfchen.

Bild 30 Schnittstelle, Blattstiel, Echter Salbei (Salvia officinalis)


Bild 31 Übersicht, Nagativaufnahme, ungefärbter Schnitt, Echter Salbei (Salvia officinalis)


Bild 32 Detailaufnahme, ungefärbter Schnitt, Autofluoreszenz, Echter Salbei (Salvia officinalis)


Bild 33 Detailaufnahme, ungefärbter Schnitt, Autofluoreszenz, Echter Salbei (Salvia officinalis)


Bild 34 Übersicht, Echter Salbei (Salvia officinalis)


Bild 35 Detailaufnahmet, Echter Salbei (Salvia officinalis)


Bild 36 Detailaufnahme, Echter Salbei (Salvia officinalis)


Bild 37 Detailaufnahme, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz, Echter Salbei (Salvia officinalis)


Bild 38 Detailaufnahme, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz, Echter Salbei (Salvia officinalis)



Verzeichnis der benutzten Literatur:

Wikipedia; Freie Enzyklopädie

D. Aichele ,,Die Blütenpflanzen Mitteleuropas", ISBN: 3-440-0619-9

Walter Eschrich ,,Pulver-Atlas der Drogen", ISBN: 3-7692-2505-8

Frank Erdnüß ,,Pflanzen bestimmen für Dummies", ISBN: 978-3-527-71428-5

Manfred Jäger ,,Die moderne Naturheilkunde", 1978

Anton Kerner von Marilaun (1831-1898) ,,Pflanzenleben", 1896

Bettina Rahfekd ,,Mikroskopischer Farbatlas der pflanzlichen Drogen", ISBN: 978-3-8274-1951-4

Hans Jürgen Pfänder ,,Farbatlas der Drogenkunde", ISBN: 3-437-00627-4

Rettenmaier", ,,Botanik -Drogenkunde", 1973

Schönfelder ,,Das neue Handbuch der Heilpflanzen", ISBN: 978-3-440-12932-6

Richard E. Schultes ,,Pflanzen der Götter", ISBN: 3-44-1082-5

Schmeil ,,Leitfaden der Pflanzenkunde", 1952

Florence Thinard ,,Das Herbarium der Entdecker", ISBN; 978-3-258-07818-2

Max Wichtl ,,Teedrogen",  ISBN: 3-8047-1009-3

,,Botanica" Das Abc der Pflanzen, ISBN: 3-8290-0868-6

,,Die große Enzyklopädie der Arzneipflanzen und Drogen", ISBN: 978-3-89996-508-7

,,Das neue Handbuch der Heilpflanzen", ISBN: 978-3-440-12932-6

,,Pflanzen des Mittelmeerraums", ISBN: 978-3-527-71428-5

,,Das große illustrierte Pflanzenbuch", 1966


,,Lexikon der Heilpflanzen", ISBN: 3-8299-5488-3

,,Heilpflanzen und ihre Kräfte", 1985

Meine Recherche gleicht einer Entdeckungsreise, bei der ein Fakt oft zu weiterführenden Zusammenhängen führt.
Ich folge dem Schneeballprinzip:
Beim Verknüpfen der Informationen stoße ich kontinuierlich auf neue, spannende Aspekte.
Ich exploriere das Thema intensiv und erschließe mir fortlaufend neue Informationsquellen.
Ich arrangiere Informationen aus Büchern und Internet, um sie zu einer in sich geschlossenen Darstellung zu fusionieren.
Ich freue mich über Rückmeldungen jeglicher Art, sei es Lob oder konstruktive Anregungen.

Hans-Jürgen
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Manfred Rath

Lieber Hans Jürgen,  wie immer ein genialer Beitrag, Frage: Warum kommt es bei diversen Schnitten zu Ablöungen einzelner Zellverbände (kommt auch bei meinen Schnitten immer wieder vor und hab keine Erklärung dafür, deshalb meine Frage)
Jetzt aber auf zum "Eierpecken"- Ein alter steirischer Osterbrauch - danach gibt's a Gsölchts

Frohe Ostern
Ich lebe in der Region "Steirisches Vulkanland" - bin aber kein Vulkanier sondern waschechter Steirer.

Hans-Jürgen Koch

Lieber Manfred,

danke für dein Lob.
Ich habe noch ca. 30 dickere Querschnitte von zwei Blattstielen mit 35 Mikrometern erstellt.
Alle Schnitte sind mit dem Bild 34 identisch.
Die Blattstiele waren nicht fest im Probenhalter eingespannt.

Die  Ablösungen einzelner Zellverbände kann ich nicht erklären.

Tip zum ,,Eierpecken" :  Kleine Eier von jüngeren Hühnern haben oft eine stabilere, kompaktere Schale.

Frohe Ostern
Hans-Jürgen
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Daniel Scheibenstock

Hallo Hans-Jürgen,

Ein sehr ausführlicher Bericht denn ich wieder mit Interesse gelesen habe 🙂

Sehr spannend finde ich immer auch die Hintergründe die du zusammen trägst 🙂

Liebe grüße Daniel

Ps. An einer Stelle schreibst du von Ex-Jugoslawien und an einer Stelle hast du das Land wieder auferstehen lassen 😅😉
Leica DMRB HC (DL, Pol)
Motic BA310 LED (DL: PH; DF;POL, AL: POL)
Zeiss Universal (DL: Fluo; POL AL: Fluo,POL. DIC)
Zeiss IM35 (DL; PH; Fluo;POL)
Bresser Stereolupe

Vorstellung: https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=48126.0

M Beier

Lieber Hans-Jürgen,
deine Beiträge lese ich immer wieder gern, besonders über die Farben der Fluoreszenz Bilder bin ich begeistert. Heute kann ich zum Salbei und seinen Trichomen zum Verdunstungsschutz ein paar Bilder im Auflicht beitragen, die auch schön die Drüsenzellen zeigen.
Gruß Maria


20201215-Salbei-Blattunterseite-1.JPG

Anschnitt eines Blattes im Auflicht20201223-Salbei-Blattquer-Auflicht.JPG
20201215-Salbei-Querschnitt-Auflicht.JPG

Peter T.

Lieber Hans-Jürgen,

das ist wieder ein sehr eindrucksvoller Bericht mit super Schnitten und toller Färbung. Du hast dem Salbei einige Geheimnisse entlockt.

Auch die ergänzenden Bilder von Maria gefallen mir sehr gut.

Schöne Grüße

Peter

P.S. Sobald ich dazu komme, nehme ich den Beitrag in die Botanik-Liste auf.
Liebe Grüße
Peter

Hans-Jürgen Koch

Liebe Pflanzenfreunde,

Daniel, Maria und Peter, danke für euer Feedback.

@ Marie,

danke für die ergänzenden Bilder – super.

Ich wünsche noch einen schönen Ostermontag.

Hans-Jürgen
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Wutsdorff Peter

Einen schönen Oster-Montag wünsche ich Dir  Hans-Jürgen.
  Wieder ein suuupeeer-Hans-Jürgen.
In der Schule  begrüßte uns der Lateinlehrer:
Salvete discipuli und wir antworteten: salve magister!
Soweit noch etwas Senf von mir
Gruß Peter W

Gerd Schmahl

#9
Hallo Hans-Jürgen,
obwohl der Salbei seit vielen Jahren einen festen Platz in meiner Hausapotheke, in der Küche und auch im Garten hat, habe ich wieder viel gelernt. Mein Salbeistrauch ist 2x mit umgezogen und mittlerweile ca. 25 Jahre alt.
ZitatIn der Medizin wird er wegen seiner entzündungshemmenden, antibakteriellen und schweißhemmenden Wirkung geschätzt.
Salbei ist ein sehr wirkmächtiges Kraut, dass ich aktuell wieder wegen Zahnfleischproblemen einsetzte. Was aber oft vergessen wird: Er hemmt auch die Milchbildung stark, so dass stillende Mütter sehr vorsichtig damit sein müssen, wenn sie ihre Kinder weiterhin stillen wollen. Hier zeigt sich wohl einmal mehr die stammesgeschichtliche Herkunft der Milchdrüsen von Schweißdrüsen.

Was ich auch immer total beeindruckend finde, ist der ausgefeilte Bestäubungsmechanismus, bei dem über einen Hebel, den die Hummeln betätigen, wenn sie ihren Kopf in die tiefen Blüten stecken, auf dem Rücken die Pollen gedrückt bekommen. Hier ein schönes Video dazu (Mechanismus bei 2:30).

Hallo Maria,
auch Deine Auflichtbilder gefallen mir sehr, die schön die Drüsenhaare im Filz der übrigen Trichome zeigen und auch die faltige Blattstruktur, die schon fast an die Kavernen in den Oleanderblättern erinnern.

Beste Grüße
Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

Hans-Jürgen Koch

Hallo Peter W. Und Gerd,

danke für euer Interesse und die netten Worte.

@ Peter,

einige meine Lehrer waren in meiner Schulzeit schon im Ruhestand und arbeiteten weiter.

Ein alter Professor streifte sich vor Stundenbeginn seine abnehmbare Manschetten ab und stellte diese auf seinen Pult.
Seine ersten Worte zu Stundenbeginn: ,, Koch, an die Tafel !"
Smartboards oder Interaktive Whiteboards gab es noch nicht.
Es hat mir trotzdem Spass gemacht.

@ Gerd,

ein lehrreiches Video, danke.
Ich sage nur, faszinierende Natur.

Gruß
Hans-Jürgen
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